Lösungen für die Pflegekrise gesucht - Experten raten dazu, die Prävention zu verbessern

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WernerSchell
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Lösungen für die Pflegekrise gesucht - Experten raten dazu, die Prävention zu verbessern

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PFLEGE WIRD IMMER TEURER
Lösungen für die Pflegekrise gesucht

Mit der Anzahl der Pflegefälle wächst auch der Betreuungsbedarf. Experten raten dazu, die Prävention zu verbessern.

Claus Peter Kosfeld - Das Parlament - 17.05.2024 -

Die Pflege steht angesichts der wachsenden Zahl von Versorgungsfällen und des Kostenanstiegs weiter unter Druck. Es mangelt an Fachkräften, die Angehörigen tragen nach wie vor die Hauptlast der Betreuung, und mit den zahlreichen Leistungsverbesserungen, höheren Löhnen und Preisanpassungen steigen die Ausgaben kontinuierlich.

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Foto: picture-alliance/dpa/Georg Wendt

In der Pflege laufen die Kosten aus dem Ruder, die Zahl der Pflegefälle steigt, es mangelt an Fachkräften. Daher schlagen Fachleute mehr Prävention vor.

Mit Spannung erwartet wird ein Konzept von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der bis Ende Mai Vorschläge für eine "stabile und dauerhafte" Finanzierung der Pflegeversicherung vorlegen will.

Experten erwarten Milliardendefizit in der Pflege
Die soziale Pflegeversicherung (SPV) wird das Jahr 2024 nach Schätzungen von Krankenkassen mit einem Milliardendefizit abschließen, obwohl die Beiträge 2023 erneut gestiegen sind. Nach einer Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts werden die Pflegebeiträge neuerdings nach der Zahl der Kinder gestaffelt.

Seit dem 1. Juli 2023 liegt der allgemeine Pflegebeitragssatz bei 3,4 Prozent des Bruttoeinkommens, für Kinderlose bei 4,0 Prozent. Für Familien mit mehr als einem Kind werden Abschläge gewährt.

BKK sieht "das Haus der Pflegeversicherung in Flammen"
Der BKK Dachverband schlug Alarm und forderte eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung. Anne-Kathrin Klemm vom BKK-Verbandsvorstand erklärte, in der SPV sei es fünf nach zwölf. Die Hochrechnungen ihres Verbandes zeigten für 2024 ein Defizit von rund einer Milliarde Euro und einen weiteren Anstieg in den Folgejahren. Sie warnte: "Bildlich steht das Haus der Pflegeversicherung in Flammen."

Ihrer Einschätzung nach reicht mehr Geld allein aber nicht aus. "Neben der Stabilisierung der Finanzen brauchen wir vor allem eine Erneuerung der Versorgungsstrukturen, damit Beiträge der Versicherten nicht im Nirwana versickern und wir die kommende Wucht des demografischen Wandels abfedern können", sagte Klemm.

Mehrbedarf für die pflegerische Versorgung erwartet
Pflege müsse effizienter werden. Durch Prävention könne die Pflegebedürftigkeit verhindert oder hinausgezögert werden. Dabei gelte es, die pflegenden Angehörigen stärker zu unterstützen.

Zahlen zur Pflegeversorgung
🏥 In Deutschland gab es 2021 insgesamt 16.115 Pflegeheime.
🩺 Hinzu kamen 15.376 ambulante Pflegedienste.
👵 Von den rund 4,96 Millionen Pflegefällen 2021 wurden rund 4,17 Millionen zu Hause betreut, entweder allein von den Angehörigen oder in Kooperation mit Pflegediensten.
Quelle: Destatis

Den Präventionsansatz in der Pflege verfolgt auch die Unionsfraktion mit einem Antrag, der am Mittwoch erstmals auf der Tagesordnung stand. Auch wenn die Annahme nicht zutreffe, dass das Älterwerden per se Ursache für Pflegebedürftigkeit sei, führe die weitere Alterung der Gesellschaft unweigerlich dazu, dass der Mehrbedarf für die pflegerische Versorgung enorm steigen werde, heißt es in dem Antrag der Fraktion.

