Land Nordrhein-Westfalen: Aufhebung des generellen Besuchsverbots in Einrichtungen der Pflege ....

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Land Nordrhein-Westfalen: Aufhebung des generellen Besuchsverbots in Einrichtungen der Pflege ....

Beitrag von WernerSchell » 09.05.2020, 06:07

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Land Nordrhein-Westfalen: Aufhebung des generellen Besuchsverbots in Einrichtungen der Pflege und der Eingliederungshilfe zum Muttertag

Das Gesundheits- und Sozialministerium NRW wird zum Muttertag (10. Mai 2020) die aktuell bestehenden, generellen Besuchsverbote in den Einrichtungen der Pflege und der Eingliederungshilfe aufheben. Damit haben Bewohnerinnen und Bewohner wieder die Möglichkeit, Besuche etwa von Familienangehörigen und Freunden zu bekommen. Voraussetzung dafür ist, dass wichtige Schutzmaßnahmen eingehalten werden, etwa durch separate Besuchsareale, entsprechende Schutzkleidung und ein Screening der Besucherinnen und Besucher.

Zudem sollen Menschen mit Behinderung wieder die Möglichkeit haben, in den Werkstätten ihrer Tätigkeit nachzugehen. Damit greift das Gesundheitsministerium die zentralen Empfehlungen eines Expertengremiums unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Zimmermann (Hochschule für Gesundheit Bochum) auf, das eigens für dieses Thema eingerichtet wurde.

„Unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie war das generelle Besuchsverbot in den Pflegeheimen und den Einrichtungen der Eingliederungshilfe wohl die Maßnahme, die am meisten weh getan hat. Die dort lebenden Menschen haben besonders unter den bestehenden Kontaktverboten gelitten. Ich habe immer betont: Wenn es die Situation erlaubt, müssen wir das so schnell wie möglich wieder aufheben“, erklärt Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

„Darum ist es wichtig, dass wir Besuche wieder ermöglichen, wenn gleichzeitig effektive Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Denn eines ist klar: Nicht nur das Coronavirus ist für die Betroffenen eine große Gefahr. Auch soziale Isolation kann erhebliches seelisches Leid und körperliche Schäden verursachen. Darum müssen wir die richtige Balance zwischen einem wirksamen Infektionsschutz auf der einen Seite und der sozialen Teilhabe auf der anderen Seite schaffen“, so Laumann weiter.

Das Expertengremium um Prof. Dr. Zimmermann hat in seinem Bericht (abrufbar unter www.mags.nrw/coronavirus) zum Ausdruck gebracht, dass unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) und unter Einhaltung des Infektionsschutzes Besuche wieder möglich gemacht werden können und müssen. „Damit werden nicht nur die Bedürfnisse und Rechte der sozial isolierten, benachteiligten und besonders verletzlichen Menschen gewahrt. Auch der Schutz der in diesen Einrichtungen wirkenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der dort lebenden Mitbewohnerinnen und Mitbewohner wird gewährleistet“, sagt Prof. Dr. Zimmermann für die Expertengruppe.

Konkret sehen die Neuregelungen für die stationären Pflegeeinrichtungen vor, dass Besuche in separaten Arealen oder Raumeinheiten im Außenbereich erfolgen können. Bei Vorliegen entsprechender Schutzmaßnahmen und insbesondere auch Schutzkleidung können die Besuche auch innerhalb der Einrichtung, zum Beispiel in separaten Räumen oder bei bettlägerigen Personen im Bewohnerzimmer stattfinden. Möglich sind Besuche von bis zu zwei Personen in den separat eingerichteten Räumen. Direkt auf dem Bewohnerzimmer kann der Besuch durch eine Person erfolgen. Die Dauer ist je Bewohner auf höchstens zwei Stunden pro Besuch und Tag begrenzt.

In den Einrichtungen der Eingliederungshilfe leben häufig jüngere und weniger risikobehaftete Menschen, die allerdings in besonderem Maße auf Kontakte zu ihren Angehörigen angewiesen sind. Deshalb werden die Einrichtungen Öffnungen vorbereiten müssen, die gegebenenfalls über die in den Pflegeheimen hinausgehen.

