1,1 Millionen Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen

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1,1 Millionen Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen

Beitrag von Presse » 01.02.2012, 07:44

Barmer GEK Arztreport 2012:
1,1 Millionen Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen

Berlin (31.01.2012) Ist die Sprachentwicklung unserer Kinder gefährdet? Laut aktuellem Barmer GEK Arztreport 2012 wird mittlerweile bei jedem dritten Kind im Vorschulalter eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt. Bundesweit liegt der Anteil an Kindern mit Sprech- und Sprachstörungen bei 10,3 Prozent. Insgesamt sind innerhalb eines Jahres 1,12 Millionen Kinder zwischen 0 und 14 Jahren betroffen. Dabei fallen die Diagnoseraten bei Jungen durchgängig höher aus: Im sechsten Lebensjahr kommen sie auf einen Anteil von rund 38 Prozent, Mädchen auf 30 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Behandlung: 20 Prozent aller fünfjährigen Jungen erhalten eine Logopädie-Verordnung, dagegen nur 14 Prozent der gleichaltrigen Mädchen.

Für den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, ist dies kein Grund für Alarmstimmung: "Wir sehen, dass professionelle Sprachförderung in Anspruch genommen wird." Tatsächlich werden Vorschüler mit diagnostizierter Sprachentwicklungsstörung zu einem guten Drittel auch logopädisch behandelt. Hinter den hohen Diagnoseraten dürften laut Dr. Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung aus Hannover (ISEG) vermutlich auch Abgrenzungsprobleme stecken: "Hier fehlen in der ärztlichen Praxis offenbar zum Teil noch geeignete, praktikable und einheitlich angewendete Kriterien der Diagnoseerstellung."

Barmer GEK-Vize Schlenker hebt das hohe ambulante Versorgungsniveau in Deutschland hervor: "Die kinderärztliche Betreuung ist flächendeckend und sucht ihresgleichen." Bis einschließlich dem sechsten Lebensjahr haben jährlich mindestens 89 Prozent der Kinder ambulanten Kontakt zu einem Kinderarzt. Insgesamt liegt die Inanspruchnahme von Ärzten (Haus-, Kinder- und Fachärzte) in den ersten sechs Lebensjahren sogar bei 98 Prozent.

U-Untersuchungen kommen an

Der Anteil an Kindern ohne Kontakt zum Kinderarzt liegt in Bremen bei nur drei Prozent, in Berlin und Hamburg bei fünf Prozent. Flächenbundesländer wie Bayern oder Niedersachsen kommen dagegen auf zehn bzw. elf Prozent – und Mecklenburg-Vorpommern sogar auf rund 16 Prozent. Versorgungslücken kann Schlenker dennoch nicht entdecken: "Auf dem Land übernehmen andere ärztliche Fachdisziplinen die Behandlung der Kleinsten."

Hoch ist auch die Teilnahmerate bei den Kindervorsorgeuntersuchungen U5 bis U7 mit rund 95 Prozent, bei der U8 und U9 sind es etwa 90 Prozent. Eine Ausnahme bildet die 2008 eingeführte U7a. Hier zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während im Saarland bereits rund 97 Prozent aller Kinder teilnehmen, sind es in Hamburg und Berlin erst rund 75 Prozent. Der Autor des Arztreports, Dr. Thomas Grobe vom ISEG, sieht Nachholbedarf: "Gerade in den Stadtstaaten haben wir einerseits eine starke Gesundheitsinfrastruktur, andererseits ausgeprägte Bedarfslagen. Bei den unterschiedlichen Teilnahmeraten dürfte aber auch die Einladepraxis eine maßgebliche Rolle spielen."

Krankheitsspektrum erweitert sich

Die klassischen Kinderkrankheiten wie Windpocken, Scharlach oder Röteln sind offenbar im Griff, das Krankheitsspektrum wird aber erweitert durch Sprachentwicklungsstörungen oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Gleichzeitig fällt auf, dass Jungen von diesen Diagnosen überdurchschnittlich betroffen sind: So geht mittlerweile jeder zehnte neunjährige Junge zum Neurologen oder Psychiater (9,6 Prozent). 60 Prozent davon mit der Diagnose ADHS. Zum Vergleich: Bei den neunjährigen Mädchen sind es sechs Prozent, davon rund 40 Prozent mit ADHS-Diagnose.

Und noch etwas bringen die Forscher vom ISEG ans Licht: Über elf Prozent aller Kinder zwischen 0 und 14 Jahren haben Neurodermitis. Bei den 0- bis 3-Jährigen sind es sogar rund 16 Prozent. Auffällig ist die regionale Verteilung: Alle ostdeutschen Bundesländer erreichen deutlich höhere Diagnoseraten. Spitzenreiter ist Thüringen (17,1 Prozent), gefolgt von Sachsen-Anhalt (16,4 Prozent) und Sachsen (15, 6 Prozent).

Anstieg der Behandlungsfälle gebremst?

Erstmals seit sechs Jahren ging 2010 die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle pro Versichertem altersbereinigt leicht zurück: von 8,04 auf 7,93. Allerdings bewegt sich die Behandlungsquote, also der Anteil der Menschen, die mindestens einmal pro Jahr einen Arzt aufsuchen, zwischen 2004 und 2010 relativ konstant zwischen 91 und 93 Prozent (2010 = 91 Prozent). Für Schlenker ein deutliches Signal: "Wir haben nach wie vor eine exzellente ambulante Versorgung, die das Vertrauen der Bevölkerung genießt." Zwar existierten regionale Versorgungsunterschiede zwischen Stadt und Land. Größtenteils finde aber eine Mitversorgung der ländlichen Gebiete durch Oberzentren und die interdisziplinäre Zusammenarbeit der ärztlichen Fachgruppen statt. "Diese Tatsachen müssen bei der Neujustierung der Bedarfsplanung berücksichtigt werden."

