Wieviel Personal ist für eine gute Pflege erforderlich?

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

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Wieviel Personal ist für eine gute Pflege erforderlich?

Beitrag von WernerSchell » 19.12.2017, 07:09

Wieviel Personal ist für eine gute Pflege erforderlich?

Am Forschungszentrum SOCIUM der Universität Bremen wird die wichtigste pflegepolitische Frage der aktuellen Legislaturperiode bearbeitet

Sie haben die europaweite Ausschreibung für eine wichtige Expertise gewonnen und damit 3,7 Millionen Euro Drittmittel eingeworben: 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrums Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM) der Universität Bremen sollen jetzt unter der Leitung von Professor Heinz Rothgang ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personals in Pflegeeinrichtungen entwickeln und erproben.

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Auszubildende in Pflegeberufen leiden unter Zeitdruck - dpa Bildfunk

Die Personalausstattung von Pflegeheimen – schon immer ein Thema

Die Personalausstattung von Pflegeheimen ist unzureichend: So lautet eine Klage, die schon so alt ist wie die Pflegeversicherung selbst, also mehr als 20 Jahre. Die Personalausstattung fällt zudem im Bundesgebiet äußerst unterschiedlich aus. Ein Beispiel: In stationären Einrichtungen in Bayern wird pro Pflegebedürftigem 20 Prozent mehr Personal eingesetzt als in Sachsen-Anhalt. Bislang sind schon mehrere Versuche gescheitert, ein bundeseinheitliches Personalbemessungsverfahren einzuführen.

Im Zweiten Pflegestärkungsgesetz hat der Gesetzgeber daher die Vertragsparteien der Pflege-Selbstverwaltung verpflichtet, bis zum 30. Juni 2020 ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personals in Pflegeeinrichtungen nach qualitativen und quantitativen Maßstäben wissenschaftlich entwickeln und erproben zu lassen. Dazu müssen die Vertragsparteien fachlich unabhängige wissenschaftliche Einrichtungen beauftragen.

Neues Pflegeverständnis in der Praxis nötig

Die Frage nach einer angemessenen Personalausstattung hat zuletzt weiter an Bedeutung gewonnen – angestoßen durch die große Pflegereform in der vergangenen Legislaturperiode. Der im Rahmen dieser Reform eingeführte „neue Pflegebedürftigkeitsbegriff“ zielt darauf ab, die Selbständigkeit der Pflegebedürftigen zu erhalten und zu fördern. Bei der Umsetzung wird es in den kommenden Jahren wichtig sein, auch ein verändertes Pflegeverständnis in der Praxis zu schaffen. Es soll sich vom bisherigen „Verrichtungsbezug“ entfernen. Mit „Verrichtungen“ sind unerlässliche Tätigkeiten des Alltags gemeint, also Essen, Trinken, Einkaufen, Kochen, Putzen usw.

Zentraler Faktor: Menge und Ausbildungsgrad des Pflegepersonals

Der zentrale Faktor für ein verändertes Pflegeverständnis ist das Pflegepersonal. Dessen Zahl und der Ausbildungsgrad der Pflegenden werden künftig im Mittelpunkt der politischen Bemühungen zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung stehen. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff muss somit zum Anlass genommen werden, die Personalausstattung zu überprüfen und an den sich verändernden Bedarf anzupassen. Dies wird das Team von Professor Rothgang in den kommenden Jahren tun.

Fragen beantworten:

Prof. Dr. Heinz Rothgang
Tel.: 0421/218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Mathias Fünfstück
Tel.: 0421/218-58637
E-Mail: m.fuenfstueck@uni-bremen.de

Thomas Kalwitzki
Tel.: 0421/218-58544
E-Mail: thomas.kalwitzki@uni-bremen.de

Über das Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM): Das SOCIUM ist bundesweit das einzige sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut, das Fragen von Ungleichheit, Sozialpolitik sowie deren gesellschaftliche und politische Wechselwirkungen empirisch wie theoretisch untersucht. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der fächerübergreifenden Forschung zu den sozialen, ökonomischen, politischen, kulturellen, organisatorischen, rechtlichen, historischen und sozial-medizinischen Bedingungen und Folgen sozialer Ungleichheit, staatlicher Sozialpolitik sowie deren Wechselwirkungen. Disziplinär getragen wird diese Forschung vor allem von Soziologie, Politik-, Gesundheits-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

Quelle: Pressemitteilung vom 18.12.2017
Kai Uwe Bohn Pressestelle
Universität Bremen
https://idw-online.de/de/news686649

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Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk setzt sich seit vielen Jahren für mehr Pflegepersonal ein und hat deshalb immer wieder auf die Notwendigkeit zur Einführung eines bundesweit geltenden Personalbemessungssystems aufmerksam gemacht. Der Pflegenotstand, der zum Handeln zwingt, wurde in einem umfangreichen Statement näher beschrieben und Hermann Gröhe, Bundesgesundheitsminister, beim Neusser Pflegetreff am 13.5.2014 übergeben > http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... se2014.pdf Die Vorschläge konnten daran anschließend am 08.7.2014 in einem ausführlichen Gespräch im Bundesgesundheitsministerium näher erläutert werden. Die dann folgenden Pflege-Reformgesetze nahmen die Vorschläge zur Gestaltung eines Personalbemessungssystems im § 113c SGB XI auf (Pflegestärkungsgesetz - PSG - II). Das Thema wurde dann erneut in Anwesenheit von Hermann Gröhe vom Pflegetreff am 21.10.2015 erörtert. Die bei dieser Veranstaltung von Werner Schell abgegebenen Statements sind in einem gesonderten Filmbeitrag (7.30 Minuten) anschaubar unter:
> https://youtu.be/qbyHRxX9ikk
Die wesentlichen Aussagen:
- Mehr Pflegepersonal - jetzt und nicht später!
- Mehr Zeit für Zuwendung und Pflege ermöglichen.
- Der im PSG II vorgesehene § 113c SGB XI, der ein Personalbemessungssystem anspricht, reicht nicht!
- Mängel müssen abgestellt werden, auch im Hinblick auf den Einsatz der Betreuungskräfte nach § 87b SGB XI

