Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

Moderator: WernerSchell

Gesperrt
WernerSchell
Administrator
Beiträge: 18927
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung

Beitrag von WernerSchell » 09.11.2017, 07:21

Bild Bild

Info vom 13.10.2017
Medizin im Krankenhaus zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung - Ärzte und Geschäftsführer im Interview
Abschlussveranstaltung zu der von den Professoren Heinz Naegler (Berlin) und Karl-Heinz Wehkamp (Bremen/SOCIUM) durchgeführten Studie.


Am 6. November 2017 richtet das SOCIUM die Abschlussveranstaltung eines empirischen Forschungsprojekts aus, das von dem Ökonomen Professor Heinz Naegler, Berlin und dem Arzt und Soziologen Professor Karl-H. Wehkamp, SOCIUM, durchgeführt wurde. Thema: Ökonomisierung patientenbezogener ärztlicher Entscheidungen im Krankenhaus. Die Ergebnisse werden von einem Podium diskutiert, dem die Bremer Senatorin für Gesundheit Professorin Eva Quante-Brandt, die Präsidentin der Ärztekammer Bremen Dr. Heidrun Gitter, der Vorsitzende der Bremer Krankenhausgesellschaft Jürgen Scholz sowie der Leiter der Abteilung Stationäre Versorgung AOK-Bundesverband Dr. Jürgen Malzahn angehören. Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Krankenhaus und langjährige Pflegedirektorin der Charité Berlin, Hedwig Francois-Kettner, wird zur Thematik aus Sicht der Patientensicherheit sprechen.
Die wissenschaftliche und organisatorische Leitung liegt bei Professor Heinz Rothgang und Dr. Joachim Larisch vom SOCIUM.

Steht der Patient tatsächlich mit seinen gesundheitlichen Interessen im Mittelpunkt, wenn er ins Krankenhaus aufgenommen, dort behandelt und wieder entlassen wird? Ist der zu beobachtende fortwährende Anstieg der Fallzahlen und der Komplexitätsgrade der Erkrankungen ausschließlich auf medizinischen Bedarf zurückzuführen? Entspricht die Ausrichtung der Kliniken den gesundheitlichen Bedürfnissen der Bevölkerung? Oder sind diese Entwicklungen Ausdruck eines "Ökonomisierungsprozesses", der medizinische Indikationen zunehmend mit wirtschaftlichen Interessen vermengt? Verändern die Finanzierungs- und Steuerungskonzepte des Gesundheitssystems auch die Inhalte und den Charakter der Medizin und der Krankenhäuser?

Die vorgelegten Ergebnisse der qualitativen Studie zeigen die Dilemmata auf, denen Geschäftsführer und Ärzte ausgesetzt sind, wenn sie zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Kliniken Gewinne erzielen müssen. Wenn das Patientenwohl konsequent als Maßstab patientenbezogener und unternehmerischer Entscheidungen berücksichtigt würde, wäre die Zahl der in die stationäre Behandlung aufgenommenen Patienten geringer, die Behandlungsprozesse könnten sorgsamer, zuwartend und weniger aggressiv verlaufen. Der Arbeitsplatz Krankenhaus wäre attraktiver und gesünder und das Problem des Fachkräftemangels wäre ebenfalls geringer. Vorausgesetzt freilich, dass genügend Fachpersonal vorhanden wäre und der Druck der Krankenhäuser, Gewinne zu ihrer Zukunftssicherung zu machen, vermindert würde.

Die beiden Autoren - der eine Arzt, der andere Ökonom - befragten Ärzte und Geschäftsführer deutscher Krankenhäuser danach, ob medizinische Entscheidungen durch andere Interessen als die der Patienten beeinflusst werden und wenn ja, warum dieses so ist. Die Ergebnisse werden in Buchform (Naegler H., Wehkamp K.-H.: Medizin im Krankenhaus zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung von der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsanstalt, Berlin) sowie im Deutschen Ärzteblatt und im Monitor Versorgungsforschung publiziert. Das NDR-Fernsehen ist anwesend und produziert eine ausführliche Dokumentation zu dem Thema.

Anmeldungen erbeten bis zum 3.11.2017 an Vicki May, E-Mail: vicki.may@uni-bremen.de

Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

StB Dr. Joachim Larisch
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58552
E-Mail: jlarisch@uni-bremen.de

Quelle: http://www.socium.uni-bremen.de/ueber-d ... 84#news384

+++
Bild
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 07.11.2017 - /Paylessimages, stock.adobe.com

Deutsches Ärzteblatt vom 07.11.2017:
Folgen der Öko­nomi­sierung im Krankenhaus für Ärzte täglich spürbar
Bremen/Berlin – Der auf Krankenhäusern lastende Druck, Gewinne zu erwirtschaften, um ihre Existenz zu sichern, wirkt sich auf die Arbeitssituation von Ärzten aus und beeinflusst auch die Patientenversorgung. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die Karl-Heinz Wehkamp vom Socium Forschungszentrum für soziale Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen und Heinz Naegler von der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht gestern in Bremen vorgestellt haben. Die detaillierten Ergebnisse werden im Deutschen Ärzteblatt erscheinen.
...
Quelle und weitere Informationen:
https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode ... &s=wehkamp

