Arbeitsbedingungen in der Pflege dringend verbessern - alternativlos!

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

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WernerSchell
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Arbeitsbedingungen in der Pflege dringend verbessern - alternativlos!

Beitrag von WernerSchell » 13.06.2020, 06:17

Arbeitsbedingungen in der Pflege dringend verbessern - alternativlos!


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„Führende“ Pflegeverbände gehen mit einer Petition in die Offensive und wollen damit Verbesserungen für das Pflegepersonal erreichen (> https://www.openpetition.de/petition/on ... 7wbjsgyzpA ). Die entscheidenden Forderungen bei einer Pflegereform müssen aber vorrangig sein:

Deutlich verbesserte Stellenschlüssel (Rothgang-Gutachten spricht von einem Stellenplus von 36%) und höhere Vergütungen für ALLE Pflegekräfte (die jetzige Mindervergütung für die Altenpflege gehört beendet).

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Darauf müsste mit Rücksicht auf das jahrelange Werben für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege näher eingegangen und die Alternativlosigkeit solcher Verbesserungen ausführlich dargestellt werden. Einige andere Verbesserungen können allenfalls ergänzend sinnvoll sein. … Die Vorschläge der "Führenden Pflegeverbände" müssen mit Rücksicht auf die wirklich wichtigen Reformerwägungen durch eine ausreichende Begründung ergänzt werden. Nur so kann eine Petition, wenn überhaupt, Sinn machen.

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Weiterführende Informationen sind unter nachlesbar
> viewtopic.php?f=3&t=23508 Dort wird u.a. bemerkt: Es war geplant, beim inzwischen abgesagten Neusser Pflegetreff am 06.05.2020 die aktuellen pflegepolitischen Handlungserfordernisse erneut aufzugreifen und entsprechende Reformmaßnahmen einzufordern (> viewtopic.php?f=7&t=23481 ). Alle, die im Jahr vor der nächsten Bundestagswahl mit für mehr Druck sorgen wollen, sind zur Unterstützung der hiesigen Aktivitäten ermuntert!

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Aktuelle Pflegethemen wurden auch wiederholt satirisch aufbereitet, z.B.:
- Deutschlands Politiker entdecken den Pflegenotstand | heute-show vom 20.10.2017 > https://www.youtube.com/watch?v=6DcE8janA10
- Pflege in Deutschland: Mies bezahlt, schlechte Arbeitsbedingungen | heute-show vom 14.09.2018 >
https://www.youtube.com/watch?v=rKcKs4o7xso


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Pflegenotstand und die Politik - Klartext am 01.06.2020:

Spätestens mit Abschaffung der Pflege-Personal-Regelung (PPR) 1995 habe ich damit begonnen, mich für die immer deutlicher werdenden Probleme bei der pflegerischen Versorgung von Patienten und pflegebedürftigen Personen zu interessieren. Es gab zunehmend Veranlassung, mich in vielfältiger Weise mittels Stellungnahmen, Briefe an Politiker, Interviews gegenüber Radio- und TV-Sendern für die betroffenen Menschen stark zu machen.

Die daraufhin von mir gegründete Interessenvertretung für pflegebedürftige Menschen - Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk - hat das alles noch einmal deutlicher auf den Punkt gebracht. Vor allem bei den regelmäßígen Neusser Pflegetreffs wurden die maßgeblichen Themen immer wieder angesprochen und lebhaft bzw. kontrovers diskutiert. Rd. 70 Bundespolitiker bzw. sonstige hochkarätige Experten kamen immer wieder gerne zu den Veranstaltungen und bereicherten das jeweilige Podium. Die jeweils diskutierten Themen und aufgezeigten Handlungsanforderungen fanden Niederschlag in Statements, die den zuständigen Ministerien und sonstigen Institutionen zur weiteren Veranlassung übermittelt wurden. Es wurde immer wieder nachgefasst mit der Folge, dass die eine oder andere Verbesserung erreicht werden konnte.

