Lebensabend in Osteuropa - Abschiebung oder was ?

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

Moderator: WernerSchell

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Lebensabend in Osteuropa - Abschiebung oder was ?

Beitrag von Service » 01.11.2012, 16:50

Pflegesystem in Deutschland ist reformbedürftig
- Die unzureichenden Pflege-Rahmenbedingungen
führen zu vielfältigen Mangelsituationen!

Statement von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk ist unten angefügt - Stand: 02.11.2012!

+++
Lebensabend in Osteuropa
Das statistische Bundesamt veröffentlicht Zahlen zur Pflegesituation, die alarmierend sind. Die Pflege in Deutschland ist so teuer,
dass viele Senioren und ihre Angehörigen kein Altenheim mehr bezahlen können. Zwar gibt es die staatliche Pflegeversicherung,
doch selbst die kann nur für einen Teil der Kosten für die Pflege aufkommen. Das Problem drängt, denn die deutsche Gesellschaft
wird immer älter und Jahr für Jahr gibt es mehr Pflegefälle.
Quelle und weitere Informationen:
http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF ... uropa.html

Pflege in der Slowakei –Abschiebung oder wohlmeinende Unterbringung einer Angehörigen
(der Mutter)? – Film informiert!

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/ ... e-Slowakei
http://www.seniorpalace.eu/

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Wird die Pflege unbezahlbar?

Beitrag von Service » 02.11.2012, 07:35

BR - Münchner Runde
Wird die Pflege unbezahlbar?
Ein Beitrag von: Sigmund Gottlieb, Ursula Heller
Stand: 30.10.2012

Die Pflege wird immer teurer und immer mehr Pflegebedürftige sind auf staatliche Hilfe angewiesen. Angehörige schicken ihre Alten ins Ausland,
auch die Pflegekassen wollen mit ausländischen Heimen kooperieren. Wird die Pflege unbezahlbar? Dürfen wir Bedürftige einfach abschieben?
Siehe die Sendung der "Münchner Runde" am 30.10.2012 - Podcast:
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches- ... r-100.html
+++
Geld & Leben Das Sozialmagazin
Alptraum Pflege
Abgeschoben, misshandelt, vergessen ?

Sie haben keine Lobby, werden abgeschoben, vernachlässigt und mitunter sogar malträtiert . Der Alltag in Pflegeheimen wird für alte Menschen
immer mehr zum Alptraum. Die Meldungen über Missstände und Skandale häufen sich, doch Konsequenzen zieht kaum jemand. Wer ist schuld
an den Zuständen in der Pflege? Die Politik, die Träger, die Behörden oder wir alle, die wir nicht hinschauen oder nicht hinschauen wollen,
weil es uns egal ist? Dabei sind bereits heute 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig.
Quelle:
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches- ... in110.html

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Häusliche Pflege

Beitrag von Service » 02.11.2012, 07:45

HR - Fernsehen - MEX vom 31.10.2012
Häusliche Pflege
Immer mehr alte Menschen können sich Pflegeheime nicht leisten. Viele Angehörige versuchen aber,
den Wunsch nach Pflege im eigenen Heim zu erfüllen.
Beitrag anschaubar unter
http://www.hr-online.de/website/fernseh ... brik=43816
Alzheimer-Angst als Geschäftsmodell
Mit der zunehmenden Lebenserwartung wächst auch die Furcht vor Demenz im Alter. Einige Radiologen versprechen
nun eine Alzheimer-Früherkennung. Gesundheitsexperte Gerd Glaeske erklärt, ob das eine seriöse Sache ist.
Beitrag anschaubar unter
http://www.hr-online.de/website/fernseh ... brik=43816

WernerSchell
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Pflegesystem ist komplex und reformbedürftig

Beitrag von WernerSchell » 02.11.2012, 07:53

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Interessenvertretung
für hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland
Harffer Straße 59 - 41469 Neuss

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Initiator bzw. Mitbegründer des Quartierkonzeptes Neuss-Erfttal.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk ist Unterstützer von "Bündnis für GUTE PFLEGE".
Pro Pflege - Selbsthilfetzwerk ist Unterstützer der "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen".


