„Pflegeversicherung am Limit: Der Reformbedarf ist tiefgreifend – sowohl mit Blick auf die Finanzierung als auch auf die Strukturen der Pflege “ (Wochenzeitschrift für die Pflegebranche „care konkret“, Ausgabe vom 15.08.2025). – Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk macht seit über zwei Jahrzehnten auf den sich fortentwickelnden Pflegenotstand aufmerksam und hat insoeweit umfänglich Handlungsempfehlungen vorgestellt, u.a. in über 30 Pflegetreffs mit Bundes- und Landespolitikern sowie Pflegeexperten.
Siehe u.a. folgende Beiträge:
Pflege ist nötig - stell Dir vor, keiner kommt und hilft ....> viewtopic.php?f=4&t=1351
Wir haben jetzt schon einen Notstand - aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was kommt … > viewtopic.php?f=4&t=1156
Pflegeversicherung im Fokus! - Statement bringt es auf den Punkt…. > viewtopic.php?f=5&t=1380
Pflegeversicherung - Politikversagen auf breiter Front … > viewtopic.php?f=5&t=1106
Bei der geplanten Pflegereform geht es offensichtlich weiter um zentrale Fragen. Strittige Punkte sind unter anderem die Einführung eines Pflegedeckels zur Begrenzung der Eigenanteile in der stationären Pflege sowie die Bündelung von Pflegeleistungen. Bereits innerhalb der Koalitionsverhandlungen galt das Thema Pflegedeckel als problematisch. "Pauschale Entlastungen begünstigten „zu einem größeren Teil Personen mit mittlerem oder höherem Einkommen, anstatt gezielt Bedürftige zu unterstützen“, so argumentiert etwa der Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP), Frank Wild. Weitere Finanzierungsfragen der Pflegeversicherung, wie Beitragsanpassungen und Bundeszuschüsse, sind ebenfalls umstritten. In der neuesten Version des Eckpunktepapiers werden weiterhin zwei verschiedene Möglichkeiten aufgeführt: der Sockel-Spitze-Tausch einerseits und die Dynamisierung der Leistungsbeträge andererseits. Zudem ist die Schaffung eines Notfallbudgets vorgesehen - das geht aus einem nicht abgestimmten Entwurf hervor, der Table.Media vorliegt. "Durch Ausgaben, die bisher teils für die Kurzzeitpflege aufgewendet wurden, soll unter anderem ein „ambulanter Pflegenotdienst“ finanziert werden."
Quelle: PKV-Newsletter vom 02.12.2025
Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden! – Mit diesem Tenor habe ich mich am 06.01.2026 in einem umfänglichen Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium, die Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, den Patientenbeauftragten der Bundesregierung und zahlreiche weitere Adressaten gewandt und nochmals eindringlich auf die seit vielen Jahren bestehenden pflegerischen Versorgungsdefizite aufmerksam gemacht und erneut Handlungsempfehlungen vorgestellt. … > viewtopic.php?f=5&t=1515 - Mit Sprechblasen und den bislang bekannten politischen Planungen wird es keine hilfreichen Verbesserungen geben können.
Die Eigenanteile für einen Platz im Pflegeheim sind erneut deutlich gestiegen. Das zeigen aktuelle Zahlen des AOK-Bundesverbands und des Verbands der Ersatzkassen. Als Hauptgründe für den erneuten Anstieg werden die Tariferhöhungen in der Pflege sowie die Inflation genannt. Laut AOK kletterte der Betrag, den Pflegebedürftige im ersten Jahr des Heimaufenthalts aus eigener Tasche aufbringen müssen, zwischen Juni und Dezember 2025 durchschnittlich um 112 Euro auf monatlich 3.204 Euro. Die Ersatzkassen kamen auf einen bundesweiten Schnitt von 3.245 Euro im Monat, 137 Euro mehr als zum 1. Juli 2025 und 261 Euro mehr als Anfang vergangenen Jahres. Damit kostet ein Heimplatz unter Berücksichtigung der Zahlungen der Pflegeversicherung nun erstmals im Durchschnitt mehr als 5.000 Euro. Generell gibt es zwischen den Bundesländern große regionale Unterschiede. Ersatzkassen-Vorständin Ulrike Elsner und AOK-Chefin Carola Reimann sehen beide die Politik gefordert, eine nachhaltige Finanzierung der Pflege umzusetzen, die auch Pflegebedürftige in Heimen deutlich entlastet. Ein Problem sei, dass die Pflegeheim-Bewohnenden die Versäumnisse der Länder bei der Finanzierung der Investitionskosten ausgleichen müssen - die Länder müssten endlich ihren Verpflichtungen nachkommen.