Unabhängig davon habe ich mich seit Mitte der 1979er Jahre im Patientenschutz engagiert und die Gestaltung von Patientenrechten eingefordert. Dabei ergab sich die Möglichkeit, in den zurückliegenden Jahrzehnten vielen Betroffenen mit geeigneten Informationen helfen zu können. In den 1980er Jahren gab es von mir den ersten Patientenratgeber in Deutschland mit dem Titel "Arztpflichten - Patientenrechte". Mittlerweile sind die formulierten Forderungen in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) übernommen worden (§ 630a ff. BGB). Patientenrecht und Betreuungsrecht sind mehrfach im Jahr Gegenstand von Vortragsveranstaltungen.

Es versteht sich, dass ich auch im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an Kranken- und Altenpflegeschulen etc. umfänglich die maßgblichen Themen angesprochen habe. Aufgrund dieser Tätigkeit werde ich auch heute noch von ehemaligen Schülerinnen und Schülern angesprochen und um Rat gebeten.

Vielfältige Informationen zum Gesundheits- und Pflegewesen habe ich über die Jahre auch in mehr als 20 Buchveröffentlichen und hunderten Zeitschriftenartikel verbreiten können. Besonders erfreut hat mich in diesem Zusammenhang, dass mein Lehrbuch "Staaatsbürger- und Gesetzeskunde für die Pflegeberufe in Frage und Antwort" (Thieme Verlag), mit 12 Auflagen viele Pflegekräfte in Aus- und Weiterbildung begleiten konnte.

Was den vielfach diskutierten Pflegenotstand angeht, konnten keine entscheidenden Veränderungen bewirkt werden. Es war letztlich so, dass die politisch Verantwortlichen im Bund und in den Ländern stets anderen Themen Vorrang eingeräumt haben und so das Pflegesystem vernachlässigt wurde. Auch die föderalen Strukturen und die unterschiedlichen Interessen im Gesundheits- und Pflegewesen haben dazu beigetragen, dass es keine klaren Vorstellungen über die notwendigen Reformschritte gab. Obwohl Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk immer wieder angemahnt hat, diesbezüglich die ambulanten und stationären Versorgungsangebote zusammenfassend in den Blick zu nehmen und folgerichtig einen "Masterplan Pflege" zu fordern, sind die verschiedenen Akteure meist nur auf einzelne Interessengebiete fokusiert:

Die Träger von Pflegeeinrichtungen müssen wirtschaftliche Erwägungen berücksichtigen, angestelltes Personal tritt für bessere Pflege-Rahmenbedingungen und höhere Vergütungen ein, ambulant werden Versorgungsnetze und Leistungen eingefordert, die die pflegenden Angehörigen entlasten, Kommunen werden in die Pflicht genommen, Quartiershilfen zur Förderung der ambulanten Versorgung zu gestalten und die politisch Verantwortlichen wollen die Beiträge zur Pflegeversicherung und die Ausgaben für die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen in Grenzen halten. … usw.

Die Tatsache, dass Pflegekräfte nur unzureichend organisiert sind, ist wohl vorrangig dafür maßgebend, dass es bislang mit der Verbesserung der Pflege-Rahmenbedingungen und der Durchsetzung höherer Vergütung nicht wirklich voran gegangen ist. Pflegekräfte sind vielfach Frauen, zum Teil alleinerziehend bzw. in Teilzeit beschäftigt, deren Aktivitäten mehrheitlich nicht auf die Beteiligung an der Pflegepolitik ausgerichtet sind. Selbst die am einzelnen Arbeitsplatz auftretenden Unzulänglichkeiten der Arbeitsbedingungen werden fast ausnahmslos duldend ertragen. Die Möglichkeit, Überlastungsanzeigen zu fertigen, wird eher selten genutzt. Dabei ist natürlich auch mitentscheidend, dass Führungskräfte solche Überlastungsanzeigen meist ausdrücklich nicht wünschen, sich sogar verbitten. Angesichts dieser Situation habe ich immer wieder angeregt, sich in Berufsverbänden oder Gewerkschaften stark zu machen. Alternativ habe ich wiederholt die Gestaltung eines Aktionsbündnisses Pro Pflege anregt und sogar dazu eingeladen. Leider war das alles nicht überzeugend genug, so dass die große Zahl der Pflegenden keine "schlagkräftigen" Möglichkeiten besitzt, für ihre Interessen selbst wirkungsvoll einzutreten. Die seit einiger Zeit gegründeten Pflegekammern können hinsichtlich notwendiger Reformmaßnahmen im Pflegesystem kaum aktiv werden. Ihre Aufgabe liegt schwerpunktmäßig bei Aktivitäten, die das Berufsbild betreffen (z.B. Fort- und Weiterbildung).

