Die Beschneidung von Jungen - Buchtipp

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Die Beschneidung von Jungen - Buchtipp

Beitrag von WernerSchell » 26.07.2017, 06:23

Buchtipp! - Sehr empfehlenswert!

Matthias Franz (Hg.):

Die Beschneidung von Jungen
Ein trauriges Vermächtnis

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1. Auflage 2014
448 Seiten mit Abb. kartoniert
ISBN 978-3-525-40455-3
Vandenhoeck & Ruprecht
29,99 € inkl. MwSt.
Versandkostenfrei in D, A, CH

Die Auseinandersetzung um die rituelle, medizinisch nicht begründete Genitalbeschneidung kleiner, nicht einwilligungsfähiger Jungen findet seit dem Urteil des Kölner Landgerichts vom Mai 2012 nun auch in Deutschland statt. Sie bewegt sich im Spannungsfeld der Grundrechte auf Religionsfreiheit einerseits und auf körperliche Unversehrtheit andererseits. Die Heftigkeit der Debatte lässt auf tiefgreifende Ängste und Konflikte schließen. Es geht um die Frage, ob es heute in einer säkularen Demokratie noch angemessen ist, kleinen Jungen zur Absicherung der gruppalen und religiösen Identität von Erwachsenen Schmerzen und Ängste zuzufügen, sie erheblichen Gesundheitsrisiken und irreversibler Verletzung der Intimzone auszusetzen. Leidvolle körperliche, sexuelle und seelische Langzeitfolgen der Beschneidung sind möglich und belegt.
In diesem Buch äußern sich Betroffene, Ärzte, Juristen, Psychoanalytiker, Politiker und andere Fachleute kritisch zur Jungenbeschneidung und engagieren sich für den Kinderschutzgedanken. Sie werben für eine Debatte auf wissenschaftlicher und rechtlicher Grundlage.

Quelle und weitere Informationen:
http://www.v-r.de/de/title-0-0/die_besc ... n-1011073/

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Die Beschneidung von kleinen Jungen aus rituellen Gründen wurde von hier wiederholt kritisiert. Die vom Bundestag wohl vornehmlich aus politischen Gründen beschlossene Regelung über die Zulässigkeit von Beschneidungen ist nach hiesiger Auffassung verfassungswidrig. Siehe die Beiträge im Forum unter folgender Adresse:

Beschneidungen nicht einwilligungsfähiger Jungen ...
viewtopic.php?f=5&t=17501&hilit=Beschneidung
Beschneidung verboten - Kindeswohl entscheidet
viewtopic.php?f=5&t=19647&hilit=Beschneidung
Auf dem Weg zur „Komiker-Nation“?
viewtopic.php?f=6&t=17611&hilit=Beschneidung
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Die o.a. Veröffentlichung informiert eindrucksvoll - und wohl begründet - darüber,
weshalb die rituelle Beschneidung von Jungen rechtswidrig bzw. verfassungswidrig ist.


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Beschneidungsvorschriften im BGB verfassungswidrig
Michael Schmidt-Salomon befasst sich in seiner Buchveröffentlichung (von Oktober 2016) "Die Grenzen der Toleranz" (siehe den angefügten Buchtipp) u.a. auch mit der Beschneidung von unmündigen Jugen / Kleinkindern und zeigt in aller Deutlichkeit auf, dass die diesbezüglichen Maßnahmen und die insoweit im BGB eingestellten Vorschriften verfassungswidrig sind (Seiten 146ff; 154). Dieser klaren und unmissverständliche Einschätzung kann nur zugestimmt werden. Sie deckt sich mit der seit jahren von mir vertretenen Auffassung.
Werner Schell


Buchtipp!
>>> viewtopic.php?f=5&t=21809

Michael Schmidt-Salomon

Die Grenzen der Toleranz
Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen

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Piper Verlag, Oktober 2016
Taschenbuch
224 Seiten, Kartoniert
ISBN: 978-3-492-31031-4
€ 10,00 [D], € 10,30 [A]

Wofür es sich lohnt zu streiten
Die offene Gesellschaft hat viele Feinde. Die einen streiten für »Allah«, die anderen für die Rettung des »christlichen Abendlandes«, letztlich aber verfolgen sie das gleiche Ziel: Sie wollen das Rad der Zeit zurückdrehen und vormoderne Dogmen an die Stelle individueller Freiheitsrechte setzen. Wie sollen wir auf diese doppelte Bedrohung reagieren? Welche Entwicklungen sollten wir begrüßen, welche mit aller Macht bekämpfen? Michael Schmidt-Salomon erklärt, warum grenzenlose Toleranz im Kampf gegen Demagogen auf beiden Seiten nicht hilft und wie wir die richtigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Freiheit zu verteidigen.

Quelle und weitere Informationen:
https://www.piper.de/buecher/die-grenze ... 92-31031-4

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Aus Forum:
viewtopic.php?f=6&t=17611&p=97727#p97727


Die Rheinische Post berichtete am 25.04.2017:

Gastbeitrag Matthias Franz
Beschneidung ist ein Akt der Gewalt
Der Düsseldorfer Psychotherapeut warnt vor den verheerenden gesundheitlichen Folgen, die Beschneidungen haben können.
Düsseldorf Ein Junge im Vorschulalter entwickelt plötzlich Angstzustände und einen Waschzwang. Die Eltern berichten von einer medizinisch nicht indizierten Beschneidung wenige Wochen zuvor, sie sind nicht in der Lage, einen Zusammenhang herzustellen. Ein Vierjähriger verliert durch eine Beschneidung seine Eichel. Der Vater hält diesen Moment mit der Kamera fest. Allein in Deutschland werden jedes Jahr etwa 400 Jungen nach einer Beschneidung schwer verletzt in Kliniken aufgenommen.
Auch wenn man immer wieder anderslautende Behauptungen vernimmt: Aus medizinischer Sicht gibt es keinen Grund, einem gesunden kleinen Jungen seine gesunde Vorhaut abzuschneiden.
... (weiter lesen unter) ... http://www.rp-online.de/kultur/beschnei ... -1.6776938
Siehe dort auch den Hinweis zu http://www.jungenbeschneidung.de/

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Die Beschneidung von Kindern / Jungen ist ohne eigene Einwilligungsfähigkeit rechtlich nicht vertretbar, verfassungswidrig. Es sei denn, es gibt eine klare medizinische Indikation. Diese ist aber eher selten. Auch wenn das BGB in eingeschränkter Form mittels elterlicher Zustimmung eine Beschneidung für zulässig erklärt, bleibt es ein Verfassungsverstoß. Es wäre zu wünschen, dass diesbezüglich in einem dafür geeigneten Einzelfall das Bundesverfassungsgericht angerufen würde. - Werner Schell
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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