Die hohen Pflegekosten in Nordrhein-Westfalen waren bei der NGZ / RP schon neulich Thema. Durchschnittlich 3582 Euro werden im ersten Jahr des Heimaufenthalts an Rhein und Ruhr fällig. Was diese finanzielle Belastung für viele Familien bedeutet, muss ich hier nicht umständlich ausbreiten. Einer repräsentativen Umfrage zufolge, die die Krankenkasse DAK NRW in Auftrag gegeben hatte, macht das Thema den Menschen im Land große Sorgen. „59 Prozent der Menschen bewerten die Pflegesituation derzeit als nicht oder gar nicht gut. 46 Prozent gehen davon aus, dass sich die Situation in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtert“, heißt es in dem Report. Als ein weiteres drängendes Problem geben Befragte den Fachkräftemangel in der Pflege an. – So berichtet die NGZ / RP in ihrem Newsletter vom 06.02.2026.
Angesichts dieser Informationen muss aber festgestellt werden, dass in einigen Neusser Pflegeeinrichtungen bereits Eigenanteile von rd. 4.000 Euro / Monat verlangt werden. Wie es scheint, sind weitere Kostensteigerungen absehbar. – Unter diesen Gesichtspunkten ist das, was die amtierende Bundesgesundheitsministerin als Reform in Aussicht genommen hat, völlig unzureichend. Eine Reform an Haupt und Gliedern muss gestaltet werden. Dabei ist nicht etwa ausreichend, weitere Kostensteigerungen zu vermeiden. Die Kosten für die Pflegebedürftigen müssen deutlich gesenkt werden. Und dazu muss u.a. viel Geld in Hand genommen werden. Dies erscheint unvermeidlich, weil sämtliche Bundesregierung seit Einführung der Pflegeversicherung zwar immer wieder von Pflegereformen gesprochen, aber letztlich nie einen großen „Wurf“ zustande gebracht haben. Die Pflegenot hat sich über die Jahrzehnte stetig verschlimmert und eine Pflegekatastrophe ist absehbar.
Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden! – Mit diesem Tenor habe ich mich am 06.01.2026 in einem umfänglichen Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium, die Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, den Patientenbeauftragten der Bundesregierung und zahlreiche weitere Adressaten gewandt und nochmals eindringlich auf die seit vielen Jahren bestehenden pflegerischen Versorgungsdefizite aufmerksam gemacht und erneut Handlungsempfehlungen vorgestellt. … > viewtopic.php?f=5&t=1515 - Mit Sprechblasen und den bislang bekannten politischen Planungen wird es keine hilfreichen Verbesserungen geben können.
In Nordrhein-Westfalen gibt es einen großen Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Pflegeversorgung: 59 Prozent der Menschen bewerten die Pflegesituation derzeit als nicht oder gar nicht gut. Fast jeder Zweite rechnet mit einer Verschlechterung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage durch das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der DAK-Gesundheit hervor. Diese zeigt die Erwartungen der Menschen in NRW an Politik und Pflegereform auf: 88 Prozent der Befragten fordern, dass die Pflege in Deutschland „für alle bezahlbar“ werden müsse. Hohe Kosten für die Pflege im Heim werden als eines der zentralen Probleme benannt. Ende 2025 hatte die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Bund-Länder-Kommission „Zukunftspakt Pflege“ ihre „Roadmap“ für die angekündigte große Pflegereform vorgelegt. Lesen Sie mehr in unserer aktuellen Pressemeldung.
