Neuregelung der Organspende

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

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Organspende und die Fragen dazu

Beitrag von PflegeCologne » 06.10.2011, 07:46

Auch wenn viele Menschen der Organspende positiv gegenüber stehen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch höchstpersönlich spendebereit sind. Die Menschen wissen offensichtlich genau, was gespendete Organe bewirken können, nämlich Leben retten. Andererseits fürchten sie bei eigener Spendeerklärung aber auch die Risiken. Es türmen sich Fragen auf, die sehr unterschiedlich beantwortet werden können.
Daher bin ich auch der Meinung, dass man das Transplantationsgeschehen per Aufklärung bekannter machen muss. Aber ein Druck zur Abgabe einer Organspendeerklärung muss m.E. unbedingt vermieden werden. Es darf insoweit keinen neuen Bürokratismus geben, der die Menschen in Zustimmer und Ablehner einteilt.

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Lutz Barth
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Aufklärung

Beitrag von Lutz Barth » 06.10.2011, 09:23

Ohne Frage ist eine sachgerechte Aufklärung notwendig. Andererseits warne ich eindringlich davor, zum wiederholten Male hier einen "ethischen Glaubenskieg" zu führen, in deren Folge es dann weniger um das Problem als vielmehr um das Debattieren geht.

Die sog. bioethischen Hochdiskurse, so mein Eindruck in den letzten Jahren, eignen sich in hervorragender Weise für die Übermittlung von "Glaubensbotschaften" und ich denke, man/frau sollte gelegentlich darüber nachdenken, die "Ethik im Dorf zu lassen" und sich auf die wesentlichen Fragen konzentrieren.
Allein die unsägliche Debatte um die Patientenverfügung hat doch letztlich eines deutlich belegt: Einige namhafte Ethiker (aber auch Juristen) haben ein höchst seltsames Verständnis von dem Grund und die Reichweite des Selbstbestimmungsrechts entwickelt und es scheint in Mode gekommen zu sein, dass ein Jeder glaubt, durch einen Blick in die ethische Glaskugel die "Wahrheit" entdeckt zu haben.
Freilich sind die vorgetragenen Bedenken ernst zu nehmen, aber auch hier gilt: Mit dem Selbstbestimmungsrecht ist eine hohe Eigenverantwortung verbunden und sofern dann eine ausgewogene Aufklärung stattgefunden hat, sollte es möglich sein, eine Entscheidung treffen zu können.

Wo also liegt das Problem?

Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass zu Lebzeiten ein ungeheures Desinteresse an den gewichtigen Lebensfragen besteht; vielleicht liegt es auch daran, dass das Volk der Deutschen sich eben nicht mehr durch seine "Denker und Dichter" auszeichnet, sondern sich vornehmlich durch in einer - zugegebenermaßen vornehmen - Geschwätzigkeit übt, ohne sich auf rationale Diskurse einzulassen. PISA-Studien weisen in eine nicht minder bedenkliche Richtung und da frage ich mich schon einmal in einer stillen Stunde, ob die jetzige Generation nicht nur der Jugendlichen, sondern in Teilen auch die Zünfte der Wissenschaften und der politisch verantwortlichen Klasse eher durch ihre höchst bescheidene Mittelmäßigkeit glänzt, so dass in der Regel nur Sprechblasen produziert werden, denn keine nennenswerten Taten folgen.

Diese Mittelmäßigkeit zieht sich nahtos durch alle gesellschaftlich relevanten Bereiche und dass dem so ist, können wir auch bei den Bemühungen um eine Pflegereform ablesen. Wir haben keinen weiteren Bedarf an Analyse, sondern an konkreten Modellen, die dann in der Praxis ihrer Umsetzung harren. Dass was gewünscht wird, liegt klar auf dem Tisch und nun müssen wir schlicht "Geld" in die Hand nehmen, um zur Tat schreiten zu können.
In diesem Punkte unterscheide ich mich freilich von der Position eines Herrn Schell. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nicht endlose Debatten benötigen, um festzustellen, unter welchen Rahmenbedingungen ggf. eine Pflege "eine menschenwürdige sei". Wenn dies gleichwohl der Fall sein sollte, dann - mit Verlaub - hat sich die Profession der "Pflege" ein Zeugnis ausgestellt, was desaströser nicht sein kann. Experten, auch solche von selbsternannten, gibt es seit Jahren in Hülle und Fülle und da frage ich mich denn schon, was all die Experten in den letzten Jahren so geforscht haben?

