Krankenhaus-Report 2013: Steigende Anzahl an Operationen ...

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Krankenhaus-Report 2013: Steigende Anzahl an Operationen ...

Beitrag von Presse » 08.12.2012, 07:50

Klasse statt Masse: AOK setzt auf Qualitätswettbewerb bei Kliniken
Krankenhaus-Report 2013: Steigende Anzahl an Operationen in Kliniken lässt sich nicht allein mit medizinischem Bedarf erklären


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+++ Siehe auch den Buchtipp unter viewtopic.php?t=18252 +++

(07.12.12) "Der neue Krankenhaus-Report zeigt den Handlungsbedarf deutlich auf. Die enorme Mengenentwicklung bei Krankenhausbehandlungen darf nicht dazu führen, dass unnötig operiert wird oder dass die Qualität nicht stimmt. Unser Ziel ist es, Versicherte besser zu schützen", sagte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, am Freitag (7. Dezember). Deshalb werde die AOK in Zukunft wissenschaftlich fundierte Qualitätsinformationen intensiver nutzen, um Patienten bei der Klinikwahl zu unterstützen. In Zukunft müsse es zudem möglich sein, nachweislich schlechte Qualität nicht zu bezahlen. "Krankenkassen sind derzeit gezwungen, jede Leistung zu finanzieren, unabhängig davon, ob sie gut oder schlecht ist. Der bestehende Kontrahierungszwang muss gelockert werden", so Uwe Deh weiter.

Mit dem Schwerpunktthema "Mengendynamik: mehr Menge - mehr Nutzen?" widmet sich der Krankenhaus-Report 2013 der auffälligen Zunahme von Krankenhausfällen im Jahr 2011. So ist die Zahl der stationären Behandlungen seit 2005 um 11,8 Prozent je Einwohner gestiegen. "Hinzu kommt, dass sich Mengenentwicklungen vor allem in denjenigen Fallgruppen vollziehen, die wirtschaftlichen Gewinn versprechen", resümierte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und Mitherausgeber des Krankenhaus-Reports. So zeigt der neue Krankenhaus-Report beispielsweise, dass sich die Zahl der Wirbelsäulenoperationen bei AOK-Versicherten zwischen 2005 und 2010 mehr als verdoppelt hat.

"Diese Entwicklung kann einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft nicht gleichgültig sein. Jede Operation ist auch ein erhebliches Gesundheitsrisiko für den einzelnen Patienten. Umso wichtiger ist es, dass alle Operationen aus einer klaren medizinischen Indikation heraus stattfinden", sagte Professor Dr. Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC). Durch das neue Zertifizierungsverfahren "Endocert", das gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik und dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie entwickelt wurde, sei ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Indikations-, Struktur- und Prozessqualität getan worden. Patienten, die sich in nach "Endocert" zertifizierten Kliniken behandeln lassen, könnten sich sicher sein, dass die Hauptoperateure mindestens 50 endoprothetische Eingriffe pro Jahr durchführen.

Der Krankenhaus-Report belegt außerdem, dass bei bestimmten Eingriffen am Herzen, den Defibrillatorimplantationen und -wechseln, die Menge allein zwischen den Jahren 2008 und 2010 um 25 Prozent gewachsen ist. Laut Krankenhaus-Report sind bei diesen Fällen nur etwa zehn Prozent des beobachteten Anstiegs auf die demografische Entwicklung zurückzuführen. Außerdem werden im Report neu entwickelte Qualitätsindikatoren für diagnostische Herzkatheter vorgestellt. Zwischen den Krankenhäusern zeigen sich deutliche Unterschiede. Vergleicht man die Komplikationen und unerwünschten Ereignisse der 614 untersuchten Krankenhäuser, so kommt es in 74 Häusern bei weniger als fünf Prozent der Katheterpatienten zu einem Problem, während 37 Häuser eine Rate von mehr als 15 Prozent aufweisen. Derartig große Unterschiede zwischen Krankenhäusern haben auch Bestand, wenn man berücksichtigt, dass Krankenhäuser Patienten mit unterschiedlichen Risiken haben.

