Mit gesundem Lebensstil dem Gehirnabbau vorbeugen

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Körperliche Aktivität kann kognitiven Abbau bei genetisch verursachtem Alzheimer verlangsamen

Beitrag von WernerSchell » 25.09.2018, 17:48

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Körperliche Aktivität kann kognitiven Abbau bei genetisch verursachtem Alzheimer verlangsamen

Für Menschen mit einer genetischen Mutation, die Alzheimer auslöst, kann körperliche Aktivität von mindestens 2,5 Stunden in der Woche günstige Auswirkungen auf die Alzheimer-Pathologie im Gehirn haben und den kognitiven Abbau verlangsamen, so die Ergebnisse einer neuen Studie, die online bei Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association erschienen ist. Möglicherweise trifft dies gleichermaßen auf Menschen mit der häufiger auftretenden Form von Alzheimer zu.

Nach Meinung der Autoren stützen diese Ergebnisse den Nutzen von körperlicher Aktivität auf die Kognition und in Bezug auf das Fortschreiten der Demenz, selbst bei Menschen mit autosomal dominanter* Alzheimer-Erkrankung (ADAD), einer seltenen, genetisch bedingten Form der Krankheit, bei der die Entwicklung einer Demenz in einem vergleichsweise jungen Alter zwangsläufig auftritt.

Die Autoren sagen, ihre Ergebnisse „zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität, Kognition, Funktionsstatus und der Alzheimer-Pathologie selbst bei Menschen mit einer genetisch bedingten ADAD. Die empfohlene Dauer der körperlichen Aktivität von ≥150 Minuten pro Woche ging einher mit signifikant besseren kognitiven Fähigkeiten und weniger schweren pathologischen Veränderungen durch die Alzheimer-Erkrankung bei ADAD. Vom Standpunkt des öffentlichen Gesundheitswesens aus, wurde dieser Umfang an körperlicher Aktivität von 70% aller ADAD-Probanden, die an der DIAN-Studie teilnahmen. erreicht. Eine körperlich aktive Lebensweise ist demnach machbar und kann eine wichtige Rolle dabei spielen, die Entstehung von ADAD hinauszuzögern und ihr Voranschreiten zu verlangsamen.“

„Die Ergebnisse dieser Studie sind ermutigend und das nicht nur für Menschen mit der seltenen familiär bedingten Alzheimer-Krankheit“, sagt Maria C. Carrillo, Ph.D., Chief Science Officer der Alzheimer’s Association. „Wenn weitere Forschungen diesen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und einem späteren Auftreten von Demenzsymptomen bei ADAD bestätigen, dann müssen wir den Umfang dieser Arbeit erweitern, um zu sehen, ob das auch für die Millionen Menschen mit der häufigeren Form der Alzheimer-Krankheit, die später beginnt, gilt.“

Prof. Dr. med. Christoph Laske und sein Forschungsteam am Universitätsklinikum Tübingen, Deutschland, analysierten Daten von 275 Personen (Durchschnittsalter 38,4), die eine Genmutation für ADAD tragen und Teilnehmer des Dominantly Inherited Alzheimer’s Network (DIAN) sind. DIAN ist eine internationale Studie zur Beobachtung von Menschen und Familien mit ADAD. Diese Studie wird von Forschern der Washington University School of Medicine in St. Louis geleitet.

Die Forscher wollten herausfinden, ob mindestens 150 Minuten pro Woche körperliche Aktivität (Gehen, Laufen, Schwimmen, Aerobic usw.) - die aktuelle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation und des American College of Sports Medicine - einen Nutzen für die kognitiven Fähigkeiten der Studienteilnehmer erbringen würden. 156 Teilnehmer wurden als körperlich sehr aktiv eingestuft (>150 Minuten körperliche Aktivität/Woche), 68 wurden als körperlich wenig aktiv (<150 Minuten körperliche Aktivität/Woche) eingestuft. Die Übungsintensität wurde nicht gemessen, aber die Art und Häufigkeit wurde z. B. von einem Familienmitglied oder einem Freund übermittelt.