DAK-Report: Menschen in NRW verlieren das Vertrauen in die Pflegeversorgung • Aktuelle Allensbach-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit zeigt Erwartungen an große Pflegereform
• Fast 50 Prozent der Befragten in NRW rechnen in Zukunft mit schlechterer Versorgung
• DAK-Landeschef Klaus Overdiek fordert strukturelle Neuausrichtung der Pflegeversicherung
In Nordrhein-Westfalen gibt es einen großen Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Pflegeversorgung: 59 Prozent der Menschen bewerten die Pflegesituation derzeit als nicht oder gar nicht gut. Fast jeder Zweite rechnet mit einer Verschlechterung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage durch das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der DAK-Gesundheit hervor. Diese zeigt die Erwartungen der Menschen in NRW an Politik und Pflegereform auf: 88 Prozent der Befragten fordern, dass die Pflege in Deutschland „für alle bezahlbar“ werden müsse. Hohe Kosten für die Pflege im Heim werden als eines der zentralen Probleme benannt. Ende 2025 hatte die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Bund-Länder-Kommission „Zukunftspakt Pflege“ ihre „Roadmap“ für die angekündigte große Pflegereform vorgelegt.
„Unser DAK-Pflegereport zeigt eine große Verunsicherung der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen“, sagt Klaus Overdiek, Landeschef der DAK-Gesundheit. „Die Ergebnisse der Allensbach-Befragung sind ein Weckruf an die Politik in Bund und Ländern. Das Vertrauen der Menschen in die Pflege muss gestärkt und die bekannten Probleme in der Finanzierung und Versorgung müssen gelöst werden. Wir brauchen jetzt eine Reform mit einer strukturelle Neuausrichtung der Pflegeversicherung, die die Menschen in NRW ausreichend, verlässlich und bezahlbar absichert.“
Für den DAK-Pflegereport hatte das Institut für Demoskopie Allensbach gemeinsam mit Studienleiter Prof. Dr. Thomas Klie bundesweit rund 4.400 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren befragt, davon knapp 700 in NRW. Die Ergebnisse zeigen die Erwartungen, Ängste und Herausforderungen der Bevölkerung auf. Demnach sehen 74 Prozent der Befragten in NRW die Finanzierung der Pflegeversicherung als nicht gesichert an.
Große Sorge um verlässliche Pflegeversorgung
Die Mehrheit der Menschen in Nordrhein-Westfalen sieht die Pflegeversorgung gefährdet: 59 Prozent der Befragten empfinden diese als nicht gut oder gar nicht gut. 46 Prozent gehen davon aus, dass sich die Situation in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtert. Wie im Bund sehen die Befragten in NRW die größten Probleme im Bereich der Finanzierung: 70 Prozent der Befragten nennen an erster Stelle die hohen Kosten für Pflegebedürftige und ihre Familien bei stationärer Pflege. Es folgen mit 69 Prozent der Personalmangel und fehlende Pflegekräfte. 61 Prozent bewerten die Finanzierung des gesamten Pflegesystem als größtes Problem.
Bevölkerung fordert bezahlbare Pflege
88 Prozent sehen es als wichtigstes Ziel, die Pflege für alle Menschen bezahlbar zu machen. 78 Prozent erwarten eine langfristige Sicherung der Finanzierung. Für 73 Prozent ist eine Vereinfachung des Leistungssystems wichtig, während sich 71 Prozent die Deckelung der Pflegeheimplatzkosten wünschen. Die große Mehrheit (83 Prozent) der Befragten in NRW erlebt es als ungerecht, nach langjähriger Einzahlung in die Pflegeversicherung bei Pflegebedarf nicht ausreichend abgesichert zu sein. Beinahe genauso viele (82 Prozent) sind überzeugt, dass die Pflege für viele Menschen schlicht nicht mehr bezahlbar ist. Knapp drei Viertel fürchten durch die Kosten überfordert zu werden, sollten sie selbst pflegedürftig werden. Genauso viele Menschen setzen Pflege mit einem Armutsrisiko für Pflegebedürftige und ihre Familien gleich.
