Ältere Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt

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Ältere Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt

Beitrag von WernerSchell » 20.07.2017, 07:27

BARMER

BARMER-Krankenhausreport 2017
Ältere Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt

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Quelle: Robert Kneschke / Fotolia

Berlin, 19. Juli 2017 - In Deutschland liegen immer mehr über 70-jährige multimorbide Geriatrie-Patienten im Krankenhaus. In den Jahren 2006 bis 2015 stieg ihre Zahl um 80 Prozent, von 1,1 auf zwei Millionen Personen. Finanzielle Fehlanreize können jedoch dafür sorgen, dass Geriatrie-Patienten länger als nötig oder kürzer als erforderlich im Krankenhaus versorgt werden. Zu diesem Ergebnis kommt der heute in Berlin vorgestellte BARMER-Krankenhausreport 2017. Hintergrund dieser Entwicklung ist die starre, an der Dauer des Krankenhausaufenthalts orientierte Vergütung für die sogenannte geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung (GFKB). Sie kann nach der Behandlung einer akuten Erkrankung direkt im Krankenhaus erfolgen und auch auf eine klassische Reha-Behandlung vorbereiten. Die GFKB lässt sich nach Verweildauer und Anzahl der Therapieeinheiten unterteilen. Im Wesentlichen wird zwischen mindestens sieben, 14 und 21 Behandlungstagen differenziert. „Die starren Kodiervorgaben für die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung sind in ihrer jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß. Die Dauer der Behandlung sollte sich stärker am individuellen Bedarf des Patienten und an medizinischen Kriterien orientieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende der BARMER, Prof. Dr. Christoph Straub.

Aufenthalt im Krankenhaus orientiert sich an Vergütungsstufen
Die GFKB stellt eine struktur- und verweildauerabhängige Vergütungskomponente im Rahmen des DRG-Systems dar. Kliniken können eine höhere Pauschale abrechnen, wenn ein Patient mindestens zwei Wochen lang stationär die GFKB erhält. Dies stellt aus BARMER-Sicht einen Fehlanreiz dar. „Im Jahr 2006 wurden 58 Prozent der GFKB-Patienten nach 14 Tagen entlassen und im Jahr 2015 bereits 75 Prozent. Parallel dazu sank der Anteil sowohl bei der sieben- als auch bei der 21-tägigen GFKB deutlich. Aus rein medizinischer Sicht darf man zumindest ein großes Fragezeichen hinter diese Praxis setzen“, sagte Straub und forderte in diesem Punkt eine Weiterentwicklung des Vergütungssystems.

Komplexbehandlungen haben um 180 Prozent zugenommen
Straub mahnte, schon heute die nötigen Strukturen zu entwickeln, um in der Zukunft Geriatrie-Patienten adäquat behandeln zu können. Denn bis zum Jahr 2050 werde die Anzahl der Menschen in der Generation 70plus um 46 Prozent anwachsen, wodurch die Altersmedizin immer mehr Raum einnehmen werde. Wie aus dem Report hervorgeht, ist die Zahl der Geriatrie-Patienten mit einer GFKB allein in den Jahren 2006 bis 2015 um 180 Prozent gestiegen, und zwar von 79.600 auf 222.600 Patienten. „Die massiven Steigerungsraten bei der geriatrischen frührehabilitativen Komplexbehandlung sind nicht rein durch den demografischen Wandel erklärbar“, sagte der Autor des BARMER-Krankenhausreports, Professor Boris Augurzky vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Das Thema sei auch ökonomisch relevant. Schließlich sei eine GFKB bei Oberschenkelhalsbruch mit 14 Behandlungstagen um 950 Euro teurer als eine klassische Rehabilitation, die je Geriatrie-Patient im Schnitt mit 3.100 Euro zu Buche schlägt.

