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Assistierter Suizid: Humanistische Vereinigung fordert Suizidpräventionsberatung und legt Gesetzentwurf vor

Beitrag von WernerSchell » 02.04.2020, 06:57

Pressemitteilung 06/2020 – 01.04.2020 – Berlin

Assistierter Suizid: Humanistische Vereinigung fordert Suizidpräventionsberatung und legt Gesetzentwurf vor


Selbstbestimmtheit und Freiverantwortlichkeit, qualifizierte Beratung und Prävention, der Respekt für und die Achtung der individuellen Menschenwürde: Auf diesen Säulen ruht ein Entwurf zur gesetzlichen Regelung des assistierten Suizids in einem neuen § 217 StGB.

Die Humanistische Vereinigung (HV) reagiert mit der Vorstellung ihres Regelungsvorschlags auf das Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts, mit dem dieses am 26. Februar das 2015 beschlossene Gesetz zum Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung für unwirksam erklärt hatte. Um nach der Unwirksamkeit des früheren § 217 StGB dauerhaft umfassende Rechtssicherheit für Sterbewillige wie auch hilfsbereite Ärzt*innen herzustellen, bedarf es einer eindeutigen Regelung des assistierten Suizids. Dies schließt die gesetzliche Einrichtung einer qualifizierten Suizidpräventionsberatung ein.

Dem Gesetzentwurf nach handelt nicht rechtswidrig, wer einer anderen Person beim Suizid hilft oder wer es unterlässt, sie nach einem Suizidversuch zu retten, sofern der Suizid auf einer freiverantwortlichen und ernstlichen, ausdrücklich erklärten oder einer in vergleichbarer Weise aus den Umständen erkennbaren Entscheidung beruht. Von diesem Fall sei insbesondere dann auszugehen, wenn die andere Person nicht länger als zwei Monate vor dem Suizid eine Beratung zur Suizidprävention bei einer anerkannten Beratungsstelle aufgesucht hat und diese keine Anzeichen erkannt hat, nach denen die oben genannten Maßgaben nicht erfüllt sind. Auch Personen in einer Garantenstellung sollen nach den oben genannten Maßgaben straffrei handeln können. Der Gesetzentwurf sieht derzeit keinen Suizidhilfe-Anspruch für unter 18-Jährige oder anderweitig in ihrer freien Willensbestimmung beeinträchtigte Personen. Zu dieser Frage sieht die HV noch den Bedarf einer breiten gesellschaftlichen Debatte.

Die im Regelungsvorschlag enthaltene Suizidpräventionsberatung soll Sterbewilligen helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung im Rahmen ihrer Entscheidungsautonomie zu treffen. Eine Verpflichtung zur Suizidhilfe wird ausgeschlossen.

„Mit dem Gesetzentwurf unterstreichen wir, dass die Selbstbestimmung und Autonomie von Sterbewilligen für uns einen hohen Stellenwert haben. Uns geht es aber auch darum sicherzustellen, dass kein Missbrauch stattfinden kann. Dies ist eine ganz wichtige Frage: Ist tatsächlich eine freie Entscheidung, so frei wie sie unter den Umständen eben sein kann, erfolgt?“, sagt HV-Vorstand Michael Bauer, zertifizierter Berater für Ethik in der Medizin, zum Gesetzentwurf. Menschen in existenziellen Problemlagen, wie sie vorliegen, wenn jemand über einen Suizid nachdenkt, sollten qualifizierte Hilfe erhalten, die einer möglichen Suizidassistenz vorgreift. Beratungspersönlichkeiten müssten ihrer Tätigkeit mit einem sehr hohen Verantwortungsbewusstsein nachgehen und nicht allein aus dem medizinischen Bereich kommen, betonte Bauer. Auch Psycholog*innen, Ethikberater*innen und Sozialarbeiter*innen sollten ihre Fähigkeiten in die Beratungen einbringen können.

Unseren vollständigen Regelungsvorschlag finden Sie unter https://www.humanistische-vereinigung.d ... atung.html

Hintergrund
Leitsätze des BVerfG-Urteils vom 26. Februar 2020: Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG) umfasst als Ausdruck persönlicher Autonomie ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen. Die Entscheidung des Einzelnen, seinem Leben entsprechend seinem Verständnis von Lebensqualität und Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz ein Ende zu setzen, ist im Ausgangspunkt als Akt autonomer Selbstbestimmung von Staat und Gesellschaft zu respektieren. Die Freiheit, sich das Leben zu nehmen, umfasst auch die Freiheit, hierfür bei Dritten Hilfe zu suchen und Hilfe, soweit sie angeboten wird, in Anspruch zu nehmen.
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HV-Pressestelle
Marco Schrage | Arik Platzek
Tel.: 0911 43104-18 | 030 245395-47
pressestelle@humanistische-vereinigung.de
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Würdig leben - würdig sterben - was heißt das - Buchtipp

Beitrag von WernerSchell » 21.05.2020, 11:04

Buchtipp!