Statement zu einigen TV-Beitragen aus jüngster Zeit:

Das bundesdeutsche Pflegesystem ist komplex, geht es doch um die Umsetzung vielfältiger Leistungsansprüche, die in zahlreichen sehr unterschiedlichen Gesetzen geregelt sind. Das Pflegerecht finden u.a. seinen Niederschlag im SGB XI, SGB V, SGB IX, BGB (Vertragsrecht, Betreuungsrecht, Vorsorgliche Verfügungen), Heimgesetzen, Arztrecht, Berufsrecht der Pflegenden, Strafrecht, Richterrecht, … (usw.). Kompliziert wird es zusätzlich, wenn man bedenkt, dass die Vorschriften nach einer vielfach kritisierten Föderalismusreform in Bundes- und Länderrecht gegliedert sind.

Daher ist es bei kritischen Blicken in den Pflegealltag manchmal nicht einfach, die richtigen Einschätzungen vorzunehmen. Nicht alle Erklärungen, die öffentlich abgegeben werden, sind immer wirklich hilfreich. So gibt es auch vielfach Äußerungen, die die Pflegekräfte vorrangig für die Missstände verantwortlich machen und von diesen couragiertes Auftreten verlangen. Dabei wird meist übersehen, dass die Pflegekräfte auch mit dem System nicht zufrieden sind und durch ständiges Hinweisen auf Mangelzustände auch ernstlich nichts verändern können (Pflegekräfte bleiben nur 5 - 7 Jahre im Beruf, die Krankheitsrate ist bei den Pflegekräften höher als bei anderen Berufen). Im Übrigen erfordert das Beschwerdemanagement nicht nur mutiges, sondern auch kluges Vorgehen. Siehe dazu die Buchveröffentlichung "100 Fragen zum Umgang mit Mängeln in Pflegeeinrichtungen" - siehe dazu z.B. die Hinweise unter viewtopic.php?t=15865

Der Gesetzgeber war und ist gefordert. Dazu bedarf es konstruktiver Vorschläge.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hat daher im vergangenen Jahr den Gesetzgeber aufgefordert, bei der Neuausrichtung der Pflege in vielfältiger Weise Veränderungen zu gestalten. Die hiesige Stellungnahme finden Sie unter folgender Adresse: http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... tz2011.pdf - Leider ist das kürzlich beschlossene Neuausrichtungsgesetz ein Flop geworden! Es reicht hinten und vorne nicht. Vor allem ist der Pflegenotstand wieder geregelt noch irgendwie angesprochen worden. Auch der Pflegebedürftigkeitsbegriff ist nicht neu gestaltet worden.
Petitionen, wie sie zur Zeit zuhauf dem Bundestag vorgelegt werden, sprechen einzelne Probleme nur oberflächlich an und sind daher kaum sinnvoll. Sich vornehmlich auf solche Vorgänge zu konzentrieren, hilft den pflegebedürftigen Menschen nicht weiter. Die Vielfalt der gesetzlichen Regelungen erfordert eine ganzheitliche Betrachtung.

Es wäre eigentlich geboten, dass sich alle, die pflegekritisch unterwegs sind, zusammen schließen und in Form eines Bündnissses für besssere Pflegebedingungen kämpfen. Dazu lädt Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk seit Jahren ein und wird auch den nächsten bundesweit ausgerichteten Pflegetreff am 14.11.2012 in Neuss in diesem Sinne gestalten. Näheres dazu:
• Einladung von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hier (PDF) http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... 141112.pdf
• Näheres auch im Forum (mit weiteren Verweisungen) hier viewtopic.php?t=17341
• Brief von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk vom 29.10.2012 an die stationären Pflegeeinrichtungen im Rhein-Kreis Neuss hier (PDF) http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... 112012.pdf
Anhand dieser Informationen wird auch deutlich, dass wir uns nicht allein auf den Gesetzgeber verlassen dürfen, sondern selbst vor Ort mit anpacken müssen. Neben den Pflegeeinrichtungen muss es gute Strukturen in Form von Quartierskonzepten geben. Insoweit sind wir hier musterhaft aktiv.
Dazu einige weitere Hinweise:
> JuraHealth Congress am 24.05.2012 in Köln - Interview: Werner Schell, Pflege-Experte
Der Pflege-Experte Werner Schell beantwortet heikle Fragen zum Thema Gewalt in der Pflege und kommt zu dem Schluss, dass vom Staat nichts zu erwarten ist und die Bürger sich nun selbst an die Hand nehmen müssen. Sein Brief an die Bundeskanzlerin Merkel mit der Aufforderung die Pflege zur "Chefsache" zu machen ist auf taube Ohren gestoßen.
>>> Der Filmbeitrag, 4,18 Minuten, ist anschaubar bei Youtube unter folgender Adresse:
http://www.youtube.com/watch?v=XYqs_-kZ ... ure=relmfu
> Gute Pflege - BürgerInnen werden im Stich gelassen
Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages vom 01.06.2012 - >>> viewtopic.php?t=17411

