Demenz - Demenzdiagnose - Demenztest

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WernerSchell
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Kein Zusatznutzen für Donanemab

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Kein Zusatznutzen für Donanemab:
Was der Beschluss bedeutet


Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat dem Alzheimer-Medikament Donanemab (Handelsname: Kisunla) keinen Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Standardtherapie attestiert. Grundlage ist die Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der Beschluss bildet die Basis für die Preisverhandlungen zwischen gesetzlichen Krankenkassen und dem Hersteller. Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) ordnet die Entscheidung ein.

Therapie für eine klar definierte Patientengruppe

Donanemab ist – nach Lecanemab (Leqembi) – das zweite in der EU zugelassene Antikörper-Medikament zur Behandlung der frühen Alzheimer-Erkrankung. Es richtet sich an Patientinnen und Patienten mit nachgewiesener Amyloid-Pathologie im Stadium einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) oder einer beginnenden Alzheimer-Demenz.

Ziel der Behandlung ist es nicht, die Erkrankung zu heilen, sondern ihr Fortschreiten zu verlangsamen und Zeit zu gewinnen. Gleichzeitig ist die Anwendung an enge Voraussetzungen geknüpft: Neben dem Nachweis von Amyloid-Ablagerungen müssen bestimmte Risikofaktoren ausgeschlossen werden. Die Therapie erfordert zudem regelmäßige Infusionen und engmaschige Kontrollen, etwa durch MRT-Untersuchungen. Entsprechend kommt sie nur für eine klar abgegrenzte und vergleichsweise kleine Gruppe von Patientinnen und Patienten infrage.

Worauf sich die Begründung stützt

Die Entscheidung des G-BA stützt sich maßgeblich auf die Bewertung des IQWiG. Laut G-BA gab es für Menschen mit MCI keine geeigneten Daten, um einen Zusatznutzen festzustellen.

Auch für Menschen im leichten Alzheimer-Stadium konnten auf Grundlage der Studiendaten keine statistisch signifikanten Unterschiede zur Vergleichsgruppe festgestellt werden. Letztere wurden mit Acetylcholinesterasehemmern behandelt.

Einordnung aus der Forschung
Prof. Dr. Stefan Teipel, Demenzforscher und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der AFI, sagt:
„Es wäre überraschend gewesen, wenn für Donanemab ein anderer Beschluss getroffen worden wäre. Die zugrunde liegenden Studiendaten sind sehr ähnlich zu denen von Lecanemab. Unterschiede in der Bewertung würden eher auf regulatorische Rahmenbedingungen zurückgehen als auf klare Unterschiede in der Wirksamkeit.“

Die Alzheimer Forschung Initiative ergänzt:

„Die Entscheidung des G-BA zeigt, wie schwierig es derzeit ist, den Nutzen neuer Alzheimer-Therapien eindeutig zu bewerten“, sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft der AFI. „Donanemab setzt sehr früh im Krankheitsverlauf an – genau dort, wo Veränderungen oft nur klein und schwer messbar sind. Dass kein Zusatznutzen festgestellt wurde, bedeutet nicht, dass die Therapie wirkungslos ist.“

Bedeutung für die Versorgung

Der Beschluss des G-BA hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die grundsätzliche Verordnungsfähigkeit von Donanemab. Er ist jedoch entscheidend für die Preisverhandlungen zwischen Hersteller und gesetzlichen Krankenkassen – und damit für den zukünftigen Zugang zur Therapie.

Antikörpertherapien wie Donanemab gelten als ein wichtiger Schritt in der Alzheimer-Forschung. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Bewertung, dass weiterhin offene Fragen zur Wirksamkeit, Sicherheit und praktischen Anwendung bestehen.


Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. trägt. Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Demenzforscherinnen und -forscher. Seit 2025 stellt die AFI auch Fördergelder für Pflegeforschung bereit. Mit kostenlosen Broschüren und auf der Website informiert die AFI über die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzen. Seit seiner Gründung konnte der Verein mehr als 470 Forschungsaktivitäten mit über 20,7 Millionen Euro unterstützen und rund eine Million Ratgeber und Broschüren verteilen. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel. Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins und zu Spendenmöglichkeiten finden Sie auf www.alzheimer-forschung.de.

