Erkrankungsgeschehen bei Pflegeberufen besorgniserregend

Arbeits- und Arbeitsschutzrecht, Allgemeine Rechtskunde (einschließlich Staatsrecht), Zivilrecht (z.B. Erbrecht)

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Erkrankungsgeschehen bei Pflegeberufen besorgniserregend

Beitrag von WernerSchell » 05.07.2017, 13:17

BKK Gesundheitsatlas 2017 analysiert Gesundheitsberufe – Erkrankungsgeschehen bei Pflegeberufen besorgniserregend - Gesundheitsförderung wichtig für Erhalt der Arbeitskraft

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Mehr als jeder zehnte Beschäftigte hierzulade hat einen Gesundheitsberuf. Von diesen 3,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitet wiederum nahezu die Hälfte in pflegerischen Berufen (als Krankenpfleger/-innen: Rund eine Million; als Altenpfleger/-innen 500.000). Die Datenanalysen des aktuellen BKK Gesundheitsatlas belegen, dass besorgniserregend viele Pflegekräfte aufgrund der Arbeitsbedingungen einen kritischen Gesundheitszustand haben. Dazu kommt, dass jeder Dritte in der Altenpflege (32,9 Prozent) lediglich ein befristetes Arbeitsverhältnis hat. Im Schnitt aller Berufstätigen sind es dagegen 14,6 Prozent.

Arbeiten in der Pflege: Signifikant länger krank, mehr psychische Leiden

Schaut man sich das Erkrankungsgeschehen der mehrheitlich weiblichen Beschäftigten dieser Branche genauer an, fällt auf, dass – im Vergleich zu allen anderen Beschäftigten, die im Schnitt 16 Tage krank waren – es deutlich längere Ausfallzeiten gibt: Rund 24 Tage sind es bei denjenigen, die in Pflege- oder Altenheimen arbeiten. Spitzenreiter hinsichtlich Erkranken an psychischen Störungen sind weibliche Beschäftigte in Pflegeheimen – sie sind doppelt so lange seelisch krank wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer (4,6 Krankentage in Pflegeheimen gegenüber 2,3 Tage bei den Beschäftigte aller Branchen).

Auch körperlicher Verschleiß macht den in Pflegeberufen Arbeitenden zu schaffen: Aufgrund von Muskel- und Skelettkrankheiten fallen Altenpflegerinnen doppelt so lange aus wie die weiblichen Beschäftigten insgesamt (7,0 versus 3,7 Krankentage).

Wegen psychischer Diagnosen stationär behandelt: mehr Männer, mehr im Südwesten

Bei der Analyse der Krankenhaustage fiel bei Pflegeberufen auf, dass weitaus mehr Männer (15 Prozent mehr als weibliche Beschäftigte) sich wegen psychischer Störungen stationär behandeln lassen mussten. Dabei liegen alle Menschen, die in der Pflege arbeiten, ohnehin schon jeweils mehr als 55 Prozent über dem Schnitt der Krankenhaustage aller Berufstätigen, die aufgrund psychischer Diagnosen im Krankenhaus waren. Bei der stationären Versorgung sind es nicht nur die Beschäftigten der Heime mit den meisten Krankenhaustagen, auch die regionalen Unterschiede sind hier am größten. Besonders viele Krankhaustage gab es im Saarland, rund ein Drittel weniger waren es in Sachsen.

Betriebliche Gesundheitsförderung: Wichtig und wirksam – aber noch ausbaufähig

Bei einer Umfrage unter 2.000 Beschäftigten sagen neun von zehn Befragten: Die Förderung von Gesundheit an ihrem Arbeitsplatz ist ihnen wichtig oder sehr wichtig. Allerdings geben weniger als der Hälfte an, dass es überhaupt solche Maßnahmen in ihrem Unternehmen gibt. Es zeigt sich durchaus ein Zusammenhang: Teilnehmer an betrieblicher Gesundheitsförderung leben laut eigenen Angaben auch außerhalb ihres Berufs aktiver und haben größere Zuversicht, ihren Beruf auch längerfristig ausüben zu können.

Dringend nötig: Mehr Gesundheitsförderung in der Altenpflege!

Von diesen Erkenntnissen sollte auch die Altenpflege profitieren, allerdings gibt es hier leider mehrheitlich (57 Prozent) (noch) keine betriebliche Gesundheitsförderung. Sind solche Maßnahmen jedoch vorhanden, dann ist die Inanspruchnahme dort sehr hoch (79 Prozent). Das sich BGF lohnt und auch Fehlzeiten reduziert, konnte in zahlreichen Studien gezeigt werden. Das zahlt sich auch für Arbeitgeber aus: Durchschnittlich werden – konservativ gerechnet – für jeden in BGF investierten Euro allein durch die Reduktion von Fehlzeiten 2,70 Euro eingespart.

Daten, Zahlen, Fakten sowie Gastautorenbeiträge zum Thema

Im BKK Gesundheitsatlas 2017 sind nicht nur die Daten von knapp einer halben Million Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen detailliert analysiert und sach- und fachgerecht aufbereitet, sondern darüber hinaus auch Beiträge namhafter Gastautoren aus Wissenschaft, Politik und Praxis. All dies finden Sie – ebenso wie die Daten der Umfrage unter

http://www.bkk-dachverband.de/publikati ... heitsatlas.

Quelle: Pressemitteilung vom 05.07.2017
BKK Dachverband e.V.
Vorstand: Franz Knieps
Mauerstraße 85
10117 Berlin
Tel.: 030 27 00 406 0
E-Mail: info@bkk-dv.de

http://www.bkk-dachverband.de/presse/pr ... eitskraft/

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Ärzte Zeitung vom 05.07.2017:
BKK Gesundheitsatlas
Arbeiten in der Pflege macht krank

Das Erkrankungsgeschehen in der Pflege ist besorgniserregend: Die dort Beschäftigten sind länger krank und haben mehr psychische Leiden. Das geht aus dem BKK Gesundheitsatlas 2017 hervor. mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=939 ... fpuryyqrde

Ärzte Zeitung vom 06.07.2017:
Gesundheitsreport
Krank schuften für Pflege und Gesundheit

Die Zahlen sind alarmierend: Beschäftigte in der Pflege weisen inzwischen mit den höchsten Krankenstand auf. Die Gewerkschaft Verdi fordert ein Sofortprogramm.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=939 ... fpuryyqrde