Werner Schell
+++
Siehe auch unter:
Leistungsausgaben in der Pflege sind weiter gestiegen – größter Anteil entfiel auf vollstationäre Pflege
viewtopic.php?t=18027&highlight=bundesamt
+++
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Die Pflege ist pflegebedürftig

Beitrag von Pflegefan » 05.11.2012, 08:13

Mein Text - unter viewtopic.php?t=18062 eingestellt:
Pflege und Medienberichte - nicht immer hilfreich
Es war in den zurückliegenden Jahren schon so, dass über die Pflege, vor allem in den Heimen, nur negativ berichtet wurde. Die alten Menschen wurden total verängstigt. Offensichtlich ist diese Medienkampagne noch nicht beendet und findet nun lebhafte Fortsetzung. Dass in den Einrichtungen nicht alles gut sein kann, berichten selbst gestandene Führungskräfte. Allerdings gibt es vielfach gute Bemühungen, gegen die unzureichenden Rahmenvorgaben des Gesetzgebers und der Verbände anzukämpfen und für bestmögliche Versorgungssituationen einzutreten. Solche Aktivitäten erfordern mehr Unterstützung und nicht nur negative Berichte, die kaum Hoffnung auf einigermaßen gute Pflege zulassen. Es sollte in den Medien schnellstens eine Wende geben mit der Vorgabe: Mehr die positiven Aspekte herauszustellen. Es ist kein Wunder, dass viele gute Pflegekräfte in der Vergangenheit ihren Dienst quittiert haben, erschöpft und aus Frust. Es muss bald eine Kehrtwende geben.

Pflegefan

Siehe auch unter
viewtopic.php?t=18052
"Die Menschenwürde ist unanstastbar" (Art. 1 Grundgesetz). Dies muss in der Pflege oberste Handlungsmaxime sein - für alle!

Sabrina Merck
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"Wertschätzung & Anerkennung" - nichts als Wor

Beitrag von Sabrina Merck » 06.11.2012, 18:41

"Wertschätzung & Anerkennung" - nichts als Worte

Es ist mehr als berechtigt, die Medienberichterstattung aufzugreifen und zu kritisieren. Es ist in der Tat so, dass sich die Redaktionen gerne auf Themen stürzen, die in irgendeiner Form reißerisch und skandalisierend wirken. Sie garantieren Aufmerksamkeit und Zuschaltquoten. Es geht bei all dem nicht oder nur am Rande um Informationen für die ZuschauerInnen. Diese sollen einfach nur unterhalten werden. Pflege wird damit zur Show gemacht, obwohl es doch angesichts der demografischen Entwicklung und der unzureichenden Pflege-Rahmenbedingungen viele Familien gewaltig belastet oder belasten wird.
Ich bin auch entsetzt darüber, wie schnell immer wieder der Blick ins Ausland gerichtet wird. Dort ist angeblich "heile Welt". In Thailand stehen drei Pflegekräfte für einen pflegebedürftigen Menschen zur Verfügung. Polinnen und Pflegekräfte aus anderen osteuropäidschen Ländern arbeiten für wenig Geld und werden dieserhalb gelobt. Fatal ist aber doch eigentlich, dass wir die Not der ausländischen Arbeitskräfte ausnutzen. Dies wird m.E. nicht deutlich genug herausgestellt.
Bei Günther Jauch saßen Politiker in der Diskussionsrunde, die wieder nur mit Sprechblasen und "Schönrederrei" ihre Entscheidungen verkaufen wollten. Offensichtlich haben diese Leute keine Ahnung von dem, was im Alltag, sozusagen an der "Pflegefront" los ist. Obwohl Herr Spahn in der vergangenen Diskussionsrunde anmerkte, er habe sich sachkundig gemacht, gingen seine Ausführungen doch meist ins Leere. Er hatte auch wieder die Sprechblase von "Wertschätzung und Anerkennung" im Gepäck. Von solchen Wortungetümen kommt aber in der Praxis nichts an. Unglaublich, dass dies die Verantwortlichen nicht zur Kenntnis nehmen wollen. - Soweit vom Pflege-TÜV die Rede war: Anscheinend ist noch nicht deutlich genug angekommen, dass diese Prüftätigkeit nicht die Ergebnis- und Lebenswirklichkeit widerspiegelt, glatt am Gesetzgebungsauftrag vorbei!
Nach den letzten TV-Sendungen bin ich mehr als gefrustet.