Die Forscher stellten fest, dass Personen, die sich körperlich mehr betätigten, beim Mini-Mental-Status-Test (MMSE) und in der Clinical Dementia Rating Sum of Boxes (CDR-SOB), beides anerkannte Messverfahren für die Kognition und das Funktionsniveau, besser abschnitten. Ebenso hatten Personen, die sich körperlich mehr betätigten, niedrigere Biomarkerlevel für Alzheimer im Liquor, wie auch niedrigere Tau-Werte, ein Protein, das sich bei Menschen mit Alzheimer-Erkrankung im Gehirn bildet. Die individuellen Entwicklungsverläufe von kognitiven Veränderungen wurden jedoch bei dieser Querschnittsstudie nicht beurteilt.

„Eine körperlich aktive Lebensweise ist machbar und kann eine wichtige Rolle dabei spielen, die Entstehung von ADAD und ihr Voranschreiten zu verzögern. Menschen mit einem genetisch bedingten Risiko einer Demenz sollten deshalb dahingehend aufgeklärt werden, dass ein aktiver Lebensstil angestrebt werden sollte“, schlussfolgern die Autoren der Studie.

„Es gibt mehr und mehr wissenschaftliche Belege für den positiven Einfluss von Lebensstilfaktoren auf die Risikoreduktion oder das Verhindern des Abbaus kognitiver Fähigkeiten und einer Demenzentwicklung“, sagt Carrillo. „Zum Beispiel hörten wir auf der AAIC 2018 im Juli die ersten Ergebnisse aus SPRINT MIND, der ersten randomisierten klinischen Studie, um nachzuweisen, dass umfangreiche Blutdruckbehandlung neue Fälle der leichten kognitiven Störung (MCI) und das kombinierte Risiko aus MCI plus allgemeine Demenz reduziert. Neue Hoffnung wird daher in eine zukünftige Alzheimer-Therapie gesetzt, die Medikamente und die Beeinflussung modifizierbarer Risikofaktoren kombiniert, so wie wir es heute schon bei Herzkrankheiten tun.“

Um genauere wissenschaftliche Beweise dafür zu sammeln, wie die Lebensweise die Gehirngesundheit beeinflusst, führt die Alzheimer’s Association gegenwärtig eine große, über zwei Jahre laufende klinische Studie unter dem Namen „U.S. Study to Protect Brain Health Through Lifestyle Intervention to Reduce Risk“ (U.S. POINTER) durch. Die Studie ist ein klinischer Versuch, mit dem beurteilt werden soll, ob Änderungen in der Lebensweise und gleichzeitiger Berücksichtigung vieler Risikofaktoren, die kognitiven Funktionen bei älteren Erwachsenen schützen, die mit einem erhöhten Risiko des kognitiven Abbaus leben. U.S. POINTER ist die erste Studie dieser Art, die mit einer großen Gruppe Amerikaner aus den gesamten Vereinigten Staaten durchgeführt wird.

* Bei einer autosomal dominanten Form einer Krankheit kann man, wenn man das veränderte Gen von einem Elternteil vererbt bekommt, die Krankheit bekommen.

PRESSEMITTEILUNG der alzheimer's association

Über die Alzheimer’s Association®
Die Alzheimer’s Association ist der führende freiwillige Zusammenschluss von Gesundheitsexperten in der Alzheimer-Behandlung, Betreuung und Forschung. Sie ist der größte gemeinnützige Geldgeber für die Alzheimer-Forschung. Das Zielder Association ist es, die Alzheimer-Krankheit durch Fortschritte in der Forschung zu verhindern, Behandlung und Unterstützung für alle Betroffenen bereitzustellen und zu verbessern und das Demenzrisiko durch die Förderung von Hirngesundheit zu senken. Ihre Vision ist eine Welt ohne Alzheimer.

