Kardiologische Versorgung auf hohem Niveau – Zuletzt leichte Anstiege bei Krankheitszahlen

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Kardiologische Versorgung auf hohem Niveau – Zuletzt leichte Anstiege bei Krankheitszahlen

Beitrag von WernerSchell » 17.01.2018, 15:08

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Deutscher Herzbericht 2017:
Kardiologische Versorgung auf hohem Niveau – Zuletzt leichte Anstiege bei Krankheitszahlen – Regionale Unterschiede bei der Sterblichkeit – Unterschiedliche Risiken von Frauen und Männern

Berlin/Düsseldorf, 17. Januar 2018 – „In Umkehr des Trends der beiden vorausgegangenen Jahre gab es 2016 in Deutschland bei den meisten im ‚Herzbericht 2017‘ berücksichtigten Krankheiten keinen Rückgang, sondern – bedingt durch die nun konsequent durchgeführte Altersstandardisierung und damit bessere Vergleichbarkeit – teils deutliche Anstiege gegenüber 2015“, berichtet Prof. Dr. Hugo Katus, Präsident der DGK, bei der Präsentation des Deutschen Herzberichts 2017 in Berlin. Bei den Herzklappenkrankheiten gab es ein Plus von 4,2 Prozent, bei den Angeborenen Herzfehlern von 3 Prozent, bei den Herzrhythmusstörungen von 2,6 Prozent, bei der Herzinsuffizienz von 2,5 Prozent, bei den durch Durchblutungsstörungen bedingten ischämischen Herzkrankheiten sowie bei der Angina Pectoris von jeweils 0,3 Prozent. Stabil blieb die Häufigkeit des akuten Herzinfarkts. Maßstab für die Berechnungen ist die Anzahl stationärer Behandlungen („vollstationäre Hospitalisationsrate“) der im Herzbericht ausgewählten Krankheiten, die Hinweise auf den Krankheitsstatus einer Bevölkerung gibt.

Steigende Sterbeziffer
Die Sterbeziffer (Gestorbene pro 100.000 Einwohner) bei sämtlichen im Herzbericht ausgewählten Krankheiten ist 2015 im Vergleich zu 2014 etwas gestiegen (269,6 vs. 256,1). Unter diesen Diagnosen ist die Koronare Herzkrankheit mit Abstand die prognostisch ungünstigste, gefolgt vom akuten Herzinfarkt und der Herzinsuffizienz. „Wie in den Vorjahren, ist die Sterblichkeit bei Frauen in der Summe aller ausgewählten Diagnosen deutlich höher als bei Männern. Bloß bei den Koronaren Herzkrankheiten und beim akuten Herzinfarkt ist die Sterbeziffer der Männer höher als bei Frauen“, sagt Prof. Katus.
Insgesamt ist in Deutschland die summierte Sterbeziffer der im Herzbericht ausgewählten Herzkrankheiten seit den 1990er Jahren um 46,2 Prozent zurückgegangen – wobei aber auch Auswirkungen der Umstellung auf den Zensus 2011 berücksichtigt werden müssen. Herzkrankheiten sind in Deutschland noch immer die Todesursache Nummer Eins.

Anstieg der Sterblichkeit je nach Alter
Der Anstieg der Sterblichkeit ist bei verschiedenen Diagnosen mit zunehmendem Lebensalter unterschiedlich ausgeprägt. „Bei Männern nimmt die Sterblichkeit an koronarer Herzkrankheit ab dem 65. bis 70. Lebensjahr zu, hingegen steigt die Sterblichkeit bei den übrigen Diagnosen erst ab dem 75. bis 80. Lebensjahr an. Auffällig ist der deutliche Anstieg der Sterblichkeit an der Herzinsuffizienz ab dem 80. bis 85. Lebensjahr. Bei Frauen nimmt die Sterblichkeit an der koronaren Herzkrankheit erst ab dem 75. bis 80. Lebensjahr exponentiell zu, gleiches gilt für die Sterblichkeit an einer Herzinsuffizienz ab dem 80. bis 85. Lebensjahr“, so Prof. Katus. „Die schon in den Vorjahren erhobenen Befunde bezüglich der Altersabhängigkeit der Sterblichkeit wurden durch die jetzigen Daten ergänzt und bestätigt.“