Massive regionale Unterschiede bei geriatrischer Behandlung
Medizinisch ebenfalls nicht nachvollziehbar sind laut BARMER die deutlichen Unterschiede bei der jeweiligen Versorgungsform im Bundesgebiet. Wie ein älterer Patient behandelt wird, hängt demnach auch davon ab, in welchem Bundesland er wohnt. Denn laut Report reicht der Anteil der Geriatrie-Patienten mit einer GFKB von 4,3 Prozent in Bayern bis zu 24,3 Prozent in Hamburg. Für die Betroffenen sei das von großer Bedeutung, denn der Report lasse darauf schließen, dass das Behandlungsergebnis auch von der Versorgungsform abhänge. So werden von den Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch 47 Prozent nach einer Komplexbehandlung und lediglich 40 Prozent nach einer Reha pflegebedürftig. „Die GFKB im Akutkrankenhaus weist im Vergleich zur Versorgung in klassischen Reha-Einrichtungen einen geringeren Behandlungserfolg auf. Daher sollte die Komplexbehandlung nur dann zum Einsatz kommen, solange der Patient noch einer Krankenhausbehandlung bedarf. Dies hängt aber von dessen individuellem Gesundheitszustand ab“, sagte Straub. Zudem müsse stärker auf Prävention gesetzt werden, um zum Beispiel Stürze zu vermeiden, durch die viele Oberschenkelhalsbrüche entstehen.

Geriatrie in großen Kliniken ansiedeln
Neben Änderungen bei der GFKB-Vergütung gibt es auch Handlungsbedarf bei den Leistungserbringern. Denn der Report zeigt, dass Kliniken mit mindestens fünf Fachabteilungen bei der Versorgung der Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch tendenziell erfolgreicher sind. Mehrere Fachdisziplinen gewährleisten demnach eine ganzheitlichere Sicht bei der Behandlung des Patienten. So sei das Risiko, im Anschluss an ein Pflegeheim überwiesen zu werden, um sechs Prozentpunkte geringer, wenn die Betroffenen in einer großen anstatt einer kleineren Klinik behandelt werden. „Geriatrie-Patienten sollten nach Möglichkeit an größeren, multidisziplinär aufgestellten Krankenhäusern behandelt werden. Dort haben sie bessere Chancen, wieder auf die Beine zu kommen, um noch lange in ihren eigenen vier Wänden leben zu können“, sagte Augurzky.

Daten aus dem BARMER-Krankenhausreport 2017
Kosten: Im Jahr 2016 lagen die durchschnittlichen Ausgaben je weiblicher Versicherter für den vollstationären Aufenthalt im Schnitt bei 771 Euro bei körperlichen und 99 Euro bei psychischen Erkrankungen. Je männlichen Versicherten fielen 789 und 88 Euro an. Der Krankenhausaufenthalt einer Patientin kostete im Schnitt 3.664 Euro bei körperlichen und 7.110 Euro bei psychischen Erkrankungen. Bei einem Patienten betrugen die Kosten im Schnitt 4.145 Euro bzw. 5.650 Euro (Report S.12).
Verweildauer: Die Patientinnen und Patienten bleiben immer kürzer im Krankenhaus. So sank die Verweildauer von 8,51 Behandlungstagen im Jahr 2006 auf 7,49 Tage im Jahr 2015. Dieser volle Tag weniger entspricht einem Rückgang um zwölf Prozent. Allerdings liegen psychisch erkrankte Menschen immer länger in der Klinik. Die Aufenthaltsdauer dieser Gruppe stieg in den Jahren 2006 bis 2016 im Schnitt von 22,15 auf 23,59 Tage. Das ist ein Zuwachs von 6,5 Prozent (Report S.34).
Regionale Unterschiede: Während in Baden-Württemberg im Jahr 2016 nur 177 und in Hamburg 188 von 1.000 Personen einen Krankenhausaufenthalt hatten, waren es in Sachsen-Anhalt 245 und in Thüringen sogar 247. Große Unterschiede gab es auch bei den Kosten je Versicherten. Sie schwankten zwischen 647 Euro für körperliche und 93 Euro für psychische Erkrankungen in Baden-Württemberg und 917 Euro und 88 Euro in Thüringen (Report S.39 und 41).
Diagnosen: Mit 41,3 Fällen je 10.000 Versicherten führte die Diagnose Herzinsuffizienz die Liste der häufigsten Hauptdiagnosen im Jahr 2016 an. Sie machte knapp 1,9 Prozent aller Krankenhausaufenthalte aus. An zweiter Stelle folgte mit 38,3 Fällen je 10.000 Versicherten die Diagnose Vorhofflattern und Vorhofflimmern. Danach kam auf Position drei die Diagnose Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol mit 36,5 Behandlungsfällen je 10.000 Versicherten und auf Position vier die Diagnose Angina Pectoris mit 28,3 Behandlungsfällen (Report S. 49).