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Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk macht seit Jahren darauf aufmerksam, dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege krankmachend sind. Vor allem sind dafür die völlig unzureichenden Stellenschlüssel für die Pflege verantwortlich. Hinzu kommen Beschäftigungsverhältnisse, die zusätzlich belastend sein können, z.B. Teilzeitbeschäftigung, befristete Beschäftigung. Darüber hinaus sind die Vergütungen deutlich verbesserungswürdig. Wenn die schlechten Rahmenbedingungen dann noch zusammen treffen mit einer unguten Führungsstruktur wird es völlig unbefriedigend. Über die krankmachenden Gründe ist also eigentlich alles bekannt. Daher wird auch seit Jahren zu diesem Thema publiziert. Im Gefolgte solcher Veröffentlichungen wurden in diesem Forum zahlreiche Beiträge eingestellt, die die Probleme mehr als deutlich machen, z.B.:

viewtopic.php?f=5&t=22053
viewtopic.php?f=5&t=21815
viewtopic.php?f=5&t=21790
viewtopic.php?f=5&t=21255
viewtopic.php?f=5&t=19835
viewtopic.php?f=5&t=20705
viewtopic.php?f=5&t=20565
viewtopic.php?f=5&t=20402
viewtopic.php?f=5&t=19056
viewtopic.php?f=5&t=17391
viewtopic.php?f=5&t=16711
viewtopic.php?f=5&t=15765
viewtopic.php?f=5&t=15865
viewtopic.php?f=5&t=13894
viewtopic.php?f=5&t=20039
viewtopic.php?f=5&t=20356

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Der 27. Neusser Pflegetreff ist für den 22.11.2017, 15.00 - 17.00 Uhr, geplant und soll sich mit dem Thema "Vorbeugen ist besser als Heilen" - Prävention und Gesundheitsförderung mehr Aufmerksamkeit schenken - körperlich und geistig aktiv bis ins hohe Alter (Arbeitstitel) … befassen. …. Mit Blick auf das 2015 verabschiedete Präventionsgesetz ist das Thema ganz wichtig.
Vor allem Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und auch Demenz lassen sich durch eine frühzeitig begonnene gesunde Lebensführung (richtige - mediterrane - Ernährung, ausreichende Bewegung und Schlaf, Verzicht auf Rauchen, mäßiger Alkoholkonsum, Vermeidung von negativem Stress, geistige Aktivitäten, Pflege sozialer Kontakte usw.) weitgehend vermeiden. Gleichwohl eintretende Gesundheitsstörungen (z.B. Übergewicht, zu hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Diabetes) lassen sich durch eine gesunde Lebensführung günstig beeinflussen. Es geht also letztlich um Maßnahmen, die eine umfassende gesundheitsförderliche Wirkung erzielen können. Es macht Sinn, möglichst frühzeitig eine gesunde Lebensführung zu praktizieren. ….Auch für ältere Menschen macht Prävention … Sinn. Daher gibt es für die Stationären Pflegeeinrichtungen mittlerweile eine Leitlinie zur Prävention, die aber fast überhaupt nicht bekannt ist. … Dies sollte Veranlassung geben, das o.a. Thema auch im Interesse der älteren und pflegebedürftigen Menschen aufzugreifen.
Es ist daran gedacht, das Podium wieder mit hochkarätigen Gästen zu besetzen. Ich lade Sie daher ganz herzlich zum Pflegetreff ein (Grußwort, Podium)! - Werner Schell - http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de
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Beruflich Pflegende brauchen Pflege

Beitrag von WernerSchell » 06.07.2017, 16:53

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Beruflich Pflegende brauchen Pflege

Für den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sind die gestern veröffentlichten alarmierenden Zahlen des BKK Gesundheitsatlas 2017 über das Erkrankungsgeschehen bei Pflegeberufen keine Überraschung. „Jeder weiß es seit langem, geändert hat sich bisher nichts. Seit Jahren weisen die Gesundheitsreports der Krankenkassen steigende und im Branchenvergleich hohe Krankheitsausfälle bei Angehörigen der Pflegeberufe aus. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: Anhaltende Überlastung und das kontinuierliche Missverhältnis zwischen Arbeitsanfall und Personalressource in allen Sektoren pflegerischer Arbeit haben ihre Spuren hinterlassen“, erklärt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel dazu heute in Berlin. „Die Folgen sind nicht nur hohe Ausfallquoten in den Betrieben, die den Druck auf die verbleibenden Beschäftigten noch erhöhen, sondern auch frühe Erwerbsunfähigkeit, Flucht aus dem Beruf oder in die Teilzeit und ein weiter sinkendes Image der Pflegeberufe. All das verschärft den ohnehin dramatischen Pflegefachkräftemangel und untergräbt alle Bemühungen, diesen Mangel mittel- und langfristig abzumildern. Wer die Zukunft seines Unternehmens und das Pflegefachkräftepotential – die wichtigste Ressource jedes Gesundheits- und Pflegebetriebs - sichern will, muss in Mitarbeiterbindung und Mitarbeitergesundheit investieren. Das heißt zuallererst, spürbar gute Rahmen- und Arbeitsbedingungen zu schaffen. Jeder Euro, der hier investiert wird, zahlt sich schnell und um ein Vielfaches aus!“

Vor dem Hintergrund des drängenden Handlungsbedarfs fordert der DBfK erneut:
- Am Pflegebedarf der Patient/innen und Bewohner/innen ausgerichtete verbindliche Personalbemessung; wer die erforderliche Anzahl an Pflegefachkräften (vorübergehend) nicht vorhalten kann, muss Betten/Plätze stilllegen
- Verlässliche Dienstpläne für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
- Einhaltung von Arbeitsschutzrichtlinien und Arbeitszeitgesetz
- Personalausfallkonzepte; dienstplanmäßiges Frei muss frei bleiben und für die dringend erforderliche Regeneration genutzt werden können
- Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz und zeitliche Freiräume dafür
- Konsequenter Einsatz geeigneter Hilfsmittel für die pflegerische Arbeit

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
http://www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage http://www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 6.07.2017
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
http://www.dbfk.de | Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77 | Umsatzsteuer Id.Nr. DE 114235140
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Pflegekräfte haben mehrheitlich körperliche Beschwerden

Beitrag von WernerSchell » 25.07.2017, 06:43

Wegen Stress: Mehr als die Hälfte aller Pflegekräfte haben körperliche Beschwerden

• Hohes Stresslevel an normalem Arbeitstag für jede fünfte Krankenschwester
• Mehr als die Hälfte der Teilnehmer an Asklepios Umfrage leidet unter körperlichen Symptomen
• Stress kommt von Bürokratie/Dokumentation, Arbeitsverdichtung und zu wenig Zeit pro Patient