Das Thema wurde nach dem Pflegetreff am 21.10.2015 wiederholt kritisch hinterfragt und mehrfach mit Hermann Gröhe besprochen. Es wurde bei diesen Erörterungen deutlich, dass bis zur Wirksamkeit eines bundesweit geltenden Personalbemessungssystems die Ländergremien im Rahmen der insoweit fortgeltenden Regelungen (§ 75 SGB XI) für Verbesserungen der Stellenschlüssel zuständig sind. Dies schließt aber nicht aus, dass seitens des Bundes im Rahmen einer Sonderförderung zusätzlich Finanzmittel für mehr Pflegepersonal in den Pflegeeinrichtungen zur Verfügung gestellt wird. Insoweit wird die neu zu bildende Bundesregierung Initiativen ergreifen müssen.
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Info - den sozialen Netzwerken übermittelt am 19.12.2017:
"Wieviel Personal ist für eine gute Pflege erforderlich? Am Forschungszentrum SOCIUM der Universität Bremen wird die wichtigste pflegepolitische Frage der aktuellen Legislaturperiode bearbeitet". - Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hat sich seit vielen Jahren für ein bundesweit geltendes Personalbemessungssystem eingesetzt und begrüßt die jetzt in Gang gekommene Begutachtung der relevanten Fragen zur Personalausstattung von Pflegeeinrichtungen. Es erscheint aber dringend geboten, bis zur Gestaltung eines Personalbemessungssystem vorab Finanzmittel zur schnellen Auflösung des Pflegenotstandes zur Verfügung zu stellen. Im Übrigen sind die Ländergremien für eine Verbesserung der Stellenschlüssel zuständig. Umfangreiche Informationen (mit Filmdokumentation) im Forum von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk.
viewtopic.php?f=3&t=22423
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Studie zum Personalbedarf in der Pflege

Beitrag von WernerSchell » 21.12.2017, 07:20

Ärzte Zeitung online, 20.12.2017
Uni Bremen
Studie zum Personalbedarf in der Pflege

BREMEN. Wie viel Personal braucht die Pflege wirklich? Dieser Frage geht jetzt das Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM) der Universität Bremen unter der Leitung von Professor Heinz Rothgang nach. 14 Wissenschaftler sollen ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personals in Pflegeeinrichtungen entwickeln und erproben. Sie haben für ihre Arbeit 3,7 Millionen Euro Drittmittel eingeworben.
... (weiter lesen unter) .... https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Gröhe will mehr Personal für Nachtdienste in Heimen

Beitrag von WernerSchell » 27.12.2017, 07:27

Ärzte Zeitung vom 27.12.2017:
Pflege
Gröhe will mehr Personal für Nachtdienste in Heimen

Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dringt auf eine deutliche Personalaufstockung in deutschen Pflegeheimen. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr

Anmerkung:
Es sind Aufstockungen des Personals für den Tag- UND Nachtdienst erforderlich. Teillösungen helfen nicht und lenken von den wirklichen Problemen ab. - Werner Schell
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Pflegenotstand auflösen & Quartiershilfen gestalten

Beitrag von WernerSchell » 01.01.2018, 14:10

Aus Forum:
viewtopic.php?f=3&t=22296&p=101513#p101513

Am 01.01.2018 bei Facebook gepostet:

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"Pflegenotstand auflösen & Quartiershilfen gestalten" ist die Herausforderung für das neue Jahr 2018! Die Bedürfnisse der Patienten und pflegebedürftige Menschen gehören in den Mittelpunkt aller Erwägungen, und nicht etwa die Ökonomie. Mehr personelle Zuwendung und ganzheitliche Betrachtung der kranken und hilfebedürftigen Menschen erscheinen dabei unabdingbar! - Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk wird sich in diesem Sinne weiter engagieren.
>>> viewtopic.php?f=3&t=22296&p=101512#p101512

Und was noch wichtig ist:
Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.
Katharina von Siena

Vorsorglich stelle ich vor:

Neujahrsgebet des Pfarrers von St. Lamberti
zu Münster aus dem Jahre 1883:


Herr, setze dem Überfluss Grenzen –
und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen –
und auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort –
und erinnere die Männer an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit –
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig – aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden gute Deutsche –
und den Deutschen eine gute Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen –
aber bitte nicht sofort.


Man könnte dem Text noch aus aktuellem Anlass hinzufügen:

„Gib den Politikern und sonst Verantwortlichen die Einsicht, dass die Pflege - Rahmenbedingungen in Krankenhäusern und Heimen schnellstmöglich verbessert werden müssen und lasse deutlich werden, ... dass es nur mit mehr Pflegepersonal eine bessere Pflege geben kann. Denn nicht ökonomische Erwägungen dürfen dominieren, sondern allein die Interessen der kranken und pflegebedürftigen Menschen.“
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Mindestpersonalschlüssel für Pflegeheime gefordert

Beitrag von WernerSchell » 02.01.2018, 07:50

Westdeutsche Zeitung, 02.01.2018:

Mindestpersonalschlüssel für Pflegeheime gefordert

Berlin (dpa) - Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat die Politik aufgefordert, endlich einen bundesweit einheitlichen Mindestpersonalschlüssel für Pflegeheime festzusetzen.
«Gute Pflege ist nur möglich, wenn auf den Stationen genügend Pflegefachkräfte pro Bewohner vorhanden sind», sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. «Liegt eine Einrichtung unter dieser Mindestvorgabe, muss es einen Aufnahmestopp oder sogar eine Schließung geben.»
An die Adresse einer künftigen Bundesregierung fügte Brysch hinzu, es sei viel zu spät, wenn ein Modell für einen bundesweit einheitlichen Mindestpersonalschlüssel - wie geplant - erst 2020 auf dem Tisch liege. Ständigen Personaleinsparungen werde durch eine solche Mindestvorgabe rechtzeitig ein Riegel vorgeschoben.
... (weiter lesen unter) ... http://www.wz.de/newsticker?articleId=1 ... 2018-01-02

Anmerkung der Moderation:
Dass mehr Pflegepersonal für die Heime und Krankenhäuser erforderlich ist, wird von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk seit vielen Jahren verdeutlicht. Mindestpersonalschlüssel sind aber nicht die Lösung. Sie gaukeln eine Verbesserung vor, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Da aber bis zum Jahre 2020 (§ 113c SGB XI) nicht gewartet werden kann, sind jetzt durch die Länder oder den Bund pauschal mehr Stellen zu bewilligen, die umfassend eine verbesserte Zuwendung gewährleisten. Insoweit wurde bereits 2008 von einer gebotenen Aufstockung von 20% ausgegangen. - Werner Schell
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Überlastung des Pflegepersonals in Heimen macht Deutschen Angst

Beitrag von WernerSchell » 05.01.2018, 07:19

Deutsches Ärzteblatt:

Überlastung des Pflegepersonals in Heimen macht Deutschen Angst

Die Vorstellung, im Alter in ein Pflegeheim ziehen zu müssen, macht acht von zehn Menschen in Deutschland Angst. Lediglich sechs Prozent können sich vorstellen, freiwillig in einer Senioreneinrichtung ... https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... chen-Angst

Pflege: Grüne wollen Sofortprogramm > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... der-Pflege
Pflegeheime: Forscher suchen nach Personalmix > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... legeheimen
Pflegeheimkosten: CDU will Kinder von Zuzahlungen entlasten > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... -entlasten
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Pflegeschlüssel müssen sofort deutlich verbessert werden

Beitrag von WernerSchell » 15.01.2018, 07:34

Aus Forum:
viewtopic.php?f=3&t=22463

Pflegenotstand - Auswege der Misere - Statement aus Patientensicht vom 02.02.2010 - Die Ausführungen sind weiter aktuell - denn verbessert hat sich seit 2010 nichts - im Gegenteil!