Chronische Erkrankungen wie Diabetes erhöhen das Pflegerisiko
Laut den Ergebnissen der Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes werde die Zahl der pflegebedürftigen Menschen von rund fünf Millionen Ende 2021 auf etwa 6,8 Millionen im Jahr 2055 ansteigen. Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Demenz führten zu einem erhöhten Pflegerisiko.

Der Forderungskatalog der Fraktion umfasst 16 Punkte, darunter ein Präventionskonzept für die Pflegebedürftigkeit, das alle Lebensbereiche und Regionen sowie die Gesundheitsförderung von der Geburt über Schule, Studium und Berufsleben umfasst.

Gesundheitskosten können durch Prävention verringert werden
In der Aussprache sagte Diana Stöcker (CDU), es müsse alles daran gesetzt werden, die Gesundheit so lange wie möglich zu erhalten, um Pflege hinauszuzögern. Intensive Präventionsarbeit werde nicht nur das Pflegerisiko, sondern auch die Kosten für die Behandlung von Krankheiten verringern. Mindestens 30 Prozent der Gesundheitskosten könnten durch eine langfristig angelegte Präventionsarbeit eingespart werden. Gesundheit zu verbessern und Krankheitslast zu mindern, stelle aber auch einen eigenen Wert dar.

Heike Baehrens (SPD) stimmte der Analyse zu und sprach von "großen Herausforderungen" in der Pflege. Allerdings werde vieles aus dem Unionsantrag schon umgesetzt.

AfD sieht keine finanzielle Grundlage für Vorschläge
So stehe im Präventionsgesetz von 2015 der Auftrag für die Gesundheitsförderung in Pflegeeinrichtungen. Kassen böten Präventionskurse an, um pflegende Angehörige zu entlasten. Baehrens forderte Kommunen und Landkreise auf, sich an der Gesundheitsförderung zu beteiligen, etwa über die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum und Hausbesuche.

Kay-Uwe Ziegler (AfD) hielt der Union vor, einen sinnlosen, realitätsfernen Schaufensterantrag vorgelegt zu haben. Für die Forderungen sei weder Geld noch Personal verfügbar. Die Union verfahre nach dem Motto: "Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht." Nötig seien pragmatische und realitätsnahe Lösungen, denn Senioren mit knapper Rente könnten sich zusätzliche Angebote ohnehin nicht leisten.

Ein hohes Lebensalter ist auch ein Menschheitstraum
Kordula Schulz-Asche (Grüne) sprach mit Blick auf den demografischen Wandel von einer der größten Herausforderungen in diesem Jahrhundert. Aber weder Pflegebedürftigkeit noch Krankheit seien unausweichliche Schicksale.

Den älter werdenden Menschen müsse gesellschaftliche Teilhabe, gesunde Ernährung und Bewegung ermöglicht werden. Sie forderte zudem, das Thema Einsamkeit zu berücksichtigen, die ein wesentlicher Grund für Pflegebedürftigkeit sei.

Jens Teutrine (FDP) warb dafür, das Alter nicht nur als Problem zu sehen. „Es ist ein Menschheitstraum, dass die Lebenserwartung von Jahr zu Jahr steigt.“ Das Problem entstehe, wenn die Gesellschaft darauf nicht vorbereitet sei. Er plädiere für ein anderes Bild vom Älterwerden. So könnten Anreize gesetzt werden, länger im Arbeitsmarkt zu bleiben, wenn Menschen das könnten und wollten.

Quelle: https://www.das-parlament.de/inland/ges ... se-gesucht
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Priorität für Pflegekrise!

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Priorität für Pflegekrise!
DBfK fordert Lösungen von der Gesundheitsministerkonferenz



Am 12. und 13. Juni tagt die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) im Ostseebad Lübeck-Travemünde. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) appelliert eindringlich an Bundesgesundheitsminister Lauterbach und die Gesundheitsminister:innen der Länder, die Pflegekrise mit Priorität zu behandeln und nachhaltige Lösungen auf den Weg zu bringen.