Auf einen Blick
Was ist der Unterschied zwischen einer GFKB und einer Reha?
Die geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung (GFKB) greift in aller Regel bei multimorbiden Patienten über 70 Jahre nach der Behandlung einer akuten Erkrankung. Sie erfolgt im Krankenhaus und die Reha in einer klassischen Rehabilitationseinrichtung. Beide Versorgungsformen sollen dazu beitragen, dass der Patient zum Beispiel nach einer Operation oder einem Schlaganfall wieder so fit wird, dass er im Optimalfall weiterhin zu Hause ohne fremde Hilfe leben kann.
Wann kommt eine GFKB zum Einsatz, wann eine Reha?
Die GFKB erfolgt bei Patienten, die so schwer erkrankt sind, dass sie noch längere Zeit in der Klinik bleiben müssen. Denn wer länger bettlägerig ist, der muss mit Muskel- und Knochenabbau sowie einem weiteren Kräfteverlust rechnen. Genau das versucht die Komplexbehandlung durch frühzeitige rehabilitative Maßnahmen zu verhindern. Die GFKB kann auch in Vorbereitung für eine Reha erfolgen. Letztere kommt dann zum Einsatz, wenn es den Patienten wieder so gut geht, dass sie nicht mehr stationär versorgt werden müssen. In den Jahren 2006 bis 2015 ist die Anzahl der Geriatrie-Patienten mit einer Komplexbehandlung um 180 Prozent gestiegen, von 79.600 auf 222.600 Betroffene.
Wie wird die GFKB vergütet?
Die Behandlung von Patienten in Krankenhäusern wird mit Fallpauschalen nach diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG) vergütet. Mittlerweile gibt es 17 DRGs, in die die GFKB einfließt. Diese haben einen unterschiedlichen Leistungsumfang und sind mit einer abgestuften Verweildauer versehen, die einem Sieben-Tage-Intervall (7/14/21) folgt.
Wie wird die Reha vergütet?
Im Gegensatz zur GFKB im Krankenhaus werden Rehabilitationseinrichtungen in der Regel nach tagesgleichen Pflegesätzen vergütet. Diese sind zuvor mit den Einrichtungen und den Krankenkassen verhandelt worden. Im Schnitt schlägt eine Reha für Geriatrie-Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch mit 3.100 Euro zu Buche.

Das komplette Material der Pressekonferenz finden Sie auch im BARMER-Presseportal: https://www.barmer.de/p007974

Quelle: Pressemitteilung vom 19.07.2017
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Presseabteilung der BARMER
Athanasios Drougias (Leitung), Telefon: 0800 33 20 60 99 1421
Sunna Gieseke, Telefon: 0800 33 20 60 44-30 20
E-Mail: presse@barmer.de
Http://www.barmer.de/presse

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Ärzte Zeitung vom 19.07.2017:
Ältere Patienten
Barmer kritisiert Reha-Praxis in Kliniken
Immer mehr ältere Patienten bekommen im Krankenhaus frühe Rehabilitationshilfen.
Diese Praxis prangert die Barmer in ihrem aktuellen Krankenhaus-Report an.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=940 ... fpuryyqrde

Deutsches Ärzteblatt vom 19.07.2017:
Krankenhäuser versorgen mehr geriatrische Patienten
Die Zahl der über 70-jährigen multimorbiden Patienten im Krankenhaus ist zwischen 2006 und 2015 von 1,1 auf zwei Millionen angewachsen.
Das geht aus dem Barmer-GEK-Krankenhausreport 2017 hervor, der heute ... 
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... -Patienten

