Kürzungen im Gesundheitssektor gefährden Mitarbeiterschutz

Arbeits- und Arbeitsschutzrecht, Allgemeine Rechtskunde (einschließlich Staatsrecht), Zivilrecht (z.B. Erbrecht)

Moderator: WernerSchell

Gesperrt
WernerSchell
Administrator
Beiträge: 20364
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Kürzungen im Gesundheitssektor gefährden Mitarbeiterschutz

Beitrag von WernerSchell » 04.11.2014, 07:41

Europäische Pflegeberufsverbände: Mitarbeiterschutz gefährdet durch Kürzungen im Gesundheitssektor

Der Generalsekretär des Europäischen Pflegeverbands ‚European Federation of Nurses Associations‘ (EFN), Dr. Paul De Raeve, hat an der Gipfelkonferenz zu „Pflege und Ebola“ vom 27. bis 28. Oktober in Madrid und der Abschlusspressekonferenz teilgenommen.

EFN hat seit dem 6. Oktober aufmerksam den Verlauf des ersten Ebola-Falls außerhalb Afrikas, in Spanien, verfolgt. Im Rahmen des Gipfeltreffens wurden klare Forderungen von Pflegefachpersonen präsentiert und diskutiert, die Ebola-Kranke pflegen bzw. pflegen sollen. In diesem Zusammenhang ist EFN äußerst besorgt über die Bedingungen, unter denen spanische Pflegefachpersonen arbeiten müssen: mangelhafte spezifische Trainingsmaßnahmen, unklare Instruktionen, fehlende umfassende Leitlinien, unzureichende Datenlage sowie ineffiziente und stigmatisierende Präventiv- und Schutzmaßnahmen. Dies ist Europa 2014!
Die Kürzungen, unter denen die Gesundheitssysteme in den letzten Jahren leiden, fordern ihren Tribut. EFN betont, dass ohne angemessene Ressourcen und Investitionen, und ohne hochqualifizierte und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der erforderlichen Anzahl, keine Schutzmaßnahme für genügend Sicherheit sorgen kann. Pflegefachpersonen setzen ihr eigenes Leben aufs Spiel, denn 95 Prozent der Versorgung eines Ebola-Kranken wird von beruflich Pflegenden geleistet. Bei dem Fall in Spanien wurden 102 von 108 Visiten im Isolationszimmer des Patienten von Pflegefachpersonen durchgeführt. Im Gegensatz dazu hat allerdings niemand nach der Einschätzung des Pflegepersonals gefragt, als es darum ging, was zu tun sei, wie Abläufe verbessert werden könnten und welche Standards benötigt werden.

EFN fordert deshalb von der Europäischen Union und den nationalen Regierungen:
• Eine Null-Toleranz basierend auf einem System der Transparenz zu implementieren;
• Die Persönlichkeitsrechte von Patienten sowie professionelle Ethik-Kodizes in der Patientenversorgung zu garantieren;
• Angemessene Ressourcen zur Schutzausrüstung und Personalbemessung zu mobilisieren – zwei Grundbedingungen, damit das Versorgungssystem effizient und sicher funktioniert;
• Genügend geeignete Präventiv- und Schutzmaßnahmen zu installieren;
• In Schulung und Training von Gesundheitsfachpersonen zu investieren, damit sie eine hohe Versorgungsqualität und sichere Pflege erbringen können und dabei Ansteckung vermeiden;
• Pflegeexpertise auf allen Ebenen der Politikgestaltung einzubinden, einschließlich der Entwicklung evidenzbasierter Leitlinien;
• Eine Strategie des Wissensaufbaus, um Stigmatisierung zu verhindern, sowie
• Dafür zu sorgen, dass bestehende EU-Richtlinien zu Biologischer Sicherheit und Arbeitsschutz implementiert und umgesetzt werden.

EFN appelliert an DG Sanco (Directorate General for Health and Consumer Affairs, inkl. European Centre for Disease Control – ECDC), DG Education, DG Employment, DG Development sowie DG Research, unverzüglich EU-Mittel bereitzustellen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem die Pflegefachpersonen in diesem Bereich der Gesundheitssysteme, zu unterstützen. Denn sie sind das Rückgrat der Patientenversorgung. EFN fordert darüber hinaus den Europäischen Ministerrat auf, von Ebola betroffene Gesundheitssysteme durch geeignete Mechanismen dauerhaft zu stärken und Investitionen in Gesundheit als zentrales Anliegen zu verfolgen. Alle Anwesenden des Gipfeltreffens brachten ihre Dankbarkeit zum Ausdruck gegenüber den professionell Pflegenden, die weltweit an Ebola erkrankte Patienten versorgen.

