10 Regeln der DGE für eine ausgewogene Ernährung

Allgemeine Informationen zu allen relevanten Themen einschließlich interessante Nachrichten aus dem weiten Gebiet der Medizin und Heilkunde (z.B. Studien- und Forschungsergebnisse)

Moderator: WernerSchell

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 23852
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Regierung sieht keine wissenschaftliche Begründbarkeit der Zuckersteuer

Beitrag von WernerSchell » 19.08.2019, 06:06

Ärzte Zeitung vom 19.08.2019:
Kritik nach Erklärung
Regierung sieht keine wissenschaftliche Begründbarkeit der Zuckersteuer

Zuckerhaltige Softdrinks sind laut WHO eine Ursache für Adipositas und Diabetes. Die Getränke gehörten extra besteuert. Doch Deutschland ziert sich. Die Begründung mutet für Manchen kurios an. ... (weiter lesen unter) ... http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test

Anmerkung:
Es gibt ausreichend Argumente dafür, dass eine Zuckersteuer eingeführt werden muss. Alternativen zur Senkung des Zuckerverbrauchs gibt es offensichtlich nicht. Die Regierung ist mit ihrer neuen Einschätzung auf dem "Holzweg"!
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 23852
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Fischölkapseln nützen einfach nichts

Beitrag von WernerSchell » 21.08.2019, 07:02

Fischölkapseln helfen nicht

Lange galten Fischölkapseln, wegen ihrer Omega-3-Fettsäuren, als gute Vorbeugung gegen Herz-Kreislaufkrankheiten. Sie sollten Entzündungen hemmen, oder die Zellwände elastischer halten. Ursprünglich kommt diese Idee daher, dass Menschen, die viel Fisch essen – und daher eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren haben – seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Doch vielleicht liegt das gar nicht an den Fettsäuren allein, sondern auch an anderen Inhaltsstoffen im Fisch. Denn letztes Jahr kamen Studien zu dem Schluss: handelsübliche Fischölkapseln mit einem Gramm Omega-3-Fettsäuren, pro Tag eingenommen, bringen nichts. Weder gesunde Menschen, noch Diabetiker bekamen weniger Herzinfarkte, wenn sie solche Fischölkapseln nahmen. Quarks-Reporterin Antje Sieb berichtet | audio > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... t-100.html

Mehr:
"Omega-3-Kapseln: völlig überbewertet" ein quarks-Beitrag vom 05.03.2019 | quarks.de > https://www.quarks.de/gesundheit/ernaeh ... ttsaeuren/
"Omega-3-Fettsäuren helfen wenig" ein WDR 5 Quarks-Beitrag vom 18.07.2018 | audio > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... g-100.html

Quelle: Mitteilung vom 20.08.2019
Quarks-Team - quarks@wdr.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 23852
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Hohe Triglyceride - US-Experten raten zu Omega-3-Fettsäuren

Beitrag von WernerSchell » 26.08.2019, 06:05

Ärzte Zeitung online, 25.08.2019
Hohe Triglyceride
US-Experten raten zu Omega-3-Fettsäuren

Für Patienten mit einfacher Hypertriglyceridämie könnte eine Monotherapie mit Omega-3-Fettsäuren ausreichend sein, heißt es in neuen Empfehlungen der US-amerikanischen Kardiologengesellschaft.
Von Robert Bublak
DALLAS. Experten der American Heart Association (AHA) haben eine wissenschaftliche Empfehlung herausgegeben, Patienten mit Hypertriglyceridämie Omega-3-Fettsäuren zu verordnen (Circulation 2019, online 19. August).
In ihrer Empfehlung zur Behandlung von Hypertriglyceridämie mit den Fischölen Eicosapentaen- (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) unterscheiden die AHA-Experten zwischen einfach (200–499 mg/dl) und ausgeprägt erhöhten Triglyceridspiegeln (≥ 500 mg/dl).
Für Patienten mit einfacher Hypertriglyceridämie könnte demnach sogar eine Monotherapie mit Omega-3-Fettsäuren ausreichend sein. --- (weiter lesen unter) ... http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 23852
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Kinderärzte für Zuckersteuer im Kampf gegen Übergewicht