Sabrina Merck
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

Rita Reinartz
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Sprechblasen ....

Beitrag von Rita Reinartz » 07.11.2012, 07:54

Sabrina Merck hat geschrieben:"Wertschätzung & Anerkennung" - nichts als Worte
Es ist mehr als berechtigt, die Medienberichterstattung aufzugreifen und zu kritisieren. Es ist in der Tat so, dass sich die Redaktionen gerne auf Themen stürzen, die in irgendeiner Form reißerisch und skandalisierend wirken. Sie garantieren Aufmerksamkeit und Zuschaltquoten. Es geht bei all dem nicht oder nur am Rande um Informationen für die ZuschauerInnen. Diese sollen einfach nur unterhalten werden. Pflege wird damit zur Show gemacht, obwohl es doch angesichts der demografischen Entwicklung und der unzureichenden Pflege-Rahmenbedingungen viele Familien gewaltig belastet oder belasten wird.
Ich bin auch entsetzt darüber, wie schnell immer wieder der Blick ins Ausland gerichtet wird. Dort ist angeblich "heile Welt". In Thailand stehen drei Pflegekräfte für einen pflegebedürftigen Menschen zur Verfügung. Polinnen und Pflegekräfte aus anderen osteuropäidschen Ländern arbeiten für wenig Geld und werden dieserhalb gelobt. Fatal ist aber doch eigentlich, dass wir die Not der ausländischen Arbeitskräfte ausnutzen. Dies wird m.E. nicht deutlich genug herausgestellt.
Bei Günther Jauch saßen Politiker in der Diskussionsrunde, die wieder nur mit Sprechblasen und "Schönrederrei" ihre Entscheidungen verkaufen wollten. Offensichtlich haben diese Leute keine Ahnung von dem, was im Alltag, sozusagen an der "Pflegefront" los ist. Obwohl Herr Spahn in der vergangenen Diskussionsrunde anmerkte, er habe sich sachkundig gemacht, gingen seine Ausführungen doch meist ins Leere. Er hatte auch wieder die Sprechblase von "Wertschätzung und Anerkennung" im Gepäck. Von solchen Wortungetümen kommt aber in der Praxis nichts an. Unglaublich, dass dies die Verantwortlichen nicht zur Kenntnis nehmen wollen. - Soweit vom Pflege-TÜV die Rede war: Anscheinend ist noch nicht deutlich genug angekommen, dass diese Prüftätigkeit nicht die Ergebnis- und Lebenswirklichkeit widerspiegelt, glatt am Gesetzgebungsauftrag vorbei!
Nach den letzten TV-Sendungen bin ich mehr als gefrustet.
Hallo Sabrina, mir geht es ähnlich wie Dir. Die zurückliegenden Sendungen konnten nur den bereits vorhandenen Frust verstärken. Die elenden Sprechblasen der Politiker ... ich kann sie nicht mehr hören ....
Lb. Grüße Rita
Menschenwürdegarantie bedarf bei der Umsetzung entsprechender Rahmenbedingungen. Insoweit gibt es aber Optimierungsbedarf!