Nimmt es da wunder, wenn auch die Generation 60+ in eine Resignation verfällt und Ängste sich breit machen, lieber nicht zum Pflegefall zu werden? Fragen Sie heute bei einem durchschnittlich begabten Jugendlichen nach, ob er bereit ist, künftig einen überobligatorischen Anteil an den Kosten mitzutragen, die auf uns aufgrund des demografischen Wandels notwendig zukommen?

Nun möchte ich zwar nicht in Spekulationen verfallen, aber ein Generationskonflikt ist höchst wahrscheinlich und dieser könnte unter dem Aspekt der "Priorisierung" und "Rationalisierung" pflegerischer Leistungen Assoziationen an eine unsägliche Vergangenheit wach werden lassen, in denen "Ballastexistenzen" eigentlich nur das "Volksvermögen" aufgebraucht haben, ohne hierfür selbst weiter einen Beitrag geleistet zu haben.

Ist es bei solchen Aussichten vielleicht nicht doch besser, "frühzeitig" abzuleben und zwar jenseits einer selbstbestimmten Entscheidung? Ein sozialverträgliches Frühableben aufgrund der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen?

Wohlgemerkt: dies ist nicht mit einer frei verantwortlichen Suizidentscheidung gleichzusetzen, aber es scheint mir hohe Zeit zu sein, den Preis dafür zu benennen, was uns die Pflege (freilich auch eine Medizin lege artis) im wahrsten Sinne des Wortes "Wert" ist, denn wenn dies transparent diskutiert wird, kann ein Jeder von uns hieran seine selbstbestimmte Entscheidung ausrichten und im Zweifel dem in Aussicht gestellten (ethischen) Minimum entfliehen - wohin auch immer...

Nun - alles in allem denke ich, muss das Selbstbestimmungsrecht gestärkt werden, bei dem zugleich ein freiheitsliebendes Staatsvolk daran zu erinnern ist, dass Selbstbestimmung immer auch mit einer entsprechenden Eigenverantwortung verbunden ist! Zu fragen allerdings ist, ob dies die große Masse überhaupt interessiert und ob diese nicht selbst dermaßen in dem alltäglichen Existenzkampf verstrickt ist, der die Problematik der "Organspende" und die anderen bioethischen Hochdiskurse als unwichtig, weil nicht existentiell, erscheinen lässt.



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Organspende ein "Akt der Nächstenliebe" ...

Beitrag von Presse » 07.10.2011, 06:51

Für Bischöfe ist Organspende ein "Akt der Nächstenliebe"

FULDA (dpa). Die katholische Kirche in Deutschland bleibt in der Organspende-Debatte bei ihrer Position und sieht den Staat bei der Lösung des Problems in der Pflicht.

Um den Mangel an Spenderorganen zu beheben, müssten die "organisatorischen Bedingungen in den Krankenhäusern verbessert" werden, forderte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Donnerstag in Fulda. Derzeit beteiligten sich weniger als die Hälfte aller Krankenhäuser an der Mitteilung potenzieller Organspender. Mehr als 12 000 Patienten warten in Deutschland auf ein Spenderorgan.

Die DBK favorisiert weiterhin die Zustimmungsregelung. Danach muss vorab das Einverständnis zur Organentnahme nach dem Hirntod gegeben werden, etwa mit einem Spenderausweis.
....
http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... sid=673373

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Transplantationsgesetz: "Scheininnovation" ...

Beitrag von Presse » 07.10.2011, 17:46

Bahrs Vorstoß zum Transplantationsgesetz: "Scheininnovation" und "Outsourcing von Eigenverantwortung"

Berlin (ots) - Vergangene Woche stellte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr seinen Vorschlag für die Novellierung des Transplantationsgesetzes vor. Wesentliche Eckpunkte: Eingeführt werden soll die Entscheidungslösung, der eine umfassende Information der Bürger über die Organspende vorausgehen soll - eine Entscheidungspflicht besteht aber nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie kritisiert dieses Konzept als Scheininnovation.