Über Alzheimer’s & Dementia:
The Journal of the Alzheimer’s Association®Die Mission von Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association ist es, die Wissenslücken zwischen Forschung und Praxis zu schließen. Das Journal stellt ein Forum dar für den schnellen Austausch neuer Erkenntnisse, Ideen und Aussichten, es vergrößert das Wissen in unterschiedlichsten Disziplinen, um die frühzeitige Erkennung/Diagnose und/oder Behandlung zu fördern und gibt den wissenschaftlichen Impuls für neue Initiativen oder öffentliche Politik hinsichtlich Forschung zu Prävention und neuen Modellen von Gesundheitsdiensten. Besuchen Sie uns auf www.alzheimersanddementia.com und finden Sie weitere Informationen über die Journalfamilie Alzheimer’s & Dementia.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Psychiatrie und PsychotherapieSektion für DemenzforschungProf. Dr. med. Christoph Laske
Tel. 07071 29-83444
E-Mail christoph.laske@med.uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
Originalpublikation unter https://doi.org/10.1016/j.jalz.2018.06.3059
Relationship between physical activity, cognition, and Alzheimer pathology in autosomal dominant Alzheimer's disease

Quelle: Pressemitteilung vom 25.09.2018
Bianca Hermle Kommunikation und Medien
Universitätsklinikum Tübingen
https://idw-online.de/de/news702789
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Herzschutz-Effekt durch spezielle Fischöl-Kapseln

Beitrag von WernerSchell » 13.11.2018, 07:43

Ärzte Zeitung vom 13.11.2018:
Ausnahmestudie REDUCE IT vorgestellt
Herzschutz-Effekt durch spezielle Fischöl-Kapseln

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren hat in der REDUCE IT-Studie eine erstaunliche Wirkung entfaltet. Zu einem anderen Ergebnis kommt die Studie VITAL. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=97 ... efpuryykqr
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Jeder Zweite hat Angst vor Alzheimer

Beitrag von WernerSchell » 20.11.2018, 09:36

DAK


Jeder Zweite hat Angst vor Alzheimer
Studie der DAK-Gesundheit: Sorge bei älteren Menschen fast so groß wie vor Krebs


Jeder Zweite fürchtet sich vor Alzheimer und Demenz. Bei älteren Menschen ist die Sorge vor dieser Erkrankung besonders ausgeprägt und fast so groß wie vor Krebs. Das zeigt eine repräsentative Bevölkerungsbefragung* der DAK-Gesundheit. Weitere Ergebnisse der aktuellen Analyse: Mehr als jeder dritte 14- bis 29-Jährige fürchtet sich vor psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-out. Frauen machen sich besonders häufig gesundheitliche Sorgen.
Seit 2010 untersucht das Forsa-Institut für die Krankenkasse DAK-Gesundheit jeweils im November die Angst der Deutschen vor Krankheiten. Aktuell wurden bundesweit rund 3.500 Männer und Frauen befragt. Demnach haben 68 Prozent der Befragten am meisten Furcht vor einem bösartigen Tumor. Jeder Zweite hat Angst vor Alzheimer und Demenz – ein Anstieg von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 45 Prozent fürchten sich davor, einen Schlaganfall zu erleiden. Mehr als jeder Dritte (38 Prozent) hat Angst vor einem Herzinfarkt.

