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Schweizer Suizidhelfer greift zu tiefstem Antisemitismus

Verfasst: 19.11.2009, 16:05
von Presse
Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung:
Schweizer Suizidhelfer greift zu tiefstem Antisemitismus / Außenminister Westerwelle muss sich jetzt einschalten

Berlin. "Der tiefste Antisemitismus, zu dem der Schweizer Dignitas-Chef Minelli greift, um die zynischen Machenschaften seiner Suizidorganisation zu rechtfertigen, ist unerträglich. Damit greift er in die aktuelle Debatte um ein Verbot der kommerziellen Suizidbeihilfe ein, die jetzt im Schweizer Parlament geführt wird. Bundesaußenminister Guido Westerwelle ist deshalb dringend aufgefordert, sich einzuschalten und in der Schweiz diejenigen Kräfte zu stärken, die dem Geschäftemachen mit dem Selbstmord Einhalt gebieten wollen", fordert der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. In der britischen Zeitung "Guardian" hatte der selbsternannte Sterbehelfer Minelli gesagt: "Im Zweiten Weltkrieg haben wir an der Grenze Juden abgewiesen, die später im KZ gestorben sind. Jetzt zwingen wir Menschen, die ihr Leben in der Schweiz beenden möchten, weiterzuleben. Wo ist der Unterschied? Was ist grausamer?"

Brysch erinnert daran, dass es Gesundheits- und Rechtspolitiker der FDP waren, die Minelli 2005 ein Forum im Deutschen Bundestag geboten haben. "Westerwelle muss jetzt sowohl in seiner Partei als auch als Außenminister entschlossen gegen den so gefährlichen wie menschenverachtenden Einheizer Minelli Position beziehen. Patientenschutz für Schwerstkranke und Sterbende ist nicht nur ein deutscher, sondern ein europäischer Wert. Die Sogwirkung einer solchen Regelung, wie sie in der Schweiz im Augenblick existiert, ist fatal", erklärt Brysch.

Gleichzeitig fordert er, auch in Deutschland endlich das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. "Es ist gut und richtig, dass sich die schwarz-gelbe Koalition darauf festgelegt hat, ein Suizidvermittlungsverbot zu erlassen. Nur so kann einem Treiben, wie wir es momentan noch in der Schweiz erleben müssen, ein grundsätzlicher Riegel vorgeschoben werden. Nun muss Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger durch eine klare strafrechtliche Regelung das Geschäftemachen mit der Suizidvermittlung beenden."

Hintergrund
Die gemeinnützige und unabhängige Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ist die Sprecherin der Schwerstkranken und Sterbenden. Sie finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Beiträgen von über 55.000 Mitgliedern und Förderern.

Quelle: Pressemitteilung vom 19.11.2009
Bei Rückfragen und Interview-Wünschen:
Matthias Hartmann: Tel.: 030/ 2 84 44 84 2 hartmann@hospize.de
http://www.hospize.de

Kritik an NS-Vergleich von Dignitas-Chef Minelli

Verfasst: 23.11.2009, 07:03
von Presse
Debatte um Schweizer Sterbehilferegelung: Scharfe Kritik an NS-Vergleich von Dignitas-Chef Minelli

Berlin (ALfA). Mit einem provokanten Vergleich zwischen der Sterbehilfesituation in der Schweiz und den Ermordungen der Juden im Zweiten Weltkrieg zog der Chef der Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas, Ludwig A. Minelli scharfe Kritik auf sich. Laut einem Bericht der britischen Zeitung "Guardian", in dem er einen Einblick in seinen Arbeitsablauf und ein Dignitas-Sterbezimmer gewaehrte, sagte Minelli gegenueber dem Blatt: "Im Zweiten Weltkrieg haben wir an der Grenze Juden abgewiesen, die spaeter im KZ gestorben sind. Jetzt zwingen wir Menschen, die ihr Leben in der Schweiz beenden moechten, weiterzuleben. Wo ist der Unterschied? Was ist grausamer?" Seine Aussage rechtfertigte er damit, dass die Zahl misslungener Suizidversuche sinke, wenn man verzweifelten Menschen helfen duerfe, sie in den Tod zu begleiten.

Der Geschaeftsfuehrer der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch kritisierte in einer Pressemitteilung vom 19. November, der Vergleich sei "tiefster Antisemitismus", zu dem der Dignitas-Chef greife, um die Machenschaften seiner Suizidorganisation zu rechtfertigen, und schlicht "unertraeglich". Damit greife Minelli in die aktuelle Debatte um ein Verbot der kommerziellen Suizidbeihilfe ein, die derzeit im Schweizer Parlament gefuehrt wird (siehe ALfA-Newsletter 41/09 vom 31.10.2009). Brysch forderte deshalb ein Einschreiten von Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP), der in der Schweiz diejenigen Kraefte staerken muesse, die dem Geschaeftemachen mit dem Selbstmord Einhalt gebieten wollen.

Brysch erinnerte daran, dass es Gesundheits- und Rechtspolitiker der FDP waren, die Minelli 2005 ein Forum im Deutschen Bundestag geboten haben. "Westerwelle muss jetzt sowohl in seiner Partei als auch als Aussenminister entschlossen gegen den so gefaehrlichen wie menschenverachtenden Einheizer Minelli Position beziehen. Patientenschutz fuer Schwerstkranke und Sterbende ist nicht nur ein deutscher, sondern ein europaeischer Wert. Die Sogwirkung einer solchen Regelung, wie sie in der Schweiz im Augenblick existiert, ist fatal", erklaerte Brysch. Gleichzeitig forderte er, auch in Deutschland endlich wie von der Koalition versprochen, ein Suizidvermittlungsverbot zu erlassen. Nur so koenne einem Treiben, wie es momentan noch in der Schweiz zu erleben sei, ein grundsaetzlicher Riegel vorgeschoben werden.