Mehr als die Hälfte aller Pflegekräfte in Pflegeheimen, im ambulanten Pflegedienst und in Kliniken leidet aufgrund von Stress häufig oder regelmäßig unter körperlichen Beschwerden, ein Drittel unter psychischen Symptomen. Auslöser von Stress sind zu viel Bürokratie und Dokumentation, Arbeitsverdichtung und zu wenig Zeit pro Patient. Am wenigsten belasten Mobbing und Personalmangel. Das ergab eine online-Befragung von 240 Pflegekräften aus Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten in Deutschland, durchgeführt von DocCheck im Auftrag der Asklepios Kliniken. Während in Kliniken mit 45 Prozent die Arbeitsverdichtung generell am meisten belastet, sind es in Pflegeheimen mit 51 Prozent zu wenig Zeit pro Bewohner und im ambulanten Pflegedienst mit 44 Prozent die Bürokratie und Dokumentation. Das gleiche steht auch für Pflegepersonal privater Kliniken mit 41 Prozent im Vordergrund, damit deutlich stärker als die bekanntermaßen in Deutschland besonders hohe Arbeitsverdichtung (26 Prozent), unter der ihre Kollegen unter öffentlicher (37 Prozent) und konfessioneller (38 Prozent) Trägerschaft am stärksten leiden.

Am meisten scheinen Pflegende in Senioren- und Pflegeheimen belastet: Mit 60 Prozent körperlichen und 46 Prozent psychischen Symptomen liegen sie deutlich vor ambulanten Pflegediensten (59 Prozent und 34 Prozent) und Klinikpflegepersonal (39 resp. 18 Prozent). Wenn ein hohes Stresslevel berichtet wird und der negative Stress überwiegt, kommt es auch zu einer doppelt so hohen Rate an eigenen Beschwerden. Wenn Pflegende Stress während der Arbeit abbauen wollen, helfen den meisten kurze Gespräche mit Kollegen (60 Prozent) oder Patienten (37 Prozent) sowie Süßigkeiten oder andere Snacks (37 Prozent). In Kliniken nascht fast die Hälfte, während es beim ambulanten Pflegedienst nur ein Drittel und in Pflegeheimen nur gut ein Viertel ist. Ebenfalls immerhin ein Viertel in Klinik und beim ambulanten Pflegedienst wendet kurze Entspannungstechniken an. Acht Prozent nehmen im Extremfall auch mal ein Medikament ein, davon 11 Prozent im Pflegedienst, 10 Prozent im Seniorenheim und fünf Prozent in der Klinik. Wenn negativer Stress überwiegt, ist die Neigung dazu mit 13 Prozent stärker ausgeprägt.

Immerhin können 71 Prozent nach einem Arbeitstag gut abschalten, aber 24 Prozent weniger gut und fünf Prozent so gut wie gar nicht. Am besten können die Pflegenden aus Kliniken mit 79 Prozent abschalten, während es im Pflegeheim mit 68 und im ambulanten Dienst mit 66 Prozent deutlich weniger sind. Außerdem zeigt sich ein Zusammenhang mit dem Stresslevel und der Art abzuschalten. Am schwersten fällt das Abschalten bei einem hohen Stresslevel und wenn der negative Stress überwiegt. Zum Stressabbau dienen 55 Prozent der Pflegenden Schlafen, 53 Prozent Fernsehen, 44 Prozent Musik, 43 Prozent Kochen und 40 Prozent Unternehmungen mit der Familie. Jüngere Pflegende sehen dabei eher fern, bei Älteren ist Schlafen der wichtigste Ausgleich. Ein Glas Wein oder Bier wurde nur von 16 Prozent angegeben. Gesunde Stressverarbeitung mit Sport spielt nur für jeden Dritten und Entspannungsübungen knapp jeden Zehnten eine Rolle. Bei vorwiegend positivem Stress steigt die Beliebtheit gesunder Aktivitäten zum Ausgleich: die Hälfte macht Unternehmungen mit der Familie und immerhin 37 Prozent Sport. Um Stress zu vermeiden, wünschen sich Pflegekräfte mit deutlichem Abstand mehr Zeitreserven für Unvorhergesehenes und Notfälle.

„Die Ergebnisse unserer Befragung sind alarmierend, denn sie belegen ein weiteres Mal, unter welch hohem Druck das Pflegepersonal in Deutschland arbeiten muss“, sagt Kai Hankeln, Konzerngeschäftsführer der Asklepios Kliniken. „Die trägerunabhängige und von den Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems erzwungene Arbeitsverdichtung ist im internationalen Vergleich ein trauriger Rekord“, so Hankeln weiter. Die hohe Belastung schrecke junge Menschen davon ab, in die Pflege zu gehen – und verstärkt so den Mangel an Pflegekräften. „Regelungen wie die politisch verordneten Personaluntergrenzen sind ein populistisches Placebo, um den Schwarzen Peter bei den Kliniken abzuladen, denn sie ändern überhaupt nichts an den beiden Hauptproblemen: der Unterfinanzierung und dem Mangel an Pflegekräften“, beklagt Hankeln.

Zur Studie
Für die Studie „Stress und Resilienz“ wurden von DocCheck im Auftrag der Asklepios Kliniken im Mai 2017 bundesweit 240 Pflegekräfte aus Krankenhäusern, Senioren- und Pflegeheimen sowie ambulanten Pflegediensten und 162 Ärzte aus Kliniken und Praxen online befragt. Nach Veröffentlichung der Ergebnisse der Ärzte erhalten Sie auf Anfrage Infografiken mit den detaillierten Umfrageergebnissen.

Über Stress
Stress kann beeinflussbar sein und zu Leistung herausfordern. Dann gilt er als „positiver Stress“. Fühlt man sich ihm hingegen hilflos ausgeliefert und kann selbst kaum etwas verändern, handelt es sich um „negativen Stress“. Beide Formen können sich von der physiologischen Reaktion sowie den Auswirkungen deutlich unterscheiden. Gerade der negative Stress gilt als Risikofaktor für die Gesundheit.

Über Asklepios
Asklepios betreibt bundesweit 10 Bildungszentren für Gesundheitsberufe (BZG), in denen rund 1200 Gesundheits- und Krankenpflegende verschiedener Ausrichtungen ausgebildet werden. Im BZG Hamburg lernen etwa 1400 Auszubildende, von denen etwa 900 Pflegeberufe erlernen. Damit ist Asklepios in der Hansestadt der größte Ausbildungsbetrieb.

Quelle: Pressemitteilung vom 06.07.2017
Dr.med. Franz Jürgen Schell Konzernbereich Unternehmenskommunikation/Pressestelle
Asklepios Kliniken Hamburg GmbH
https://idw-online.de/de/news677830
Kontakt für Rückfragen:
Asklepios Kliniken
Konzernbereich Unternehmenskommunikation & Marketing
Tel.: (0 40) 18 18-82 66 36
E-Mail: presse@asklepios.com
24-Stunden-Rufbereitschaft der Pressestelle: (040) 1818-82 8888.

