Pressemitteilung vom 02.07.2026
Reformpaket führt zu Millionen unnötiger Arztbesuche und verschärft Terminknappheit

Berlin, 2. Juli 2026 – Der Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte kritisiert die Pläne der Koalition, die AU-Bescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend zu machen. „Das produziert Millionen zusätzliche, medizinisch unnötige Arztbesuche“, warnt der Virchowbund-Bundesvorsitzende Dr. Dirk Heinrich.
Gleichzeitig streicht die Regierung die Finanzierung für schnelle Facharzttermine. „Dass das nicht zusammengeht, sollte jedem klar sein“, urteilt Dr. Heinrich. „Man kann nicht Millionen Termine mit meist Bagatellerkrankungen bei Eintages-AUs blockieren, und gleichzeitig die Voraussetzungen für schnelle Termine in dringenden Fällen abschaffen.“
Wie eine ,Facharztgarantie‘ unter diesen Vorzeichen ausgestaltet werden soll, bleibt unklar. „Wer es ernst mit der Facharztgarantie meint, sorgt dafür, dass es durch passende Finanzierung mehr ambulante Termine gibt“, macht Dr. Heinrich klar. Ausreichend Arzttermine lassen sich also erreichen, wenn unnötige Arztkontakte reduziert und rasche Termine bei medizinischer Dringlichkeit gefördert werden, wenn die zusätzliche Leistungsbereitschaft fair bezahlt wird, und wenn Praxen wieder Investitionssicherheit haben. Das bedeutet u. a. Entbudgetierung, Vermittlungsanreize und No-Show-Gebühren – „also das Gegenteil dessen, was mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz beschlossen werden soll“, warnt der Virchowbund-Bundesvorsitzende.
Das Ziel der Reform dürfe nicht sein, dass man die schnelle und vergleichsweise kostengünstige Behandlung durch niedergelassene Ärzte limitiere, und dafür die auflaufenden Patienten deutlich teurer und mit noch längerer Wartezeit in Notaufnahmen von Krankenhäusern behandeln lasse. „Es gibt nichts Effizienteres als das dezentrale Netz von knapp hunderttausend Arztpraxen“, sagt Dr. Heinrich. „Die Hausarzt- und Facharztpraxen sind schützenswerte kritische Infrastruktur.“
Die Abschaffung der Telefon-AU sieht der Verband ebenfalls skeptisch: „Die Telefon-AU bei bekannten Patienten funktioniert und sie entlastet Praxisteams. Gerade in der Erkältungs- und Grippesaison schützt sie Patienten vor Ansteckungen im Wartezimmer. Das Missbrauchspotenzial ist gering“, sagt der Virchowbund-Bundesvorsitzende Dr. Dirk Heinrich. Wissenschaftliche Auswertungen einzelner Krankenkassen und des ZI Berlin haben ergeben, dass der Anteil der Telefon-AU nur 0,8 bis 1,2 Prozent aller Krankschreibungen ausmacht. Der Anstieg der Krankheitstage lässt sich vielmehr auf die Einführung der digitalen Erfassung und auf langfristige Erkrankungen zurückführen.
Der Virchowbund ist der einzige freie ärztliche Verband, der deutschlandweit ausschließlich die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete vertritt.
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