Demenz - Demenzdiagnose - Demenztest

Allgemeine Informationen zu allen relevanten Themen einschließlich interessante Nachrichten aus dem weiten Gebiet der Medizin und Heilkunde (z.B. Studien- und Forschungsergebnisse)
WernerSchell
Administrator
Beiträge: 4864
Registriert: 06.02.2021, 16:16

Kein Zusatznutzen für Donanemab

Beitrag von WernerSchell »

Kein Zusatznutzen für Donanemab:
Was der Beschluss bedeutet


Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat dem Alzheimer-Medikament Donanemab (Handelsname: Kisunla) keinen Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Standardtherapie attestiert. Grundlage ist die Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der Beschluss bildet die Basis für die Preisverhandlungen zwischen gesetzlichen Krankenkassen und dem Hersteller. Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) ordnet die Entscheidung ein.

Therapie für eine klar definierte Patientengruppe

Donanemab ist – nach Lecanemab (Leqembi) – das zweite in der EU zugelassene Antikörper-Medikament zur Behandlung der frühen Alzheimer-Erkrankung. Es richtet sich an Patientinnen und Patienten mit nachgewiesener Amyloid-Pathologie im Stadium einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) oder einer beginnenden Alzheimer-Demenz.

Ziel der Behandlung ist es nicht, die Erkrankung zu heilen, sondern ihr Fortschreiten zu verlangsamen und Zeit zu gewinnen. Gleichzeitig ist die Anwendung an enge Voraussetzungen geknüpft: Neben dem Nachweis von Amyloid-Ablagerungen müssen bestimmte Risikofaktoren ausgeschlossen werden. Die Therapie erfordert zudem regelmäßige Infusionen und engmaschige Kontrollen, etwa durch MRT-Untersuchungen. Entsprechend kommt sie nur für eine klar abgegrenzte und vergleichsweise kleine Gruppe von Patientinnen und Patienten infrage.

Worauf sich die Begründung stützt

Die Entscheidung des G-BA stützt sich maßgeblich auf die Bewertung des IQWiG. Laut G-BA gab es für Menschen mit MCI keine geeigneten Daten, um einen Zusatznutzen festzustellen.

Auch für Menschen im leichten Alzheimer-Stadium konnten auf Grundlage der Studiendaten keine statistisch signifikanten Unterschiede zur Vergleichsgruppe festgestellt werden. Letztere wurden mit Acetylcholinesterasehemmern behandelt.

Einordnung aus der Forschung
Prof. Dr. Stefan Teipel, Demenzforscher und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der AFI, sagt:
„Es wäre überraschend gewesen, wenn für Donanemab ein anderer Beschluss getroffen worden wäre. Die zugrunde liegenden Studiendaten sind sehr ähnlich zu denen von Lecanemab. Unterschiede in der Bewertung würden eher auf regulatorische Rahmenbedingungen zurückgehen als auf klare Unterschiede in der Wirksamkeit.“

Die Alzheimer Forschung Initiative ergänzt:

„Die Entscheidung des G-BA zeigt, wie schwierig es derzeit ist, den Nutzen neuer Alzheimer-Therapien eindeutig zu bewerten“, sagt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft der AFI. „Donanemab setzt sehr früh im Krankheitsverlauf an – genau dort, wo Veränderungen oft nur klein und schwer messbar sind. Dass kein Zusatznutzen festgestellt wurde, bedeutet nicht, dass die Therapie wirkungslos ist.“

Bedeutung für die Versorgung

Der Beschluss des G-BA hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die grundsätzliche Verordnungsfähigkeit von Donanemab. Er ist jedoch entscheidend für die Preisverhandlungen zwischen Hersteller und gesetzlichen Krankenkassen – und damit für den zukünftigen Zugang zur Therapie.

Antikörpertherapien wie Donanemab gelten als ein wichtiger Schritt in der Alzheimer-Forschung. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Bewertung, dass weiterhin offene Fragen zur Wirksamkeit, Sicherheit und praktischen Anwendung bestehen.


Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. trägt. Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Demenzforscherinnen und -forscher. Seit 2025 stellt die AFI auch Fördergelder für Pflegeforschung bereit. Mit kostenlosen Broschüren und auf der Website informiert die AFI über die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzen. Seit seiner Gründung konnte der Verein mehr als 470 Forschungsaktivitäten mit über 20,7 Millionen Euro unterstützen und rund eine Million Ratgeber und Broschüren verteilen. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel. Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins und zu Spendenmöglichkeiten finden Sie auf www.alzheimer-forschung.de.