Alle Besucher sollen registriert und einem Kurzscreening unterzogen werden, bei dem unter anderem auch Fragen zum eigenen Gesundheitszustand und zu möglichen Covid-19-Kontakten innerhalb der letzten 14 Tage beantwortet werden müssen. Dadurch soll das Risiko des Besuchs von Infizierten, Kontaktpersonen und von Personen mit Erkältungszeichen auf ein Mindestmaß reduziert werden. Auch müssen Besucherinnen und Besucher die erforderlichen Schutzmaßnahmen erklärt und sie gegebenenfalls begleitet werden.

Klar ist darüber hinaus auch: Bei allen Maßnahmen müssen die aktuellen Empfehlungen des RKI berücksichtigt werden. Die Einrichtungen, egal ob in der stationären Pflege oder im Bereich der Eingliederungshilfe, werden nun über die konkrete Umsetzung informiert, um entsprechende Konzepte und Vorarbeiten auf den Weg bringen zu können.

In den tagesstrukturierenden Einrichtungen der Eingliederungshilfe sind ab dem 10. Mai 2020 für die dort lebenden Personen ebenfalls Lockerungen vorgesehen.

Auch die Werkstätten für behinderte Menschen sollen dann wieder mehr Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen. Selbstverständlich müssen auch dort die notwendigen Schutzvorkehrungen getroffen werden und der Gesundheitsschutz für die Beschäftigten steht an erster Stelle. Die Einrichtungen können also beginnen, Öffnungskonzepte zu erarbeiten, die sich im Rahmen der Empfehlungen des RKI zu den Wohn- und Pflegeeinrichtungen sowie zu den besonders gefährdeten Personengruppen und der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) bewegen und die Gegebenheiten in der Region, der jeweiligen Werkstatt und ihre Beschäftigten, aber zum Beispiel auch die Arbeitsumgebung berücksichtigen.

„Ich bin froh, dass wir nun wieder ein Stück Normalität ermöglichen können. Menschen brauchen vertraute Kontakte und Gespräche“, so Minister Laumann. „Und ich bin auch sehr erfreut, dass über unser Vorgehen mit den gesundheitspolitischen Sprechern im Landtag ein Einvernehmen besteht.“
Quelle: https://www.mags.nrw/pressemitteilung/a ... -eingliede

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Foto: Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesund und Soziales NRW

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Dazu passt die nachfolgende Pressemitteilung der Hochschule für Gesundheit in Bochum:

Hochschule für Gesundheit in Bochum

Schutz vor Infektion und vor sozialer Isolation


Unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Zimmermann von der Hochschule für Gesundheit in Bochum hat ein interdisziplinäres Expertengremium 'Handlungsempfehlungen zum Schutz vor Infektion und vor sozialer Isolation von Menschen mit Pflegebedürftigkeit und Teilhabebeeinträchtigungen in einer Exit-Strategie‘ vorgelegt. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen hatte die Empfehlungen beauftragt und am 5. Mai 2020 veröffentlicht.

In einem Ad-hoc-Papier vom 24. April 2020 haben zehn Expert*innen unter der Federführung von Dr. Markus Zimmermann, Professor für pflegerische Versorgungsforschung an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum), in einer interdisziplinären Expertise ‚Handlungsempfehlungen zum Schutz vor Infektion und vor sozialer Isolation von Menschen mit Pflegebedürftigkeit und Teilhabebeeinträchtigungen in einer Exit-Strategie‘ gegeben. Das NRW-Gesundheitsministerium hatte die Empfehlungen in Auftrag gegeben.

Die interdisziplinäre Expert*innengruppe betonte, dass eine fortgesetzte Kontaktsperre bei pflegebedürftigen Menschen sowie Menschen mit Beeinträchtigung oder Behinderung unter Umständen zu einem größeren Schaden führen könne, als es das Risiko einer COVID-19-Infektion mit sich bringe. Abhängig von der Möglichkeit der kognitiven Verarbeitung oder der Situation der Menschen könne das Ausbleiben von Besuchen Apathie, Depressionen und Suizidgedanken entstehen oder zunehmen lassen, heißt es in dem Papier.

