Korruption und Betrug – der große Altenheim-Report

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

Moderator: WernerSchell

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Korruption und Betrug – der große Altenheim-Report

Beitrag von Presse » 07.10.2011, 06:59

Pflegeeinrichtungen
Autor: Anette Dowideit - 03.10.2011
Korruption und Betrug – der große Altenheim-Report

Wenn Altenpflegeheime große Profite machen sollen, bleibt nur wenig Zeit für die Betreuung. Die "Welt am Sonntag" zeigt, wie schlimm die Zustände sind. ..... (mehr)
http://www.welt.de/wirtschaft/article13 ... eport.html
http://www.heimmitwirkung.de/smf/index.php?topic=1648.0

Lutz Barth
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Wertschätzung?

Beitrag von Lutz Barth » 07.10.2011, 08:11

Angesichts dieser Berichterstattung fragt sich, wie es künftig der Pflege als Profession gelingen will, bei der Bevölkerung um mehr "Wertschätzung" nachzusuchen?

Freilich - man/frau könnte sich der Diskussion entziehen und beklagen, dass die skandalisierende Berichterstattung zu unterbleiben habe, kann doch die Pflege nichts für die schlechten Rahmenbedingungen.

Nun - mit Blick auf einen anderen Thread hier im Forum wird immer deutlicher, dass es wohl zunächst Sinn machen würde, sich zunächst auf die "Alltagspraxis" zu konzentrieren, bevor über eine weitergehende "würdevolle Pflege" philosophiert werden kann.

Es ist vor allem zu prüfen, warum es gegenwärtig den Betreibern der stationären Einrichtungen offensichtlich nicht gelingt, ihren Betrieb mit den vorhandenen finanziellen Mitteln zu "organisieren". Ist die Gewinnmarge zu hoch? Ist die Pflege zu kostenintensiv, so dass das hierfür vereinbarte Äquivalent die Dienstleistung nicht abzudecken vermag?

Es macht m.E. Sinn, sich endlich mit der gebotenen "Nachhaltigkeit" den finanziellen Rahmenbedingungen anzunehmen; dies dürfte auch im Interesse der Träger liegen, sind diese doch weitestgehend Unternehmen, die gewinnorientiert sich am Markt gegenüber den Wettbewerbern generieren.

Fehl eigentlich nur noch, dass die Pflege sich der sog. "Abführtage" erinnert, um so entsprechende Kapazitäten (für was eigentlich?) freisetzen zu können. Die Debatte um den Pflegenotstand sollte seiner Mythen entkleidet werden und hier entsprechend mit harten Fakten aufwarten.

Das eine weitere "würdevolle Pflege" wünschenswert ist, steht nicht zu bezweifeln an, aber es macht zunächst Sinn, die Ursachen für den "Notstand" zu benennen und hier anzusetzen.
Zynisch könnte man/frau fast meinen, wir brauchen "Streetworker" in den Pflegeheimen.
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Beitrag von thorstein » 07.10.2011, 12:19

Der Skandalbericht konzentriert sich auf einen grossen privaten Anbieter. Ob eine Gewinnorientierung > 10% im Bereich der stationären Altenpflege angemessen ist, weiss ich nicht.

Allerdings ist es mir als Laie ein Rätsel, warum man private Anbieter hofiert, die gleichzeitig meist etwas günstiger sind und gleichzeitig 10% Gewinn erwirtschaften sollen und gleichzeitig die gleiche Qualität erreichen sollen wie die gemeinnützigen Träger? Klingt nach der Quadratur des Kreises. Der freie Markt richtet eben nicht alles, vor allem wenn sich die Marktteilnehmer nicht mehr wehren können.

Bei der Frage der Personalschlüssel hat die Autorin nicht ausreichend recherchiert bzw. die weniger skandalträchtigen Ergebnisse wohl ignoriert. Man muss nämlich auch die Frage stellen, bei wievielen Häusern die Personalschlüssel leicht überschritten wurden. In einem durchschnittlich grossen Heim mit vielleicht 120 Betten gibt es pro Monat 4-5 Bewohnerwechsel. Der Schlüssel wird tagesaktuell erhoben. Am Montag ist der Schlüssel also noch höher, als vereinbart, weil zwei Betten leer stehen, am Mittwoch fehlt eine 0,3 Stelle, weil zwei Bewohner mit hoher Pflegestufe aufgenommen wurden.