Mehrheit fordert staatliche Zuschüsse zur finanziellen Absicherung
Um die Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung auf ein zukunftssicheres Fundament zu stellen, sieht die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in NRW den Staat in der Pflicht: Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) findet, es sei ausschließlich Sache des Staates und der gesetzlichen Pflegeversicherung, einen Pflegebedarf abzusichern. 59 Prozent finden, es sollten staatliche Zuschüsse oder Steuermittel eingesetzt werden, um die Absicherung von Pflegebedürftigen sicherzustellen. 49 Prozent halten eine Beitragserhöhung für vermögende oder gutverdienende Menschen für den richtigen Weg. Fast ebenso viele (45 Prozent) finden, Vermögende sollten im Pflegefall stärker an den Pflegekosten beteiligt werden. Ein klares Meinungsbild gibt es auch zur Überlegung der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, eine private Pflegezusatzversicherung einzuführen: Nur eine Minderheit (21 Prozent) befürwortet dies.
Die DAK-Gesundheit hat in NRW rund eine Million Versicherte. Bundesweit sind rund 5,4 Millionen Menschen bei der DAK-Gesundheit versichert. Aktuell beziehen rund 560.000 davon Leistungen der Pflegekasse. Angebote zum Thema Pflege unter Pflege: Tipps und Leistungen (dak.de)
Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden! – Mit diesem Tenor habe ich mich am 06.01.2026 in einem umfänglichen Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium, die Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, den Patientenbeauftragten der Bundesregierung und zahlreiche weitere Adressaten gewandt und nochmals eindringlich auf die seit vielen Jahren bestehenden pflegerischen Versorgungsdefizite aufmerksam gemacht und erneut Handlungsempfehlungen vorgestellt. … > viewtopic.php?f=5&t=1515 - Mit Sprechblasen und den bislang bekannten politischen Planungen wird es keine hilfreichen Verbesserungen geben können. - Werner Schell
Wie die FAZ berichtet, könnte die Pflegereform für jüngere Menschen noch teurer werden als das Rentenpaket. Laut einer noch unveröffentlichten Berechnung des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) könnten zu den Zusatzkosten des Rentenpakets von 139 Milliarden Euro bis 2040 weitere 102 bis 215 Milliarden Euro in der Pflege hinzukommen. Die Fachleute analysierten die Kosten des Reformvorschlags der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Zukunftspakt Pflege“. Dieser sieht vor, die Eigenanteile zu begrenzen, indem die Pflegeleistungen regelmäßig erhöht werden - entweder gemäß der Inflation oder der Lohnentwicklung -, bei gleichzeitiger Einführung eines "Pflegedeckels" in Heimen, auch "Sockel-Spitze-Tausch" genannt. "Mit der Pflegereform könnte der Regierungskoalition nach dem Rentenpaket der nächste Generationenkonflikt ins Haus stehen", warnt PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. "Arbeitnehmer und Arbeitgeber würden massiv überfordert, das schadet dem Standort."
Zum Pflegedeckel, einer alten SPD-Idee, will sich Ministerin Warken nicht äußern. "Wir wollen den steigenden Eigenanteilen im Pflegebereich etwas entgegensetzen", sagte sie der FAZ. Sie sei daher offen für die regelmäßige Erhöhung der Pflegeleistungen. "Die Dynamisierung der Leistungen muss für alle Seiten verlässlicher werden, indem sie deren Entwertung entgegenwirkt und die Steigerung der Eigenanteile bremst. Das könnte durch die dauerhafte Dynamisierung in Höhe der jährlichen Inflationsentwicklung sichergestellt werden."
Pflege wird zunehmend zur Armutsfalle: Durch die massiv gestiegenen Eigenanteile in stationären Pflegeeinrichtungen sind immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner auf unterstützende Sozialhilfeleistungen angewiesen. Die Sozialhilfequote in Pflegeheimen erreicht 2026 den neuen Höchstwert von 37 Prozent. Ohne Reformen könnten die Belastungen der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2035 ungebremst auf knapp 43 Prozent ansteigen. Das zeigen neue Berechnungen des Bremer Gesundheitsökonomen Prof. Heinz Rothgang im Auftrag der DAK-Gesundheit. Laut Sonderanalyse könnte sich die Zahl der Sozialhilfeempfänger in den nächsten neun Jahren um 15 Prozent auf 356.000 Betroffene erhöhen. DAK-Vorstandschef Andreas Storm warnt angesichts der aktuellen Prognosen vor einem Pflegekollaps und fordert von der Bundesregierung kurzfristig eine umfassende Pflegereform. -Lesen Sie mehr in unserer Pressemeldung und der beigefügten Sonderanalyse.
