Diabetes - Frühzeitige und gezielte Vorsorge macht Sinn

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Diabetiker mit Adipositas - Die Mühen des Abspeckens lohnen sich!

Beitrag von WernerSchell » 23.04.2019, 06:23

Ärzte Zeitung vom 23.04.2019:
Diabetiker mit Adipositas
Die Mühen des Abspeckens lohnen sich!

Adipositas hat von allen bekannten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes den stärksten negativen Effekt. Wer sehr viel abnimmt, kann es sogar schaffen, dass der Diabetes verschwindet. ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
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Diabetes - Bei Adipositas ist radikales Abnehmen hilfreich

Beitrag von WernerSchell » 24.05.2019, 06:25

Ist Diabetes heilbar?
Sie steigt und steigt – die Zahl der Menschen, die in Deutschland an Typ 2 Diabetes leiden. Im Jahr 2040 sollen es bis zu 12 Millionen sein. Und bislang gilt Diabetes als nicht heilbar. Jetzt zeigt eine britische Studie mit 300 Teilnehmern, dass radikales Abnehmen das ändern könnte. Nach einem Gewichtsverlust von 15 Kilo und mehr, war bei den meisten Studienteilnehmern der Blutzuckerspiegel wieder normal und sie mussten keine Diabetesmedikamente mehr nehmen. Die Quote lag bei 85 Prozent nach einem Jahr. Im zweiten Jahr sank sie auf knapp 30 Prozent. Von Heilung wollen die Wissenschaftler daher nicht sprechen. Aber die Studie zeigt, wie groß der Einfluss von Übergewicht auf die Krankheit ist. Quarks-Reporterin Christina Sartori über Diäten und andere Behandlungen bei Diabetes | audio > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... r-100.html

Mehr:
"Macht Zucker krank?" ein Quarks-Beitrag vom 08.12.2015 | video > https://www1.wdr.de/mediathek/video/sen ... k-100.html
"Digitale Strategien gegen Diabetes" ein WDR 5 Quarks-Beitrag vom 12.11.2018 | audio > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... s-100.html

Quelle: Mitteilung vom 23.05.2019
Quarks-Team - quarks@wdr.de
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Diabetes-Prävention - Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Beitrag von WernerSchell » 27.05.2019, 06:13

Ärzte Zeitung vom 27.05.2019
Diabetes-Prävention
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Ein Diabetes-Früherkennungsprogramm erweist sich als zielführend. Allerdings ist das Interesse der niedergelassenen Ärzte zum Teil eher moderat, so das Zwischenfazit der Testläufe in Hessen und Schleswig-Holstein. ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
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Zwischenbilanz zum Aufbau der nationalen Diabetes-Surveillance am RKI

Beitrag von WernerSchell » 27.06.2019, 09:05

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Neue Ausgabe des Journal of Health Monitoring: Zwischenbilanz zum Aufbau der nationalen Diabetes-Surveillance am RKI

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Hat sich die Früherkennung von Diabetes mellitus verbessert? Wie entwickelt sich die Zahl der Diabetespatienten in den kommenden 25 Jahren? Welches Potenzial haben Daten von Geokodierungsdiensten, um das Diabetesrisiko besser einschätzen zu können? Neue Ergebnisse und Perspektiven der Diabetes-Surveillance sind das Schwerpunkthema der aktuellen Ausgabe des Journal of Health Monitoring 2/2019. Surveillance (Überwachung) bedeutet im Public-Health-Kontext die systematische und fortlaufende Erhebung, Zusammenführung und Analyse von Gesundheitsdaten.

