Pflege, Gesundheit, Rente - Koalitionäre & die Sondierungsergebnisse

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Pflege, Gesundheit, Rente - Koalitionäre & die Sondierungsergebnisse

Beitrag von WernerSchell » 12.01.2018, 14:54

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Auszubildende in Pflegeberufen leiden unter Zeitdruck - dpa Bildfunk
Notleidendes Pflegesystem = zielgerichtet verbessern!
viewtopic.php?f=4&t=22085
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Ergebnisse der Sondierungsgespräche von CDU, CSU und SPD Finale Fassung 12.01.2018
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... -10-15.pdf

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Soziales, Rente, Gesundheit und Pflege

I. Rente
Die Rente muss für alle Generationen gerecht und zuverlässig sein. Dazu gehört die Anerkennung der Lebensleistung und ein wirksamer Schutz vor Altersarmut. Vertrauen in die langfristige Stabilität der gesetzlichen Rentenversicherung ist ein hohes Gut in unserem Sozialstaat. Deshalb werden wir die gesetzliche Rente auf heutigem Niveau von 48 % bis zum Jahr 2025 gesetzlich absichern. Dafür werden wir in 2018 die Rentenformel ändern und parallel dazu eine Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ einrichten, die sich mit den Herausforderungen der nachhaltigen Sicherung und Fortentwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung und der beiden weiteren Rentensäulen ab dem Jahr 2025 befassen wird. Sie soll eine Empfehlung für einen verlässlichen Generationenvertrag vorlegen. Dabei streben wir eine doppelte Haltelinie an, die Beiträge und Niveau langfristig absichert.
Die Lebensleistung von Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben, soll honoriert und ihnen ein regelmäßiges Alterseinkommen 10 % oberhalb des regionalen Grundsicherungsbedarfs zugesichert werden. Berechtigt sind Versicherte, die 35 Jahre an Beitragszeiten oder Zeiten der Kindererziehung bzw. Pflegezeiten aufweisen. Voraussetzung für den Bezug der „Grundrente“ ist eine Bedürftigkeitsprüfung entsprechend der Grundsicherung. Dabei wollen wir klarstellen, dass die Bezieher von Grundsicherung im Alter in ihrem selbst genutzten Haus oder ihrer Wohnung im Regelfall weiterhin wohnen können. Die Abwicklung der „Grundrente“ erfolgt durch die Rentenversicherung. Bei der Bedürftigkeitsprüfung arbeitet die Rentenversicherung mit den Grundsicherungsämtern zusammen.
Wir werden diejenigen besser absichern, die aufgrund von Krankheit ihrer Erwerbstä- tigkeit nicht mehr nachgehen können. Wir wollen die Anhebung der Zurechnungszeiten beschleunigen, indem wir das jetzt vorgesehene Alter von 62 Jahren und drei Monaten in einem Schritt auf 65 Jahre und acht Monate anheben. Danach wird die Zurechnungszeit in weiteren Monatsschritten entsprechend der Anhebung der Regelaltersgrenze auf das Alter 67 angehoben. Wir halten am Drei-Säulen-Modell fest und wollen in diesem Rahmen die private Altersvorsorge weiterentwickeln. Wir wollen Möglichkeiten und Anreize zum freiwilligen längeren Arbeiten und damit auch das Angebot der Flexi-Rente nachhaltig gestalten. Um den sozialen Schutz von Selbständigen zu verbessern, wollen wir eine gründerfreundlich ausgestaltete Altersvorsorgepflicht für alle Selbständigen einführen, die nicht bereits anderweitig abgesichert sind. Dabei sollen diese zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und – als Opt-out-Lösung – anderen geeigneten insolvenzsicheren Vorsorgearten wählen können. Zudem werden wir die Mindestkrankenversichungsbeiträge für kleine Selbstständige reduzieren. Mit dem zweiten Kindererziehungsjahr in der Rente für Geburten vor 1992 haben wir einen ersten Schritt getan. Wir wollen die Gerechtigkeitslücke schließen: Mütter, die ihre Kinder vor 1992 auf die Welt gebracht haben, sollen künftig auch das dritte Jahr Erziehungszeit in der Rente angerechnet bekommen. Wir wollen die Mütterrente II einführen. Das ist ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung von Altersarmut. Diese Verbesserungen bei der Mütterrente durch einen 3. Punkt sollen für Mütter gelten, die drei und mehr Kinder vor 1992 zur Welt gebracht haben. Der Bund wird schrittweise einen höheren Anteil bei den Erstattungen an die Rentenversicherung für die Ansprüche aus den Sonder- und Zusatzversorgungssysteme der ehemaligen DDR übernehmen und damit die ostdeutschen Bundesländer entlasten (AAÜG).

II. Gesundheit
Kranke, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung müssen auf die Solidarität der Gesellschaft vertrauen können. Wir werden sicherstellen, dass alle auch zukünftig eine gute, flächendeckende medizinische und pflegerische Versorgung von Be- 14 ginn bis Ende ihres Lebens erhalten, unabhängig von ihrem Einkommen und Wohnort. Die Zusammenarbeit und Vernetzung im Gesundheitswesen müssen ausgebaut und verstärkt werden. Zur Erreichung einer sektorenübergreifenden Versorgung wollen wir nachhaltige Schritte einleiten, insbesondere bei der Notfallversorgung. Zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung gehört für uns neben einer gut erreichbaren ärztlichen Versorgung auch eine wohnortnahe Geburtshilfe, Hebammen und Apotheken vor Ort. Darüber hinaus sind deutlich erhöhte Investitionen in Krankenhäuser für Umstrukturierungen, neue Technologien und Digitalisierung notwendig. Wir wollen die schrittweise Einführung von kostendeckenden Beiträgen zur Gesetzlichen Krankenversicherung aus Steuermitteln für die Bezieher von ALG II. Wir werden die Parität bei den Beiträgen zur Gesetzlichen Krankenversicherung wiederherstellen. Die Beiträge zur Krankenversicherung sollen künftig wieder in gleichem Maße von Arbeitgebern und Beschäftigten geleistet werden.

III. Pflege
Wir wollen die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung in der Alten- und Krankenpflege sofort und spürbar verbessern. Es werden Sofortmaßnahmen für eine bessere Personalausstattung in der Altenpflege und im Krankenhausbereich ergriffen und dafür zusätzliche Stellen zielgerichtet gefördert. Wir wollen die Bezahlung in der Altenpflege nach Tarif stärken. Gemeinsam mit den Tarifpartnern wollen wir dafür sorgen, dass Tarifverträge in der Altenpflege flächendeckend zur Anwendung kommen. Im Krankenhausbereich streben wir eine vollständige Refinanzierung von Tarifsteigerungen an, verbunden mit der Nachweispflicht, dass dies auch tatsächlich bei den Beschäftigten ankommt. Wir wollen 8 000 neue Fachkraftstellen im Zusammenhang mit der medizinischen Behandlungspflege in Pflegeeinrichtungen schaffen. Dem Sofortprogramm müssen weitere Schritte folgen. Deshalb entwickeln wir verbindliche Personalbemessungsinstrumente, auch im Hinblick auf die Pflegesituation in der Nacht. Dieses Programm umfasst unter anderem eine Ausbildungsoffensive, Anreize für eine bessere Rückkehr von Teil- in Vollzeit, ein Wiedereinstiegsprogramm, eine bessere Gesundheitsvorsorge für die Beschäftigten sowie eine Weiterqualifizierung von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften. Wir wollen in einer „Konzertierten Aktion Pflege“ eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Situation in der Altenpflege. Dazu gehören insbesondere Angebote in der Kurzzeit- und Verhinderungspflege sowie in der Tages- und Nachtpflege, die besonders pflegende Angehörige unterstützen. Deren Situation wollen wir auch durch einen besseren Zugang zu Rehabilitationsleistungen verbessern.
Den Auftrag an Kassen und Krankenhäuser, Personaluntergrenzen für pflegeintensive Bereiche festzulegen, werden wir dergestalt erweitern, dass in Krankenhäusern derartige Untergrenzen für alle bettenführenden Abteilungen eingeführt werden. Wir wollen das Schulgeld für die Ausbildung in den Heilberufen abschaffen, so wie es in den Pflegeberufen bereits beschlossen wurde. Auf das Einkommen der Kinder von pflegebedürftigen Eltern soll künftig erst ab einem Einkommen in Höhe von 100.000 Euro im Jahr zurückgegriffen werden.
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Sondierungsergebnis: Verbesserungen für die Pflege

Beitrag von WernerSchell » 12.01.2018, 14:57

Sondierungsergebnis: Verbesserungen für die Pflege

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) begrüßt mit großer Erleichterung den erfolgreichen Abschluss der Sondierungsgespräche. „Endlich kommt die Regierungsbildung einen Schritt weiter, die seit dem Wahltag andauernde politische Hängepartie könnte in absehbarer Zeit zu Ende sein. Das Land braucht jetzt ganz dringend wieder politische Stabilisierung – und dazu gehört, dass eine Bundesregierung im Amt ist, die sich auf gemeinsame Ziele verständigt hat und die vielfältigen und immer komplexer werdenden Aufgaben anpackt!“ sagt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein dazu in Berlin. „Als Berufsverband der Pflegeberufe begrüßen wir insbesondere, dass die Arbeitsbedingungen und die Personalausstattung in der Alten- und Krankenpflege „sofort und spürbar“ verbessert werden sollen. Hierbei ist keine Zeit zu verlieren, die beruflich Pflegenden erwarten, dass sie nicht länger an ihren Arbeitsplätzen verschlissen werden. Kranke und pflegebedürftige Menschen brauchen eine sichere, nachhaltige, an ihren individuellen Bedarfen orientierte und vertrauensvolle Versorgung, das muss wieder das Ziel werden. Erfreulich ist, dass die Ausweitung von Pflegepersonaluntergrenzen für alle bettenführenden Bereiche der Krankenhäuser erfolgen soll. Dies hat der DBfK immer gefordert und nur so lässt sich verhindern, dass einige Bereiche zulasten anderer mit Fachkräften verstärkt und lediglich lediglich Personal verschoben wird“, so Bienstein weiter.