Die Angst vor einer Tumorerkrankung ist bei jungen Menschen zwischen 14 und 29 Jahre mit 73 Prozent am größten und geht bei den über 60-Jährigen auf 61 Prozent zurück. Bei Demenz und Alzheimer ist das Ergebnis umgekehrt: Hier wächst die Sorge von 42 Prozent bei den jüngeren auf 58 Prozent bei den älteren Befragten deutlich. Demenz macht den Befragten besonders Angst, weil die Erkrankung jeden treffen kann und weil die Betroffenen dann auf die Pflege anderer angewiesen sind. Diese Gründe nannten 73 beziehungsweise 76 Prozent. Fast jeder Zweite (45 Prozent) fürchtet sich am meisten vor Alzheimer oder Demenz, weil die Anzahl der Krankheitsfälle so stark ansteigt. Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) nannte Berichte in den Medien als Grund.
Die DAK-Befragung zeigt auch große Geschlechterunterschiede auf: So fürchten sich Frauen insgesamt mehr vor Krankheiten als Männer. „Frauen haben meist eine größere Aufmerksamkeit für ihren Körper“, erläutert DAK-Ärztin Dr. Susanne Bleich. „Dieses Körpergefühl wirkt sich aber auch positiv bei der Gesundheitsvorsorge aus. Laut unserer Umfrage gehen 68 Prozent der Frauen zur Krebs-Früherkennung. Bei den Männern sind es nur 45 Prozent.“
Um Krankheiten vorzubeugen, treiben 80 Prozent der Befragten regelmäßig Sport, 71 Prozent achten auf richtige Ernährung. Ebenso viele trinken nur wenig Alkohol, um gesund zu bleiben. 65 Prozent lesen und suchen geistige Herausforderungen. 71 Prozent rauchen nicht. Das ist der höchste Nichtraucher-Wert seit 2010.
Insgesamt schätzen 89 Prozent der Deutschen ihren aktuellen Gesundheitszustand als gut beziehungsweise sehr gut ein. Im Vergleich der Bundesländer und Regionen bewerten die Menschen in Norddeutschland und Bayern mit 95 und 91 Prozent ihren Gesundheitszustand als besonders gut.

Vor diesen Krankheiten haben die Deutschen am meisten Angst:
1. Krebs (68 Prozent)
2. Alzheimer/Demenz (50 Prozent)
3. Schlaganfall (45 Prozent)
4. Unfall mit Verletzungen (43 Prozent)
5. Herzinfarkt (38 Prozent)
6. Schwere Augenerkrankung, z.B. Erblindung (30 Prozent)
7. Psychische Erkrankung wie Depressionen (27 Prozent)
8. Schwere Lungenerkrankung (18 Prozent)
9. Diabetes (15 Prozent)
10. Geschlechtskrankheit wie Aids (10 Prozent)

*Das Forsa-Institut führte für die DAK-Gesundheit vom 11. Oktober bis zum 2. November 2018 eine bundesweite und repräsentative Befragung von 3.498 Männern und Frauen durch.

Quelle: Pressemitteilung vom 20.11.2018
DAK-Gesundheit
Pressestelle
Telefon: 040/2396 1409
E-Mail: presse@dak.de
https://www.dak.de/dak/bundes-themen/an ... 33808.html

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„Fischöl“-Prophylaxe - das könnte wirken

Beitrag von WernerSchell » 02.04.2019, 06:33

Ärzte Zeitung vom 02.04.2019:
Neue Daten zu Icosapent-Ethyl
„Fischöl“-Prophylaxe - das könnte wirken

Eicosapentaensäure in Reinform und hoher Dosis kann bei ausgewählten Patienten das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse deutlich senken, bestätigt eine neue Analyse der REDUCE-IT-Studie. ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
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Fischölkapseln helfen nicht

Beitrag von WernerSchell » 21.08.2019, 06:59

Fischölkapseln helfen nicht

Lange galten Fischölkapseln, wegen ihrer Omega-3-Fettsäuren, als gute Vorbeugung gegen Herz-Kreislaufkrankheiten. Sie sollten Entzündungen hemmen, oder die Zellwände elastischer halten. Ursprünglich kommt diese Idee daher, dass Menschen, die viel Fisch essen – und daher eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren haben – seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Doch vielleicht liegt das gar nicht an den Fettsäuren allein, sondern auch an anderen Inhaltsstoffen im Fisch. Denn letztes Jahr kamen Studien zu dem Schluss: handelsübliche Fischölkapseln mit einem Gramm Omega-3-Fettsäuren, pro Tag eingenommen, bringen nichts. Weder gesunde Menschen, noch Diabetiker bekamen weniger Herzinfarkte, wenn sie solche Fischölkapseln nahmen. Quarks-Reporterin Antje Sieb berichtet | audio > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... t-100.html