Die AOK verfügt mit ihrem Verfahren Qualitätssicherung durch Routinedaten (QSR) als einzige Krankenkasse in Deutschland über ein etabliertes Verfahren, um die Qualität in Krankenhäusern zu messen. Versicherte haben seit zwei Jahren im Internet die Möglichkeit, sich mit dem Krankenhausnavigator der AOK über QSR-Ergebnisse zu informieren. Darüber hinaus sollte die Qualität auch die Basis für die Entscheidung bei der Wahl einer Klinik werden. Dabei spielt der einweisende Arzt eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund haben die AOK Nordost und die AOK Hessen 2012 eine Information für einweisende Ärzte entwickelt. Sie soll die Grundlage für die Auswahl guter Krankenhäuser darstellen. Die AOK Rheinland-Hamburg will 2013 sogar noch einen Schritt weiter gehen. Die Arztinformation wird um eine Patientenberatung ergänzt. Die Versicherten werden bei einer geplanten Hüftendoprothesen-Operation zu Kliniken beraten, die eine besonders gute Qualität bieten. Ziel ist es dabei, die Versorgungsqualität der AOK-Versicherten zu erhöhen.

Quelle: Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes vom 07.12.12
http://www.aok-bv.de/presse/pressemitte ... 09215.html
Weitere Infos zum Krankenhaus-Report
http://www.wido.de/khr_2013.html
... mit ergänzenden Hinweisen zum Report ....

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Beitrag von Presse » 08.12.2012, 08:02

Allg. Zeitung Mainz:
Fehler im System / Kommentar zur Zahl der
Operationen


Mainz (ots) - Wer über die Jahre Statistiken und Gutachten zum
Thema Gesundheit verfolgt, dem kann angst und bange werden. Im Mai
belegten Zahlen, dass innerhalb von weniger als zehn Jahren die Zahl
der Hüftoperationen um 18 und die der Knie-OPs gar um 52 Prozent
gestiegen ist. Am Freitag kam die Nachricht, dass sich innerhalb von
kaum sieben Jahren die Zahl der Wirbelsäulen-OPs verdoppelt hat.
Allein mit der demographischen Entwicklung lässt sich das längst
nicht mehr erklären - ebenso wenig wie regionale Operationshäufungen.
Hier sind ganz offensichtlich Krankenhäuser auf ihre Auslastung
bedacht und Ärzte auf einen Bonus; allein deshalb wird verstärkt zum
Messer gegriffen, ohne etwaige Alternativen zu prüfen. Die indes
wurden -, obwohl viel billiger - über die Jahre immer mehr
beschränkt. Wirksame oder gar vorbeugende Physiotherapie etwa gibt es
längst nur noch in kleinen Dosen. Dabei sollte eigentlich bei
Patienten der Leidensdruck schon sehr hoch sein, bevor sie sich wegen
Skeletterkrankungen unters Messer legen. Zum Glück gibt es immer noch
niedergelassene Ärzte, die bewusst auf die Risiken verweisen und auch
auf mögliche Misserfolge, mit denen sie in ihrer Praxis immer wieder
bei der Nachsorge konfrontiert werden. Operationen, das sollte jedem
klar sein, bergen immer Risiken, die sich mit fortschreitendem Alter
noch erhöhen. Sie reichen von Krankenhausinfektionen bis zu
Operationsfehlern. Ein Eingriff kann das Ende verheerender Schmerzen
und Bewegungseinschränkungen bedeuten, aber auch nichts oder
schlimmstenfalls das Gegenteil bewirken. Vor einer Operation ist eine
genaue Diagnose und intensive Aufklärung der Patienten unabdingbar.
Da dies aber im Verhältnis zum Eingriff schlecht honoriert wird,
unterbleibt es vielfach. Viele Fehler im System, die schnellstens
"operiert" werden sollten.