Quelle: Pressemitteilung vom 16.04.2026
Pressekontakt
Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI)
Astrid Marxen, Petra Lindenberg
Kreuzstr. 34, 40210 Düsseldorf
0211 - 86 20 66 28
presse@alzheimer-forschung.de
www.alzheimer-forschung.de/presse


+++ Siehe auch unter >>> https://www.g-ba.de/beschluesse/7776/ +++
WernerSchell
Administrator
Beiträge: 4864
Registriert: 06.02.2021, 16:16

Neue Medikamente zur Alzheimer-Therapie

Beitrag von WernerSchell »

Neue Medikamente zur Alzheimer-Therapie
Deutsche Alzheimer Gesellschaft irritiert über das Verfahren rund um die Zulassung


Am gestrigen Donnerstag hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bekannt gegeben, dass die vom Hersteller Eli Lilly vorgelegten Studiendaten keinen Zusatznutzen des Wirkstoffs Donanemab – Handelsname Kisunla – bei früher Alzheimer-Krankheit im Vergleich zum bisherigen Therapiestandard belegen. Eine ähnliche Entscheidung ist bereits im Februar dieses Jahres bezüglich des Wirkstoffs Lecanemab gefallen.

Beide Wirkstoffe haben durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA im vergangenen Jahr eine Zulassung für die EU und damit auch für Deutschland erhalten. Die Entscheidung des G-BA hat aber Einfluss auf die Höhe des Preises, zu dem Arzneimittel von den Krankenkassen erstattet werden. Sollte der Preis zu niedrig sein, werden die Hersteller das Präparat – zumindest für gesetzlich Versicherte – in Deutschland wahrscheinlich vom Markt nehmen.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft übt deutliche Kritik an der stark polarisierenden Diskussion rund um die Zulassung und die Nutzenbewertung zu diesen Medikamenten.

„Hier wird mit den Hoffnungen und Ängsten von Menschen Politik betrieben und versucht Profite zu machen“, sagt Swen Staack, 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

„Von Anfang an wurde – sicherlich unterstützt durch die Pharmafirmen – auch über die Medien die Erwartung eines bahnbrechenden Durchbruchs bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit erzeugt. Diese Erwartung ist angesichts der vorliegenden Studien überzogen, egal wie die Daten interpretiert werden. Für die Forschung sind die Medikamente dennoch mit viel Hoffnung verbunden, dass nun ein Weg in die richtige Richtung zur Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit gefunden wurde. Aber man darf Hoffnung nicht mit Evidenz verwechseln. Für Laien sind die Diskussionen rund um die Zulassung und Bewertung nicht nachvollziehbar und nicht durchschaubar“, so Staack weiter.

„Der ganze Prozess rund um die Zulassung dieser neuen Medikamente ist nicht zielführend, wenn es um eine Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz in Deutschland geht“, ergänzt Lilja Helms, 2. Vorsitzende des Vereins. "Seit dem letzten Jahr geht es in der öffentlichen Diskussion nur noch um die Alzheimer-Krankheit, nur noch um das frühe Krankheitsstadium und nur noch um medikamentöse Behandlungsansätze. All die Menschen, die in Deutschland für eine Behandlung mit diesen Medikamenten nicht infrage kommen – weil die Krankheit zu weit fortgeschritten ist, weil sie an einer anderen Demenzform erkrankt sind, oder weil auf sie einer der vielen Ausschlussgründe für die Therapie zutrifft, geraten aus dem Blick. Und ganz wichtig: Es gibt eine ganze Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten, deren Effekte auf den Verlauf der Krankheit seit langem bekannt und nachgewiesen sind. Dazu gehören neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Ansätze wie Ergotherapie, Hirnleistungs- und körperliches Training.“


Hintergrund
In Deutschland leben heute etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Rund zwei Drittel davon werden in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt. Jährlich erkranken etwa 400.000 Menschen neu. Ungefähr 60 Prozent davon haben eine Demenz vom Typ Alzheimer. Die Zahl der Demenzerkrankten wird bis 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft engagiert sich für ein besseres Leben mit Demenz. Sie unterstützt und berät Menschen mit Demenz und ihre Familien. Sie informiert die Öffentlichkeit über die Erkrankung und ist ein unabhängiger Ansprechpartner für Medien, Fachverbände und Forschung. In ihren Veröffentlichungen und in der Beratung bündelt sie das Erfahrungswissen der Angehörigen und das Expertenwissen aus Forschung und Praxis. Als Bundesverband von mehr als 130 Alzheimer-Gesellschaften unterstützt sie die Selbsthilfe vor Ort. Gegenüber der Politik vertritt sie die Interessen der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Die DAlzG setzt sich ein für bessere Diagnose und Behandlung, mehr kompetente Beratung vor Ort, eine gute Betreuung und Pflege sowie eine demenzfreundliche Gesellschaft.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist als Interessenvertreterin von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen im Lobbyregister des Deutschen Bundestags eingetragen und hat sich dem dafür geltenden Verhaltenskodex verpflichtet.

Quelle: Pressemitteilung vom 17.04.2026
Kontakt für Presse und Medien
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz
Susanna Saxl-Reisen, Nora Landmann, Jessica Kortyla
Keithstraße 41, 10787 Berlin
Tel: 030 – 259 37 95 0, Fax: 030 – 259 37 95 29
E-Mail: presse@deutsche-alzheimer.de
www.deutsche-alzheimer.de
LinkedIn: www.linkedin.com/company/deutschealzheimergesellschaft
Instagram: www.instagram.com/selbsthilfe_demenz
Facebook: www.facebook.com/DeutscheAlzheimerGesellschaft
Gesperrt