Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe
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WernerSchell
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Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht

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Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht. - Das Bundesgesundheitsministerium - und andere - verbreiten nun Nachrichten (Sprechblasen), wonach es im Pflegesystem wirkungsvolle Verbesserungen geben soll. Dazu ergibt sich:

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Sämtliche Bundesregierungen der letzten 20 Jahre haben immer mal kleine Reförmchen bei der Pflegeversicherung in Gang gebracht. Geholfen hat es nicht, den vielfach beschriebenen Pflegenotstand abzuwenden; im Gegenteil, es ist alles schlimmer geworden und eine Pflegekatastrophe ist wohl nicht mehr abzuwenden. Und jetzt soll wieder an kleinen Schräubchen gedreht werden. Nein, das wird nichts. Die Pflegekatastrophe werden im Wesentlichen die Babyboomer zu spüren bekommen. - Ich habe über 20 Jahre mit Bundes- und Landesministern, Pflegebeauftragten und sonstigen Experten u.a. bei über 30 Pflegetreffs diskutiert und zahlreiche Handlungsempfehlungen, auch mittels schriftlicher Statements, präsentiert. Dies alles war u.a. gestützt auf eine über 40 Jahre lange Lehrtätigkeit an Kranken- und Altenpflegeschulen. Im Übrigen haben mir regelmäßige Besuche in Pflegeheimen und auf Krankenstationen die Betreuungssituationen und Fehlentwicklungen verdeutlicht. - Sämtliche Bundesregierungen der letzten 25 Jahre haben immer mal kleine Reförmchen bei der Pflegeversicherung in Gang gebracht. Geholfen hat es aber nicht, den Pflegenotstand abzuwenden; im Gegenteil, es ist alles schlimmer geworden. Und jetzt soll wieder an kleinen Schräubchen gedreht werden. Nein, das wird nichts. - Ich bin über das Totalversagen der mit der Pflege und dem Gesundheitswesen befassten Politiker maßlos enttäuscht und sehe zur Zeit keine Besserung. Offensichtlich gibt es keine wirklichen Konzepte für die notwendigen Reformschritte. Reformerwägungen irgendwelchen Kommissionen zu überlassen, zeugt von der Unfähigkeit der zur Zeit amtierenden Personen. Es sollte auch endlich allen Beteiligten klar werden, dass eine halbwegs brauchbare Sanierung der Pflege viele Milliarden Euro erfordert. Und wer nicht bereit ist, diese Finanzmittel in die Hand zu nehmen, der sollte auch aufhören, den Bundesbürgerinnen und Bürgern irgendwelche Verbesserungen vorzugaukeln. – Werner Schell – https://www.wernerschell.de

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Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden! – Mit diesem Tenor habe ich mich am 06.01.2026 in einem umfänglichen Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium, die Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, den Patientenbeauftragten der Bundesregierung und zahlreiche weitere Adressaten gewandt und nochmals eindringlich auf die seit vielen Jahren bestehenden pflegerischen Versorgungsdefizite aufmerksam gemacht und erneut Handlungsempfehlungen vorgestellt. … > viewtopic.php?f=5&t=1515 - Mit Sprechblasen und den bislang bekannten politischen Planungen wird es keine hilfreichen Verbesserungen geben können.
WernerSchell
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Pflegesystem ist in einem katastrophalen Zustand - so Nina Warken

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Pflegesystem ist in einem katastrophalen Zustand - so Nina Warken

Das Pflegesystem in Deutschland ist laut Gesundheitsministerin Nina Warken in einem "katastrophalen Zustand": zu wenig Personal, mehr Pflegebedürftige, zu hohe Kosten. Alleine im kommenden Jahr fehlten der Pflegeversicherung sechs Milliarden Euro, sagte die CDU-Politikerin. Deshalb will Warken möglichst schnell einen Gesetzentwurf für eine Pflegereform vorlegen. Für die Versicherten könnte das höhere Beiträge und für die Betroffenen einen höheren Eigenanteil bedeuten.

