Pflegebedürftigkeit wird zum Armutsrisiko - Entlastungen der betroffenen Menschen sind überfällig
Im hohen Alter und bei schwerer Krankheit bedeutet der Umzug in ein Pflegeheim für die Betroffenen einen tiefen und meist traurigen Einschnitt. Der Auszug aus dem vertrauten Zuhause wiegt schon schwer genug. Für viele wird auch der Blick auf den Kontoauszug zum Trauerspiel. Der hohe Eigenanteil lässt die Ersparnisse eines langen Arbeitslebens schnell schwinden. Die Höhe der monatlichen Abbuchung können viele Betroffene angesichts des vielleicht schlichten Zimmers mit Bett, Schrank, Fernseher und kleiner Sitzgruppe auf den ersten Blick auch nicht nachvollziehen. Zum neuen Jahr stieg die durchschnittliche Summe für die ersten zwölf Monate in der Unterkunft auf 3582 Euro – eine Steigerung von 270 Euro. Antje Höning erklärt in der NGZ /RP am 23.01.2026 die aktuelle Entwicklung und berichtet, wie die Verbraucherzentrale, Verbände und das Gesundheitsministerium die Lage einschätzen (> https://newsletter.rp-online.de/d?p0dd6 ... 000lqt0hg4 ). Dass Betroffene grundsätzlich auf ihr Erspartes zurückgreifen müssen, hält Frau Höning für unausweichlich. „So hart es im Einzelfall ist – es ist zumutbar, dass Pflegebedürftige für die Heimkosten auch ihr Vermögen einsetzen. Es ist nicht die Aufgabe der Beitragszahler, Erbschaften für deren Kinder zu sichern“, schreibt sie in ihrem Kommentar (> https://newsletter.rp-online.de/d?p0dd6 ... 000hpuqq74 ).
In dem Beitrag der NGZ / RP vom 23.01.2026 (Verfasserin: Antja Höning) werden speziell die Pflegeverhältnisse in Nordrhein-Westfalen angesprochen („Pflegeheime in NRW werden noch teurer“ – „In NRW 1,4 Millionen Pflegebedürftige“). Folgerichtig kommt auch der Gesundheitsminister von NRW, Karl-Josef Laumann, zu Wort. Danach setzt NRW auf die Bundes-Pflegereform. Minister Laumann fordert, die häusliche Pflege zu stärken. Sonst sei das System weder steuer- noch finanzierbar. – Dazu ergibt sich: Es ist richtig, die häusliche Pflege zu stärken. Aber Minister Laumann hat die von seiner Vorgängerin, Frau Barbara Steffens, massiv geförderten / unterstützten Quartiershilfen nicht mehr fortgeführt und andere Akzente gesetzt, die für pflegebedürftige Menschen bzw. die Angehörigen weniger hilfreich sind. Die unmittelbaren Hilfen vor Ort, nahe bei den Menschen, wurden weniger. Jetzt von einer Stärkung der häuslichen Pflege zu sprechen, müsste eigentlich bedeuten, die unterstützenden Quartiershilfen nahe bei den Menschen wieder intensiver in den Blick zu nehmen. Dazu müsste wohl auch die Gestaltungen von lokalen Pflegenotrufen gehören. Das Land NRW ist gefordert! – Natürlich auch die anderen Länder.
Zum Thema pflegerische Versorgung wird seit geraumer Zeit umfänglich berichtet; Reformen wurden angemahnt. Aktuelle Informationen sind in dem Beitrag „Pflegebedürftige in Pflegeheimen müssen erneut mehr aus eigener Tasche bezahlen“ nachlesbar (> viewtopic.php?f=4&t=1533 ). Angesichts der sich seit längerer Zeit verschlechternden pflegerischen Versorgung wurde am 06.01.2026 erneut das Bundesgesundheitsministerium u.a. angeschrieben und mit Handlungsempfehlungen zu einer grundlegenden Reform des Pflegesystems aufgefordert. Dazu gab es im Netz die nachfolgenden Kurzhinweise (mit Info zum abrufbaren Brieftext): „Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden!“ – Mit diesem Tenor habe ich mich am 06.01.2026 in einem umfänglichen Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium, die Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, den Patientenbeauftragten der Bundesregierung und zahlreiche weitere Adressaten gewandt und nochmals eindringlich auf die seit vielen Jahren bestehenden pflegerischen Versorgungsdefizite aufmerksam gemacht und erneut Handlungsempfehlungen vorgestellt. … > viewtopic.php?f=5&t=1515 - Mit Sprechblasen und den bislang bekannten politischen Planungen wird es keine hilfreichen Verbesserungen geben können.
