Mehr Operationen und medizinische Prozeduren ...

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Arthroskopie: Nur noch in wenigen Fällen GKV-Leistung

Beitrag von WernerSchell » 07.12.2015, 07:38

Arthroskopie: Nur noch in wenigen Fällen GKV-Leistung
Bei Patienten mit Kniearthrose müssen Ärzte künftig aufpassen: Eine Arthroskopie werde nicht mehr bei allen Betroffenen
von der GKV bezahlt, berichtet die KBV und verweist auf einen GBA-Beschluss.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=900 ... ose&n=4661
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Patienten als "Fallpauschalen" willkommen, aber ...

Beitrag von WernerSchell » 16.10.2016, 06:21

Am 16.10.2016 bei Facebook eingestellt:
Patienten sind als "Fallpauschalen" (Abrechnungsbasis) immer willkommen, als Patienten, die Zuwendung wünschen und nötig haben,
stören sie eher. Schnellstmögliche Entlassungen aus der Klinikversorgung sind das Ziel - und dabei kommt das Patientenwohl nicht selten zu kurz!
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Kliniken: Mehr um Patienten bemühen

Beitrag von WernerSchell » 04.11.2016, 07:15

Ärzte Zeitung vom 04.11.2016:
Kliniken: Mehr um Patienten bemühen!
Der Wettbewerb um Patienten hat unter den Krankenhäusern extrem zugenommen. "Die meisten Patienten suchen sich das Krankenhaus bewusst aus,
deshalb müssen sich Kliniken mehr um eine Patientenorientierung bemühen". Doch was heißt das?
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=922 ... ege&n=5355
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Kampf dem Gelenkschmerz - Was tun bei Arthrose?

Beitrag von WernerSchell » 21.06.2017, 06:31

21.06.2017, 20:15 - 21:00 Uhr, SWR Fernsehen BW

betrifft:
Kampf dem Gelenkschmerz - Was tun bei Arthrose?

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Schmerzen beim Aufstehen, "eingerostete" Knie, schmerzende Hüften oder Schultern und ein Knirschen in den Gelenken: Etwa sieben Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Arthrose oder "Gelenkverschleiß". Viele kämpfen sich durch verschiedene Therapien, bevor es dann doch heißt: ein künstliches Gelenk muss her. "betrifft" stellt verschiedene Methoden vor, die versprechen, eine Operation zumindest um viele Jahre hinauszuzögern, wenn nicht sogar ganz zu vermeiden.
Spritzen mit Hyaluronsäure zum Beispiel werden schon länger angewandt, allerdings mit wechselhaftem Erfolg. Nun zeigt ein neues Kombinationspräparat aus zwei verschiedenen Hyaluronsäuren in ersten Studien eine deutlich bessere Wirkung. Manche Kliniken kombinieren das vermeintlichen Wundermittel zusätzlich noch mit "Plättchenreichem Plasma" (PRP) und berichten ebenfalls von erstaunlichen Erfolgen. Ganz ohne Injektionen kann auch ein mechanischer Gelenkextender Schmerzen lindern und ein künstliches Kniegelenk hinauszögern.
"Arthrose - was tun bei Gelenkverschleiß" zeigt neue Methoden im Kampf gegen die Arthrose.
Die journalistischen Filme der Reihe "betrifft" zeigen Entwicklungen auf, beziehen Standpunkt, liefern Analysen und erzählen Geschichten einzelner Menschen emotional nah am Zuschauer.