Sterblichkeit im Ländervergleich
Im Ländervergleich der Sterbeziffern für ischämische Herzkrankheiten und akuten Herzinfarkt haben die östlichen Bundesländer aufgrund ihrer Bevölkerungsstruktur die höchsten Werte. Die höchsten Sterbeziffern haben weiterhin Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bremen, die niedrigsten Berlin, Hamburg und Baden-Württemberg.
Die Tendenz der Sterblichkeit bei den Diagnosen Koronare Herzkrankheit, akuter Myokardinfarkt und Herzinsuffizienz trifft praktisch auf alle Bundesländer zu.

Morbidität und Sterblichkeit bei Koronarer Herzkrankheit
Bei den durch Durchblutungsstörungen hervorgerufenen Ischämischen Herzkrankheiten (Koronare Herzkrankheit), die sich an den Herzkranzgefäßen auswirkt, lag die vollstationäre Hospitalisationsrate der Männer bei 803,0 (2015: 800,5) von 100.000 Einwohnern. Bei Männern war sie mit 1.105,6 (2015: 1.099) mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen (508,8 (2015: 510,3). Die Erkrankungshäufigkeit ist hier in den vergangenen Jahrzehnten rückläufig. Prof. Katus: „Die Zahl der vollstationär behandelten Patienten ging zwischen den Jahren 1995 und 2016 um insgesamt 17,9 Prozent zurück – in der Altersgruppe der Über-75jährigen um 9,5 Prozent, in der Gruppe der 65- bis Unter-75jährigen um 39 Prozent.“
Bei den Ischämischen Herzkrankheiten übersteigt die Sterbeziffer der Männer mit 169,0 (2014: 161,8) jene der Frauen von 143,5 (2014: 137,1) deutlich.

Morbidität und Sterblichkeit bei akutem Herzinfarkt
Beim akuten Myokardinfarkt (Herzinfarkt, STEMI) betrug die vollstationäre Hospitalisationsrate insgesamt 266,7 auf 100.000 Einwohner (2015: 266,8), bei Männern war sie mit 360,2 (2015: 358,4) doppelt so hoch wie bei Frauen mit 175,7 (2015: 177,7) „Während sich bei Frauen der seit 2013 rückläufige Trend fortgesetzt hat, kam es 2016 bei Männern hier wieder zu einem leichten Anstieg der Diagnosen“, sagt Prof. Katus.
Der Rückgang der Sterblichkeit bei akuten Herzinfarkten zählt zu den beeindruckenden Erfolgen der modernen Herzmedizin. Gegenüber dem Beginn der 1990er Jahre verringerte sich 2015 in Deutschland die Herzinfarkt-Sterbeziffer bei Männern um 67,6 Prozent, bei Frauen um 57,3 Prozent. 1990 verstarben in Deutschland noch 85.625 Menschen an einem Herzinfarkt (48.850 Männer und 36.775 Frauen), was einer Sterbeziffer von 195,4 Männern und von 112,7 Frauen je 100.000 Einwohner entspricht. Bis zum Jahr 2015 verringerte sich die absolute Zahl der an einem Herzinfarkt Verstorbenen auf 49.210 und die Sterbeziffer bei Männern auf 63,3 und bei Frauen auf 48,1.
Allerdings ist trotz der ausgeprägteren Abnahme der Sterblichkeit bei Männern deren Prognose beim akuten Herzinfarkt auch im Jahr 2015 immer noch ungünstiger als die Prognose der Frauen mit dem gleichen Ereignis, berichtet Prof. Katus.