Patienten werden oft ohne medizinischen Grund behandelt
Laut einer Studie der Universität Bremen werden ärztliche Entscheidungen in deutschen Krankenhäusern durch betriebswirtschaftliche Vorgaben beeinflusst.
Entscheidungen würden ohne Kostendruck häufig anders ausfallen.
Quelle: Die Welt
https://www.welt.de/gesundheit/article1 ... ndelt.html

Ärzte Zeitung vom 07.11.2017
Studie
Kostendruck beeinflusst Krankenhausärzte bei der Behandlung

Wie weit geht die Gewinnorientierung in Kliniken? Eine neue Studie, die von einem Mediziner und einem langjährigen Klinikmanager aufgelegt wurde,
zeichnet ein erschreckendes Bild.
mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=94 ... efpuryykqr

+++
Bild

Im Forum informieren zahlreiche Beiträge zum Thema Ökonomisierung im Gesundheitssystem / Krankenhaus, z.B.:
Rückenschmerzen: Viele Untersuchungen sind überflüssig > viewtopic.php?f=6&t=21882
Krankenhausreform - Pflege im Blick, Finanzierung verbessert > viewtopic.php?f=4&t=20789
Patientenwohl als Maßstab für das Krankenhaus > viewtopic.php?f=2&t=21589
Die Ökonomie hat im Gesundheitssystem die Regie übernommen > viewtopic.php?f=4&t=20398
Mehr Operationen und medizinische Prozeduren ... > viewtopic.php?f=4&t=18006
BARMER GEK Report Krankenhaus 2014 ... Stents boomen > viewtopic.php?f=4&t=20523
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 18927
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung

Beitrag von WernerSchell » 10.11.2017, 07:21

Bei Facebook gepostet:
Patienten werden in den Krankenhäusern oft ohne medizinischen Grund behandelt. Diese Entwicklung ist offensichtlich Ausdruck eines "Ökonomisierungsprozesses", der medizinische Indikationen zunehmend mit wirtschaftlichen Interessen vermengt! Und das Patientenwohl wird dabei immer weniger berücksichtigt. --- Patienten sollten daher angebotene medizinische Dienstleistungen immer kritisch hinterfragen und auf eine lückenlose Aufklärung bestehen (= Zweitmeinung)!
>>> viewtopic.php?f=4&t=22367
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 18927
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Deutsches Gesundheitssystem - teuer, ...

Beitrag von WernerSchell » 10.11.2017, 16:04

0808 / 10. November 2017
Pressemitteilung von Kathrin Vogler


Deutsches Gesundheitssystem - teuer, aber oft nur Mittelmaß

„Die Untersuchung der OECD zeigt, dass privat und marktwirtschaftlich organisierte Gesundheitssysteme oft ineffizient arbeiten. Es wird zwar mehr Geld ausgegeben, allerdings sind die Menschen deswegen nicht gesünder als in eher staatlich organisierten Systemen“, kommentiert Kathrin Vogler, Gesundheitsexpertin der Fraktion DIE LINKE, die heute veröffentlichte OECD-Studie „Health at a glance“. Vogler weiter:

„Das deutsche Gesundheitssystem schneidet in sehr vielen Bereichen mittelmäßig bis gut ab. Es ist allerdings auch nach denen der USA und der Schweiz eines der teuersten weltweit – gemessen an dem für Gesundheitsleistungen ausgegebenen Anteil des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Immer mehr Privatisierungen und immer stärkerer Wettbewerb, etwa bei Krankenhäusern und Krankenkassen, halten nicht, was deren Befürworter versprochen haben.

Die Lebenserwartung in Deutschland liegt unter der aller anderen westeuropäischen Länder und auch unter der aller Länder mit vergleichbarem Wohlstand – nur in den USA stirbt man noch früher. Und die Lebenserwartung ist hierzulande eng an die soziale Lage gekoppelt. Das sollte uns nachdenklich stimmen und handeln lassen. Was wirksam ist, wissen wir: Bessere Verteilung von Einkommen, Verbot von Tabak- und Alkoholwerbung, Krankenhäuser und Krankenkassen, die sich nicht um ihre Bilanzen, sondern um die ihnen anvertrauten Menschen kümmern. Außerdem würde ein Gesundheitssystem, das nicht zwischen privat und gesetzlich Versicherten unterscheidet, die zur Verfügung stehenden Mittel besser verteilen.“

F.d.R. Christian Posselt
-----------------------------------------------------------------------------------------
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Pressesprecher: Michael Schlick, Tel. 030/227-50016, Mobil 0172/373 13 55 Stellv. Pressesprecher: Hanno Harnisch, Tel. 030/227-51092, Mobil 0171/643 55 24 Stellv. Pressesprecher: Jan-Philipp Vatthauer Tel. 030/227-52801, Mobil 151/282 02 708 Telefax 030/227-56801, pressesprecher@linksfraktion.de, http://www.linksfraktion.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 18927
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Ausreichend Personal auf Intensivstationen vorhalten

