Umwandlung kleiner Krankenhäuser in ambulante Zentren wäre Win-win-Situation für alle

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Umwandlung kleiner Krankenhäuser in ambulante Zentren wäre Win-win-Situation für alle

Beitrag von WernerSchell » 11.10.2018, 16:43

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Umwandlung kleiner Krankenhäuser in ambulante Zentren wäre Win-win-Situation für alle

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Foto: KBV - Arzt mit Stethoskop und Patient © Yuri Arcurs / Fotolia

Intersektorale Gesundheitszentren – Ein neues Gutachten belegt: Der Umbau defizitärer Klinikstandorte zu ambulanten Zentren mit erweitertem Betreuungsangebot wäre ein sinnvoller Beitrag zur Sicherstellung.

„Viele kleine Krankenhäuser insbesondere in ländlichen Regionen kämpfen ums Überleben. Wir haben uns gefragt: Wie lassen sich die Standorte so umbauen, dass die Versorgung vor Ort erhalten bleibt und gleichzeitig Kapazitäten besser genutzt werden können?“ So hat Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die Ausgangslage für ein von seiner Organisation in Auftrag gegebenes Gutachten erklärt, das heute in Berlin vorgestellt wurde.

„Primäres Ziel ist nicht, Krankenhäuser dicht zu machen. ‚Umbau statt Abbau‘ lautet das Motto“, so Gassen weiter. „Die neuen Zentren – wir nennen sie Intersektorale Gesundheitszentren, kurz IGZ – sind im ambulanten Sektor angesiedelt, ihr Angebot geht jedoch über das klassische ambulante Leistungsportfolio hinaus. Hierfür haben die Gutachter das Konzept einer erweiterten ambulanten Versorgung (EAV) entwickelt. Es bedeutet, dass die Zentren auch über Bettenabteilungen verfügen, in denen Patienten bei Bedarf über Nacht bleiben können“, erläuterte Gassen. „Die Menschen nur deshalb in eine Klinik zu schicken, weil es kein anderes niederschwelliges Angebot der ärztlichen Überwachung und Pflege gibt, ist nicht nur wirtschaftlich absurd. Es entspricht auch nicht den heutigen medizinischen Möglichkeiten oder den Wünschen der Patienten“, so Gassen weiter.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Stephan Hofmeister, betonte: „Wir erhoffen uns von den IGZ eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: die Erhaltung von Standorten sowie Arbeitsplätzen in den Kommunen, eine finanzielle Entlastung der Träger, die keine Defizite mehr ausgleichen müssen, sowie eine bedarfsgerechtere Versorgung der Bürgerinnen und Bürger.“

Das IGZ würde eine allgemeinmedizinische, internistische sowie chirurgische Grundversorgung anbieten, die bei Bedarf modular erweitert werden kann, etwa durch Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten. Denkbar sei dies zum Beispiel im Bereich des ambulanten Operierens und weiterer Fachgebiete wie HNO, Dermatologie oder Urologie, so Hofmeister. Das Konzept sieht vor, dass Patienten im Rahmen der EAV für maximal fünf Tage eine pflegerische Rund-um-die-Uhr-Betreuung erhalten. Ärzte wären immer vor Ort beziehungsweise außerhalb der Sprechzeiten in Rufbereitschaft.

„Damit könnten wir den Patienten eine echte Alternative zum Krankenhaus bieten und die Lücke zwischen der teuren, medizinisch nicht erforderlichen vollstationären Versorgung und dem ambulanten Pflegedienst schließen“, führte Hofmeister aus und ergänzte: „Wir sehen die IGZ als Chance, die wohnortnahe Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen zu sichern, unnötige Klinikaufenthalte zu reduzieren und darauf, dass die Kollegen am Krankenhaus sich auf die Patienten konzentrieren können, die sie wirklich brauchen.“