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Vor und nach der Bundestagswahl am 24.09.2017 hat es zahlreiche Erklärungen zum Pflegenotstand gegeben. Alle Parteien haben sich mit Reformankündigungen nahezu überboten. Bis zum Abschluss der Sondierungsgespräche von Union und SPD sind aber keine überzeugenden Vorstellungen präsentiert worden, wie der Pflegenotstand JETZT endlich einer Lösung zugeführt werden soll. Das Sondierungsergebnis vom 12.01.2018 ist völlig unzureichend. Kritische Anmerkungen waren daher zwingend geboten. > viewtopic.php?f=4&t=22459&p=101746#p101746
Es ist nun nicht etwa so, dass der Pflegenotstand erst in den letzten Monaten entstanden wäre. Nein, diesen Notstand gibt es seit mehr als 20 Jahren, allerdings mit zunehmender Tendenz. Für die Gestaltung der verabschiedeten Pflegestärkungsgesetze I, II und III gab es von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk ein umfangreiches Statement mit zielführenden Vorschlägen, dass dem Bundesgesundheitsminister beim Neusser Pflegetreff am 13.05.2014 übergeben wurde. > http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... se2014.pdf
Vorausgegangen waren zahlreiche weitere Erklärungen zum Gesundheits- und Pflegesystem, immer verbunden mit konkreten Handlungsanforderungen. Bereits für eine Veranstaltung am 02.02.2010 wurden die Mängel des Systems konkret beschrieben und der Pflegenotstand mit seinen nachteiligen Folgen für alle Beteiligte verdeutlicht. Der Beitrag wird aus aktuellem Anlass noch einmal präsentiert. Es kann sich ernstlich niemand damit herausreden, man habe das Ausmass der Misere nicht gekannt:


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Redebeitrag
Werner Schell – Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de
bei Veranstaltung am 02.02.2010 in Köln
Tagungsort: Caritas-Akademie,
Wertmannstr. 1a, 50935 Köln-Hohenlind
Pflegesituation in Krankenhäusern aus Patientensicht

Quelle: viewtopic.php?t=13301

Pflegesituation in Krankenhäusern aus Patientensicht

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße es sehr, dass der personelle Notstand in den Pflegesystemen hier und heute thematisiert wird.

Woran es meiner Meinung nach seit geraumer Zeit mangelt, ist die deutliche Beschreibung und Aufarbeitung eines Problems, das nicht nur einer berufspolitischen Erörterung bedarf. Dieses Problem wirkt nämlich in die gesamte Gesellschaft und geht uns damit alle etwas an.

Es ist mehr als überfällig, auch außerhalb der Fachkreise über die personelle Not in unseren bundesdeutschen Pflegesystemen zu sprechen und für die allseits gewünschte und geforderte gute Pflege einzutreten.

Pflegebedürftige Menschen, Patienten und ihre Angehörigen wünschen sich in schwierigen Krankheitssituationen vor allem bestmögliche ärztliche Versorgung und Pflege und legen daher Wert auf entsprechende auskömmliche Betreuungs- und Versorgungsstrukturen - personell wie sachlich.

In § 107 Abs. 1 Nr. 3 Sozialgesetzbuch (SGB) V ist bei der Definition, was „Krankenhäuser“ sind, ausgeführt, dass Krankenhäuser Einrichtungen sind , die u.a. „mit Hilfe von jederzeit verfügbarem ärztlichem, Pflege-, Funktions- und medizinisch-technischem Personal darauf eingerichtet sind, vorwiegend durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistung Krankheiten der Patienten zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten, Krankheitsbeschwerden zu lindern oder Geburtshilfe zu leisten.“

Interessant an dieser Vorschrift ist, dass hier von „jederzeit verfügbarem Personal“ die Rede ist. Damit ist eigentlich suggeriert, dass es bei der Patientenversorgung keinen Personalmangel geben darf.

Die tatsächlichen Verhältnisse bleiben aber bedauerlicherweise weit hinter dem zurück, was die Menschen erwarten und folgerichtig der Gesetzgeber vorgegeben hat.

Ich freue mich daher, dass ich in dieser Veranstaltung Gelegenheit erhalte, den aktuellen und belegbaren Notstand in Krankenhäusern und Pflegeheimen aus Patientensicht anzusprechen und für Aktivitäten einzutreten, die eine menschenwürdige Behandlung, Pflege und sonstige Betreuung der kranken, behinderten und pflegebedürftigen Menschen ins Auge fassen!

Ich bin seit rd. 40 Jahren in der Selbsthilfe- bzw. in der Patientenschutzbewegung ehrenamtlich aktiv und sehe mit großer Sorge, dass sich in den letzten 10 - 15 Jahren das Gesundheits- und Pflegesystem zum Nachteil von Patienten und Pflegepersonal deutlich verändert hat.

Es wurde eine Politikrichtung begründet, die sich fast ausschließlich an der Kassenlage bzw. an rein marktwirtschaftlichen Erwägungen orientiert!

Ökonomisierung und Wettbewerb ist die aktuelle Devise.

Diagnostik, Behandlung und Pflege erscheinen mir nicht mehr ausreichend patientengerecht – oder sagen wir menschenwürdig - gestaltbar. – Die Folgen und Nebenwirkungen – bis zu den Anfängen einer Rationierung - gehen klar zu Lasten der Patienten und der Gesundheitsberufe.

Die zwangsläufige Folge ist, dass vor allem die Bundesärztekammer die „Priorisierung und Rationierung“ im Gesundheitswesen zum Thema gemacht hat.

Zumindest ergänzende kapitalgedeckte Versicherungsmodelle werden diskutiert. Ob und inwieweit damit eine Entsolidarisierung des Gesundheits- und Pflegesystems eingeleitet wird, darf hinterfragt werden.

Diesen Entwicklungen und neuerlichen Denkmodellen muss m.E. in breiter Front eine Initiative für menschenwürdige Behandlung, Pflege und sonstige Betreuung entgegen gestellt werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits- und Pflegesystem, Betroffene, Angehörige und sonst Interessierte sind daher aufgerufen, auf den deutlich gewordenen Notstand in den Gesundheits- und Pflegesystemen aufmerksam zu machen und grundlegende Änderungen auf solidarischer Basis einzufordern.

Als Streiter für die notwendigen Veränderungen sehe ich die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter des Gesundheits- und Pflegesystems an vorderster Front!

