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Personalbedarf Pflege - Buchtipp

Verfasst: 25.05.2018, 05:54
von WernerSchell
Buchtipp - sehr empfehlenswerte Veröffentlichung!

Pia Wieteck und Sebastian Kraus

Personalbedarf Pflege
Sektorenübergreifende Analyse der Pflegepersonalsituation und ihrer
Bemessungsgrundlagen mit Handlungsempfehlungen


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Thieme - Recom, 1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-89752-132-2
Format: 17 x 24 cm
Seitenzahl: 500
68,00 € inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

"Personalbedarf Pflege"
Die Personalsituation in den Sektoren der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung – Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege – ist Gegenstand vielfältiger Diskussionen. Dieses Buch reflektiert die sich zuspitzenden Herausforderungen der Pflege und ermöglicht einen Einblick in den Stand internationaler Grundlagen und Konzepte zur Bemessung von Pflegepersonalstellen insbesondere im Krankenhaus basierend auf systematischen Literaturanalysen.
Mögliche Lösungswege und Handlungsempfehlungen werden dargelegt und diskutiert, um künftig eine adäquate, an den Bedarfen und Bedürfnissen der zu pflegenden Menschen orientierte pflegepersonelle Ausstattung sicherzustellen. Diese zielen darauf ab, langfristig eine an pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Pflege zum Wohle und zur Sicherheit der Pflegeempfänger realisieren zu können. Zudem soll der wertschöpfende Faktor der Pflege im Versorgungsgeschehen transparent und erlöswirksam zur Geltung kommen. - Dieses Buch richtet sich an Pflegemanager, Pflegekräfte in Leitungspositionen, Pflegewissenschaftler und diskutiert Pflege im Rahmen der Gesundheitspolitik.


Quelle und weitere Informationen:
https://www.buecher.de/shop/krankenpfle ... /45116760/
https://www.amazon.de/Personalbedarf-Pf ... 3897521326

Auszug aus dem Vorwort:
"Die Personalbesetzung in der deutschen Krankenhauspflege ist – wie bereits mehrfach in der Presse publiziert – weiterhin kritisch, das grenzwertig niedrige Niveau der Anzahl an Pflegepersonen führt in Konsequenz dazu, dass notwendige Pflegemaßnahmen nicht durchgeführt werden können (Isfort, Weidner, & Gehlen, 2012; Isfort et al., 2010; Thomas et al., 2014). Wie internationale Studien belegen, existiert ein eindeutiger Zusammenhang zwischen einer hohen Patienten-Pflegepersonal-Relation und einer Mortalitätsrate, die bei einer schlechten Pflegepersonalbesetzung steigt, sowie einer sinkenden pflegerischen Versorgungsqualität (Aiken et al., 2012). Die Arbeitsbelastung der Pflegepersonen hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiter erhöht. So hat sich die Arbeitsbelastungskennziffer, die vom Sachverständigenrat in Deutschland genutzt wird (Fallzahl pro Pflegekraft pro Jahr), bei den Pflegeberufen nicht verbessert. ..."

Die Veröffentlichung benennt die unzureichenden Stellensituationen mit Quellenangaben und verdeutlicht den Handlungsbedarf - einige Zitate:
"Pflegepersonal wird primär als Kostenfaktor gesehen und vor diesem Hintergrund soweit als möglich abgebaut. Andere Berufsgruppen, insbesondere der ärztliche Dienst, werden dagegen als Erlöstreiber betrachtet. ... Zahlreiche Autoren weisen seit Jahren auf die angespannte Pflegepersonalsituation in deutschen Krankenhäusern hin (Isfort, 2010; Isfort & Weidner, 2007; Sachverständigenrat zur Begutachtung und Entwicklung im Gesundheitswesen, 2007: Simon, 2009). ... Der kontinuierliche Stellenabbau der Pflegepersonalstellen dauerte bis 2007 an. Seitdem werden zwar wieder Pflegepersonalstellen in deutschen Krankenhäusern aufgebaut, allerdings führt dieser Aufbau vor dem Hintergrund der Fallzahlenentwicklung und der Arbeitsverdichtung durch die immer kürzeren Fallliegezeiten zu keiner wirklichen Entlastung der angespannten Arbeitsbelastung der Pflegepersonen. ..." (Seite 23ff.).
"... Valide nationale oder internationale Verfahren zur Pflegepersonalbemessung für die stationäre Landzeitpflege liegen nicht vor und es existieren auch keine Nachweise, dass die bisher angewendeten Pflegepersonalschlüssel ausreichend und adäquat sind, um eine angemessene bedarfs- und bedürfnisgerechte pflegerische Versorgung zu gewährleisten. Ebenso ist unklar, wie die von Bundesland zu Bundesland bestehenden Unterschiede der Personalverhältniszahlen im Detail zu erklären sind. ... Grund zur Annahme, dass die personelle Ausstattung zur Erfüllung der pflegerischen Anforderungen in den stationären Altenpflegeeinrichtungen derzeit nicht ausreicht, geben einige Studien und Erfahrungsberichte von Angehörigen. ... Medien berichten seit Jahren über die kritischen Verhältnisse in der Altenpflege in Deutschland . ..." (Seite 39ff.).
"Es ist abzusehen, dass sich die bereits gegenwärtige angespannte Versorgungslage insbesondere im akutstationären Versorgungsbereich weiter zuspitzen wird, insofern nicht tragfähige und wegweisende Strategie- und Taktikänderungen in der Pflegepolitik eingeschlagen werden. Die aktuelle Zahl von Pflegepersonen in Deutschlands Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen ist nicht ausreichend, um eine angemessene, bedarfs- und bedürfnisgerecht pflegerische Versorgung auf einem wissenschaftlich anerkannten Niveau zu realisieren. Es gibt zahlreiche Belege für die tagtägliche implizite Rationierung pflegerischer Leistungen einerseits und Versorgungsdefizite in deutschen Kliniken sowie der Altenpflege andererseits ..." (Seite 450).