Ausgeprägte Sterblichkeits-Unterschiede zwischen den Bundesländern
Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es bei der Herzinfarkt-Sterblichkeit ausgeprägte Unterschiede in der Häufigkeit. Die höchste Sterblichkeit durch einen akuten Herzinfarkt findet sich, ähnlich wie in den Vorjahren, in den Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und im Saarland.
„Es ist wahrscheinlich, dass die Reduktion der Sterbeziffer beim akuten Herzinfarkt, abgesehen vom Rückgang der Anzahl von Rauchern, auch auf Verbesserungen der präventiven, rehabilitativen und therapeutischen Maßnahmen beruht. Dazu gehört die Notfall-PCI, Stents und Medikamente“, erklärt Prof. Katus. „Zu nennen sind auch Verbesserungen der Abläufe im Bereich der Rettungskette. Hier gilt der Grundsatz ‚Zeit ist Herzmuskel‘. An der Verkürzung der Prähospitalzeit im Rettungswagen und der ‚Pforte-Ballon-Zeit‘ im Krankenhaus wird seit Jahren gearbeitet. Die neu entstandenen Herzinfarktnetzwerke haben vermutlich ebenfalls Anteil daran, dass die Überlebensrate beim akuten Herzinfarkt angestiegen ist.“

Maßgebliche Rolle der Herzkatheter-Technik in Diagnose und Behandlung
Eine maßgebliche Rolle in der Behandlung der koronaren Herzkrankheit inklusive des akuten Herzinfarkts spielt heute die schonende Katheter-Technik. In Deutschland wurden im Jahr 2016 hochgerechnet 897.939 (plus 1,5 Prozent gegenüber 2015) Linksherzkatheter-Untersuchungen durchgeführt und 377.763 (plus 3,5 Prozent) therapeutische Perkutane koronare Interventionen (PCI), mit denen das verengte oder verschlossene Gefäß wieder geöffnet wird. Dabei wurden 2016 in Deutschland bei 339.931 Fällen Stents eingesetzt. Diese Mini-Gefäßstützen, mit denen verengte Gefäße offen gehalten werden, können vielen Patienten eine belastende Bypass-Operation ersparen.
Bei der Zahl der Linksherzkatheter-Messplätze liegt Deutschland seit Jahren in der Spitzengruppe, eine Überversorgung lasse sich allerdings aus den Zahlen nicht ableiten, sagt Prof. Katus. Eine Voraussetzung für die Behandlung sei, dass die Indikation für eine Herzkatheter-Untersuchung und gegebenenfalls Intervention gemäß den gültigen Leitlinien erfolge: „Die Analysen zeigen ein leitlinienkonformes Vorgehen in weit mehr als 90 Prozent aller registrierter Fälle.“

Herzklappen-Erkrankungen nehmen weiter zu
In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Zahl von Krankenhausaufnahmen wegen Herzklappenerkrankungen um 70,1 Prozent gestiegen – von 69 (1995) auf 117 (2016) pro 100.000 Einwohner. „Dabei ist in der Altersgruppe der Über-75jährigen eine enorme Zunahme um 184,8 Prozent zu verzeichnen. Diesem Anstieg steht ein Rückgang in den meisten anderen Altersgruppen gegenüber“, so Prof. Katus.
Eine Ursache dieser Steigerungsraten ist die insgesamt höhere Lebenserwartung. „Entscheidend ist auch, dass es heute mit der Katheter-gestützten Aortenklappen-Implantation (TAVI) eine sichere und sehr gut wirksame Behandlungsoption auch für Patienten im fortgeschrittenen Alter gibt, für die es bis vor kurzer Zeit keine Implantationsmöglichkeit mit vertretbarem Risiko gab“, so Prof. Katus. „Diese Gruppe ist allein aufgrund ihrer oft gravierenden Begleiterkrankungen besonders risikoreich.“
Das hat auch Auswirkungen auf die Sterblichkeitsrate. 2015 sind in Deutschland 16.987 Patienten an Herzklappenerkrankungen verstorben, was im Bundesdurchschnitt einer Sterbeziffer von 18,9 pro 100.000 Einwohner entspricht – im Jahr 1990 betrug sie noch 10,5.

