Pflegekosten solidarisch finanzieren Eigenbeteiligung deutlich reduzieren!
Die monatliche Eigenbeteiligung in der stationären Pflege steigt weiter. - Nach einer Mitteilung des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) vom 22. Juli 2025 ist die Eigenbeteiligung im ersten Aufenthaltsjahr im Bundesdurchschnitt von 2.871 Euro auf 3.108 Euro monatlich gestiegen (> viewtopic.php?f=5&t=817&p=15706#p15706 ). Das sind 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Gründe dafür sind steigende Personal- und Lebenshaltungskosten. Den Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern sind Belastungen in dieser Größenordnung nicht mehr zuzumuten. Daher ist in alle Deutlichkeit festzustellen: Politik muss endlich wirksam handeln! >>> Zu den gebotenen Reformerfordernissen gab es von hier bereits ein Statement >>>> viewtopic.php?f=5&t=1378
+++ Im Newsletter der PKV vom 23.07.2025 wird zum Thema ausgeführt:
Die aktuellen Zahlen zu steigenen Eigenbeteiligungen in Pflegeheimen haben die Debatte über eine Pflegereform neu entfacht. Der Druck auf Gesundheitsministerin Nina Warken und die Bundesländer steigt abermals, die Finanzen der Pflegeversicherung zu stabilisieren. So fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz Deckelung des Eigenbeitrags bei 1000 Euro im Monat und eine stärkere Kostenübernahme durch die Bundesländer. Ähnlich argumentiert der Deutsche Pflegerat. Selbst eine Zusammenlegung von Kranken- und Pflegeversicherung sollte eine Möglichkeit sein. Stern
Laut Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) führe kein Weg an einer Begrenzung der Pflegekosten vorbei - wo dies möglich ist. Der Staat könne jedoch nicht für alles aufkommen. Privat für den Pflegefall vorzusorgen, sei notwendig, so Frei. Auch FDP-Chef Christian Dürr plädiert für mehr private Vorsorge und für die Absicherung der Sozialsysteme mit einer starken Kapitaldeckung in Pflege und Gesundheit. RND "Will die Politik die Eigenanteile in der stationären Pflege wirksam begrenzen, muss das mittels einer kapitalgedeckten, sozial flankierten, obligatorischen Zusatzversicherung geschehen“, unterstreicht Jürgen Wasem, Vorsitzender des Expertenrats "Pflegefinanzen". Wasem schlägt vor, in der Pflegefinanzierung neue Wege zu gehen. FAZ (€)
Lösung für die Misere könne nur sein, kapitalgedeckte Elemente auszuweiten und die private Zusatzvorsorge attraktiver zu machen, kommentiert auch die FAZ. Das RND meint, dass ein "Sockel-Spitze-Tausch“ in Kombination mit einem kapitalgedeckten, staatlich gemanagten Vorsorgefonds helfen könnte.
Um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, hat das Kabinett zwei Gesetzentwürfe beschlossen, die Pflegekräften mehr medizinische Befugnisse geben und die Ausbildungsordnungen für Pflegeassistenzberufe vereinheitlichen sollen. Auch die Pflegedokumentation soll "auf das notwendige Maß" begrenzt werden. "Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, viele Kompetenzen in der Pflege ungenutzt zu lassen", betonte Gesundheitsministerin Nina Warken. Angesichts der alternden Gesellschaft müsse man in der Pflege für gute Arbeitsbedingungen sorgen.
Der Deutsche Pflegerat sieht in den Gesetzen einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung der pflegerischen Versorgung. Für GKV-Chef Oliver Blatt wären hingegen "klarere gesetzliche Rahmenbedingungen" wünschenswert. Der Verband Deutsche Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) kritisiert, die Gesetze blieben hinter den Erwartungen zurück. Stern Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) und Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sehen die Änderungen bei der Pflegeausbildung kritisch und fordern Nachbesserungen. DBfK-Präsidentin Vera Lux spricht sich außerdem für mehr echte Entscheidungskompetenz für Pflegefachpersonen aus.
Es sei zwar zu begrüßen, dass Pflegekräfte mehr Befugnisse erhalten, die Probleme der Pflege bestehen aber weiterhin, kommentiert das RND. Die Kosten laufen davon und die Systeme für Gesundheit und Pflege stehen schwer unter Druck.
Eine Mehrheit in Deutschland sieht großen Reformbedarf bei Rente, Pflege und Krankenversicherung, gleichzeitig fehlt aber vielen das Vertrauen in die Regierung, die notwendigen Maßnahmen auch anzupacken. Zu diesem Ergebnis kommt der am Donnerstag veröffentlichte ARD-Deutschlandtrend. So sprechen sich ähnlich viele für umfassende Reformen in der gesetzlichen Pflegeversicherung (42%) wie für gezielte Anpassungen (43%) aus, während neun Prozent keinen Änderungsbedarf sieht. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung sprechen sich 44 Prozent für grundlegende Reformen aus, 39 Prozent für gezielte Anpassungen und 13 Prozent für keine Änderungen. Besonders gering ist das Vertrauen: Drei Viertel der Befragten mit Reformwunsch zweifeln, dass die Regierung die notwendigen Maßnahmen setzt, um diese Bereiche zukunftssicher zu machen. Und gerade einmal jeder Fünfte zwischen 18 und 34 Jahren fühlt sich fürs Alter gut abgesichert. – Quelle: PKV-Newsletter vom 08.08.2025
Dazu ergibt sich: Das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung bezüglich der vielfältig gebotenen Reformmaßnahmen ist wohl darin begründet, dass sämtliche Bundesregierungen der letzten Jahrzehnte nicht wirklich hilfreich auf die gebotenen Veränderungen / Verbesserungen reagiert haben. Man hat immer nur an „kleinen Schräubchen“ gedreht und damit „politisches Funktionieren“ signalisiert. Die Tatsache, dass wir heute vor einer kaum vermeidbaren Pflegekatastrophe stehen, liegt vornehmlich in den zurückliegenden Fehlleistungen begründet.