„Noch vor wenigen Tagen zeigte sich Bundesgesundheitsminister Lauterbach vom rapiden Anstieg der Menschen mit Pflegebedarf überrascht und verschob die Reform der Pflegeversicherung. Etwa zeitgleich hat Brasilien das Anwerbeabkommen für Kolleg:innen aus Brasilien ausgesetzt“, fasst DBfK-Bundesgeschäftsführerin Bernadette Klapper die Situation der professionellen Pflege zusammen. „Die Pflegekrise ist das Riesenthema, das kontinuierlich verdrängt, ignoriert oder verschoben wird. Wir tun in Deutschland so, als würde uns das Problem mangelnder pflegerischer Versorgung nicht betreffen oder auf wundersame Weise gelöst werden. Das ist nicht der Fall. Die demografische Entwicklung ist klar: Mehr Menschen mit Pflegebedarf treffen auf immer weniger Pflegefachpersonen. Ausschließlich auf Unterstützung aus anderen Ländern zu setzen, ist unethisch und nicht nachhaltig.“

Der DBfK drängt darauf, dass strukturelle Reformen mit Priorität angegangen werden müssen. Professionelle Pflege muss viel früher wirken können, meint Klapper: „Wir kommen nicht umhin, den Pflegebedarf zu senken, indem wir viel stärker auf Prävention und Gesundheitsförderung setzen und gezielt gegen Pflegebedürftigkeit vorgehen. Das gelingt nur, wenn die Fachlichkeit der Pflege gestärkt und mit erweiterten Kompetenzen ausgestattet wird. Bereits in der Schule können Schulgesundheitspflegende die Gesundheitskompetenz von Kindern fördern, Community Health Nurses erreichen im ländlichen Raum und in städtischen Quartieren auch die schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppen, die häufig ein erhöhtes Krankheitsrisiko mit folgender Pflegebedürftigkeit aufweisen. Außerdem brauchen pflegende Angehörige begleitende fachliche Unterstützung, auch um nicht selber krank zu werden.“

Das Pflegekompetenzgesetz, das gerade in Arbeit ist, sei die Chance, die professionelle Pflege zu stärken und die großen Potenziale dieses Berufes zu heben. „Ich appelliere daher an die Gesundheitsminister:innen: Nutzen Sie diese Chance, nachdem bereits alle Regelungen, die der professionellen Pflege Auftrieb gegeben hätten, im Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz und im Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz gestrichen wurden. Es ist keine Zeit zu verlieren im Hin und Her zwischen Bund und Ländern. Pflege braucht jetzt Lösungen, die wirken“, so Klappers Forderung.

Quelle: Pressemitteilung vom 06.06.2024
Anja Kathrin Hild | Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Bundesverband e. V.
Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin
Telefon +49 30 219157-30 | Telefax +49 30 219157-77 | hild@dbfk.de
www.dbfk.de
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Pflegereform: Fokus auf „Häuslichkeit“ ist ein guter Ansatz / Homecare-Fachkräfte einbinden

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BVMed | Bundesverband Medizintechnologie e.V.


Lauterbach-Vorstoß zur Pflegereform: Fokus auf „Häuslichkeit“ ist ein guter Ansatz / Homecare-Fachkräfte einbinden


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Berlin | Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) unterstützt die Äußerungen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach im ZDF-Morgenmagazin, durch die anstehende Pflegereform besser zu ermöglichen, dass Pflegebedürftige zu Hause versorgt werden. „Der Fokus auf die Häuslichkeit ist ein guter Ansatz. Dabei geht es aber nicht nur um Pflege, sondern auch um medizinische Versorgung im häuslichen Bereich. Wir müssen hier keine neuen Strukturen aufbauen, sondern die vorhandenen spezialisierten Pflegefachkräfte der Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorgern besser in die bestehenden Strukturen einbinden“, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll.

Deutschland verfüge über mehr als 10.000 examinierte und spezialisierte Pflegefachkräfte, die bei Hilfsmittel-Leistungserbringern und Homecare-Versorgern tätig sind und vor Ort Patient:innen versorgen sowie den gesamten Versorgungsprozess in der Häuslichkeit unterstützen – bis hin zur Überführung von Patient:innen aus dem stationären in den ambulanten Bereich. „Wir müssen dieses Potenzial in die Sicherstellung der Versorgung und die Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen besser einbinden“, so Möll.