Aus medizinisch-infektiologischer, aus epidemiologischer, rechtlicher, pflege- und rehabilitationswissenschaftlicher, ethischer und ökonomischer Perspektive sowohl der Wissenschaft als auch der am Versorgungsgeschehen Beteiligten wird in dem Papier die Frage geprüft, ob und unter welchen Bedingungen soziale Kontakte mit An- und Zugehörigen während der anhaltenden COVID-19-Epidemie ermöglicht werden könnten, um damit eine soziale Isolierung der Menschen mit Pflegebedürftigkeit und Teilhabebeeinträchtigung aufzuheben oder zu kompensieren.

Zunächst seien die Empfehlungen für Alten- und Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen und für den öffentlichen Gesundheitsdienst des Robert Koch-Instituts (RKI) zu erfüllen, die verhindern sollen, dass Coronaviren in die Einrichtungen hineingetragen werden. „Schon jetzt können die Einrichtungsleitungen ja laut der gültigen Coronaschutzverordnung Besuche innerhalb der Wohnbereiche in Ausnahmen unter Schutzmaßnahmen und nach Hygieneunterweisung zulassen, wenn es rechtlich erforderlich, medizinisch oder ethisch-sozial geboten ist“, erklärte Markus Zimmermann und fügte hinzu, dass „das Ausbleiben der Besuche und Kontakte mit elementaren Bezugspersonen in manchen Fällen nicht zu verantworten ist“.

Die Expert*innen weisen darauf hin, dass die Ausstattung mit Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung sowie die Ausbildung in der Anwendung von Schutzmaßnahmen in vielen Einrichtungen begrenzt ist. Diese bestehenden Defizite müssten „so rasch als möglich ausgeglichen werden“. Zudem benötige die Umsetzung der RKI-Empfehlungen die Schulung von Mitarbeiter*innen in den Einrichtungen.

Die Corona-Pandemie habe zu einer sozialen Isolierung von Menschen mit Pflegebedürftigkeit und Teilhabebeeinträchtigung geführt, heißt es in dem Gutachten. Diese sozialen Kontakte seien jedoch für ältere und pflegebedürftige Menschen, für Menschen mit chronischen Krankheiten oder Beeinträchtigungen existenziell. Vielfach seien soziale Kontakte der zentrale Lebensinhalt im Tagesablauf der Bewohner*innen. Daher müssten Überlegungen angestellt werden, wie nach Beendigung von allgemeinen Kontaktsperren in der Bevölkerung trotz des erhöhten Infektionsrisikos und des Risikos von schwierigen Verläufen im Falle einer Erkrankung Kontakte ermöglicht werden können.

Die Expert*innen weisen darauf hin, dass Menschen, die in sozialen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen leben, bislang deutlich seltener Zugang zu digitalen Medien und deshalb weniger Möglichkeiten haben, ihre sozialen Kontakte virtuell zu pflegen.

Laut Empfehlung müssen für die Bewohner*innen soziale Kontakte von außen und auch nach außen mit den notwendigen Vorkehrungen der Hygiene und geeigneter Schutzvorkehrungen ermöglicht und deshalb die rechtlichen Grundlagen entsprechend angepasst werden. Zentrale Voraussetzung für ein gesteuertes Besuchsrecht ist ein differenziertes und transparentes Kommunikations- und Informationsmanagement in den Einrichtungen unter Mitwirkung der Bewohnerbeiräte.

Zum Schutz der Pflegenden und Betreuer*innen sowie zum Schutz der Mitbewohner*innen müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Vorgaben des Infektionsschutzes gewahrt werden.

Besuche von außerhalb können laut Empfehlung in den Außenanlagen der Einrichtungen oder speziellen Besuchsräumen mit geringerem Risiko organisiert werden. Vorstellbar sind abtrennbare Areale oder abgegrenzte Einheiten wie beispielsweise Lauben oder temporäre Besuchshäuser, -container oder eigens errichtete Zelte.

