
Quelle: Spektrum.de
Die Gene beeinflussen möglicherweise viel stärker, wie alt wir werden, als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam um Ben Shenhar vom israelischen Weizmann-Institut für Wissenschaften. In vorigen Forschungsarbeiten wurde der genetische Anteil meist auf etwa 15 bis 25 Prozent geschätzt. Die neuen Analysen legen hingegen nahe, dass mehr als die Hälfte des biologisch möglichen Lebensalters auf genetische Faktoren zurückgeht – zumindest dann, wenn äußere Einflüsse wie Unfälle, Gewalt oder Naturkatastrophen herausgerechnet werden. Die Forschenden nutzten dafür mathematische Modelle und Daten von Zwillingen, die zusammen oder getrennt aufgewachsen sind. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin »Science« erschienen (Quelle: https://www.spektrum.de/news/gene-haben ... ht/2307474 ). – Es bleibt abzuwarten, wie die neuen Forschungsergebnisse von der Fachwelt beurteilt werden. Es muss aber weiterhin davon ausgegangen werden, dass dem Lebensstil große Bedeutung bezüglich der Langlebigkeit zukommt. Denn mit präventiven Maßnahmen sind gute Möglichkeiten gegeben, Krankheiten bzw. Pflegebedürftigkeit zu verhindern, zumindest weit hinauszuzögern. Folglich sollte jeder etwas tun, um gesundheitsförderliche Lebensbedingungen zu gestalten. … Weitere Infos u.a. unter > viewtopic.php?p=2426#p2426 bzw. > viewtopic.php?p=9800#p9800
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Zu den Erkenntnissen bezüglich Einfluss der Gene wurden einige Stellungnahmen eingeholt. Diese werden in Kürze wie folgt vorgestellt:
Ein Forscher vom Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI) – hat sich umfänglich geäußert, nachlesbar hier: https://biermann-medizin.de/lebenserwar ... -die-gene/ In einem Anschreiben des FLI vom 04.02.2026 wird zum Einfluss der Gene ergänzend ausgeführt: Das ist aber nicht neu, es gibt immer mal wieder neue Ergebnisse dazu. Aus Studien mit Modellorganismen wissen wir, dass einzelne Gene einen sehr großen Einfluss auf die Lebensspanne haben können. Insofern überraschen die neuen Zahlen uns nicht. Denn generell verläuft das Altern individuell, vielschichtig und unterschiedlich schnell – auf zellulärer, organischer und systemischer Ebene, und das eben auch bei uns Menschen. Die Frage nach dem prozentualen Anteil von Genen versus Umwelt ist auch schwer messbar… Viele Umweltfaktoren, auch soziale Komponenten, haben einen Einfluss auf unsere Gene und unser Erbgut. Das wissen wir vor allem durch die Forschung zur Epigenetik (quasi der 2. Auslese-Ebene unseres Genoms) und den neuen Omics-Technologien der letzten Jahre. Ein anderer Wissenschaftler fasst es bei uns immer so, wie ich finde sehr treffend, zusammen: „Die Gene setzen einen Rahmen, die Umweltbedingungen und unser Verhalten entscheiden darüber, ob wir diesen ausfüllen können oder nicht.“ Das ist das, worauf es nach ankommt. Jeder kann etwas aus seinem Leben machen und auch selbst etwas tun, um gesund alt zu werden (Dr. Kerstin Wagner - Kommunikation / Presse & Öffentlichkeitsarbeit - Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI) - Beutenbergstraße 11, D-07745 Jena).