Weitere Informationen:
- Evidence report über den spanischen Ebola-Fall – Executive Summary
- Madrid Declaration des Gipfeltreffens ‚Pflege und Ebola‘ Please contact Mr Paul de Raeve, General Secretary of the European Federation of Nurses Associations, for more information. Email: efn@efn.be – Tel: +32 2 512 74 19 – Web: http://www.efnweb.eu

Quelle: Pressemitteilung vom 29.10.2014
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
http://www.dbfk.de | Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77 | Umsatzsteuer Id.Nr. DE 114235140

+++
Anmerkung der Moderation:
Die o.a. Pressemitteilung macht deutlich, dass mehr - statt weniger - Pflegepersonal geboten ist. Es geht nicht nur darum, die Patientensicherheit zu gewährleisten. Auch der Mitarbeiterschutz ist ein wichtiges Anliegen, die Personalausstattung auskömmlich zu gestalten. - Das anlässlich des Pflegetreffs am 13.05.2014 Herrn Bundesminister Gröhe übergebene Papier mit den
"Anforderungen an die von der Großen Koalition (GroKO) in Aussicht gestellte Pflegereform 2014"
ist im Netz unter folgender Adresse verfügbar: http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... lungen.php
Es macht auf den Pflegenotstand aufmerksam und fordert entsprechende gesetzliche Maßnahmen.

Bild Bild
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 20364
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Schutz vor Gefährdungen durch Hautkontakt

Beitrag von WernerSchell » 11.12.2016, 07:38

Schutz vor Gefährdungen durch Hautkontakt

(Quelle: BAuA) Hauterkrankungen rangieren ganz weit oben bei den Anzeigen auf Berufskrankheit. Persönliche Schutzausrüstung wie beispielsweise Handschuhe soll die Beschäftigten vor schädigenden Einflüssen schützen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat in einer vergleichenden Übersichtsarbeit die Wirkung persönlicher Schutzausrüstung anhand von Literaturdaten untersuchen lassen. Der Bericht "Effectiveness of personal protective equipment against dermal exposure - a comparative survey", die im Auftrag der BAuA erstellt wurde, gibt ein umfassendes Bild zum derzeitigen Erkenntnisstand. Dabei blickt er auch auf Faktoren, die die Wirksamkeit unterschiedlicher Schutzausrüstung beeinflussen. Neben den Eigenschaften der Ausrüstung ist beispielsweise die richtige Anwendung entscheidend für die erreichbare Schutzwirkung.
Um Beschäftigte vor Gefährdungen durch Hautkontakt zu schützen, gibt es verschiedene Arten von Schutzausrüstung. Am verbreitetsten sind Handschuhe. Aber auch Schutzanzüge, Hauben oder Schuhe kommen zum Einsatz. Dabei wird deren Wirksamkeit bislang vor allem anhand von Materialeigenschaften wie der Durchlässigkeit ermittelt. Durchbruchszeiten beispielsweise ermöglichen eine Abschätzung, wie lange ein Material einem chemischen Stoff standhält. Auch Alterung und Abnutzung können die Wirksamkeit von Schutzausrüstung verringern. Unterschiedliche Studien untersuchten die Wirksamkeit einzelner Materialien und Ausrüstungsgegenstände. Im Bericht wird der aktuelle Stand dieser Studien in einer Datenbank aufbereitet und vergleichend analysiert, um die Standardfaktoren für die Untersuchung und Bewertung von Schutzkleidung zu prüfen.
Die vergleichende Untersuchung hat gezeigt, dass die bisher erhobenen Faktoren nicht immer ausreichen, um die Wirksamkeit von Schutzbekleidung verlässlich zu ermitteln. Auf die in Studien ermittelten Schutzfaktoren können sich zum einen die Untersuchungsbedingungen auswirken. Dazu gehören das Studiendesign oder die Probennahme. Zum anderen wird das Schutzniveau auch durch anwendungsbezogene Faktoren beeinflusst. Neben der Dauer der Anwendung sowie Einflüssen aus der Umgebung entscheidet auch das Verhalten der Nutzer über die Wirksamkeit persönlicher Schutzausrüstung. Dazu gehören das richtige An- und Ausziehen sowie das richtige Säubern und Anwenden der Ausrüstung. Eine zahlenmäßige Erfassung dieser Faktoren ist auf der bestehenden Datenlage bislang kaum möglich. Darum bietet der in englischer Sprache erschienene Bericht eine fundierte Grundlage für anschließende Forschungsprojekte.
Den BAuA: Bericht gibt es als PDF im Internet. Leider nur in Englisch. Direkter Link: www.baua.de/dok/8480198

Quelle: Mitteilung vom 11.12.2016
Verband Kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rheinland-Westfalen-Lippe
Beratgerstraße 36
44149 Dortmund
Tel.: 0231/ 579743
Fax: 0231/ 579754
E-Mail: info@vkm-rwl.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

Gesperrt