Beruflich Pflegende und pflegende An- und Zugehörige müssen sich und die pflegebedürftige Person bei der Versorgung entsprechend schützen können. Zimmermann: „Dafür werden ausreichend Schutzmaterialien wie Einmalhandschuhe, Mund-Nasenschutz und Einmalkittel benötigt. Auch für Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, empfehlen wir einen bevorzugten Zugang zu Mund-Nasenschutzmasken oder höherwertigen Schutzmasken.“

Aus Sicht der Expert*innen sollte es eine zentrale Notrufnummer geben, damit in Notfällen der Rettungsdienst die Verantwortung für die weitere Versorgung von pflegebedürftigen Personen übernehmen könne, sobald die Pflege- oder Betreuungsperson an COVID-19 erkrankt. Es sollten zudem lokale Pools mit erfahrenen Pflegepersonen aufgebaut werden, die als Freiwillige in Notsituationen zur Verfügung stehen und kurzfristig eingesetzt werden können. „Die Koordination und Notfallnummer könnte aus unserer Sicht zum Beispiel bei der Pflege- und Wohnberatung der Kommunen oder der Kreise verankert werden“, erklärte Zimmermann.

Als besondere Regelung führt das Papier den Ratschlag auf, dass vorhandene Patientenverfügungen im Hinblick auf den Wunsch nach intensivmedizinischer Behandlung geprüft werden sollten. Im Falle fehlender Patientenverfügungen sollten Bewohner*innen und Betreuer*innen darauf angesprochen werden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Markus Zimmermann, Professor für pflegerische Versorgungsforschung an der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum), Mail: markus.zimmermann(at)hs-gesundheit.de





Quelle: Pressemitteilung vom 05.05.2020
Dr. Christiane Krüger Pressestelle
Hochschule für Gesundheit
https://idw-online.de/de/news746887
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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WernerSchell
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Heim-Besuchsverbote gelockert = große logistische Herausforderungen

Beitrag von WernerSchell » 09.05.2020, 06:10

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DBfK Südost e.V.

Einrichtungen vor großen logistischen Herausforderungen

DBfK warnt vor zu schneller Öffnung der stationären Langzeitpflege für Besucher/innen / Mehr Schutzausrüstungen, mehr Pflegefachpersonen, mehr Tests und eine einheitliche Besuchsregelung gefordert

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Die Lockerung der Besuchsregelungen vom kommenden Wochenende an – so wünschenswert diese sind – stellt die stationäre Landzeitpflege vor große logistische Herausforderungen: „Es ist niemand darauf vorbereitet, wenn neben 100 Bewohnerinnen und Bewohnern noch 100 Angehörige eine Einrichtung aufsuchen. Schon alleine der Schutz der Bewohner/innen stellt die Pflegenden derzeit vor große Hürden“, warnt Dr. Marliese Biederbeck, Geschäftsführerin des DBfK Südost e.V. Die Bandbreite an Herausforderungen ist im Zuge der Lockerungen groß: Neben der strikten Einhaltung des Hygienekonzeptes müssen Pflegende Bewohner/innen und Angehörige, die sich lange nicht gesehen haben und sich nun nur auf Distanz begegnen dürfen, auch emotional begleiten. Viele Einrichtungen fühlen sich alleine gelassen. „Damit die Einrichtungen mehr Sicherheit im Umgang mit den Besuchsregeln bekommen, fordern wir von der Politik ein Konzept zur schrittweisen Öffnung der Heime. Dies ermöglicht eine nachhaltige, gute Planung und Vorbereitung. Ein Überrumpelungsmanöver ist wenig hilfreich“, so Dr. Biederbeck weiter.

Grundvoraussetzung sei, dass es überall und für jeden eine geeignete persönliche Schutzausrüstung gibt, das sei bislang nicht der Fall. „Der Mangel an Schutzausrüstung ist nach wie vor ein riesiges Problem, von einer Entwarnung kann keine Rede sein“, so Dr. Biederbeck.