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) kritisiert den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zur Novellierung des Transplantationsgesetzes. Zwar sei grundsätzlich zu begrüßen, dass allen Versicherten zumindest einmal im Leben Informationsmaterialien und Organspendeausweise mit der Aufforderung, eine Erklärung abzugeben, zugestellt werden sollen, aber ohne die Einführung einer Entscheidungspflicht könne keine wesentliche Verbesserung der Situation erzielt werden. "Bei dem Vorschlag handelt es sich unserer Ansicht nach lediglich um eine Scheininnovation", so Prof. Dr. Bernhard Krämer, Leiter der Kommission Transplantation der DGfN. "Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ableben ist noch immer ein Tabu in unserer Gesellschaft - und ohne eine Entscheidungspflicht wird die Mehrzahl der Menschen die Entscheidung vor sich herschieben, wie bislang auch." Denn auch wenn in der Begründung des Bundesgesundheitsministers von 25% Organspendeausweisträgern in der Bevölkerung ausgegangen wurde, muss man festhalten, dass im Jahr 2010 nur bei 7% der Zustimmungen zur Organspende tatsächlich ein Organspendeausweis zugrunde lag. Bei den übrigen 93% mussten die engsten Angehörigen eine Entscheidung entsprechend des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen treffen. Doch mit den trauernden Hinterbliebenen zu solch einem Zeitpunkt über die Organspende zu sprechen, sei eine Zumutung für alle Beteiligten, hinzu komme eine Unsicherheit darüber, ob das, was die Angehörigen entscheiden, wirklich den Wünschen des Verstorbenen entspricht. "Wir dulden in der Organspendefrage ein Outsourcing von Eigenverantwortung und der Gesetzesvorschlag wird daran nichts ändern. Darüber hinaus ist nicht davon auszugehen, das eine Information und Abfrage durch die Krankenkassen von der Bevölkerung ausreichend ernst genommen wird", kommentiert Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst, Präsident der DGfN das Problem.

Laut Brunkhorst und Krämer stelle der als Entscheidungslösung titulierte Gesetzentwurf von Minister Bahr nur die Fortschreibung der erweiterten Zustimmungslösung mit nun eindeutigerer Festlegung der bisher schon bestehenden Aufklärungs- und Informationspflichten (der Krankenkassen) dar. Doch will man diese seit 1997 bestehende, letztlich erfolglose gesetzliche Regelung wirklich fortführen?

"Solange täglich in Deutschland fünf Menschen sterben, weil kein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht, werden wir uns nicht mit einer solchen Scheininnovation zufrieden geben", so Brunkhorst und Krämer und bekräftigen die Forderung der DGfN nach der Widerspruchslösung. "Denn im Gegensatz zu der weichgespülten Entscheidungslösung des Bundesgesundheitsministers, ist für die Widerspruchslösung von einer (durch die Erfahrungen in Ländern wie Österreich und Spanien belegbaren) Zunahme der Organspendezahlen um mindestens 25-30% auszugehen und bei konsequenter Nutzung der Widerspruchsmöglichkeit auch von einem deutlich höheren Maß an Selbstbestimmung des einzelnen Bürgers."

Quelle: Pressemitteilung vom 07.10.2011
Pressekontakt: Dr. Bettina Albers
Tel.: +49 (0)3643/ 776423
Mobile + 49 (0)174/ 2165629
albers@albersconcept.de

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Zweifelhafte Botschaften der "Lebensschützer-Fraktionen

Beitrag von Lutz Barth » 09.10.2011, 15:30

Neues Bündnis gegen die Widerspruchs- und Erklärungsregelung bei Organspenden: Appell zur Organspende-Debatte in Deutschland

Quelle: ALfA-Newsletter 37/11 vom 01.10.2011 >>> http://www.alfa-ev.de/aktuelles/news-an ... fee6b40c21 <<< (html)
Bündniswebseite unter http://www.organspende-widerspruch.de

Kurze Anmerkung (L. Barth, 09.10.11):

„Des Weiteren fordern die unterzeichnenden Gruppen und Einzelpersonen die Bundesregierung, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) und die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auf, "die bisherigen einseitigen Informationskampagnen in Bezug auf die Organspende und den Hirntod zu beenden und endlich die Bürger umfassend über alle Aspekte - einschließlich der negativen Seiten - einer Organentnahme und den Hirntod zu informieren." Mit Blick auf die Problematik der Behandlung schwerer Krankheiten plädieren die Bündnispartner für die Förderung und Unterstützung von ethisch unbedenklichen Alternativen, die eine Organtransplantation entbehrlich machen.“, so die zweifelhafte Botschaft des Bündnisses.
Von einer einseitigen Informationskampagne kann überhaupt nicht die Rede sein und ich persönlich finde ich es unerträglich, auf welche Mission sich hier einzelne Lebensschützer begeben.