Armutsfalle Pflege: DAK-Studie zeigt Rekordwerte bei der Sozialhilfequote in Heimen • Historischer Höchststand: 2026 benötigen bereits 37 Prozent der Menschen in Pflegeheimen Sozialhilfeleistungen
• Pflegeexperte Prof. Heinz Rothgang erwartet ohne Reform bis 2035 weiteren Anstieg auf knapp 43 Prozent
• DAK-Chef Storm fordert neue Pflegefinanzierung: faire Lastenverteilung durch Beiträge, Eigenanteile und Steuern
Armutsfalle Pflege: Durch die massiv gestiegenen Eigenanteile in stationären Pflegeeinrichtungen sind immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner auf unterstützende Sozialhilfeleistungen angewiesen. Die Sozialhilfequote in Pflegeheimen erreicht 2026 den neuen Höchstwert von 37 Prozent. Ohne Reformen könnten die Belastungen der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2035 ungebremst auf knapp 43 Prozent ansteigen. Das zeigen neue Berechnungen des Bremer Gesundheitsökonomen Prof. Heinz Rothgang im Auftrag der DAK-Gesundheit. Laut Sonderanalyse könnte sich die Zahl der Sozialhilfeempfänger in den nächsten neun Jahren um 15 Prozent auf 356.000 Betroffene erhöhen. Die Sonderanalyse untersucht auch die Effekte der bisherigen Kostendämpfung durch gestaffelte Leistungszuschläge (§ 43c SGB XI) sowie aktuelle Reformvorschläge wie einen jährlichen Inflationsausgleich oder die Deckelung von Heimkosten. DAK-Vorstandschef Andreas Storm warnt angesichts der aktuellen Prognosen vor einem Pflegekollaps und fordert von der Bundesregierung kurzfristig eine umfassende Pflegereform.
„Die stationäre Pflege wird für immer mehr Menschen zur konkreten Armutsfalle“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „Mit einer Sozialhilfequote von aktuell 37 Prozent sind wir am Limit. Einen weiteren Anstieg dürfen wir nicht zulassen. Das Vertrauen in die soziale Pflegeversicherung schwindet und es droht ein Pflegekollaps. Die Begrenzung der Eigenanteile in den Heimen muss Teil einer großen Pflegereform werden. Wir brauchen einen neuen Finanzierungsmix. Das Ziel muss eine faire Lastenverteilung zwischen Beitragszahlenden, Pflegebedürftigen und Steuerzahlenden sein.“
Die Soziale Pflegeversicherung (SPV) wurde im Jahr 1994 auch deshalb eingeführt, um pflegebedingte Verarmung zu vermeiden und den Bezug von Hilfe zur Pflege (HzP) in Pflegeheimen wieder zum Ausnahmefall zu machen. Wer sein Leben lang gearbeitet und eine durchschnittliche Rente erworben habe, sollte wegen der Kosten der Pflegebedürftigkeit nicht zum Sozialamt gehen müssen, so die konkrete Zielstellung des Gesetzgebers.
Laut DAK-Studie erreicht die sogenannte Sozialhilfequote in Pflegeheimen trotz bereits erfolgter Reformen zur Kostendämpfung in diesem Jahr einen historischen Höchststand. 2026 liegt die HzP-Quote mit 37 Prozent bei einem Rekordwert. Nach den Berechnungen von Prof. Rothgang steigt die Zahl der Sozialhilfeempfänger nach geltendem Recht im Jahr 2032 auf eine Quote von 40,4 Prozent weiter an und steuert bis 2035 ungebremst auf knapp 43 Prozent zu. „Damit verpasst die Pflegeversicherung ihre eigenen Ziele nachdrücklich“, heißt es in der Analyse. Nach Hochrechnungen der DAK-Gesundheit könnte die Zahl der Menschen, die in Pflegeheimen Sozialhilfe beziehen, in den kommenden neun Jahren um 15 Prozent von aktuell 309.000 auf dann bis zu 356.000 Betroffene ansteigen.