Maske und Mindestabstand, möglichst im Freien lauten die wagen Vorgaben seitens der Politik – die mögliche Tragweite dieser Lockerungen ist offenbar nicht bedacht worden. Der DBfK als Vertreter der professionellen Pflege ist in großer Sorge und warnt vor ernsthaften Konsequenzen. Oberstes Gebot bleibt, Menschen zu schützen und das Gesundheitssystem und damit die Berufsgruppen im Gesundheitswesen nicht zu überfordern. Der logistische Aufwand für die Registrierung und Einweisung der Besucherinnen und Besucher ist enorm und bindet zusätzliches Personal, das in den Einrichtungen aber oftmals nicht vorhanden ist. Hier zeigt sich erneut die unauflösbare Misere eines auf Effizienz getrimmten Pflegewesens. Das Infektionsgeschehen in den Pflegeeinrichtungen hat in den letzten Wochen gezeigt, welche fatalen Konsequenzen daraus entstehen können.

Nicht zuletzt müssen die Einrichtungen über ausreichend gut qualifizierte Pflegefachpersonen verfügen: Die geforderte strikte Einhaltung von Hygieneregeln ist nur möglich, wenn ausreichend qualifiziertes Personal pro Schicht eingeplant ist, das in der Lage ist, die Schutzvorkehrungen zu treffen und damit die Hygienestandards genau einzuhalten. Auch und ganz besonders in den Pflegeeinrichtungen gilt, Kontakte auf ein möglichst geringes Maß zu beschränken: Je kleiner die Zahl der pflegebedürftigen Menschen ist, die eine Pflegefachperson pflegt, desto geringer ist die Infektionsgefahr.

In diesem Zusammenhang muss auch die regelmäßige Testung der Bewohner/innen und des Personals, vor allem aber die zügige Mitteilung des Testergebnisses (innerhalb von 24 Stunden), gewährleistet sein. Das ist ebenfalls noch ein Manko.

Quelle: Pressemitteilung vom 07.05.2020
Sabine Karg
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe | DBfK Südost e.V. | Edelsbergstraße 6 | 80686 München
Telefon: 089-179970-23 | Mobil: 0176 43996058 | Fax: 089-1785647 | s.karg@dbfk.de | www.dbfk.de | www.facebook.com/dbfk.suedost



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Dazu ergeben sich von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk folgende Anmerkungen:

Ich sehe mit dem DBfK e.V. die Lockerungen der Besuchsverbote für die Pflegeeinrichtungen für sehr problematisch an. Darauf habe ich bereits in verschiedenen Statements aufmerksam gemacht. Es gibt viele Gründe, die zu erheblichen Bedenken Anlass geben. Den erforderlichen Schutz vor Infektionen der meist älteren und vorerkrankten HeimbewohnerInnen (= Personen mit höchstem Risiko) und Pflegekräfte sehe ich nicht als ausreichend gewährleistet an.
Es ist im Übrigen zu bedenken, dass die bisherigen Pflege-Stellenschlüssel für eine angemessene Versorgung der BewohnerInnen keine Grundlage bieten konnten. Daher wurde folgerichtig immer wieder über entsprechende Mängel berichtet und es mussten entsprechende Aufbesserungen eingefordert werden (siehe u.a. unter > viewtopic.php?f=3&t=23544 ).
Das seit Monaten im BMG vorliegende Rothgang-Gutachten sieht einen zusätzlichen Dienstkräftebedarf von 36% vor und liegt damit weit über dem von hier mit 20% angenommenen Stellenplus. Hierdurch wird die Personalmisere noch einmal zusätzlich verdeutlicht (siehe u.a. unter > viewtopic.php?f=3&t=23508 )
Und jetzt sollen die personell total unterbesetzten Pflegeeinrichtungen auch noch sicherstellen, dass bei den anstehenden Besucherströmen Infektionen durch entsprechende Sicherungsmaßnahmen tunlichst ausgeschlossen werden. Das halte ich unter den gegebenen Umständen für nicht machbar mit der Folge, dass mit gehäuften Corona-Infektionsausbrüchen in den Heimen zu rechnen ist. Dabei will ich das Bemühen einzelner Einrichtungen um möglichst sichere Besuchsvoraussetzungen nicht infrage stellen. Bei einer Betrachtung der Gesamtsituation in Deutschlands Pflegeheimen kann das aber die Sorge bezüglich der genannten Gefährdungslage nicht wirklich schmälern. - Werner Schell
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WernerSchell
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Coronavirus - Schutz der Heimbewohnerinnen und Pflegekräfte mängelbehaftet ...