Die Reformvorschläge der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken für den Umbau der sozialen Pflegeversicherung erscheint in weiten Teilen völlig ungeeignet mit der Folge, dass die Kritik an den Reformplänen breit und deutlich ausfällt. … > viewtopic.php?p=17812#p17812 / … > viewtopic.php?p=17366#p17366


Siehe auch
>>> Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht … > viewtopic.php?f=4&t=1452
>>> „Mehr Personal bedeutet bessere Pflege“ ... > viewtopic.php?f=4&t=1551


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WernerSchell
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Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht

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„Mehr Personal bedeutet bessere Pflege“ … > viewtopic.php?f=4&t=1551

Die Zeitschrift „carekonkret“ machte in ihrer Ausgabe vom 20.02.2026 darauf aufmerksam: „Mehr Personal bedeutet bessere Pflege“ (Beitrag mit dem Titel „Pflege braucht Entscheidungen – nicht noch mehr Modelle“). Dort wird im Übrigen Prof. Rothgang wie folgt zitiert: „Die Hütte brennt und alle gucken zu“. Zugucken und nicht das Richtige tun, scheint die Devise seit Jahrzehnten. Denn bereits 2010 habe ich in einem Interview mit der NGZ die klare Botschaft geäußert: „Mehr Personal – bessere Pflege“. Die politisch Verantwortlichen haben aus den damaligen – offensichtlich bis heute fortgeltenden - Handlungsempfehlungen keine hilfreichen Folgerungen gezogen. Die Leidtragenden sind die alten und pflegebedürftigen Menschen.

Eine Reform der Pflege wird heiß diskutiert. Elke Bunjes arbeitet seit über 20 Jahren in der Seniorenpflege. Im Interview mit der NGZ erklärt sie, wie die Zukunft ihres Berufs aussehen muss – und was gute Pflege ausmacht. Die NGZ / RP berichtete am 28.02.2026 über das Interview unter dem Titel „Pflegekräfte müssen selbstbewusster auftreten“. Ein Hinweis zu diesem Text wurde auch bei Facebook eingestellt (> https://www.facebook.com/ngz.neuss ). Dazu wurde von hier angemerkt: Die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssen dringend verbessert werden. Dies liegt nicht nur im Interesse der Pflegenden, sondern v.a. im Interesse der pflegebedürftigen Menschen. Bereits vor über 20 Jahren habe ich daher formuliert: „Mehr Personal bedeutet bessere Pflege“ … > viewtopic.php?f=4&t=1551 Dem ist bis heute nicht entsprochen worden, obwohl sich die Vergütungen der Pflegekräfte deutlich verbessert haben. Gleichwohl gibt es zunehmend Probleme in der pflegerischen Versorgung. Die Menschen in NRW, aber auch in anderen Ländern, verlieren das Vertrauen in die Pflegeversorgung. Eine aktuelle Allensbach-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit zeigt Erwartungen an eine große Pflegereform. … > viewtopic.php?f=4&t=1542 Insoweit gab es von hier am 06.01.2026 ein umfängliches Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium u.a. - Die Forderung: Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden! … > viewtopic.php?f=5&t=1515 – Es besteht nach all dem keine Veranlassung, irgendetwas schön zu reden. Vielmehr müssen alle Kräfte gebündelt werden, um die zunehmende Zahl pflegebedürftiger Menschen gut zu versorgen. Die NGZ / RP wurde wiederholt auf die Mängel im System aufmerksam gemacht und angeregt, im Rahmen eines Interwies mit mir darüber zu berichten.
WernerSchell
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Pflegesystem vor dem Kollaps - Geeignete Reformen sind nicht in Sicht