Intensivstationen: Geriater wollen Altersmedizin stärken > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... n-staerken
Geriatrie: Länderminister diskutieren über Versorgung > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... Versorgung
Altersmedizin in NRW gestärkt > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... ersmedizin
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Rehabilitationsbehandlung nach individuellem Bedarf

Beitrag von WernerSchell » 20.07.2017, 07:30

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Rehabilitationsbehandlung nach individuellem Bedarf, nicht nach ökonomischen Anreizen planen

Die Zahl multimorbider und älterer Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern ist innerhalb von zehn Jahren um ca. 80 Prozent gestiegen und der Trend setzt sich fort. Das stellt Anforderungen an Kliniken und ihre Versorgungsstrukturen, mit denen sie bisher nicht adäquat umgehen, sagt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) zum heute veröffentlichten BARMER-Krankenhausreport 2017. „Schuster, bleib bei deinem Leisten! Dieser Gedanke drängt sich auf, betrachtet man die Steigerungszahlen, Kosten und Outcomes der für die Kliniken äußerst lukrativen rehabilitativen Versorgung. Denn seitdem sie eine ‚geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung‘ (GFKB) pauschal abrechnen können, tummeln sie sich nun auch in diesem Therapiefeld. Und sind dabei teuer, aber nur mäßig erfolgreich“, erklärt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel. „Ökonomische Anreize rechtfertigen weder eine bestimmte Indikationsstellung noch eine starre Therapiedauer. Jeder Patient hat das Recht auf eine am individuellen Bedarf ausgerichtete Therapieform sowie größtmögliche Wiederherstellung seiner Mobilität und Selbständigkeit. Für rehabilitative Behandlung sind Strukturen und Kompetenzen erforderlich, die in den Krankenhäusern ganz offenbar nicht ausreichend vorgehalten werden. Hier wirkt sich der Pflegefachkräftemangel aus, denn multimorbide Patientinnen und Patienten leiden ganz besonders, wenn es nicht genug Pflege gibt. Unser Gesundheitssystem kann es sich auf Dauer nicht leisten, Geld ohne erwiesenen Nutzen zu verschleudern. Deshalb muss die Forderung sein, dass Krankenhäuser sich personell und strukturell besser auf die Bedürfnisse älterer Patientinnen und Patienten einstellen müssen. Und sich vorrangig auf ihr Kerngeschäft – eine gute Akutversorgung – konzentrieren sollten.“

Der Krankenhausreport hat in diesem Jahr Routinedaten im Hinblick auf die immer größer werdende Zahl geriatrischer Patienten untersucht. Schwerpunkt dabei: die Effizienz am Beispiel der rehabilitativen Versorgung, beispielsweise nach einer Oberschenkelhalsfraktur aufgrund eines Sturzes. Die Ergebnisse sind auffällig und lassen berechtigte Zweifel zu, ob ältere Patientinnen und Patienten für die Phase der Rehabilitation im Krankenhaus gut aufgehoben sind. Vielmehr führen finanzielle Fehlanreize dazu, dass ältere, multimorbide Menschen länger als nötig und kürzer als erforderlich im Krankenhaus gehalten werden, um die Vergütungspauschale mitzunehmen. Zudem sind die Ergebnisse hinsichtlich einer Abwendung von Pflegebedürftigkeit schlechter als bei der kostengünstigeren Behandlung in einer Reha-Einrichtung. Die große Zahl der Fälle und die damit verbundenen hohen Kosten sorgen für hohe Relevanz des Themas.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
http://www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage http://www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 19.07.2017
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
http://www.dbfk.de | Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77 | Umsatzsteuer Id.Nr. DE 114235140
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Ältere Patienten in Deutschland nicht optimal versorgt

Beitrag von WernerSchell » 20.07.2017, 07:38

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Interessenvertretung
für hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland
Harffer Straße 59 - 41469 Neuss


Pressemitteilung vom 20.07.2017

Ältere Patienten sind in deutschen Krankenhäusern nicht optimal versorgt
- so das klare Urteil im "Barmer Report 2017" > viewtopic.php?f=4&t=22215 ).