Beitrag von WernerSchell » 16.05.2020, 16:42

"Die Politik hat die Möglichkeiten, Menschen, die in Pflegeheimen leben und arbeiten, konsequent und von Beginn an vor dem Corronavirus zu schützen, versäumt."
Zwischenruf von Patrick Weiss in CAREkonkret, 15.05.2020

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Die Medien haben lebhaft zur Besuchslockerung in den Pflegeeinrichtungen berichtet, zum Teil sehr kritisch. U.a. berichtete die Rheinische Post am 16.05.2020 wie folgt:

Kritik an NRW-Regierung:
„Der Druck wurde auf die Träger und Pflegeheime abgewälzt“

Düsseldorf Seit Samstag dürfen Pflegeheim-Bewohner in Nordrhein-Westfalen wieder Besuch bekommen. Den Trägern zufolge hielt sich der Andrang in Grenzen, Angehörige zeigten meist Verständnis. Es gibt aber auch Kritik.
Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Nordrhein-Westfalen kritisiert die Landesregierung für die Wiedereröffnung der Pflegeheime am vergangenen Samstag.
„Es ist verantwortungslos, wenn der Gesundheitsminister den Angehörigen zum Muttertag Besuche verspricht, sich aber in keiner Weise um die Umsetzung kümmert“,
sagt Sprecherin Katrin Mormann. „Dieser Druck wurde einfach auf die Träger und vor allem auf Einrichtungen abgewälzt.“ Die gelockerten Besuchsmöglichkeiten seit dem vergangenen Wochenende funktionierten nur wegen der guten Vorbereitung der Einrichtungen.
… (weiter lesen unter) …. > https://rp-online.de/panorama/coronavir ... d-51105303
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Lockerungen des Besuchsverbotes in Alten- und Pflegeheimen unzureichend umgesetzt

Beitrag von WernerSchell » 22.05.2020, 17:16

Lockerungen des Besuchsverbotes in Alten- und Pflegeheimen unzureichend umgesetzt

Bonn. Die Petition des BIVA-Pflegeschutzbundes e.V. zur Lockerung der Besuchsverbote hat Wirkung gezeigt. „Mit Enttäuschung müssen wir jetzt allerdings feststellen, dass die Umsetzung in vielen Einrichtungen nicht oder völlig unzureichend erfolgt“, sagt Dr. Manfred Stegger, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins. „Viele Bewohnerinnen und Bewohner leiden weiterhin unter den emotionalen und körperlichen Folgen sozialer Isolation.“

Täglich erreichen die Rechtsberater des BIVA-Pflegeschutzbundes erschütternde Anrufe und E-Mails mit Klagen über die für viele immer noch schwer erträglichen Zustände in vielen Einrichtungen: Besuchsumstände, die „Gefängnisbesuchen“ ähneln oder für Hörgeschädigte oder Demenzerkrankten nicht geeignet sind. Privatsphäre ist unmöglich. Besuchszeiten sind selbst für weit angereiste Angehörige auf wenige Minuten beschränkt. Die Anzahl der Besucher ist aus Sicht der Betroffenen willkürlich begrenzt. Bettlägerigen und sehr pflegebedürftigen Menschen können Angehörige aufgrund von Abstandsregeln nicht helfend zur Seite stehen. Oftmals wird der Besuch gänzlich verweigert mit dem Hinweis, dass noch kein Hygienekonzept vorliege. Das sind nur einige der häufigsten Beschwerden.

