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Forum Werner Schell
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BeitragVerfasst: 22.07.2014, 10:25 
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Altenheim senkt Pflegestufen – und wird bestraft

Krankenkasse verweigert dem Lindauer Altenheim Maria-Martha-Stift eine Bonuszahlung, obwohl es die Pflegestufe einer Bewohnerin von II auf ein Niveau ganz ohne Pflegebedarf gesenkt hat und schließlich bei I einpendelte

Lindau – Der Vorgang ist ebenso absurd wie traurig: Ein Pflegeheim schafft es, den Zustand einer Bewohnerin so signifikant zu verbessern, dass sie von Pflegestufe II auf ein Niveau ganz ohne Pflege sinkt und der Pflegekasse dadurch bis heute große Summen einspart. Kassen sehen für Altenheime, denen das seltene Kunststück einer Rückstufung gelingt, eine ohnehin nur bescheidene einmalige Bonuszahlung von 1.536 Euro vor. Doch nun verweigert die DAK auch diesen Betrag. Der Grund: Die Bewohnerin ist inzwischen in Pflegestufe I zurückgekehrt. Diese „Erhöhung“ schließe einen Bonus aus. Dass diese Einstufung auf I über den positiven Umweg ohne Pflegestufe gekommen ist – und die aktuelle Pflegestufe permanent noch immer unter der ursprünglichen Stufe II liegt, ignoriert die DAK einfach.

„Mit dieser Politik nimmt man guten Einrichtungen systematisch die Motivation, sich besonders für den Zustand ihrer Bewohner einzusetzen“, klagt Anke Franke, Heimleiterin des Maria-Martha-Stifts, das durch umfangreiche Anstrengungen deutschlandweit als beispielhaftes Haus in der Altenbetreuung gilt und als solches Gegenstand großer Fernsehreportagen war. Überhaupt sind ihr keine Häuser bekannt, die dauerhaft an Rückstufungen interessiert sind, denn damit schneiden sich die Heime finanziell ins eigene Fleisch: „Wenn Sie zurückstufen, bekommen Sie als Einrichtung weniger Mittel. Wenn man dagegen still hält, zahlt die Kasse einfach weiter und die Einrichtung hat erheblich höhere Mehreinnahmen. Der Bonus soll ein Anreiz sein, sich dennoch für die Verbesserung des Pflegezustandes der Bewohner einzusetzen und die Kostenträger im Erfolgsfall davon zu unterrichten.“

Das Altenheim muss für seine gute Arbeit und die ehrliche Haltung teuer bezahlen, denn: Durch die Rückstufung hat das Maria-Martha-Stift über einen Zeitraum von nunmehr zehn Monaten 8.496 Euro weniger für die Betreuung der Bewohnerin erhalten, während die DAK 6.652 EUR einsparen konnte. Monat für Monat kommen auf Seiten der Pflegekasse weitere 256 Euro hinzu. Demgegenüber steht der nun verweigerte kleine Bonus-Betrag für das Heim. Voraussetzung für den Bonus ist eine mehr als sechs Monate konstant niedrigere Pflegestufe. Im aktuellen Fall ist die Bewohnerin vier Monate nach der Rückstufung von II auf einen Zustand ganz ohne Stufe in die Eins gerückt. Der verbesserte Zustand zur Ursprungspflegestufe II hält allerdings schon mehr als zehn Monate an.

Eigentlich müsste die Kasse voller Freude über diesen Umstand sein, denn sie profitiert deutlich. Die DAK aber argumentiert mit der Hochstufung nach vier Monaten und bleibt stur. Als Leistungserbringer kann das Maria-Martha-Stift keinen Widerspruch gegen den Beschluss der DAK einlegen. Einziger Weg wäre eine Leistungsklage vor dem Sozialgericht. Diese will das Altenheim eigentlich vermeiden, überlegt jedoch, ob es diesen Weg aus prinzipiellen Gründen einschlagen soll.

Trotz allem lässt sich das Maria-Martha-Stift nicht davon abbringen, auch weiterhin systematisch an der Verbesserung des Wohlbefindens der Bewohner zu arbeiten, auch wenn es finanziell dafür bestraft wird: „Wir tun es trotzdem, weil wir stolz darauf sein können, die Lebensqualität unserer Senioren so signifikant zu verbessern“, sagt Anke Franke.

Über das Maria-Martha-Stift

Das Maria-Martha-Stift wird für die gute Arbeit im Haus regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet – im vergangenen Jahr hat der Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner das Ernährungskonzept im Rahmen des Wettbewerbs der Bayerischen Staatsregierung „gesund.gekocht.gewinnt“ besonders geehrt. Das RTL-Fernsehen hat die Einrichtung in zwei Reportagen als positives Beispiel für vorbildliche Altenarbeit gewürdigt.

Das Maria-Martha-Stift belegt jedes Jahr aufs Neue, dass mit den vorhandenen Mitteln durchaus menschenwürdige Pflege möglich ist, man dabei trotz des schlechten Images der Branche als prämierter Arbeitgeber wahrgenommen werden und dabei auch noch Gewinn erwirtschaften kann. Als eines der ganz wenigen Altenheime überhaupt gelingt es dem Maria-Martha-Stift immer wieder, die Pflegestufe von Bewohnern zu senken – auch wenn das Haus dadurch weniger Mittel von den Pflegekassen bekommt. Allein im Jahr 2014 ist der Einrichtung dieses Kunststück bereits vier Mal gelungen.

Ansprechpartnerin für Rückfragen und Interviews
Maria-Martha-Stift
Heimleiterin Anke Franke
Zwanzigerstraße 20-26
88131 Lindau
Telefon 08382-2990
Email: franke@diakonie-lindau.de

Quelle: Pressemitteilung vom 22.07.2014 - übermittelt von:
Pressebüro
Erich Nyffenegger
Enzisweiler Straße 5
D-88131 Lindau
Telefon: +49 (0) 83 82-911 12 63
Mobil: +49 (0) 160-97 61 45 46
http://www.nyffenegger.de
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