Quelle und weitere Informationen:
http://programm.ard.de/TV/Themenschwerp ... 3143086787

+++
Bei eingreifenden Therapien kann die Einholung einer Zweitmeinung sinnvoll sein!
Zahlreiche Beiträge informieren dazu, das Operationen und medizinische Prozeduren überhand nehmen.
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Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung

Beitrag von WernerSchell » 10.11.2017, 07:21

Bei Facebook gepostet:
Patienten werden in den Krankenhäusern oft ohne medizinischen Grund behandelt. Diese Entwicklung ist offensichtlich Ausdruck eines "Ökonomisierungsprozesses", der medizinische Indikationen zunehmend mit wirtschaftlichen Interessen vermengt! Und das Patientenwohl wird dabei immer weniger berücksichtigt. --- Patienten sollten daher angebotene medizinische Dienstleistungen immer kritisch hinterfragen und auf eine lückenlose Aufklärung bestehen (= Zweitmeinung)!
>>> viewtopic.php?f=4&t=22367
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Viele Schulteroperationen sind überflüssig

Beitrag von WernerSchell » 23.11.2017, 11:45

Ärzte Zeitung vom 23.11.2017:
Viele Schulteroperationen sind überflüssig
Bei Schulterschmerzen operieren Ärzte oft, doch der Eingriff verbessert die Situation kaum.
Viel häufiger müssten Mediziner auf Physiotherapie und Schmerzmittel setzen.
Quelle: Der Spiegel
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 79494.html
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Spagat zwischen Patientenwohl und Ökonomie

Beitrag von WernerSchell » 04.05.2018, 05:58

Ärzte Zeitung vom 04.05.2018:
Dialog gefordert
Spagat zwischen Patientenwohl und Ökonomie

Ärzte und Arzneihersteller im Spagat zwischen ethischer Verpflichtung zur Patientenversorgung und der Notwendigkeit zum ökonomischen Handeln - das erfordert den offenen Dialog, so der Medizinethiker Professor Giovanni Maio. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=96 ... efpuryykqr
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Die Ökonomisierung der Krankenhäuser

Beitrag von WernerSchell » 10.08.2018, 06:57

Krankenhäuser sind Unternehmen, die wirtschaftlich arbeiten müssen. Der Arzt als Angestellter muss also medizinische und ökonomische Ziele erfüllen. Eine gefährliche Zwickmühle. Was gut für die Bilanzen ist, muss nicht unbedingt das Richtige für Patienten sein.
Ein Filmbeitrag informiert anschaulich über "Die Ökonomisierung der Krankenhäuser" (rd. 12 Minuten):
>>> https://www.youtube.com/watch?v=y9rQuyPkR6g


Siehe auch die Beiträge unter:
viewtopic.php?f=4&t=18006
viewtopic.php?f=6&t=21882
viewtopic.php?f=4&t=22367
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Qualität in der Medizin durch Ökonomisierung bedroht

Beitrag von WernerSchell » 05.12.2018, 17:21

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AWMF: Qualität in der Medizin durch Ökonomisierung bedroht
Wertewandel und Umstrukturierungen im Gesundheitswesen zum Wohl der Patienten erforderlich

Ökonomische Ziele dürfen medizinische Entscheidungen nicht unangemessen beeinflussen. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) forderte im Rahmen ihres „Berliner Forums“ am 28. November, die Bedürfnisse der Patienten wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Eine gute Patient-Arzt-Beziehung im Sinne der gemeinsamen Entscheidungsfindung sei für eine erfolgreiche Versorgung unverzichtbar und daher zu stärken. Darüber hinaus sei es notwendig, Strukturen zu verändern.

In einer aktuellen Stellungnahme zu „Medizin und Ökonomie“ nennt die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) verschiedene Ansatzpunkte wie die Stärkung der ärztlichen Kompetenz im Rahmen der Krankenhausführung, eine bedarfsorientierte Krankenhausplanung und die patientenzentrierte Anpassung des DRG-basierten Vergütungssystems.