Quelle: Pressemitteilung vom 07.12.2012
Pressekontakt: Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
Regionalmanager
Telefon: 06131/485817
desk-zentral@vrm.de

Herbert Kunst
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Ökonomisierung des Gesundheits- und Pflegesystems

Beitrag von Herbert Kunst » 08.12.2012, 08:37

Ökonomisierung des Gesundheits- und Pflegesystems

Es ist eigentlich seit längerer Zeit bekannt, dass mehr Eingriffe durchgeführt werden, als dies medizinische notwendig erscheint.
Dazu gibt es im Forum zahlreiche Beiträge, z.B. unter folgenden Adressen:
viewtopic.php?t=1399
viewtopic.php?t=18006
viewtopic.php?t=17305&highlight=unn%F6tige
viewtopic.php?t=13509&highlight=operatione
Verantwortlich für diese Entwicklung sind auch die politischen Entscheidungsträger, z.B. der Deutsche Bundestag. Denn seit Jahren wird politisch die komplette Ökonomisierung des Gesundheits- und Pflegesystems voran getrieben.
Sogar Krankenkassen "verbünden" sich z.T. vor Ort mit den Krankenhäusern und Chefärzten und propagieren die vielfältigen Leistungsbereiche des Medizinbetriebes. Es hat dabei nicht selten den Anschein, als ginge es vorwiegend um Marketing und nicht um die Beförderung der Patienteninteressen.

H.K.
Für menschenwürdige Pflege sind wir alle verantwortlich! - Dazu finde ich immer wieder gute Informationen unter http://www.wernerschell.de

Dieter Radke
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vier von fünf Rückenoperationen sind überflüssig

Beitrag von Dieter Radke » 08.12.2012, 09:52

.... vier von fünf Rückenoperationen sind überflüssig .... alles nachlesbar unter
viewtopic.php?t=13509&highlight=r%FCckenoperation

... Auf`s Kreuz gelegt ...
viewtopic.php?t=13765&highlight=kreuz

Dieter Radke
Menschenwürdige Pflege ohne Ausnahme! - Dafür müssen wir alle eintreten.

Gaby Modig
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Patienten ohne Grund therapiert .... ?

Beitrag von Gaby Modig » 08.12.2012, 13:39

Die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post hat sich auch des Themas angenommen und wie folgt berichtet:

Krankenhaus-Report der Kasse
AOK beklagt viele unnötige Operationen

zuletzt aktualisiert: 07.12.2012
Berlin (RPO). In deutschen Krankenhäusern werden immer mehr Patienten operiert – viele von ihnen offenbar unnötig. Vor allem lukrative Operationen an Herz und Wirbelsäule nehmen drastisch zu, das bemängelt der Krankenhaus-Report 2013. ....
http://www.rp-online.de/gesundheit/news ... -1.3098144

In Deutschland wird so viel operiert wie nie zuvor
zuletzt aktualisiert: 08.12.2012
Berlin (RP). Die neueste Studie der Krankenkasse AOK zeigt, dass Eingriffe oft nur gemacht werden, weil sie die Klinik-Einnahmen erhöhen. .... http://nachrichten.rp-online.de/wirtsch ... -1.3099484

In ähnlicher Weise haben auch andere Zeitungen berichtet. - Was mich eigentlich verwundert - oder sogar irritiert - ist die Tatsache, dass die Medien eher sachlich über die Operationsproblematik berichten, aber dabei nicht - wie sonst bei kleinsten Pflegemängeln üblich - ein großes Skandalszenario aufbauen. Dies kann nur verwundern. Denn wieviele Einzelschicksale stecken hinter den unnötigen Operationen? Gab es sogar dieserhalb Todesfälle? Wird nicht die Versichertengemeinschaft betrogen, wenn man unnötige Operationen als medizinische indiziert abrechnet? Ws hat es mit den sog. Bonizahlungen an Chefärzte usw. auf sich? Wieviel Geld ist da in Bewegung? Müssen nicht die Krankenkassen den öffentlich gemachten Pflichtwidrigkeiten weiter nachgehen und Regresse geltend machen?
Eigentlich wäre es an der Zeit, einmal deutlich zu formulieren, dass auch die "normalen" Patienten offensichtlich weniger pfleglich versorgt werden.