Ob die beteiligten drei Parteien den Sondierungsergebnissen zustimmen, den Empfehlungen ihrer Parteispitzen folgen und Koalitionsgespräche beginnen werden, muss nun abgewartet werden. Der DBfK hat frühzeitig Impulse und Forderungen auf den Tisch gelegt und steht auch weiterhin zum konstruktiven pflegepolitischen Dialog zur Verfügung.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 12.01.2018
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
www.dbfk.de | Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77 | Umsatzsteuer Id.Nr. DE 114235140
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Pflege, Gesundheit, Rente - Koalitionäre & die Sonderungsergebnisse

Beitrag von WernerSchell » 12.01.2018, 15:03

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Unabhängige und gemeinnützige Interessenvertretung
für hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland
Harffer Straße 59 - 41469 Neuss


Die Vereinbarungen der GroKo-Verhandler zur Pflege enthalten überwiegend unverbindliche Absichtserklärungen. Die vorgesehenen zusätzlichen Stellen für die Pflegeeinrichtungen sind völlig unzureichend, um den Pflegenotstand merkbar zu vermindern.
Quelle: http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... -10-15.pdf

Das Deutsche Institut für Pflegeforschung (dip) hat am 13.11.2017 einen Masterplan vorgelegt, mit dem die Dauerkrise in der Pflege beendet werden könnte. Die Pflegeforscher haben einen dreischrittigen Masterplan Pflege vorgeschlagen. Quelle: viewtopic.php?f=5&t=16644&p=101696#p101696

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Ziel des Masterplans Pflege ist es, u.a. die Vergütungen für Pflegepersonal (insbesondere in der Altenpflege) um bis zu 30 % anzuheben und bis zum Ende der Legislatur bis zu 100.000 zusätzliche Pflegestellen in Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Diensten zu schaffen.

Eine erste Einschätzung ergibt u.a.: Die Vereinbarungen der GroKo-Sondierer werden diesem Masterplan in keiner Weise gerecht. Es muss daher ernsthaft bezweifelt werden, dass die Sondierer den "Ernst der Lage" begriffen haben.


Werner Schell, Dozent für Pflegerecht und Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk

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Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Sondierungsergebnis: Ein zu hoher Preis für eine neue Regierung

Beitrag von WernerSchell » 13.01.2018, 08:27

"Nicht jeder, der tat was er konnte, konnte auch, was er tat."
Gerhard Uhlenbruck, Mediziner

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Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk beurteilt die in Aussicht genommenen Reformen für das Gesundheits- und Pflegesystem als völlig unzureichend. 8.000 zusätzliche Stellen für die Pflege können den Pflegenotstand nicht ansatzweise auflösen helfen. Offensichtlich haben die Sondierer doch nichts verstanden! Mindestens 100.000 neue Pflegestellen müssen her, um die dem Menschenwürdegebot erforderliche Zuwendung für die Patienten und pflegebedürftige Menschen zu gestalten. Der Kanzlerkandidat der SPD, P. Steinbruck, hatte bereits vor der Bundestagswahl 125.000 neue Pflegestellen gefordert (Ergebnis der Groko: null) Im Übrigen fehlen Ansätze für die dringend erforderlichen kommunalen Quartiershilfen zur ambulanten Unterstützung der pflegebedürftigen Menschen und der Angehörigen komplett.
Davon abgesehen, zeichnet sich die Sondierertruppe mit ihren anderweitigen Versprechen als ausgabefreudig aus, ähnlich wie in der vergangenen Legislaturperiode. Und das wurde von hier bereits als unerfreuliche Geschenkementalität bewertet (> viewtopic.php?f=4&t=21435 ). Das Gesamtwohlinteresse erfordert Schwerpunktsetzungen an den richtigen Stellen und keine Ausgabenflut, die allein dem Interesse dient, dass sich jede Partei der GroKo mit "ihren Erfolgen" brüsten kann.
Die Medien sehen die Sondierungsergebnisse auch zum Teil mehr als kritisch. Die Rheinische Post spricht gar von einem zu hohen Preis für eine neue Regierung (siehe dazu die angefügten Hinweise). Genau so ist es.
Werner Schell


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Rheinische Post vom 13. Januar 2018:
Groko-Verhandlungen
Darauf haben sich die Sondierer von Union und SPD verständigt

Union und SPD haben nach einem 24-stündigen Verhandlungsmarathon in den hoch umstrittenen Fragen zu Steuern, Zuwanderung und Rente einen Durchbruch erzielen können. Wir fassen die wichtigsten Ergebnisse zusammen.
Von J. Drebes, B. Marschall, G. Mayntz und E. Quadbeck, Berlin

• Gesundheit Bei der Gesundheit ist die von der SPD so hartnäckig geforderte Bürgerversicherung vom Tisch. Aber die Arbeitgeber werden künftig mehr für die Gesundheitsversorgung zahlen müssen. Bei den Beitragszahlungen an die gesetzlichen Krankenkassen soll es eine Rückkehr zur Parität geben. Das heißt, künftig werden Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder den gleichen Anteil für die Gesundheitsversorgung entrichten. Auch die Krankenkassen werden zusätzlich belastet. Tarifsteigerungen für Klinikpersonal sollen künftig gänzlich über die Kassen refinanziert werden.
• Pflege Gegen den Personalmangel in der Pflege wollen Union und SPD ein Fachkräfte-Programm auflegen. 8000 neue Stellen für Fachkräfte sollen geschaffen werden. Auch die Bezahlung in der Altenpflege soll besser werden.

(weiter lesen unter) > http://www.rp-online.de/politik/deutsch ... -1.7316520

Kommentierung von Eva Quadbeck:
Union und SPD einig
Ein zu hoher Preis für eine neue Regierung

Die drei Parteichefs Merkel, Schulz und Seehofer machen nach einem 24-Stunden-Marathon einen wichtigen Schritt hin zu einer neuen Koalition. Doch das gemeinsame Papier liest sich nicht wie ein Signal zum Aufbruch – sondern wie ein Notfallplan.

Für ihr eigenes Überleben und für die Bildung einer gemeinsamen Regierung zahlen Merkel, Schulz und Seehofer einen zu hohen Preis. Die Beschlüsse zu Rente, Gesundheit und Pflege werden die Sozialabgaben in die Höhe treiben und die Entlastungen bei der Arbeitslosenversicherung sowie der kleinen und mittleren Einkommen beim Solidaritätszuschlag wieder aufzehren. Wenn die Konjunktur richtig brummt, machen sich höhere Sozialabgaben nicht gleich in einer steigenden Arbeitslosenquote bemerkbar. Doch was machen wir eigentlich, wenn es mal nicht mehr so gut läuft?

(weiter lesen unter) > http://www.rp-online.de/politik/deutsch ... -1.7317014
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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WernerSchell
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Politiker haben die Pflegemisere offensichtlich nicht verstanden ...

Beitrag von WernerSchell » 15.01.2018, 07:13

Aus Forum:
viewtopic.php?f=3&t=22463

Pflegenotstand - Auswege der Misere - Statement aus Patientensicht vom 02.02.2010 - Die Ausführungen sind weiter aktuell - denn verbessert hat sich seit 2010 nichts - im Gegenteil!

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Vor und nach der Bundestagswahl am 24.09.2017 hat es zahlreiche Erklärungen zum Pflegenotstand gegeben. Alle Parteien haben sich mit Reformankündigungen nahezu überboten. Bis zum Abschluss der Sondierungsgespräche von Union und SPD sind aber keine überzeugenden Vorstellungen präsentiert worden, wie der Pflegenotstand JETZT endlich einer Lösung zugeführt werden soll. Das Sondierungsergebnis vom 12.01.2018 ist völlig unzureichend. Kritische Anmerkungen waren daher zwingend geboten. > viewtopic.php?f=4&t=22459&p=101746#p101746
Es ist nun nicht etwa so, dass der Pflegenotstand erst in den letzten Monaten entstanden wäre. Nein, diesen Notstand gibt es seit mehr als 20 Jahren, allerdings mit zunehmender Tendenz. Für die Gestaltung der verabschiedeten Pflegestärkungsgesetze I, II und III gab es von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk ein umfangreiches Statement mit zielführenden Vorschlägen, dass dem Bundesgesundheitsminister beim Neusser Pflegetreff am 13.05.2014 übergeben wurde. > http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... se2014.pdf
Vorausgegangen waren zahlreiche weitere Erklärungen zum Gesundheits- und Pflegesystem, immer verbunden mit konkreten Handlungsanforderungen. Bereits für eine Veranstaltung am 02.02.2010 wurden die Mängel des Systems konkret beschrieben und der Pflegenotstand mit seinen nachteiligen Folgen für alle Beteiligte verdeutlicht. Der Beitrag wird aus aktuellem Anlass noch einmal präsentiert. Es kann sich ernstlich niemand damit herausreden, man habe das Ausmass der Misere nicht gekannt:


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Redebeitrag
Werner Schell – Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de
bei Veranstaltung am 02.02.2010 in Köln
Tagungsort: Caritas-Akademie,
Wertmannstr. 1a, 50935 Köln-Hohenlind
Pflegesituation in Krankenhäusern aus Patientensicht

Quelle: viewtopic.php?t=13301

Pflegesituation in Krankenhäusern aus Patientensicht

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße es sehr, dass der personelle Notstand in den Pflegesystemen hier und heute thematisiert wird.

Woran es meiner Meinung nach seit geraumer Zeit mangelt, ist die deutliche Beschreibung und Aufarbeitung eines Problems, das nicht nur einer berufspolitischen Erörterung bedarf. Dieses Problem wirkt nämlich in die gesamte Gesellschaft und geht uns damit alle etwas an.

Es ist mehr als überfällig, auch außerhalb der Fachkreise über die personelle Not in unseren bundesdeutschen Pflegesystemen zu sprechen und für die allseits gewünschte und geforderte gute Pflege einzutreten.

Pflegebedürftige Menschen, Patienten und ihre Angehörigen wünschen sich in schwierigen Krankheitssituationen vor allem bestmögliche ärztliche Versorgung und Pflege und legen daher Wert auf entsprechende auskömmliche Betreuungs- und Versorgungsstrukturen - personell wie sachlich.

In § 107 Abs. 1 Nr. 3 Sozialgesetzbuch (SGB) V ist bei der Definition, was „Krankenhäuser“ sind, ausgeführt, dass Krankenhäuser Einrichtungen sind , die u.a. „mit Hilfe von jederzeit verfügbarem ärztlichem, Pflege-, Funktions- und medizinisch-technischem Personal darauf eingerichtet sind, vorwiegend durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistung Krankheiten der Patienten zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten, Krankheitsbeschwerden zu lindern oder Geburtshilfe zu leisten.“

Interessant an dieser Vorschrift ist, dass hier von „jederzeit verfügbarem Personal“ die Rede ist. Damit ist eigentlich suggeriert, dass es bei der Patientenversorgung keinen Personalmangel geben darf.