Rasante Entwicklung bei der Katheter-gestützten Aortenklappen-Implantation (TAVI)
In den vergangenen Jahren ist eine rasante Entwicklung bei den – im Vergleich zu herkömmlichen herzchirurgischen Eingriffen am offenen Herzen – sehr schonenden Katheter-gestützten TAVI zu beobachten, die zunehmend über die Leistenarterie durchgeführt werden. Die Datenbank des Instituts für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) zeigt für das Jahr 2016 in Deutschland insgesamt 17.097 TAVI-Eingriffe, was einen Anstieg von 9,6 Prozent gegenüber dem Jahr davor bedeutet.
In den ersten Jahren seiner gut zehnjährigen Entwicklung war das TAVI-Verfahren alten Patienten über 75 Jahren mit hohem Risiko für eine konventionelle chirurgische Operation bzw. nicht operablen Patienten vorbehalten, sagt Prof. Katus: „Neue Studien haben in der 2-JahresNachbeobachtung eine günstige Entwicklung für TAVI auch bei Menschen mit niedrigem Risiko ergeben. TAVI wird zunehmend grundsätzlich auch als Therapie-Option bei jüngeren Patienten mit hohem bis mittlerem Risiko angesehen.“

Herzinsuffizienz: Sinkende Sterblichkeit trotz steigender Fallzahlen
Die Herzinsuffizienz (Herzschwäche) war 2016 in Deutschland die häufigste Hauptdiagnose der in einem Krankenhaus vollstationär behandelten Patienten. Stationäre Krankenhaus-Einweisungen von Patienten mit Herzinsuffizienz sind im Jahr 2016 mit 518 pro 100.000 Einwohner gegenüber dem Jahr 2015 um 2 Prozent angestiegen. Der Wert bei Frauen lag 2016 mit 525 über jenem der Männer (506).
Von 1995 auf 2016 stieg die vollstationäre Hospitalisationsrate bei Herzinsuffizienz um insgesamt 101,5 Prozent an, was einer Verdoppelung entspricht. „Die vermuteten Ursachen dieser Entwicklung sind vielfältig: zunehmendes Lebensalter, längeres Leben mit der kardialen Grunderkrankung und wirksamere Behandlungsmöglichkeiten“, sagt Prof. Katus. „Viele Patienten überleben heute andere Herzkrankheiten, leben deshalb länger, und bekommen in einer späteren Lebensphase eine Herzinsuffizienz.“
Die Zahl der Gestorbenen mit Todesursache Herzinsuffizienz ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gefallen: Von 65.377 im Jahr 1990 auf 47.414 im Jahr 2015. Dass sie zuletzt von 44.551 (2014) auf 47.414 (2015) wieder etwas angestiegen ist, hat als eine mögliche Ursache die älter werdende Gesellschaft, so Prof. Katus: „Die Sterbeziffer bei Herzinsuffizienz nimmt sowohl bei Männern als auch bei Frauen ab der Altersgruppe der 80- bis unter 85-jährigen deutlich zu. Ihren Höchstwert erreichte sie in der Altersgruppe ab 90 Jahren.“

Herzrhythmusstörungen: steigende Häufigkeit und Sterblichkeit, bessere Therapien
Herzrhythmusstörungen gehören zu den verbreitetsten Herzerkrankungen mit zunehmender Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeit. Unter den vielfältigen Formen von Herzrhythmusstörung ist in Deutschland Vorhofflimmern die häufigste anhaltende Form. Derzeit sind etwa 800.000 Menschen, also rund ein Prozent der Bevölkerung, davon betroffen. Prof. Katus: „Innerhalb der nächsten 50 Jahre wird bei Vorhofflimmern mit einer Verdoppelung der Erkrankungszahlen gerechnet.“
Zwischen den Jahren 2008 und 2016 ist die Zahl der vollstationär behandelten Fälle von Herzrhythmusstörungen um 20,7 Prozent angestiegen (555 pro 100.000 Einwohner), seit dem Jahr 1995 um 103,7 Prozent. Die Ursache dieser Entwicklung liegt unter anderem in der verbesserten Diagnostik und Therapie sowie in der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung. Prof. Katus: „Der Anstieg spiegelt die vermehrte Wahrnehmung der Erkrankung dank besserer diagnostischer und therapeutischer Optionen in allen Altersgruppen – mit Ausnahme der unter 15-Jährigen – wider.“
Die Sterbeziffer stieg in Deutschland seit 1996 tendenziell ununterbrochen an und erreichte 2015 mit 31,5 pro 100.000 Einwohner den bisherigen Höchstwert. Auch bei den Herzrhythmusstörungen lagen die Sterbeziffern der Frauen in allen Bundesländern über jenen der Männer, wobei die Werte von 24 in Berlin bis zu 54 in Bremen reichen. Die Werte der Männer lagen zwischen 14 in Berlin und 36 in Bremen.