Die spezialisierten Pflegefachkräfte der Homecare- und Hilfsmittel-Unternehmen können nach Ansicht des BVMed einen essenziellen Beitrag zur Sicherstellung einer flächendeckenden und qualitativ hochwertigen Versorgung bei weiter steigenden Versorgungsbedarfen leisten. Beispielsweise bei Stoma- und Inkontinenz-Versorgungen, um chronische Wunden oder enterale Ernährungstherapien. Um sie besser einzubinden, müssten die Rahmenbedingungen im Zuge der Pflegereform so gestaltet werden, dass eine Erbringung der notwendigen Leistungen durch qualifizierte Pflegefachkräfte nicht mehr an ungeeigneten Strukturvorgaben scheitere.

Aus Sicht des BVMed wäre eine Sicherstellung der Versorgung möglich, wenn qualifizierte Pflegefachpersonen in die Erbringung von Leistungen der häuslichen Krankenpflege (HKP) eingebunden würden – unabhängig von der institutionellen Verankerung. Wichtig sei hier der Fokus auf definierte Qualifikationen, um die Integration aller Fachexpert:innen zu ermöglichen. „Der BVMed steht dem Gesetzgeber dabei mit seiner Fachexpertise zur Verfügung“, so Möll.

„Zur Entlastung der Pflege gehören auch Technologien“

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist aus BVMed-Sicht, dass moderne Medizintechnologien einen wertvollen Beitrag zur Unterstützung und Entlastung der Pflegekräfte leisten können – auch und gerade im stationären Bereich.

„Medizinprodukte und digitale medizintechnologische Lösungen können helfen, Arbeitsabläufe zu verbessern, Ressourcen zu schonen und Arbeitsrisiken zu reduzieren. Gleichzeitig ist dadurch eine Erweiterung der Kompetenz- und Tätigkeitsbereiche in der Pflege möglich“, so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

Der deutsche MedTech-Verband hat dazu unter www.bvmed.de/MedTech4Pflege ein Diskussionspapier mit sieben konkreten Vorschlägen vorgelegt. „Wir möchten Wege aufzeigen, wie mit einem technologie-gestützten Maßnahmenkatalog Pflegende entlastet und Pflege gestärkt werden kann“, so Möll.

Der BVMed-Maßnahmenkatalog erstreckt sich über alle pflegerischen Situationen sowie Versorgungsbereiche und fokussiert sich auf bessere Prozessgestaltung, höhere Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz sowie Weiterentwicklung des Berufsbildes. Zu den BVMed-Vorschlägen gehören ein Investitionsprogramm zu pflegeunterstützenden Technologien, die Verdopplung des vierprozentigen Zuschlags für pflegeentlastende Maßnahmen der Krankenhäuser, die Ausweitung der DiPA-Definition um digitale Hilfsmittel sowie eine Initiative „attraktiver Arbeitsplatz Pflege“. Außerdem setzt sich der BVMed für strukturierte Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme mit Schwerpunkt auf Digitalisierung und Technologie sowie für eine gezielte Einbindung qualifizierter Gesundheitsberufe in Versorgungskonzepten ein. Ein Dialogforum „interprofessionelle Zusammenarbeit“ soll zudem eine Neujustierung der Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen diskutieren.

Weitere Informationen gibt es im BVMed-Themenportal Pflege unter www.bvmed.de/pflege.

Der BVMed repräsentiert über 300 Hersteller und Zulieferer der Medizintechnik-Branche, Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger sowie den medizinischen Fach- und Großhandel. Die MedTech-Branche (Hersteller inkl. Kleinstunternehmen) beschäftigt in Deutschland insgesamt rund 265.000 Menschen und erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von 55 Mrd. Euro. Nach der Wirtschaftsstatistik gibt es 1.480 MedTech-Hersteller mit mehr als 20 Beschäftigten, die über 161.000 Mitarbeitende und einen Gesamtumsatz von über 40 Milliarden Euro haben. 68 Prozent des MedTech-Umsatzes werden im Export erzielt. Rund 9 Prozent des Umsatzes werden in Forschung und Entwicklung investiert. 93 Prozent dieser Unternehmen sind KMU. Der BVMed ist die Stimme der deutschen MedTech-Branche und vor allem des MedTech-Mittelstandes.