Die tatsächlichen Verhältnisse bleiben aber bedauerlicherweise weit hinter dem zurück, was die Menschen erwarten und folgerichtig der Gesetzgeber vorgegeben hat.

Ich freue mich daher, dass ich in dieser Veranstaltung Gelegenheit erhalte, den aktuellen und belegbaren Notstand in Krankenhäusern und Pflegeheimen aus Patientensicht anzusprechen und für Aktivitäten einzutreten, die eine menschenwürdige Behandlung, Pflege und sonstige Betreuung der kranken, behinderten und pflegebedürftigen Menschen ins Auge fassen!

Ich bin seit rd. 40 Jahren in der Selbsthilfe- bzw. in der Patientenschutzbewegung ehrenamtlich aktiv und sehe mit großer Sorge, dass sich in den letzten 10 - 15 Jahren das Gesundheits- und Pflegesystem zum Nachteil von Patienten und Pflegepersonal deutlich verändert hat.

Es wurde eine Politikrichtung begründet, die sich fast ausschließlich an der Kassenlage bzw. an rein marktwirtschaftlichen Erwägungen orientiert!

Ökonomisierung und Wettbewerb ist die aktuelle Devise.

Diagnostik, Behandlung und Pflege erscheinen mir nicht mehr ausreichend patientengerecht – oder sagen wir menschenwürdig - gestaltbar. – Die Folgen und Nebenwirkungen – bis zu den Anfängen einer Rationierung - gehen klar zu Lasten der Patienten und der Gesundheitsberufe.

Die zwangsläufige Folge ist, dass vor allem die Bundesärztekammer die „Priorisierung und Rationierung“ im Gesundheitswesen zum Thema gemacht hat.

Zumindest ergänzende kapitalgedeckte Versicherungsmodelle werden diskutiert. Ob und inwieweit damit eine Entsolidarisierung des Gesundheits- und Pflegesystems eingeleitet wird, darf hinterfragt werden.

Diesen Entwicklungen und neuerlichen Denkmodellen muss m.E. in breiter Front eine Initiative für menschenwürdige Behandlung, Pflege und sonstige Betreuung entgegen gestellt werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits- und Pflegesystem, Betroffene, Angehörige und sonst Interessierte sind daher aufgerufen, auf den deutlich gewordenen Notstand in den Gesundheits- und Pflegesystemen aufmerksam zu machen und grundlegende Änderungen auf solidarischer Basis einzufordern.

Als Streiter für die notwendigen Veränderungen sehe ich die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter des Gesundheits- und Pflegesystems an vorderster Front!

Allerdings müssen auch die Patienten und die Angehörigen bzw. die Bürgerschaft für ein Aktionsbündnis Pro Pflege …. mobilisiert werden.

Die Leistungen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sind vor allem deshalb nicht ausreichend, mancherorts sogar gefährlich, weil es an den zwingend notwendigen Stellen für das Personal, vor allem im pflegerischen Bereich, mangelt!

Es gibt nicht einmal einheitliche und vernünftige Pflegepersonalbemessungssysteme! Die früher für die allgemeinen Krankenhäuser maßgeblich gewesene Pflege-Personalregelung (PPR) wurde ersatzlos aufgehoben.

Der Sorgfaltsmaßstab der §§ 276, 278 BGB ist daher letztlich allein für die Personalbemessung maßgeblich, beliebig dehn- und deutbar.

Personal- bzw. Pflegestellen werden mittlerweile als bloße Kostenfaktoren betrachtet und nach Belieben anderen Bedürfnissen untergeordnet. Die Hoheit über die Budgetgestaltung – und damit auch über Personalstellen - liegt weitgehend bei den Kranken- und Pflegekassen.

Für den Bereich der stationären Pflegeeinrichtungen habe ich in einem Statement vom 10.11.2009 u.a. ausgeführt:

„Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk vertritt die Meinung, dass reformerische Maßnahmen einmal die professionell Pflegenden, aber auch die (ehrenamtlich) tätigen Angehörigen betreffen müssen. Die allseits gewünschte und erforderliche Zuwendung für pflegebedürftige Menschen kann nur dadurch gewährleistet werden, dass deutlich mehr Pflegefachpersonal und sonstige Betreuungskräfte zur Verfügung stehen. Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk schätzt, dass ein Personalmehrbedarf von rd. 20% vorliegt.
Damit aber dieser Bedarf auf einer seriösen Basis ermittelt werden kann, werden bundesweit geltende Personalbemessungssysteme für dringend erforderlich erachtet. Die zur Zeit zur Anwendung kommenden regional geltenden Personalschlüssel und sonstigen Schätzparameter werden als unzureichend eingestuft mit der Folge, dass eine Anstellung von Personal mehr oder weniger nur den Finanzierungsmöglichkeiten folgt (= Beschäftigung von Pflegepersonal und sonstigen Betreuungskräften nach Kassenlage). Dieser Zustand muss endlich überwunden werden. Dann wäre auch genügend Zeit für angemessene gute Pflege und sonstige Zuwendung gegeben. Ohne ausreichend bemessene Personalausstattungen wird es keine Verbesserungen - und damit eine Abwendung von der sog. Minutenpflege - geben können.
In diesem Zusammenhang muss auch Berücksichtigung finden, dass eine Verkürzung der Wehrdienstzeit auf sechs Monate zu einer entsprechend verkürzten Zivildienstzeit führen wird und damit den Pflegesystemen zahlreiche Zivildienstleistende als nützliche Helfer verloren gehen. Die insoweit entstehenden personellen Lücken müssen bei der notwendigen Personaldotierung angemessen Berücksichtigung finden. Der Personalmehrbedarf wird bei einer Verkürzung des Wehrdienstes deutlich über der o.a. Schätzmarke liegen.
Um es auf den Punkt zu bringen:
Wer alte und kranke Menschen mit so wenig Personal (Geld) allein lässt, der verachtet sie!“

Eine nicht bestreitbare Erklärung für den Pflegenotstand lieferte bereits am 18.07.2007 u.a. das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) in Köln unter dem Titel „Pflege-Thermometer 2007“:

50.000 Stellen für Pflegekräfte seien, so das Institut, in den letzten 10 Jahren in den Krankenhäusern abgebaut worden.

Nach der „dip“-Studie werden seit 1995 jährlich rd. 1 Million Patienten mehr in den deutschen Kliniken versorgt und betreut. Jede Pflegekraft muss dement-sprechend rd. 23% mehr Patienten versorgen. Die individuelle Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit hat gleichzeitig deutlich zugenommen. In der Pressemitteilung zur „dip“-Studie wurde weiter ausgeführt:

• Nach Einschätzung der befragten Pflegedirektionen wirkt sich die angespannte Personalsituation in der Krankenhauspflege bereits jetzt auf die Patientenversorgung und -sicherheit aus.
So können Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden.
• In 20 Prozent der Krankenhäuser nehmen die Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung zu.
• 40 Prozent der Befragten rechnen nicht mit einer Verbesserung der pflegerischen Qualität der Patientenversorgung.
• 30 Prozent der befragten Pflegedirektionen konnten in den letzten beiden Jahren nicht mehr permanent eine ausreichende Pflege-Versorgung anbieten.
• Umgekehrt konnte auch nur gerade mal ein Drittel der befragten Einrichtungen erklären, die grundpflegerische Versorgung und eine regelmäßige Lagerung der Patienten gewährleistet zu haben.
• Nur ein Viertel der Einrichtungen gibt an, eine engmaschige Kontrolle von Patienten, etwa nach einem operativen Eingriff, ausnahmslos gewährleisten zu können. Anders: Dreiviertel der Befragten kann das nicht mehr.
• Als Folge der sinkenden Kontakthäufigkeit zwischen Krankenpflege-Personal und Patienten müssen in mehr als 75 Prozent der Einrichtungen unter Schmerzen leidende Patienten länger als 15 Minuten auf die notwendige Verabreichung von Schmerzmitteln warten.
Prof. Dr. Michael Simon hat u.a. in seiner vielbeachteten Buchveröffentlichung „Personalabbau im Pflegedienst der Krankenhäuser - Hintergründe – Ursachen – Auswirkungen“ (Hans Huber Verlag) eine eigene Untersuchung präsentiert und dabei u.a. herausgestellt, dass „die Zahl der tatsächlich beschäftigten Vollkräfte im Pflegedienst der Allgemeinkrankenhäuser im Jahr 2006 um ca. 71.000 unter dem Vollkraft-Soll“ lag. Eine eindrucksvolle Darstellung der Pflegenot!

Prof. Dr. Michael Simon folgerte u.a.:

"Je niedriger die Personalbesetzung ist, desto höher ist das Risiko für Patienten. Eine Vielzahl schwerwiegende Komplikationen können sich realisieren; z.B.: Harnwegsinfektion, Sturz, Venenthrombose, Druckgeschwüre, Medikationsfehler, Blutungen, Lungenentzündung."

185 000 Unterzeichner der Kampagne „Uns reicht`s“ haben im September 2008 den Zusammenhang zwischen Pflegekapazität und Patientensicherheit deutlich machen können. Das Bundesgesundheitsministerium war offensichtlich so beeindruckt, dass man seinerzeit die Finanzierung von zusätzlichen 17.000 Stellen für den Krankenhaus-Pflegedienst bewilligt hat. –Nach einer Mitteilung der Pressereferentin des DBfK von Ende 2009 sind die von der Politik versprochenen Hilfen aber bisher kaum bei den Pflegenden angekommen.

Daher ist hier und heute aus Patientensicht folgende Zwischenbilanz gerechtfertigt:

In der Gesundheitsversorgung können vor allem mangels fehlender Pflegekräfte gefährliche Pflegesituationen kaum noch vermieden werden! Die Patientensicherheit muss als ernsthaft gefährdet eingestuft werden.

Ich denke, dass Ihnen solche gefährliche grundsätzlich bekannt sind. Es drängt sich aber auf, an dieser Stelle noch einmal ein wenig komprimiert einige Mangelsituationen zu beschreiben oder auch nur in Erinnerung zu rufen:

Die katastrophale Lage in den Einrichtungen des Gesundheitswesens spiegelt zum Beispiel eine Meinungsumfrage des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe e.V. (DBfK) wider, die am 30.01.2009 vorgestellt wurde. Danach sei, so der DBfK, die Lage sowohl für die Beschäftigten in den Pflegeberufen als auch für die Patienten dramatisch.