Quelle: Pressemitteilung vom 16.04.2026
Pressekontakt
Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI)
Astrid Marxen, Petra Lindenberg
Kreuzstr. 34, 40210 Düsseldorf
0211 - 86 20 66 28
presse@alzheimer-forschung.de
www.alzheimer-forschung.de/presse


+++ Siehe auch unter >>> https://www.g-ba.de/beschluesse/7776/ +++
WernerSchell
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Neue Medikamente zur Alzheimer-Therapie

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Neue Medikamente zur Alzheimer-Therapie
Deutsche Alzheimer Gesellschaft irritiert über das Verfahren rund um die Zulassung


Am gestrigen Donnerstag hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bekannt gegeben, dass die vom Hersteller Eli Lilly vorgelegten Studiendaten keinen Zusatznutzen des Wirkstoffs Donanemab – Handelsname Kisunla – bei früher Alzheimer-Krankheit im Vergleich zum bisherigen Therapiestandard belegen. Eine ähnliche Entscheidung ist bereits im Februar dieses Jahres bezüglich des Wirkstoffs Lecanemab gefallen.

Beide Wirkstoffe haben durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA im vergangenen Jahr eine Zulassung für die EU und damit auch für Deutschland erhalten. Die Entscheidung des G-BA hat aber Einfluss auf die Höhe des Preises, zu dem Arzneimittel von den Krankenkassen erstattet werden. Sollte der Preis zu niedrig sein, werden die Hersteller das Präparat – zumindest für gesetzlich Versicherte – in Deutschland wahrscheinlich vom Markt nehmen.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft übt deutliche Kritik an der stark polarisierenden Diskussion rund um die Zulassung und die Nutzenbewertung zu diesen Medikamenten.

„Hier wird mit den Hoffnungen und Ängsten von Menschen Politik betrieben und versucht Profite zu machen“, sagt Swen Staack, 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

„Von Anfang an wurde – sicherlich unterstützt durch die Pharmafirmen – auch über die Medien die Erwartung eines bahnbrechenden Durchbruchs bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit erzeugt. Diese Erwartung ist angesichts der vorliegenden Studien überzogen, egal wie die Daten interpretiert werden. Für die Forschung sind die Medikamente dennoch mit viel Hoffnung verbunden, dass nun ein Weg in die richtige Richtung zur Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit gefunden wurde. Aber man darf Hoffnung nicht mit Evidenz verwechseln. Für Laien sind die Diskussionen rund um die Zulassung und Bewertung nicht nachvollziehbar und nicht durchschaubar“, so Staack weiter.

„Der ganze Prozess rund um die Zulassung dieser neuen Medikamente ist nicht zielführend, wenn es um eine Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz in Deutschland geht“, ergänzt Lilja Helms, 2. Vorsitzende des Vereins. "Seit dem letzten Jahr geht es in der öffentlichen Diskussion nur noch um die Alzheimer-Krankheit, nur noch um das frühe Krankheitsstadium und nur noch um medikamentöse Behandlungsansätze. All die Menschen, die in Deutschland für eine Behandlung mit diesen Medikamenten nicht infrage kommen – weil die Krankheit zu weit fortgeschritten ist, weil sie an einer anderen Demenzform erkrankt sind, oder weil auf sie einer der vielen Ausschlussgründe für die Therapie zutrifft, geraten aus dem Blick. Und ganz wichtig: Es gibt eine ganze Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten, deren Effekte auf den Verlauf der Krankheit seit langem bekannt und nachgewiesen sind. Dazu gehören neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Ansätze wie Ergotherapie, Hirnleistungs- und körperliches Training.“