Quelle: Pressemitteilung vom 12.07.2024
V.i.S.d.P.:
Manfred C. Beeres
Leiter Kommunikation | Pressesprecher
BVMed | Bundesverband Medizintechnologie e.V.
Georgenstraße 25 | 10117 Berlin
T +49 30 246 255-20 | M +49 172 615 7426
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Pflegekosten - Kollaps des Systems zu befürchten!

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Pflegekosten - Kollaps des Systems zu befürchten!

Sozialhilfeausgaben zur Hilfe zur Pflege sind 2023 um 27,4 % auf knapp 4,5 Milliarden Euro gestiegen …. > https://www.wernerschell.de/forum/2/vie ... 116#p13116 - Angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft und der steigenden Pflegekosten ist ein Kollaps des Systems – auch im Zusammenhang mit anderen Fehlentwicklungen - nicht mehr auszuschließen.
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Eigenanteile in der Pflegeversicherung unzumutbar hoch

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Statement vom 23.07.2025:

Die monatliche Eigenbeteiligung in der stationären Pflege steigt weiter. - Nach einer Mitteilung des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) vom 22. Juli 2025 ist die Eigenbeteiligung im ersten Aufenthaltsjahr im Bundesdurchschnitt von 2.871 Euro auf 3.108 Euro monatlich gestiegen (> viewtopic.php?f=5&t=817&p=15706#p15706 ). Das sind 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Gründe dafür sind steigende Personal- und Lebenshaltungskosten. Den Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern sind Belastungen in dieser Größenordnung nicht mehr zuzumuten. Daher ist in alle Deutlichkeit festzustellen: Politik muss endlich wirksam handeln! >>> Zu den gebotenen Reformerfordernissen gab es von hier bereits ein Statement >>>> viewtopic.php?f=5&t=1378

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Eigenanteile für einen Platz im Pflegeheim sind erneut deutlich gestiegen

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Die Eigenanteile für einen Platz im Pflegeheim sind erneut deutlich gestiegen. Das zeigen aktuelle Zahlen des AOK-Bundesverbands und des Verbands der Ersatzkassen. Als Hauptgründe für den erneuten Anstieg werden die Tariferhöhungen in der Pflege sowie die Inflation genannt. Laut AOK kletterte der Betrag, den Pflegebedürftige im ersten Jahr des Heimaufenthalts aus eigener Tasche aufbringen müssen, zwischen Juni und Dezember 2025 durchschnittlich um 112 Euro auf monatlich 3.204 Euro. Die Ersatzkassen kamen auf einen bundesweiten Schnitt von 3.245 Euro im Monat, 137 Euro mehr als zum 1. Juli 2025 und 261 Euro mehr als Anfang vergangenen Jahres. Damit kostet ein Heimplatz unter Berücksichtigung der Zahlungen der Pflegeversicherung nun erstmals im Durchschnitt mehr als 5.000 Euro. Generell gibt es zwischen den Bundesländern große regionale Unterschiede. Ersatzkassen-Vorständin Ulrike Elsner und AOK-Chefin Carola Reimann sehen beide die Politik gefordert, eine nachhaltige Finanzierung der Pflege umzusetzen, die auch Pflegebedürftige in Heimen deutlich entlastet. Ein Problem sei, dass die Pflegeheim-Bewohnenden die Versäumnisse der Länder bei der Finanzierung der Investitionskosten ausgleichen müssen - die Länder müssten endlich ihren Verpflichtungen nachkommen.

Quelle: PKV-Newsletter vom 22.01.2026
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Pflegeheime immer teurer: Diese Rechte haben Betroffene

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Pflegeheime immer teurer: Diese Rechte haben Betroffene
Tipps der Verbraucherzentrale NRW zu Fristen, Zustimmung und staatlichen Hilfen


Seit Jahren steigen die Kosten im Pflegeheim ungebremst. Nach einer Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen (VDEK) betragen sie in NRW während des ersten Jahres im Pflegeheim durchschnittlich 3.582 Euro. Dies bedeutet eine Steigerung von 270 Euro gegenüber dem Vorjahr. Solch hohen Kosten können viele Menschen oftmals nicht mehr von ihrem eigenen Einkommen und Vermögen bezahlen. Zudem ist zu erwarten, dass die Kosten zukünftig weiter steigen. Daher sollten Bewohner:innen ihre gesetzlich festgeschriebenen Rechte nutzen und bei Kostensteigerungen die Entgelterhöhungsschreiben prüfen. „Es ist wichtig, dass Menschen, die im Pflegeheim wohnen, ihre Rechte kennen. Nur so können sie sich bei Erhöhungen richtig verhalten und bei Bedarf finanzielle Hilfen beantragen“, sagt Verena Querling, Pflegerechtsexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Sie erklärt, was Bewohner:innen und Angehörige beachten sollten und wie sie staatliche Hilfen bekommen können.