Der BIVA-Pflegeschutzbund stellt daher die dringende Forderung, endlich verbindliche Vorgaben und Fristen für die Erstellung von bedarfsgerechten Besuchs- und Hygienekonzepten zu erlassen. Diese Konzepte müssen von den Aufsichtsbehörden überprüft und sollten für jeden zugänglich, z.B. auf der Internetseite der Einrichtungen, veröffentlicht werden. Nur wenn den Heimen klare Handlungsanweisungen an die Hand gegeben und Fristen gesetzt werden, können Unsicherheiten und damit willkürliche und oftmals unnötige Härten vermieden werden.

Mit Hilfe einer bundesweiten Umfrage sammelt der BIVA-Pflegeschutzbund derzeit weitere Erfahrungen von Menschen mit den jetzt geltenden Besuchsregeln (https://de.surveymonkey.com/r/KQ5G7CW). Erste Ergebnisse zeigen bereits, dass Angehörige, die Zutritt in die Einrichtungen erhalten haben, nicht selten einen schlechten Allgemeinzustand der Bewohner feststellen, was auf die verringerte Betreuungs- und Pflegeleistung zurückzuführen ist. Stegger sieht dies im Zusammenhang mit den ausbleibenden Besuchen, die in den Einrichtungen stets sowohl eine kontrollierende als auch sehr häufig eine aktiv unterstützende Funktion haben. „Länder und regionale Aufsichtsbehörden müssen hier schnellstens handeln, um die gesetzlich vereinbarten Besuchserleichterungen für alle Bewohnerinnen und Bewohner umzusetzen und die negativen Folgen der Isolation zu beenden“, sagt Stegger.
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Der BIVA-Pflegeschutzbund vertritt seit 1974 bundesweit die Interessen von Menschen, die im Alter Wohn- und Pflegeangebote in Anspruch nehmen. Der BIVA-Pflegeschutzbund ist gemeinnützig, konfessionell ungebunden und überparteilich. BIVA ist die Abkürzung für Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen e.V.
Ansprechpartner: Annette Stegger; Dr. David Kröll

Quelle: Pressemitteilung vom 22.05.2020
BIVA e.V. - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Siebenmorgenweg 6-8 | 53229 Bonn | Telefon: 0228-909048-16 | Fax: 0228-909048-22
pm.kroell@biva.de | www.biva.de | www.facebook.com/biva.de
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Besuche in Pflegeheimen: Einrichtungen brauchen klare Vorgaben und mehr Unterstützung

Beitrag von WernerSchell » 26.05.2020, 13:31

Besuche in Pflegeheimen: Einrichtungen brauchen klare Vorgaben und mehr Unterstützung

Die BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen hat die Landesregierungen dazu aufgerufen, mit klaren Vorgaben Besuche von Angehörigen in allen Pflegeeinrichtungen zu ermöglichen. Rückmeldungen von Betroffenen zeigen, dass sich trotz der von Bund und Ländern angekündigten Lockerungen die Situation für die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Angehörigen nicht entscheidend verbessert hat. Vielfach sind Besuche nur einmal in der Woche und für eine Dauer von 30 bis 60 Minuten möglich, Angehörige und Bewohner bleiben durch eine Plexiglasscheibe getrennt.

„Es ist auch nicht zu akzeptieren, dass mobile Bewohnerinnen und Bewohnern daran gehindert werden, sich frei zu bewegen und die Einrichtungen auch mal zu verlassen“, so BAGSO-Vorsitzender Franz Müntefering. „Die Entscheidung über solche gravierenden Freiheitseinschränkungen kann nicht von den Einrichtungen getroffen werden.“

Die BAGSO fordert, dass für Angehörige, die bei pflegerischen Aufgaben unterstützen, tägliche Besuche mit ausreichender Zeitdauer möglich gemacht werden. Die vom Bundesgesundheitsminister angekündigten präventiven Tests in Pflegeheimen müssen kurzfristig durchgeführt werden. Die Einrichtungen benötigen zudem finanzielle und personelle Unterstützung, um ihren Aufgaben in der Corona-Pandemie gerecht werden zu können.