Hintergrund
In Deutschland leben heute etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Rund zwei Drittel davon werden in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt. Jährlich erkranken etwa 400.000 Menschen neu. Ungefähr 60 Prozent davon haben eine Demenz vom Typ Alzheimer. Die Zahl der Demenzerkrankten wird bis 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft engagiert sich für ein besseres Leben mit Demenz. Sie unterstützt und berät Menschen mit Demenz und ihre Familien. Sie informiert die Öffentlichkeit über die Erkrankung und ist ein unabhängiger Ansprechpartner für Medien, Fachverbände und Forschung. In ihren Veröffentlichungen und in der Beratung bündelt sie das Erfahrungswissen der Angehörigen und das Expertenwissen aus Forschung und Praxis. Als Bundesverband von mehr als 130 Alzheimer-Gesellschaften unterstützt sie die Selbsthilfe vor Ort. Gegenüber der Politik vertritt sie die Interessen der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Die DAlzG setzt sich ein für bessere Diagnose und Behandlung, mehr kompetente Beratung vor Ort, eine gute Betreuung und Pflege sowie eine demenzfreundliche Gesellschaft.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist als Interessenvertreterin von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen im Lobbyregister des Deutschen Bundestags eingetragen und hat sich dem dafür geltenden Verhaltenskodex verpflichtet.

Quelle: Pressemitteilung vom 17.04.2026
Kontakt für Presse und Medien
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz
Susanna Saxl-Reisen, Nora Landmann, Jessica Kortyla
Keithstraße 41, 10787 Berlin
Tel: 030 – 259 37 95 0, Fax: 030 – 259 37 95 29
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Neue Alzheimer-Medikamente: Was Betroffene wissen müssen

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Neue Alzheimer-Medikamente: Was Betroffene wissen müssen … > Sendung NDR Fernsehen (Visite) vom 21.04.2026 (4 Min., verfügbar bis 21.04.2031) … > https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... e-842.html – Dazu ergibt sich u.a.: Zwei Beiträge informieren dazu im hiesigen Forum … > viewtopic.php?f=7&p=17769#p17769 … > viewtopic.php?p=17760#p17760 - Die Entscheidung des G-BA ist nachvollziehbar. Es macht keinen Sinn, Menschen, die gegen eine mögliche Alzheimererkrankung angehen wollen, Hoffnungen zu machen, die sich nicht erfüllen. Mit geeigneten Präventionsmaßnahmen, gesunder Lebensführung, kann man im Zweifel mehr bewirken. Das alles nach dem Motto Krankheitsvermeidung vor Krankheitsbewältigung >>> https://www.neuss-erfttal.de/forum/view ... ?f=7&t=792
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Demenzrisiko schon in jungen Jahren sichtbar

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Demenzrisiko schon in jungen Jahren sichtbar

Wie wir leben, bestimmt mit, wie unser Gehirn altert – und das deutlich früher als bislang gedacht. Eine neue Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig zeigt, dass ein etablierter Demenzrisiko-Index bereits bei jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 39 Jahren mit Unterschieden in der geistigen Leistungsfähigkeit zusammenhängt. Bisher galt der Index vor allem für die Risikoabschätzung im mittleren und höheren Erwachsenenalter. Die Ergebnisse sind aktuell im Journal „Alzheimer's & Dementia“ veröffentlicht worden.

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Derzeit leben etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland mit Demenz. Für die aktuelle Studie nutzte das Forschungsteam Daten aus der deutschlandweiten bevölkerungsbasierten Gesundheitsstudie NAKO mit knapp 150.000 Teilnehmer:innen im Alter von 20 bis 75 Jahren. Für jede Person wurde auf Basis gesundheitlicher und lebensstilbezogener Faktoren – etwa Rauchen, körperliche Aktivität, Depression oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – ein LIBRA-Score berechnet. Die Ergebnisse sind eindeutig: Höhere LIBRA-Scores, also ein höheres Demenzrisiko, gingen in allen Altersgruppen mit einer schlechteren geistigen Leistungsfähigkeit einher.