Weitere Informationen:

Suizidbeihilfe, Schweizer Grenzen und die Vernichtung der Juden
Von Oliver Tolmein
Eine Home-Story der ganz besonderen Art hat die renommierte englische Tageszeitung "Guardian" ueber Dignitas-Chef Ludwig Minelli veroeffentlicht.
FAZ.NET Blog Biopolitik 21.11.09
http://faz-community.faz.net/blogs/biop ... juden.aspx

Sterbehilfedebatte in der Schweiz: Bundesrat will organisierte Suizidhilfe regeln
ALfA-Newsletter 41/09 vom 31.10.2009
http://www.alfa-ev.de/aktuelles/news-an ... 2951c5e067

Quelle: Pressemitteilung vom 22.11.2009
Inhaltlich verantwortlich: C. Frodl
Aktion Lebensrecht fuer Alle (ALfA) e.V.
Geschaeftsstelle Augsburg:
Ottmarsgaesschen 8
D-86152 Augsburg
Telefon: 08 21 / 51 20 31
Telefax: 08 21 - 15 64 07
E-Mail: bgs@alfa-ev.de
Internet: http://www.alfa-ev.de

Vergleich mehr oder weniger geglückt ?

Verfasst: 23.11.2009, 16:44
von thorstein
Man kann ja den Vergleich von Herrn Minelli als mehr oder weniger geglückt einstufen. Aber was ist daran antisemitisch? Habe ich da irgendetwas falsch verstanden?

Re: Schweizer Suizidhelfer greift zu tiefstem Antisemitismus

Verfasst: 23.11.2009, 17:29
von Gaby Modig
Presse hat geschrieben: .... Minelli gesagt: "Im Zweiten Weltkrieg haben wir an der Grenze Juden abgewiesen, die später im KZ gestorben sind. Jetzt zwingen wir Menschen, die ihr Leben in der Schweiz beenden möchten, weiterzuleben. Wo ist der Unterschied? Was ist grausamer?" ....
Hallo,
der Lebensschutzaspekt ist in Art. 2 GG ausdrücklich angesprochen und ein hohes Gut. Wenn sich eine Gesellschaft bemüht, diesem Lebensschutz Geltung zu verschaffen, ist das zunächst einmal richtig und anerkennenswert. Eine andere Frage ist natürlich, ob man in Ausnahmesituationen eine Tötung straffrei stellen soll, zumindest die die selbst bestimmte Beihilfe ermöglichen soll.
Hier aber Vergleiche mit dem Morden im 3. Reich anzustellen, halte ich auch für völlig abwegig und kritisierenswert.
MfG Gaby Modig

Bitte die "Hospizidee" nicht verklären!

Verfasst: 24.11.2009, 15:59
von Lutz Barth
In der Tat sind die Äußerungen Minellis bedenklich und durchaus zu kritisieren. Dass hierbei allerdings Eugen Brysch von der Deutschen Hospiz Stiftung die Gelegenheit nutzt, gleichsam den Außenminister aufzufordern, die Kräfte in der Schweiz zu unterstützen, die dem Geschäftmachen mit dem Suizid ein Ende machen wollen, um so ggf. auch einer „Sogwirkung“ entgegen wirken zu können, ist hingegen überflüssig und ein stückweit auch unverfroren.

Die Schweizer bedürfen nicht eines wie auch immer gearteten „Rechtsrats“ durch bundesdeutsche Politiker oder auch Personen, die Patientenschutzverbänden hierzulande vorstehen. Eher das Gegenteil dürfte anzunehmen sein: so manche Ethiker und Hobbyphilosophen könnten von der Schweiz lernen!

Vielmehr gilt festzustellen: die „Sogwirkung“ eines enthemmten ethischen Paternalismus ist ebenso fatal wie die Freigabe des kommerziellen Suizids. Gerade deshalb erscheint es dringend erforderlich, dass die verfasste Ärzteschaft ihren Widerstand aufgibt, denn ohne Frage sind die Ärzte die berufenen und vor allem kompetenten Vertreter bei einer ärztlichen Assistenz beim frei verantwortlichen Suizid.

Die unsäglich deutsche Vergangenheit ändert allerdings nichts daran, dass es gute Gründe für die Liberalisierung der ärztlichen Suizidhilfe hierzulande gibt, auch wenn dies Herr Brysch in der Gänze anders sehen mag.

Es sollte im Diskurs darauf geachtet werden, dass in der Hospizidee nicht zugleich die Vorstellung von einem "Opium fürs Volk" verbunden wird, in der dem Selbstbestimmungsrecht nur eine marginale Bedeutung beigemessen wird, zumal es eben auch Fälle gibt, in denen Schwersterkrankte trotz aller palliativmedizinischer Bemühungen nach wie vor leiden!

Aktive Sterbehilfe begrenzt zulassen ?

Verfasst: 25.11.2009, 09:59
von Gerhard Schenker
Herr Minelli ist mit seiner Äußerung zurecht auf Kritik gestoßen. Sein Vergleich ist nicht akzeptabel. Gleichwohl muss die zugrunde liegende Thematik ernsthaft erörtert werden. Es stellt sich nämlich tatsächlich die Frage, inwieweit in außergewöhnlichen Situationen Menschen straffrei geholfen werden kann, aus dem Leben zu scheiden. Das geltende Strafrecht darf man auf den Prüfstand stellen. Geringfügige "Erleichterungen" scheinen mir gerechtfertigt.

G.Sch.