Rob Hüser
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Pflegesystem - bitte nicht alles schön reden

Beitrag von Rob Hüser » 08.11.2012, 12:42

Die jüngsten Diskussionen bei "Günther Jauch" brachten wieder allerlei Sprechblasen hervor. Vor allem Herr Spahn meinte, dass der Gesetzgeber doch alles gut geregelt habe und nun sei die Wertschätzung für die Pflegekräfte nur noch vor Ort umzusetzen. So einfach sieht das jemand, der als eine Art Jungspunt im Bundestag die pflegerische Lebenswirklichkeit offensichtlich nicht mitbekommt (wie zahlreiche andere Abgeordnete auch). Frau Schmidt wollte als Ex-Gesundheitsministerin in der Sendung den Pflege-TÜV in ein gutes Licht rücken und meinte, es würde doch die Lebens- und Ergebnisqualität bewertet. Weit gefehlt. Das SG Münster hat erst kürzlich erneut bekräftigt, dass der Pflege-TÜV rechtswidrig agiert und damit eindeutig verbraucherfeindlich ausgerichtet ist. Nun wird alles beim BSG weiter diskutiert. Alles kein Grund, die Prüftätigkeit schön zu reden. Herr Schröder, Heimgeschäftsführer, meinte dann auch, dass sich Heimplatzsucher nicht nach den Pflegenoten richten.
Man darf erneut erstaunt und auch ein wenig entsetzt darüber sein, wie oberflächlich und naiv über die Pflege in Deutschland geredet wird. Es sind viele Baustellen vorhanden, die dringend nach "Reparatur" rufen. Es ist daher gut und richtig, zumindest im kleinen Rahmen gegen Missstände anzukämpfen. Und daher begrüße ich die Neusser Initiativen zur Verbesserung der Pflege sehr. Der anstehende Pflegetreff am 14.11.2012 greift mit hervorragenden Experten wichtige Themen auf.

Rob Hüser

Nachsatz:
Wie ein Lückenbüßer den Pflegenotstand weglächelt
Kein Tiefgang, zahme Gäste und Unverbindlichkeiten: Günther Jauch bereitete das schwierige Thema Pflegenotstand in seiner Show sichtlich Mühe. Nur ein Heimleiter gab sich erfrischend ehrlich.
Von Anette Dowideit
....
http://www.welt.de/fernsehen/article110 ... chelt.html
Das Pflegesystem muss dringend zukunftsfest reformiert werden!

Gaby Modig
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Schon über 10 000 deutsche Rentner leben in Osteuropa

Beitrag von Gaby Modig » 12.11.2012, 19:13

Jetzt hat sich auch Bild des Themas angenommen:
Schon über 10 000 deutsche Rentner leben in Osteuropa
Berlin – Sie haben ihr Leben in Deutschland verbracht. Lange gearbeitet, in die Rentenkasse eingezahlt. Und trotzdem reicht das Geld nicht, um den Lebensabend in der Heimat zu genießen.
Immer mehr deutsche Rentner können sich die Pflege nicht mehr leisten – und viele Angehörige wollen oder können nichts beisteuern. Der letzte Ausweg heißt oft: Osteuropa.
DEUTSCHLAND SCHIEBT SEINE ALTEN AB!
... weiter .... http://www.bild.de/ratgeber/2012/altenh ... .bild.html

Die Darstellung ist wohl auch eher der Rubrik Skandalisierung der Pflege zuzuordnen. Eine wirklich hilfreiche Berichterstattung kann ich darin nur ansatzweise erkennen. Beiträge, wie diese, verängstigen die (alten) Menschen. Und das hilft nicht.

Gaby Modig
Pflegesystem verbessern - weg von der Minutenpflege. Mehr Pflegepersonal ist vonnöten!

WernerSchell
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Abschiebeproblematik alter Menschen ins Ausland

Beitrag von WernerSchell » 06.12.2012, 08:04

Außerhalb der Forumstexte gibt es hier tagtäglich eine Flut von Zuschriften, in denen allerlei Probleme, Fragen usw. angesprochen werden. In einer dieser Zuschriften wird nach der hiesigen Meinung zur
"Abschiebeproblematik alter Menschen ins Ausland"
gefragt. Dazu wurde folgende Antwort übermittelt:

Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, dass unser bundesdeutsches Pflegesystem den Anforderungen an eine gute Pflege gerecht wird. Dazu habe ich vielfach ganz konkrete Vorschläge in Richtung Parlament gemacht. Nur dort können die gebotenen Entscheidungen getroffen werden. Insoweit beklage ich die mangelhafte Unterstützung und die Ego-Aktionen so mancher Institutionen und Akteure.