Allerdings müssen auch die Patienten und die Angehörigen bzw. die Bürgerschaft für ein Aktionsbündnis Pro Pflege …. mobilisiert werden.

Die Leistungen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sind vor allem deshalb nicht ausreichend, mancherorts sogar gefährlich, weil es an den zwingend notwendigen Stellen für das Personal, vor allem im pflegerischen Bereich, mangelt!

Es gibt nicht einmal einheitliche und vernünftige Pflegepersonalbemessungssysteme! Die früher für die allgemeinen Krankenhäuser maßgeblich gewesene Pflege-Personalregelung (PPR) wurde ersatzlos aufgehoben.

Der Sorgfaltsmaßstab der §§ 276, 278 BGB ist daher letztlich allein für die Personalbemessung maßgeblich, beliebig dehn- und deutbar.

Personal- bzw. Pflegestellen werden mittlerweile als bloße Kostenfaktoren betrachtet und nach Belieben anderen Bedürfnissen untergeordnet. Die Hoheit über die Budgetgestaltung – und damit auch über Personalstellen - liegt weitgehend bei den Kranken- und Pflegekassen.

Für den Bereich der stationären Pflegeeinrichtungen habe ich in einem Statement vom 10.11.2009 u.a. ausgeführt:

„Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk vertritt die Meinung, dass reformerische Maßnahmen einmal die professionell Pflegenden, aber auch die (ehrenamtlich) tätigen Angehörigen betreffen müssen. Die allseits gewünschte und erforderliche Zuwendung für pflegebedürftige Menschen kann nur dadurch gewährleistet werden, dass deutlich mehr Pflegefachpersonal und sonstige Betreuungskräfte zur Verfügung stehen. Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk schätzt, dass ein Personalmehrbedarf von rd. 20% vorliegt.
Damit aber dieser Bedarf auf einer seriösen Basis ermittelt werden kann, werden bundesweit geltende Personalbemessungssysteme für dringend erforderlich erachtet. Die zur Zeit zur Anwendung kommenden regional geltenden Personalschlüssel und sonstigen Schätzparameter werden als unzureichend eingestuft mit der Folge, dass eine Anstellung von Personal mehr oder weniger nur den Finanzierungsmöglichkeiten folgt (= Beschäftigung von Pflegepersonal und sonstigen Betreuungskräften nach Kassenlage). Dieser Zustand muss endlich überwunden werden. Dann wäre auch genügend Zeit für angemessene gute Pflege und sonstige Zuwendung gegeben. Ohne ausreichend bemessene Personalausstattungen wird es keine Verbesserungen - und damit eine Abwendung von der sog. Minutenpflege - geben können.
In diesem Zusammenhang muss auch Berücksichtigung finden, dass eine Verkürzung der Wehrdienstzeit auf sechs Monate zu einer entsprechend verkürzten Zivildienstzeit führen wird und damit den Pflegesystemen zahlreiche Zivildienstleistende als nützliche Helfer verloren gehen. Die insoweit entstehenden personellen Lücken müssen bei der notwendigen Personaldotierung angemessen Berücksichtigung finden. Der Personalmehrbedarf wird bei einer Verkürzung des Wehrdienstes deutlich über der o.a. Schätzmarke liegen.
Um es auf den Punkt zu bringen:
Wer alte und kranke Menschen mit so wenig Personal (Geld) allein lässt, der verachtet sie!“

Eine nicht bestreitbare Erklärung für den Pflegenotstand lieferte bereits am 18.07.2007 u.a. das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) in Köln unter dem Titel „Pflege-Thermometer 2007“:

50.000 Stellen für Pflegekräfte seien, so das Institut, in den letzten 10 Jahren in den Krankenhäusern abgebaut worden.

Nach der „dip“-Studie werden seit 1995 jährlich rd. 1 Million Patienten mehr in den deutschen Kliniken versorgt und betreut. Jede Pflegekraft muss dement-sprechend rd. 23% mehr Patienten versorgen. Die individuelle Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit hat gleichzeitig deutlich zugenommen. In der Pressemitteilung zur „dip“-Studie wurde weiter ausgeführt:

• Nach Einschätzung der befragten Pflegedirektionen wirkt sich die angespannte Personalsituation in der Krankenhauspflege bereits jetzt auf die Patientenversorgung und -sicherheit aus.
So können Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden.
• In 20 Prozent der Krankenhäuser nehmen die Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung zu.
• 40 Prozent der Befragten rechnen nicht mit einer Verbesserung der pflegerischen Qualität der Patientenversorgung.
• 30 Prozent der befragten Pflegedirektionen konnten in den letzten beiden Jahren nicht mehr permanent eine ausreichende Pflege-Versorgung anbieten.
• Umgekehrt konnte auch nur gerade mal ein Drittel der befragten Einrichtungen erklären, die grundpflegerische Versorgung und eine regelmäßige Lagerung der Patienten gewährleistet zu haben.
• Nur ein Viertel der Einrichtungen gibt an, eine engmaschige Kontrolle von Patienten, etwa nach einem operativen Eingriff, ausnahmslos gewährleisten zu können. Anders: Dreiviertel der Befragten kann das nicht mehr.
• Als Folge der sinkenden Kontakthäufigkeit zwischen Krankenpflege-Personal und Patienten müssen in mehr als 75 Prozent der Einrichtungen unter Schmerzen leidende Patienten länger als 15 Minuten auf die notwendige Verabreichung von Schmerzmitteln warten.
Prof. Dr. Michael Simon hat u.a. in seiner vielbeachteten Buchveröffentlichung „Personalabbau im Pflegedienst der Krankenhäuser - Hintergründe – Ursachen – Auswirkungen“ (Hans Huber Verlag) eine eigene Untersuchung präsentiert und dabei u.a. herausgestellt, dass „die Zahl der tatsächlich beschäftigten Vollkräfte im Pflegedienst der Allgemeinkrankenhäuser im Jahr 2006 um ca. 71.000 unter dem Vollkraft-Soll“ lag. Eine eindrucksvolle Darstellung der Pflegenot!

Prof. Dr. Michael Simon folgerte u.a.:

"Je niedriger die Personalbesetzung ist, desto höher ist das Risiko für Patienten. Eine Vielzahl schwerwiegende Komplikationen können sich realisieren; z.B.: Harnwegsinfektion, Sturz, Venenthrombose, Druckgeschwüre, Medikationsfehler, Blutungen, Lungenentzündung."