Medizin und Ökonomie sind nicht zu trennen. Beeinträchtigen betriebswirtschaftliche Anforderungen jedoch eine evidenzbasierte, patientenorientierte Versorgung, gefährdet das unmittelbar das Patientenwohl. Unter dem ökonomischen Druck in vielen Kliniken werden heute wirtschaftlich lukrative Leistungen in Diagnostik und Therapie häufiger durchgeführt als beispielsweise schlecht vergütete Maßnahmen der „Sprechenden Medizin“. Dabei ist das ausführliche Gespräch mit dem Patienten die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung und ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis. Derzeit werden zeitliche Aufwände für die Kommunikation jedoch kaum im System der Fallpauschalen berücksichtigt. Daher fordern die AWMF und ihre Fachgesellschaften, die sogenannten Diagnosis Related Groups (DRGs) anzupassen. „Künftig müssen zeitliche Aufwände für das Arzt-Patienten-Gespräch, aber auch die Abstimmung mit anderen Fachkollegen in die Berechnung deutlich mehr einfließen“, fordert Professor Dr. med. Rolf Kreienberg, Präsident der AWMF. Das wird immer wichtiger, da Patienten zunehmend mehrfach und chronisch erkrankt sind und eine ganzheitliche Betreuung durch verschiedene Experten benötigen.

Um das zu realisieren, muss sich auch die Rolle von Ärzten und Pflegenden in den Kliniken verändern. Die AWMF fordert eine gemeinsame Krankenhausführung, in der Ärzte und Pflegende mit kaufmännischen Direktoren auf Augenhöhe Entscheidungen treffen. Basis dafür sollte ein Wertemanagement im Krankenhaus sein, das nicht nur an betriebswirtschaftlichen Zielen ausgerichtet ist, sondern medizinische Überlegungen und Patientenorientierung integriert. „Notwendig sind dafür auch Arbeitsbedingungen, die eine qualitativ hochwertige Versorgung gewährleisten“, betont AWMF-Präsidiumsmitglied Dr. med. Manfred Gogol.

Ursache für die teils schwierige Arbeitssituation in den Kliniken ist nicht zuletzt der betriebswirtschaftliche Erfolgsdruck und die dadurch bedingte Mengenausweitung der letzten Jahre. Trotz kürzerer Liegezeiten der Patienten ist die Zahl der Krankenhausbetten nur geringfügig gesunken, die Zahl der Behandlungsfälle hingegen deutlich gestiegen. „Die Zahl der Krankenhausbetten in Deutschland liegen weit über dem Durchschnitt in anderen EU-Ländern oder der OECD – ebenso die Anzahl der Behandlungsfälle“, so Kreienberg. Diese seien jedoch sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Fächer verteilt. Eine hohe Bettendichte in einem Fach sei ein Treiber dafür, dass jedes einzelne Krankenhaus immer mehr Fälle durchschleuse. Außerdem geht diese Entwicklung zu Lasten der Qualität: „Kleinere Krankenhäuser führen Eingriffe durch, für die sie weder ausgestattet sind noch die notwendige Erfahrung haben“, warnt Kreienberg. Die AWMF fordert daher von der Politik auf Bundes- und Landesebene, die vielfältigen Aktivitäten der Fachgesellschaften zur qualifizierten Zentrenbildung zu unterstützen. Durch diese Spezialisierung in meist interdisziplinären, sektorenübergreifenden Teams ließe sich bei zahlreichen Krankheitsbildern die Versorgungsqualität nachweislich steigern.

Dazu sei es notwendig, die Krankenhausplanung im Interesse der Patienten am regionalen Bedarf orientiert und sektorenübergreifend auszurichten. Die AWMF forderte am Ende ihres Berliner Forums, dass Politik, Krankenhausmanagement, Selbstverwaltung und Ärzteschaft, die seit vielen Jahren offensichtlichen Fehlentwicklungen im Krankenhaussystem gemeinsam mit Patientenvertretern zeitnah angehen: Nur so seien Über-, Unter- und Fehlversorgung zu bekämpfen. Der gesamte Maßnahmenplan der AWMF mit dem Titel „Medizin und Ökonomie – Maßnahmen für eine wissenschaftlich begründete, patientenzentrierte und ressourcenbewusste Versorgung“ ist hier abrufbar:
https://www.awmf.org/fileadmin/user_upl ... _Versorgun...