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk sieht ebenfalls Optimierungsbedarf und hat wiederholt auf problematische Versorgungsstrukturen und die im Vordergrund stehenden ökonomischen Erwägungen hingewiesen aufmerksam gemacht; z.B.:

• Patientenwohl als Maßstab für das Krankenhaus > viewtopic.php?f=2&t=21589
• Ökonomie im Gesundheits- und Pflegesystem = Pflegenotstand > viewtopic.php?f=4&t=19752
• Mehr Pflegepersonal im Krankenhaus! - Alternativlos! > viewtopic.php?f=3&t=21118
• Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus > viewtopic.php?f=4&t=20538
• Wegweiser unterstützt Demenzpatienten beim Krankenhausaufenthalt > viewtopic.php?f=4&t=20392
• Auf dem Weg zu einem demenzsensiblen Krankenhaus > viewtopic.php?f=4&t=22133
• Demenzkrankenbetreuung: Die Aus-, Fort- und Weiterbildung > viewtopic.php?f=3&t=18537
• Verwirrtheitsrisiko nach OP kann deutlich gesenkt werden > viewtopic.php?f=4&t=18317
• Demenz- und Delirkonzepten im Krankenhaus > viewtopic.php?f=4&t=20219
• Rehabilitation vor Pflege - Reha aufwerten > viewtopic.php?f=4&t=20949
• Was ist Geriatrie? Und was kann die Altersmedizin in Deutschland leisten? > viewtopic.php?f=6&t=20640

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Ein Hauptknackpunkt bei der Versorgung kranker älterer Menschen in den stationären Einrichtungen sind die unzureichenden Stellendotierungen für die Pflege. Insoweit werden seit vielen Jahren bundesweit geltende Personalbemessungssysteme gefordert, die den pflegerischen Bedarf angemessen abdecken. Dem hat man aus Kostengründen bislang nicht Rechnung getragen mit der Folge, dass sich die unzureichenden Stellenausstattungen mittlerweile zu einem Fachkräftemangel ausgeweitet haben. Pflegekräfte sind aus dem Beruf geflüchtet bzw. krankheitsbedingt ausgeschieden (> viewtopic.php?f=5&t=22199 ) Die Versäumnisse der Vergangenheit zeigen Wirkung!

Die kürzlich erfolge Verabschiedung eines neuen Pflegeberufegesetzes (> viewtopic.php?f=3&t=22204 ) löst mit Blick auf die unzureichenden Stellenausstattungen null Probleme. Die Reform der Pflegeausbildung und die angenommenen positiven Auswirkungen können natürlich eine unterschiedliche Bewertung erfahren. Was aber allein wichtig ist: Es bedarf JETZT der Gestaltung von bundesweit geltenden Personalbemessungssystemen und angemessener Vergütungen. Im Übrigen ergibt sich: Personaluntergrenzen, Mindestpersonalregelungen bzw. projektgebundene Pflegestellenprogramme für die Pflege sind nicht wirklich geeignet, den Pflegenotstand aufzulösen. Dringend erforderlich ist ein bundesweit geltendes Personalbemessungssystem für die Krankenhauspflege (und die Heimpflege), das angemessene Personalausstattungen gewährleistet, im Tages- und Nachtdienst. … > viewtopic.php?f=4&t=22074

Das Neusser Lukaskrankenhaus hat am 08.06.2017 die "Geriatrie" aufgewertet und ein neues Gebäude eingeweiht. Damit ist die Region mit Blick auf die Altersmedizin gut aufgestellt. Werner Schell war bei der Einweihung vor Ort (> viewtopic.php?f=3&t=22160 ).

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Foto vom 06.04.2016: Dr. N. Krämer, W. Schell, N. Pfeifer
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Minister Hermann Gröhe und Chefärztin Nicole Pfeifer suchten das Gespräch
mit Evelin Kiesewetter und anderen Patienten. FOTO vom 08.06.2017: woi


Frau Nicole Pfeifer, die Chefärztin der Neusser "Geriatrie" wird Podiumsgast beim Pflegetreff am 22.11.2017 sein (> viewtopic.php?f=7&t=22212 ). Bei dieser Veranstaltung wird es vornehmlich um "Prävention und Gesundheitsförderung" gehen, auch mit Blick auf die älter werdende Gesellschaft: > viewtopic.php?f=4&t=22147

Werner Schell
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Altersmediziner legen Einspruch ein

Beitrag von WernerSchell » 22.07.2017, 06:36

DGG
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V.