Beitrag von WernerSchell » 28.11.2017, 07:50

Marburger Bund – Bundesverband
Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
Pressemitteilung vom 27. November 2017


Kliniken müssen ausreichend Personal auf Intensivstationen vorhalten

Krankenhäuser müssen verpflichtet werden, ausreichend Personal auf Intensivstationen vorzuhalten, fordert der Marburger Bund. „In den Kliniken werden zunehmend mehr Intensivpatienten versorgt, ohne dass die Personalausstattung damit Schritt hält. Die Betreuungsrelation ist zu gering, überlastet Ärzte und Pflegende, erhöht die Fehlerrate und führt zwangsläufig zu Verschlechterungen in der Versorgung. Ohne verpflichtende Personalstandards auf den Intensivstationen bekommen wir das Problem nicht in den Griff“, betonte Dr. Susanne Johna, Bundesvorstandsmitglied des Marburger Bundes, heute auf dem 11. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit in Berlin. Ausdrücklich begrüßte sie die jüngste Verständigung von Deutscher Krankenhausgesellschaft und Krankenkassen, nach der auch Intensivstationen in die Liste pflegesensitiver Bereiche im Krankenhaus aufgenommen werden, für die zukünftig Personaluntergrenzen gelten sollen.

Eine zu geringe Anzahl von Pflegenden pro Intensivpatient mache es kaum noch möglich, dem Patienten in seiner schweren, vielfach lebensbedrohlichen Lage gerecht zu werden. Wenn Ärzte und Pflegende zu wenig Zeit für ihre Patienten haben, steige das Risiko von Komplikationen. So komme es in Phasen personeller Unterbesetzung häufiger zu nosokomialen Infektionen. Johna forderte Politik und Kliniken zu verstärkten Anstrengungen auf: „Internationale Untersuchungen belegen, dass schon ein 10 Prozent höherer Anteil examinierter Pflegekräfte eine Reduzierung der Mortalität von chirurgischen Patienten um 7 Prozent bewirkt. Die Fakten liegen längst auf dem Tisch. Wer sie ignoriert und die Zustände so belässt, wie sie sind, gefährdet die Patienten.“

Ohne Mindestvorgaben würden zudem Kliniken benachteiligt, die eine ausreichende Personalausstattung haben. Verpflichtende Personalstandards zwängen die Krankenhausbetreiber auch dazu, Personalentwicklungskonzepte zu erarbeiten, die nicht nur zur Entlastung der Beschäftigten beitragen könnten, sondern auch der Gesundheitsförderung dienten. „Moderne Krankenhäuser wissen um die Notwendigkeit verlässlicher Dienstpläne, flexibler Arbeitszeitmodelle und familienfreundlicher Maßnahmen. Nur wer die Bedürfnisse seiner Beschäftigten kennt und ihnen Rechnung trägt, wird dauerhaft qualifiziertes Personal an sich binden und neue Fachkräfte gewinnen können“, sagte Johna.
_____________________________________________

Marburger Bund Bundesverband
Referat Verbandskommunikation
Hans-Jörg Freese (Pressesprecher)
Reinhardtstraße 36 – 10117 Berlin
Tel.: 030/746846-41
Handy: 0162/2112425
presse@marburger-bund.de
http://www.marburger-bund.de

Der Marburger Bund ist der Verband aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte. Mit mehr als 119.000 Mitgliedern ist er der größte deutsche Ärzteverband mit freiwilliger Mitgliedschaft und Deutschlands einzige Ärztegewerkschaft.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 18927
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Jeder dritte Klinik-Aufenthalt vermeidbar

Beitrag von WernerSchell » 10.03.2018, 07:48

Einmal im Jahr prüft die AOK Rheinland/Hamburg ihre Versicherten auf Herz und Nieren: Mit deren anonymisierten Daten erstellt die Krankenkasse einen Überblick über Lebenserwartung, Volkskrankheiten und Krankenhausaufenthalte ihrer Versicherten in einem Gesundheitsreport. Im Report für 2018 fördert sie bemerkenswerte Ergebnisse zutage - u.a.: Jeder dritte Klinik-Aufenthalt ist vermeidbar! Der Report 2018 wirft ein Schlaglicht auf regionale Auffälligkeiten bei Operationen und der Versorgung der Versicherten. Wie man behandelt wird, hängt auch vom Wohnort ab. - Dies alles kann eine Mahnung für die Patienten sein, sich sorgsam über Behandlungserfordernisse und Krankenhausaufenthalte aufklären zu lassen. Siehe insoweit u.a. "Empfehlungen zur Aufklärung von Krankenhauspatienten über vorgesehene ärztliche Maßnahmen" und §§ 630c, 630d und 630e BGB.
>>> viewtopic.php?f=4&t=22552
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

Gesperrt