Frist für die Entgelterhöhung prüfen
Das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz (WBVG) schreibt vor, dass die Entgelterhöhung schriftlich bei den Bewohner:innen oder ihrer bevollmächtigten Person eingehen muss. Es muss also ein Schreiben auf Papier mit Unterschrift vorliegen, und zwar rechtzeitig: Bis zum Beginn des erhöhten Entgelts müssen noch vier Wochen Zeit sein. Wenn dies nicht der Fall ist, kann die Entgelterhöhung erst später wirksam werden.

Begründung der Kostenerhöhung
Das Gesetz schreibt ebenfalls vor, was in der Entgelterhöhung aufgeführt sein muss. Zum einen eine Begründung und eine Auflistung der Positionen, für die eine Kostensteigerung angekündigt wurde. Außerdem müssen die bisherigen Kosten den neuen gegenübergestellt werden, damit erkennbar ist, wie stark jede einzelne Position gestiegen ist. Zusätzlich müssen die Bewohner:innen erkennen können, wie hoch ihre individuellen Kosten gestiegen sind, etwa für die Verpflegung pro Person. Nur so ist das Erhöhungsschreiben nachvollziehbar.

Zustimmung erforderlich
Wenn bei der Prüfung des Schreibens Fehler bemerkt werden, sollte die Zustimmung verweigert werden. Dies ist wichtig, denn laut Gesetz dürfen die Heimbetreiber die Entgelte nur mit Zustimmung erhöhen. Betroffene können die Zustimmung verweigern, wenn die Frist oder die Form nicht eingehalten wurde oder die Begründung nicht ordnungsgemäß ist. Schickt das Pflegeheim ein korrigiertes Entgelterhöhungsschreiben, gilt wieder die Vier-Wochen-Frist, sodass sich der Beginn der Entgelterhöhung verschiebt. Sollte das Heim der Ansicht sein, die Erhöhung sei korrekt formuliert, kann es die Zustimmung einklagen. Denn wenn die Kostensteigerung gerechtfertigt und richtig begründet ist und das Schreiben die Frist und die Form einhält, kann man sich nicht wehren.

Staatliche Hilfen beantragen
Menschen in NRW, die die Kosten im Pflegeheim nicht aus eigenen Mitteln bezahlen können, können drei unterschiedliche Leistungen beim Sozialamt beantragen: Wohngeld, Pflegewohngeld und Hilfe zur Pflege. Beim Wohngeld werden die „Mietkosten“ übernommen. Wie hoch diese staatliche Hilfe ist, richtet sich nach den Mietkosten in der Region. Durch das Pflegewohngeld werden die Investitionskosten übernommen, zum Beispiel für Sanierungen und Reparaturen. Reichen Einkommen und Vermögen für die übrigen, selbst zu zahlenden Kosten nicht aus, kann Hilfe zur Pflege beantragt werden, die den gesamten Eigenanteil übernimmt. Für alle drei Hilfen gilt: Sie müssen frühzeitig beantragt werden. Denn sie werden erst nach Antragstellung gezahlt. Es muss ein entsprechender Bedarf vorliegen. In der Regel helfen die Pflegeheime bei der Antragstellung.

Aufpassen bei Bürgschaften
Bis staatliche Hilfen genehmigt sind, kann eine längere Zeit vergehen. Pflegeheime müssen in dieser Zeit auf die Zahlungen verzichten. Wie Beschwerden bei der Verbraucherzentrale NRW zeigen, verlangen Pflegeheime daher häufig eine Bürgschaft von Angehörigen, Bevollmächtigten oder Betreuern, die dann bei Forderungen zur Zahlung verpflichtet wären. Gerichte haben zwar klargestellt, dass solche Bürgschaften nicht in jedem Fall erlaubt sind. Aber: Wenn die Bürgschaft unterschrieben ist, kann das Heim daraus in der Regel das Geld verlangen. Allerdings darf das Heim den Heimplatz nicht von einer Bürgschaft abhängig machen.