Gaby Modig
Pflegesystem verbessern - weg von der Minutenpflege. Mehr Pflegepersonal ist vonnöten!

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Streit um Kranken­haus-Fallzahlen – widersprechende Studien

Beitrag von Presse » 08.12.2012, 16:25

Deutsches Ärzteblatt:
Streit um Kranken­haus-Fallzahlen – widersprechende Studien
Freitag, 7. Dezember 2012
Berlin – „Die demografische Entwicklung und die Morbiditätsentwicklung im Zusammen­wirken mit dem medizinischen Fortschritt erklären die Leistungsentwicklung in der stationären Versorgung sehr gut.“ Das sagte der Präsident der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft (DKG), Alfred Dänzer, heute in Berlin. Er widersprach damit Schluss­folgerungen aus dem heute veröffentlichten Krankenhaus-Report der AOK.
... http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52665

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AOK-Krankenhaus-Report: Viele unnötige Operationen?

Beitrag von Presse » 10.12.2012, 07:47

Ortskrankenkassen kritisieren Rekordzahl an Krankenhausbehandlungen
Die Deutschen kommen so oft ins Krankenhaus wie nie zuvor, sagen die Ortskrankenkassen. Vor allem lukrative Eingriffe nehmen zu. Die Kliniken entgegnen, es gehe ihnen nicht um das Geld.
Quelle: FAZ-Frankfurter Allg. Zeitung
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 85621.html

AOK-Krankenhaus-Report: Viele unnötige Operationen?
Deutschlands Klinikärzte haben 2011 so viele Patienten versorgt wie noch nie, heißt es im AOK-Krankenhaus-Report.
Ein Grund laut Herausgeber: Kliniken operieren oft nur, um Einnahmen zu erzielen.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=828 ... sen&n=2401

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Leistungssteigerungen im Krankenhaus

Beitrag von Presse » 19.12.2012, 08:57

Leistungssteigerungen im Krankenhaus nicht ökonomisch motiviert

Der Fallzahl- und Case-Mix-Anstieg in deutschen Krankenhäusern ist im Wesentlichen demografisch und medizinisch nachvollziehbar. Deswegen hält der pauschale und undifferenzierte Vorwurf einer medizinisch nicht indizierten Leistungsausweitung einer kritischen Prüfung nicht stand. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Die Krankenhäuser können die Nachfrage nach ihren Leistungen nicht selbst steuern. Die Zugänge erfolgen über Notfälle oder Einweisungen niedergelassener Ärzte. Die Durchführung von Behandlungsmaßnahmen setzt die ausdrückliche Zustimmung der Patienten voraus. Die Leistungsstruktur und das Leistungsvolumen werden jährlich zwischen Krankenhaus und Kostenträgern vereinbart.

Leistungssteigerungen sind mit einer Verbesserung der Versorgungsqualität in Form der Einführung und Verbreitung innovativer Verfahren verbunden. Darüber hinaus sind die Patienten heute eher bereit, bestimmten medizinischen Interventionen etwa im Sinne einer besseren Lebensqualität zuzustimmen. Zusätzliche Leistungen entsprechen somit dem Bedarf und den Bedürfnissen vieler Patienten.

Die Ergebnisse der externen Qualitätssicherung nach § 137a SGB V zeigen eindrücklich, dass sich die Indikationsqualität seit Einführung des DRG-Systems trotz steigender Fallzahlen kontinuierlich verbessert hat. Dies ist ein klares Indiz, dass die Fallzahl- und Case Mix-Steigerungen maßgeblich morbiditätsbedingt sind.