185 000 Unterzeichner der Kampagne „Uns reicht`s“ haben im September 2008 den Zusammenhang zwischen Pflegekapazität und Patientensicherheit deutlich machen können. Das Bundesgesundheitsministerium war offensichtlich so beeindruckt, dass man seinerzeit die Finanzierung von zusätzlichen 17.000 Stellen für den Krankenhaus-Pflegedienst bewilligt hat. –Nach einer Mitteilung der Pressereferentin des DBfK von Ende 2009 sind die von der Politik versprochenen Hilfen aber bisher kaum bei den Pflegenden angekommen.

Daher ist hier und heute aus Patientensicht folgende Zwischenbilanz gerechtfertigt:

In der Gesundheitsversorgung können vor allem mangels fehlender Pflegekräfte gefährliche Pflegesituationen kaum noch vermieden werden! Die Patientensicherheit muss als ernsthaft gefährdet eingestuft werden.

Ich denke, dass Ihnen solche gefährliche grundsätzlich bekannt sind. Es drängt sich aber auf, an dieser Stelle noch einmal ein wenig komprimiert einige Mangelsituationen zu beschreiben oder auch nur in Erinnerung zu rufen:

Die katastrophale Lage in den Einrichtungen des Gesundheitswesens spiegelt zum Beispiel eine Meinungsumfrage des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe e.V. (DBfK) wider, die am 30.01.2009 vorgestellt wurde. Danach sei, so der DBfK, die Lage sowohl für die Beschäftigten in den Pflegeberufen als auch für die Patienten dramatisch.

2.000 Teilnehmer aus dem Bereich Krankenhaus berichteten u.a.:

- 32,3% erwägen die Berufsaufgabe und den Wechsel in eine andere Tätigkeit mehrfach wöchentlich bis täglich.
- 42,5% würden die eigenen Angehörigen, Freunde oder Bekannte nicht im eigenen Arbeitsbereich versorgen lassen.
- 71,7% sehen die Attraktivität des Pflegeberufes für junge Generationen in den kommenden 10 Jahren drastisch verschlechtert.
- 82,5% sind der Meinung, dass die Personalausstattung im eigenen Arbeitsbereich nicht ausreichend ist.
- Über 2/3 der Teilnehmer (66,8%) sind mehrfach wöchentlich bis täglich mit widersprüchlichen Arbeitsanweisungen konfrontiert, erhalten wichtige Informationen unzureichend oder zu spät und mehr als die Hälfte der Teilnehmer haben fast nie eine geregelte und vollständige Pause.

Der Abschlussbericht zur Online-Umfrage des DBfK wurde am 14.08.2009 öffentlich vorgestellt; er ist im Internet vollständig abrufbar.

In der Zeit vom 01.02. – 30.04.2009 wurde von der Initiative für menschenwürdige Pflege in 9 Akutkrankenhäusern eine Umfrage zum Ausmaß „gefährlicher Pflege“ durchgeführt. Etwa 3.000 Personen waren angesprochen, nahezu 1.000 haben geantwortet. Das Ergebnis im Wesentlichen:

- Fast die Hälfte der Befragten gab an, Lagerungen zur Dekubitusprophylaxe „immer“, „häufig“ oder „regelmäßig“ nicht durchführen zu können.
- Nur etwa die Hälfte der Pflegekräfte könne von sich sagen, dass die Unterstützung dementer oder hilfsbedürftiger Patienten beim Essen und Trinken, die Mobilisierung geschwächter Kranker und die Vitalzeichenkontrollen nach Operationen oder Untersuchungen in Narkose immer geleistet werde.
- Nicht einmal jede fünfte Fachkraft könne sicherstellen, dass auf Schmerzen schnell reagiert wird.
- 4 von 5 Befragten klagen, dass die nicht genügend Zeit für Gespräche mit Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen haben.
- Nur 6% können rechtzeitig jedem Klingelruf folgen.
- Besonders erschreckend: Obwohl in allen Einrichtungen Pflegestandards gelten, können nur noch 4,3% der Befragten diese Standards tatsächlich einhalten.

Da Standards grundsätzlich als Maßstab für sorgfaltsmäßiges Handeln zu gelten haben, sind Fehler und im Gefolge eine Haftung vorprogrammiert.

Zu diesen Befragungsergebnissen passt ein Text aus dem Internet, den ich auszugsweise wie folgt zitiere:

„Wer in ein Krankenhaus eingeliefert wird, erwartet, dass er medizinisch gut behandelt wird und ausreichend Personal da ist, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Doch die Realität ist längst eine andere. …. 36-Betten-Stationen mit Schwerstpflegefällen werden oft nur noch mit zwei Pflegekräften versorgt. Weil keine Schwester da ist, um Patienten zur Toilette zu begleiten, werden Blasenkatheter und Windeln eingesetzt. Wenn kein Pflegepersonal da ist, um Menschen beim Essen und Trinken zu helfen, werden Magensonden und Infusionen gelegt. … Es herrscht … Pflegenotstand in den deutschen Kliniken. Er ist Folge der politisch bewusst herbeigeführten Unterfinanzierung der Krankenhäuser durch Bund, Länder und Kommunen. … Neben den Patienten sind die Krankenhausbeschäftigten die Hauptleidtragenden. Sie versuchen immer wieder den Personalmangel auszugleichen, nehmen ihre Pausen nicht, bleiben über den Dienstschluss hinaus, springen ein, wenn jemand fehlt. Wenn z.B. im Nachtdienst plötzlich eine Pflegekraft ausfällt, hängt jemand aus dem Spätdienst notfalls noch eine Schicht dran. Es gibt Berge von Überstunden, die nicht abgefeiert werden können. …“

Quelle: http://www.trueten.de/archives/4314-Pfl ... euser.html

In einer Pressemitteilung der Fachhochschule Frankfurt am Main vom 14.01.2010 wurden Hinweise zu einer Befragung von mehr als 2.200 im OP-Bereich tätigen Pflegekräften vorgestellt.

Prof. Busse stellt darin u.a. heraus: Auffallend sei die sehr niedrige Quote an Pflegekräften, die ihren Beruf nochmals in demselben Krankenhaus ergreifen würden (rd. 44%). Rd. 56% der MitarbeiterInnen hätten angegeben, dass die Patientengefährdung in den OP-Bereichen zugenommen habe; nur rd.36% meinten, genügend Zeit für die Patientenbetreuung zu haben.

Unabhängig von den vorgestellten Befragungsergebnissen haben mir Pflegekräfte erst kürzlich mitgeteilt:

Aufgrund von Fachkräftemangel auf bestimmten Stationen (u.a. ging es um eine Kinderintensivstation) sind viele neue Mitarbeiter ohne Fachweiterbildung, dadurch stellt sich wieder die Frage nach dem Spritzenschein. Hintergrund dieser Anfrage war, dass behandlungspflegerische Maßnahmen verstärkt „nach unten“ delegiert werden sollen.