2.000 Teilnehmer aus dem Bereich Krankenhaus berichteten u.a.:

- 32,3% erwägen die Berufsaufgabe und den Wechsel in eine andere Tätigkeit mehrfach wöchentlich bis täglich.
- 42,5% würden die eigenen Angehörigen, Freunde oder Bekannte nicht im eigenen Arbeitsbereich versorgen lassen.
- 71,7% sehen die Attraktivität des Pflegeberufes für junge Generationen in den kommenden 10 Jahren drastisch verschlechtert.
- 82,5% sind der Meinung, dass die Personalausstattung im eigenen Arbeitsbereich nicht ausreichend ist.
- Über 2/3 der Teilnehmer (66,8%) sind mehrfach wöchentlich bis täglich mit widersprüchlichen Arbeitsanweisungen konfrontiert, erhalten wichtige Informationen unzureichend oder zu spät und mehr als die Hälfte der Teilnehmer haben fast nie eine geregelte und vollständige Pause.

Der Abschlussbericht zur Online-Umfrage des DBfK wurde am 14.08.2009 öffentlich vorgestellt; er ist im Internet vollständig abrufbar.

In der Zeit vom 01.02. – 30.04.2009 wurde von der Initiative für menschenwürdige Pflege in 9 Akutkrankenhäusern eine Umfrage zum Ausmaß „gefährlicher Pflege“ durchgeführt. Etwa 3.000 Personen waren angesprochen, nahezu 1.000 haben geantwortet. Das Ergebnis im Wesentlichen:

- Fast die Hälfte der Befragten gab an, Lagerungen zur Dekubitusprophylaxe „immer“, „häufig“ oder „regelmäßig“ nicht durchführen zu können.
- Nur etwa die Hälfte der Pflegekräfte könne von sich sagen, dass die Unterstützung dementer oder hilfsbedürftiger Patienten beim Essen und Trinken, die Mobilisierung geschwächter Kranker und die Vitalzeichenkontrollen nach Operationen oder Untersuchungen in Narkose immer geleistet werde.
- Nicht einmal jede fünfte Fachkraft könne sicherstellen, dass auf Schmerzen schnell reagiert wird.
- 4 von 5 Befragten klagen, dass die nicht genügend Zeit für Gespräche mit Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen haben.
- Nur 6% können rechtzeitig jedem Klingelruf folgen.
- Besonders erschreckend: Obwohl in allen Einrichtungen Pflegestandards gelten, können nur noch 4,3% der Befragten diese Standards tatsächlich einhalten.

Da Standards grundsätzlich als Maßstab für sorgfaltsmäßiges Handeln zu gelten haben, sind Fehler und im Gefolge eine Haftung vorprogrammiert.

Zu diesen Befragungsergebnissen passt ein Text aus dem Internet, den ich auszugsweise wie folgt zitiere:

„Wer in ein Krankenhaus eingeliefert wird, erwartet, dass er medizinisch gut behandelt wird und ausreichend Personal da ist, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Doch die Realität ist längst eine andere. …. 36-Betten-Stationen mit Schwerstpflegefällen werden oft nur noch mit zwei Pflegekräften versorgt. Weil keine Schwester da ist, um Patienten zur Toilette zu begleiten, werden Blasenkatheter und Windeln eingesetzt. Wenn kein Pflegepersonal da ist, um Menschen beim Essen und Trinken zu helfen, werden Magensonden und Infusionen gelegt. … Es herrscht … Pflegenotstand in den deutschen Kliniken. Er ist Folge der politisch bewusst herbeigeführten Unterfinanzierung der Krankenhäuser durch Bund, Länder und Kommunen. … Neben den Patienten sind die Krankenhausbeschäftigten die Hauptleidtragenden. Sie versuchen immer wieder den Personalmangel auszugleichen, nehmen ihre Pausen nicht, bleiben über den Dienstschluss hinaus, springen ein, wenn jemand fehlt. Wenn z.B. im Nachtdienst plötzlich eine Pflegekraft ausfällt, hängt jemand aus dem Spätdienst notfalls noch eine Schicht dran. Es gibt Berge von Überstunden, die nicht abgefeiert werden können. …“

Quelle: http://www.trueten.de/archives/4314-Pfl ... euser.html

In einer Pressemitteilung der Fachhochschule Frankfurt am Main vom 14.01.2010 wurden Hinweise zu einer Befragung von mehr als 2.200 im OP-Bereich tätigen Pflegekräften vorgestellt.

Prof. Busse stellt darin u.a. heraus: Auffallend sei die sehr niedrige Quote an Pflegekräften, die ihren Beruf nochmals in demselben Krankenhaus ergreifen würden (rd. 44%). Rd. 56% der MitarbeiterInnen hätten angegeben, dass die Patientengefährdung in den OP-Bereichen zugenommen habe; nur rd.36% meinten, genügend Zeit für die Patientenbetreuung zu haben.

Unabhängig von den vorgestellten Befragungsergebnissen haben mir Pflegekräfte erst kürzlich mitgeteilt:

Aufgrund von Fachkräftemangel auf bestimmten Stationen (u.a. ging es um eine Kinderintensivstation) sind viele neue Mitarbeiter ohne Fachweiterbildung, dadurch stellt sich wieder die Frage nach dem Spritzenschein. Hintergrund dieser Anfrage war, dass behandlungspflegerische Maßnahmen verstärkt „nach unten“ delegiert werden sollen.

Genau dazu passend weitere Berichte:

Pflegefachkräfte sind mit großem Zeitaufwand mit Dokumentationsaufgaben und sonstigem Schriftkram befasst und können daher zum Teil pflegerische Aufgaben beim Patienten nicht selbst wahrnehmen, sie müssen zunehmend vorhandenes Hilfspersonal anleiten und einsetzen. Dass darunter die Qualität der Pflege leidet, versteht sich.

Erst vor wenigen Tagen wurde mir von einer Fachpflegekraft mitgeteilt:

Ein Patient mit Tetraspastik kommt zur Fußoperation, kann seine Arme nicht benutzen. Pflegerisches Problem: 3 mal täglich Essenseingabe a 45 Minuten. Wegen Pflegekräftemangel muss Aushilfe organisiert werden. Die Pflegemitarbeiter können die Hilfe beim Essen nicht gewährleisten.
Ohne die Beteiligung von Angehörigen an bestimmten Verrichtungen, z.B. Essenseingabe, Unterstützung bei Mobilisierungsmaßnahmen, wäre das Arbeitspensum nicht zu schaffen.

Zahlreiche Pflegekräfte, die ich auf mögliche Probleme am Arbeitsplatz angesprochen habe, baten im Übrigen um Verständnis dafür, lieber nichts sagen zu wollen. Man wolle schließlich nichts riskieren, denn letztlich stünde immer der Arbeitsplatz zur Disposition. Die zur Zeit sich verstärkende Tendenz, vielfach nur noch befristete Arbeitsverträge abzuschließen, zeige, wo es lang gehe. Und es sei nicht unbedingt einfach, im Umfeld des momentanen Lebensmittelpunktes eine neue Betätigung zu finden.

Nach eigenen Feststellungen nehmen sich Patienten bei Krankenhausaufenthalten oftmals mit ihren Wünschen und Hilfeersuchen zurück, weil sie sehen, dass die Pflegekräfte total ausgelastet sind, nicht selten gehetzt erscheinen.

Man will dann nicht noch zusätzlich für Druck sorgen, fürchtet eine allzu schnelle Abfertigung. Es werden dann auch in Eigenregie Angehörige oder sonstige Personen mobilisiert, um zu bestimmten Zeiten Hilfeleistungen erhalten zu können.

Die fehlenden Personalstellen für Pflegekräfte und anderer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährden aber nicht nur Patienten und pflegebedürftige Menschen, sondern führen zunehmend zu unerträglichen Arbeitsverdichtungen für die jetzigen Stelleninhaber und ruinieren deren Gesundheit.

Jeder fünfte Pflegende denkt folglich ans Aufhören – Dies ergibt sich aus einer Forsa-Umfrage aus 2007. – Das muss nachdenklich stimmen!

Der wichtigste Faktor in der Pflege sind die Pflegenden, denn Menschen können nur von Menschen gepflegt werden.

Wir brauchen daher keinen Stellenabbau, sondern eine Ausbildungs- und Beschäftigungsoffensive in allen Bereichen der Pflege – und nicht nur dort!

Wir müssen in dieser Gesellschaft mit den Pflegenden pfleglicher umgehen und ihnen gegenüber die verdiente uneingeschränkte öffentliche Anerkennung und Würdigung bekunden.

Ich jedenfalls will Ihnen in diesem Sinne gerne den Rücken stärken, besonders dann, wenn Sie durch unqualifizierte pflegekritische Äußerungen pauschal für systemische Fehlentwicklung verantwortlich gemacht werden.

Nicht die wirklichen Patientenbedürfnisse scheinen bisher im Mittelpunkt der politischen Betrachtungen zu stehen, sondern allein die Ökonomisierung des „Marktes Gesundheitswesen“. Man könnte folgern: „Monethik statt Ethik.“

Wir müssen uns im Übrigen klar machen:

Die demografische Entwicklung in Deutschland wird die altersmäßige Zusammensetzung der Gesellschaft grundlegend verändern und damit die Versorgungs- und Pflegeprobleme weiter dramatisch verschärfen:

Nach seriösen Schätzungen wird zum Beispiel die Zahl der pflegebedürftigen Menschen von heute über 2 Millionen bis zum Jahre 2050 auf über 5 Millionen ansteigen. Dabei werden die dementiell erkrankten Menschen stark vertreten sein. Deren Zahl wird sich bis etwa 2050 in Richtung 3 Millionen bewegen. Es versteht sich daher, dass diesem Krankheitsbild besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist, auch bei der jetzigen Ausbildung, Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften.

Die Situation pflegebedürftiger Menschen in der BRD am Beispiel Demenz hat bereits den 111. Deutschen Ärztetag 2008 in Ulm veranlasst, eine klare Positionsbeschreibung abzugeben:

Gefordert wurde vom Ärztetag u.a. eine Aufstockung der derzeitigen Personalbudgets um rund 30%. Damit geht die Ärzteschaft über meine eigene Forderung bezüglich einer Personalaufstockung, die bei rund 20% liegen, deutlich hinaus!

Was noch bedenkenswert ist:

Es werden künftig immer weniger Menschen ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Kinderlosigkeit und Single-Dasein führen dazu, dass in Zukunft auf jeden Pflegebedürftigen immer weniger Angehörige kommen werden.

