Einnahmeüberschuss in der Pflegeversicherung

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Einnahmeüberschuss in der Pflegeversicherung

Beitrag von Presse » 09.04.2010, 15:39

Einnahmeüberschuss in der Pflegeversicherung

Bessere Betreuung und mehr Leistungen für demenziell erkrankte Menschen

Die soziale Pflegeversicherung hat das Jahr 2009 bei Einnahmen von 21,3 Mrd. Euro und Ausgaben von 20,3 Mrd. Euro mit einem Überschuss von 1 Mrd. Euro abgeschlossen. Ende 2009 verfügte sie über einen Mittelbestand von 4,8 Mrd. Euro, was 2,8 Monatsausgaben entspricht.

Dies geht besonders auf eine eine angesichts der Wirtschaftskrise gute Einnahmeentwicklung zurück. Bereinigt um die Auswirkungen der Beitragssatzanhebung Mitte 2008 ergibt sich im Jahr 2009 ein Anstieg der Einnahmen um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bei der Ausgabenentwicklung spiegelt der Anstieg um 6,2 Prozent die Leistungsverbesserungen des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes wider. So ist die Zahl der Personen, die die zusätzlichen Betreuungsleistungen für Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (insbesondere Demenzkranke) erhalten um über 60 Prozent angestiegen - von 70.000 Personen im Jahresdurchschnitt 2007 auf 115.000 Personen im Jahresdurchschnitt 2009. Die Betreuungsleistung ist zudem von 460 Euro je nach Betreuungsaufwand auf 1.200 bzw. 2.400 Euro pro Jahr angehobenen worden.

Im stationären Bereich haben inzwischen mehr als 70 Prozent aller Pflegeheime zusätzliche Betreuungskräfte für demenziell erkrankte Heimbewohner eingestellt, die von der Pflegeversicherung bezahlt werden. Insgesamt hat die Reform zu einer Stabilisierung der häuslichen Pflege beigetragen. Der langjährige Trend hin zu einem steigenden Anteil vollstationär versorgter pflegebedürftiger Menschen hat sich im Jahr 2009 nicht fortgesetzt. Weitere Einzelheiten können der beigefügten Zahlenübersicht entnommen werden.

Vor dem Hintergrund der zweiten Stufe der Anhebung der Leistungsbeträge in diesem Jahr (z.B. bei Pflegesachleistungen in der Pflegestufe I von 420 auf 440 Euro; Pflegestufe II von 980 auf 1.040 Euro und Pflegestufe III von 1.470 auf 1.510 Euro) und möglichen Rückwirkungen der Wirtschaftskrise auf die Einnahmen kann das gute Ergebnis des Jahres 2009 in 2010 nicht wiederholt werden.

Anlage: Tabellarische Übersicht der Finanzergebnisse der Pflegeversicherung
Einnahmeüberschuss in der Pflegeversicherung , zum Schwerpunkt: Pflege - 09. April 2010 - PressemitteilungBessere Betreuung und mehr Leistungen für demenziell erkrankte Menschen

Die soziale Pflegeversicherung hat das Jahr 2009 bei Einnahmen von 21,3 Mrd. Euro und Ausgaben von 20,3 Mrd. Euro mit einem Überschuss von 1 Mrd. Euro abgeschlossen. Ende 2009 verfügte sie über einen Mittelbestand von 4,8 Mrd. Euro, was 2,8 Monatsausgaben entspricht.

Dies geht besonders auf eine eine angesichts der Wirtschaftskrise gute Einnahmeentwicklung zurück. Bereinigt um die Auswirkungen der Beitragssatzanhebung Mitte 2008 ergibt sich im Jahr 2009 ein Anstieg der Einnahmen um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bei der Ausgabenentwicklung spiegelt der Anstieg um 6,2 Prozent die Leistungsverbesserungen des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes wider. So ist die Zahl der Personen, die die zusätzlichen Betreuungsleistungen für Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (insbesondere Demenzkranke) erhalten um über 60 Prozent angestiegen - von 70.000 Personen im Jahresdurchschnitt 2007 auf 115.000 Personen im Jahresdurchschnitt 2009. Die Betreuungsleistung ist zudem von 460 Euro je nach Betreuungsaufwand auf 1.200 bzw. 2.400 Euro pro Jahr angehobenen worden.

Im stationären Bereich haben inzwischen mehr als 70 Prozent aller Pflegeheime zusätzliche Betreuungskräfte für demenziell erkrankte Heimbewohner eingestellt, die von der Pflegeversicherung bezahlt werden. Insgesamt hat die Reform zu einer Stabilisierung der häuslichen Pflege beigetragen. Der langjährige Trend hin zu einem steigenden Anteil vollstationär versorgter pflegebedürftiger Menschen hat sich im Jahr 2009 nicht fortgesetzt. Weitere Einzelheiten können der beigefügten Zahlenübersicht entnommen werden.

Vor dem Hintergrund der zweiten Stufe der Anhebung der Leistungsbeträge in diesem Jahr (z.B. bei Pflegesachleistungen in der Pflegestufe I von 420 auf 440 Euro; Pflegestufe II von 980 auf 1.040 Euro und Pflegestufe III von 1.470 auf 1.510 Euro) und möglichen Rückwirkungen der Wirtschaftskrise auf die Einnahmen kann das gute Ergebnis des Jahres 2009 in 2010 nicht wiederholt werden.