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Im kommenden Jahr droht der gesetzlichen Pflegeversicherung ein Minus von knapp 5 Mrd. Euro. Angesichts der von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken geplanten Pflegereform hat der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) nun ein eigenes "Fünf-Punkte-Sofortprogramm" für die Pflegeversicherung mit weitreichenden Änderungsvorschlägen vorgelegt. Plädiert wird darin u.a. für die Einführung eines Pflegebudgets, das an die Stelle der heutigen stationären und ambulanten Sachleistungen treten soll. Dies soll flexibel für Pflegekosten im Heim als auch für die bisherigen Sachleistungen genutzt werden können. Der PKV-Verband regt außerdem an, den Leistungsumfang des Pflegegrades 1 zu überprüfen und schlägt vor, dass der Anspruch auf den sogenannten Entlastungsbetrag entfallen könne. Reformen wie eine verpflichtende Erstberatung für Pflegebedürftige, die Schaffung eines zentralen Pflegeportals und eine vereinfachte Dokumentation für Pflegekräfte komplettieren das Sofortprogramm.

Seit der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs im Jahr 2017 ist die Zahl der Pflegebedürftigen in der sozialen Pflegeversicherung (SPV) stärker gestiegen als erwartet. Das zeigt eine Studie des IGES-Instituts, die der GKV-Spitzenverband heute veröffentlichen will.

Quelle: PKV-Newsletter vom 05.05.2026
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Kassen warnen vor Pflege-Kollaps

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Kassen warnen vor Pflege-Kollaps
NGZ-Bericht vom 11.05.2026


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Pflegeneuordnungsgesetz soll am 27.05.2026 vorgestellt werden ...

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Das Pflegeneuordnungsgesetz soll nicht wie ursprünglich geplant am 20. Mai im Kabinett beschlossen werden, sondern am 27. Mai. Das gehe aus einer aktuellen Kabinettszeitplanung hervor.

Der ehemalige bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat unterdessen in einem Focus-Gastbeitrag die Bundesregierung vor einer einseitigen Belastung der Betroffenen bei der Pflegereform gewarnt. Er kritisierte vor allem den Vorschlag, die gestaffelten Zuschüsse für Pflegeheimbewohner über einen längeren Zeitraum zu strecken. Gleichzeitig verwies er darauf, dass es in der Pflege mehr Eigenvorsorge und Eigenverantwortung brauche.

Auch DAK-Chef Andreas Storm appellierte erneut an die Gesundheitsministerin, die Pflegereform noch einmal zu überdenken. "Würden diese Reformpläne umgesetzt, wäre dies der Anfang vom Ende der sozialen Pflegeversicherung", so Storm. Stern

Umstritten bleibt auch die GKV-Reform. Wie teuer die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in Kranken- und Pflegeversicherung für Gutverdiener wirklich werden könnte, zeigt der Stern auf. So komme zur bereits beschlossenen Anhebung von 300 Euro pro Monat auch noch die übliche Anpassung, die jedes Jahr erfolge, hinzu. Damit werde die BBG zum Jahreswechsel wohl tatsächlich um 500 bis 600 Euro pro Monat steigen. Zudem habe SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil bereits angedeutet, dass er sich vorstellen könnte, auch bei Renten- und Arbeitslosenversicherung außerplanmäßig 300 Euro pro Monat auf die BBG aufzuschlagen.

Quelle: Newsletter PKV-Bundesverband - 18.05.2026
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DAK-Gutachten: Pflegereform verschärft Armutsrisiko ...

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DAK-Gesundheit


Die bisher bekannten gewordenen Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken für eine Pflegereform würden das Armutsrisiko für Pflegeheimbewohnende weiter verschärfen. Wird die Auszahlung der Zuschüsse für Pflegeheimbewohnende künftig merklich nach hinten geschoben, käme dies einer Leistungskürzung gleich. Das zeigt ein aktuelles Kurzgutachten des Bremer Gesundheitsökonom Prof. Heinz Rothgang im Auftrag der DAK-Gesundheit. Lesen Sie mehr in unserer Pressemitteilung.