„Diabetes steht mittlerweile als eine der weltweit häufigsten chronischen Krankheiten im Fokus internationaler Aktionspläne“, sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). „Eine nationale Diabetes-Surveillance ist daher als Grundlage für fundierte Entscheidungen der Politik, aber auch für Forschung und Praxis unverzichtbar“, unterstreicht Wieler. Typ-1-Diabetes tritt meist schon im Kindesalter auf. Typ 2 dominiert das Diabetesgeschehen im Erwachsenenalter, wichtige Risikofaktoren sind neben genetischen Faktoren vor allem ein höheres Lebensalter und vermeidbare Gesundheitsrisiken wie Adipositas, körperliche Inaktivität und Tabakkonsum. In Deutschland haben 9,2 % der Erwachsenen Diabetes (7,2 % bekannter Diabetes und 2,0 % unerkannter Diabetes).

Daten aus dem RKI-Gesundheitsmonitoring zeigen, dass Diabetes in der niedrigen Bildungsgruppe häufiger ist als in höheren Bildungsgruppen. „Hier liegt eine große Herausforderung für Gesundheitsförderung und Primärversorgung“, unterstreicht Wieler. Abgenommen hat über alle Bildungsgruppen die Häufigkeit des unerkannten Diabetes, bei vergleichsweise konstanter Gesamtzahl. Dies werten die RKI-Wissenschaftler als möglichen Hinweis auf eine verbesserte Früherkennung.

Bislang fehlten in Deutschland standardisierte, über die Zeit vergleichbare Schätzungen zu Häufigkeit (Prävalenz) und Neuerkrankungsrate (Inzidenz) von Typ-1-Diabetes bei Erwachsenen und Gesamtschätzungen über alle Altersgruppen. Für Typ-1-Diabetes ergab eine aktuelle Schätzung die Gesamtzahl von 341.000 Erwachsenen für das Jahr 2016. Typ-2-Diabetes ist bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland mit knapp 760 Personen im Jahre 2016 nach wie vor eine seltene Erkrankung.

Das RKI hat auch Projekte gefördert, um Datenquellen hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit und Nutzbarkeit für die Surveillance zu überprüfen. Auf Basis der Fallpauschalenbezogenen Krankenhausstatistik (DRG-Statistik) wurden zum Beispiel Trends bei Amputationen ausgewertet. Der festgestellte Rückgang ist möglicherweise zum Teil auf eine Verbesserung der Versorgung von Diabetespatienten zurückzuführen. Im Jahr 2016 waren bei Erwachsenen in Deutschland fast 8.000 Amputationen bei Diabetes zu verzeichnen. Amputationen der unteren Extremität gelten als potenziell vermeidbar, da Diabetes bei angemessener Versorgung gut kontrolliert werden kann.

Auf Basis von Daten nach der Datentransparenzverordnung wurde hochgerechnet, dass die Anzahl von Personen mit Diabetes von 2015 bis 2040 allein aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung relativ gesehen um etwa 21 % steigt. Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren liegen die Schätzungen noch weit höher.

Weitere Informationen: http://www.rki.de/journalhealthmonitoring
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Herausgeber
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Ihr gutes Recht: Reha-Maßnahme bei Diabetes Typ 2 – so geht’s!

Beitrag von WernerSchell » 22.07.2019, 09:10

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Ihr gutes Recht: Reha-Maßnahme bei Diabetes Typ 2 – so geht’s!

Sie wissen nicht, wie Sie am Arbeitsplatz mit Ihrer Diabeteserkrankung umgehen sollen? Sie bekommen Ihren Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c nicht in den Griff oder leiden zusätzlich unter Depressionen? Sie müssten dringend abnehmen, sich mehr bewegen und gesund ernähren? Dann könnte eine medizinische Rehabilitation die richtige Maßnahme für Sie sein. Was bei der Antragstellung zu beachten ist, erklären Experten.