Beitrag von WernerSchell » 08.10.2019, 05:52

Deutsches Ärzteblatt vom 07.10.2019:
Kinderärzte für Zuckersteuer im Kampf gegen Übergewicht
Bad Orb – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat sich zur Vorbeugung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Heranwachsenden erneut für die Einführung einer Zuckersteuer ausgesprochen. Bei einem Blick ins Ausland zeige sich, dass... [mehr] > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/30 ... 975-pz0i4u


Ärzte Zeitung online, 08.10.2019

Lebensmitteldiscounter
Löffel-Strategie für weniger Zucker im Alltag

NECKARSULM. Eine Woche nachdem Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) verkündet hat, der Lebensmittelindustrie zeitnah die Kennzeichnung von Fertignahrungsmitteln mit dem Nutri-Score vorzuschlagen, prescht der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) vor.
Lidl hat angekündigt, am Donnerstag mit einer „nationalen Sensibilisierungskampagne zur Zuckerreduktion im Alltag“ zu starten. Hauptakteur der Kampagne ist demnach der „Lidl-Löffel“ – ein Teelöffel mit Erhebung in der Mitte, die das Fassungsvermögen des Löffels minimiert. So spart der Anwender nach Aussage des Unternehmens „automatisch 20 Prozent Zucker.“ ... (weiter lesen unter) ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test

Kinderärzte fordern
Zuckersteuer im Kampf gegen Übergewicht

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert zur Vorbeugung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Heranwachsenden die Einführung einer Zuckersteuer. ... (weiter lesen unter) ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 23852
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Zucker, Fett, Salz: Weniger ist mehr

Beitrag von WernerSchell » 15.10.2019, 16:46

Zucker, Fett, Salz: Weniger ist mehr
vzbv veröffentlicht Faktenblatt zur Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz


Über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland ist übergewichtig, fast ein Viertel fettleibig. Zu süße, zu salzige und zu fettige Lebensmittel sind ständig und überall verfügbar. Das erschwert es Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich gesund zu ernähren. Eine Strategie mit ambitionierten und verbindlichen Zielen für weniger Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Nahrungsmitteln kann zu einem ausgewogenen Lebensmittelangebot beitragen.

Die wichtigsten Informationen und Forderungen zum Thema hat der vzbv in einem zweiseitigen Faktenblatt zusammengefasst.
>> Klicken Sie hier, um das Faktenblatt direkt als pdf-Datei herunterzuladen. >> https://newsletter.vzbv.de/d/d.pdf?o00d ... u2vbtq3e30


Quelle: Pressemitteilung vom 15.10.2019
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
Pressestelle
Rudi-Dutschke-Straße 17
10969 Berlin
Tel.: (030) 25 800-525
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 23852
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Hoher Zucker-Verbrauch in Deutschland! - Zucker-Experiment in Berkenthin verdeutlicht die Probleme

Beitrag von WernerSchell » 23.10.2019, 07:02

Bild

Hoher Zucker-Verbrauch in Deutschland! - Zucker-Experiment in Berkenthin verdeutlicht die Probleme. NDR-Visite berichtete am 22.10.2019!
>>> https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/ ... en374.html


Bild
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 23852
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Britische Limo-Steuer wirkt: Zuckergehalt in Getränken sinkt um 35 Prozent - foodwatch fordert Abgabe auch für Deutschla

Beitrag von WernerSchell » 16.01.2020, 16:07

Britische Limo-Steuer wirkt: Zuckergehalt in Getränken sinkt um 35 Prozent - foodwatch fordert Abgabe auch für Deutschland

- Verbraucherorganisation: Steuer muss auch Süßstoff-Getränke umfassen
- Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse sollte im Gegenzug gesenkt werden
- Fanta in Deutschland enthält doppelt so viel Zucker wie in Großbritannien