Anschließend sind die Zusammenhänge zwischen den Risikowerten und der kognitiven Leistungsfähigkeit analysiert worden. Der Lifestyle for Brain Health (LIBRA)-Index ist ein etabliertes wissenschaftliches Instrument zur Abschätzung des Demenzrisikos. Besonders auffällig in der aktuellen Studie: Jüngere Erwachsene wiesen häufiger verhaltens- und psychosoziale Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und depressive Symptome auf. Bei älteren Menschen dominierten kardiovaskuläre Risiken wie Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung und erhöhte Cholesterinwerte. „Es wird deutlich, dass sich die Art der Risikofaktoren für Demenz über die Lebensspanne verändert. Die Risikoreduktion sollte nicht erst mit 40 oder 60 Jahren beginnen, sondern schon im jungen Erwachsenenalter ansetzen“, betont Professorin Steffi G. Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP). „Wenn wir Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung oder psychische Gesundheit früh in den Blick nehmen, können wir vermutlich viel für die Gehirngesundheit im Alter tun.“

Die Studie zeigt außerdem deutliche soziale Unterschiede: Personen mit niedrigerem sozioökonomischem Status hatten insgesamt ungünstigere LIBRA-Scores. Auch zwischen Frauen und Männern gab es Unterschiede: Im Durchschnitt wiesen Männer höhere modifizierbare Demenzrisikofaktoren (LIBRA-Werte) als Frauen auf. Negative Zusammenhänge zwischen LIBRA und kognitiver Leistung waren besonders bei Frauen mit niedrigerem sozioökonomischem Status ausgeprägt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bestimmte Gruppen im Lebensverlauf mehrfach benachteiligt sein können. Wissenschaftler Felix Wittmann: „Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass das Demenzrisiko nicht nur mit individuellen Faktoren zusammenhängt. Wenn wir soziale Ungleichheiten nicht stärker in den Blick nehmen, laufen wir als Gesellschaft Gefahr, dass die besonders gefährdeten Gruppen von wichtiger Risikoreduktion am wenigsten profitieren.”

Wissenschaftlich schließt die Studie eine Lücke: Der LIBRA-Index ist bislang nur für Menschen ab 40 Jahren gut untersucht. Dass er auch bei 20- bis 39-Jährigen aussagekräftig ist, zeigt, dass etablierte Demenzrisiko-Modelle auf jüngere Altersgruppen übertragbar sind und die Forschung stärker den gesamten Lebensverlauf in den Blick nehmen sollte.

Die Publikation entstand in gemeinsamer Erstautorenschaft von Prof. Dr. Susanne Röhr und Felix Wittmann. Prof. Dr. Röhr hat aktuell eine Professur als Associate Professor an der australischen University of New South Wales in Sydney inne und ist dem Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) weiterhin als Gastwissenschaftlerin verbunden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Steffi G. Riedel-Heller
Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP)
Telefon: +49 341 97 15408
E-Mail: steffi.riedel-heller@medizin.uni-leipzig.de

Felix Wittmann
Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP)
Telefon: +49 341 97 15542
E-Mail: Felix.Wittmann@medizin.uni-leipzig.de

Originalpublikation:
Originalpublikation in Alzheimer's & Dementia: Associations of the Lifestyle for Brain Health (LIBRA) index with cognitive functioning across adulthood: Variation by sex and socioeconomic status in the German National Cohort (NAKO). Doi: 10.1002/alz.71477
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42151737/

Quelle: Pressemitteilung vom 02.06.2026
Medizinische Fakultät Anne Grimm Stabsstelle Universitätskommunikation / Medienredaktion
Universität Leipzig
https://idw-online.de/de/news871803
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Gesundheitsvorsorge als „Patentlösung“: NRP veröffentlicht Publikationssammlung zur neurologischen Prävention

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Gesundheitsvorsorge als „Patentlösung“: NRP veröffentlicht Publikationssammlung zur neurologischen Prävention


„Neurological Research and Practice“, kurz NRP, das internationale Open-Access-Journal der DGN, hat aktuell eine Publikationssammlung zur neurologischen Prävention veröffentlicht. Insgesamt acht Arbeiten beleuchten das extrem große Potenzial der Prävention bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen. Dabei geht es neben Schlaganfall und Demenz, bei denen die Effekte der Vorbeugung z. T. schon bekannt sind, auch um Parkinson, Epilepsie oder die weit verbreitete Polyneuropathie. Eines wird deutlich: Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und einem „auf Kante genähten“ Gesundheitssystem darf das Potenzial der Prävention nicht ungenutzt bleiben!

