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Forum Werner Schell
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BeitragVerfasst: 21.06.2017, 06:17 
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Rückenschmerzen: In manchen Regionen wird bis zu 13-mal häufiger operiert als andernorts

--- Studie der Bertelsmann-Stiftung - vorgestellt am 19.06.2017
Quelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... ndernorts/
--- Siehe zum Thema den TV-Tipp für den 19.06.2017: Operieren und kassieren. Ein Klinik-Daten-Krimi. In Deutschland entscheidet häufig allein der Wohnort darüber, ob ein Patient operiert wird oder nicht. … > viewtopic.php?f=7&t=22172

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In Deutschland werden Menschen mit Rückenbeschwerden sehr unterschiedlich behandelt. Ihr Wohnort bestimmt, ob sie ins Krankenhaus kommen, konservativ behandelt oder operiert werden. Das zeigt unsere neue Studie.

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland Menschen mit Rückenbeschwerden immer häufiger im Krankenhaus aufgenommen. Auch die Zahl der Rücken-OPs nahm zuletzt stark zu. Außerdem finden bestimmte Eingriffe in manchen Regionen wesentlich häufiger statt als in anderen. Das zeigt unsere Studie. Sie untersuchte die Häufigkeit von drei ausgewählten Rückenoperationen in allen 402 Kreisen und kreisfreien Städten. Betrachtet wurde, wie oft Bandscheiben-, Versteifungs- und Dekompressions-OPs durchgeführt werden.

Zahl der OPs stark angestiegen – und bei manchen Eingriffen gibt es gravierende regionale Unterschiede

Von 2007 bis 2015 stieg in der Bundesrepublik die Zahl der Rücken-OPs deutlich von 452.000 auf 772.000. Das ist ein Anstieg um 71 Prozent. Doch nicht nur das: Manche Eingriffe werden in einigen Regionen wesentlich häufiger durchgeführt als in anderen. So gibt es bei den aufwendigen Versteifungs-OPs, bei denen einzelne Wirbelgelenke versteift werden, gravierende regionale Unterschiede. Bei Patienten im hessischen Landkreis Fulda etwa werden 13-mal so viele Eingriffe vorgenommen wie im brandenburgischen Frankfurt/Oder. Bei Dekompressions-OPs, bei denen knöcherne Verengungen am Wirbelkanal entfernt werden, gab es ebenfalls Unterschiede bis zum 13-fachen, bei Entfernungen von Bandscheibengewebe bis zum 6-fachen.

Mittlerweile gibt es regelrechte "OP-Hochburgen", wo die Zahl der Rückenoperationen in den letzten Jahren immer weiter zunahm. So entstand in Nord- und Osthessen sowie im angrenzenden Westthüringen ein zusammenhängendes Gebiet, in dem fast alle Stadt- und Landkreise vergleichsweise sehr hohe OP-Raten aufweisen.

"Es braucht dringend mehr Transparenz über die Gesundheitsversorgung vor Ort, um Über- oder Unterversorgung zu vermeiden."
Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Operieren oder nicht – das hängt auch von den Gewohnheiten der Ärzte ab

Warum Menschen mit Rückenschmerzen in einigen Regionen Deutschlands häufiger ins Krankenhaus kommen und operiert werden als in anderen, lässt sich mit den verfügbaren Daten nur schwer erklären. Die großen regionalen Unterschiede deuten jedoch darauf hin, dass sich die Organisation der medizinischen Versorgung und die Diagnostik und Therapie von Rückenbeschwerden sehr stark unterscheiden. "Lokale Versorgungsmuster verstärken sich, wenn klare medizinische Leitlinien fehlen", betont Eckhard Volbracht, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung. Die Entscheidung für einen operativen Eingriff dürfe jedoch nicht aufgrund von individuellen Vorlieben der ortsansässigen Ärzte fallen, mahnt Volbracht. Vielmehr sollten Ärzte verständlich über Nutzen und Risiken von Behandlungen informieren und unabhängig von finanziellen Interessen gemeinsam mit dem Patienten über das weitere Vorgehen entscheiden.