Dr. Peter Spork (Wissenschaftsautor – Science-Entertainer – Gneisenaustr. 34, D-20253 Hamburg) hat sich in seinem Newsletter vom 30.01.2026 ebenfalls zum Thema geäußert, nachlesbar unter > https://9jmt.mjt.lu/nl3/0Jt2DhRnXNdZ5EknYJvPhg U.a. wird dort ausgeführt: „Die Science-Studie scheint methodisch gut gemacht. Das bestätigen auch mehrere unabhängige Expertïnnen gegenüber dem Science Media Center Deutschland. Die Frage ist nur, welche Relevanz das Ergebnis für uns und unseren Alltag hat. „Mathematische Modelle machen häufig die vereinfachende Annahme, dass intrinsische und extrinsische Faktoren strikt unabhängig voneinander sind. In der Realität können genetische und externe Faktoren jedoch in komplexer Weise zusammenwirken“, sagt Steve Hoffmann, Bioinformatiker und Alterungsforscher von der Universität Jena.“
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing (Leiterin Wissenschaft, Alzheimer-Forschung) hat sich am 12.02.2026 in einer Mail wie folgt geäußert: „Wie viel Prozent der Demenzerkrankungen auf genetische Faktoren zurückzuführen sind, ist je nach Krankheit sehr unterschiedlich. Über alle Demenzformen hinweg liegt der Anteil bei ca. 55 %, somit sind 45 % durch den Lebensstil beeinflussbar. Bei der Alzheimer-Krankheit spricht man beispielsweise bei ca. 1-5 % von der familiären Form, das heißt, die Krankheit ist durch eine Mutation in einem von drei Genen (APP, PSEN1, PSEN2) verursacht. Wenn eine dieser Genmutationen vorliegt, liegt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken bei 100 %. Es gibt neben diesen Genmutationen Alzheimer-Risikogene: allen voran das Risikogen ApoE4. Zwei Kopien, als eine von der Mutter und eine vom Vater geerbt zu haben, rhöht die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung um das 15-fache. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder mit zwei ApoE4-Genkopien erkrankt. Bei der Frontotemporalen Demenz sind 10-15 % direkt auf eine Genmutation (C9orf72, GRN, MAPT) zurückzuführen. Bei rund 40 % gibt es eine familiäre Häufung. Damit sind auch andere Erkrankungen wie andere Demenzformen, ALS, Depressionen oder Schizophrenie gemeint. Bei der Vaskulären Demenz gibt es keine bekannte Genmutation, da vaskuläre Demenzen als Folge von Durchblutungsstörungen oder Schlaganfällen auftreten. Für so etwas kann es natürlich auch eine Prädisposition geben, jedoch lässt sich die Demenz nicht durch eine vererbbare Komponente fest vorhersagen. Wie Sie sehen, ist es schwer, das allgemein festzulegen, aber die Angabe, dass 45 % aller Demenzerkrankungen beeinflussbar sind und 55 % durch vererbbare Faktoren bedingt sind, ist wissenschaftlich korrekt.“
Emrah Düzel hat in einer Mailzuschrift vom 07.02.2026 u.a. ausgeführt: „Bei der altersassoziierten sporadischen Alzheimer Erkrankung erklären Gene tatsächlich wahrscheinlich über 50% der Varianz. Ganz vorne ist APoE4. Aber auch polygenetische Faktoren spielen eine Rolle. Genauso scheint es auch genetische Faktoren zu geben, die schützen“.
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Prävention ist bei Würdigung aller Statements weiterhin wichtig. Daher wird noch einmal auf die entsprechenden Handlungserfordernisse aufmerksam gemacht:
14 Demenz-Risikofaktoren
… > viewtopic.php?f=7&t=1469
… > viewtopic.php?f=7&t=1492
14 Demenz-Risikofaktoren im Überblick:
• geringe Bildung
• eingeschränkte Hörfähigkeit
• hoher Cholesterinspiegel
• Depressionen
• Kopfverletzungen
• Bewegungsmangel
• Diabetes Typ 2
• Rauchen
• Bluthochdruck
• starkes Übergewicht
• übermäßiger Alkoholkonsum
• soziale Isolation
• Luftverschmutzung
• Einschränkungen der Sehkraft