Genau dazu passend weitere Berichte:

Pflegefachkräfte sind mit großem Zeitaufwand mit Dokumentationsaufgaben und sonstigem Schriftkram befasst und können daher zum Teil pflegerische Aufgaben beim Patienten nicht selbst wahrnehmen, sie müssen zunehmend vorhandenes Hilfspersonal anleiten und einsetzen. Dass darunter die Qualität der Pflege leidet, versteht sich.

Erst vor wenigen Tagen wurde mir von einer Fachpflegekraft mitgeteilt:

Ein Patient mit Tetraspastik kommt zur Fußoperation, kann seine Arme nicht benutzen. Pflegerisches Problem: 3 mal täglich Essenseingabe a 45 Minuten. Wegen Pflegekräftemangel muss Aushilfe organisiert werden. Die Pflegemitarbeiter können die Hilfe beim Essen nicht gewährleisten.
Ohne die Beteiligung von Angehörigen an bestimmten Verrichtungen, z.B. Essenseingabe, Unterstützung bei Mobilisierungsmaßnahmen, wäre das Arbeitspensum nicht zu schaffen.

Zahlreiche Pflegekräfte, die ich auf mögliche Probleme am Arbeitsplatz angesprochen habe, baten im Übrigen um Verständnis dafür, lieber nichts sagen zu wollen. Man wolle schließlich nichts riskieren, denn letztlich stünde immer der Arbeitsplatz zur Disposition. Die zur Zeit sich verstärkende Tendenz, vielfach nur noch befristete Arbeitsverträge abzuschließen, zeige, wo es lang gehe. Und es sei nicht unbedingt einfach, im Umfeld des momentanen Lebensmittelpunktes eine neue Betätigung zu finden.

Nach eigenen Feststellungen nehmen sich Patienten bei Krankenhausaufenthalten oftmals mit ihren Wünschen und Hilfeersuchen zurück, weil sie sehen, dass die Pflegekräfte total ausgelastet sind, nicht selten gehetzt erscheinen.

Man will dann nicht noch zusätzlich für Druck sorgen, fürchtet eine allzu schnelle Abfertigung. Es werden dann auch in Eigenregie Angehörige oder sonstige Personen mobilisiert, um zu bestimmten Zeiten Hilfeleistungen erhalten zu können.

Die fehlenden Personalstellen für Pflegekräfte und anderer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährden aber nicht nur Patienten und pflegebedürftige Menschen, sondern führen zunehmend zu unerträglichen Arbeitsverdichtungen für die jetzigen Stelleninhaber und ruinieren deren Gesundheit.

Jeder fünfte Pflegende denkt folglich ans Aufhören – Dies ergibt sich aus einer Forsa-Umfrage aus 2007. – Das muss nachdenklich stimmen!

Der wichtigste Faktor in der Pflege sind die Pflegenden, denn Menschen können nur von Menschen gepflegt werden.

Wir brauchen daher keinen Stellenabbau, sondern eine Ausbildungs- und Beschäftigungsoffensive in allen Bereichen der Pflege – und nicht nur dort!

Wir müssen in dieser Gesellschaft mit den Pflegenden pfleglicher umgehen und ihnen gegenüber die verdiente uneingeschränkte öffentliche Anerkennung und Würdigung bekunden.

Ich jedenfalls will Ihnen in diesem Sinne gerne den Rücken stärken, besonders dann, wenn Sie durch unqualifizierte pflegekritische Äußerungen pauschal für systemische Fehlentwicklung verantwortlich gemacht werden.

Nicht die wirklichen Patientenbedürfnisse scheinen bisher im Mittelpunkt der politischen Betrachtungen zu stehen, sondern allein die Ökonomisierung des „Marktes Gesundheitswesen“. Man könnte folgern: „Monethik statt Ethik.“

Wir müssen uns im Übrigen klar machen:

Die demografische Entwicklung in Deutschland wird die altersmäßige Zusammensetzung der Gesellschaft grundlegend verändern und damit die Versorgungs- und Pflegeprobleme weiter dramatisch verschärfen:

Nach seriösen Schätzungen wird zum Beispiel die Zahl der pflegebedürftigen Menschen von heute über 2 Millionen bis zum Jahre 2050 auf über 5 Millionen ansteigen. Dabei werden die dementiell erkrankten Menschen stark vertreten sein. Deren Zahl wird sich bis etwa 2050 in Richtung 3 Millionen bewegen. Es versteht sich daher, dass diesem Krankheitsbild besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist, auch bei der jetzigen Ausbildung, Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften.

Die Situation pflegebedürftiger Menschen in der BRD am Beispiel Demenz hat bereits den 111. Deutschen Ärztetag 2008 in Ulm veranlasst, eine klare Positionsbeschreibung abzugeben:

Gefordert wurde vom Ärztetag u.a. eine Aufstockung der derzeitigen Personalbudgets um rund 30%. Damit geht die Ärzteschaft über meine eigene Forderung bezüglich einer Personalaufstockung, die bei rund 20% liegen, deutlich hinaus!

Was noch bedenkenswert ist:

Es werden künftig immer weniger Menschen ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Kinderlosigkeit und Single-Dasein führen dazu, dass in Zukunft auf jeden Pflegebedürftigen immer weniger Angehörige kommen werden.

Politik und Betroffene müssen sich daher darauf einstellen, dass die Pflege wesentlich stärker als bisher durch professionelle Pflegekräfte erfolgen wird. Entsprechende Folgerungen müssen alsbald gezogen werden. Eine Ausbildungsoffensive in der Pflege erscheint mir unausweichlich. Eine solche Offensive wäre, nebenbei gesagt, auch eine sinnvolle Maßnahme zur Verringerung der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Es würde das Wachstum im Dienstleistungssektor nachhaltig gestärkt.

Unser Pflegesystem hat, wie schon ausgeführt, erhebliche strukturelle Mängel, die bereits aktuell zahlreiche pflegebedürftige Menschen bzw. ihre Angehörige in personelle und finanzielle Not bringen.

Die steigende Zahl der schwerkranken Patienten bzw. pflegebedürftigen Menschen und die insoweit erforderlichen Finanzmittel erfordern daher eine Reform des bundesdeutschen Pflegesystems an „Haupt und Gliedern“.

Wahrscheinlich werden wir demnächst alle für die Gesundheit und Pflege mehr Geld bereithalten bzw. ausgeben müssen. Möglicherweise wird der Konsum zwangsläufig hinter den Vorsorgeanstrengungen zurücktreten müssen!

Insoweit sollten die Bürgerinnen und Bürger bald realitätsbezogene Aufklärung erhalten. Allen bereits jetzt erkennbaren Ansätzen, in Deutschland eine Art Billigpflege in Gang zu setzen, muss mit Entschiedenheit entgegen getreten werden.