Altersmediziner legen Einspruch ein:
„Darstellungen zum Barmer-Krankenhausreport sind falsch und fahrlässig“


Scharfe Kritik übt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) an der aktuellen Debatte um den Barmer-Krankenhausreport, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Verkürzte Aussagen vermitteln das Bild, dass hochbetagte Patienten in deutschen Krankenhäusern nicht gut versorgt werden. „Das Gegenteil ist im internationalen Vergleich der Fall“, sagt DGG-Präsident Professor Jürgen M. Bauer, Lehrstuhlinhaber an der Universität Heidelberg und Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg. „Der alte Mensch darf sich in deutschen Krankenhäusern in guten Händen wissen!“ Die Krankenkasse beklagt pauschal steigende Kosten, bemängelt eine zu hohe Pflegebedürftigkeit nach einem Krankenhausaufenthalt, betrachtet die Ursachen aber undifferenziert – und das zu Lasten älterer Patienten. „Dieser grob vereinfachenden Darstellung müssen wir widersprechen“, sagt Bauer. Im Interview spricht der renommierte Altersmediziner über die wirklichen Herausforderungen, mögliche Konzepte und das öffentliche Bild der Altersmedizin.

Herr Professor Bauer, was kritisieren Sie am aktuellen Barmer-Krankenhausreport konkret?
Mich ärgern vor allem die verkürzten Darstellungen der Report-Ergebnisse. Diese suggerieren der Öffentlichkeit, dass für die Geriatrie finanzielle Interessen im Vordergrund stehen und nicht der individuelle Behandlungsbedarf der Patienten. Dies zeichnet ein falsches Bild! Natürlich steht für uns Ärzte und unsere Teams das Wohlergehen unserer Patienten an erster Stelle. Zudem wurden im Kontext des Barmer-Reports die Behandlungsergebnisse bei Patienten der Akut-Geriatrie und solchen der Reha-Geriatrie pauschal in einen Topf geworfen. Es handelt sich jedoch um zwei gänzlich unterschiedliche Patientengruppen, die nicht ohne weiteres miteinander zu vergleichen sind. Schon gar nicht bei der Bewertung des Reha-Erfolgs.

Warum stehen gerade die Reha-Maßnahmen im Zentrum der Diskussion?
Weil Reha-Maßnahmen an sich einen durchaus relevanten Kostenfaktor darstellen, als geriatrische Frührehabilitation auch in den Akutkliniken. Die Krankenkassen befürchten hier einen weiteren deutlichen Kostenanstieg. Alle Versicherer haben mit steigenden Kosten für die Behandlung ältere Patienten zu kämpfen. Das liegt vor allem an der demografischen Entwicklung, aber auch den vielen neuen medizinischen Verfahren, von denen auch Hochbetagte profitieren. Die Bedeutung und die Vorteile eines frühzeitigen rehabilitativen Angebots, welches die Krankenhausbehandlung bei betagten Patienten ergänzt, darf nicht in Frage gestellt. Dies wäre geradezu fahrlässig, wenn man die Notwendigkeit des Erhalts der Selbständigkeit und Autonomie des älteren Patienten bedenkt.