Dass die „Lebensschützer-Fraktion“ mit Blick um die Debatte der Organspende das „Selbstbestimmungsrecht“ der Bürgerinnen und Bürger entdeckt hat, ist für sich genommen lobenswert und kann als ein wichtiger Erkenntnisgewinn gewertet werden, so insbesondere auch im Hinblick auf das frei verantwortliche Sterben.
Entscheidend ist und bleibt freilich eine Aufklärung und hier von einer einseitigen Informationskampagne zu sprechen, zeigt, dass die „Lebensschützer-Fraktion“ das Problem der Organspende nicht wirklich erkannt hat.
Eine Organspende "schenkt" Leben und die Frage, wann ein "Hirntoter" letztlich "tot" ist, kann als vorläufig entschieden gelten, wenngleich dies für eine Organspende nach dem hiesigen Verständnis von einem frei verantwortlichen Selbstbestimmungsrecht ohnehin nicht sonderlich von Belang ist, da die Möglichkeit der Organspende auch mit einer Patientenverfügung eröffnet ist. Die Frage, wann das Individuum sich als "tot" gewertet wissen möchte, ergibt sich bereits im Vorfeld und sofern der Einzelne das "Hirntodkriterium" für sich akzeptiert (freilich nach gebotener Aufklärung), kann er hiermit auch den Zeitpunkt seiner Organspende festlegen.
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Zahl der Organspenden deutlich gesunken

Beitrag von Presse » 13.10.2011, 08:48

Zahl der Organspenden deutlich gesunken

Bonn – Die Zahl der Organ­spenden in Deutschland ist offenbar zuletzt trotz einer breiten öffentlichen Debatte „drastisch gesunken“.
Wie der Tagesspiegel heute berichtete, sank die Zahl der gespendeten Organe im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12 Prozent.
Dabei hatte es zuletzt Hoffnung auf steigende Spenderzahlen gegeben. Im vergangenen Jahr hatten sowohl die Zahl der gespendeten Organe als auch die der Transplantationen einen neuen Höchststand erreicht.

.... (weiter lesen) http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/4 ... sunken.htm

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Organspenden deutlich gesunken

Beitrag von PflegeCologne » 13.10.2011, 09:14

Presse hat geschrieben:Zahl der Organspenden deutlich gesunken
Das war zu erwarten. Die Menschen wollen Aufklärung hinsichtlich der Organspende, aber keinesfalls unter Druck gesetzt werden. Druck ist der falsche Weg.

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Bedauerliche Entwicklung

Beitrag von Lutz Barth » 13.10.2011, 09:47

Nun - die Entwicklung ist mehr als bedauerlich und welche Rolle hierbei die DSO spielt, kann nur kritisch hinterfragt werden (vgl. dazu etwa Anonyme Mitarbeiter und Verlangen nach Transparenz: Whistleblower in der Deutschen Stiftung Organspende? v. . Oliver Tolmein, in F.A.Z. BLOG Biopolitik v. 11.10.11 >>> http://faz-community.faz.net/blogs/biop ... pende.aspx <<< (html)


Ob und welchem Maße eine allgemeine "Ethikdebatte" die Bevölkerung verunsichert, kann ebenfalls nur hinterfragt werden. Auffällig jedenfalls ist, dass die "Lebensschützer-Fraktionen" nach der unsägichen Debatte um die Patientenverfügung, der ärztlichen Suizidbeihilfe und dem Dauerthema des "Schwangerschaftsabbruchs" nunmehr ein altes Thema auf die Agenda gesetzt hat, in dem "alte Bedenken" gebetsmühlenartig vorgetragen werden.

Da finde ich den Hinweis eines Kommentators im Deutschen Ärzteblatt schon sehr sympathisch, dass es künftig Sinn machen könnte, dass nur Spender künftig auch Empfänger von Organen sind. Dies halte ich für legitim, mal ganz davon absehen, dass hiermit eine verantwortungsvolle Entscheidung des mündigen Bürgers beflügelt wird.

