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BARMER-Pflegereport 2025 – Massiver Anstieg bei Zahl der Pflegebedürftigen

Verfasst: 26.11.2025, 07:31
von WernerSchell
BARMER


BARMER-Pflegereport 2025 – Massiver Anstieg bei Zahl der Pflegebedürftigen


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Berlin, 20. November 2025 – Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland nahezu verdoppelt. Doch dieser Anstieg lässt sich nur zu 15 Prozent auf die älter werdende Gesellschaft zurückführen. Zu diesem Ergebnis kommt der Pflegereport 2025 der BARMER, den die Krankenkasse am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Demnach hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen den Jahren 2015 und 2023 von 3,0 auf 5,7 Millionen erhöht. Der Anteil in der Bevölkerung ist damit von 3,21 auf 6,24 Prozent gestiegen. Doch von diesem Zuwachs um 3,03 Prozentpunkte macht die Alterung der Gesellschaft nur 0,44 Prozentpunkte aus. Ein zentraler Kostentreiber ist dagegen die Pflegereform aus dem Jahr 2017 mit der Einführung der Pflegegrade. Brisant ist diese Erkenntnis vor dem Hintergrund, dass die von der Gesundheitsministerkonferenz im Juli einberufene Bund-Länder-Arbeitsgruppe noch in diesem Jahr Eckpunkte einer großen Pflegereform vorlegen soll. Im „Zukunftspakt Pflege“ dürfen keine Vorschläge mit Mehrausgaben unterbreitet werden, soweit diese nicht unmittelbar auf die demografische Entwicklung zurückzuführen sind. „Die Aufwendungen in der Sozialen Pflegeversicherung steigen stark an. Das liegt weniger an der alternden Gesellschaft, sondern vielmehr an der Leistungsausweitung durch die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes im Jahr 2017. Auf die Bund-Länder-Arbeitsgruppe wartet nun eine Mammutaufgabe, um die Pflegeversicherung zu reformieren und finanziell zu stabilisieren. Die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler dürfen nicht noch stärker belastet werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende der BARMER, Prof. Dr. med. Christoph Straub.

Krankheitslast nicht Treiber für mehr Pflegebedürftige
Zur finanziellen Entlastung der Pflegeversicherung und der Pflegebedürftigen müssten auch Bund und Länder viel mehr als bisher beitragen, so BARMER-Chef Straub weiter. Nötig seien unter anderem die Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige durch den Bund und die Entlastung der Pflegebedürftigen von Investitionskosten und Kosten der Pflegeausbildung durch die Länder. Die Krankheitslast sei in der Bevölkerung nicht der entscheidende Treiber für den massiven Anstieg an Pflegebedürftigen. Dazu seien sechs akute und sechs dauerhafte Erkrankungen analysiert worden, darunter Krebs, Hirninfarkt, Demenz, Parkinson und Herzinsuffizienz. Demnach sei bei allen Erkrankungen der Anteil derjenigen gestiegen, die zugleich pflegebedürftig seien. Während im Jahr 2017 zum Beispiel 11,4 Prozent der an Krebs und 68,1 Prozent der an Demenz Erkrankten pflegebedürftig gewesen seien, lägen diese Werte im Jahr 2023 bereits bei 20,0 Prozent und 78,5 Prozent. Der Anteil der inzident, also neu Pflegebedürftigen sei im selben Zeitraum bei fast allen untersuchten Erkrankungen ebenfalls gestiegen. „Ein Hauptgrund für den Anstieg der Pflegebedürftigen ist der seit Januar 2017 geltende neue Pflegebedürftigkeitsbegriff. Er hat neben der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade zu einer deutlichen Leistungsausweitung geführt. Durch die leichtere Inanspruchnahme von Pflegeleistungen wurden immer mehr Menschen als pflegebedürftig anerkannt und haben frühzeitig Unterstützung erhalten“, sagt Studienautor Prof. Dr. Heinz Rothgang von der Universität Bremen.

Unterschiedliche Pflegeverläufe je nach Eingangserkrankung
Laut Pflegereport hat sich die Dauer der Pflegebedürftigkeit im Pflegegeldbezug und in Pflegegrad 1 ohne Hauptleistungen deutlich erhöht. Im Vergleich der ersten 25 Monate seit Beginn der Pflegebedürftigkeit in den Jahren 2018 bis 2022 habe sich die Pflegezeit innerhalb dieses Zeitraums unabhängig von der Entwicklung der Grunderkrankungen um einen halben Monat gesteigert. Zudem seien die Pflegeverläufe je nach Erkrankung sehr unterschiedlich. Pflegebedürftige mit Demenz würden im Schnitt rund zweieinhalb Monate länger stationär gepflegt als zu Pflegende ohne Demenz. Bei Parkinson-Betroffenen betrage die Zeit im häuslichen Pflegegeldbezug gut zwei Monate mehr als bei Pflegebedürftigen ohne Parkinson-Syndrom. „Da die Pflegebedürftigen bei langsam voranschreitenden Erkrankungen heute früher Pflegeleistungen erhalten können, bleiben sie auch länger im System. Um der wachsenden Inanspruchnahme zu begegnen und das politische Versprechen einer Versorgung unabhängig von Versichertenstatus, Einkommen und Wohnort neu mit Leben zu füllen, braucht es ein ‚Primärversorgungssystem‘, um die Patientenströme bedarfsgerecht zu steuern“, sagt BARMER-Chef Straub. Auch dafür sei die explizite Unterstützung der Pflege und deren Aufwertung als Heilberuf erforderlich. Dabei müsse die Entwicklung der Pflegeprofession von der Hilfskraft bis zur akademisierten Pflege im Blick behalten und wo nötig vorangetrieben werden. Zudem brauche es perspektivisch eine sektorenübergreifende Bedarfsplanung, die die Profession Pflege mitdenke und einbinde.