Steigende Zahlen bei Untersuchungen und Behandlungen von Rhythmusstörungen
Nach einer Hochrechnung aus der DGK-Erhebung für elektrophysiologische Untersuchungen wurden im Jahr 2016 in Deutschland 81.956 (2015: 76.188) Ablationen vorgenommen, ein Anstieg von 7,5 Prozent gegenüber dem Jahr davor, in diesen Zahlen sind rein diagnostische Untersuchungen zum Teil enthalten.
Neben Medikamenten gibt es die interventionelle Möglichkeit einer Katheterablation, mit der krankhafte elektrische Erregungsherde am Herzmuskelgewebe verödet werden. Prof. Katus: „Die Steigerung der interventionellen Eingriffe spiegelt die verbesserten therapeutischen Möglichkeiten wider. Mit Steigerungen ist in Zukunft nach weiteren Investitionen in die dazu notwendige Infrastruktur zu rechnen.
Auch die Behandlung mit Rhythmus-Implantaten zählt zu den Säulen der Therapie. Damit soll vor allem der plötzliche Herztod verhindert werden, an dem in Deutschland jedes Jahr etwa 200.000 Menschen sterben. Im Jahr 2016 wurden im Rahmen der stationären Versorgung von Patienten rund 157.000 solcher Operationen durchgeführt. Von 2015 auf 2016 hat die Zahl der Operationen bei implantierbaren Kardioverter/Defibrillatoren (ICD) um knapp 200 abgenommen, die Zahl der Herzschrittmacher-Eingriffe um etwa 1.000 zugenommen.
„Die Qualität der Versorgung mit kardialen Rhythmusimplantaten hat in Deutschland weiterhin ein hohes Niveau und kann sich mit den beiden europäischen Nachbarn, die belastbare Daten generieren, durchaus messen“, heißt es im Deutschen Herzbericht 2017. „Dennoch zeigt die seit Jahren hohe Rate an Revisionsoperationen, dass Verbesserungspotenziale vorhanden sind und realisiert werden sollten.“

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie Pressesprecher: Prof. Dr. Eckart Fleck (Berlin) Hauptstadtbüro der DGK: Leonie Nawrocki, Tel.: 030 206 444 82 Pressestelle: Kerstin Kacmaz, Tel.: 0211 600 692 43 presse@dgk.org B&K–Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung, Dr. Birgit Kofler, Tel.: 030 70015967 kofler@bkkommunikation.com

Quelle: „Pressetext DGK 01/2018“ Grafenberger Allee 100 40237 Düsseldorf Telefon: +49 (0) 211 / 600 692-0 Fax: +49 (0) 211 / 600 692-10 E-Mail: info@dgk.org Web: www.dgk.org Vorstand: Prof. Dr. Hugo A. Katus (Präsident) - Prof. Dr. Christian W. Hamm - Prof. Dr. Andreas M. Zeiher Geschäftsführer und besonderer Vertreter nach § 30 BGB: Dr. rer. med. Konstantinos Papoutsis Sitz: Bad Nauheim – Eingetragen beim AG Friedberg unter VR 334 – Steuer-Nr.: 105 5888 1351
http://dgk.org/daten/PA-Katus-17012018.pdf

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Ärzte Zeitung vom 17.01.2018:
Herzbericht
Fünf wichtige Fakten zur Herzgesundheit der Deutschen

Heute wurde in Berlin der Herzbericht 2017 vorgestellt. Es zeigt sich, dass Herzerkrankungen jeglicher Art weiter zunehmen. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Menschen aus sozial benachteiligten Bremer Stadtteilen

Beitrag von WernerSchell » 17.01.2018, 19:08

Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS

Erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Menschen aus sozial benachteiligten Bremer Stadtteilen