Politik und Betroffene müssen sich daher darauf einstellen, dass die Pflege wesentlich stärker als bisher durch professionelle Pflegekräfte erfolgen wird. Entsprechende Folgerungen müssen alsbald gezogen werden. Eine Ausbildungsoffensive in der Pflege erscheint mir unausweichlich. Eine solche Offensive wäre, nebenbei gesagt, auch eine sinnvolle Maßnahme zur Verringerung der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Es würde das Wachstum im Dienstleistungssektor nachhaltig gestärkt.

Unser Pflegesystem hat, wie schon ausgeführt, erhebliche strukturelle Mängel, die bereits aktuell zahlreiche pflegebedürftige Menschen bzw. ihre Angehörige in personelle und finanzielle Not bringen.

Die steigende Zahl der schwerkranken Patienten bzw. pflegebedürftigen Menschen und die insoweit erforderlichen Finanzmittel erfordern daher eine Reform des bundesdeutschen Pflegesystems an „Haupt und Gliedern“.

Wahrscheinlich werden wir demnächst alle für die Gesundheit und Pflege mehr Geld bereithalten bzw. ausgeben müssen. Möglicherweise wird der Konsum zwangsläufig hinter den Vorsorgeanstrengungen zurücktreten müssen!

Insoweit sollten die Bürgerinnen und Bürger bald realitätsbezogene Aufklärung erhalten. Allen bereits jetzt erkennbaren Ansätzen, in Deutschland eine Art Billigpflege in Gang zu setzen, muss mit Entschiedenheit entgegen getreten werden.

Die allseits gewollte gute Pflege muss auch gut bezahlt werden! Daher kann es auch keine kostenneutralen Reformen in den Gesundheits- und Pflegesystemen geben.

Sollten sich die politisch Verantwortlichen weiter an einer wirklichen – den Pflegeberufen und Patienten gerecht werdenden - Reform vorbeidrücken, werden wir in eine Pflegekatastrophe hineinschliddern – pflegemäßig und finanziell!

Ich fordere nach all dem aus Sicht der Patientenselbsthilfe für den Krankenhausbereich eine schnellstmögliche deutliche Aufstockung der Personalstellen, vor allem für den pflegerischen Bereich. Dazu wird es u.a. erforderlich sein, die Krankenhausbudgetierung in der bisherigen Form aufzugeben.

Die Verantwortlichen müssen dabei sicherstellen, dass der nichtärztliche Personalanteil innerhalb des Budgets nicht beliebig als Spardose genutzt werden darf.

Es wird aber auch als sinnvoll erachtet, erneut die Schaffung von bundeseinheitlichen Personalbemessungssystemen vorzusehen, sowohl für den Krankenhaus- wie für den Heimbereich.

Die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern und sonstigen Pflegeeinrichtungen müssen deutlicher und auch lauter – zusammen mit Berufsverbänden und Gewerkschaften - ihre Vorstellungen über die notwendigen Veränderungen im Gesundheits- und Pflegesystem äußern. Es muss meines Erachtens ein Zustand beendet werden, bei dem die Pflege beim Gemeinsamen Bundesausschuss, dem sog. Gesetzgeber für das Gesundheitswesen, am „Katzentisch“ sitzt und folglich über keinen entscheidenden Einfluss verfügt. Ein wenig „Lokführermentalität“ würde der Pflege gut tun. - Ich werde dabei gerne im Rahmen verschiedener Aktivitäten unterstützend mitwirken!

So wird es zum Beispiel am 27.04.2010 in der Zeit von 18.00 – 20.00 Uhr in Neuss-Erfttal einen größeren Pflegetreff geben, bei dem der Pflegenotstand und damit zusammenhängende Fragestellungen eine Rolle spielen werden. Es geht um das Thema:

„Welche Pflege wollen wir (uns leisten)?“

Es soll also letztlich aus Patientensicht darum gehen herauszuarbeiten, welche Leistungen in den Pflegesystemen zur Verfügung stehen sollen oder müssen und welche Reformmaßnahmen geboten erscheinen.

Dabei soll auch deutlich auf die pflegerische Unterversorgung in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen hingewiesen und entsprechendes politisches Handeln eingefordert werden. Es ist beabsichtigt, in diesem Zusammenhang auch auf die Einführung von bundeseinheitlichen Personalbemessungssystemen zu drängen.

Um insoweit fundiert argumentieren zu können, wird beim Pflegetreff auch Herr Prof. Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung und zugleich Vorstandsmitglied an der Katholischen Fachhochschule Köln anwesend sein und unsere Forderungen mit aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen untermauern.

Für die Pflegeverbandsseite wird Frau Gertrud Stöcker, Vorstandsmitglied des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe, in Neuss anwesend sein.

Bei Pflegetreff werden auch Vertreter aus dem Deutschen Bundestag erwartet, so dass diesen Parlamentariern vor Augen geführt werden kann, was wir, die Patienten bzw. Vertreter von pflegebedürftigen Menschen, wollen und wie es um die Personalnot in Krankenhäusern und Heimen bestellt ist.

Zugesagt haben bis jetzt Frau Elisabeth Scharfenberg, MdB / Bündnis90/DieGrünen, und Frau Hilde Mattheis, MdB / SPD. Die beiden Damen sind jeweils pflegepolitische Sprecherinnen ihrer Fraktion.

Das „dip“ hat am 31.08.2009 eine Befragung zur Situation in der Krankenhauspflege gestartet. Befragt werden bundesweit Pflegekräfte in Krankenhäusern (bettenführender Bereich und Intensivstationen). Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Fragen zur personellen Ausstattung, zu den beruflichen Entwicklungschancen und zur Patientensicherheit.

Da Herr Prof. Isfort als Leiter der neuen Befragungsaktion zum Pflegetreff nach Neuss kommen wird, können wir voraussichtlich die ersten Ergebnisse zur Befragung präsentieren.

Um die Veranstaltung auch wirkungsvoll durchführen zu können, wäre die Anwesenheit möglichst vieler Pflegekräfte wichtig. Wir verstehen die Veranstaltung nämlich auch als Demonstration für eine klar verbesserte pflegerische Versorgung auf der Basis einer guten pflegerischen Personalausstattung.

Wenn Sie dabei mithelfen wollen, sind Sie herzlich zum Pflegetreff eingeladen. Eintrittsgebühren gibt es nicht, auch keine Anmeldeerfordernisse. Geben Sie die Botschaft vom Pflegetreff an Interessierte weiter. Sie helfen damit dem Anliegen „Behebung der Pflegenot“ und unterstützen uns, den Treff zu einer gelungenen Demonstration werden zu lassen.

Wir machen das übrigens alles ehrenamtlich. Sämtliche Referenten kommen ohne Honorar und ohne sonstige Kostenerstattungen.

Zum Pflegetreff können Sie sich im Internet stets aktuell über den Stand der Vorbereitungen informieren:
Quelle: viewtopic.php?t=12279

Soweit meine Ausführungen.


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Auszubildende in Pflegeberufen leiden unter Zeitdruck - dpa Bildfunk

Die Sondierer haben entgegen ihren Behauptungen anscheinend in Sachen Pflege nichts verstanden. Daher passt die nachfolgende Medizinerbemerkung::

"Nicht jeder, der tat was er konnte, konnte auch, was er tat."
Gerhard Uhlenbruck, Mediziner
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Pflege, Gesundheit, Rente - Koalitionäre & die Sondierungsergebnisse

Beitrag von WernerSchell » 15.01.2018, 07:54

Am 15.01.2018 bei Facebook gepostet:
Der Pflegenotstand, zu wenig Pflegepersonal für immer mehr Patienten und pflegebedürftige Menschen, ist menschenunwürdig und zugleich lebensgefährlich! Obwohl sich die Parteien vor und nach der Bundestagswahl mit Reformankündigungen überboten haben, ist das diesbezügliche Sondierungsergebnis völlig unzureichend, inakzeptabel! > viewtopic.php?f=3&t=22463 - Die Medien sind mit diesbezüglicher Kritik eher zurückhaltend, setzen andere Schwerpunkte. Selbst ein für heute angekündigter Vortrag in der VHS Neuss (> viewtopic.php?f=3&t=22463 ), bei dem über die Pflegebedürftigkeit informiert werden soll, fand bei den örtlichen Medien keine Berücksichtigung; vielleicht, weil auch kritisch auf das Sondierungsgespräch aufmerksam gemacht werden soll. Es sieht nach einer bewussten Unterlassung aus (= Lückenpresse!).
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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GroKo und Pflege: nichts Halbes und nichts Ganzes!

Beitrag von WernerSchell » 15.01.2018, 13:48

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GroKo und Pflege: nichts Halbes und nichts Ganzes!
Weidner: „Die Menschen wollen eine Reform des Pflegesystems“

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Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung in Köln (DIP) begrüßt vom Grundsatz her die Fortschritte zur Regierungsbildung in Berlin und macht zugleich auf den enormen Handlungsdruck in der Pflege aufmerksam. „Die Aussagen im Sondierungspapier zu Personaluntergrenzen und -bemessung in Krankenhäusern und in Pflegeeinrichtungen, zur Vergütungsentwicklung sowie zur Stärkung der Angehörigenpflege gehen schon in die richtige Richtung“, sagte Professor Frank Weidner, Leiter des DIP. Der Pflegeforscher weist aber auch darauf hin, dass es zur ursächlichen Behebung der Pflegemisere in Deutschland deutlich mehr Mut und Inspiration braucht. „Was noch fehlt, ist ein wirksames und nennenswertes Stellenförderprogramm im gesamten Pflegebereich, Impulse für eine zukunftsorientierte, wohnortnahe Versorgung sowie ein spürbarer Investitionsschub in Arbeit, Bildung, Forschung und Innovation der Pflege. Bislang sind das bestenfalls Reparaturvorschläge, die Menschen wollen aber eine grundlegende Reform des Pflegesystems“, so Weidner.