Die Medien sind leider bei der gesamten Diskussion nicht hilfreich, schon gar nicht die Zeitungen mit den großen Buchstaben. In den dort nachlesbaren Berichten wird nicht selten an der realen Lage - und vor allem Gesetzeslage - vorbei geschrieben. Es geht bei solchen Berichten um skandalisierende Aufmachungen und um Verkaufszahlen. Die alten Menschen haben darunter letztlich zu leiden, weil die Berichterstattung nichts zum Besseren wendet, sondern nur weitere Ängste schürt.

Die Anwerbung von ausländischen Pflegekräften, z.B. für die sog. 24-Stunden-Pflege, sehe ich skeptisch. Die neuerlich diskutierte Anwerbung von Pflegekräften aus China ist nicht zielführend. Wir sollten eigentlich alles daran setzen, die bundesdeutschen Arbeitskräfte, bei Eignung und Qualifikation, in den Einrichtungen zu halten, ihnen ordentliche Arbeitsbedingungen gewährleisten und sie anständig bezahlen. Dann werden sie nicht krank und flüchten auch nicht aus dem System.

Über die Unterbringung von pflegebedürftigen Personen entscheiden nicht selten die Angehörigen als rechtliche Betreuer oder Bevollmächtigte. Sie haben sich dabei am Wohl der betroffenen Person auszurichten. Dies erfordert in der Regel eine Unterbringung im bisherigen Wohnumfeld, wo auch die gemeinsame Sprache gesprochen wird. Eine Unterbringung weiter weg, kann nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt sein.

Eine Unterbringung im Ausland halte ich immer für problematisch, weil dort vieles allein schon an sprachlichen Hürden scheitern kann. Allerdings kann man dies den maßgeblichen Rechtsvertretern, wenn sie ihre Entscheidung ausreichend mit Gründen unterlegen, nicht verbieten. Es wird in diesem Zusammenhang behauptet, dass es oft darum geht, Geld zu sparen, die mögliche Erbschaft zu retten. Es sind also nicht die Heime und auch nicht die Behörden, die hier maßgeblich entscheiden.

Dass ein Sozialamt eine Unterbringung im Ausland verlangt hätte, ist mir nicht bekannt. Das wäre auch nach der gegebenen Rechtslage eher nicht zulässig.

Die jüngst in der Öffentlichkeit diskutierten Fälle kann man als Abschiebung bezeichnen, eine massenhafte Verbringung alter Menschen ins Ausland, wie es die Medien suggerieren, gibt es offensichtlich aber nicht. Wer soll das auch recherchiert haben?

Werner Schell - http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de
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Presse
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Keine Pflege unter Palmen ----

Beitrag von Presse » 21.03.2013, 10:35

Keine Pflege unter Palmen - Emnid-Studie: Neun von zehn Deutschen würden Angehörige nicht im Ausland betreuen lassen

Frankfurt (ots) - Wenn die Eltern pflegebedürftig werden, ist dies für die Kinder nicht nur eine emotionale, sondern oft auch eine finanzielle Belastung. Aber Geld ist nicht alles: Die weitaus meisten Deutschen schließen eine Betreuung ihrer Angehörigen in einem kostengünstigen Heim im Ausland aus, wie aus einer repräsentativen Befragung von TNS-Emnid im Auftrag der Konpress-Medien eG hervor geht. Die in Teilen der Politik geführte Debatte zu diesem Thema geht damit eindeutig am Willen der Bevölkerung vorbei.

Der Umfrage zufolge lehnen 85 Prozent die Unterbringung von Verwandten in einem ausländischen Pflege- oder Altenheim kategorisch ab. Sollten sie selbst zum Pflegefall werden, würden 75 Prozent der Befragten nicht im Ausland betreut werden wollen, knapp jeder fünfte macht seine Entscheidung allerdings von den Umständen abhängig.