Berlin, 16. Januar 2020. Seit der Einführung einer Limo-Steuer in Großbritannien haben britische Getränkehersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich reduziert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Oxford. Demnach enthielten sogenannte Erfrischungsgetränke 2015 im Schnitt noch 4,4 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. 2019 waren es nur noch 2,9 Gramm pro 100 Milliliter - dies entspricht einem Rückgang um etwa 35 Prozent. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker über Getränke ist in diesem Zeitraum um 30 Prozent bzw. 4,6 Gramm pro Tag gesunken. Insgesamt ist den Forschern zufolge der Absatz von den von der britischen Abgabe erfassten mittelstark und stark gezuckerten Getränken um 50 Prozent zurückgegangen. Der Verkauf von Wasser sowie zuckerfreien und zuckerarmen Getränken, die nicht von der Abgabe erfasst sind, stieg hingegen um 40 Prozent an.
"Die Limo-Steuer in Großbritannien hat zu einem Zuckersturz im Getränke-Regal geführt. In Deutschland hingegen reiht sich noch immer Zuckerbombe an Zuckerbombe. Daran hat auch die Strategie der freiwilligen Zuckerreduktion von Ernährungsministerin Julia Klöckner nichts geändert", erklärte Luise Molling von der Verbraucherorganisation foodwatch. Deutschland hinke im internationalen Vergleich weit hinterher - neben Großbritannien gingen mittlerweile etliche Staaten mit steuerlichen Anreizen aktiv gegen Fehlernährung, Fettleibigkeit und Diabetes vor, darunter Irland, Portugal, Estland, Belgien, Norwegen, Finnland und Frankreich. "Höchste Zeit, dass Julia Klöckner Getränke-Hersteller in die Pflicht nimmt. Die Ernährungsministerin muss die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger endlich über die Interessen der Lebensmittellobby stellen: Wir brauchen auch in Deutschland eine Herstellerabgabe auf überzuckerte Getränke, im Gegenzug sollten Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer befreit werden", so Luise Molling.
foodwatch kritisierte allerdings, dass die britische Limo-Steuer bisher Süßstoffe außen vor lasse. Dadurch würden einige Hersteller den Zucker durch Süßstoffe ersetzen. Rezepturänderungen sollten jedoch darauf abzielen, nicht nur den Gehalt von Zucker, sondern den Süßgeschmack insgesamt zu verringern, um der allgemeinen Süßgewöhnung insbesondere bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken. foodwatch forderte deshalb, dass eine Herstellerabgabe in Deutschland - ähnlich wie in Frankreich - auch süßstoffgesüßte Getränke mit einbezieht.
Die im März 2016 in Großbritannien verabschiedete und 2018 eingeführte Limo-Steuer sieht Abgaben für die Hersteller von Getränken vor, die mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten. Bei mehr als acht Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Bereits 2018 senkte der britische Marktführer Coca-Cola den Zuckergehalt seiner Getränke Fanta und Sprite unter die Fünf-Gramm-Marke (Fanta von 6,9 auf 4,6 Gramm und Sprite von 6,6 Gramm auf 3,3 Gramm). In Deutschland enthält Fanta noch mehr als neun und Sprite mehr als acht Gramm Zucker.
Laut einer foodwatch-Marktstudie ist in Deutschland mehr als jedes zweite Erfrischungsgetränk überzuckert. Demnach enthalten 345 von insgesamt 600 untersuchten Getränken (58 Prozent) mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter - das sind mehr als vier Zuckerwürfel pro 250-Millilter Glas. Damit hat sich der Anteil überzuckerter Getränke auf dem deutschen Markt seit einer ersten Marktstudie von foodwatch im Jahr 2016 praktisch nicht verändert. Damals enthielten 59 Prozent der Getränke mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter.
Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) bei Kindern sowie Erwachsenen haben in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Adipositas wird inzwischen als das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sprechen in diesem Zusammenhang von einer globalen "Adipositas-Epidemie". Die WHO bezeichnet zuckerhaltige Getränke als "eine der wesentlichen Ursachen". Der Konsum dieser Getränke fördert nachweislich die Entstehung von Übergewicht sowie Typ-2-Diabetes und wird zudem mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte in Verbindung gebracht.