Die allseits gewollte gute Pflege muss auch gut bezahlt werden! Daher kann es auch keine kostenneutralen Reformen in den Gesundheits- und Pflegesystemen geben.

Sollten sich die politisch Verantwortlichen weiter an einer wirklichen – den Pflegeberufen und Patienten gerecht werdenden - Reform vorbeidrücken, werden wir in eine Pflegekatastrophe hineinschliddern – pflegemäßig und finanziell!

Ich fordere nach all dem aus Sicht der Patientenselbsthilfe für den Krankenhausbereich eine schnellstmögliche deutliche Aufstockung der Personalstellen, vor allem für den pflegerischen Bereich. Dazu wird es u.a. erforderlich sein, die Krankenhausbudgetierung in der bisherigen Form aufzugeben.

Die Verantwortlichen müssen dabei sicherstellen, dass der nichtärztliche Personalanteil innerhalb des Budgets nicht beliebig als Spardose genutzt werden darf.

Es wird aber auch als sinnvoll erachtet, erneut die Schaffung von bundeseinheitlichen Personalbemessungssystemen vorzusehen, sowohl für den Krankenhaus- wie für den Heimbereich.

Die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern und sonstigen Pflegeeinrichtungen müssen deutlicher und auch lauter – zusammen mit Berufsverbänden und Gewerkschaften - ihre Vorstellungen über die notwendigen Veränderungen im Gesundheits- und Pflegesystem äußern. Es muss meines Erachtens ein Zustand beendet werden, bei dem die Pflege beim Gemeinsamen Bundesausschuss, dem sog. Gesetzgeber für das Gesundheitswesen, am „Katzentisch“ sitzt und folglich über keinen entscheidenden Einfluss verfügt. Ein wenig „Lokführermentalität“ würde der Pflege gut tun. - Ich werde dabei gerne im Rahmen verschiedener Aktivitäten unterstützend mitwirken!

So wird es zum Beispiel am 27.04.2010 in der Zeit von 18.00 – 20.00 Uhr in Neuss-Erfttal einen größeren Pflegetreff geben, bei dem der Pflegenotstand und damit zusammenhängende Fragestellungen eine Rolle spielen werden. Es geht um das Thema:

„Welche Pflege wollen wir (uns leisten)?“

Es soll also letztlich aus Patientensicht darum gehen herauszuarbeiten, welche Leistungen in den Pflegesystemen zur Verfügung stehen sollen oder müssen und welche Reformmaßnahmen geboten erscheinen.

Dabei soll auch deutlich auf die pflegerische Unterversorgung in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen hingewiesen und entsprechendes politisches Handeln eingefordert werden. Es ist beabsichtigt, in diesem Zusammenhang auch auf die Einführung von bundeseinheitlichen Personalbemessungssystemen zu drängen.

Um insoweit fundiert argumentieren zu können, wird beim Pflegetreff auch Herr Prof. Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung und zugleich Vorstandsmitglied an der Katholischen Fachhochschule Köln anwesend sein und unsere Forderungen mit aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen untermauern.

Für die Pflegeverbandsseite wird Frau Gertrud Stöcker, Vorstandsmitglied des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe, in Neuss anwesend sein.

Bei Pflegetreff werden auch Vertreter aus dem Deutschen Bundestag erwartet, so dass diesen Parlamentariern vor Augen geführt werden kann, was wir, die Patienten bzw. Vertreter von pflegebedürftigen Menschen, wollen und wie es um die Personalnot in Krankenhäusern und Heimen bestellt ist.

Zugesagt haben bis jetzt Frau Elisabeth Scharfenberg, MdB / Bündnis90/DieGrünen, und Frau Hilde Mattheis, MdB / SPD. Die beiden Damen sind jeweils pflegepolitische Sprecherinnen ihrer Fraktion.

Das „dip“ hat am 31.08.2009 eine Befragung zur Situation in der Krankenhauspflege gestartet. Befragt werden bundesweit Pflegekräfte in Krankenhäusern (bettenführender Bereich und Intensivstationen). Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Fragen zur personellen Ausstattung, zu den beruflichen Entwicklungschancen und zur Patientensicherheit.

Da Herr Prof. Isfort als Leiter der neuen Befragungsaktion zum Pflegetreff nach Neuss kommen wird, können wir voraussichtlich die ersten Ergebnisse zur Befragung präsentieren.

Um die Veranstaltung auch wirkungsvoll durchführen zu können, wäre die Anwesenheit möglichst vieler Pflegekräfte wichtig. Wir verstehen die Veranstaltung nämlich auch als Demonstration für eine klar verbesserte pflegerische Versorgung auf der Basis einer guten pflegerischen Personalausstattung.

Wenn Sie dabei mithelfen wollen, sind Sie herzlich zum Pflegetreff eingeladen. Eintrittsgebühren gibt es nicht, auch keine Anmeldeerfordernisse. Geben Sie die Botschaft vom Pflegetreff an Interessierte weiter. Sie helfen damit dem Anliegen „Behebung der Pflegenot“ und unterstützen uns, den Treff zu einer gelungenen Demonstration werden zu lassen.

Wir machen das übrigens alles ehrenamtlich. Sämtliche Referenten kommen ohne Honorar und ohne sonstige Kostenerstattungen.

Zum Pflegetreff können Sie sich im Internet stets aktuell über den Stand der Vorbereitungen informieren:
Quelle: viewtopic.php?t=12279

Soweit meine Ausführungen.


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Auszubildende in Pflegeberufen leiden unter Zeitdruck - dpa Bildfunk

Die Sondierer haben entgegen ihren Behauptungen anscheinend in Sachen Pflege nichts verstanden. Daher passt die nachfolgende Medizinerbemerkung::

"Nicht jeder, der tat was er konnte, konnte auch, was er tat."
Gerhard Uhlenbruck, Mediziner
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Wieviel Personal ist für eine gute Pflege erforderlich?

Beitrag von WernerSchell » 16.01.2018, 15:00

Grüne wollen mehr Personal für Altenpflege und Krankenhäuser

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Sofortprogramme für mehr Personal in der Altenpflege und in Krankenhäusern fordern die Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Dazu legen die Abgeordneten am Donnerstag, 18. Januar 2018, je einen Antrag für den Bereich der Altenpflege und den Bereich des Pflegepersonals im Krankenhaus vor, die erstmals im Plenum beraten werden sollen. Im Anschluss an die dreiviertelstündige Debatte sollen beide Vorlagen zur weiteren Beratung an den Gesundheitsausschuss überwiesen werden. (eis/11.01.2018)

Quelle: https://www.bundestag.de/dokumente/text ... nal/537020
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Wieviel Personal ist für eine gute Pflege erforderlich?