Das DIP fordert SPD, CDU und CSU auf, in Koalitionsverhandlungen entsprechend nachzulegen. Insbesondere die Tatsache, dass es im Sondierungspapier keine Konkretisierungen für einen Stellenausbau der Pflege im Krankenhaus gebe, wird von Weidner scharf kritisiert. Im Vergleich zu 1995 fehlen in den Krankenhäusern heute rund 25.000 Stellen für die Pflege, es gibt aber fast 60.000 Stellen für die Ärzte mehr. Heute werden fast 4 Mio. Patienten jährlich mehr behandelt als noch 1995. Eine Pflegefachperson muss sich heute um 60 Patienten im Jahr kümmern, 1995 waren es noch 45. Damals arbeiteten statistisch gesehen 3,5 Pflegefachkräfte mit einem Arzt zusammen, heute sind es nur noch zwei Pflegende pro Arzt. „Die Arbeitslast für jede einzelne Pflegefachkraft hat sich alleine dadurch verdoppelt, was auch negative Auswirkungen auf die Patientenversorgung hat. Die Pflege hat in den letzten 20 Jahren aufgrund des ökonomischen Drucks im Krankenhaus ganz wesentlich und mehr als alle anderen Berufsgruppen geblutet“, erläuterte Weidner.

Das DIP kritisiert, dass im Sondierungspapier kein deutliches Umsteuern für die Pflege im Krankenhaus erkennbar wird. Die Planungen von CDU, SPD und CSU, Personaluntergrenzen in den Krankenhäusern auf allen bettenführenden Stationen einführen zu wollen, sind nach Ansicht des Instituts zwar richtig, aber „das werden halt Grenzen nach unten sein, die bestenfalls verhindern, dass die Relationen noch schlechter werden“, sagte Weidner. In der stationären Langzeitpflege sind von der GroKo 8.000 zusätzliche Fachkraftstellen geplant. Dies wird nach mehreren Runden der Stellenförderung von ungelernten Betreuungskräften in den vergangenen Jahren vom DIP als ein Fortschritt angesehen. Bei rund 13.500 stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland sind das aber gerade einmal 0,6 Stellen pro Einrichtung. Das sei angesichts des enormen Drucks in den Altenheimen „nichts Halbes und nichts Ganzes“, meinte Weidner.

Die Position der Sondierer für die Einführung eines Flächentarifvertrags in der Altenpflege hält das DIP für überfällig und empfiehlt den Tarifpartnern einen solchen Vertrag zeitnah in allen Bundesländern anzugehen und umzusetzen.

Die Forscher des DIP hatten Ende 2017 für einen Masterplan Pflege in Deutschland argumentiert und die zeitnahe Einrichtung eines Runden Tisches aller Beteiligten angeregt, 100.000 neuen Stellen in der Pflege und deutlich höhere Vergütungen gefordert sowie ein Innovationsprogramm für die Zukunft der Pflege angemahnt. Die Kosten für den Masterplan Pflege belaufen sich nach Schätzungen des DIP mittelfristig auf zusätzlich rund 12 Mrd. Euro jährlich. Das Institut plädiert auch für eine stärkere Gesamtschau in der Pflege und eine Abkehr von der berufsbezogenen Betrachtung auf Krankenpflege hier und Altenpflege dort. „In der letzten Legislatur haben die Regierungsparteien das Pflegeberufereformgesetz verabschiedet und damit einer allgemeinen Pflegeausbildung endlich die Tür geöffnet. Es ist nun dringend geboten, diesem Reformschritt weitere folgen zu lassen“, empfiehlt Weidner.

Das gemeinnützige und unabhängige Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) hat seinen Sitz in Köln an der KatHO NRW. Seit der Gründung im Jahr 2000 hat das Institut mehr als einhundertzwanzig innovative Projekte im Bereich der Pflege-, Pflegebildungs- und Versorgungsforschung durchgeführt und zahlreiche Studien zur Situation der Pflege in Deutschland veröffentlicht. Kontakt: Elke Grabenhorst, Tel: 0221/ 4 68 61 – 30, E-Mail: dip@dip.de

Quelle: Pressemitteilung vom 15.01.2018
Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. Standort Köln Hülchrather Str. 15 50670 Köln Tel. +49 (0) 221/ 46861-30 Fax +49 (0) 221/ 46861-39 E-Mail: dip@dip.de Internet: www.dip.de
http://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/pr ... -final.pdf
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Sondierungsergebnisse zum Thema Pflege: „Richtige Ziele, falscher Weg?“

Beitrag von WernerSchell » 16.01.2018, 09:09

Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen e. V.
Bundesgeschäftsstelle, Zweigertstr. 50, 45130 Essen,
Tel. 0201 . 354001, Fax: 0201 . 357980, E-Mail: info@bad-ev.de


PRESSEMELDUNG 1/2018

Einschätzung der Sondierungsergebnisse zum Thema Pflege:
„Richtige Ziele, falscher Weg?“ – bad e.V. begrüßt die Bereitschaft zu Sofortmaßnahmen in der Pflege und warnt vor allgemeinverbindlichem Tarifvertrag!


Essen, 15. Januar 2018. CDU/CSU und SPD haben die Ergebnisse ihrer Sondierungsgespräche in einem gemeinsamen Papier vom 12.01.2018 vorgestellt. Dieses sieht insbesondere im Bereich der Pflege umfassende Änderungen vor, die zum Teil im Rahmen von Sofortmaßnahmen umgesetzt werden sollen. „Der bad e.V. begrüßt grundsätzlich, dass die Volksparteien unserer Forderung nach Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Pflege nachkommen. Dass die Art der Sofortmaßnahmen jedoch erheblich von unseren Forderungen abweicht, erfüllt uns mit Sorge“, erklärt Andreas Kern, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V., der die Interessen von rd. 1000 Betrieben bundesweit vertritt.

Der bad e.V. hatte alle im Bundestag vertretenen Parteien bereits im Dezember 2017 zur Umsetzung konkreter „Sofortmaßnahmen“ für die Pflege aufgefordert und einen dezidierten schriftlichen Vorschlag hierfür unterbreitet (siehe Anlage). Nachdem sich daraufhin Bündnis 90/ Die Grünen ebenfalls für ein „Sofortprogramm“ stark gemacht hatten, bestätigten nun auch die Parteien der „großen Koalition“ einen akuten Handlungsbedarf und übernahmen hierfür den Terminus „Sofortmaßnahmen“.

„Viele der formulierten Ziele teilen wir“, erläutert Kern. „Insbesondere die Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege sofort und spürbar zu verbessern, ist von elementarer Wichtigkeit, um dem Fachkräftemangel in der Pflege und dem Pflegenotstand Herr zu werden.“ In diesem Zusammenhang stellt sich Kern jedoch die Frage, ob das Sondierungspapier nicht statt realistische Handlungsoptionen zu wählen Unmögliches verspricht. „Für die angekündigte „bessere Personalausstattung in der Altenpflege“ braucht es Fachkräfte, die dem Markt schlicht und einfach schon lange fehlen. Vor diesem Hintergrund muss sich die GroKo fragen lassen, wie sie die Ankündigung, 8000 neue Fachkraftstellen im Zusammenhang mit der medizinischen Behandlungspflege in Pflegeeinrichtungen zu schaffen, denn kurzfristig in die Tat umsetzen will? Denn eine bloße Ausschreibung der Stellen bewirkt nun mal nicht, dass sie auch besetzt werden können! Aktuell fehlt es doch nicht an offenen Stellen, sondern an einer ausreichenden Anzahl geeigneter Bewerber, um sie zu besetzen.“

Insbesondere die angekündigte Allgemeinverbindlichmachung von Tarifverträgen vermag das nicht zu erreichen, betont Rechtsanwältin Andrea Kapp, Bundesgeschäftsführerin des bad e.V.: „Nicht nur, dass viele bad-Mitgliedseinrichtungen ihr Personal heute schon übertariflich bezahlen, auch die unternehmerischen Möglichkeiten, Vergütungsmodelle beizubehalten, die Mitarbeiter/innen mehr Netto- vom Brutto-Verdienst ermöglichen, würden durch die allgemeine Anwendung bestehender Tarifverträge stark eingeschränkt werden.“

„Offen bleibt zudem die Frage der Finanzierung. Wer fordert, dass Pflegekräfte mehr Geld verdienen sollen, der muss zuvor sicherstellen, dass die Vergütung von Pflege in gleichem Maße wie die Gehälter steigen, weil Arbeitgeber an ihre Belegschaft nur weitergeben können, was diese zuvor erwirtschaften. Die Arbeitgeber brauchen hier Rechtssicherheit, wenn sich der Pflegenotstand nicht noch weiter verschärfen soll. Da der wichtige Punkt der Vergütung von Pflegeleistungen und damit der vollständigen Refinanzierung steigender Personalkosten im Sondierungspapier ausgespart worden ist, muss befürchtet werden, dass hier das Pferd sprichwörtlich von hinten aufgezäumt werden soll“, befürchtet Kapp.

Gleiches gilt für die Ankündigung strengerer „Personaluntergrenzen für pflegeintensive Bereiche“. Kern hierzu: „Wir brauchen zunächst einmal effektive Maßnahmen, damit dass benötigte Personal auf dem Markt vorhanden ist. Erst dann kann man den Einrichtungen die Verpflichtung zur Beschäftigung von mehr Personal vorgeben. Denn Pflegekräfte, die nicht da sind, können wir nicht einstellen. Ich wünsche mir deshalb intensive, gemeinsame Anstrengungen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Pflege und keine Schwarzer-Peter-Spiele.“

Die angekündigte Ausbildungsoffensive, mehr Anreize für eine bessere Rückkehr von Teil- in Vollzeit, ein Wiedereinstiegsprogramm, eine bessere Gesundheitsvorsorge für die Beschäf-tigten sowie eine Weiterqualifizierung von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften betrachtet Kern hingegen als sinnvolle Maßnahmen.

Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V. mit seinem Hauptsitz in Essen wurde 1988 gegründet. Er vertritt die Interessen von bundesweit rund 1000 zumeist privat geführten Pflegediensten und -einrichtungen und stellt damit einen der großen Leistungserbringerverbände in der Wachstumsbranche Pflege und Betreuung dar.
Ziel seiner Arbeit ist es, die Qualität und die Bedingungen der Leistungserbringung der ambulanten und stationären Pflege zu verbessern: und zwar gleichermaßen für die Unternehmen, die Pflegenden und die Patienten. Der bad e.V. mit seinen Landes-organisationen führt Verhandlungen unter anderem zu Vergütungsbedingungen für Pflegedienste und Pflegesätze für Heime.
Der bad e.V. ist in den wichtigen Beratungsgremien in Berlin vertreten und wird zu Änderungen pflegerelevanter Gesetze angehört. Zudem müssen die Landesorganisationen zu geplanten Landesgesetzen und -vorschriften gehört werden. Diese haben seit der Föderalismusreform im Pflegebereich erheblich an Bedeutung gewonnen.