Quellen und weiterführende Informationen
- Studie der Universität Oxford zu Zuckergetränken in Großbritannien: bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12916-019-1477-4
- Große Hersteller und Handelsketten in Großbritannien reduzieren Zuckergehalt in ihren Getränken (foodwatch-Pressemitteilung vom 27.03.2018): www.t1p.de/g6yd
- foodwatch-Marktcheck zu Erfrischungsgetränken in Deutschland (2018): www.foodwatch.org/de/aktuelle-nachricht ... erzuckert/
- Factsheet zu den Gesundheitsgefahren durch Erfrischungsgetränke: www.foodwatch.org/fileadmin/foodwatch.d ... e_2018.pdf

Quelle: Pressemitteilung vom 16.01.2020
Pressekontakt:
foodwatch e.V.
Dario Sarmadi
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 - 2 90
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 23852
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Marburger Bund fordert Zuckersteuer auf besonders süße Getränke

Beitrag von WernerSchell » 12.02.2020, 17:36

Deutsches Ärzteblatt vom 11.02.2020:
Marburger Bund fordert Zuckersteuer auf besonders süße Getränke
Osnabrück – Als Maßnahme gegen die Volkskrankheit Diabetes plädiert der Marburger Bund (MB) für eine Zuckersteuer auf besonders süße Getränke. Die Einführung einer solchen Steuer auf Softdrinks sei „das Mindeste“, was die Bundesregierung zur Bekämpfung des übermäßigen Zuckerkonsums tun könne, sagte die Vorsit¬zen¬de der Ärztegewerkschaft, Susanne Johna, der Neuen Osnabrücker Zeitung. … (mehr) … > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/32 ... 975-q5hxsa
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 23852
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Ernährung beeinflusst den Verlauf von Multipler Sklerose

Beitrag von WernerSchell » 10.03.2020, 17:19

Ernährung beeinflusst den Verlauf von Multipler Sklerose

Die kurzkettige Fettsäure Propionsäure beeinflusst die Darm-vermittelte Immunregulation bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Das hat ein Team der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im St. Josef-Hospital in einer internationalen Studie unter Leitung von Prof. Dr. Aiden Haghikia gezeigt. Die Gabe von Propionsäure zusätzlich zu MS-Medikamenten reduzierte langfristig die Schubrate und das Risiko einer Behinderungszunahme. Zudem weisen erste Kernspin-Untersuchungen im Verlauf darauf hin, dass die Propionsäure möglicherweise den Gehirnschwund als Zeichen eines Nervenzell-Untergangs reduziert. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift „Cell“ vom 10. März 2020 veröffentlicht.

Das Darm-Mikrobiom, die gesamte bakterielle Besiedlung des Darms, spielt nicht nur für den gesunden Organismus eine wichtige Rolle, sondern auch im Zusammenhang mit Erkrankungen, die auf vielen Faktoren beruhen, wie die Multiple Sklerose. Im Darm findet die Interaktion zwischen der Nahrung, den dortigen Bakterien, deren Stoffwechselprodukten und dem Immunsystem in der Darmwand statt. „So können die Darmbakterien direkt und indirekt Einfluss auf anatomisch entfernte Strukturen wie das Gehirn nehmen“, erklärt Aiden Haghikia. „Das Darm-Mikrobiom entspricht damit einem eigenständigen endokrinen Organ, das mit der Umwelt in Verbindung steht.“

Kurzkettige Fettsäuren können Entzündungsreaktionen unterdrücken

In der aktuellen Studie konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die vormals in der Zellkulturschale und im experimentellen Modell gezeigten Ergebnisse auf ihre MS-Patienten übertragen: Kurzkettige Fettsäuren wie die Propionsäure oder deren Salz Propionat führten zur vermehrten Entstehung und gesteigerten Funktion von regulatorischen Zellen des Immunsystems. „Diese Zellen beenden überschießende Entzündungsreaktionen und reduzieren im Kontext von Autoimmun-Erkrankungen wie der MS auto-immune Zellen“, so Prof. Dr. Ralf Gold, Direktor der Neurologie im St. Josef Hospital.