Gänzlich verfehlt wäre allerdings eine allgemeine "Ethikdebatte", die zu keinen neuen Erkenntnissen führen wird und in der "nur" die alten Glaubensbotschaften verkündet werden. Irgendwan muss denn auch einmal Schluss sein mit den "ethischen Grundsatzdebatten", in denen sich zur Mission Berufene in aller Regel selbst beweihräuchern. Nun - ich gestehe: langsam nervt die "Tendenz zur Ethisierung" aber wirklich.
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Anonyme Vorwürfe: Stiftung Organtransplantation unter Druck

Beitrag von Presse » 13.10.2011, 17:29

Anonyme Vorwürfe: Stiftung Organtransplantation unter Druck

Vetternwirtschaft und Verschwendung? Ein anonymer Brief sorgt bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) für Unruhe. Jetzt schaltet sich Gesundheitsminister Daniel Bahr ein. Er will die Wahrheit wissen und lässt die DSO unter die Lupe nehmen.
Von Anno Fricke
BERLIN. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) muss sich in die Karten schauen lassen. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat die Aufsichtsgremien aufgefordert, die gegen die Stiftung erhobenen Vorwürfe von "Vetternwirtschaft und Selbstbedienungsmentalität" zu klären. .... (mehr)
http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... druck.html

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Im Sterben Leben schenken - Organspende - TV 17.10.2011

Beitrag von WernerSchell » 15.10.2011, 07:00

Das Erste "hart aber fair" am Montag, 17. Oktober 2011, 21.00 Uhr, live aus Berlin

München (ots) - Das Thema: Im Sterben Leben schenken - warum macht Organspende Angst?

Die Gäste:
Frank-Walter Steinmeier (SPD, Fraktionsvorsitzender, spendete seiner
Ehefrau 2010 eine Niere)
Dr. Werner Bartens (Wissenschaftsredakteur der "Süddeutschen Zeitung"
und Mediziner)
Gudrun Ziegler (Forum Organtransplantation Berlin e.V.; bekam 2003
eine Spenderleber)
Johannes Singhammer (CSU, Stv. Vorsitzender der Unionsfraktion (u. a.
zuständig für den Bereich Gesundheit) Im Einzelgespräch: Leonie Remmers, 18 Jahre alt, bekam im Alter von 14 Monaten eine Spenderleber

Täglich sterben drei Menschen, weil Organspender fehlen. Was macht ein Testament zum eigenen Körper so viel schwerer als eines zu Geld und Besitz? Soll uns der Staat - wie jetzt geplant - zur Entscheidung zwingen?

Interessierte können sich auch während der Sendung per Telefon und Fax an der Diskussion beteiligen und schon jetzt über die aktuelle Internet-Seite (www.hart-aber-fair.de) ihre Meinung, Fragen, Ängste und Sorgen an die Redaktion übermitteln. "hart aber fair" ist immer erreichbar unter Tel.: 0800/5678-678, Fax: 0800/5678-679, E-Mail: hart-aber-fair@wdr.de.

Redaktion: Matthias Radner
Pressekontakt:
Dr. Lars Jacob
Presse und Information Das Erste
Tel.: 089/5900-2898
Fax: 089/5501259
E-Mail: lars.jacob@DasErste.de

Quelle: Pressemitteilung vom 14.10.2011
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Organtransplantation

Beitrag von Presse » 18.10.2011, 06:31

Schwere Vorwürfe gegenüber der Deutschen Stiftung Organtransplantation

Frankfurt/Main – Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), zuständig für die Koordination der postmortalen Organspende, wird mit schweren Vorwürfen aus den eigenen Reihen konfrontiert: Den Entscheidungsgremien der DSO werden wirtschaftliches Fehlverhalten in Form von Vetternwirtschaft und einer Selbstbedienungsmentalität vorgeworfen, aber auch ein seit Jahren schlechter Umgang mit den Mitarbeitern.

.... http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/4 ... tation.htm

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Organspende: Kauder-Steinmeier-Plan geplatzt

Beitrag von Presse » 21.10.2011, 17:36

Organspende: Kauder-Steinmeier-Plan geplatzt
Eine Sternstunde des Parlaments hätte es werden können: Der fraktionsübergreifende Vorstoß zur Organspende der Fraktionschefs von Union und SPD, Kauder und Steinmeier. Nun ist ihr Plan gescheitert - und der Ball liegt bei Gesundheitsminister Bahr. mehr »
http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=675 ... nde&n=1438

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Organspende-Reform auf der Kippe

Beitrag von Presse » 24.10.2011, 06:45

Organspende-Reform auf der Kippe
Volker Kauder (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) müssen wieder ran. Nachdem sich die Reform der Organspende in Parteiengezänk festgefahren hat, sollen die Fraktionsspitzen das Gemeinschaftsprojekt jetzt retten. mehr »
http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=675 ... nde&n=1439

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Organspende - Achtung der Patienten-Selbstbestimmung !