DAK-Gutachten: Pflegereform verschärft Armutsrisiko

• Warkens Reformplan: Später fließende Zuschüsse erhöhen durchschnittliche Eigenanteile sofort um 161 Euro im Monat
• Für Heimbewohner entsteht in viereinhalb Jahren zusätzliche Kostenlast von knapp 20.000 Euro
• Prof. Heinz Rothgang: Anstieg der Sozialhilfequote für Pflegeheimbewohnende auf 46,2 Prozent bis 2035 möglich
• DAK-Chef Andreas Storm warnt vor pflegepolitischem Kahlschlag und fordert faire Lastenverteilung


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Die bisher bekannten gewordenen Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken für eine Pflegereform würden das Armutsrisiko für Pflegeheimbewohnende weiter verschärfen. Das zeigt ein aktuelles Kurzgutachten des Bremer Gesundheitsökonom Prof. Heinz Rothgang im Auftrag der DAK-Gesundheit. Wird die Auszahlung der Zuschüsse für Pflegeheimbewohnende künftig merklich nach hinten geschoben, käme dies laut DAK-Sonderanalyse einer Leistungskürzung gleich. Durch die Pflegereform würde der durchschnittliche Eigenanteil von Betroffenen sofort um 161 Euro im Monat steigen. In den ersten viereinhalb Jahren stationärer Pflege würden die Kürzungen nach den Berechnungen von Prof Rothgang eine zusätzliche Kostenlast von insgesamt knapp 20.000 Euro für Heimbewohnende bedeuten. Der Anteil der Pflegeheimbewohnenden, die auf Hilfe zur Pflege angewiesen sind, könnte demnach dramatisch auf rund 46,2 Prozent bis zum Jahr 2035 ansteigen. Dies würde bei den Kommunen zu einer Mehrbelastung von zwei Milliarden Euro führen. DAK-Vorstandschef Andreas Storm warnt vor einem pflegepolitischen Kahlschlag und fordert eine faire Lastenverteilung.

„Das Armutsrisiko Pflege würde durch die Reform weiter zunehmen. Schon jetzt hat die Sozialhilfequote für Pflegeheimbewohnende einen historischen Höchststand von fast 38 Prozent erreicht. Wenn sich diese Spirale aufgrund der vorgesehenen Maßnahmen noch schneller dreht, nähern wir uns im nächsten Jahrzehnt immer mehr der 50-Prozent-Marke. Das ist nicht akzeptabel“, sagt DAK-Vorstandsvorsitzender Andreas Storm. „Gleichzeitig würde dieser Schritt massive finanzielle Mehrbelastungen für die kommunalen Sozialhilfeträger bedeuten. Diese Maßnahme würde die Pflegekrise nicht lösen, sondern noch einmal drastisch verschärfen. Gemeinsam mit anderen Kürzungen droht ein pflegepolitischer Kahlschlag, den die Bundesregierung stoppen muss. Es braucht eine Lösung zur Schließung der großen finanziellen Defizite in der Pflegeversicherung, die die Lasten fair verteilt und keine weitere finanzielle Überforderung vieler Heimbewohnenden nach sich zieht.“

Mit der geplanten Pflegereform soll nach bisherigen Informationen die zeitliche Staffelung der Zuschläge, die Heimbewohnende je nach Dauer ihres Aufenthalts erhalten, künftig gestreckt werden. Dadurch würden die Eigenanteile für Pflegebedürftige in Heimen deutlich langsamer sinken als bisher, was unmittelbare Auswirkungen auf die finanzielle Belastung der Betroffenen hätte. Würden die neuen Zuschlagsregelungen sofort gelten, läge laut DAK-Kurzgutachten von Prof. Rothgang der durchschnittliche Eigenanteil für alle Heimbewohnenden unabhängig von der Aufenthaltsdauer sofort um 161 Euro im Monat höher als bisher.

Nach dem neuen Reformplan dauert es viereinhalb Jahre, bis Heimbewohnende die maximale Entlastung in Höhe von 75 Prozent erhalten. Wer seit Januar dieses Jahres im Heim lebt, müsste innerhalb dieses Zeitraums insgesamt knapp 20.000 Euro zusätzlich selbst zahlen. Bis zum Jahr 2035 würde sich die Gesamtbelastung durch Eigenanteile für die Heimbewohnenden auf mehr als 4.500 Euro monatlich vergrößern. Das bedeutet einen Kostenzuwachs von 330 Euro gegenüber der Kostenhöhe, die gemäß der aktuellen Rechtslage entstehen würde.