Was ist das Problem an der Kritik bei geriatrischen Reha-Maßnahmen?
Es wird suggeriert, dass die geriatrische Frührehabilitation im Akutkrankenhaus im Vergleich zu „klassischen“ Reha-Angeboten weniger erfolgreich sei, da gemäß der Zahlen der Barmer nach der ersteren mehr Patienten pflegebedürftig seien. Fakt ist aber, dass beide Formen der geriatrischen Rehabilitation nachweislich Erfolge zeigen. Jedoch unterscheiden sich die Patienten in den beiden Behandlungsformen grundlegend. In den Akutkliniken erhalten die älteren Patienten eine geriatrische frührehabilitative Komplexbehandlung, damit sie trotz der funktionellen Beeinträchtigung durch ihre akuten und chronischen Erkrankungen wieder nach Hause zurückkehren können. Oftmals ist im Anschluss an die geriatrische Frührehabilitation noch eine stationäre geriatrische Rehabilitation erforderlich, um dieses Behandlungsziel zu erreichen. In vielen Fällen könnten die älteren Patienten sogar ohne eine vorgeschaltete Frührehabilitation gar nicht in die stationäre Rehabilitation aufgenommen werden. Die Patienten in der Frührehabilitation sind in der Regel wesentlich stärker in ihrer Funktionalität beeinträchtigt als dies bei den Reha-Patienten der Fall ist. Zudem weisen sie therapiebedürftige Erkrankungen, die für ihre Behandlung ein Krankenhaus erfordern. Man sieht aus diesen Ausführungen, dass es sich um zwei sehr unterschiedliche Patientengruppen handelt, die man schlecht miteinander vergleichen kann.

Ältere Patienten müssen sich also keine Gedanken um eine erfolgreiche Krankenhaus-Versorgung machen?
Sich gegen eine geriatrische Krankenhausversorgung zu entscheiden, wäre fatal. Denn in Wirklichkeit ist es genau die Gruppe der hochbetagten, in ihrer Autonomie gefährdeten Patienten, für welche bei einer fachgerechten geriatrischen Versorgung die größten Behandlungserfolge zu erwarten hat. Die spezialisierte Altersmedizin, die Geriatrie, kann sehr viel zum Erhalt und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen – sowohl durch die Frührehabilitation als auch bei der gängigen geriatrischen Reha. Darüber sind sich alle Experten längst einig. Natürlich muss jede Behandlung individuell auf den Patienten und seine spezielle Situation abgestimmt sein.
Dennoch scheint die erfolgversprechende Klinik-Reha nicht überall stark in Anspruch genommen zu werden. Wie erklären Sie sich die großen regionalen Unterschiede?
Die Zahl der geriatrischen Patienten, die eine geriatrische Frührehabilitation durchlaufen, unterscheidet sich in den einzelnen Bundesländern tatsächlich stark. Es sind 4,3 Prozent in Bayern gegenüber 24,3 Prozent in Hamburg. Die Bundesländer unterscheiden sich teilweise noch sehr stark in ihrem Angebot an geriatrischen Versorgungsstrukturen. Daraus resultieren in erster Linie die diesbezüglich unterschiedlichen Zahlen. Ein gewisser Trend zur Vereinheitlichung ist jedoch festzustellen.

Wäre nicht gerade jetzt eine Weiterentwicklung der Strukturen geriatrischer Versorgungstrukturen hilfreich?
Dafür setzen wir uns als Fachgesellschaft seit Jahren ein. Die Probleme der Kostensteigerung in der medizinischen Versorgung der älteren Patienten sind für uns greifbar. Die Konzepte für eine auf den Erhalt der Funktionalität des älteren Patienten gerichteten Behandlung bedürfen selbstverständlich der Weiterentwicklung. Ein besonderes Augenmerk muss zukünftig auch auf die Verbesserung der Zusammenarbeit der stationären und ambulanten Versorgung gerichtet werden. Ferner sollte verstärkt auf die Nachhaltigkeit der Ergebnisse der rehabilitativen Behandlung geachtet werden. Mit den aktuellen Kostenstrukturen können wir gegenwärtig arbeiten. Wir sind jedoch mit vielen Details nicht glücklich. Es gäbe bessere Lösungen, die den Besonderheiten des individuellen Behandlungsfalles besser gerecht würden.

Was werden Sie als nächstes machen, um genau diese Ziele zu erreichen?
Wir Geriater sind vorbereitet und immer zum Gespräch bereit. Ich würde es begrüßen, wenn sich alle Entscheider an einen Tisch setzen würden, um gemeinsam zukunftsweisende Lösungen zu erarbeiten. Dafür werbe ich in Gesprächen mit den Krankenkassen als auch mit Vertretern der Politik. Auf keinen Fall darf ein falsches Bild über die Arbeit und die Erfolge der Geriatrie entstehen. Wir stehen vor großen Herausforderungen, an deren Bewältigung uns allen gelegen sein muss. Nur durch die Zusammenarbeit aller für die Versorgung des älteren Patienten Verantwortlichen wird uns dies gelingen.