Bremerinnen und Bremer aus sozial benachteiligten Stadtteilen wie Gröpelingen und Tenever erleiden deutlich häufiger einen Herzinfarkt als Personen aus Vierteln mit hohem sozialem Status wie Borgfeld und Schwachhausen. Dies ergab eine Datenanalyse des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) der Stiftung Bremer Herzen am Klinikum Links der Weser und des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Bei der akuten Behandlung von Betroffenen scheint der soziale Hintergrund keine Rolle zu spielen.
Immer wieder steht er im Fokus von Berichterstattung und Forschung – der „SoS“. Und das völlig zu Recht. Denn wie zahlreiche wissenschaftliche Studien aus der ganzen Welt belegen, hat der sozioökonomische Status (SoS) – ein Sammelbegriff für diverse Merkmale des Lebens eines Menschen wie etwa Einkommen, Bildungsgrad oder Beruf – ganz erheblichen Einfluss zum Beispiel auf die Gesundheit.
Auch in Bremen ist der SoS seit vielen Jahren ein breit diskutiertes Thema in der gesellschaftlichen Debatte. Um eine fundierte Diskussionsgrundlage zu schaffen, hatte der Senat erstmals 1993 einen eigenen sozialen Benachteiligungsindex aus mehr als 20 Sozialindikatoren für die Bremer Ortsteile entwickelt und zuletzt 2009 aktualisiert. In die Berechnung flossen etwa Schulabschlüsse, Wahlbeteiligung und Arbeitslosenziffer ein. Das sich ergebende Bild ist deutlich: So ist die Benachteiligung etwa in den Ortsteilen Gröpelingen, Tenever und Ohlenhof besonders ausgeprägt, während die Ortsteile Oberneuland, Borgfeld und Schwachhausen die geringste Benachteiligung zeigen.
Eine Gruppe aus Medizinerinnen und Medizinern des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) der Stiftung Bremer Herzen am Klinikum Links der Weser und Epidemiologinnen und Epidemiologen des BIPS wollte nun folgende Frage klären: Welchen Einfluss hat das Wohnviertel und somit der soziale Status auf das Herzinfarktrisiko von Bremerinnen und Bremern?
Dazu führten sie zwei Datensätze zusammen: die Benachteiligungsindizes des Senats und die Daten aus dem Bremer STEMI-Register des Herzzentrums am Klinikum Links der Weser. Darin dokumentiert sind die Behandlungsdaten sämtlicher Bremerinnen und Bremer, die seit 2006 einen Herzinfarkt (genauer: einen ST-Hebungs-Myokardinfarkt – STEMI) erlitten haben. „Zwischen Januar 2006 und Dezember 2015 haben insgesamt 3.462 Bremerinnen und Bremer erstmals einen STEMI erlitten. Davon waren 71 % Männer, 44 % der Betroffenen waren aktive Raucher, 21 % hatten Diabetes und 23 % waren fettleibig“, sagen die Erstautoren der Studie Dr. Johannes Schmucker und Dr. Susanne Seide vom BIHKF am Klinikum Links der Weser. „Mithilfe der Postleitzahlen der betroffenen Personen haben wir diese den verschiedenen Benachteiligungsindizes zugeordnet und in vier Gruppen eingeteilt – von Gruppe 1 mit hohem sozialen Status bis Gruppe 4 mit niedrigem sozialen Status.“
In der darauffolgenden Analyse konnten die Forscherinnen und Forscher von BIHKF und BIPS einen ausgeprägten sozialen Gradienten nachweisen. „Am stärksten ausgeprägt ist dieser Gradient bei jüngeren Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren. Hier ist die Häufigkeit von Infarkten in Gruppe 4 mit niedrigem sozialem Status im Vergleich zur Gruppe 1 mit hohem Status mehr als 2-fach erhöht – mit fast identischen Werten für Frauen und Männer“, sagt Johannes Schmucker. „Ein Grund dafür könnten die Risikofaktoren sein. So waren die Betroffenen der Gruppe 4 deutlich häufiger aktive Raucher und/oder stark übergewichtig.“
Ein dagegen positiv zu bewertendes Ergebnis der Studie: Sowohl bei Art und Qualität der Behandlung im Krankenhaus als auch bei der verstreichenden Zeit vom Eintreffen im Krankenhaus bis zum lebensrettenden Erweitern der betroffenen Gefäße mittels Ballonkatheter – die sogenannte „door-to-balloon-Zeit“ – spielt der soziale Status in Bremen keine Rolle. „Dieses Ergebnis steht im Kontrast zu Studien etwa aus Finnland, Kanada oder den USA. In diesen Ländern gibt es durchaus Unterschiede. So werden laut einer Studie aus den USA Menschen afro-amerikanischer Herkunft seltener mit einer perkutanen koronaren Intervention mittels Ballonkatheter behandelt und auch die door-to-balloon-Zeiten sind länger“, erläutert Susanne Seide.
Bei der langfristigen Prognose der Betroffenen zeigt sich wiederum ein deutliches soziales Gefälle. So ist das Sterblichkeitsrisiko für Personen unter 50 Jahren aus der Gruppe 4 innerhalb der folgenden 5 Jahre nach dem Infarkt fast 6 Mal höher als bei Angehörigen der Gruppe 1. Ähnliches zeigt sich beim Risiko für Komplikationen, das in den 5 Jahren nach dem Infarkt fast 5-fach höher liegt.
„Insgesamt beobachten wir also, dass Bremerinnen und Bremer aus sozial benachteiligten Ortsteilen häufiger einen Herzinfarkt erleiden – besonders wenn sie jünger als 50 Jahre sind – häufiger rauchen und stark übergewichtig sind und nach dem Infarkt eine schlechtere Prognose haben. Dagegen zeigen sich bei der Behandlung im Krankenhaus keine signifikanten Unterschiede“, schließt Johannes Schmucker. „Präventionsprogramme vor und nach dem Infarkt sollten also schwerpunktmäßig in sozial benachteiligten Ortsteilen stattfinden.“