Parallel zu den Kosten für die Heimbewohnenden steigen ebenfalls die Sozialhilfeausgaben. Den jüngsten Berechnungen von Prof. Rothgang zufolge werden sich diese bis Mitte der 2030er-Jahre auf rund 12 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Zum Vergleich: Für das laufende Jahr wird von Sozialhilfeausgaben in Höhe von knapp 5 Milliarden Euro ausgegangen. Bei geltendem Recht entwickeln sich die Ausgaben bis 2035 auf rund 10 Milliarden Euro – greifen aber die geplanten Reformmaßnahmen, beliefen sich allein im Jahr 2035 die Mehrausgaben auf rund 2 Milliarden Euro, sodass die Gesamthöhe der Sozialausgaben bei rund 12 Milliarden liegen würde.

Prof. Dr. Heinz Rothgang (Universität Bremen) sieht die mögliche Reformmaßnahme kritisch: „Ein solcher Reformansatz erzeugt nur Verlierer und gefährdet das langfristige Ziel der sozialen Pflegeversicherung. Anstatt die ohnehin schon zu hohen Kosten für die Heimbewohnenden effektiv zu deckeln, nehmen deren Belastungen aufgrund der Leistungskürzungen weiter zu. Ein wirksamer Schutz gegen das Armutsrisiko Pflegebedürftigkeit ist mit diesem Ansatz nicht möglich. Damit führt sich die Pflegeversicherung selbst ad absurdum.“


Pressemeldung zum Download >>> https://www.dak.de/presse/bundesthemen/ ... iko_169422

Quelle: Pressemitteilung vom 18.05.2026
DAK-Gesundheit
Pressestelle
Telefon: 040-2364 855 9411
E-Mail: presse@dak.de

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Folien Folien_Prof Rothgang_Entwic... > https://cache.pressmailing.net/content/ ... olien_Prof Rothgang~_DAK-Gesundheit.pdf
Kurzgutachten Kurzgutachten_Eigenanteile ... > https://cache.pressmailing.net/content/ ... ndheit.pdf
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Pflegereform jetzt umsetzen: Prävention von Pflegebedürftigkeit muss bei den Versicherten ankommen

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GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG 19.05.2026

Pflegereform jetzt umsetzen: Prävention von Pflegebedürftigkeit muss bei den Versicherten ankommen

Mehr als 6 Millionen Menschen beziehen Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung. Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen, die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung erhalten, hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt. Der starke Anstieg der Pflegebedürftigkeit stellt eine große Herausforderung dar, die es mit der Pflegereform zu lösen gilt. Zentrales Ziel sollte die wirksame Prävention von Pflegebedürftigkeit und die nachhaltige Stabilisierung des Gesamtsystems sein.

„Bei allen nachvollziehbaren Diskussionen um die Anhebung der Schwellenwerte, darf die wichtige und immer noch richtige Intention der Pflegereform 2017 nicht aus dem Blick geraten: Wir müssen alles tun, um die Versicherten dabei zu unterstützen, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder ihrer Verschlechterung aktiv entgegenzuwirken“, sagt Carola Engler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund. „Der Medizinische Dienst ist als erster bei den pflegebedürftigen Menschen vor Ort. In der Begutachtungssituation können die Gutachterinnen und Gutachter mit ihrer pflegefachlichen Kompetenz wichtige Impulse zur Prävention, zur Verbesserung der Pflegesituation und zur Entlastung der An- und Zugehörigen geben. Unser Ziel ist es, die Pflegebegutachtung zur bedarfsorientierten und präventiven Impulsberatung weiterzuentwickeln.“

Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, betont: „Der Zugang zur Pflege funktioniert und das ist eine gute Nachricht. Dazu tragen im Wesentlichen auch mehr und bessere Informationen sowie der Abbau von Vorurteilen gegenüber pflegebedürftigen Menschen bei. Aber der starke Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen stellt die Pflegeversicherung vor finanzielle und strukturelle Herausforderungen. Die müssen wir nun endlich angehen und dabei darauf achten, dass in dem solidarischen System auch zukünftig diejenigen Hilfe bekommen, die wirklich darauf angewiesen sind. Zugleich müssen wir die Finanzierbarkeit des Systems endlich zukunftsfest aufstellen.