Hier können Sie die DKI-Studie als pdf-Datei herunterladen:
http://newsletter.dki.de/ff/ch.php?cmd= ... s=72325092

Quelle: Pressemitteilung vom 19.12.2012
Ansprechpartner
Dr. Karl Blum
Leiter Forschung
E-Mail: karl.blum@dki.de
Telefon: 0211 47051-17

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Vorsicht Operation - TV-Tipp für den 14.01.2013

Beitrag von WernerSchell » 14.01.2013, 07:29

14.01.2013, 22.45 - 23.30 Uhr, ARD, Das Erste

Die Story im Ersten
Vorsicht Operation

Film von Meike Hemschemeier

In keinem Land der Welt werden so viele künstliche Knie- und Hüftgelenke eingesetzt und so viele Herzkranzgefäße aufgedehnt wie in Deutschland. Rückenoperationen werden hierzulande dreimal so häufig durchgeführt wie in England und doppelt so häufig wie in Frankreich. Rund 15 Millionen stationäre Eingriffe haben die Deutschen letztes Jahr hinter sich gebracht. Das tut weh. Den Patienten, aber auch den Krankenkassen, deren Ausgaben für Operationen jedes Jahr einen neuen Rekordwert erreichen. Dabei sind viele Eingriffe nicht nur teuer, sondern auch unnötig - und manche sogar schädlich. Operiert wird trotzdem, denn teure OPs bringen den Kliniken satte Gewinne. Die Ärzte werden immer häufiger zu Erfüllungsgehilfen der Finanzabteilung. Wer nicht mitmacht, ist out, berichtet ein Insider: „Wenn ein Arzt nicht in Reih und Glied läuft, dann wird er plötzlich nicht mehr zu Operationen eingeteilt. Wenn so was nicht fruchtet, dann wird er gemobbt und abgemahnt, bis er kündigt." Wer hingegen viel operiert, wird großzügig mit Boni entlohnt. Und viele niedergelassene Ärzte werden in einem illegalen Netz von Fangprämien von den Krankenhäusern dafür bezahlt, dass sie möglichst viele Patienten für OPs überweisen. Diese Kranken, die ihrem Arzt vertrauen und keine unabhängigen Informationen über die Notwendigkeit und Qualität von Operationen und Operateuren erhalten, werden zu Opfern des Systems.
So wie Marc L. (45). Er leidet bereits seit 15 Jahren unter Rückenschmerzen, als ihm ein Experte für moderne Rücken-Operationen empfohlen wird. Dieser schlägt ihm eine sogenannte „dynamische Stabilisierung" vor. Dabei würden die Wirbel mit zu viel Spiel miteinander verschraubt. Kleine Federn würden dafür sorgen, dass er sich trotzdem gut bewegen könne: „Fast wie früher". Glücklich erzählt Marc L. seiner Familie, dass für ihn bald ein neues Leben anfangen werde - ein Leben ohne Schmerzen. Dass es zu der empfohlenen teuren Methode so gut wie keine Erfahrungswerte gibt, sagt ihm der Arzt nicht. Die Operation wird Marc L. zum Krüppel machen. Zum 45-jährigen Rentner mit Dauerschmerzen.
Ähnliches erlebte Heiko N. (54). Als er nach seinem Lauftraining einen dumpfen Schmerz im Knie spürt, versichert ihm der Orthopäde, nur eine Knieprothese könne die Schmerzen garantiert beenden. Heiko N. glaubt dem Arzt. Nach der Operation aber sind seine Schmerzen schlimmer als zuvor. Die Spezialklinik, die er schließlich um Rat bittet, hat eine bittere Information für ihn: Sein Knie sei gesund gewesen - man hätte es nicht künstlich ersetzen dürfen. Für Heiko N. bricht eine Welt zusammen: „Ich habe früher die Ärzte so gesehen, dass sie mir helfen wollen. Dass es um Geld ging, war mir nicht klar."
Jede zweite deutsche Familie ist mindestens einmal im Jahr mit den Sorgen um einen Kranken und seine OP beschäftigt. „Vorsicht Operation" ist für sie gemacht. Der Film seziert mit Hilfe von Experten und Insidern ein Gesundheitssystem, in dem das Wohl des Patienten oft auf der Strecke bleibt. Und zeigt auf, was sich ändern müsste.