Die Bemühungen einzelner Verbände/Vereine/Einzelpersonen, mittels Verfassungsbeschwerden den Gesetzgeber zu entscheidenden Verbesserungen im Pflegesystem zu zwingen, sind alle kläglich gescheitert. Die entsprechenden Beschwerden sind nicht einmal zur näheren Prüfung angenommen werden. So war es auch bei zahlreichen Petitionen. Diese wurden zwar teilweise im Bundestag beraten und mit Antworten beschieden, haben aber nichts verändern können. Das ist sogar nachvollziehbar, weil bei Petitionen die zuständigen Ministerien jeweils um Stellungnahmen gebeten werden und natürlich die bestehenden Rechtsverhältnisse vehement als ausreichend beschreiben. Diese Stellungnahmen empfehlen dann in der Regel eine Zurückweisung der Petitionen. Dem folgt der Petitionsausschuss meist uneingeschränkt.

Nach all dem muss man sich fragen, wer denn hauptsächlich die Verantwortung für die Fehlentwicklungen im Gesundheits- und Pflegesystem trägt. Und da muss man m.E. nicht lange suchen. Denn die maßgeblichen Rahmenbedingungen werden in den Parlamenten gestaltet, vor allem im Deutschen Bundestag. Dort sitzen unsere Abgeordneten und haben die "Hebel in der Hand", hilfreiche Reformgesetz einzufordern und zu beschließen. Das ist offensichtlich seit Jahrzehnten nicht bzw. nur ungenügend geschehen. Kleinschrittige Reförmchen haben die rasante Fortentwicklung von Pflegenotstand mit lebensgefährlichen Versorgungssituationen nicht aufhalten können. Maßgebliche Politiker, die heute so tun, als sei dies alles urplötzlich über uns gekommen, haben jahrelang in den entsprechenden Gremien gesessen und sich nicht wirkungsvoll eingemischt; man könnte auch sagen, ihren Auftrag nicht erfüllt. Daher stellt sich die Frage, wann sich endlich Politiker zu dieser unzureichenden Parlamentsarbeit bekennen und sich bei den Wählerinnen und Wählern entschuldigen.

Letztlich muss es auch darum gehen, durch Prävention und Gesundheitsförderung Krankheiten und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden bzw. deren Eintritt so weit wie möglich hinauszuzögern. Insoweit sind vielfältige Aufklärungsaktivitäten geboten. Die Studienlage macht nämlich deutlich, dass eine gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung, Vermeidung von Stress, gute Schlafkultur und das Pflegen von sozialen Kontakten zweifelsfrei positive Wirkungen haben. Es erscheint daher dringend geboten, die Gesundheitsbildung, bereits bei den Kindern beginnend, erheblich zu verstärken. Wenn dies nicht gelingt, wird es zukünftig kaum noch möglich sein, die Anforderungen an das Gesundheits- und Pflegesystem zu finanzieren. Ohne wirkungsvolle Prävention und Gesundheitsförderung droht den Systemen der Kollaps.

Bildung - und damit auch die Gesundheitsbildung - ist übrigens die treibende Kraft hinter dem Zugewinn an Lebensjahren. Eine Studie des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital in Wien bestätigt dies mit neuen Zahlen (Quelle: Info "Demografische Forschung, 2. Quartal 2019).