Die Studie „Socially disadvantaged city districts show a higher incidence of acute ST-elevation myocardial infarctions with elevated cardiovascular risk factors and worse prognosis / Schmucker und Seide et al.” ist erschienen in BMC Cardiovascular Disorders.
https://bmccardiovascdisord.biomedcentr ... 017-0683-2

Kontakt:
Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Nils Ehrenberg
Tel: +49 (0)421 218-56780
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Das BIPS – Gesundheitsforschung im Dienste des Menschen
Die Bevölkerung steht im Zentrum unserer Forschung. Als epidemiologisches Forschungsinstitut sehen wir unsere Aufgabe darin, Ursachen für Gesundheitsstörungen zu erkennen und neue Konzepte zur Vorbeugung von Krankheiten zu entwickeln. Unsere Forschung liefert Grundlagen für gesellschaftliche Entscheidungen. Sie klärt die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken auf und trägt zu einer gesunden Lebensumwelt bei.
Das BIPS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der 93 selbstständige Forschungseinrichtungen gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.700 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,8 Milliarden Euro.
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Quelle: Pressemitteilung vom 17.01.2018
Nils Ehrenberg
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Die gesamte Pressemitteilung können Sie im WWW abrufen unter:
http://idw-online.de/de/news687649
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Herzbericht 2017 - Weniger Kardiologen = mehr Herztote?

Beitrag von WernerSchell » 18.01.2018, 07:23

Ärzte Zeitung vom 18.01.2018:
Herzbericht 2017
Weniger Kardiologen = mehr Herztote?

In Bundesländern mit weniger niedergelassenen Kardiologen sterben mehr Patienten an Herzerkrankungen, so der aktuelle Herzbericht. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr
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Herzmedizin - Die Akutversorgung läuft, die Prävention nicht so

Beitrag von WernerSchell » 19.01.2018, 07:24

Ärzte Zeitung vom 19.01.2018:
Deutsche Herzstiftung
Herzmedizin - Die Akutversorgung läuft, die Prävention nicht so

Bei der interventionellen Versorgung von Herzpatienten macht den deutschen Kardiologen keiner etwas vor: Es wird mehr katheterisiert denn je. Defizite gibt es in der Prävention. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr
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