Polymyalgia rheumatica bei Menschen über 50 Jahre häufiger als bisher angenommen

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WernerSchell
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Polymyalgia rheumatica bei Menschen über 50 Jahre häufiger als bisher angenommen

Beitrag von WernerSchell »

Deutsches Ärzteblatt


Polymyalgia rheumatica bei Menschen über 50 Jahre häufiger als bisher angenommen

Polymyalgia rheumatica
Die Polymyalgia rheumatica ist nach der rheumatoiden Arthritis die zweithäufigste entzündliche, immunvermittelte Erkrankung bei Menschen über 50 Jahren. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Häufig leiden die Betroffenen an symmetrischen, muskelkaterartigen Schmerzen, Morgensteifigkeit und haben Schwierigkeiten bei Alltagsbewegungen.

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Berlin – Die Polymyalgia rheumatica (PMR) hat eine Inzidenz von rund 111 auf 100.000 Personen und eine Prävalenz von 937/100.000. Diese aktuelle Hochrechnung für 2021 liegt deutlich über bislang vorliegenden Schätzungen (Rheumatology 2025; DOI: 10.1093/rheumatology/keaf367 >>> https://doi.org/10.1093/rheumatology/keaf367 ).

Die Zahlen basieren auf einer Querschnittsanalyse mit einer für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Stichprobe von 4,8 Millionen Versicherten aus der Forschungsdatenbank des InGef (Institut für Gesundheitsforschung Berlin GmbH).

Einschlusskriterien waren ein Alter >50 Jahre, kontinuierlicher Versicherungsstatus für einen Basiszeitraum von 3 Jahren und 2 Folgejahre für die Längsschnittanalyse.

Die Ergebnisse wurden zusätzlich auf die deutsche Bevölkerung extrapoliert. Der Datensatz umfasste alle Jahre von 2015 bis 2022, während die Autorinnen und Autoren Prävalenz und Inzidenz für jedes Jahr von 2018 bis 2021 berechnet haben.

Darüber hinaus wurde bei der Berechnung der PMR-Inzidenz ein diagnosefreier Ausgangszeitraum von 3 Kalenderjahren vor dem jeweiligen Studienjahr berücksichtigt.

Alle Personen, bei denen innerhalb dieses Zeitraums bereits eine PMR-Diagnose vorlag, wurden für die Inzidenzanalyse aus der Studienkohorte ausgeschlossen. So konnten die Forschenden sicherstellen, dass es sich um Erst- oder Neudiagnosen handelt.

In der InGef-Kohorte wurden durchschnittlich 2.004 neue PMR-Diagnosen im Alter von mindestens 50 Jahren pro Studienjahr beobachtet (z.B. 2018: 1,986; 2021: 1,908). Dies entspricht einer Inzidenz von 110,8 (95-%-Konfidenzintervall: 109,8; 111,9) im Jahr 2018 und zeigt einen schwankenden Verlauf auf 111,2 (95-%-KI: 110,1; 112,3) pro 100.000 Personen in Deutschland im Jahr 2021.

Die Prävalenz stieg leicht von 868,6 (95-%-KI: 865,6; 871,6) pro 100.000 Menschen in Deutschland im ersten Studienjahr (2018) auf 936,9 (95-%-KI: 933,8; 939,9) pro 100.000 Menschen in Deutschland im letzten Studienjahr (2021).

Prävalenz übersteigt bisherige Schätzung um mehr das 5-fache

Die berechneten epidemiologischen Daten liegen deutlich über bislang vorliegenden Schätzungen. So waren für Deutschland eine Inzidenz von 17,7 auf 100.000 Menschen eines Alters von über 40 Jahren sowie Prävalenzen in der Größenordnung von 130 bis 150 pro 100.000 der Bevölkerung publiziert worden.

Bei der Häufigkeit des Leidens scheint ein Nord-Süd-Gefälle zu bestehen; einer jährlichen Inzidenz von 113/100.000 in Norwegen stehen 13/100.000 in Italien gegenüber. Im Jahr 2021 waren die prävalenten Patienten im Durchschnitt 75,7 Jahre mit einem Frauenanteil von fast 60 %. Die inzidenten Patienten waren im Durchschnitt 72,1 Jahre alt.

Die Forschenden analysierten auch die Art der ärztlichen Betreuung sowie epidemiologische Charakteristika der Betroffenen. Die Diagnose wurde überwiegend im ambulanten Bereich gestellt (86,7 %), am häufigsten von Fachleuten für Allgemeinmedizin (37,1 %), Innere Medizin (22,2 %), Rheumatologie (11,4 %) und Orthopädie (10,2 %).

Quelle: Pressemitteilung vom 21.07.2025
https://www.aerzteblatt.de/news/polymya ... 11dc88e945


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Siehe auch unter
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viewtopic.php?f=7&t=352&p=9740&hilit=Polymyalgia#p9740
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