Fast sieben Millionen Menschen sind in Deutschland an Diabetes mellitus erkrankt, 90 Prozent davon an Diabetes Typ 2. Dass diesen Patientinnen und Patienten grundsätzlich die Möglichkeit offensteht, auf sachkundige Unterstützung in Form einer Reha-Maßnahme zurückzugreifen, wissen viele nicht. Denn Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung, die einen Reha-Bedarf begründen kann. Hier ein Überblick über die wichtigsten Fakten:

Wann eine Reha in Frage kommt
Bei der Behandlung des Diabetes steht die Hilfe zur Selbsthilfe im Mittelpunkt – die Betroffenen sollen befähigt werden, ihre Erkrankung so zu managen, dass ihre Lebensqualität nicht beeinträchtigt ist. „Ist jedoch die Stoffwechseleinstellung auf Dauer unzureichend, sind Erwerbsfähigkeit und Selbstständigkeit des Patienten gefährdet“, erläutert Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Zu den drei „harten“ Kriterien, die einen dringenden Reha-Bedarf begründen, zählen daher schlechte Stoffwechseleinstellungen mit erhöhtem HbA1c-Wert, häufige Unterzuckerungen in der Vergangenheit und arbeitsplatzbedingte Probleme im Umgang mit der Erkrankung. „Liegen bereits Begleit- oder Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder diabetesbedingte Schädigungen der Augen, Nerven oder Nieren vor, ist der Bedarf umso höher“, sagt Stephan Ohlf vom Vorstand des Bundesverbandes Klinischer Diabetes-Einrichtungen e.V. (BVKD). Hinzu kommen weitere Kriterien, die neben Übergewicht, Bluthochdruck oder Depression auch Lebensstilfaktoren einschließen (siehe Kasten).

Darüber hinaus besteht nach akuter Behandlung in einer Klinik die Möglichkeit eines beschleunigten Antragsverfahrens im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung (AHB). „In diesem Fall muss der Antrag durch das Akutkrankenhaus gestellt werden“, erklärt Ohlf. Der Verwaltungsleiter der Eleonoren-Klinik der Deutschen Rentenversicherung Hessen fügt hinzu: „Jede akutmedizinische Krankenhausbehandlung, die durch die Diabeteserkrankung erforderlich ist, stellt in sich eine AHB-Indikation dar.“ Im Regelfall beginnt die Maßnahme innerhalb von 14 Tagen nach Entlassung.

Der Weg zum Antrag
Üblicherweise ist der erste Ansprechpartner der behandelnde Arzt. „Er erstellt ein Gutachten, das unter anderem den Bedarf und die Aussichten der Reha begründet“, so Siegel. Der Arzt kann den Antrag an den zuständigen Kostenträger weiterleiten. Bei Berufstätigen ist es die Gesetzliche Rentenversicherung, bei Rentnern die Krankenkasse. „Bei der Klinikwahl für eine stationäre und ambulante Reha können die Patienten zudem ihre persönlichen Wünsche einbringen“, erläutert Siegel.

Was in der Reha passiert
Eine Reha dauert mindestens drei Wochen und kann stationär oder ambulant erfolgen. „Ein besonderes Merkmal der medizinischen Rehabilitation ist der fächerübergreifende Therapieansatz, die Behandlung in einem multidisziplinären Team“, erläutert Siegel. Das bedeutet: Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen, Physiotherapeuten, Diabetesberaterinnen, Diätassistentinnen und Sozialarbeiter arbeiten zusammen. „In vielen Kliniken können dazu auch noch andere gesundheitliche Probleme etwa an Wirbelsäule, Hüfte oder Knie mitbehandelt werden“, fügt der DDG Experte hinzu.

Die zweite Besonderheit ist die Intensität. „Eine Reha-Maßnahme gibt genügend Zeit, Patienten auch bei schwierigen Problemlagen ausführlich zu schulen, mit neuen Medikamenten, Techniken oder Lebensstiländerungen vertraut zu machen“, so Siegel. Ob Umstellung auf Pumpentherapie, Bewegungstherapie, rasche Gewichtsreduktion, psychologische Betreuung oder Klärung diabetesbedingter beruflicher Probleme – alle diese Aspekte können mit qualifizierten Fachleuten nachhaltig bearbeitet werden.

Wie man eine Klinik findet
Die Internetseite der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) bietet einen Überblick über Kliniken, die Diabetesschwerpunkte haben: http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de, Menüpunkt „Zertifizierte Arztpraxen/Kliniken“ anklicken und Suchkriterien eingeben.