Weitere Informationen:
http://www.wirpflegen.hamburg/
http://www.asklepios.com
http://www.facebook.com/asklepioskliniken
http://www.youtube.com/asklepioskliniken
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Drei neue ICN-Positionspapiere in deutscher Übersetzung

Beitrag von WernerSchell » 28.07.2017, 16:54

Drei neue ICN-Positionspapiere in deutscher Übersetzung

Der Weltverband der Pflegeberufe ICN (International Council of Nurses) hat in diesem Frühjahr drei für die Gesundheitssysteme und die Pflegeberufe besonders wichtige Themen aufgegriffen und jeweils in einem berufspolitischen Positionspapier umfassend erörtert. Neben der Darstellung der Hintergründe werden die berufspolitische Position von ICN mit Forderungen an Regierungen sowie Appelle an nationale Berufsorganisationen, Arbeitgeber und Pflegefachpersonen formuliert. Alle drei Papiere wurden jetzt ins Deutsche übersetzt und sind als Downloads unter http://www.dbfk.de/de/veroeffentlichung ... onales.php aufzurufen.

Antimikrobielle Resistenz: Das Problem der zunehmenden Antibiotikaresistenzen ist nicht nur Themenschwerpunkt der WHO, sondern stand auch kürzlich bei der Europäischen Kommission und beim G20-Gipfeltreffen auf der Agenda. Nach WHO-Schätzungen sterben pro Jahr 700.000 Menschen durch Antibiotika-Resistenzen, davon sind längst nicht nur Entwicklungsländer betroffen. Nach Schätzungen der EU-Kommission fordern multiresistente Keime EU-weit jährlich 25.000 Todesopfer und kosten die Gesundheitssysteme zusätzlich 1,5 Milliarden Euro. ICN weist darauf hin, dass an vielen Stellschrauben gedreht werden muss, um gegen antimikrobielle Resistenz anzukommen. „Pflegefachpersonen und andere Mitarbeiter/innen im Gesundheitswesen müssen eine entscheidende Rolle übernehmen für das Bewahren der Leistungsfähigkeit der Antibiotika.“

Prävention von und Umgang mit Gewalt am Arbeitsplatz: Gewalt am Arbeitsplatz ist ein weit verbreitetes Problem in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung und hat multifaktorielle Ursachen, die auch Faktoren jenseits von Täter oder Opfer beinhalten. Es handelt sich um Ereignisse, bei denen Beschäftigte im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit misshandelt, bedroht oder beleidigt werden. Auch in deutschen Einrichtungen nimmt Gewalt gegen Pflegende zu, die Hemmschwellen sinken und die Übergriffe haben gravierende Folgen. Häufig betroffen sind z.B. die Psychiatrie, Notfallaufnahmen, Bereitschaftsdienste, Nachtschichten sowie Einzelarbeitsplätze. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hat 2012 untersucht, wie häufig Beschäftigte in Betreuungsberufen verbale und physische Gewalt erleben. Befragt wurden ca 1.900 Mitarbeiter/innen aus 39 Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Wohlfahrtspflege. Auch die seelischen Auswirkungen der Übergriffe wurden erfragt. Danach hatten mehr als 50% der Befragten körperliche und ca. 80% verbale Aggression am Arbeitsplatz erlebt. Die Gefahr hat seit 2012 noch erheblich zugenommen. ICN fordert ein hohes Engagement aller Verantwortlichen für Sicherheit und Gewaltfreiheit am Arbeitsplatz und eine bedingungslose Null-Toleranz-Strategie.

Betriebliche Gesundheit und Sicherheit: Das Arbeitsumfeld professionell Pflegender ist gefährlich, das Risiko, sich bei der Arbeit zu verletzen, zu infizieren oder in anderer Weise berufsbedingt zu erkranken, ist hoch. ICN weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass alles Mögliche getan werden muss, um Pflegefachpersonen zu schützen. „Jede Pflegefachperson hat das Recht, in einer gesunden und sicheren Umgebung zu arbeiten – ohne berufsbedingtes Risiko einer Verletzung oder Erkrankung.“ In die Pflicht genommen werden hierfür vor allem nationale Gesetzgeber sowie Unternehmen und Vorgesetzte.

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Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage http://www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

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Pflegekräfte brauchen Gesundheits­prävention

Beitrag von WernerSchell » 07.08.2017, 12:20

Aus Forum:
viewtopic.php?f=3&t=22246

Deutsches Ärzteblatt vom 04.08.2017:

Pflegekräfte brauchen Gesundheits­prävention

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Quelle: Deutsches Ärzteblatt - /Kzenon, stock.adobe.com

München – Pflegekräfte haben einer Umfrage zufolge einen großen Bedarf an Gesundheitsprävention. Das ist das Ergebnis einer von Gesundheitsforschern der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) durchgeführten Studie, wie der Bayerische Heilbäder-Verband (BHV) heute in München mitteilte. Befragt wurden demnach bundesweit fast 1.400 Pflegekräfte in über 6.000 Einrichtungen. Demnach sehen rund 40 Prozent ihre Berufsbelastung kritisch, drei von vier der Befragten würden an einem Präventionsprogramm teilnehmen.
Die Untersuchung ist Teil des wissenschaftlichen Projekts „PFLEGEprevent“ ( https://pflegeprevent.de/ ). An diesem beteiligen sich BHV, Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) und der Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung der LMU. Angesichts des Ergebnisses sieht BHV-Vorsitzender Klaus Holetschek dringenden Handlungs­bedarf. So habe vor kurzem auch der BKK-Gesundheitsatlas ( https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... tsprobleme ) gezeigt, dass die Zahl der Erkrankungen in der Pflege besorgniserregend sei. Die Beschäftigten in Pflege- oder Altenheimen seien im Jahr durchschnittlich 24 Tage krank, alle anderen Berufstätigen 16 Tage.
... (weiter lesen unter) .... https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... raevention

Gesundheitsprobleme: Pflegekräfte häufig betroffen > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... tsprobleme
Pflege: Bessere Arbeitsbedingungen sind das A und O > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... as-A-und-O
Tag der Pflege: Forderungen nach mehr Personal > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... r-Personal
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Erkrankungsgeschehen bei Pflegeberufen besorgniserregend

Beitrag von WernerSchell » 09.08.2017, 06:39

Am 09.08.2017 bei Facebook gepostet:
Das Erkrankungsgeschehen bei Pflegeberufen ist besorgniserregend - Pflegekräfte brauchen Gesundheits¬prävention. Insoweit informieren aktuell der BKK Gesundheitsatlas 2017 und das Deutsche Ärzteblatt. Vor allem braucht die Pflege dringend verbesserte Personalausstattungen (Stellenschlüssel). … Das würde Stressabbau gewährleisten und käme durch mehr Zuwendungsmöglichkeiten den Patienten und pflegebedürftigen Menschen zugute.
>>> viewtopic.php?f=3&t=22246
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Stress in der Arbeit, Demenz als Rentner?