Literatur:
AWMF Stellungnahme: Medizin und Ökonomie – Maßnahmen für eine wissenschaftlich begründete, patientenzentrierte und ressourcenbewusste Versorgung. November 2018.

Pressekontakt AWMF:
Dagmar Arnold
Luisenstraße 58/59
10117 Berlin
Tel.: +49-(0)711 8931-380
arnold@medizinkommunikation.org
presse@awmf.org

AWMF-Geschäftsstelle
Dennis Makoschey
Birkenstraße 67
10559 Berlin
Tel. +49-(0)30-20097777
office@awmf.org

Weitere Informationen:
http://www.awmf.org

Quelle: Pressemitteilung vom 05.12.2018
Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.
https://idw-online.de/de/news707389
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Fesseln der Ökonomie - Arbeitszeitgesetz bloße Makulatur – Personalnot gefährdet (auch) Patienten

Beitrag von WernerSchell » 27.03.2019, 07:24

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Arbeitszeitgesetz bloße Makulatur – Personalnot gefährdet (auch) Patienten – Digitalisierung in den Kinderschuhen – Reinhardt: Fesseln der Ökonomie gemeinsam sprengen!

Ökonomischer Druck und Personalmangel in der Klinik beeinträchtigen nicht nur die Gesundheit des medizinischen Personals, sondern stellen auch eine potenzielle Gefahr für Patientinnen und Patienten dar. Diesen Schluss legen die Antworten von rund 1500 Assistenzärztinnen und Assistenzärzten nahe, die sich an einer aktuellen Umfrage des Hartmannbundes beteiligt haben. Begünstigt und in Teilen überhaupt erst möglich wird diese Entwicklung offensichtlich durch noch immer weit verbreitete Defizite bei der Erfassung und Dokumentation von Arbeitszeiten. Auch Effizienzbemühungen durch Digitalisierung und ein damit einhergehender möglicher Bürokratieabbau stecken vielerorts noch immer in den Kinderschuhen. Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Klaus Reinhardt, sieht erheblichen Handlungsbedarf - auch mit Blick auf notwendige Kontrollen der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes durch zuständige Behörden.

Exakt 1437 Assistenzärztinnen und Assistenzärzte nahmen von Dezember 2018 bis Januar 2019 an der Umfrage teil und nicht nur ihre Antworten, sondern auch hunderte von Kommentaren legen einen interessanten und in Teilen erschreckenden Blick auf die Arbeitswelt der in Weiterbildung befindlichen Ärzte frei – von den Themen Arbeitszeit und Digitalisierung bis hin zu Weiterbildung und Fehlermanagement*. Für den Ausschuss der Assistenzärzte im Hartmannbund – Initiatoren der Erhebung – sind deren Resultate durchaus ein Spiegelbild dessen, was ihnen von jungen Kolleginnen und Kollegen in der Ausschussarbeit geschildert wird.
Dr. Wenke Wichmann, Mitglied des Leitungsgremiums des Ausschusses sieht alle beteiligten Player gemeinsam in der Pflicht, Abhilfe zu schaffen – Politik, Krankenhausträger und Verantwortliche in den Kliniken selbst. „Wir sehen uns in erster Linie da nicht in der Rolle des Anklägers, sondern wollen – soweit es geht konstruktiv – daran mitwirken, notwendige Veränderungen zu gestalten“, macht Wichmann klar. Für grundsätzlich inakzeptabel hält sie es allerdings, wenn gesetzlich klar definierte Regelungen vom Arbeitgeber nicht eingehalten werden. „In dieser Grauzone sind die Weiterbildungsassistenten meistens das schwächste Glied in der Kette und gezwungen, Regelverstöße mehr oder weniger hinzunehmen. Das darf nicht sein“, kritisiert Wichmann. So sieht es auch Hartmannbund-Vorsitzender
Dr. Klaus Reinhardt: „Das Arbeitszeitgesetz darf auch in Zeiten von Personalmangel nicht zur Makulatur verkommen. Da braucht es Verlässlichkeit. Es nützen im Zweifelsfall am Ende die von uns geforderten Personalschlüssel nichts, wenn es keine effektiven Möglichkeiten der Durchsetzung und Kontrolle gibt.“ Hier seien vor allem die Aufsichtsbehörden gefordert, ihre Kontrollfunktion konsequenter wahrzunehmen.
So geben rund 50 Prozent der Befragten an, ihre Arbeitszeit werde nicht konsequent erfasst und (häufig auch ungeplante) Überstunden würden somit nicht entsprechend dokumentiert. Fast jeder Zweite arbeitet – regelwidrig – im Bereitschaftsdienst länger als 50 Prozent seiner regulären Arbeitszeit. Dass Personalmangel Ursache vieler dieser Missstände sei – rund 50 Prozent der Teilnehmer geben an, Personalausfälle auf ihren Stationen könnten nicht kompensiert werden – ist für Wichmann zwar „objektiv nachvollziehbar“, deshalb aber trotzdem weder für Ärztinnen und Ärzte noch für die Patienten hinnehmbar. Wenn – nicht zuletzt offenbar auch vor diesem Hintergrund – 75 Prozent der befragten Berufseinsteiger angeben, sie seien regelmäßig (im Nachtdienst/allein auf der Station) mit Situationen konfrontiert, auf die sie sich „nicht vorbereitet“ sähen, so sei dies mehr als besorgniserregend. „Dies umso mehr, als ein Großteil dieser Gruppe durch diesen Umstand bereits „patientengefährdende Fehler“ wahrgenommen hat“, warnt Wichmann, die dabei gleichzeitig eine Lanze für die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen bricht. Denn für deren Unterstützung im Hintergrunddienst gibt es von den jungen Kolleginnen und Kollegen grundsätzlich überwiegend gute bis sehr gute Noten.