Quelle: http://programm.daserste.de/pages/progr ... 3FD4A21A7E
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Operieren für den Profit

Beitrag von Presse » 20.03.2013, 07:23

Operieren für den Profit
Prämien für Ärzte


Neue Kniegelenke, künstliche Hüften oder Rückenschmerzen - Deutschlands Ärzte greifen immer schneller zum Skalpell.
Schuld sind finanzielle Anreize in Form von "Bonusverträgen" für leitende Krankenhausärzte. Die in Arbeitsverträgen
festgelegten "Zielvereinbarungen" lassen sich häufig auf die einfache Formel bringen:
Je mehr operiert wird, desto mehr verdient der Chefarzt.
... Film >
http://www.zdf.de/Frontal-21/Operieren- ... 78654.html

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Medizinische Notwendigkeit von Operationen sicherstellen

Beitrag von Presse » 11.04.2013, 13:32

0415 / 11. April 2013
Pressemitteilung von Martina Bunge


Medizinische Notwendigkeit von Operationen sicherstellen

"Die Spitzenposition Deutschlands bei Operationen ist ein ernstzunehmendes Alarmsignal dafür, dass wirtschaftliche Gründe zunehmend Einfluss auf die Krankenhausversorgung nehmen", sagt Martina Bunge, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zum OECD-Bericht zur Mengenentwicklung im Krankenhausbereich. "Operationen dürfen nur dann stattfinden, wenn sie medizinisch notwendig sind und die beste Möglichkeit darstellen. Leider ist dieser Grundsatz massiv in Gefahr, weil hierzulande Gesundheit zunehmend zum Geschäft wird und Krankenhäuser immer mehr wie private Wirtschaftsunternehmen geführt werden und geführt werden müssen." Bunge weiter:

"Alle Leistungen im Gesundheitssystem müssen zum Ziel haben, die Lebensqualität und die Lebensdauer der Menschen zu erhöhen. Die Lebensqualität und Lebenserwartung in Deutschland steht jedoch leider in keinem angemessenen Verhältnis zu der immensen Anzahl von Operationen. Deutschland rangiert bei der Lebenserwartung hinter Ländern, die deutlich weniger operieren - wie Japan oder Schweden. Entweder wird in Deutschland zu häufig operiert oder das Leben macht kränker als anderswo. Krankenhausoperationen müssen dringend auf den Prüfstand und Krankenhäuser endlich wieder zu Orten der Daseinsvorsorge werden. Nur gewichtige medizinische Gründe dürfen zu Operationen führen, nicht Chefarztboni. Wir brauchen überdies ein Präventionsgesetz, das seinen Namen verdient, damit Operationen durch Gesundheitsvorsorge vermieden werden können."

F.d.R. Susanne Müller
-----------------------------------------------------------------
Pressesprecher
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Telefon +4930/227-52800
Telefax +4930/227-56801
pressesprecher@linksfraktion.de
http://www.linksfraktion.de

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Ausuferende Op-Zahlen: Bahr sucht die Bremse

Beitrag von Presse » 12.04.2013, 06:19

Ausuferende Op-Zahlen: Bahr sucht die Bremse
Deutschland - Weltmeister bei den Op-Zahlen? Ein OECD-Vergleich sorgt für Wirbel. Licht ins Dunkel soll ein Gutachten bringen.
Doch noch ist es gar nicht in Auftrag gegeben, schon wird seine Aussagekraft angezweifelt.
Auch Minister Bahr will nicht auf das Gutachten warten. mehr »
http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=836 ... ung&n=2647

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Patientenfalle Krankenhaus - unnötige OPs für satte Gewinne?