Anne und Nikolaus Schneider

Vom Leben und Sterben
Ein Ehepaar diskutiert über Sterbehilfe, Tod und Ewigkeit
Im Gespräch mit Wolfgang Thielmann

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1. Auflage 2019
153 Seiten,
Format 215x 135x 19 mm
Gewicht 320g
Titelnummer 156533
ISBN 9783761565339
14,99 € Inkl. 7% Steuern


Würdig leben - würdig sterben - was heißt das?

Darf ein Mensch, wenn er sterbenskrank ist, seinem Leben selber ein Ende setzen oder nicht? Sollte Sterbehilfe von der Politik gesetzlich erlaubt werden oder wird damit eine sowohl politisch als auch theologisch problematische Richtung eingeschlagen?
Zu einem Konflikt, der aktuell auch in unserer Gesellschaft ausgetragen wird, interviewt Wolfgang Thielmann das Ehepaar Anne und Nikolaus Schneider. Theologisch fundiert diskutieren sie darüber, wohin die Auseinandersetzung um die Sterbehilfe bislang geführt hat und ob und wie sich ihre persönliche Position im Zuge ihrer eigenen Konfrontation mit dem Sterben verändert hat. Außerdem spüren sie der Frage nach, welche Antwort Christen und Kirchen der Gesellschaft anbieten können.


Die Autoren:
- Nikolaus Schneider, geb. 1947, Theologe, seit 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Mitglied im Rat der EKD. Im Oktober 2009 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Rates der EKD gewählt. Nach dem Rücktritt Margot Käßmanns im Februar 2010 übernahm er kommissarisch die Amtsgeschäfte als EKD-Ratsvorsitzender. Im November 2010 wurde er mit überwältigender Mehrheit dann in das Spitzenamt des deutschen Protestantismus gewählt. Nikolaus Schneider ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Seine jüngste Tochter Meike starb 2005 an Leukämie. Seit seinem Ruhestand sind seine Frau Anne Schneider und er auch gemeinsam als Referenten unterwegs.
- Anne Schneider ist Theologin und war Realschullehrerin für Mathematik und Evangelische Religion. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Töchtern. Ihre jüngste Tochter Meike starb 2005 an Leukämie. Seit dem Ruhestand ihres Ehemanns Nikolaus Schneider sind beide auch gemeinsam als Referenten unterwegs.


Quelle und weitere Informationen > https://neukirchener-verlage.de/vom-leb ... erben.html
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FDP wirft Regierung Tatenlosigkeit bei Sterbehilfe vor

Beitrag von WernerSchell » 03.06.2020, 06:34

Deutsches Ärzteblatt vom 02.06.2020:

FDP wirft Regierung Tatenlosigkeit bei Sterbehilfe vor
Berlin – Die FDP hat der Bundesregierung vorgeworfen, das Sterbehilfeurteil des Bundes­verfassungsgerichts vom Februar nicht umsetzen zu wollen. „Sie hat sich offensichtlich endgültig festgelegt, Schwerstkranken ihren Wunsch nach einem selbstbestimmten Le­bensende nicht zu gewähren“, erklärte die FDP-Gesundheits- und Rechtsexpertin Katrin Helling-Plahr heute in Berlin.
... (weiter lesen unter) ... > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/33 ... 75-1fdd0vq
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Wissenschaftler plädieren für ärztlich assistierten Suizid