Neurologische Krankheiten sind zentrale Treiber von Mortalität und Morbidität. Auch in Deutschland führen sie die Todesfallstatistiken an und sind die häufigste Ursache für Behinderungen [1]. „Vor diesem Hintergrund sowie angesichts der rasant steigenden Kosten des Gesundheitssystems müssen wir uns fragen, wie wir dieser Entwicklung entgegenwirken können. Ein stärkeres Augenmerk auf Prävention und Gesunderhaltung der Bevölkerung zu legen, bietet sich hier nahezu als Patentlösung an“, erklärt DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg, UKSH Kiel. Wie die Expertin hervorhebt, wird lediglich ein Promille, also ein Tausendstel, des deutschen Gesundheitsbudgets für Prävention ausgegeben – bei gleichzeitig steigenden Therapiekosten. „Daran krankt das System. Mehr Investitionen in die Gesundheitsvorsorge zahlen sich unbedingt aus, gerade wenn es um neurologische Krankheiten geht.“

Um das Wissen zur neurologischen Prävention evidenzbasiert zusammenzutragen, entstand auf Initiative des DGN-Generalsekretärs Prof. Dr. Peter Berlit eine Publikationssammlung, die nun in NRP veröffentlicht wurde. Eines der Reviews befasst sich mit dem Potenzial der Schlaganfallprävention. Wie Thielscher et al. [2] ausführen, können 80 % aller Fälle 23 modifizierbaren Risikofaktoren zugeschrieben werden – wären also prinzipiell vermeidbar. „Unterschieden werden muss jedoch zwischen individuellen Faktoren wie Übergewicht oder Bluthochdruck und allgemeinen Faktoren wie beispielsweise Luftverschmutzung, auf die der Einzelne nur sehr bedingt Einfluss nehmen kann“, so die DGN-Präsidentin. Dennoch bleibt das Präventionspotenzial groß: Ein Drittel aller Schlaganfälle könnte allein dadurch vermieden werden, dass auf Alkohol und Rauchen verzichtet, regelmäßig Sport getrieben und auf eine ballaststoffreiche, salzarme Ernährung umgestellt wird [2]. In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall, 200.000 davon erstmals. Allein die drei genannten Lebensstilumstellungen können also eine große Wirkung erzielen – sowohl gesundheitsökonomisch als auch auf individueller Ebene.

Ähnlich hoch ist das Potenzial beim Thema Demenz: Wie Reetz et al. [3] ausführen, sind 14 veränderbare Risikofaktoren für bis zu 45 % der Fälle verantwortlich. Strukturierte, mehrere Lebensbereiche umfassende Interventionen zur Verbesserung der kognitiven Funktionen können wirksam sein. Besonders wichtig sind dabei Beratung und Unterstützung bei der Förderung von Lebensstiländerungen. „Prävention braucht Vermittlung – und dafür muss das System einen Rahmen schaffen. Ärztinnen und Ärzte müssen wiederholt Gespräche mit den Betroffenen führen. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass solche Präventionssprechstunden auch adäquat vergütet werden“, erklärt Prof. Berg.

PD Dr. Eva Schäffer, UKSH Kiel, Editorin der Publikationssammlung [4] und Autorin des Beitrags zu Parkinson [5], weiß, wie wichtig Lebensstilumstellungen auch bei dieser neurodegenerativen Erkrankung sind – auch in der Sekundärprävention, also um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. „Es erfordert von den Behandelnden viel Zeit, die Patientinnen und Patienten vom Stellenwert dieser Maßnahmen zu überzeugen und sie immer wieder neu zu motivieren, denn viele Menschen meinen, der Lebensstil könne nicht so viel bewirken wie ein Tablette.“ Wie falsch diese Annahme ist, zeigt sich bereits an den im Artikel dargelegten Zahlen zur Primärprävention [5]: Wer intensiv Sport treibt, kann sein Parkinson-Risiko um bis zu 60 % senken und den Krankheitsverlauf verlangsamen – das schafft bisher kein Medikament.