Beitrag von WernerSchell » 24.10.2011, 10:40

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“


Neuss, den 24.10.2011

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hält die geltenden Vorschriften zur Organspende im Transplantationsgesetz für ausreichend. Die Patientenselbstbestimmung ist damit gewährleistet. Es erscheint allerdings notwendig, in den Krankenhäusern günstigere Strukturen für das Transplantationsgeschehen zu schaffen (z.B. durch verpflichtenden Einsatz von Transplantationsbeauftragten).

Die jetzt angestrebte sog. Entscheidungslösung wird als ungeeignet angesehen, das Aufkommen an Spenderorganen zu erhöhen. Der in Aussicht genommene Druck auf die BürgerInnen, sich zu einer Organspende zu erklären, kann nach hiesiger Überzeugung nicht mit einer freien Ausübung des Patienten-Selbstbestimmungsrechtes in Einklang gebracht werden und ist daher abzulehnen. Eine unabdingbare Voraussetzung für eine Organspende muss die freiwillige, druckfreie und vor allem kompetente Aufklärung eines jeden potentiellen Spenders sein. Dabei müssen z.B. die relevanten Einschätzungen zum Hirntod objektiv dargestellt werden. Der Hirntod wird nach den entsprechenden schulmedizinischen Festlegungen als Tod des Menschen deklariert.

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hat sich bereits mehrfach zum Thema geäußert und sieht sich angesichts der laufenden Medienkampagnen pro Entscheidungslösung veranlasst, seine Pressemitteilung vom 11.07.2011 in Erinnerung zu bringen. Sie ist diesem Statement angefügt.

Werner Schell

+++

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative

Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
Pressemitteilung vom 11.07.2011

Organspende kann Leben retten
Transplantationsgeschehen und dazu erforderliche Aufklärungsarbeit sollten verbessert werden


Mit Rücksicht auf die rund 12.000 Menschen in Deutschland, die auf ein lebensrettendes Spenderorgan warten, sind geeignete Maßnahmen geboten, das Transplantationsgeschehen – Organspende bis zur Organverpflanzung – effektiver zu gestalten.

Das geltende Transplantationsgesetz regelt bereits die Pflichten zur Aufklärung über die freiwillige Organspende. Entsprechende Kampagnen werden seit Jahren, z.B. von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, durchgeführt und durch das Verteilen von Broschüren einschließlich „Organspendeausweis“ ergänzt. Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat sich in der Vergangenheit durch Vortragsveranstaltungen und die Auslage entsprechender Informationsschriften bei den Neusser Pflegetreffs an der Aufklärungsarbeit konkret beteiligt. Gleichwohl konnten 2010 in Deutschland nur rund 4.000 Organtransplantationen durchgeführt werden. Die Zahl der benötigten Organe liegt also weit über der Zahl der gespendeten Organe.

Es gibt gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass mehr Organe unter Achtung der verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungsrechte gespendet und transplantiert werden könnten, wenn die rechtlich gegebenen Möglichkeiten effektiver genutzt würden. So erscheint es sinnvoll, die Aufklärungsarbeit zur Organspende noch einmal deutlich zu verstärken und durch Angebote spezieller Informationen zu ergänzen. Dabei wird es darum gehen müssen, alle relevanten Fragen hinsichtlich des Organentnahmeverfahrens und der Hirntodproblematik ergebnisoffen zu erläutern. Kritische Erwägungen dürfen dabei ausdrücklich nicht ausgeklammert bleiben. Denn in der Frage für oder gegen Organspende gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“. Es kann gute Gründe geben, sich für aber auch gegen eine Organspende zu entscheiden. Jeder Einzelne muss sein Selbstbestimmungsrecht frei und ohne jegliche Einflussnahme bzw. ohne Druck wahrnehmen können, ob und wie er sich zur Organspende äußert und entscheidet.

Herausragend bedeutsam erscheint die Notwendigkeit, in den bundesdeutschen Krankenhäusern das System der Meldung potenzieller Organspender und die Strukturen zur Organentnahme und Transplantation, ohne die angesprochenen Selbstbestimmungsrechte zu berühren oder gar einzuschränken, durch präzisere Regelungen zu verbessern. Dazu sind offensichtlich auch weitere finanzielle Anreize geboten.