Kontakt
Andrea Kapp, RA‘in
Bundesgeschäftsführerin bad e.V.
Qualitätsbeauftragte (TÜV)
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Pflege, Gesundheit, Rente - Koalitionäre & die Sondierungsergebnisse

Beitrag von WernerSchell » 16.01.2018, 14:02

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Die Evangelische Heimstiftung ist Mitbegründerin der Initiative Pro-Pflegereform. Zu den Sondierungsergebnissen bezieht die Initiative in einer - unten angefügten - Pressemitteilung vom 16.01.2018 deutlich Stellung:
Appell an die Koalitionäre: Paradigmenwechsel in der Pflege jetzt wagen
Deutschland ist Pflegenotstandsland – und trotzdem kommen die Sondierungsgespräche über das Klein-Klein der Pflegepolitik nicht hinaus. Um die enormen Herausforderungen zu bewältigen braucht es eine langfristige Strategie und einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Pflegeversicherung. Dazu macht die Initiative Pro-Pflegereform konkrete Vorschläge, die nach einem vielbeachteten Gutachten von Prof. Dr. Heinz Rothgang auch umsetzbar sind.
Dr. Alexandra Simtion
Leiterin Stabsstelle Unternehmenskommunikation / Pressesprecherin
Evangelische Heimstiftung GmbH
Hackstraße 12
70190 Stuttgart
Telefon 0711 63676-120
a.simtion@ev-heimstiftung.de
www.ev-heimstiftung.de

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Appell an die Koalitionäre: Paradigmenwechsel in der Pflege jetzt wagen

Deutschland ist Pflegenotstandsland – und trotzdem kommen die Sondierungsgespräche über das Klein-Klein der Pflegepolitik nicht hinaus. Um die enormen Herausforderungen zu bewältigen braucht es eine langfristige Strategie und einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Pflegeversicherung. Dazu macht die Initiative Pro-Pflegereform konkrete Vorschläge, die nach einem vielbeachteten Gutachten von Prof. Dr. Heinz Rothgang auch umsetzbar sind.
CDU/CSU und SPD haben die Sondierungsgespräche abgeschlossen. Beim Thema Pflege greifen die Ergebnisse aber viel zu kurz. Die in Aussicht gestellten Maßnahmen sind kostspielig und werden ohne große Wirkung verpuffen. „Deshalb fordert die Initiative, die Chance einer neuen GroKo zu nutzen und die Pflegeversicherung grundlegend zu reformieren“, sagt Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung (EHS) und Sprecher der Initiative.
Wer eine wirkliche Verbesserung für Pflegebedürftige und Pflegende will, muss die Pflegeversicherung strukturell so verändern, dass die pflegebedingten Kosten für alle Pflegebedürftigen finanzierbar sind und zwar unabhängig davon, ob sie nun zu Hause, im Betreuten Wohnen oder in einem Pflegeheim leben. „Dabei geht es uns nicht um die einfache Forderung ‚nach mehr Geld für das System‘, sondern um einen echten Systemwechsel, der die starren Strukturen aufbricht, innovative Pflegearrangements befördert und Pflege wieder für alle bezahlbar macht“, erklärt Schneider.
Das Reformgutachten von Prof. Dr. Heinz Rothgang vom 18.05.2017 hat gezeigt, dass die Kernforderungen der Initiative Pro-Pflegereform nach Abbau der Sektorengrenzen und Einführung einer Pflegevollversicherung mit fixem Eigenanteil möglich und finanzierbar sind. Zum einen muss die bisherige Trennung in einen ambulanten und stationären Sektor vollständig überwunden werden. Pflege ist zukünftig nach dem Prinzip „Wohnen und Pflege“ zu organisieren. Zum anderen muss die bisherige Pflegeteilversicherung zu einer „Pflegevollversicherung mit fixem Eigenanteil“ weiterentwickelt werden, damit Pflegebedürftigkeit für jeden bezahlbar wird.
Strukturveränderung lässt sich im ersten Schritt finanzneutral umsetzen
Das Gutachten zeigt, wie die Sektorengrenzen und die Unterschiede zwischen stationärer und ambulanter Pflege abgebaut werden können. Denn es ist ungerecht, wenn der Lebensort die Leistungen der Pflegekasse bestimmt. Stattdessen kann die Pflege leistungsrechtlich und leistungserbringungsrechtlich nach denselben Regeln funktionieren, unabhängig davon, wo die Pflegebedürftigen wohnen. So wird Pflege nicht mehr entlang der Trennlinie ambulant/stationär, sondern über Wohnen/Pflege organisiert. „Für die Leistungserbringung, aber auch für Pflegebedürftige und Pflegedienste kann mit diesem Paradigmenwechsel endlich der Knoten der sektoralen Lähmung durchschlagen werden“, sagt Schneider.
Allen Koalitionären die in erster Linie finanzielle Aspekte in die Verhandlungen mitnehmen, sei versichert, dass dieses erste und innovative Reformszenario keine Mehrkosten verursacht. „Wir bieten ein Reformszenario, das nichts kostet und trotzdem die Innovationsbremse löst, Pflegeleistungen flexibler macht, Angehörigenpflege auch im Pflegeheim ermöglicht. Diese Chance können sich die nächste Bundesregierung nicht entgehen lassen“, sagt Schneider.
„Sockel-Spitze-Tausch“ – die neue Pflegeversicherung mit Eigenanteil
In einem zweiten Schritt bietet das Gutachten auch eine Lösung für das hohe Armutsrisiko in der Pflege. Denn mehr als 450.000 Pflegebedürftige sind auf Sozialhilfe angewiesen, weil die Pflegeversicherung nur einen sog. Sockelbetrag der Pflegekosten zahlt. Die restlichen, notwendigen Leistungen zahlt der Versicherte selbst. „Und weil er eben nicht weiß, wie hoch diese Kosten sind und wie lange sie anfallen, kann er sie auch nicht versichern“, erklärt Schneider. Das Reformgutachten untersucht deshalb im zweiten Szenario, wie das finanzielle Risiko des Einzelnen aufgehoben werden kann und bietet mit dem „Sockel-Spitze-Tausch“ einen hochinteressanten Lösungsansatz.
Demnach bezahlen die Versicherten zukünftig einen festen Sockelbetrag (Eigenanteil) und die Pflegeversicherung übernimmt alle darüber hinausgehenden, notwendigen Pflegekosten. Mit der Einführung einer Karenzzeit kann dieser Eigenanteil zeitlich fixiert und so in der Höhe zuverlässig berechnet werden. Je nach koalitionspolitischer Großwetterlage kann der Eigenanteil für die Versicherten von Null bis 400 Euro festgesetzt werden. Ein bedeutender Vorteil des Szenarios ist: Der Eigenanteil wird kalkulierbar, kann so abgesichert werden und mindert damit das Risiko der Altersarmut.
Strukturreform stoßt auf breite Zustimmung – Pflegekräfte erwarten Umsetzung
Das Reformgutachten wird derzeit bundesweit breit diskutiert. „Was uns gerade Pflegekräfte immer wieder fragen ist, warum die Reformvorschläge nicht schon umgesetzt werden“, berichtet Schneider, „obwohl sie doch genau dort ansetzen, wo das eigentliche Problem liegt“. Denn die Initiative Pro-Pflegereform hat die Vision einer neuen und besseren Pflegeversicherung und das Gutachten von Prof. Rothgang zeigt, wie sie funktionieren kann. „Nach über 20 Jahren Pflegeteilversicherung wird es endlich Zeit, einen weiteren mutigen Reformschritt zu machen“, sagt Schneider, „die drei Koalitionsparteien haben die Chance und mit dem Reformgutachten auch das Rezept dafür“. Nun gilt es, zu handeln.
Hinweis für Journalisten
Bernhard Schneider steht für ein Interview oder ein Hintergrundgespräch gerne zur Verfügung. Bei Interesse können wir auch den Kontakt zu Prof. Heinz Rothgang oder zu Unterstützern der Initiative herstellen. Melden Sie sich dafür kurz via Telefon oder E-Mail bei uns. Alle weiteren Informationen zum Reformgutachten finden Sie online unter www.pro-pflegereform.de/gutachten.
Downloads
• Pressemitteilung als PDF [249 KB] > https://www.ev-heimstiftung.de/fileadmi ... raeche.pdf

Quelle: Pressemitteilung vom 16.01.2018
https://www.ev-heimstiftung.de/presse/p ... b79747ffa9
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Pflege, Gesundheit, Rente - Koalitionäre & die Sondierungsergebnisse

Beitrag von WernerSchell » 16.01.2018, 14:08

Die professionelle Pflege fordert glaubwürdige politische Zusagen!

Die professionell Pflegenden in Deutschland fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Die detaillierten Umfrageergebnisse des Care-Klima-Index 2017, die heute in Berlin vorgestellt wurden, sprechen eine sehr deutliche Sprache. „Leider haben die politisch Verantwortlichen die Belange der beruflich Pflegenden seit vielen Jahren sträflich vernachlässigt. Lange hat man Pflege politisch fast vollständig zur Nebensache erklärt – wohl in der Erwartung, irgendwie werde es trotzdem funktionieren“, sagt Johanna Knüppel, Sprecherin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK). „Eine künftige Regierung, die es ernst meint mit ihrer Verantwortung für die Zukunft der Pflege im Land und die den deutschen Pflegenotstand beheben will, muss zuallererst um das Vertrauen der beruflich Pflegenden werben. Das wurde gründlich verspielt in den zurückliegenden Jahren. Ohne die professionelle Pflege werden alle Strategien ins Leere laufen. Gemeinsam mit den Interessenvertretern der Pflegeberufe muss die Politik Lösungswege einschlagen, die weit über das hinausgehen, wovon bisher auch nur die Rede war. Verpflichtende Pflegepersonaluntergrenzen in allen bettenführenden Bereichen, erhebliche Investitionen in Pflegefachpersonalkapazität und moderne Berufsbildung auf europäischem Niveau sind da nur ein erster Anfang! Wir brauchen in Deutschland ein neues Denken und weitreichende Reformen in der Gestaltung von Gesundheitsversorgung. Es gilt, andere und komplexere Anforderungen zu erfüllen als in der Vergangenheit. Das gelingt nur, wenn die herkömmlichen Strukturen auf den Prüfstand kommen und innovative Konzepte eine Chance erhalten. Die Pflegeberufe erwarten, dass ihr Potenzial sinnvoller genutzt wird als bisher, und dass die Leistung und Kompetenz, die sie zum Gesamtgeschehen beitragen, anerkannt und respektiert werden.“

In der vergangenen Legislaturperiode wurden zwar Reformen eingeleitet, aber eher halbherzig oder mit überlangen Übergangszeiten. Von einer immer wieder versprochenen Verbesserung ihrer seit langem hochbelastenden Arbeitsbedingungen haben die Pflegenden bislang nichts gesehen. Und wenn jetzt als Ergebnis der Sondierungsgespräche „sofortige und spürbare Verbesserungen der Arbeitsbedingungen“, „Sofortmaßnahmen für eine bessere Personalausstattung“, „Förderung zusätzlicher Stellen“, „Tarifgehälter in der Altenpflege“ und „eine bessere Gesundheitsvorsorge für die Beschäftigten“ in Aussicht gestellt werden, sorgt das allenfalls für sarkastische Kommentare in der Berufsgruppe. Die Reaktion der Pflegenden auf solch abgenutzte Versprechen ist bezeichnend und in den sozialen Medien nachzulesen. In Koalitionsverhandlungen müsste ganz erheblich nachgelegt werden!