Zu den weiteren Kriterien, die einen Reha-Bedarf begründen können, zählen:

1. Übergewicht
2. Bluthochdruck
3. Fettstoffwechselstörungen
4. Bewegungsmangel
5. geringes Diabeteswissen
6. derzeit Raucher
7. vorliegende Depression
8. krankmachender Stress
9. ungesundes Ernährungsverhalten
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Jetzt bewerben für die DDG Medienpreise 2019!
Die DDG vergibt im Jahr 2019 in vier Kategorien Medienpreise, die mit insgesamt 6.000 Euro dotiert sind. Es können Print-, Fernseh- und Hörfunk sowie Online-Beiträge (Websites, Blogs oder Online-Videos) eingereicht werden, die zwischen dem 1. August 2018 und dem 31. Juli 2019 publiziert wurden. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2019. Weitere Informationen auf der DDG Webseite: https://www.deutsche-diabetes-gesellsch ... dg/medienp...
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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der fast sieben Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.
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Kontakt für Journalist/innen:
Pressestelle DDG
Kerstin Ullrich/Christina Seddig
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-641/-652, Fax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org
seddig@medizinkommunikation.org

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Geschäftsstelle
Daniela Erdtmann
Albrechtstraße 9, 10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-24, Fax: 030 3116937-20
erdtmann@ddg.info
http://www.ddg.info

Weitere Informationen:
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
http://www.ddg.info

Quelle: Pressemitteilung vom 22.07.2019
Kerstin Ullrich Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft
https://idw-online.de/de/news719592

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Diabetes: Experten stellen alarmierende Prognose (Foto: pixabay.com, Isuc)

Diabetes - Frühzeitige und gezielte Vorsorge macht Sinn
>>> http://www.wernerschell.de/forum/neu/vi ... 2&p=107850

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Siehe >>> http://www.wernerschell.de/forum/neu/vi ... =6&t=23112
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„Metabolische Entzündung“: Warum Menschen mit starkem Übergewicht häufiger an Typ-2-Diabetes erkranken

Beitrag von WernerSchell » 10.10.2019, 13:58

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„Metabolische Entzündung“: Warum Menschen mit starkem Übergewicht häufiger an Typ-2-Diabetes erkranken

Mit jedem weiteren Kilogramm Körpergewicht steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes. Insbesondere bei einem Body-Mass-Index von über 30 kg/m2 ist das Risiko sehr hoch. Die Ursache hierfür, so zeigen neuere Studien, könnten Entzündungen im Fettgewebe und eventuell auch im Appetitzentrum des Gehirns sein. Für diese Vorgänge scheinen die genetische Veranlagung, aber auch die Zusammensetzung der Darmbakterien verantwortlich zu sein. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rät Betroffenen zu individuellen Lebensstilverbesserungen, um Körperfett abzubauen.

Aber auch gesundheitspolitische Maßnahmen wie das aktuelle Vorhaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), den NutriScore als Lebensmittelkennzeichnung in Deutschland einzuführen, seien notwendig.

In Deutschland hat jeder vierte Erwachsene starkes Übergewicht. Fast jeder zehnte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einem Typ-2-Diabetes. Dass zwischen dieser Stoffwechselerkrankung und Übergewicht ein Zusammenhang besteht, steht mittlerweile außer Zweifel. Doch warum erkranken einige Menschen mit Adipositas an Diabetes, andere jedoch nicht? „Der Unterschied könnte in einer niederschwelligen Entzündungsreaktion bestehen, zu der es im Fettgewebe kommt“, erklärt DDG-Präsidentin Professor Dr. med. Monika Kellerer. Bei einigen Menschen entstünde diese Reaktion, bei anderen bliebe das Fettgewebe „unbehelligt“ und führe zu keinen weiteren Erkrankungsvorgängen.