Beitrag von WernerSchell » 21.08.2017, 12:36

Ärzte Zeitung vom 21.08.2017:
Geistiger Abbau
Stress in der Arbeit, Demenz als Rentner?

Wer sich im Berufsleben sehr gestresst fühlt, baut als Rentner schneller geistig ab. Liegt das tatsächlich an den Arbeitsbedingungen?
Eine Studie aus Schweden ist dieser Frage nachgegangen.
mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=94 ... fpuryyqrde
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Pflegenotstand auflösen

Beitrag von WernerSchell » 23.08.2017, 07:25

Am 21.08.2017 wurde auf der Facebookseite des Bundesministeriums für Gesundheit gepostet:
Gute Arbeitsbedingungen in der Pflege (Krankenhäuser und Pflegeheime) setzen zunächst einmal voraus, dass aufgrund ausreichender Stellenschlüssel genügend Personal angestellt werden kann. Es war ein klarer Fehler, insoweit erst einmal Kommissionen neue Personalbemessungssysteme prüfen zu lassen (vgl. z.B. § 113c SGB XI). Was zu tun ist, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Man muss nur wollen. Inzwischen flüchten die überforderten Pflegekräfte aus dem Beruf oder werden krank ( > viewtopic.php?f=5&t=22199 ). Wir brauchen JETZT auskömmliche Stellenschlüssel. Jedes Zuwarten verschlimmert die Situation. Zu den Reformanforderungen habe ich bereits 2014 ein umfängliches Statement vorgelegt und dies im Bundesgesundheitsministerium erläutern können > http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... se2014.pdf Die zurückliegenden Reformgesetze waren aber leider nicht geeignet, die seit vielen Jahren bekannten unzureichenden Pflege-Rahmenbedingungen zu verbessern. Betreuungskräfte, die überhaupt nicht pflegen dürfen, sind ergänzend hilfreich, können aber die Pflegekräfte nicht wirklich entlasten. Daher bleibt nur die Forderung, schnellstmöglich nachzubessern und nicht erst bis in die 2020er Jahre zu warten. Geld ist offensichtlich genügend in der Staatskasse. Der Finanzminister hat Milliarden Euros zusätzlich eingenommen und wäre damit zur Finanzierung zusätzlicher Pflegekräfte in der Lage. Ein aktueller Klartext bringt alles noch einmal auf den Punkt. > Text hier (PDF) > http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... 082017.pdf und im Forum von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hier > viewtopic.php?f=4&t=22268 - Bezüglich der Gestaltung angemessener Vergütungen für die Pflegekräfte sind im Übrigen die Tarifvertragsparteien gefordert. - Werner Schell
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Gesundheit in Pflegeberufen: Düstere Aussichten

Beitrag von WernerSchell » 26.08.2017, 06:37

Gesundheit in Pflegeberufen: Düstere Aussichten
Fast alle wünschen sich BGF – nicht mal die Hälfte kommt in den Genuss


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Altenpfleger und Krankenpfleger: So schlecht steht es um ihre Gesundheit
(Quelle: © panthermedia.net/Michiko Nomoto)


In Deutschland arbeiten 3,2 Millionen Menschen in Gesundheitsberufen – etwa 1 Million davon sind Krankenpfleger und 500.000 Altenpfleger. Um den Gesundheitszustand der Pflegekräfte ist es allerdings erschreckend schlecht bestellt. Der BKK Dachverband veröffentlichte jetzt Zahlen aus dem BKK Gesundheitsatlas 2017, in dem Daten von etwa einer halben Million Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen analysiert wurden:

• 24 Tage sind Beschäftigte in der Alten- und Krankenpflege durchschnittlich in einem Jahr krank. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 16 Tagen!
• Weibliche Beschäftigte in Pflegeheimen sind besonders stark von psychischen Erkrankungen betroffen: Sie sind mit 4,6 Tagen im Jahr doppelt so lange seelisch krank wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer (2,3 Tage).
• Natürlich fordern auch die körperlichen Belastungen ihren Tribut: Weibliche Pflegekräfte fallen wegen Muskel- und Skelett-Erkrankungen (MSE) doppelt so lange aus wie alle weiblichen Beschäftigten im Durchschnitt – 7 vs. 3,7 Krankentage.
• Noch dazu sind die Pflegekräfte in Deutschland besonders oft von Ungewissheit betroffen: 32,9 % haben nur ein befristetes Arbeitsverhältnis. Im Gesamtdurchschnitt können 14,6 % ihr Leben nicht planen, weil sie keinen festen Job haben.
• Während bei der Anzahl der Fehltage also die Frauen besonders hervorstechen, fällt auf, dass es 15 % mehr Männer als Frauen sind, die sich stationär wegen einer psychischen Störung behandeln lassen müssen.
• Das scheint aber nur ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein, wenn man bedenkt, dass Beschäftigte in der Pflege wegen psychischer Erkrankungen sowieso 55 % mehr Tage im Krankenhaus verbringen als der Durchschnitt aller Berufstätigen.
• Auffällig sind laut der BKK auch die regionalen Unterschiede: Besonders viele Krankenhaustage gab es im Saarland, rund ein Drittel weniger waren es in Sachsen.

Dass die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) also kein Luxus, sondern eine dringend notwendige Maßnahme zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit ist, ist offensichtlich. Auch die Beschäftigten haben das erkannt: Bei 2.000 Befragten sagten 9 von 10, dass ihnen die Förderung von Gesundheit an ihrem Arbeitsplatz wichtig oder sehr wichtig ist. Leider ist es weniger als die Hälfte, die in den Genuss solcher Gesundheitsförderungs-Maßnahmen kommt. In der Altenpflege gibt es nur in 43 % der Betriebe BGF-Programme oder -Maßnahmen. Wenn es welche gibt, dann nehmen die Beschäftigten mit 79 % rege daran teil.

Gesundheitsförderung sensibilisiert und macht aktiv!

Nach eigenen Angaben leben Beschäftigte, die auf BGF-Maßnahmen zugreifen können, auch außerhalb ihres Berufs aktiver und sind zuversichtlicher, ihre Tätigkeit auch längerfristig ausüben zu können. Die BKK erinnert daran, dass Unternehmen durchschnittlich für jeden in BGF investierten Euro allein durch die Reduktion von Fehlzeiten 2,70 Euro einsparen. BGF lohnt sich also – für alle Beteiligten!