Um die IGZ in Deutschland zu etablieren bedürfe es jedoch langfristig rechtlicher Anpassungen, so Gassen. Diese beträfen zum Beispiel die Honorierung und die Bedarfsplanung: „Wenn bisher stationäre Leistungen künftig in einem IGZ ambulant erbracht werden, müssen auch die Budgets und Arztkapazitäten entsprechend angepasst werden. Es gilt: Das Geld muss der Leistung folgen.“

Das Gutachten hat die Universität Bayreuth zusammen mit der Oberender AG erstellt. Folgende Rahmenannahmen lagen der Studie zugrunde: Die für eine Umwandlung in ein IGZ geeigneten Standorte gehören der Grund- und Regelversorgung an, verfügen zumindest über eine internistische Fachabteilung, sind im ländlichen Raum angesiedelt und haben weniger als 200 Betten. Nach diesen Kriterien läge das Umwandlungspotenzial in Deutschland bei rund 190 Einrichtungen. Für die Studie wurde diese Größe auf Krankenhäuser mit einer Kapazität von 51 bis 150 Betten reduziert und 75 idealtypische Standorte zugrunde gelegt. Anhand eines solchen idealtypischen Krankenhauses haben die Gutachter die Umwandlung in ein IGZ prozedural, betriebswirtschaftlich und rechtlich simuliert. Abschließend geben sie Empfehlungen für regulatorische Anpassungen, die die Umwandlung von Krankenhäusern in IGZ vereinfachen beziehungsweise flächendeckend ermöglichen würden.

Die Studienautoren stellten das Gutachten heute gemeinsam mit dem Vorstand der KBV im Rahmen der zweiten KBV-Herbsttagung in Berlin vor. Diese bietet einem breiten Fachpublikum eine Plattform zum Austausch über Fragen der Sicherstellung. Experten stellen unter anderem aktuelle Konzepte und Projekte zur Bedarfsplanung, integrierten Notfallversorgung und intersektoralen Versorgung vor.

MEHR ZUM THEMA
Gutachten Intersektorale Gesundheitszentren > http://www.kbv.de/html/igz-gutachten.php
Veranstaltungsseite der KBV Herbsttagung > http://www.kbv.de/html/herbsttagung.php
Präsentation zur Vorstellung des Gutachtens Intersektorale Gesundheitszentren (IGZ) (Stand: 10.10.2018, PDF, 69 KB) > http://www.kbv.de/media/sp/Praesentatio ... orgung.PDF
Statement von Dr. Andreas Gassen zu IGZ (Stand: 10.10.2018, PDF, 200 KB) > http://www.kbv.de/media/sp/2018_10_10_S ... en_IGZ.pdf
Statement von Dr. Stephan Hofmeister zu IGZ (Stand: 10.10.2018, PDF, 198 KB) > http://www.kbv.de/media/sp/2018_10_10_S ... er_IGZ.pdf

Quelle: Pressemitteilung vom 10.10.2018
Kassenärztliche Bundesvereinigung KdöR
Herbert-Lewin-Platz 2
10623 Berlin
Postfach 12 02 64
10592 Berlin
Telefon: 030 4005-0
Telefax: 030 4005-1590
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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WernerSchell
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Umwandlung kleiner Krankenhäuser in ambulante Zentren wäre Win-win-Situation für alle

Beitrag von WernerSchell » 11.10.2018, 16:45

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Marburger Bund – Bundesverband
Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
Pressemitteilung vom 11. Oktober 2018



Statement von Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes
„Wir werden das IGZ-Modell sorgsam prüfen“