Pflegebedürftige setzen meist auf Pflege durch An- und Zugehörige

In der aktuellen Auswertung der Begutachtungsstatistik des Medizinischen Dienstes Bund zeigt sich: Im vergangenen Jahr haben die Gutachterinnen und Gutachter bundesweit mehr als 3 Millionen Versicherte begutachtet: Pflegegrad 1 erhielten 29 Prozent der Antragstellenden; 34,5 Prozent Pflegegrad 2; 11,6 Prozent Pflegegrad 3. 2,6 Prozent bekamen Pflegegrad 4 und 0,9 Prozent Pflegegrad 5. Bei 21,3 Prozent der Antragstellenden lag zum Begutachtungszeitpunkt noch kein Pflegegrad vor.

Weit über die Hälfte der Pflegebedürftigen beantragte Pflegegeld (59,6 Prozent) und setzte so auf Pflege in der eigenen Häuslichkeit durch An- und Zugehörige ohne professionelle Unterstützung. 11,2 Prozent der Versicherten beantragten ambulante Sachleistungen; 19,3 Prozent eine Kombination aus Geld- und Sachleistungen. 9,4 Prozent der Versicherten beantragten stationäre Leistungen.

Immer mehr junge Menschen sind pflegebedürftig – Präventionspotenziale besser heben Die Anzahl der Begutachtungen bei pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen in den vergangenen zehn Jahren hat sich fast vervierfacht von rund 53.000 Begutachtungen im Jahr 2015 auf über 190.000 im Jahr 2025. Der Anteil der Kinderbegutachtungen an allen Gutachten liegt bei rund 6 Prozent. Die häufigsten pflegebegründenden Diagnosen sind ADHS und Entwicklungsstörungen. Kinder und Jugendliche werden ebenfalls meistens zu Hause von An- und Zugehörigen ohne professionelle Unterstützung versorgt.

In der Erstbegutachtung liegt aus Sicht des Medizinischen Dienstes großes Potenzial, um einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit entgegenzuwirken und die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Menschen so lange wie möglich zu erhalten: So empfahlen die Gutachterinnen und Gutachter in 59,4 Prozent der Erstbegutachtungen Heilmittel wie Physio-, Ergo- und Stimmtherapie.

In 43,6 Prozent der Fälle sprachen die Gutachterinnen und Gutachter Empfehlungen für Mobilitätshilfen, Geh-, Bade- und Duschhilfen aus, um das selbstständige Leben in eigener Häuslichkeit zu ermöglichen. Doch oftmals greifen diese Empfehlungen nicht, weil zusätzliche Verordnungen eingeholt werden müssen und pflegende An- und Zugehörige überfordert sind. Das Begutachtungsverfahren ist daher neu zu denken, so dass insgesamt der präventive Charakter besser wirksam werden kann.

Pflegebedürftige ohne professionelle Unterstützung intensiver beraten und unterstützen

Das gilt insbesondere für die Versorgungsarrangements, in denen keine professionelle Pflege eingebunden ist. Hier könnte der Medizinische Dienst durch die Impulsberatung in der Begutachtungssituation auf die Inanspruchnahme geeigneter und erfolgversprechender Maßnahmen der Prävention hinwirken und die Selbstwirksamkeit der antragstellenden Menschen aktivieren. Zudem könnten An- und Zugehörige auf Entlastungs- und Unterstützungsangebote hingewiesen und schwierige Versorgungssituationen adressiert werden.