Weiterführende Links zum Beitrag:
BKK Gesundheitsatlas 2017 analysiert Gesundheitsberufe – Erkrankungsgeschehen bei Pflegeberufen besorgniserregend
>>> http://www.bkk-dachverband.de/presse/pr ... eitskraft/

Quelle: Pressemitteilung vom 19. Juli 2017 [ BKK Dachverband e.V. ]
https://www.arbeitsschutz-portal.de/bei ... chten.html
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http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Pflege – Angebote, Informationen und Leistungen der BGW

Beitrag von WernerSchell » 26.08.2017, 06:40

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Pflege – Angebote, Informationen und Leistungen der BGW

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ambulanter und stationäre Pflegeeinrichtungen sorgen sich täglich um das Wohlergehen und die Gesundheit der Pflegebedürftigen.
Ob Leitung, Verwaltungsangestellte, Pflege- oder Reinigungskräfte: Sie alle setzen sich dafür ein, die Gesundheit älterer und pflegebedürftiger Menschen so weit
wie möglich zu erhalten und zu fördern. Doch wie steht es um die Gesundheit der Beschäftigten?

... Weitere Informationen (26.08.2017) ... > https://www.bgw-online.de/DE/Home/Branc ... _node.html
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Gesundheit am Arbeitsplatz

Beitrag von WernerSchell » 27.08.2017, 12:36

Die Rheinische Post berichtete am 26. August 2017:
Gesundheit am Arbeitsplatz
2017-08-24T16:32+0200 2017-08-26T08:01+0200
Gesunde und motivierte Mitarbeiter sind die Leistungsträger eines jeden Unternehmens und eine wichtige Voraussetzung für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Eine Investition in ihre Gesundheit lohnt sich deshalb für den Betrieb.
Von Brigitte Bonder
Einen Großteil der Zeit verbringen wir an unserem Arbeitsplatz, daher sollte dieser so gestaltet sein, dass er für den Erhalt unserer Gesundheit förderlich ist. Verantwortlich dafür ist zum einen der Arbeitgeber, doch auch der Mitarbeiter sollte etwas für sein Wohlergehen tun. Eine gesetzliche Grundlage ist das vor 20 Jahren verabschiedete Arbeitsschutzgesetz. Es regelt für alle Tätigkeitsbereiche die Arbeitsschutzpflichten des Unternehmers sowie die Rechte und Pflichten des Beschäftigten.
… (weiter lesen unter) … http://www.rp-online.de/leben/beruf/ges ... -1.7033215
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Pflege und Gesundheit brauchen hohe Priorität

Beitrag von WernerSchell » 02.10.2017, 18:28

Pflege und Gesundheit brauchen hohe Priorität im Regierungsprogramm

Bezugnehmend auf den gestrigen Internationalen Tag der älteren Menschen fordert der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) die gerade gewählten Volksvertreter im Bundestag auf, sich ihrem Auftrag im Dienste des Volkes zu stellen. „Das Mandat besteht darin, die Bedürfnisse der Menschen in diesem Land wahrzunehmen, aufzugreifen und für sie Gegenwart und Zukunft zu gestalten. Darin liegt eine hohe Verantwortung, die zu lösenden Probleme sind wahrlich groß und komplex“, erklärt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel. „Es muss alles darangesetzt werden, zügig an die Arbeit zu gehen. Der Tag des älteren Menschen ist ein guter Anlass daran zu erinnern, dass Deutschland sich den ‚Nachhaltigen Entwicklungszielen‘ der Vereinten Nationen verpflichtet hat. Politisches Handeln ist daher konsequent an ihnen auszurichten. Und Ziel 3 lautet: „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.“ Dass die Menschen in unserem Land gerade diesem Thema große Bedeutung zumessen und sich berechtigte Sorgen um die Gesundheits- und pflegerische Versorgung machen, zeigen zahlreiche Umfragen seit längerer Zeit. Der DBfK fordert die künftige Bundesregierung daher ausdrücklich auf, Pflege und Gesundheit ganz oben auf ihre Prioritätenliste zu setzen.“

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte PricewaterhouseCoopers Ergebnisse einer neuen repräsentativen Bevölkerungsbefragung, in der gerade die ältere Generation ihre zentralen Wünsche an das Gesundheitssystem zum Ausdruck gebracht hatte. Diese sind vor allem
 Die Sicherung der Versorgung auch in strukturschwachen Regionen
 Gewinnung und Bindung von Pflegepersonal
 Effiziente und sachgerechte Verwendung der Mittel im Gesundheitssystem, damit Krankenkassenbeiträge nicht weiter steigen
 Bessere Verzahnung der Leistungserbringer unterschiedlicher Sektoren, sichere Gestaltung der Übergänge
 Verlässliche Informationsweitergabe – u.a. durch eine Elektronische Patientenakte.
Die Liste zeigt deutlich, wo im deutschen Gesundheitssystem die kritischen Baustellen liegen. Und die Ergebnisse kommen nicht von ungefähr, denn gerade ältere Menschen gehören zu den besonders vulnerablen und schutzbedürftigen Gruppen der Bevölkerung. Sie müssen sich auf eine würdevolle, qualitativ gute, vertrauenswürdige und risikoarme Versorgung bei Krankheit und/oder Pflegebedürftigkeit verlassen können. Aber gerade damit ist es in Deutschland nicht gut bestellt – und die Politik weiß das sehr wohl, doktert bisher aber allenfalls an Symptomen herum.

Dass beispielsweise die Krankenhauspolitik endlich vom Kopf wieder auf die Füße gestellt gehört und Krankenhäuser sich ganz dringend auf ihren Auftrag, nämlich Sicherstellung einer patientenorientierten Krankenversorgung, besinnen sollten, zeigt ein Ergebnis des gerade veröffentlichten IQTIG-Qualitätsreports: Jeder fünfte Patient mit Schenkelhalsfraktur muss länger als medizinisch zulässig auf seine Operation warten, das Risiko einer Gelenksnekrose steigt damit enorm. Die Ursachen: Struktur- und Prozessmängel, geringe OP-Kapazitäten, Personalmangel, Engpässe bei postoperativer Überwachung. Betroffen davon sind vor allem ältere Patienten. Während die Deutsche Krankenhausgesellschaft den Bericht mit „Qualität in Kliniken auf höchstem Niveau“ kommentiert, muss die Frage gestellt werden dürfen, welche Art von Qualität hier überhaupt gemessen wird und wie aussagefähig die verwendeten Routinedaten sind. Die Vertreterin des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), Dr. Regina Klakow-Franck, wird da schon deutlicher: „Der Hauptfaktor für eine qualitativ hochwertige, humane Patientenversorgung ist die angemessene Ausstattung mit dem notwendigen therapeutischen Personal im Bereich der ärztlichen, pflegerischen und weiteren Gesundheitsberufe. (…) Human Ressources – es geht um Mitarbeiterorientierung und Führungskultur, aber auch um verbindliche Personalquoten.“