Die zur Zeit in der Öffentlichkeit diskutierten Absichten, jede Bürgerin / jeden Bürger einmal im Leben, z.B. beim Führerscheinerwerb oder bei der Beantragung eines Personalausweises, auf die Organspendebereitschaft anzusprechen, wird in dieser Form als ungeeignete Lösung angesehen, für die notwendige Klarheit zu sorgen. Mit dem in Aussicht genommenen frühzeitigen Ansprechen der BürgerInnen wird von insoweit inkompetenten Institutionen zu den Grundpositionen von Leben und Tod ein unvertretbarer Entscheidungsdruck erzeugt, so dass sich zwangsläufig verfassungsrechtliche Bedenken ergeben müssen. Das Ausbringen einer gegebenenfalls getroffenen Entscheidung auf einem amtlichen Papier, Führerschein, Personalausweis oder Versichertenkarte, wird daher abgelehnt. Die Verdeutlichung einer unbeeinflussten Entscheidung zur Organspende mittels gesondertem „Organspendeausweis“ ist nach hiesiger Überzeugung völlig ausreichend.

Werner Schell
Dozent für Pflegerecht, Vorstand von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk

Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei
Text als pdf-Datei unter http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... retten.php
Beiträge (Diskussion) im Forum Werner Schell unter viewtopic.php?t=15883

+++
Die Medien berichten u.a. wie folgt:

http://www.openbroadcast.de/article/148 ... chten.html
http://www.openpr.de/news/581198.html
http://www.presseanzeiger.de/infothek/g ... 532789.php
http://www.facebook.com/notes/werner-sc ... 5325597886
http://www.mg-heute.de/2011/10/25/organ ... ng-achten/
http://www.heide-bote.de/index.php?name ... &sid=19923
Am 26.10.2011 berichtete der "Stadt-Kurier" Neuss in großer Aufmachung und titelte
"Organspende-Gesetz ausreichend? - Das Netzwerk Pro Pflege sagt: Ja!"

Stand: 26.10.2011
Zuletzt geändert von WernerSchell am 26.10.2011, 16:58, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Organspende - Achtung der Patienten-Selbstbestimmung !

Beitrag von Cicero » 25.10.2011, 09:35

WernerSchell hat geschrieben: ..... Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hält die geltenden Vorschriften zur Organspende im Transplantationsgesetz für ausreichend. Die Patientenselbstbestimmung ist damit gewährleistet. Es erscheint allerdings notwendig, in den Krankenhäusern günstigere Strukturen für das Transplantationsgeschehen zu schaffen (z.B. durch verpflichtenden Einsatz von Transplantationsbeauftragten).
Die jetzt angestrebte sog. Entscheidungslösung wird als ungeeignet angesehen, das Aufkommen an Spenderorganen zu erhöhen. Der in Aussicht genommene Druck auf die BürgerInnen, sich zu einer Organspende zu erklären, kann nach hiesiger Überzeugung nicht mit einer freien Ausübung des Patienten-Selbstbestimmungsrechtes in Einklang gebracht werden und ist daher abzulehnen. Eine unabdingbare Voraussetzung für eine Organspende muss die freiwillige, druckfreie und vor allem kompetente Aufklärung eines jeden potentiellen Spenders sein. Dabei müssen z.B. die relevanten Einschätzungen zum Hirntod objektiv dargestellt werden. Der Hirntod wird nach den entsprechenden schulmedizinischen Festlegungen als Tod des Menschen deklariert. ....
Damit ist eigentlich alles klar und deutlich gesagt. Es gibt keinerlei Pflichten zur Organspende, auch nicht aus Nächstenliebe. Wer spendet, tut das aus eigenem Antrieb und völlig freiwillig. Jeder, der sich insoweit zur Verfügung stellt, muss über die Organspende bzw. Transplantation, vor allem über das, was man dann "Tod" nennt, genauestens informiert werden. Viele augenblicklich im Umlauf befindliche Statements beruhen auf Nicht- oder Halbwissen! Die zur Zeit diskutierte Organspende muss auch von der Lebendspende ("Steinmeier") getrennt beurteilt werden.

Cicero
Politisch interessierter Pflegefan!
Im Gleichklang: Frieden - Ausgleich - Demokratie - und: "Die Menschenwürde ist unantastbar"!

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