Vernetzung aller Akteure verstärken, technische Innovationen nutzen

Damit eine solche Impulsberatung greifen kann, ist eine intensivere Vernetzung und beschleunigte Kommunikation aller an der Pflegesituation beteiligten Akteure von der Pflegekasse über den Medizinischen Dienst in den Regionen bis hin zu kommunalen Beratungs- und Unterstützungsangeboten und Leistungserbringenden notwendig. Zudem gilt es, technische Innovationen in der Begutachtung breiter einzusetzen.

In wissenschaftlichen Projekten zeigt sich z.B., dass die Videobegutachtung sehr gut in der Erstbegutachtung eingesetzt werden könnte. Dies könnte dazu beitragen, Angehörige besser einzubeziehen, die nicht am Ort des Pflegebedürftigen leben und für alle Seiten aufwändige Wege sparen. Fakt ist aber: Es fehlt sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch in den Haushalten der Pflegebedürftigen nach wie vor an verlässlichem Internetzugang.


Diese Pressemitteilung und weitere Unterlagen finden Sie auf der Homepage des Medizinischen Dienstes Bund. >>> https://md-bund.de/presse/pressemitteil ... n-ankommen

Pressekontakt:
Medizinischer Dienst Bund, Pressestelle, Michaela Gehms, Tel. 0172 367-8007, E-Mail: michaela.gehms@md-bund.de
GKV-Spitzenverband, Pressestelle, Jens Ofiera, Tel. 030 206288-4214, E-Mail: presse@gkv-spitzenverband.de
WernerSchell
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Bei der Pflege brennt die Hütte

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Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland erhielten im vergangenen Jahr Leistungen der sozialen Pflegeversicherung – mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Der finanzielle Bedarf ist riesig. „Bei der Pflege brennt die Hütte“, beschreibt Oliver Blatt vom Bund der Krankenkassen die Situation und fordert mutige Reformen. Welche Forderungen er an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken stellt, beschreibt David Grzeschik in der Rheinischen Post, Ausgabe 20.05.2026 ... > https://newsletter.rp-online.de/d?l0dey ... 000csft7hc

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Im PKV-Newsletter vom 20.05.2026 wird zum Thema ausgeführt:


Erstmals erhalten in Deutschland mehr als 6 Mio. Menschen Leistungen der Pflegeversicherung. Wie der Medizinische Dienst mitteilte, hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen damit seit 2015 mehr als verdoppelt, bei Kindern sogar fast vervierfacht. Vor allem die Zahl der ADHS-Diagnosen habe zugenommen. Ursache für diese Entwicklung sei auch die Pflegereform im Jahr 2017. Seitdem könnten auch Menschen mit kognitiven oder psychischen Einschränkungen einen Pflegegrad erhalten, wie die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund, Carola Engler, erklärte. Sie fordert u.a. mehr Prävention, um die Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zumindest hinauszuzögern.

"Der starke Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen stellt die Pflegeversicherung vor finanzielle und strukturelle Herausforderungen", sagt GKV-Vorsitzender Oliver Blatt. Der Pflege laufe die Zeit weg, es drohten hohe Defizite: Die Finanzierbarkeit des Systems müsse endlich zukunftsfest aufgestellt werden.

Nicht die Alterung der Gesellschaft, sondern politische Entscheidungen sind für die Verdopplung der Zahl der Pflegebedürftigen verantwortlich, kommentiert das RND. Gesundheitsministerin Nina Warken täte gut daran, bei der anstehenden Pflegereform die Fehlentscheidungen der Pflegereform 2017 zu korrigieren.