Zur partiellen Arbeitsunzufriedenheit der Assistenzärzte (knapp ein Drittel äußert sich unzufrieden bis sehr unzufrieden) tragen neben der Arbeitsbelastung und „Frust“ über zu wenig Zeit für den Patienten (nur jeder Vierte sieht diese als ausreichend an) offensichtlich nach wie vor auch Defizite bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei. Rund 40 Prozent sehen Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Wunsches nach Teilzeit, mangelnde Angebote an flexiblen Arbeitszeitmodellen oder fehlende Betreuungsangebote noch immer als größte Hindernisse einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Zwei Drittel der Befragten sehen negative Auswirkungen ihrer Arbeit auf Privatleben und soziale Kontakte, jeder Fünfte befürchtet zudem gesundheitliche Beeinträchtigungen.
Wo die jungen Ärztinnen und Ärzte noch ungehobene Entlastungs- und Effizienzpotenziale in der Klinik sehen, wird im Kapitel „Digitalisierung“ der Umfrage deutlich. Rund 60 Prozent der Befragten kritisieren „ineffiziente Formen“ der Digitalisierung an ihrer Klinik: Radiologie-Befunde, die von Patienten auf CD gebrannt mitgebracht werden, da es keinen Austausch-Server mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen gibt. Externe schriftliche Befunde, die „digitalisiert“ werden, indem sie eingescannt werden und damit als Bilddatei in der Krankenakte verfügbar sind – mit der allerdings nicht weitergearbeitet werden kann, weil die Befunde nicht kopierbar sind. Medikamentenpläne, die trotz QR-Code abgeschrieben werden müssen, weil es an Software fehlt, die den QR Code-Datensatz ins Krankenhausinformationssystem überspielen kann. Dass vier von fünf Assistenzärzten den Anteil von Bürokratie an ihrer Arbeitszeit mit über 50 Prozent beziffern, dürfte auch maßgeblich diesem Umstand geschuldet sein – nicht nur für Reinhardt eine „dramatische Verschwendung ärztlicher Ressourcen“.
Fehlanzeige in Sachen Digitalisierung im Wesentlichen offenbar weitgehend auch in der Weiterbildung. Dort spielt sie bei 85 Prozent der Befragten „keine Rolle“. Apropos Qualität der Weiterbildung: Mehr als die Hälfte der Befragten benotet die Qualität und den Umfang ihrer Einarbeitung zum Berufsstart mit den Noten „4“ und „5“. Und gerade einmal jeder vierte Assistenzarzt beschreibt seine Weiterbildung als „strukturiert“ – zum Beispiel durch einen verlässlichen Rotationsplan, der alle relevanten Inhalte abdeckt.