Kurzstatement:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk macht seit vielen Jahren auf die unzureichenden Stellensituationen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen aufmerksam. In mehreren Pflegetreffs wurde u.a. vom pflegewissenschaftlichen Experten Prof M. Isfort immer wieder auf die gebotenen Folgerungen - die Gestaltung von Personalbemessungssystemen - aufmerksam gemacht. Ungeachtet der fundierten Hinweise zu den notstandsähnlichen Versorgungs- und Pflegesituationen hat die Politik nicht wirklich hilfreich reagiert. Jetzt sollen erst einmal Expertenkommissionen über die Themen und eventuelle Folgerungen beraten. Eine Auflösung des Pflegenotstandes ist daher nicht wirklich in Sicht. Die o.a. Veröffentlichung bringt alles noch einmal auf den Punkt und gibt Handlungsempfehlungen. - Werner Schell


Es gibt mittlerweile mehrere bei Youtube anschaubare Filme, die entsprechend informieren:
> viewtopic.php?f=6&t=21070

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Die Statements von Werner Schell beim Neusser Pflegetreff am 21.10.2015 wurden in
Anwesenheit des Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe vorgetragen.
Der Filmbeitrag (7.30 Minuten) ist anschaubar unter
:
> https://youtu.be/qbyHRxX9ikk
Die wesentlichen Aussagen:
- Mehr Pflegepersonal - jetzt und nicht später!
- Mehr Zeit für Zuwendung und Pflege ermöglichen.
- Der im PSG II vorgesehene § 113c SGB XI, der ein Personalbemessungssystem anspricht, reicht nicht!
- Mängel müssen abgestellt werden, auch im Hinblick auf den Einsatz der Betreuungskräfte nach § 87b SGB XI.


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Siehe auch aktuell >
Pflegenotstand bleibt trotz Pflegereform bestehen -
Neusser Pflegetreff am 26.10.2016 verdeutlichte die Probleme

viewtopic.php?f=4&t=21846

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Am 23.04.2017 bei Facebook gepostet:
Die Altenpflege geht auf dem Zahnfleisch ...
viewtopic.php?f=3&t=22096

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Es muss vorrangig darum gehen, die Pflege-Rahmenbedingungen zu verbessern - dringend. Dazu gehört zunächst ein Personalbemessungssystem, dass eine auskömmliche Stellenausstattung, Tag und Nacht, und nicht nur in Forum einer Mindestbesetzung regelt. Die geplanten 8.000 Stellen sind völlig unzureichend. Aber vielleicht wurde ja nur eine 0 vergessen? Dann müssen die Tarifvertragsparteien animiert werden, deutlich höhere Vergütungen zu vereinbaren. Dazu sollte es ergänzende Regelungen geben, die eine Abrechnung dieser Vergütungen unstreitig gewährleistet, und zwar in allen Einrichtungen. Erst wenn in dieser Form "Zeichen" gesetzt worden sind, werden "geflüchtete" Pflegekräfte zurück kommen und neue gewonnen werden können. - In einem Klartext vom 19.02.2018 hat Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk ausgeführt, was zu tun ist! Pflegekräfte in den Nachbarländern anzuwerben, wird übrigens erfolglos bleiben. Deutsche Pflegekräfte flüchten z.Zt. eher dorthin, weil die Pflege-Rahmenbedingungen in anderen Ländern offensichtlich deutlich besser sind. - Näheres nachlesbar unter > viewtopic.php?f=4&t=22517