Kritik an den geplanten Maßnahmen wie auch dem verzögerten Zeitplan der Pflegereform kommt weiter von Verbänden, Krankenkassen und aus der Politik. Er hoffe, dass sich diesmal die Interessen der Beitragszahlenden durchsetzen und nicht wieder die des Bundeshaushaltes, erklärte beispielsweise GKV-Chef Blatt. Einen Überblick über weitere Positionen gibt das Ärzteblatt. In der Augsburger Allgemeinen plädiert CSU-Gesundheitsexpertin Emmi Zeulner unterdessen für einen Paradigmenwechsel bei der Kostenabrechnung in Pflegeheimen. Kosten für medizinische Behandlungen in Heimen, die aktuell von der Pflegekasse bezahlt werden, sollten auf die Krankenkassen übertragen werden, um so die Pflegeversicherung zu entlasten, sagte sie. Sie kündigte zudem Widerstand gegen Ministerin Warkens Überlegungen an, bei pflegenden Angehörigen Rentenpunkte zu kürzen.
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Pflegereform: Es braucht mehr als ein Sparprogramm

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Pflegereform: Es braucht mehr als ein Sparprogramm

Nach 30 Jahren Pflegeversicherung steht die notwendige Anpassung aus. Die schwarz-rote Koalition will nun einen Reformvorschlag vorlegen. „Doch was es braucht, ist mehr als ein Sparprogramm“, betonte Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA). Die Notwendigkeit einer Finanzreform der Pflegeversicherung sei unbestritten, so Zurkuhlen, „jedoch muss es uns gelingen, auch das Pflegesystem insgesamt an die Lebenswirklichkeiten der Menschen“ anzupassen."
Konkret formulierte das KDA seine Vorschläge zur Reform in einer Reaktion auf die 20 Thesen zum Gesundheitskongress des Westens. Bereits zuvor hatte das KDA das "Reset"-Strategiepapier" vorgelegt.


Ein Thema beim Gesundheitskongress des Westens (GdW) war auch die Reform der Pflege. Nach 30 Jahren Pflegeversicherung steht die notwendige Anpassung aus. Bislang gab es nur Korrekturen an Stellschrauben.

„Der Gesundheitskongress des Westens gab Gelegenheit, sowohl die Herausforderungen der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung zu einzuordnen, aber vor allem auch die gesellschaftlichen Chancen und volkswirtschaftlichen Möglichkeiten aufzuzeigen, die in echten Reformen liegen können.“ Die Notwendigkeit einer Finanzreform der Pflegeversicherung sei unbestritten, so Zurkuhlen, „jedoch muss es uns gelingen, auch das Pflegesystem insgesamt an die Lebenswirklichkeiten der Menschen“ anzupassen. Dazu gehöre eine lebensphasenorientierte Begleitung ebenso wie eine integrierte Versorgungslandschaft, Prävention und Bildung. Nur so könne es gelingen, Potenziale zu heben, die den Menschen und der Volkswirtschaft insgesamt zugutekämen.

Konkret formulierte das Kuratorium Deutsche Altershilfe seine Vorschläge zur Reform der Versorgungssysteme in einer Reaktion auf die 20 Thesen zum Gesundheitskongress des Westens:

20 Thesen zum 20. Gesundheitskongress des Westens:
https://kda.de/wp-content/uploads/2026/ ... estens.pdf

KDA-Thesenreaktion GdW2026: https://kda.de/wp-content/uploads/2026/ ... dW2026.pdf

KDA-"Reset"-Strategiepapier Kompakt: https://kda.de/wp-content/uploads/2026/ ... ompakt.pdf

KDA-Strategiepapier zur Reform der Pflege, Langfassung:
https://kda.de/wp-content/uploads/2026/ ... I_2025.pdf

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des KDA: info@kda.de

Originalpublikation:
https://kda.de/pflegereform-es-braucht- ... rprogramm/

Weitere Informationen:
https://kda.de/wp-content/uploads/2026/ ... estens.pdf
https://kda.de/wp-content/uploads/2026/ ... dW2026.pdf
https://kda.de/wp-content/uploads/2026/ ... ompakt.pdf
https://kda.de/wp-content/uploads/2026/ ... I_2025.pdf

Quelle: Pressemitteilung vom 21.05.2026
Solveig Giesecke Pressesprecherin
Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke-Stiftung e. V.
> https://idw-online.de/de/news871180
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