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Versorgung der Patienten verbessern: Unsere Handlungsempfehlungen

Was also tun, um die Versorgung von Patienten mit Rückenbeschwerden zu verbessern? Unterschiedliche Interessen und ungeklärte Zuständigkeiten stehen notwendigen Veränderungen bisher oft im Weg. Deshalb muss effektiv geplant und gesteuert werden. Unsere Handlungsempfehlungen daher:
- regionale Unterschiede bei der medizinischen Versorgung deutlich machen und Transparenz vor Ort herstellen
- medizinische Leitlinien für die Ärzte entwickeln und anwenden
- Patienten umfassend über die Vor- und Nachteile von Behandlungen informieren
- Strukturplanung und Finanzierung der medizinischen Versorgung verbessern

Die komplette Studie finden Sie hier > https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... k-ruecken/
Eine Zusammenfassung gibt's in Form eines "Spotlight Gesundheit" und im Kurzvideo: > https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... erationen/

Unser Service für Sie: Faktenblätter für alle 16 Bundesländer > https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... ndernorts/ und ein interaktives Kartentool > https://faktencheck-gesundheit.de/de/fa ... eingriffe/

Wie werden Patienten mit Rückenschmerzen in meiner Heimatregion versorgt? Infos dazu finden Sie in unseren Faktenblättern für alle 16 Bundesländer (am Textende) und in unserem interaktiven Kartentool.

Nicht nur bei Patienten mit Rückenschmerzen entscheiden hierzulande häufig der Wohnort und die regionale Versorgungsstruktur, ob sie operiert werden oder nicht. Das zeigen die ARD-Doku "Operieren und kassieren" heute um 22:45 Uhr und der "OP-Atlas" des WDR. > http://www1.wdr.de/verbraucher/gesundhe ... t-100.html Sie machen außerdem deutlich, wie wichtig Transparenz, Kontrollinstanzen und klare Strukturen im Gesundheitssystem sind.

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Immer mehr Patienten kommen wegen Rückenschmerzen ins Krankenhaus – obwohl das häufig vermeidbar wäre

Unsre Studie untersuchte auch, wie oft Patienten wegen der allgemeinen Diagnose "Rückenschmerzen" im Krankenhaus aufgenommen werden. Von 2007 bis 2015 erhöhten sich die Aufnahmen stark von 116.000 auf 200.000 – eine Steigerung um 73 Prozent. Auch hier fallen die großen und zunehmenden regionalen Unterschiede auf: Während beispielsweise in Heidelberg nur 58 oder in Kiel 91 von 100.000 Menschen mit der Diagnose Rückenschmerzen ins Krankenhaus kommen, sind es im westfälischen Hamm 815 und in Osterrode am Harz 919.

Dabei wären die Klinikaufenthalte bei dieser Diagnose häufig vermeidbar. Die Mehrzahl der Patienten mit Rückenschmerzen erhält im Krankenhaus keine spezifische Schmerztherapie, sondern überwiegend diagnostische Leistungen, wie ein MRT. Das könnte meistens auch ambulant erfolgen.

+++
Siehe auch Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)
Faktencheck Rücken - Analyse
>>> https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... n-analyse/

+++
Die Medien berichten u.a. wie folgt:

Ärzte Zeitung vom 20.06.2017:
Statistik - Deutschland hat Rücken - einige Regionen besonders oft
Die Zahl der Rücken-Ops steigt in Deutschland massiv. Laut einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung gibt es klare Op-Hochburgen: Medizinisch nicht erklärbar sei die Häufigkeit in manchen Kreisen. mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=938 ... fpuryyqrde

Deutsches Ärzteblatt vom 20.06.2017:
Streit um Versorgung von Rückenschmerz­patienten
Die Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen variiert regional möglicherweise stark. So erhalten Patienten im Landkreis Fulda 13-mal so viele Versteifungs-OPs wie Patienten in Frankfurt/Oder ...  https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... zpatienten

Rheinische Post vom 20.6.2017:
Vor Rücken-OP besser zweite Meinung einholen
> http://www.pressreader.com/germany/rhei ... 0247976092

+++
Siehe auch zahlreiche Beiträge im Forum; z.B.:
viewtopic.php?f=6&t=13509
viewtopic.php?f=2&t=16215

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BeitragVerfasst: 23.06.2017, 08:49 
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Die Rheinische Post berichtete am 23. Juni 2017:

Große Unterschiede von Klinik zu Klinik
Jedes dritte Baby kommt per Kaiserschnitt


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Instrumente in einem Kreißsaal in Bayern während einer Kaiserschnittentbindung (Archivfoto).
FOTO: dpa, dak sv vfd tba


Exklusiv | Berlin. Ob eine Schwangere ihr Kind per Kaiserschnitt entbindet, hängt stark davon ab, in welches Krankenhaus sie geht. Die Spanne der Kaiserschnittraten liegt je nach Klinik zwischen 13 und 61 Prozent.
Von Eva Quadbeck
Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. "Diese Unterschiede gehen überwiegend auf einrichtungsspezifische Vorgehensweisen zurück", heißt es in der Antwort.
... (weiter lesen unter) ... http://www.rp-online.de/leben/gesundhei ... -1.6900435

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