Die aktuell aufgezeigten Maßnahmen im Rahmen der "Konzertierten Aktion Pflege" (KAP) präsentierten sich eigentlich nur als eine Zusammenfassung der Vorschläge, die in den zurückliegenden Jahren immer wieder gemacht worden sind. Aber das Schlimme ist, dass die KAP etwas vorgaukelt, was wohl nicht umsetzbar ist. Es mangelt nämlich an einem Finanzierungskonzept. Daher wird es auch aktuell keine wirksamen Verbesserungen geben. Der Unterschied zu früheren Aktivitäten besteht nun darin, dass mit viel Öffentlichkeitsarbeit den BürgerInnen etwas vorgemacht wird. Wie auch in Bezug auf andere Politikfelder geht es im Wesentlichen um die Gunst der Wähler, es findet schlicht ein Wettrennen um zukünftige Wählerstimmen statt. Hinzu kommen Karrierebemühungen einzelner Politiker.

Und was noch bedenkenswert ist:
Die Alterung der Bevölkerung in Deutschland wird sich nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 25.06.2019 trotz hoher Nettozuwanderung und gestiegener Geburtenzahlen weiter verstärken. In den nächsten 20 Jahren sind daher durch den aktuellen Altersaufbau ein Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter und ein Anstieg der Seniorenzahl vorgezeichnet. - Daraus leiten sich zwangsläufig Forderungen dergestaltet ab, dass sich die bundesdeutsche Gesellschaft schnellstens auf die entsprechende Entwicklung einstellen muss. Es muss an vielen "Schrauben gedreht werden". Dazu gehören, um es noch einmal auf den Punkt zu bringen, deutlich bessere Bedingungen für die Pflegenden in Verbindung mit kommunalen Quartiershilfen, die wohnortnah unterstützend wirken und so dazu beitragen, dass die steigenden Leistungen im Pflegeversicherungssystem in finanzierbare Grenzen gehalten werden können.

Werner Schell
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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WernerSchell
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Wir brauchen fachlich qualifizierte Pflegekräfte in ausreichender Zahl

Beitrag von WernerSchell » 30.08.2020, 06:52

Wir brauchen fachlich qualifizierte Pflegekräfte in ausreichender Zahl (§ 11 SGB XI). Deshalb können Pflegehilfskräfte nur ergänzend eingesetzt werden. Damit insoweit nichts in Schieflage gerät, muss die Fachkraftquote unbedingt erhalten bleiben. Pflegefachkräfte können wir in der Zukunft in ausreichender Zahl gewinnen, wenn wir endlich die Arbeitsbedingungen gut gestalten ( = angepasste Stellenschlüssel und deutlich erhöhte Vergütungen). Es ist leider bereits heute so, dass der Mangel an Fachlichkeit in der Pflege zu unguten Betreuungs- und Versorgungssituationen führt. Das darf durch eine immense Aufstockung der Pflegehilfsquote nicht weiter verstärkt werden. Wir müssen bedenken, dass in den Pflegeeinrichtungen meist die schwerst pflegebedürftigen Menschen untergebracht sind. Diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, erfordert eine mindestens dreijährige Qualifizierung und - damit das auch gesagt ist - gute deutsche Sprachkenntnisse! … Weiter lesen unter > https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23783
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Warme Worte, wenig Hilfe - Coronahelden im Streik

Beitrag von WernerSchell » 22.10.2020, 08:53

Münchner Runde - BR-Fernsehen | Polit-Talk | 21.10.2020 (44. Min.): Warme Worte, wenig Hilfe - Coronahelden im Streik - Online bis 21.10.2021 > https://www.br.de/mediathek/video/muenc ... 0014a87576
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„Pflege in Deutschland – 2012 bis 2018“

Beitrag von WernerSchell » 30.11.2020, 08:05

BGW veröffentlicht Bericht „Pflege in Deutschland – 2012 bis 2018“

(Quelle: BGW) Wie geht es Pflegekräften in Deutschland und wie hat sich ihre Situation in den vergangenen Jahren verändert? Datenbasierte Antworten auf diese Fragen gibt der Bericht „Pflege in Deutschland – 2012 bis 2018“ der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW).