PM: Altersmediziner legen Einspruch ein:
„Darstellungen zum Barmer-Krankenhausreport sind falsch und fahrlässig“
>>> http://www.dggeriatrie.de/index.php?sub ... mailid=395

Quelle: Pressemitteilung vom 21.07.2017
Pressekontakt der DGG
Torben Brinkema
medXmedia Consulting KG
Nymphenburger Str. 19
80335 München
Tel: +49 (0)89 / 230 69 60 21
Fax: +49 (0)89 / 230 69 60 24
E-Mail: presse@dggeriatrie.de
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BVMed zum "Tag gegen den Schlaganfall" am 10. Mai: "Vorsorge und Behandlung durch medizintechnischen Fortschritt stärken

Beitrag von WernerSchell » 10.05.2018, 16:57

BVMed-Pressemeldung 34/18
https://www.bvmed.de/bvmed-zum-tag-gege ... t-staerken

BVMed zum "Tag gegen den Schlaganfall" am 10. Mai: "Vorsorge und Behandlung durch medizintechnischen Fortschritt stärken"

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Berlin | Zum nationalen "Tag gegen den Schlaganfall" am 10. Mai 2018 weist der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, auf den rasanten medizintechnischen Fortschritt bei Vorsorge und Behandlung von Schlaganfällen hin. Rund 80 Prozent der 260.000 Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland werden durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht, das ein Blutgefäß im Gehirn verschließt. In der Folge können bei den betroffenen Patienten Teile des Gehirns nicht mehr mit Blut versorgt werden. Die Entfernung des Blutgerinnsels aus den Hirnarterien mittels eines Mikro-Katheters, die sogenannte mechanische Thrombektomie, hat sich mittlerweile als Standard durchgesetzt, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt.

Die hoch wirksame Thrombektomie wird in Deutschland bereits seit vielen Jahren angewendet. Im vergangenen Jahr wurden etwa 7.000 mechanische Thrombektomien in Deutschland durchgeführt. Deutschland nimmt damit europaweit eine führende Position ein, denn es wird mittlerweile eine nahezu flächendeckende Versorgung gewährleistet.

Weniger bekannt ist, dass Vorhofflimmern eine der Hauptursachen für Schlaganfälle ist. Herzrhythmusstörungen treten in der Bevölkerung relativ häufig auf, mit Vorhofflimmern als häufigster Form. Allein in Deutschland leiden rund 1,8 Millionen Menschen daran. Leiden Patienten länger unter Vorhofflimmern, erhöht sich bei den Betroffenen das Schlaganfallrisiko: Durch das Flimmern pumpt das Herz weniger Blut. Es können sich Blutgerinnsel im linken Vorhof bilden und in das Gehirn gelangen, wo sie ein Blutgefäß verstopfen und dadurch den Schlaganfall auslösen. Auch hier bieten moderne Medizintechnologien neue Diagnose- und Behandlungsoptionen an. So helfen implantierbare Ereignis-Rekorder Patienten mit einem Schlaganfall, dessen Ursache ungeklärt ist. Bei vielen Patienten mit Vorhofflimmern kann zudem eine Katheterablation der richtige Eingriff sein, um Lebensqualität zurückzugewinnen.

Mehr Informationen unter: www.bvmed.de/schlaganfall-therapie (https://www.bvmed.de/downloads-beeres/w ... l-therapie).
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Pressetext online unter:
https://www.bvmed.de/bvmed-zum-tag-gege ... t-staerken

Pressearchiv:
https://www.bvmed.de/pressemeldungen

V.i.S.d.P.:
Manfred Beeres M.A.
Leiter Kommunikation/Presse
BVMed - Bundesverband Medizintechnologie Reinhardtstr. 29 b D - 10117 Berlin

Tel.: +49 (0)30 246 255-20
Fax: +49 (0)30 246 255-99
E-Mail: beeres@bvmed.de
Internet: http://www.bvmed.de
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