Im ungünstigen Fall speichern die Fettzellen überschüssige Kalorien, wodurch die Abwehrzellen des Immunsystems aktiviert werden. Zunächst sind Makrophagen, später auch andere Immunzellen wie Lymphozyten nachweisbar. Im weiteren Entzündungsverlauf setzen die Abwehrzellen eine Reihe von Botenstoffen frei, die den Blutzuckerstoffwechsel stören. Das Hormon Insulin, dass die Glukose auf die Zellen verteilt, verliert allmählich seine Wirkung. Es kommt zur sogenannten Insulinresistenz. „Wir sprechen auch von einer ‚metabolischen Entzündung‘“, erklärt Professor Matthias Laudes, Leiter der Endokrinologie, Diabetologie und klinischen Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel, der zu diesem Thema forscht.

So zeigte der Kieler Forscher anhand von Aufnahmen in der Magnetresonanztomographie (MRT), dass es bei einigen Betroffenen auch im Hypothalamus zu einer Entzündung kommt.1 „Da sich in diesem wichtigen Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems auch das Appetitzentrum befindet, könnte dies vielleicht sogar das verminderte Sättigungsgefühl von Menschen mit starkem Übergewicht erklären“, vermutet Laudes. Auch Genvarianten beeinflussen die Entzündungsreaktion im Gehirn. Eine könnte bei der Entstehung der Adipositas beteiligt sein. Laudes sieht hier einen Zusammenhang mit Leptin – einem Hormon, das Fettzellen aussendet, um im Gehirn ein Sättigungsgefühl zu erzeugen. Die Entzündung rufe eventuell eine Leptin-Resistenz hervor. „Das würde bedeuten, dass der Sättigungsmechanismus bei Betroffenen nicht funktioniert. Sie essen mehr, bevor sie satt werden.“ Darüber hinaus wies Laudes in seinen Untersuchungen darauf hin, dass ein Mangel an bestimmten Darmbakterien ebenfalls mit einer vermehrten Entzündungsreaktion im Hypothalamus verbunden war.

„Weitere Studien würden zeigen, ob Probiotika die Entzündungsreaktion im Fettgewebe und im Gehirn und somit einen Diabetes Typ 2 verhindern könnten“, prognostiziert Laudes. Eine andere entzündungsvorbeugende Therapiemaßnahme könnte darin bestehen, die Botenstoffe der Immunzellen, das so genannte Interleukin 1 oder Interleukin 6, mithilfe von Antikörpern zu hemmen. „Erste Studien zeigen bereits, dass bei Patienten so der Glukosespiegel verbessert wird und dies sogar der vorzeitigen Verkalkung der Blutgefäße vorbeugt“, so Laudes.

Um den Teufelskreis aus falscher Ernährung und krankmachenden Stoffwechselprozessen zu unterbrechen, seien präventive Maßnahmen, die den Lebensstil der Betroffenen hinsichtlich Ernährung und Bewegung verbessern, weiterhin unabdingbar. „Allerdings müssen zudem gesundheitspolitische verhältnispräventive Maßnahmen greifen, die das Umfeld der Betroffenen gesünder machen und ihnen eine Veränderung erleichtern“, ergänzt Kellerer. Darunter fallen ökonomische Anreize wie Limo- und Zuckersteuern, die sich seit einigen Jahren weltweit immer mehr durchsetzen und ein verständliches Kennzeichnungssystem von Lebensmitteln wie den NutriScore, den das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aktuell in Deutschland einführen möchte.

LITERATUR:
1 Kreutzer C et al. Hypothalamic Inflammation in Human Obesity Is Mediated by Environmental and Genetic Factors. Diabetes 2017; 66: 2407-2415
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28576837

Amin, MN., How the association between obesity and inflammation may lead to insulin resistance and cancer, 2019 Mar - Apr;13(2):1213-1224. doi: 10.1016/j.dsx.2019.01.041. Epub 2019 Jan 29.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31336467

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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der fast sieben Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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bindeballe@ddg.info
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Weitere Informationen:
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Quelle: Pressemitteilung vom 10.10.2019
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