Dem schließt sich der DBfK uneingeschränkt an. Der Abbau von qualifizierter Pflege in den Krankenhäusern aus Kostengründen hat gravierende Folgen für die Patienten, die längst zutage tretenden Versorgungsmängel sind hausgemacht und den viel zu lange geduldeten Fehlanreizen im System geschuldet. Fragwürdige Diagnosen, ökonomiegetriebene Indikationen und unnötige Operationen sind einfach nicht länger hinnehmbar! Es darf nicht sein, dass sich pflegerische und medizinische Entscheidungen weiterhin dem ökonomischen Diktat zu unterwerfen haben.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
http://www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage http://www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 02.10.2017
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
http://www.dbfk.de | Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77 | Umsatzsteuer Id.Nr. DE 114235140
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Investition in Gesundheit der Beschäftigten lohnt sich mehrf

Beitrag von WernerSchell » 18.10.2017, 17:02

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Investition in Gesundheit der Beschäftigten lohnt sich mehrfach!

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) begrüßt die heute von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen gestartete Kampagne ‚kommmitmensch‘ zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. „Das Ziel der Initiative, die Kultur der Prävention und konsequenter Gesundheitsförderung in Unternehmen zu fördern, ist enorm wichtig, nicht zuletzt wegen des fortschreitenden Fachkräftemangels in Deutschland. Jährliche Zuwächse bei der Anzahl stressbedingter Krankheitstage in den Pflegeberufen zeigt, wie nötig gerade diese Branche wirksam gelebte Prävention hat“, sagt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel. „Unternehmensleitung und Führungskräfte aller Ebenen müssen dabei nicht nur persönlich mit gutem Beispiel vorangehen, sondern durch nennenswerte Investitionen in eine gesunde und motivierte Belegschaft berufsbedingte Erkrankung in Pflegeberufen systematisch reduzieren. Dafür sind neben der Bereitstellung geeigneter Hilfsmittel, der Anpassung von Arbeitsplätzen nach ergonomischen Gesichtspunkten sowie einem breiten Angebot von Schulungsangeboten vor allem strukturelle Veränderungen zwingend geboten. Es reicht eben nicht, Beschäftigte in ein Tagesseminar zum Umgang mit Stress zu schicken, wenn sie danach wieder immer demselben hochbelastenden Arbeits- und Zeitdruck ausgesetzt werden. Das A und O ist die Pflegepersonalbemessung. Wer ernsthaft gegen den Pflegefachpersonenmangel vorgehen will, kommt nicht umhin, in mehr und qualifizierte Pflegearbeit zu investieren.

Kluge Arbeitgeber wissen längst, dass sich das sogar mehrfach auszahlt:

 Gesunde und zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen ihre Einrichtung zum Vorzeigeunternehmen.
 Sie sorgen für eine Mundpropaganda, gegen die teure Marketingstrategien buchstäblich alt aussehen.
 Sie leisten Qualitätsarbeit und senken Haftungsrisiken.
 Sie sind selten krank.
 Sie erleben Wertschätzung, Respekt und individuelle Personalentwicklung. Das motiviert, bindet Talente und senkt (teure) Fluktuation. In solchen Unternehmen arbeitet man gern und engagiert, nicht selten über Jahrzehnte bis zum gesetzlichen Renteneintritt.“

Wer in Sicherheit und Gesundheit seiner Belegschaft investiert, erzielt nach einer Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen ein Kosten-Nutzen-Verhältnis dieser Investitionen von 1,6. Das bedeutet: Für 100 Euro, die ein Unternehmen investiert, schlagen langfristig 160 Euro Ertrag zu Buche (http://www.kommmitmensch.de/handlungsfe ... esundheit/).

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Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage http://www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 18.10.2017
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12 Tage Arbeit ohne Ruhetag sind für Arbeitnehmer zulässig

Beitrag von WernerSchell » 01.01.2018, 09:33

12 Tage Arbeit ohne Ruhetag sind für Arbeitnehmer zulässig
(Gerichtshof der Europäischen Union, Urteil vom 09.11.2017, C-306/16; Quelle: kostenlose-urteile.de)