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 16.01.2018
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
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Mehr Personal für Altenpflege und Krankenhäuser - Sofortprogramm gefordert

Beitrag von WernerSchell » 16.01.2018, 15:02

Grüne wollen mehr Personal für Altenpflege und Krankenhäuser

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Sofortprogramme für mehr Personal in der Altenpflege und in Krankenhäusern fordern die Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Dazu legen die Abgeordneten am Donnerstag, 18. Januar 2018, je einen Antrag für den Bereich der Altenpflege und den Bereich des Pflegepersonals im Krankenhaus vor, die erstmals im Plenum beraten werden sollen. Im Anschluss an die dreiviertelstündige Debatte sollen beide Vorlagen zur weiteren Beratung an den Gesundheitsausschuss überwiesen werden. (eis/11.01.2018)

Quelle: https://www.bundestag.de/dokumente/text ... nal/537020
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Sofortprogramme für Krankenhauspflege und Altenpflege gefordert

Beitrag von WernerSchell » 17.01.2018, 17:25

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Sofortprogramme für mehr Pflegekräfte

In der Pflege ist eine Abwärtsspirale aus Fachkräftemangel und unattraktiven Arbeitsbedingungen sowie schlechter Bezahlung entstanden, die schleunigst gestoppt werden muss.
Es ist unverständlich, warum Schwarz-Rot in ihrem Sondierungspapier nur von 8.000 zusätzlichen Stellen in der Altenpflege spricht und im Krankenhaus lediglich den Anwendungsbereich der bereits gescheiterten Personaluntergrenzen ausweiten will. Wer etwas für die Pflege tun will, muss klotzen, nicht kleckern. Und zwar jetzt und nicht irgendwann.
Darum wollen wir mit zwei Sofortprogrammen, einem für die Altenpflege, einem für das Krankenhaus, die Fehlentwicklung durch die Einsparungen zulasten der Pflege der vergangenen Jahre korrigieren. Wir wollen die Personallücke wieder auffüllen. Und zwar zu anständigen Bedingungen und mit tariflicher Bezahlung.
Die Sofortprogramme sollen wirken, bis Personalbemessungsinstrumente entwickelt sind, die sich am tatsächlichen Bedarf der Patientinnen und Patienten und der Pflegebedürftigen orientieren. Im Krankenhaus werden für 1,3 Mrd. Euro im Jahr 25.000 zusätzliche Pflegekräfte eingestellt. Damit wäre u.a. gewährleistet, dass keine Pflegekraft auf einer Station nachts alleine ist. In der Altenpflege wollen wir den Pflegevorsorgefonds auflösen. 2015 nahm der Fonds 1,2 Mrd. Euro ein. 2017 dürfte diese Summe auf 1,5 Mrd. Euro gestiegen sein. Aus diesen Mitteln können bei Einhaltung der Fachkraftquote von 50 Prozent 35.000 zusätzliche Stellen finanziert werden. Die Kosten dafür müssten dann nicht die Pflegebedürftigen tragen, wie es beim Vorschlag von Schwarz-Rot der Fall ist.
Ergänzend müssen Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Pflegeberufs und zur Hebung des Fachkräftepotentials getroffen werden. Denn viele, die derzeit nur Teilzeit arbeiten oder vorzeitig aus dem Beruf aussteigen, könnten bei besseren Arbeitsbedingungen und einem besseren Gehalt zurückgewonnen werden.
Antrag Sofortprogramm für mehr Personal in der Altenpflege lesen > http://www.klein-schmeink.de/data/user/ ... pflege.pdf
Antrag Sofortprogramm für mehr Personal im Krankenhaus lesen > http://www.klein-schmeink.de/data/user/ ... ege_KH.pdf

Quelle: Mitteilung vom 16. Januar 2018

MARIA KLEIN-SCHMEINK, MdB, Gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen im Deutschen Bundestag
http://www.klein-schmeink.de/aktuelles/ ... aefte.html


+++
Der Deutsche Bundestag hat mit der nachfolgenden Mitteilung die o.a. Anträge öffentlich vorgestellt. Siehe insoweit den nachfolgenden Text:

Sofortprogramme für Krankenhauspflege und Altenpflege gefordert

Sofortprogramm für Krankenhauspflege
Hauptausschuss/Antrag
Berlin: (hib/PK) Die Grünen-Fraktion fordert ein Sofortprogramm in Höhe von 1,3 Milliarden Euro im Jahr für mehr Pflegepersonal in den Krankenhäusern. Die auch im internationalen Vergleich sehr hohe Personalbelastung in einem Großteil der Krankenhäuser erfordere schnell wirksame Maßnahmen, heißt es in einem Antrag (19/447 > http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/004/1900447.pdf ) der Fraktion.
Eine angemessene Pflegepersonalausstattung im Krankenhaus sei für die Qualität der stationären Versorgung, für den Patientenschutz und die Arbeitssituation der Beschäftigten unabdingbar. Die geplante Festlegung von Personaluntergrenzen in besonders pflegeintensiven Bereichen reiche nicht aus. Um das Personal zu entlasten, Patientensicherheit und Pflegequalität zu gewährleisten sowie die Attraktivität des Pflegeberufes zu steigern, müssten schnell weitreichende Initiativen ergriffen werden.
Neben dem Sofortprogramm zur Förderung zusätzlicher Pflegekräfte fordern die Abgeordneten auch, verbindliche Personalbemessungsinstrumente für die gesamte pflegerische Versorgung im Krankenhaus zu entwickeln, die sich am individuellen Pflegebedarf der Patienten orientieren.

Mehr Personal in der Altenpflege gefordert
Hauptausschuss/Antrag
Berlin: (hib/PK) Die Grünen-Fraktion verlangt ein Sofortprogramm für mehr Personal in der Altenpflege. Die Sorge um eine menschenwürdige Versorgung bei Krankheit und im Alter bewege die Menschen in Deutschland stark. Die extrem hohe Arbeitsbelastung in der Altenpflege erfordere schnell wirksame Maßnahmen zur Entlastung der Personals, heißt es in einem Antrag (19/446 http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/004/1900446.pdf ) der Fraktion.
Zudem gehe es darum, die Pflegequalität zu gewährleisten, den neuen teilhabeorientierten Pflegebegriff umzusetzen sowie die Attraktivität des Pflegeberufs zu steigern.
Konkret fordern die Abgeordneten, den Pflegevorsorgefonds aufzulösen und aus diesen Mitteln ein Sofortprogramm in Höhe von 1,2 Milliarden Euro im Jahr aufzulegen, um damit zusätzliche Pflegekräfte mit tarifgerechter Entlohnung zu fördern.
Begleitet werden müsse das Sofortprogramm durch eine Ausbildungsoffensive, Anreize für eine einfachere Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit, ein Wiedereinstiegsprogramm, eine bessere Gesundheitsvorsorge für die Beschäftigten sowie eine Weiterqualifizierung von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften.

Quelle: Mitteilung vom 17.01.2017
Deutscher Bundestag
Parlamentsnachrichten, PuK 2
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Tel.: +49 30 227-35642, Fax +49 30 227-36001
E-Mail: vorzimmer.puk2@bundestag.de
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Pflegenotstand und keine Ende ...

Beitrag von WernerSchell » 18.01.2018, 07:28

Ärzte Zeitung online, 17.01.2018
Saarland
SPD-Politikerin verteidigt Sondierungsergebnisse

SAARBRÜCKEN. Bei den Sondierungsgesprächen in Berlin wurden nach Auffassung der SPD-Politikerin Anke Rehlinger im Gesundheitsbereich "sehr viele gute Dinge vereinbart", die vor allem bei der Pflege "große Entlastungen bedeuten" würden. Die stellvertretende Ministerpräsidentin des Saarlandes gehörte dem Verhandlungsteam an.
In Saarbrücken bedauerte sie, dass die erzielten Fortschritte vom Stillstand beim Thema Bürgerversicherung überdeckt würden. Es sei zwar schade, dass die Unionsparteien hier keine Brücken gebaut hätten, doch seien dafür andere gesundheitspolitische Anliegen bei den Sondierungen detailliert angeführt worden. Rehlinger verwies auf die geplanten zusätzlichen 8 000 Pflegekräfte. (kud)
Quelle: https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr

Anmerkung der Moderation:
Wenn eine SPD-Vertreterin das Sondierungsergebnis zur Pflege als gut bezeichnet, zeigt das erneut, dass man nicht verstanden hat. Gerade mal 8.000 neue Stellen vorzusehen, ist völlig unzureichend. - Werner Schell
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Pflegenotstand - Politiker haben die Misere nicht begriffen

Beitrag von WernerSchell » 18.01.2018, 08:39

Am 18.01.2018 bei Facebook gepostet:
Sofortprogramme für Krankenhauspflege und Altenpflege! Deutscher Bundestag stellt Anträge von Bündnis90/Die Grünen vom 18.01.2017 vor. Downloadhinweise und weitere Beiträge zum Pflegenotstand: > viewtopic.php?f=4&t=22459&p=101828#p101828
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Personaluntergrenzen - eine Milchmädchenrechnung?

Beitrag von WernerSchell » 18.01.2018, 15:39

Ärzte Zeitung vom 18.01.2018:
Springer Kongress Pflege
Personaluntergrenzen - eine Milchmädchenrechnung?

Wie lässt sich der Pflegenotstand mindern und wie hilfreich sind dazu Pflegeuntergrenzen? Im Vorfeld des Springer Kongress Pflege, der morgen eröffnet wird, diskutierten Experten bereits heute kontrovers zu diesem Thema. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr
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