Mehr:
"Omega-3-Kapseln: völlig überbewertet" ein quarks-Beitrag vom 05.03.2019 | quarks.de > https://www.quarks.de/gesundheit/ernaeh ... ttsaeuren/
"Omega-3-Fettsäuren helfen wenig" ein WDR 5 Quarks-Beitrag vom 18.07.2018 | audio > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... g-100.html

Quelle: Mitteilung vom 20.08.2019
Quarks-Team - quarks@wdr.de
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Ein kleiner Kern im Gehirn hat große Auswirkungen auf Lernen und Gedächtnis im Alter

Beitrag von WernerSchell » 10.09.2019, 06:10

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Ein kleiner Kern im Gehirn hat große Auswirkungen auf Lernen und Gedächtnis im Alter

Der blaue Kern, auch Locus coeruleus genannt, ist eine winzige Region im Hirnstamm. Als Hauptquelle des Neurotransmitters Noradrenalin hat er einen großen Einfluss darauf, ob unser Gedächtnis auch im Alter noch gut funktioniert. Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) und neuartiger Analysemethoden konnten Forscher*innen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der University of Southern California nun nachweisen, dass ein gesünderer Locus coeruleus mit besseren Gedächtnisleistungen im späteren Erwachsenenalter einhergeht. Die Ergebnisse der Studie sind in der Zeitschrift Nature Human Behaviour erschienen.

Warum lassen manche kognitiven Fähigkeiten – insbesondere das Erinnerungsvermögen – im Laufe des Erwachsenenalters nach? Und wie kommt es, dass sich manche Menschen auch im hohen Alter Neues gut einprägen und merken können, andere jedoch nicht? Bei der Beantwortung dieser Fragen haben sich kognitive Neurowissenschaftler*innen in den letzten Jahrzehnten vornehmlich auf die Großhirnrinde und auf den Hippokampus konzentriert, der beim Lernen und Erinnern eine zentrale Rolle spielt.

Jedoch gerät in jüngster Zeit eine winzige Zellstruktur, tief unter der Großhirnrinde im Hirnstamm versteckt, in den Fokus der Forschung: der Locus coeruleus oder blaue Kern. Dieser Kern ist nur etwa 15 Millimeter groß und über ein weitverzweigtes Netz von Nervenfasern mit nahezu dem gesamten Gehirn verbunden. Die Nervenzellen, aus denen er besteht, sind die Hauptquelle des neuronalen Botenstoffs Noradrenalin. Als sogenannter Neuromodulator reguliert Noradrenalin die Kommunikation zwischen Nervenzellen und trägt damit wesentlich zur Kontrolle von Stress, Gefühlen und Aufmerksamkeit bei. Zudem haben Tierstudien gezeigt, dass Noradrenalin auf zellulärer Ebene Umbauvorgänge unterstützt, die die langfristige Speicherung neuer Erinnerungen, Fähigkeiten und Kenntnisse ermöglichen. Deswegen beruhen erfolgreiche Lern- und Gedächtnisprozesse vermutlich auf einem gut funktionierenden Locus coeruleus.

Mit fortschreitendem Alter zeigt der Locus coeruleus zunehmend Verfallserscheinungen, welche wahrscheinlich auf die Ansammlung von Giftstoffen aus dem Blutkreislauf sowie aus der Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt, zurückzuführen sind. Neuere Forschungsergebnisse weisen zudem darauf hin, dass krankhafte Veränderungen im Zuge der Alzheimer-Demenz zuerst im Locus coeruleus auftreten könnten und von dort aus Hirnregionen erreichen, die für das Gedächtnis zuständig sind, bevor sie schließlich in späteren Krankheitsstadien große Teile des restlichen Gehirns erfassen.