EU-weit müssen Arbeitgeber ihren Angestellten mindestens in jeder Woche einen freien Tag gewähren. Variabel ist jedoch, auf welchen Tag dieser Ruhetag gelegt wird. Es muss nicht immer der letzte Tag der Woche sein. Dies bedeutet, dass Arbeitnehmer in der Europäischen Union zur Arbeit an bis zu 12 Tagen am Stück verpflichtet werden können, wenn der Arbeitgeber die Ruhetage entsprechend an den Anfang der ersten und das Ende der zweiten Arbeitswoche legt. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) vom 9. November 2017.
Das Verfahren war dem EuGH im Wege eines Vorabentscheidungsersuchens von dem portugiesischen Berufungsgericht Tribunal da Relação do Porto vorgelegt worden. Dieses hatte über die Klage eines ehemaligen angestellten Arbeitnehmers eines portugiesischen Casinos zu entscheiden, der zeitweise an mehr als sieben aufeinanderfolgenden Tagen in dem Casino hatte arbeiten müssen. Dafür verlangte er von der Eigentümerin des Casinos nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Entschädigung in Höhe der Vergütung der von ihm vermeintlich geleisteten Überstunden.
Die Arbeitszeitregelung in dem Casino stelle eine Verletzung der europäischen Arbeitszeitrichtlinie 2003/88 EG dar. Artikel 5 ("Wöchentliche Ruhezeit") der Richtlinie schreibt vor, dass "jedem Arbeitnehmer pro Siebentageszeitraum eine kontinuierliche Mindestruhezeit von 24 Stunden zuzüglich der täglichen Ruhezeit von elf Stunden" gewährt wird.
Auf den ersten Blick liest sich diese Regelung tatsächlich wie ein klares Bekenntnis zur verbindlichen Sechs-Tage-Arbeitswoche als maximale Arbeitszeitbelastung für Arbeitnehmer. Dies meinte auch der Kläger, der seinen geltend gemachten Entschädigungsanspruch damit begründete, dass sich aus der Arbeitszeitrichtlinie ergebe, dass Arbeitnehmern zwingend zumindest ein Ruhetag nach jeweils sechs aufeinanderfolgenden Arbeitstagen gewährt werden müsse.
Anders sah dies aber der Arbeitgeber. Dieser vertrat die Auffassung, dass das Unionsrecht die aufeinanderfolgenden Arbeitstage nicht begrenze, solange den Beschäftigten nur die verbindliche Mindestruhezeit pro Zeitraum von sieben Tagen eingeräumt werde. Denn Art. 5 der europäischen Arbeitszeitrichtlinie spreche lediglich von einem Ruhetag pro Siebentageszeitraum - ohne festzulegen, wann dieser Ruhetag zu gewähren sei.
Diese Lesart der Richtlinie bestätigte der EuGH. Das Gericht führt in seinem Urteil explizit aus, dass Art. 5 der EU-Richtlinie 2003/88 keineswegs näher festlege, zu welchem Zeitpunkt die Mindestruhezeit von 24 Stunden "pro Siebentageszeitraum" zuzüglich der täglichen Ruhezeit von elf Stunden zu gewähren sei. Der Wortlaut des Art. 5 der Richtlinie verpflichte die Mitgliedstaaten der Europäischen Union lediglich, zu gewährleisten, dass - nicht aber wann - die Mindestruhezeit jedem Arbeitnehmer während eines Siebentageszeitraums zur Verfügung stehe.
Eine solche Auslegung des Art. 5 der Richtlinie komme zudem nicht nur dem Arbeitgeber zugute, sondern könne auch im Interesse des betroffenen Arbeitnehmers liegen, da diesem dadurch ermöglicht werde, zum Ende eines Bezugszeitraums und zum Anfang des darauf folgenden Zeitraums mehrere aufeinanderfolgende Ruhetage zu erhalten. Auch könne eine verbindliche Festlegung fester Ruhetage für Unternehmen, die an jedem Tag der Woche geöffnet haben - so wie das beklagte Casino - zur Folge haben, dass einigen Arbeitnehmern diese Ruhetage nicht an Wochenenden gewährt werden könne.
Der EuGH führt weiter aus, dass es sich bei dem zugrunde gelegten "Siebentageszeitraum" um einen "Bezugszeitraum" handele. Ein Bezugszeitraum sei ein fester Zeitraum, innerhalb dessen eine bestimmte Anzahl aufeinanderfolgender Ruhestunden zu gewähren sei - und zwar unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem diese Ruhestunden gewährt werden. Eine gleichmäßige Verteilung der Arbeitszeit sei nicht vorgeschrieben.
Zugleich wies das Gericht auf die weiteren Arbeitnehmerschutzbestimmungen der EU-Arbeitszeitrichtlinie hin. Danach dürfen Arbeitgeber von ihren Arbeitnehmern nicht verlangen, im Durchschnitt mehr als 48 Stunden innerhalb eines Siebentageszeitraums zu arbeiten. Eine gleichmäßige Verteilung der Arbeitszeit wird dabei nicht verlangt. Dies stütze ebenfalls die Auslegung des Art. 5 der Richtlinie, dass die Mindestruhezeit von 24 Stunden plus der täglichen Ruhezeit von elf Stunden jederzeit innerhalb jedes Siebentageszeitraums gewährt werden könne, und nicht verpflichtend stets am Ende des Zeitraums gewährt werden müsse. Daraus folge, dass die Mindestruhezeit nicht aufgrund der europäischen Arbeitszeitrichtlinie spätestens am siebten Tag nach sechs aufeinanderfolgenden Arbeitstagen gewährt werden müsse.
Der EuGH stellte aber auch klar, dass die Richtlinie arbeitnehmerfreundlicheren nationalen Arbeitszeitregelungen in den EU-Mitgliedsstaaten nicht entgegenstehe. Zum anderen gelte in jedem Fall die in der Richtlinie festgeschriebene tägliche Ruhezeit von 11 Stunden und die wöchentliche durchschnittliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden.
Die EU Mitgliedsstaaten sind also durchaus berechtigt, für Arbeitnehmer gegenüber der EU-Verordnung günstigere Regelungen zu schaffen. Aus der EU Verordnung ergibt sich jedenfalls lediglich, dass der wöchentliche Ruhetag innerhalb jedes Siebentageszeitraums gewährt wird, nicht aber, dass dies stets nach Ablauf von sechs aufeinanderfolgenden Arbeitstagen der Fall ist. Wenn nun also der erste Ruhetag am Ende der Arbeitswoche und der Ruhetag der darauffolgenden Arbeitswoche sogleich an deren Beginn genommen wird, so kann es zu einer zulässigen Arbeitszeit an bis zu 12 aufeinanderfolgenden Arbeitstagen kommen. Wenn also der Ruhetag in der einen Woche der Montag und in der nächsten Woche der Sonntag ist, muss der betroffene Arbeitnehmer an 12 aufeinanderfolgenden Tagen arbeiten, ohne dass dies einen Verstoß gegen die EU-Arbeitszeitrichtlinie darstellen würde.
In Deutschland ist diese Problematik zum einen dadurch entschärft, dass zwei Ruhetage pro Woche die absolute Regel sind. Eine Sechs-Tage-Arbeitswoche ist nach wie vor absolut unüblich. Zudem ist der Sonntag in Deutschland gesetzlicher Ruhetag, so dass Arbeitgeber in den meisten Branchen die Ruhetage nicht nach freiem Ermessen verteilen können, sondern ihren Arbeitnehmern eben zumindest jeden Sonntag frei geben müssen. 12 aufeinanderfolgende Arbeitstage können so nicht zusammenkommen. Allerdings gibt es auch in Deutschland einige Branchen, in denen der gesetzliche Ruhetag nicht gilt. Dies ist etwa in der Gastronomie und Hotellerie der Fall sowie in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, im Sicherheitsgewerbe und bei der Feuerwehr. Wenn dort die Arbeitnehmer auch an Sonntagen arbeiten müssen, so haben sie Anspruch auf Gewährung des Ruhetages an einem anderen Wochentag - allerdings erst innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen ab dem betreffenden Beschäftigungstag, für den der Ausgleich des Ruhetags geschaffen werden soll. Theoretisch könnten in Deutschland ohne die EU-Arbeitszeitrichtlinie auf diese Weise sogar 19 aufeinanderfolgende Arbeitstage zustande kommen. In einem solchen Fall wirkt die europäische Richtlinie wiederum begrenzend, da nach ihr höchstens 12 aufeinanderfolgende Arbeitstage zulässig sind.

Quelle: Pressemitteilung vom 01.01.2018
Verband Kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rheinland-Westfalen-Lippe
Beratgerstraße 36
44149 Dortmund
Tel.: 0231/ 579743
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E-Mail: info@vkm-rwl.de
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Krankenstand - Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Beitrag von WernerSchell » 22.01.2018, 07:25

Ärzte Zeitung vom 22.01.2018:
Krankenstand
Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr
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