Beitrag von WernerSchell » 17.01.2018, 07:34

Die Pflege fühlt sich im Stich gelassen - So die Ergebnisse des CARE Klima-Index 2017 - Kein Wunder, dass die Deutschen überlastetes Pflegepersonal in den Heimen fürchten! - Die professionelle Pflege fordert daher zu Recht glaubwürdige politische Zusagen - JETZT!
viewtopic.php?f=3&t=22465
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Wieviel Personal ist für eine gute Pflege erforderlich?

Beitrag von WernerSchell » 21.01.2018, 07:10

Bundestagssitzung am 19.01.2018 TOP 14 - Personalerhöhung in Alten- und Krankenpflege. - Die Reformvorschläge von Union und SPD sind völlig unzureichend. Bündnis90/Die Grünen präsentieren zwar höhere Stellenschlüssel und nennen Milliardenbeträge zur Finanzierung, aber auch das ist als Sanierungsrahmen für die Auflösung des Pflegenotstandes nicht auskömmlich. -
Debattenbeiträge >> http://www.bundestag.de/mediathek?video ... =mediathek
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Pflegenotstand: Auflösung muss oberste Priorität haben

Beitrag von WernerSchell » 04.02.2018, 07:51

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Der Pflegenotstand, zu wenig Pflegepersonal für immer mehr Patienten und pflegebedürftige Menschen, ist menschenunwürdig und zugleich lebensgefährlich! - Die Koalitionäre müssen ihre Vorstellungen um ein Vielfaches nachbessern. 8.000 neue Pflegekräfte lösen null Probleme. Es müssen eher 50.000 bis 80.000 (und mehr) sein! Den deutlich ausgeweiteten Stellenschlüsseln müssen umfassende Qualifizierungsmaßnahmen folgen. Die Tarifvertragsparteien sind im Übrigen wg. höherer Vergütungen gefordert. "Geflüchtete" Pflegekräfte können so für eine Rückkehr ins Pflegesystem gewonnen werden.
Zu all dem passt die Aussage: >>>> "Man sollte an allen Fronten für Klärung sorgen, und zwar sofort und ohne jede Verzögerung." ….
>>> viewtopic.php?f=4&t=22459&p=102116#p102116
>>> viewtopic.php?f=3&t=22474&p=102124#p102124
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Personalbemessung – auch im OP ein drängendes Thema

Beitrag von WernerSchell » 18.04.2018, 08:27

Personalbemessung – auch im OP ein drängendes Thema

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) weist anlässlich der morgen in Berlin beginnenden ‚DBfK-Fortbildungstage für Pflegeberufe im Operationsdienst‘ auf die in vielen OP-Bereichen der Krankenhäuser herrschende Personalknappheit hin. „Personalmangel mit gravierenden Auswirkungen für Patienten und die Gesundheit der Beschäftigten – das ist nicht nur ein Thema auf den bettenführenden Stationen, sondern auch in Operationssälen und weiteren Funktionsbereichen der Kliniken. Es muss dringend angegangen werden“, fordert DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel. „Die Tätigkeit im Operationssaal ist harte körperliche Arbeit, verbunden mit hoher Anspannung und Konzentration. Zeitdruck, enge Taktung der Wechsel und immer weiter steigende Leistungsanforderungen gehören seit Jahren zum Alltag in der OP-Pflege. Gerade der OP-Bereich ist in den Kliniken maximal durchökonomisiert und soll viel Geld erwirtschaften. Leider wird die Personalbemessung diesem Anspruch und den umfangreichen OP-Plänen häufig keineswegs angepasst. Viele Überstunden, hoher Arbeitsanfall während der Bereitschaftsdienstzeiten und unzuverlässige Dienstpläne führen zu dauerhafter Überlastung, hohen Krankenständen und Motivationsverlusten bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Kommen dann noch Organisationsmängel und Defizite in der Unternehmenskultur hinzu, verliert der Arbeitsplatz OP enorm an Anziehungskraft – gerade bei dem dringend benötigten beruflichen Nachwuchs. Kein Krankenhaus kann sich das dauerhaft leisten.“

Der DBfK fordert deshalb von Krankenhausleitungen:

• Sorgen Sie für eine quantitativ wie qualitativ gute Personalbemessung in den Funktionsbereichen, insbesondere in OP und Anästhesie.
• Stellen Sie Organisationsmängel ab, die zu unnötigen Wartezeiten, schlecht organisierten Abläufen, mangelhaften Absprachen, vorauszusehenden Verzögerungen und Reibungsverlusten führen. Dies ist häufig eine Frage von Disziplin aller Beteiligten, die auch konsequent eingefordert werden darf und muss.
• Gewährleisten Sie sichere Schnittstellen und Übergänge der Versorgung, innerhalb der Klinik wie auch von und nach extern. Gerade an solchen Stellen sind das Patientenrisiko und das Risiko eines Versorgungsbruches und kommunikativer Missverständnisse besonders groß.
• Schaffen und fördern Sie eine gute und wertschätzend gelebte Unternehmenskultur in allen Bereichen des Krankenhauses. Das beinhaltet den respektvollen Umgang aller Beschäftigten und Berufsgruppen untereinander, Zusammenarbeit auf Augenhöhe sowie eine sinnvolle und sichere interne Kommunikation.
• Gehen Sie aktiv auf Pflegeschülerinnen und –schüler zu, laden sie zu praktischen Ausbildungseinsätzen in einem Funktionsbereich ein und sichern Sie damit Ihren beruflichen Nachwuchs für diese so wichtigen Arbeitsfelder.

Wie groß inzwischen die Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz OP bei vielen Beschäftigten ist, hat das kürzlich veröffentlichte OP-Barometer 2017 ergeben. Im Vergleich zur vorherigen Befragung (2015) zeigt sich, dass die Probleme zunehmen und die Fluktuation ansteigt. Aus den Antworten geht allerdings auch hervor: Es gibt durchaus Krankenhäuser, die in Bezug auf Patienten- und Mitarbeiterorientierung sowie Organisation und Strukturen gute Ergebnisse zeigen und ihre Hausaufgaben gemacht haben. Der zunehmende Fachkräftemangel wird auch hier mittelfristig die Spreu vom Weizen trennen und schlecht aufgestellte Kliniken in Schwierigkeiten bringen.

Am morgigen Donnerstag, 19. April, beginnen im CityCube Berlin wieder die traditionellen DBfK-Fortbildungstage für Pflegeberufe im Operationsdienst. Ebenso wie der parallel stattfindende Chirurgenkongress stehen sie unter dem zentralen Motto: Tradition – Innovation – Globalisierung. Vor diesem Hintergrund wird nichtärztlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in OP- und weiteren Funktionsbereichen der Krankenhäuser ein breites Spektrum an Themen und Workshops angeboten.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 18.04.2018
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
www.dbfk.de | Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77 | Umsatzsteuer Id.Nr. DE 114235140
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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