Eine Langzeitanalyse im Auftrag der BGW zeigt einen dramatischen Anstieg der Pflegelücke: Zwischen 2012 und 2018 ist die Zahl der offenen Stellen in der Altenpflege um 71 Prozent gestiegen, in der Krankenpflege um 40 Prozent – und das, obwohl die Beschäftigtenzahl zugenommen hat.
Abgefedert wird diese Pflegelücke vor allem durch Überstunden. In den Jahren 2012 bis 2017 schwankte der Anteil der Beschäftigten mit Überstunden zwischen 70 Prozent und 80 Prozent, im Jahr 2018 stieg er auf 82 Prozent in der Altenpflege und 87 Prozent in der Krankenpflege.
Die angespannte Personalsituation bleibt nicht ohne Folgen: Zeitmangel und Stress gehören für Pflegekräfte zum Berufsalltag. Auch die Zahl der Krankschreibungstage ist gestiegen: In der Altenpflege von 25 im Jahr 2012 auf zuletzt 27,7 Tage, in der Krankenpflege von 20 auf 23,5 Tage. Unter diesen Rahmenbedingungen hat sich die Berufszufriedenheit der Pflegebeschäftigten seit 2016 deutlich verschlechtert.

Ein Lichtblick der BGW-Analyse: Die Zahl der Berufskrankheiten hat im Untersuchungszeitraum abgenommen und auch die Zahl der Arbeitsunfälle konnte leicht gesenkt werden. Bei zunehmendem Stress steigt jedoch das Unfallrisiko und Zeitmangel führt oft dazu, dass Maßnahmen zur Arbeitssicherheit vernachlässigt werden. BGW-Experten sehen zudem das Risiko einer Grauzone nicht gemeldeter Unfälle und Berufskrankheiten, vor allem in der Altenpflege.

Aktuelle Interviews mit BGW-Betriebsberaterinnen und -beratern ergänzen die statistischen Daten. Einen erheblichen Nachholbedarf sehen die Expertinnen und Experten beim Einsatz von Hilfsmitteln in der Altenpflege und der systematischen Förderung von Aus- und Weiterbildung. Positiv bewerten sie ein gestiegenes Bewusstsein für Selbstfürsorge, deutlichen Verbesserungsbedarf gebe es in der Beteiligung der Beschäftigten an den Prozessen und Abläufen.

Auch fehlende Wertschätzung führt zu weniger Berufszufriedenheit. Die BGW-Betriebsberaterinnen und -berater sehen zudem eine Wechselwirkung zwischen der medialen Berichterstattung, dem öffentlichen Ansehen des Berufs und der Eigenwahrnehmung: Zu selten werden Gute-Praxis-Beispiele gezeigt, stattdessen fast ausschließlich über Missstände berichtet. Diese These wird mit einer Medienanalyse untermauert.

Insgesamt zeigen die ausgewerteten Daten: Es braucht im Zusammenspiel von Nachfrage, Angebot, Berufsgestaltung, Berufsgesundheit und Ansehen erhebliche Anstrengungen, um einen „Pflexit“ zu verhindern. Zu finden ist der Bericht unter www.bgw-online.de/pflegeindeutschland.

Mit dem Datenbericht „Pflege in Deutschland – 2012 bis 2018“ befasst sich auch die aktuelle Folge des BGW-Podcasts. Zu finden ist "Herzschlag – Für ein gesundes Berufsleben" in verschiedenen Podcast-Portalen und über www.bgw-online.de/podcast.

Quelle: Mitteilung vom 29.11.2020
Verband Kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rheinland-Westfalen-Lippe
Beratgerstraße 36
44149 Dortmund
Tel.: 0231/ 579743
Fax: 0231/ 579754
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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