Das gesamte Pressematerial zum BARMER-Pflegereport 2025 steht unter www.barmer.de/pflegereport zum Download bereit. > https://www.barmer.de/presse/infothek/s ... legereport

Service für Redaktionen:
Zusätzliche Informationen und interaktive Grafiken zu ausgewählten Ergebnissen des Pflegereports 2025 finden Interessierte unter:
http://www.bifg.de/publikationen/report ... eport-2025


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BARMER Pflegereport >>> https://www.barmer.de/resource/blob/143 ... 5-data.pdf


Quelle: Pressemitteilung mit weiteren Informationen >>> https://www.barmer.de/presse/infothek/s ... 25-1435180

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Zum BARMER Pflegereport informierte der PKV-Newsletter vom 21.11.2025 wie folgt:
Der zunehmende Pflegebedarf in Deutschland und die explodierenden Kosten der Krankenkassen sind eines der drängendsten Probleme der Gesundheitspolitik. Das bestätigt auch der aktuelle Pflegereport der Barmer, der zeigt, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland binnen weniger Jahre fast verdoppelt hat. Laut Report ist dieser drastische Anstieg "Warnsignal und Handlungsauftrag zugleich“. Bereits heute seien erhebliche Versorgungslücken zu erkennen, die in Zukunft weiterwachsen werden, sodass die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet sein wird. Probleme würden auch bei der Finanzierung durch die Pflegeversicherung deutlich: Die Beiträge wurden so oft angehoben, "dass eine weitere Drehung der Beitragssatzschraube unrealistisch erscheint“, heißt es von der Barmer. Die Politik müsse daher Möglichkeiten finden, die Eigenanteile effektiv zu reduzieren und zu begrenzen, ohne den Beitragssatz anzuheben. Auch Bund und Länder müssten viel mehr beitragen als bisher, betont Barmer-Chef Christoph Straub.


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Der Pflegenotstand bedarf schnellstmöglich einer Reform an „Haupt und Gliedern“ … und das ist alternativlos!

Mein Statement vom 11.07.2025 hat es (nach zahlreichenden voraufgegangenen Handlungsempfehlungen) nochmals auf den Punkt gebracht … > viewtopic.php?f=5&t=1378 – Ein daran anschließendes Mail-Anschreiben, u.a. an die Bundesgesundheitsministerin und die Pflegebeauftragte, ist bis heute unbeantwortet geblieben.

Aktuell wurde am 06.11.2025 ergänzt:
• Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht - Das Bundesgesundheitsministerium - und andere - verbreiten nun Nachrichten (Sprechblasen), wonach es im Pflegesystem wirkungsvolle Verbesserungen geben soll. Dazu ergibt sich: Sämtliche Bundesregierungen der letzten 20 Jahre haben immer mal kleine Reförmchen bei der Pflegeversicherung in Gang gebracht. Geholfen hat es nicht, den vielfach beschriebenen Pflegenotstand abzuwenden; im Gegenteil, es ist alles schlimmer geworden und eine Pflegekatastrophe ist wohl nicht mehr abzuwenden. Und jetzt soll wieder an kleinen Schräubchen gedreht werden. Nein, das wird nichts. Die Pflegekatastrophe werden im Wesentlichen die Babyboomer zu spüren bekommen. - Ich habe über 20 Jahre mit Bundes- und Landesministern, Pflegebeauftragten und sonstigen Experten u.a. bei über 30 Pflegetreffs diskutiert und zahlreiche Handlungsempfehlungen, auch mittels schriftlicher Statements, präsentiert. Dies alles war u.a. gestützt auf eine über 40 Jahre lange Lehrtätigkeit an Kranken- und Altenpflegeschulen. Im Übrigen haben mir regelmäßige Besuche in Pflegeheimen und auf Krankenstationen die Betreuungssituationen und Fehlentwicklungen verdeutlicht. - Sämtliche Bundesregierungen der letzten 25 Jahre haben immer mal kleine Reförmchen bei der Pflegeversicherung in Gang gebracht. Geholfen hat es aber nicht, den Pflegenotstand abzuwenden; im Gegenteil, es ist alles schlimmer geworden. Und jetzt soll wieder an kleinen Schräubchen gedreht werden. Nein, das wird nichts. - Ich bin über das Totalversagen der mit der Pflege und dem Gesundheitswesen befassten Politiker maßlos enttäuscht und sehe zur Zeit keine Besserung. Offensichtlich gibt es keine wirklichen Konzepte für die notwendigen Reformschritte. Reformerwägungen irgendwelchen Kommissionen zu überlassen, zeugt von der Unfähigkeit der zur Zeit amtierenden Personen. Es sollte auch endlich allen Beteiligten klar werden, dass eine halbwegs brauchbare Sanierung der Pflege viele Milliarden Euro erfordert. Und wer nicht bereit ist, diese Finanzmittel in die Hand zu nehmen, der sollte auch aufhören, den Bundesbürgerinnen und Bürgern irgendwelche Verbesserungen vorzugaukeln. – Werner Schell – https://www.wernerschell.de > viewtopic.php?f=4&t=1452 - Siehe auch > DAK-Report: Pflegesystem steht am Kipppunkt > viewtopic.php?f=5&t=1449
• Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege verabschiedet. Leider wird dieses Gesetz null Probleme im Pflegesystem lösen. Eher neue schaffen. … > viewtopic.php?f=4&t=1453

Werner Schell