Weiterführende Informationen:
• Wann Pflegeheime die Preise erhöhen dürfen: www.verbraucherzentrale.nrw/node/10798
• Mehr zur staatlichen Unterstützung gibt es unter www.verbraucherzentrale.nrw/node/87046
• Eine Broschüre zu Kosten im Pflegeheim ist in den Beratungsstellen vor Ort erhältlich
• Online-Seminar zu Heimkosten am Donnerstag, 05.02.2026, 17:00 – 18:00 Uhr: Die Pflegeexpertinnen der Verbraucherzentrale NRW beantworten Fragen zur Finanzierung, zu Pflegewohngeld, Sozialhilfe, Freibeträgen und Elternunterhalt. Anmeldung: https://join.next.edudip.com/de/webinar ... fe/1719668
• Rechtsberatung zu Pflege- und Heimrecht gibt es beim BIVA-Pflegeschutzbund (kostenpflichtig):
https://www.biva.de/leistungen/rechtsbe ... heimrecht/
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Quelle: Pressemitteilung vom 27.01.2026
Verbraucherzentrale NRW
Pressestelle
Helmholtzstr. 19
40215 Düsseldorf
Tel.: 0211/91380-1101
http://www.verbraucherzentrale.nrw/datenschutz
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Pflegekosten laufen davon ...

Beitrag von WernerSchell »

Pflegekosten laufen davon ...


Die hohen Pflegekosten in Nordrhein-Westfalen waren bei der NGZ / RP schon neulich Thema. Durchschnittlich 3582 Euro werden im ersten Jahr des Heimaufenthalts an Rhein und Ruhr fällig. Was diese finanzielle Belastung für viele Familien bedeutet, muss ich hier nicht umständlich ausbreiten. Einer repräsentativen Umfrage zufolge, die die Krankenkasse DAK NRW in Auftrag gegeben hatte, macht das Thema den Menschen im Land große Sorgen. „59 Prozent der Menschen bewerten die Pflegesituation derzeit als nicht oder gar nicht gut. 46 Prozent gehen davon aus, dass sich die Situation in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtert“, heißt es in dem Report. Als ein weiteres drängendes Problem geben Befragte den Fachkräftemangel in der Pflege an. – So berichtet die NGZ / RP in ihrem Newsletter vom 06.02.2026.

Angesichts dieser Informationen muss aber festgestellt werden, dass in einigen Neusser Pflegeeinrichtungen bereits Eigenanteile von rd. 4.000 Euro / Monat verlangt werden. Wie es scheint, sind weitere Kostensteigerungen absehbar. – Unter diesen Gesichtspunkten ist das, was die amtierende Bundesgesundheitsministerin als Reform in Aussicht genommen hat, völlig unzureichend. Eine Reform an Haupt und Gliedern muss gestaltet werden. Dabei ist nicht etwa ausreichend, weitere Kostensteigerungen zu vermeiden. Die Kosten für die Pflegebedürftigen müssen deutlich gesenkt werden. Und dazu muss u.a. viel Geld in Hand genommen werden. Dies erscheint unvermeidlich, weil sämtliche Bundesregierung seit Einführung der Pflegeversicherung zwar immer wieder von Pflegereformen gesprochen, aber letztlich nie einen großen „Wurf“ zustande gebracht haben. Die Pflegenot hat sich über die Jahrzehnte stetig verschlimmert und eine Pflegekatastrophe ist absehbar.

Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden! – Mit diesem Tenor habe ich mich am 06.01.2026 in einem umfänglichen Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium, die Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, den Patientenbeauftragten der Bundesregierung und zahlreiche weitere Adressaten gewandt und nochmals eindringlich auf die seit vielen Jahren bestehenden pflegerischen Versorgungsdefizite aufmerksam gemacht und erneut Handlungsempfehlungen vorgestellt. … > viewtopic.php?f=5&t=1515 - Mit Sprechblasen und den bislang bekannten politischen Planungen wird es keine hilfreichen Verbesserungen geben können.


Siehe auch unter >>> viewtopic.php?f=4&t=1542
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