In ihrer Arbeit konnten die Forscherinnen und Forscher nachweisen, dass die Mikrobiom-Zusammensetzung bei MS-Betroffenen verändert ist. Darüber hinaus konnten sie erstmals einen Mangel von Propionsäure im Stuhl und Serum von MS-Patienten zeigen, die in der frühesten Phase der Erkrankung am stärksten ausgeprägt war. Dieser Nachweis gelang in Kooperation mit dem Max-Delbrück-Centrum Berlin und den Ernährungswissenschaften der Universität Halle-Wittenberg.

Beteiligung der Darm-Bakterien und der Kraftwerke der Zellen ausschlaggebend

In einer Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Bar-Ilan University in Israel, die ein Darm-Modell zur funktionellen Analyse des Mikrobioms entwickelt hatten, zeigte sich, dass die Veränderung der Funktion der Bakterien im Darm als Folge der Propionat-Gabe die entscheidende Rolle bei der Entstehung von neuen regulatorischen Zellen spielt. Zur gesteigerten Funktion dieser Zellen trägt deren verbesserte Energieverwertung durch eine veränderte Funktion der Mitochondrien bei, was das Forschungsteam in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Molekulare Zellbiologie an der Medizinischen Fakultät der RUB nachweisen konnte.

Der Darm als Ziel für therapeutische Ansätze in Zukunft

Die kurzkettigen Fettsäuren stellen nur einen Bruchteil der Stoffwechselprodukte von Darmbakterien dar, die durch die bakterielle Einwirkung aus der Nahrung entstehen. „Die weitere Erforschung dieses weitestgehend unbekannten Organs und die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden es erlauben, in Zukunft weitere innovative diätetische Maßnahmen zu den bekannten Therapeutika zu entwickeln“, so Aiden Haghikia.

Kooperationspartner

Die Studie wurde in Kooperation mit Forschungsteams der Universitäten Berlin (Max-Delbrück-Centrum), Düsseldorf (Proteomics), Erlangen (Rheumatologie), Freiburg (Neuropathologie), Halle-Wittenberg (Ernährungswissenschaften), Hattingen (Neurologie und Komplementärmedizin), Kopenhagen (Dänemark), Leipzig, Los Angeles (USA), Ramt Gan (Israel) und Regensburg (Neurologie) durchgeführt.

Förderung

Die Arbeiten wurden finanziell unterstützt unter anderen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Sonderforschungsbereichs/Transregios 128 und des Sonderforschungsbereichs 1365, der Medizinischen Fakultät der RUB im Forum-Programm, der Rose-Stiftung, dem Zentrum für Proteindiagnostik Prodi der RUB, der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft in NRW, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (INST 213/840-1 FUGG), der Israel Science Foundation (1384/18) sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (FKZ 031 A 534A).

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Aiden Haghikia
Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum
St. Josef-Hospital Bochum
Tel.: +49 234 509 2422
E-Mail: aiden.haghikia@ruhr-uni-bochum.de

Originalpublikation:
Alexander Duscha, Aiden Haghikia et al.: Propionic acid shapes multiple sclerosis disease course by immunomodulatory mechanism, in: Cell, 2020, DOI: 10.1016/j.cell.2020.02.035

Quelle: Pressemitteilung vom 10.03.2020
Arne Dessaul Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum
https://idw-online.de/de/news743052
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

Gesperrt