Quelle: Pressemitteilung der Barmer GEK vom 31.01.2012

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Erstklässler haben Sprach- und Verhaltensstörungen

Beitrag von Presse » 04.02.2012, 08:08

Viele künftige Erstklässler haben Sprach- und Verhaltensstörungen

Rhein-Kreis Neuss Im Rhein-Kreis Neuss kommen immer mehr Kinder mit Sprachstörungen in die Schule. Das hat das Kreisgesundheitsamt bei seinen aktuellen Schuleingangsuntersuchungen festgestellt. Demnach weist fast jedes dritte Kind Defizite beim Sprechen auf. Bei Jungen sind die Probleme noch größer als bei Mädchen. Auch Verhaltensstörungen machen den Kinderärzten zu schaffen. Fast jedes zehnte Kind war mit den Aufgaben der Untersuchung überfordert oder weigerte sich ganz mitmachen. Positiver sah es beim Thema Adipositas aus. Zum ersten Mal gab es weniger übergewichtige Kinder, die eingeschult wurden. Insgesamt sind mehr als 4 200 Kinder untersucht worden.

Quelle: News89,4 vom 03.02.2012
http://www.news894.de/aktuell/lokale-ne ... -2012.html

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Sprachstörungen bei Schulkindern nehmen zu

Beitrag von WernerSchell » 15.12.2016, 17:08

Sprachstörungen bei Schulkindern nehmen zu

Berlin - Bei immer mehr Vorschul- und Schulkindern stellen Ärzte Störungen bei der Sprachentwicklung fest. Dies geht aus einer aktuellen Auswertung der BARMER GEK hervor. Im Jahr 2015 wurde bei etwa 715.000 gesetzlich versicherten Kindern zwischen fünf und 14 Jahren eine Störung der Sprachentwicklung diagnostiziert. Im Jahr 2011 waren es 648.000 Kinder. Binnen vier Jahren ist der Anteil damit von 9,8 auf zwölf Prozent gestiegen. Dabei litten im Jahr 2015 mit 441.000 deutlich mehr Jungen als Mädchen (274.000) an Sprachdefiziten. „Sprachstörungen können die Entwicklung eines Kindes beeinträchtigen und verzögern. Je später die Hilfe kommt, desto wahrscheinlicher ist es, dass es nicht einwandfrei sprechen lernt“, sagt der BARMER GEK-Vorstandschef, Prof. Dr. Christoph Straub. Die Kinder sollten früh professionelle Hilfe erhalten, wenn sie aus medizinischer Sicht erforderlich ist.

Kinder nicht übertherapieren
Eine Sprachentwicklungsstörung wird am häufigsten bei Kindern im Alter von vier bis fünf diagnostiziert. Im Jahr 2015 waren 28 Prozent der bei der BARMER GEK versicherten Mädchen und 38 Prozent der Jungen betroffen. Der Kassenchef warnt davor, jedes vermeintlich betroffene Kind automatisch zu therapieren. Bei vielen dieser Kinder normalisiert sich die Sprachentwicklung in den folgenden Jahren. Straub: „Ob und wie ein Kind therapiert wird, sollten Eltern gemeinsam mit fachkundigen Ärzten entscheiden.“

Aus der Analyse geht hervor, dass es relativ kleine regionale Unterschiede bei Sprachdefiziten gibt. Während in Bremen nur neun Prozent der Fünf- bis 14-Jährigen im Jahr 2015 die Diagnose Sprachentwicklungsstörungen gestellt bekamen, waren es etwa in Brandenburg 13 Prozent. „Sprachentwicklungsstörungen bei Vorschul- und Schulkindern sind kein regionales Phänomen, sie treten in allen Bundesländern ähnlich stark auf“, sagt Straub.

Quelle: Pressemitteilung vom 15.12.2016
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Immer mehr Kinder brauchen Sprachtherapie

Beitrag von WernerSchell » 15.12.2016, 17:09

Heilmittelbericht des WIdO: Immer mehr Kinder brauchen Sprachtherapie

(15.12.16) Knapp jeder vierte sechsjährige Junge und jedes sechste Mädchen in dem Alter erhalten rund um den Einschulungstermin eine Sprachtherapie. Das zeigt der Heilmittelbericht 2016 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), den das Institut am Donnerstag (15. Dezember) veröffentlicht hat. Dies könne ein Hinweis darauf sein, "dass viele Kinder heute unter schwierigen sozialen und gesundheitlichen Bedingungen aufwachsen und offensichtlich Expertenhilfe benötigen, um die anstehenden schulischen Herausforderungen meistern zu können", sagte Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

Weitere Infos und der Heilmittelbericht 2016 zum Download:
http://www.aok-bv.de/hintergrund/dossie ... 17728.html

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Quelle: Mitteilung vom 15.12.2016
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Jeder fünfte Schulanfänger kann nicht richtig sprechen

Beitrag von WernerSchell » 16.12.2016, 07:31

Ärzte Zeitung vom 16.12.2016:
Sprachtherapie: Jeder fünfte Schulanfänger kann nicht richtig sprechen
Sechs- bis Siebenjährige bekommen häufiger Heilmittel verordnet als andere Kinder bis 14 Jahre. Das liegt insbesondere daran,
dass bei den Schulanfängern öfter Sprachtherapien nötig sind. Vor allem Jungen sind betroffen.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=926 ... log&n=5445
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