Zur Stellungnahme "Besuche in Pflegeheimen: Einrichtungen brauchen klare Vorgaben und mehr Unterstützung" >>> https://www.bagso.de/fileadmin/user_upl ... ona....pdf

Über die BAGSO
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen vertritt über ihre 120 Mitgliedsorganisationen viele Millionen ältere Menschen in Deutschland. Mit ihren Publikationen und Veranstaltungen – dazu gehören auch die alle drei Jahre stattfindenden Deutschen Seniorentage – wirbt die BAGSO für ein möglichst gesundes, aktives und engagiertes Älterwerden.


Quelle: Pressemitteilung vom 26.05.2020
Kontakt
Barbara Stupp
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V
Noeggerathstr. 49
53111 Bonn
Tel.: 0228 24 99 93 12
www.bagso.de
www.facebook.com/bagso.de
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Kreisdirektor Dirk Brügge zu Besuche in Pflegeeinrichtungen:„Sicherheit der Heim-Bewohner steht an erster Stelle“

Beitrag von WernerSchell » 29.05.2020, 14:36

Rhein-Kreis Neuss
PRESSEMITTEILUNG NR. 379/2020
Datum: 29.5.2020


Kreisdirektor Dirk Brügge zu Besuche in Pflegeeinrichtungen:
„Sicherheit der Heim-Bewohner steht an erster Stelle“


Rhein-Kreis Neuss. Seit dem 10. Mai sind wieder Besucher in Pflegeeinrichtungen möglich. Alle Einrichtungen im Kreis haben auf Basis der Richtlinien des Robert-Koch-Instituts ein Besuchskonzept erstellt und dieses mit der Wohn- und Teilhabegesetz (WTG)-Behörde des Rhein-Kreises Neuss abgestimmt. Kreisdirektor und Sozialdezernent Dirk Brügge berichtet, dass die WTG-Behörde des Kreissozialamtes die Pflegeeinrichtungen bei der Umsetzung der Besuchsregelung unterstützt. Gleichzeitig wirbt er um Verständnis für die Situation in den Einrichtungen: „Angehörige verstehen häufig nicht, dass die Besuche mit großem organisatorischem Aufwand verbunden sind. Die Pflegeeinrichtungen tun alles, um einerseits Besuche unter Sicherstellung des Infektionsschutzes zu ermöglichen und andererseits den Regelbetrieb aufrecht zu erhalten.“ Sicher sei der Wunsch, die Angehörigen regelmäßig wiederzusehen, groß, doch stehe die Sicherheit der Heim-Bewohner an erster Stelle.

Kreisdirektor Dirk Brügge betont: „Besuche sind nur möglich, wenn sich alle an die Regeln halten.“ Er erinnert daran, dass maximal ein Besuch pro Bewohner mit maximal zwei Angehörigen am Tag möglich ist. Besucher müssen sich registrieren und einem Kurz-Screening unterziehen. Die Besuche finden in speziellen Bereichen unter hohen Schutz- und Hygieneanforderungen statt, und die Einrichtung kann die Dauer der Besuche zeitlich begrenzen. Wenn die Einrichtungsleitung Spaziergänge erlaubt, dürfen die Bewohner die Einrichtung auch kurzfristig verlassen – allerdings nur unter Beachtung der bekannten Hygiene- und Abstandsregelungen.

Damit die Besuche reibungslos funktionieren können, sind die Mitarbeiter in den Pflegeeinrichtungen auf die Unterstützung und das Verständnis der Angehörigen angewiesen. Wer sich vor seinem Besuch mit der Einrichtung in Verbindung setzt, sorgt mit dafür, dass die Vorgaben von Land, Gesundheitsamt und Heimaufsicht eingehalten werden können und alle gesund bleiben. „Wir befinden uns immer noch in Corona-Zeiten, und es gibt leider noch keinen Grund zur Entwarnung. Deshalb müssen wir alle achtsam bleiben“, erinnert Brügge.

Petra Koch
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Impressum:

Rhein-Kreis Neuss
Der Landrat
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ZS5.2 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Email: Presse@rhein-kreis-neuss.de
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http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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