"Die Umfrageergebnisse belegen, dass die große Mehrheit in Deutschland mit dem Thema Pflege sehr sensibel umgeht und sich Kosten-Nutzen-Rechnungen verweigert. Allen Befürchtungen über einen vermeintlichen Bedeutungsverlust der Familie zum Trotz ist die Fürsorge für Eltern und Großeltern hierzulande fester Bestandteil des innerfamiliären Generationenvertrags", kommentiert Dr. Martin Sterr, Konpress-Geschäftsführer.

Als Gründe gegen die Betreuung im Ausland nennen die Befragten vor allem, dass Angehörige "in der Nähe" bleiben sollten (89 Prozent).
Gut sieben von zehn Gegnern der Auslandspflege befürchten zudem
Sprach- und Kommunikationshürden. Außerdem könne bei einer Betreuung im Ausland die Qualität der Pflege nicht überwacht werden.

Bemerkenswerterweise glauben lediglich 56 Prozent, dass ihre Angehörigen im Ausland medizinisch schlechter versorgt werden könnten. Etwa jeder dritte lehnt die Pflege in einer ausländischen Einrichtung auch deswegen ab, weil er sich "dafür schämen" würde, Angehörige ins Ausland zu schicken.

Pflegeheime haben kein gutes Image

Die Betreuung in einem Pflegeheim im Inland ist erwartungsgemäß für deutlich mehr Befragte eine Option. Jedoch lehnt ein bedeutender Teil die Heimunterbringung grundsätzlich ab, und zwar sowohl für Angehörige (23 Prozent) als auch für sich selbst (19 Prozent). Auf der anderen Seite würden 27 Prozent "auf jeden Fall" selbst in einem Heim gepflegt werden wollen, Angehörige würden jedoch nur 17 Prozent einer Einrichtung anvertrauen.

Allerdings stehen die Befragten, die schon einmal eine Alten- oder Pflegeeinrichtung von innen gesehen haben, der Heimbetreuung deutlich offener gegenüber. So würden sich 30 Prozent der Deutschen, die Erfahrungen mit Heimen gemacht haben, bei eigener Pflegebedürftigkeit für die Betreuung in einem Pflegeheim entscheiden. Von denjenigen, die noch nie in einer Einrichtung waren, sagen dies nur 11 Prozent.

"Viele Menschen in Deutschland machen sich offenbar falsche Vorstellungen vom Alltag in den Alten- und Pflegeheimen. Um Vorbehalte abzubauen, sollten die Einrichtungen transparenter sein und mehr über das Thema Pflege aufklären. Mit einer offensiveren Informationspolitik steigt die Akzeptanz des Angebots", ist Sterr überzeugt.

Für die Umfrage interviewte TNS Emnid 1.003 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger ab 14 Jahren. Die Befragung fand vom 25. bis 27. Februar 2013 statt.

Die KONPRESS-Medien eG ist eine seit 1970 bestehende Genossenschaft von heute (2012) 37 Titeln der katholischen und evangelischen Publizistik mit einer wöchentlich verkauften Gesamtauflage von ca. 1 Million Exemplaren. 97 % dieser Auflage werden im Abonnement bezogen. Die KONPRESS-Titel bringen es auf rund
1,95 Millionen Kontakte in der Woche. KONPRESS-Medien eG mit Sitz in Frankfurt a. M. vermarktet für diese Gruppe exklusiv das nationale
Anzeigen- und Beilagengeschäft mit einem Umsatzvolumen von rund 3,5 Millionen Euro (2011). Die KONPRESS-Medien eG ist damit der größte Anbieter im konfessionellen Bereich in Deutschland.

Konpress:
Dr. Martin Sterr
KONPRESS-Medien eG
Hanauer Landstraße 189
60314 Frankfurt
Tel. 069-2562966-13
E-Mail: presse@konpress.de
http://www.konpress.de

Quelle: Pressemitteilung vom 21.03.2013 KONPRESS-Medien eG
Pressekontakt: Karim Schäfer
Main-Pressesprecher GbR
Karbener Weg 36
61184 Karben
Tel.: 06039-484893
E-Mail: Schaefer@main-pressesprecher.de

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