Unfallrisiken an elektrisch höhenverstellbaren Therapieliegen

Arbeits- und Arbeitsschutzrecht, Allgemeine Rechtskunde (einschließlich Staatsrecht), Zivilrecht (z.B. Erbrecht)

Moderator: WernerSchell

Gesperrt
WernerSchell
Administrator
Beiträge: 19615
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Unfallrisiken an elektrisch höhenverstellbaren Therapieliegen

Beitrag von WernerSchell » 05.01.2018, 06:38

BGW warnt vor Unfallrisiken an elektrisch höhenverstellbaren Therapieliegen

Bild
Achtung: Einklemmgefahr an Massageliegen
(Foto: steindesign Werbeagentur GmbH)


Hamburg – Therapieliegen gehören in den Bereichen Medizin, Therapie und Wellness vielfach zur Grundausstattung. Geräte, die elektrisch höhenverstellbar sind, erleichtern die Behandlung, bergen jedoch Risiken für Beschäftigte sowie außenstehende Personen. Angesichts zweier tödlicher Unfälle rät die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) Praxen, Kliniken und weiteren Einrichtungen dringend, vorhandene Liegen sowie Sicherheitsabläufe zu überprüfen.

„Kommt es zu einem Unfall, kann dieser fatale Folgen haben“, macht BGW-Präventionsexpertin Ursula Schlegel deutlich. „Die Gefährdung ist somit als hoch einzustufen. Unternehmen müssen daher unbedingt zeitnah tätig werden.“ Dies gelte nicht nur zur Sicherheit eigener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch im Hinblick auf Dritte wie externes Reinigungspersonal und Personen, die zur Behandlung vor Ort sind.

Schlegel erläutert, was passieren kann: „Ausgangspunkt ist das unbeabsichtigte Betätigen der elektrischen Höhenverstellung. Eine Person, die dabei in den Bereich unter der Liege gerät – zum Beispiel, weil dort etwas liegt oder gereinigt werden soll –, kann eingeklemmt werden. Im schlimmsten Fall so ungünstig, dass sie sich nicht mehr selbst befreien oder die Abwärtsbewegung der Liege stoppen kann und schließlich durch den steten Druck zu Tode kommt.“

Alte Liegen ohne Sicherheitsmechanismen nachrüsten
Seit 2004 gilt eine Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die fordert, dass automatisch höhenverstellbare Therapieliegen über Sicherheitsmechanismen verfügen. Sie sollen versehentliches oder unkontrolliertes Betätigen der Steuerung verhindern – zum Beispiel mithilfe einer Sperrbox, die nur von autorisierten Personen betätigt werden kann, oder durch zwei räumlich getrennte Schaltelemente. Alternativ kann auch auf anderem Wege ausgeschlossen werden, dass ein versehentliches Betätigen zur Gefährdung von Personen führt. Passende Lösungen sind bei den Herstellerinnen und Herstellern zu erhalten.

„Sicherheit ist zum einen eine Frage der Technik. Alte Liegen müssen daher entsprechend nachgerüstet sein“, weist die BGW-Präventionsexpertin auf die Sorgfaltspflicht der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber hin, die sich unter anderem aus der Betriebssicherheitsverordnung und dem Medizinprodukterecht ergibt. Bei Neuanschaffungen lässt sich das Unfallrisiko auch durch die Wahl eines Modells mit Hubsäule und ausreichendem Abstand zwischen den Konstruktionsteilen reduzieren.

Schlegel rät Betrieben, die über Therapieliegen verfügen, diese so schnell wie möglich zu überprüfen: Wurden alte Modelle nachgerüstet und mit Sicherheitsmechanismen versehen? Welche Sicherung kommt zum Einsatz? Je nach Bauart und Anbringung können beispielsweise Sperrboxen unterschiedlich effektiv und praktikabel sein.

Für sicheres Betreiben der Liegen sorgen
„Gleichzeitig ist Sicherheit bei diesem Thema immer auch eine Frage der Organisation“, so Schlegel weiter. Denn auch das Verhalten des Bedienpersonals birgt Risiken: Wird ein Sicherheitsmechanismus nicht bestimmungsgemäß angewandt, kann er nicht wirken. „Leider kennen wir so etwas aus der Praxis: Es gibt zwar eine Sperrbox, bei der ein Sicherungsstift nach jeder Benutzung der Liege abgezogen werden muss. Doch das wurde versäumt und hatte tragische Folgen. Stellen Sie also bitte in Ihrer Einrichtung sicher, dass alle wissen, was zu tun ist, und dass sie stets entsprechend handeln“, appelliert Ursula Schlegel an die Betriebe.

Die Beteiligten vor Ort müssen immer über Risiken und Schutzmaßnahmen informiert sein. Dies gilt für eigene Beschäftigte genauso wie für Fremdfirmen, insbesondere Reinigungskräfte. „Ganz wichtig ist zudem, dass Sicherheitsunterweisungen für Neulinge im Betrieb umgehend erfolgen“, so die BGW-Expertin weiter. „Sie sind noch nicht mit den Gegebenheiten vertraut und damit besonders gefährdet. Unterweisungen müssen außerdem regelmäßig wiederholt werden.“

Mehr erfahren
Weitere Informationen zur Auswahl, zur Nachrüstung und zum sicheren Betreiben von Therapieliegen gibt die BGW unter www.bgw-online.de/goto/therapieliegen.

Über uns
Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) ist die gesetzliche Unfallversicherung für nicht staatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege. Sie ist für über 8 Millionen Versicherte in rund 630.000 Unternehmen zuständig. Die BGW unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe beim Arbeitsschutz und beim betrieblichen Gesundheitsschutz. Nach einem Arbeitsunfall oder Wegeunfall sowie bei einer Berufskrankheit gewährleistet sie optimale medizinische Behandlung sowie angemessene Entschädigung und sorgt dafür, dass ihre Versicherten wieder am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Pressekontakt:
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
Torsten Beckel und Sandra Bieler, Kommunikation
Pappelallee 33/35/37, 22089 Hamburg
Tel.: (040) 202 07-27 14, Fax: (040) 202 07-27 96
E-Mail: presse@bgw-online.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

Gesperrt