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Rudolf Henke

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat gestern ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten vorgestellt, das modellhaft die Transformation kleiner ländlicher Krankenhäuser zu sogenannten Intersektoralen Gesundheitszentren (IGZ) beschreibt. Die IGZ sollen im ambulanten Sektor angesiedelt sein, das Angebot der Zentren würde aber über das klassische ambulante Leistungsportfolio hinausgehen. Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes, nimmt dazu Stellung: „In seiner Grundstruktur entspricht das Modell einer älteren Marburger-Bund-Idee zum Umgang mit Krankenhäusern, die zu klein geworden sind, um dauerhaft bestehen zu können. In Nordrhein-Westfalen gab es vor Jahren sogar einmal eine öffentliche Anschubfinanzierung für solche Modelle in Höhe von 50 Mio. Euro, die aber nicht in Anspruch genommen wurde. Ich habe die Idee damals gestützt und mitentwickelt. Für die betroffenen Häuser kann das Modell ein Ausweg sein und einen sonst drohenden Abbau von notwendigen medizinischen Versorgungskapazitäten verhindern. Aus unserer Sicht sollte es aber auch die Möglichkeit einer gemeinsamen Trägerschaft von Krankenhausträgern mit Vertragsärzten und auch die Möglichkeit einer gegebenenfalls kombinierten ambulant-stationären Versorgungsleistung geben.

Es darf keine schematische Betrachtung kleiner Krankenhäuser geben, viele von ihnen haben auch in ihrer jetzigen Gestalt eine wichtige Funktion für die Aufrechterhaltung einer wohnortnahen stationären Versorgung. Auch die Gutachter weisen darauf hin, dass sich die Krankenhausstrukturen enorm voneinander unterscheiden, nicht nur zwischen urbanen und ländlichen Räumen, sondern auch zwischen einzelnen Bundesländern.

Die Einzelheiten des von der KBV vorgestellten Modells werden wir nun sorgsam in unseren Gremien prüfen. Wir wollen die Fallstudien und Kalkulationen der Gutachter im Einzelnen nachvollziehen können. Nach der eingehenden Analyse werden wir dann eine umfassende Bewertung vornehmen.“
_________________________________________
Marburger Bund Bundesverband
Referat Verbandskommunikation
Hans-Jörg Freese (Pressesprecher)
Tel.: 030/746846-41
Handy: 0162/2112425
presse@marburger-bund.de
http://www.marburger-bund.de

Der Marburger Bund ist der Verband aller angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte. Mit mehr als 120.000 Mitgliedern ist er der größte deutsche Ärzteverband mit freiwilliger Mitgliedschaft und Deutschlands einzige Ärztegewerkschaft.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Gutachten zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung verliert sich in Details

Beitrag von WernerSchell » 15.10.2018, 16:09

0865 / 15. Oktober 2018
Pressemitteilung von Achim Kessler


Gutachten zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung verliert sich in Details

„Das Gutachten enttäuscht, wenn man sich Impulse für eine grundlegende Neuausrichtung der Bedarfsplanung erhofft hat. Weder die Umwandlung ländlicher Krankenhäuser in regionale Gesundheitszentren noch die Aufwertung von Polikliniken oder eine Aufwertung nichtärztlicher Berufe waren offenbar Teil des Untersuchungsauftrags. Das Gutachten bleibt trotz einiger guter Vorschläge sehr in der heutigen Planungslogik verhaftet. Daher sehe ich die Bundesregierung in der Pflicht, die Versorgungssteuerung auf eine neue Grundlage zu stellen“, erklärt Achim Kessler, Sprecher der Fraktion DIE LINKE für Gesundheitsökonomie, anlässlich der Vorstellung des Gutachtens zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss. Kessler weiter:

„Die Bedarfsplanung bildet heute nur unzureichend die tatsächliche Versorgung ab. Wenn trotz der wachsenden Zahl von Ärzten die Wartezeiten länger werden, stimmt etwas grundsätzlich nicht. Was nutzt eine kleinteilige Planung, wenn wir nicht wissen, wie viel Versorgung tatsächlich bei der Bevölkerung ankommt? Das Gutachten liefert brauchbare Ansätze, aber es erklärt nicht die große Diskrepanz zwischen der Versorgungslage auf dem Papier und den Rückmeldungen von Patientinnen und Patienten, die vergeblich nach einem Facharzttermin suchen, oder von Menschen, die in der Hausarztpraxis wegen Überlastung abgewiesen werden.“

F.d.R. Christian Posselt
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Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin
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