Betrug wäre es nur dann wenn dauerhaft und gezielt der Personalschlüssel nicht erreicht wird. Leichte Schwankungen sind normal und kein Heim kann bei jedem Neueinzug sofort den Schlüssel anpassen.

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Altenheim-Report - Korruption und Betrug

Beitrag von Presse » 07.10.2011, 17:43

'Korruption und Betrug', so überschrieb die Welt am Sonntag ihren 'großen Altenheim-Report'. Tenor: Extremes Gewinnstreben von Betreibern führt zwangsläufig zur schlechten Behandlung von Bewohnern. Dazu Silvia Schmidt, Vorsitzende von Daheim statt Heim: "Vieles, was die WamS hier beschreibt, ist eher die Regel als die Ausnahme. Der Fehler liegt im System. Es wird höchste Zeit, dass wir alle uns dieser Diskussion stellen." Lesen Sie dazu unsere Pressemitteilung.

www.bi-daheim.de

Berlin, Oktober 2011. Die WamS hatte vor allem einen internen Prüfbericht des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) zitiert, der schreckliche Missstände in einem Frankfurter Heim der Unternehmensgruppe Casa Reha festgestellt hatte. Dort sollen bettlägrige Patienten stundenlang in ihren Ausscheidungen liegengelassen worden sein, es ist von unterernährten Bewohnern und unversorgten Operationswunden die Rede. "Alles zahlende Kunden des Heims", schreibt die WamS dazu. Nachdem im März 2010 Polizei und Staatsanwaltschaft die Büros des Heims durchsucht und viel Material beschlagnahmt hatten, verhängte die staatliche Heimaufsicht als Reaktion auf die Missstände einen Aufnahmestopp für neue Bewohner. Geschlossen wurde das Heim nicht.
Obwohl natürlich nicht in allen Heimen solche Missstände herrschen, hat die Welt am Sonntag den Fall genutzt, um sich ausführlich mit dem "System Pflegeheim" zu beschäftigen. Dabei rücken drei Aspekte in den Vordergrund, die sonst in der öffentlichen Diskussion oft vergessen werden.
Erstens: In Heimen weniger Fachkräfte zu beschäftigen als gesetzlich vorgeschrieben, ist normal und wird von Kassen und Aufsichtsbehörden wenn überhaupt nur sehr mild geahndet.
Zweitens: Möglichst hohe Gewinne lassen sich nur erwirtschaften, wenn der Heimbetreiber beim Personal spart. Kein günstiger Großeinkauf, keine zentrale IT-Abteilung bringt so viel zusätzliche Rendite wie zu wenig oder besonders billiges Personal.
Drittens: Heime, die mit wenig Geld auskommen, sind den Kassen willkommen, wahrscheinlich drücken deren Kontrollbehörden deshalb oft bei Missständen ein Auge zu. Statt diese konsequent abzustellen, nutzen die Kostenträger Billigheime bei den Verhandlungen, um Druck auf teurere Anbieter zu machen. Tenor: "Die schaffen das doch auch mit weniger Geld, warum gelingt Euch das denn nicht?"
Für Silvia Schmidt, Vorsitzende der Bundesinitiative Daheim statt Heim, kommen die Enthüllungen nicht überraschend. Sie fordert, dass Politik und Öffentlichkeit endlich die Realität zur Kenntnis nehmen und die Konsequenzen ziehen. "Heime mit gravierenden Missständen sollten sofort geschlossen werden. Alles andere ist unverantwortlich. Auch müssen wir uns fragen, wie Gesellschaft insgesamt mit älteren Menschen umgeht. Die Wahrheit ist: Qualität in der Pflege kostet Geld, kostet höhere Beiträge. Und gut ausgebildete, motivierte Pflegekräfte kosten ebenfalls Geld. Wenn wir bei der Versorgung alter Menschen weiter auf möglichst billig und möglichst viel Rendite setzen, dann ändert sich an dem Elend in vielen Heimen nie etwas. Die Diskussion darum müssen wir offensiv führen."

Quelle: Pressemitteilung vom 07.10.2011
Kontakt:
presse@bi-daheim.de
0151-55506408

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