Für Dr. Klaus Reinhardt ist klar: Die Probleme der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung stehen – jenseits ihrer spezifischen Problematik – stellvertretend für die schwierige Situation des gesamten ärztlichen Personals und auch der Pflege an den Kliniken. „Es leiden alle Beteiligten gleichermaßen unter dem Korsett der Ökonomie. Diese Fessel gilt es zu sprengen, statt sich ihr immer stärker anzupassen!“ Reinhardt kritisierte in diesem Zusammenhang erneut das fehlende Verantwortungsbewusstsein der Länder für die Investitionsförderung der Kliniken und die „Verantwortungsdiffusion“ auf Seiten der verschiedenen Krankenhausträger, die eine rationale Handlungsfähigkeit bei der Krankenhausplanung unmöglich mache.
Eine interessante „Randnotiz“ übrigens noch zum Schluss für alle, die der Niederlassung das absehbare „Aus“ prognostizieren: Bei den Angaben der Befragten zu ihren Karrierezielen (Mehrfachnennungen waren möglich) liegt die Niederlassung in der Gemeinschaftspraxis ganz weit vorn. Und auch der angestellte Facharzt in ambulanten Bereich hat die Nase gegenüber dem Facharzt in der Klinik vorn!

*Die komplette Übersicht über den Fragenkatalog inklusive mehrerer hundert aufschlussreicher Freitext-Kommentare finden Sie hier: https://www.hartmannbund.de/fileadmin/u ... 8-2019.pdf

Quelle: Pressemitteilung vom 26.03.2019
Andrea Reich
Sekretariat
Stellv. Hauptgeschäftsführung / Verbandskommunikation
Hartmannbund - Verband der Ärzte Deutschlands e.V.
Kurfürstenstr. 132
10785 Berlin
Telefon: 030 206208-11
Telefax: 030 206208-711
andrea.reich@hartmannbund.de
www.hartmannbund.de

Den Text der Pressemeldung finden Sie auch auf der Homepage des Verbandes > https://www.hartmannbund.de/detailansic ... sierung-i/

+++
Ärzte Zeitung vom 27.03.2019:
Niederschmetterndes Urteil
Assistenzärzte zeichnen düsteres Bild der Weiterbildung

Fehlende Strukturen und Gesetzesverstöße: Eine Umfrage des Hartmannbundes unter knapp 1500 Assistenzärzten deckt gravierende Mängel in der Weiterbildung auf. ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
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Ökonomisierung der Krankenhäuser - Traurige Diagnose

Beitrag von WernerSchell » 18.05.2019, 07:43

Ökonomisierung der Krankenhäuser
Traurige Diagnose

Im Krankenhaus sollte es nicht in erster Linie um Geld gehen. Und doch herrschen an den Hospitälern in Deutschland chronisch Kostendruck und Personalmangel. Die Lukrativität einer Behandlung ist zum Dreh- und Angelpunkt geworden. Woran kranken deutsche Krankenhäuser?
Von Dagmar Röhrlich
Während seiner bald 40-jährigen Karriere hat sich viel verändert in den Kliniken: Visiten, bei denen auch die Schwestern mitgehen – Geschichte. Zeit für Gespräche mit den Patienten: knapp bemessen. Wolf-Dieter Ludwig, der ehemalige Chefarzt, hat erlebt, wie im Krankenhausalltag Wirtschaftlichkeit zum Primat des Handelns geworden ist.
... (weiter lesen unter) ... https://www.deutschlandfunk.de/oekonomi ... _id=448558
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