„Auch die anderen Review-Artikel der Publikationssammlung zeigen die hohe Wirksamkeit der Prävention neurologischer Erkrankungen und fassen den wissenschaftlichen Status quo der internationalen neurologischen Präventionsforschung eindrucksvoll zusammen“, betont Prof. Wolf Schäbitz, Editor-in-Chief von NRP, dem englischsprachigen Open-Access-Journal der DGN. „Wir sind sehr stolz darauf, aus Deutschland heraus diesen evidenzbasierten, wichtigen Input zu geben, und hoffen, dass viele Länder die Prävention neurologischer Erkrankungen an die erste Stelle ihrer Public-Health-Agenden setzen.“

Die Arbeiten weisen auch in die Zukunft der Prävention: Genetik wird perspektivisch eine große Rolle spielen; dadurch kann Prävention stärker individualisiert werden. Ein weiterer Punkt ist die verbesserte Früherkennung: Erste Bluttests für Alzheimer sind auf europäischer Ebene bereits zugelassen, bei Parkinson befinden sie sich noch in der Entwicklung – beides Erkrankungen mit langen „Vorlaufzeiten“. Die Idee ist, Krankheiten möglichst früh zu erkennen, um dann durch gezielte Sekundärprävention den „Ausbruch“ möglichst weit nach hinten zu verschieben. „Allein diese bereits greifbaren Perspektiven machen deutlich, dass es sich nicht nur lohnt, in die Erforschung neuer Therapien, sondern auch in die Präventionsforschung zu investieren“, erklärt DGN-Präsidentin Berg abschließend.

[1] Pressemeldung der DGN vom 11.02.2026. Neurologische Krankheiten haben die höchste Krankheitslast – auch in Deutschland. https://www.dgn.org/artikel/neurologisc ... e-krankhei...
[2] Thielscher, C.S., Montellano, F.A., Saur, D. et al. Prevention in stroke - Current state, present gaps and probable next steps. Neurol. Res. Pract. 8, 31 (2026). https://doi.org/10.1186/s42466-026-00479-3
[3] Reetz, K., Liepelt-Scarfone, I., Häger, A. et al. The best treatment is prevention: prevention of cognitive decline and dementia – current state, gaps and next steps –. Neurol. Res. Pract. 8, 30 (2026). https://doi.org/10.1186/s42466-026-00494-4
[4] Schaeffer, E., Berg, D. The brain health bundle: integrating evidence-based strategies to guide neurological prevention. Neurol. Res. Pract. 8, 44 (2026). https://doi.org/10.1186/s42466-026-00505-4
[5] Schaeffer, E., Becktepe, J.S., Brockmann, K. et al. Preventing Parkinson’s disease in the context of movement disorders: a narrative review of current evidence and future directions. Neurol. Res. Pract. 8, 27 (2026). https://doi.org/10.1186/s42466-026-00488-2

Pressekontakt
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Pressesprecher: Prof. Dr. Peter Berlit
Leiterin der DGN-Pressestelle: Dr. Bettina Albers
Tel.: +49(0)174 2165629
E-Mail: presse@dgn.org

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
ist mit ihren über 13.500 Mitgliedern die Stimme der Neurologie in medizinischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung und steht für beste neurologische Versorgung und Hirngesundheit in Deutschland. Sie fördert als offene, praxisnahe, digital vernetzte, interprofessionell und interdisziplinär arbeitende Fachgesellschaft neurologischen Fortschritt, bildet kulturelle Vielfalt ab und ist sowohl wissenschaftlich als auch gesundheitspolitisch wirksam. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsidentin: Prof. Dr. Daniela Berg
Stellvertretender Präsident: Prof. Dr. Dr. Sven Meuth
Past-Präsident: Prof. Dr. Lars Timmermann
Generalsekretär: Prof. Dr. Peter Berlit
Geschäftsführer: David Friedrich-Schmidt
Geschäftsstelle: Budapester Str. 7/9, 10787 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1186/s42466-026-00505-4

Quelle: Pressemitteilung vom 03.06.2026
Dr. Bettina Albers Pressestelle der DGN
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
https://idw-online.de/de/news871896
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