Die Nachricht über den Kostenanstieg für Pflege in den Heimen hat verbreitet heftige Reaktionen ausgelöst. Darüber informiert u.a. der PKV-Newsletter vom 23.01.2026 wie folgt: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verweist auf die Bund-Länder-Arbeitsgruppe und die anstehende Pflegereform, die "für mehr Verlässlichkeit" sorgen müsse. "Gleichzeitig müssen wir die Eigenvorsorge attraktiv gestalten und stärken, denn sie wird weiterhin wesentlicher Bestandteil der Absicherung im Pflegefall bleiben“, so die Ministerin. Je früher die Vorsorge für den Pflegefall mitgedacht werde, desto niedriger sei später die Belastung. Während Paritätischer Gesamtverband und DGB erneut eine Pflegevollversicherung fordern, sprechen sich die Deutsche Stiftung Patientenschutz und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) für eine Deckelung des Eigenanteils aus. Die Länder kämen seit Jahren "ihrer Verantwortung bei der Investitionskostenförderung für Pflegeeinrichtungen nur unzureichend nach", kritisierte PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. "Das treibt die Eigenanteile der Pflegebedürftigen nach oben. Wer Pflege bezahlbar halten will, muss die Investitionskostenförderung der Länder deutlich erhöhen."
Katrin Staffler, die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, sieht die Länder, aber auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in der Pflicht. Er sei "gefordert, Möglichkeiten zu finden, beispielsweise die Ausbildungskosten der Pflegefachkräfte über Steuermittel zu bezahlen". Gesundheitsministerin Nina Warken steht vor einem Reformjahr mit großen Erwartungen. In der kommenden Woche wird der Koalitionsausschuss über zentrale Probleme beraten. Ein düstereres Bild zeichnet die Opposition. "Statt die strukturellen Probleme anzugehen, verzögert die Bundesregierung notwendige Reformen durch Kommissionen, kurzsichtige Darlehen und umstrittene Sparpakete“, kritisiert etwa Ates Gürpinar, Linken-Sprecher für Gesundheitsökonomie. Ähnlich sieht das Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen. DKG-Chef Gerald Gaß beobachtet in der Bevölkerung unterdessen eine wachsende Bereitschaft, tiefgreifende Reformen mitzutragen.
Im Forum von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk sind in jüngster Zeit dutzende Beiträge eingestellt worden, die über die sich massiv verschlechternde pflegerische Versorgung informieren, aber auch Handlungsanforderungen aufzeigen. Siehe insoweit
viewforum.php?f=4
viewforum.php?f=5
Pflegenotstand auflösen - Pflegekatastrophe vermeiden! – Mit diesem Tenor habe ich mich am 06.01.2026 in einem umfänglichen Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium, die Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, den Patientenbeauftragten der Bundesregierung und zahlreiche weitere Adressaten gewandt und nochmals eindringlich auf die seit vielen Jahren bestehenden pflegerischen Versorgungsdefizite aufmerksam gemacht und erneut Handlungsempfehlungen vorgestellt. … > viewtopic.php?f=5&t=1515 - Mit Sprechblasen und den bislang bekannten politischen Planungen wird es keine hilfreichen Verbesserungen geben können.
Werner Schell
"Geduld ist eine gute Eigenschaft, aber nie, wenn es um die Beseitigung von Missständen geht.“ - Zitat von Margret Thatcher (die eiserne Lady).
+++
Eigentlich ist die Pflege die Schicksalsfrage der Nation,
weil jeder Bürger früher oder später mal von diesem Thema betroffen ist.
Das ist allerdings eine unbequeme Wahrheit,
die wir als Gesellschaft kollektiv verdrängen.
Und wenn es uns dann doch betrifft, ist es zu spät.
Claus Fussek
Siehe auch unter >>> viewtopic.php?f=4&t=1542