Beitrag von WernerSchell » 20.04.2013, 06:25

Offensichtlich gilt die nachfolgende Ankündigung zum Thema "Patientenfalle Krankenhaus" nicht mehr. Bei Güther Jauch wird ein neues Thema angesprochen. Siehe dazu:
Sendung vom 21. April 2013
Der Fall des Uli Hoeneß – vom Saubermann zum Steuersünder?
Bayern-Boss Uli Hoeneß: erfolgreich, wortgewaltig, für viele ein Vorbild. Und jetzt das: Der Präsident des FC Bayern und Wurstfabrikant hat sich als Steuersünder geoutet. Laut Medienberichten geht es um Millionenbeträge auf einem Schweizer Konto. Hoeneß Ruf als Saubermann und Vorbild ist erst einmal dahin. [mehr]
http://daserste.ndr.de/guentherjauch/ak ... index.html
+++


Das Erste / GÜNTHER JAUCH am 21. April 2013 um 21.45 Uhr im Ersten

München (ots) - Das Thema: Patientenfalle Krankenhaus - unnötige OPs für satte Gewinne?

OP-Boom in Deutschland: In kaum einem anderen Land wird so oft das Skalpell angesetzt. Auf 100.000 Einwohner kommen zum Beispiel 624 Herzkatheter-Eingriffe, so eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Tendenz steigend. Besonders häufig wird offenbar dort operiert, wo es besonders viele Krankenhäuser gibt. Warum wird in Deutschland so viel operiert? Orientieren sich Kliniken am eigenen Profit statt am Wohl der Patienten? Was tun gegen unnötige OPs und Behandlungsfehler?

Darüber diskutiert Günther Jauch mit
Jens Spahn (CDU, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag)
Andrea Grebe (Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH)
Jürgen Graalmann (AOK-Bundesverband)
Sonia Seymour Mikich (Journalistin)
Hendrik Schneider (Honorararzt)

GÜNTHER JAUCH ist eine Produktion von I & U TV im Auftrag der ARD unter redaktioneller Federführung des NDR für Das Erste.

GÜNTHER JAUCH im Internet unter http://www.daserste.de/guentherjauch

Quelle: Pressemitteilung vom 19.04.2013 ARD Das Erste
Pressekontakt: Burchard Röver, Presse und Information Das Erste,
Tel: 089/5900-3867, E-Mail: burchard.roever@DasErste.de

Weitere Informationen:
http://daserste.ndr.de/guentherjauch/ak ... es287.html
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Chefarztvergütung: Bonus fürs Operieren wird öffentlich

Beitrag von Presse » 13.05.2013, 06:36

Chefarztvergütung: Bonus fürs Operieren wird öffentlich
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat Empfehlungen für die umstrittenen Chefarztboni vorgelegt.
Dazu hatte sie der Gesetzgeber im Januar mit dem Ziel verpflichtet, Anreize für überflüssiges Operieren zu beseitigen.
mehr »
http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=838 ... ent&n=2704

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Empfehlungen zu leistungsbezogenen Zielvereinbarungen

Beitrag von Presse » 13.05.2013, 07:12

Empfehlungen zu leistungsbezogenen Zielvereinbarungen in Chefarztverträgen vorgelegt
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat in Abstimmung mit der Bundesärztekammer (BÄK) Empfehlungen zu leistungsbezogenen Zielvereinbarungen in Chefarztverträgen vorgelegt. Sie sollen Krankenhäusern ... »
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/5 ... -vorgelegt

Gesetzentwurf: Mehr Transparenz bei Chefarztverträgen
http://www.aerzteblatt.de/archiv/134236 ... vertraegen
Bonusregelungen in Chefarztverträgen: Ärztliche Unabhängigkeit in Gefahr
http://www.aerzteblatt.de/archiv/133305 ... -in-Gefahr

Antworten