Anlage:
Tabellarische Übersicht der Finanzergebnisse der Pflegeversicherung
http://www.bmg.bund.de/cln_178/nn_11682 ... nlage.html

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Pflegeversicherung mit Plus

Beitrag von Presse » 10.04.2010, 06:37

Zur heute verbreiteten Meldung, dass die Pflegeversicherung 2009 ein Plus von einer Milliarde Euro erwirtschaftet hat, erklärt der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch:

"Jetzt den Überschuss zu feiern, den die Pflegeversicherung im vergangenen Jahr erzielt hat, wäre kurzsichtig und verfehlt. Denn die Diagnose steht seit langem fest: Die Pflegeversicherung in ihrer derzeitigen Form ist weder in der Lage, heute ein die Würde wahrendes Pflegesystem zu unterhalten, noch ist sie auch nur ansatzweise dazu fähig, die Aufgaben der Zukunft zu bewältigen. Die Politik muss endlich daran gehen, ihre Hausaufgaben zu machen und die Pflegeversicherung zu reformieren. Wir benötigen einen fundamentalen Schwenk in der Gesundheitsversorgung, wenn wir die Lebensqualität der Menschen in ihren letzten Jahren, Monaten und Wochen ernsthaft verbessern wollen.

Ein zentrales Problem ist die Trennung von Pflege- und Krankenversicherung. Sie ist nicht nur ineffizient, sie führt vor allem dazu, dass die Menschen zwischen den Systemen aufgerieben werden. Wie so oft gilt auch hier: Mehrere Köche verderben den Brei. Wenn beispielsweise ein Patient dehydriert oder wegen mangelnder Sturzprophylaxe beim Toilettengang zu Fall kommt, folgen darauf Krankenhausaufenthalt und Reha. Die Kosten für die schlechte Pflege zahlt also die Krankenversicherung. Ein solches System kann nur zu Misswirtschaft führen. Die pflegebedürftigen Menschen spüren das am eigenen Leib, die Versicherten in der Brieftasche."

Quelle: Pressemitteilung vom 9. April 2010
Bei Rückfragen und Interview-Wünschen:
Matthias Hartmann: Tel.: 030 / 2 84 44 84 - 2
hartmann@patientenschutzorganisation.de http://www.patientenschutzorganisation.de

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Sozialkassen mit fast 15 Milliarden Euro Minus

Beitrag von Gaby Modig » 16.04.2010, 06:37

Presse hat geschrieben: .... "Jetzt den Überschuss zu feiern, den die Pflegeversicherung im vergangenen Jahr erzielt hat, wäre kurzsichtig und verfehlt. Denn die Diagnose steht seit langem fest: Die Pflegeversicherung in ihrer derzeitigen Form ist weder in der Lage, heute ein die Würde wahrendes Pflegesystem zu unterhalten, noch ist sie auch nur ansatzweise dazu fähig, die Aufgaben der Zukunft zu bewältigen. Die Politik muss endlich daran gehen, ihre Hausaufgaben zu machen und die Pflegeversicherung zu reformieren. Wir benötigen einen fundamentalen Schwenk in der Gesundheitsversorgung, wenn wir die Lebensqualität der Menschen in ihren letzten Jahren, Monaten und Wochen ernsthaft verbessern wollen. ....
Soweit kann man der Analyse gut zustimmen. Insgesamt sind die Sozialsysteme marode. Darüber berichteten die Medien lebhaft, u.a. die Ärztezeitung am 15.04.2010:

Sozialkassen mit fast 15 Milliarden Euro Minus
WIESBADEN (fst). Die Gesetzliche Sozialversicherung hat im Jahr 2009 ein kassenmäßiges Finanzierungsdefizit von 14,7 Milliarden Euro verzeichnet. Im Jahr zuvor war es noch ein Plus von 3,8 Milliarden Euro, teilt das Statistische Bundesamt mit. Danach stiegen die Einnahmen der gesetzlichen Sozialversicherung im Jahr 2009 um 1,4 Prozent auf 490,9 Milliarden, die Ausgaben um 5,3 Prozent auf 505,6 Milliarden Euro. Die gesetzliche Sozialversicherung umfasst die Kranken-, Pflege-, Unfall- und Rentenversicherung, die Alterssicherung für Landwirte sowie die Bundesagentur für Arbeit." .... (weiter lesen unter)
http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... sid=598092

Die solidarische Absicherungen müssen den Bedürfnissen entsprechend neu geordnet werden. Der medizinische Fortschritt und die demografische Entwicklung sind bisher ungenügend berücksichtigt worden.
Das momentane Plus bei der Pflegeversicherung ist ein Ausnahmetatbestand. Wären Kranken- und Pflegeversicherung zusammengefügt, wären beide Systeme klar im Minus. Ob etwas zusammen geregelt ist oder nicht, entscheidet nicht den Wert einer Versicherung. Es kommt auf die jeweilige inhaltliche Ausgestaltung an. Und insoweit muss zumindest der Pflegeversicherung grundlegend saniert werden.

Das meint frühmorgendlich
Gagy
Pflegesystem verbessern - weg von der Minutenpflege. Mehr Pflegepersonal ist vonnöten!

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Pflegeversicherung - unterfinanziert

Beitrag von PflegeCologne » 09.05.2010, 06:42

Siehe auch die Diskussionen in diesem Forum unter
viewtopic.php?p=51748#51748
Alzheimer - eine Krankheit, die mehr Aufmerksamkeit erfordert! - Pflegesystem muss dem angepasst werden, auch, wenn es teurer wird! - Ich bin dabei:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

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