Auch zu der vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) geforderten Reduzierung von Leistungszuschlägen nach § 43c SGB XI kommt die Rothgang-Analyse zu einem ernüchternden Befund. Trotz der erheblichen Mehrkosten habe dieses Instrument einen stark „dämpfenden Einfluss“ auf die Hilfe zur Pflege in Heimen bewirkt. Ohne dieses Instrument läge die Sozialhilfequote aktuell bereits bei 45 Prozent und würde bis 2032 auf über 50 Prozent steigen. „Eine Streichung oder deutliche Reduzierung der Leistungszuschläge ohne einen zumindest gleichwertigen Ersatz führt in Bezug auf die Sozialhilfequote somit zu katastrophalen Effekten“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm.
Kritisch bewertet die Sonderanalyse von Prof. Rothgang auch aktuelle Vorschläge zur regelhaften Dynamisierung. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatte kürzlich in einem Zeitungsinterview vorgeschlagen, dass Pflegeleistungen jährlich im Gleichklang mit der Inflationsrate steigen sollten. „Die Dynamisierungsszenarien sind allesamt ungeeignet zur Begrenzung der HzP-Quote“, heißt es in dem Bericht. Den Berechnungen zufolge ergäbe sich bei einer jährlichen Leistungsdynamisierung anhand der allgemeinen Lohnentwicklung für 2035 eine Sozialhilfequote von 42,1 Prozent, bei einer jährlichen Dynamisierung gemäß der Inflationsentwicklung sogar von 42,9 Prozent.. Damit könne die Leistungsdynamisierung die im Koalitionsvertrag von Union und SPD „vorgegebene Zielsetzung nicht erreichen“, so das Fazit in dem Bericht.
Dagegen werden Vorschläge zur Begrenzung der Eigenanteile in Pflegeheimen als wirksames Instrument gegen Altersarmut und eine steigende Zahl von Sozialhilfeempfängern bewertet. „Die Deckelszenarien begrenzen die HzP-Quote und führen diese sogar zurück“, so das Gutachten. Das Team von Prof. Rothgang berechnete unter anderem die Auswirkungen, wenn die pflegebedingten Eigenanteile durch einen „Pflegedeckel“ auf einen Höchstbetrag von 1.000 oder 1.200 Euro im Monat begrenzt würden. Laut Sonderanalyse würde die Sozialhilfequote dann auch im Jahr 2035 in den unterschiedlichen Szenarien nur zwischen 32 und 37 Prozent liegen. Alle Quoten lägen im Jahr 2035 unterhalb des für 2026 errechneten Wertes.
Im Vergleich der aktuell diskutierten Maßnahmen sind „nur die Deckelvarianten in der Lage, die Zielsetzung einer Begrenzung der Eigenanteile und der Sozialhilfequote zu realisieren“, heißt es im abschließenden Ergebnisbericht. Allerdings führten die Deckelvarianten im Vergleich zu den Basisszenarien zu deutlich höheren Ausgaben in der Sozialen Pflegeversicherung. Solle dies nicht zu Beitragssteigerungen führen, müssten der Sozialen Pflegeversicherung weitere Steuermittel zugeführt werden. Laut Sonderanalyse würde zum Beispiel ein Pflegedeckel von 1.200 Euro monatlich bereits 2027 zu zusätzlichen Ausgaben in Höhe von 2,2 Milliarden Euro führen, die bis zum Jahr 2035 auf 8,6 Milliarden Euro ansteigen würden. Allein 2027 würde die Umsetzung einer wirksamen Deckelvariante einen Beitragssatzanstieg von mindestens 0,1 Prozentpunkten in der Sozialen Pflegeversicherung bedeuten, der bis 2035 auf weitere 0,4 Beitragspunkte anwachsen würde.
„Gegen die prekäre Struktur- und Finanzdynamik in der Pflegeversicherung hilft kein Stückwerk, sondern nur noch eine nachhaltige große Pflegereform“, sagt DAK-Vorstandschef Storm. „Es ist Zeit zum Handeln.“