„Neue Studien, die das Hirngewebe Verstorbener untersuchten, zeigen, dass einer der wesentlichen Krankheitsindikatoren der Alzheimer-Demenz bei den meisten Menschen mittleren Alters im Locus coeruleus festgestellt werden kann. Wir sind nun unter den ersten, die einen Zusammenhang zwischen kognitiver Leistungsfähigkeit und der Gesundheit des Locus coeruleus beim lebenden Menschen belegen konnten“, sagt Mara Mather, Professorin für Gerontologie an der University of Southern California und Koautorin der Studie.

Markus Werkle-Bergner, Senior Scientist am Forschungsbereich Entwicklungspsychologie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, fügt hinzu: „Frühere Tierversuche legten eine Verbindung zwischen einem gesünderen Locus coeruleus und besseren Lern- und Gedächtnisleistungen nahe. Es ist daher wichtig zu verstehen, ob alterungsbedingte Veränderungen des Locus coeruleus auch bei Menschen mit Gedächtniseinbußen im Alter zusammenhängen.“

Aufgrund seiner geringen Größe und der Lage tief im Hirnstamm war es bislang nahezu unmöglich, den Locus coeruleus am lebenden Menschen zu untersuchen. Dank neuer Methoden der MRT-Bildgebung sowie weiterentwickelter Analyseverfahren kann diese Gehirnregion nun nicht-invasiv sichtbar gemacht werden. Mit diesen neuen Verfahren haben nun die Wissenschaftler*innen den Locus coeruleus von 66 jüngeren Menschen mit einem Altersdurchschnitt von 33 Jahren und 228 älteren Menschen mit einem Altersdurchschnitt von 72 Jahren näher untersucht. Alle Proband*innen haben zudem im Rahmen der Berliner Altersstudie II (BASE-II) eine Reihe neuropsychologischer Gedächtnistests bearbeitet. Beispielsweise sollten sie sich eine fünfzehn Worte umfassende Liste über mehrere Durchgänge hinweg einprägen und anschließend wiedergeben.

Wie erwartet lösten die jüngeren Proband*innen die Aufgaben im Mittel besser als die älteren. Auffällig war jedoch, dass diejenigen älteren Proband*innen, deren Locus coeruleus denen der jüngeren Proband*innen ähnelte, höhere Gedächtnisleistungen zeigten als ältere Proband*innen, deren Locus coeruleus deutliche Anzeichen alterungsbedingter Veränderungen aufwies.

„Der Locus coeruleus ist ein sehr empfindlicher Teil des Gehirns. Unsere Studie zeigt, dass alterungsbedingte Beeinträchtigungen seiner Struktur und Funktion weitreichende Folgen für Aufmerksamkeit und Gedächtnis haben. Künftige Langzeitstudien müssen ergründen, ob auch krankheitsbedingte Prozesse die Alterung des Locus coeruleus beschleunigen – und wenn das der Fall ist, wie wir den Beginn beim einzelnen Betroffenen feststellen können“, sagt Martin Dahl, Erstautor der Studie und Doktorand am Forschungsbereich Entwicklungspsychologie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

Bei Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz sind im Locus coeruleus neuropathologische Veränderungen bereits sichtbar, bevor die ersten Verhaltensänderungen auftreten. Diese Periode könnte ein Zeitfenster darstellen, in dem die Krankheitsentwicklung noch beeinflusst werden kann. Weitere Langzeitstudien, die sowohl den Locus coeruleus als auch krankheitsspezifische Biomarker erfassen, könnten ein neues Licht auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten gesunder und pathologischer Gedächtnisveränderungen im Alter werfen.

--
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Originalpublikation:
Dahl, M. J., Mather, M., Düzel, S., Bodammer, N. C., Lindenberger, U., Kühn, S., & Werkle-Bergner, M. (2019). Rostral locus coeruleus integrity is associated with better memory performance in older adults. Nature Human Behaviour. doi:10.1038/s41562-019-0715-2

https://www.nature.com/articles/s41562-019-0715-2

Weitere Informationen:
https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/press ... s-im-alter

Quelle: Pressemitteilung vom 09.09.2019
Artur Krutsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
https://idw-online.de/de/news723130
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