Beitrag von WernerSchell » 22.06.2020, 17:27

Deutsches Ärzteblatt vom 22.06.2020:
Wissenschaftler plädieren für ärztlich assistierten Suizid
München – Mediziner und Juristen haben heute in München einen ausformulierten, ver­fassungskonformen Gesetzesvorschlag zur Neuregelung des assistierten Suizids vorge­legt. Explizit Ärzte, ­ aber auch Angehörige ­ sollen danach unter bestimmten Voraus­setzun­gen Sterbewilligen Assistenz beim Suizid leisten dürfen.
Kein Arzt soll jedoch zu einer Suizidhilfe verpflichtet werden können. Eine Rechtsverord­nung soll die Anforderungen an die fachliche Qualifikation der beteiligten Ärzte festle­gen, wobei dem Entwurf zufolge mindestens einer der beiden Ärzte über psychiatrische, psychotherapeutische oder psychosomatische Fachkenntnisse verfügen muss.
Ziel des Gesetzentwurfs mit dem Titel „Selbstbestimmung im Sterben – Fürsorge zum Leben“ sei es, den vom Bundesverfassungsgericht vorgegebenen Freiraum für selbstbe­stimm­tes Sterben abzusichern und zugleich den Lebensschutz zu stärken, betonten die Pallia­tivmediziner Gian Domenico Borasio und Ralf Jox von der Universität Lausanne, der Tü­bin­ger Medizinethiker Urban Wiesing sowie der aus Mannheim zugeschaltete Jurist Jo­chen Taupitz heute vor der Presse.
... (weiter lesen unter) ... > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/33 ... 75-1ff1hsk


+++
Deutsches Ärzteblatt vom 24.06.2020:
„ÄrzteTag“-Podcast - Neue Regeln für die ärztliche Sterbehilfe?
„Das Urteil des BVerfG zur Sterbehilfe ist eine deutliche Kritik an der Politik der Ärztekammern in den letzten Jahrzehnten“, meint Prof. Urban Wiesing. In dieser Episode erklärt der Tübinger Medizinethiker, warum ausgerechnet die Kammern in diesem Punkt gegen die verfassungsgemäße Berufsfreiheit der Ärzte verstoßen und inwieweit der Staat präventiv in die Hilfe zum Suizid eingreifen darf. Und er sagt, welches Gesetz zur Sterbehilfe ihm und seinen Kollegen vorschwebt.
Von Denis Nößler
Ende Februar hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung gekippt: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will jetzt regulatorisch nachbessern. Der Tübinger Medizinethiker und -historiker Prof. Urban Wiesing ist sich sicher: Der Staat darf den Schutz vor voreiligen, unvernünftigen und unüberlegten Suizid-Entscheidungen ausüben, aber der Staat hat kein Recht, die Suizidentscheidung seiner Bürger generell abzulehnen.

...
Was sein Gesetz besser macht als der bisherige Paragraf 217 StGB, warum die Ärztekammern beim Thema Sterbehilfe keine gute Figur machen und wieso es eine Art Konsil für jeden einzelnen Fall geben sollte, hören Sie im Podcast. Und Wiesing erläutert darin auch, warum die Kirchen noch nicht in einer pluralistischen Gesellschaft angekommen sind. (Dauer: 13:57 Minuten)
... (weiter lesen unter) ... > https://nlcontent.aerztezeitung.de/redi ... 9BF85C72C6


>>> zum Podcast >>> https://aerztetag.aerztezeitung.de/131- ... of-wiesing
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Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26.02.2020 muss Beachtung finden

Beitrag von WernerSchell » 25.06.2020, 07:14

Am 25.06.2020 in den sozialen Medien gepostet:

Neue Regeln für die ärztliche Sterbehilfe? > Podcast vom 24.06.2020 > https://aerztetag.aerztezeitung.de/131- ... of-wiesing
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26.02.2020 muss Beachtung finden > https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... b9#p112486. Es geht um die Gewährleistung des Selbstbestimmungsrecht der Patienten!
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Bundesverfassungsgericht bekräftigt Sterbehilfe-Urteil

Beitrag von WernerSchell » 30.06.2020, 17:20

Ärzte Zeitung vom 30.06.2020:
BtM-Vorlagen abgewiesen
Bundesverfassungsgericht bekräftigt Sterbehilfe-Urteil

Haben Menschen hierzulande ein Recht auf Selbsttötung? Erneut mussten jetzt die Verfassungsrichter in Karlsruhe darüber entscheiden – und haben sich selbst zitiert.
Von Martin Wortmann
Karlsruhe. Für Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) werden die Gründe dünner, eine Neuregelung der Sterbehilfe weiter zu verzögern und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Freigabe geeigneter Medikamente zu untersagen. Mit einem am Dienstag (30. Juni) veröffentlichten Beschluss hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe unverrückbar an seiner Entscheidung vom Februar festgehalten, mit dem es ein „Recht auf selbstbestimmtes Sterben“ normiert hatte.
... (weiter lesen unter) ... > https://www.aerztezeitung.de/Politik/Bu ... 20[rundate]
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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