Gewalt gegen Rettungs- und Pflegekräfte / Prävention ...

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

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Gewalt gegen Rettungs- und Pflegekräfte / Prävention ...

Beitrag von Presse » 20.12.2012, 11:43

Gewalt gegen Rettungs- und Pflegekräfte / Prävention kann Risiko eines Übergriffs verringern

Berlin (ots) - Die Zahl von Bedrohungen und Übergriffen gegenüber Rettungs- und Pflegekräften ist seit Jahren konstant hoch. Das geht aus einer statistischen Auswertung der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hervor. Allein im Jahr 2011 gab es 602 meldepflichtige Arbeitsunfälle durch "Gewalt, Angriff oder Bedrohung durch betriebsfremde Personen".

Gewalt am Arbeitsplatz tritt vorwiegend in Form von Bedrohungen, Belästigungen und Beleidigungen auf, aber auch tätliche Angriffe auf Beschäftigte kommen vor. Betroffen sind vor allem Berufe mit direktem Kundenkontakt wie Verkäufer, Krankenpfleger, Schaffner, Bus- oder Taxifahrer, aber auch Sicherheits- und Wachleute: Das Risiko einem gewaltsamen Übergriff ausgesetzt zu sein, ist in diesen Berufen besonders hoch.

Die Folgen von gewalttätigen Übergriffen seien nicht zu unterschätzen, sagte Prof. Dr. Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG): "Neben körperlichen Verletzungen leiden Betroffene häufig an massiven psychischen Beeinträchtigungen und verlieren ihr Vertrauen in die soziale Umwelt. Darüber hinaus führen die krankheitsbedingten Fehlzeiten zu erheblichen betriebs- und volkswirtschaftlichen Einbußen."

Um die Wahrscheinlichkeit eines gewaltsamen Übergriffs zu verringern, kommen verschiedene Arbeitsschutzmaßnahmen in Betracht.
Im Arbeitsumfeld helfen bauliche Maßnahmen, zum Beispiel Schutzwände, Sicherheitsglas oder Notausgänge. Es sollte gut erreichbare Fluchtwege geben, hilfreich kann es auch sein, die unmittelbare Zugänglichkeit zum Arbeitsplatz einzuschränken. Durch Zugangskontrollen kann vermieden werden, dass Waffen oder andere gefährliche Gegenstände mitgeführt werden. Notrufsysteme wie ein sogenannter "Panikknopf" sollen einerseits den Sicherheitsdienst oder die Polizei alarmieren, andererseits helfen sie anderen Mitarbeitern, die Gefahr zu erkennen, Hilfe zu holen und sich in Sicherheit zu begeben.

Für Rettungskräfte wie Notärzte oder die freiwillige Feuerwehr sind solche Maßnahmen natürlich im Einsatz keine Lösung. Allerdings könnten schon einfache Maßnahmen in der Arbeitsorganisation die tägliche Arbeit sicherer machen, so Windemuth: "Das Personal sollte umfassend informiert und qualifiziert sein, um in Krisensituationen richtig zu reagieren. So sollten potenziell gefährdete Arbeitnehmer regelmäßig in Sicherheitsfragen beraten werden und in Deeskalationsseminaren die Bewältigung schwieriger und bedrohlicher Situationen mit Kunden üben." Ähnliches gilt für die Pflege, wie Andreas Boldt von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) erklärt: "Gewalt und Aggression in Pflegekontexten entwickelt sich in der Regel aus der Interaktion von Pflegekraft und Betreuten. Wichtig ist deshalb eine regelmäßige innerbetriebliche Auseinandersetzung mit ihren Erscheinungsformen und Ursachen sowie mit möglichen Präventions- und Notfallmaßnahmen."

Weitere Informationen

- Thema "Gewalt und Mobbing in der Arbeitswelt":
http://www.dguv.de/inhalt/praevention/t ... /index.jsp

- Thema Gewalt und Aggression in Pflege- und Betreuungsberufen:
http://www.bgw-online.de , Suchstichwort: Gewalt

Quelle: Pressemitteilung vom 20.12.2012 Pressekontakt:
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) Pressestelle Stefan Boltz
Tel.: 030 288763768
Fax: 030 288763771
E-Mail: presse@dguv.de

Siehe auch in diesem Forum unter
viewtopic.php?t=12189

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"Gewalt in der Notaufnahme" - Rechtsrat

Beitrag von WernerSchell » 04.05.2014, 07:15

Die Zeitschrft "Die Schwester / Der Pfleger" berichtet in ihrer Ausgabe von Mai 2014 u.a. über folgendes Thema:
"Gewalt in der Notaufnahme" - Rechtsrat von Prof. Hans Böhme.
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Notaufnahme: Kliniken reagieren auf Gewalt ...

Beitrag von WernerSchell » 21.10.2016, 17:43

Türsteher vor der Notaufnahme: Kliniken reagieren auf Gewalt gegen ihre Mitarbeiter

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fzm, Stuttgart, Oktober 2016 – Verbale und körperliche Angriffe auf Ärzte und Pflegepersonal in Deutschlands Kliniken nehmen zu. Allein im Klinikverbund Nürnberger Land melden Mitarbeiter monatlich zwischen 30 und 40 Vorfälle, die mit Beleidigungen und körperlichen Übergriffen einhergehen. In der Fachzeitschrift „kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016) berichten Klinikverantwortliche, wo sie die Gründe sehen und mit welchen Maßnahmen sie der wachsenden Gewalt begegnen.

Günter Niklewski ist Ärztlicher Direktor am Klinikum Nürnberg und beobachtet die zunehmende Gewalt sehr genau. Die steigenden Patientenzahlen – gerade in den Notaufnahmen – sind für ihn ein Teil des Problems. Die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) verzeichnet hier seit 2005 jährlich einen Zuwachs um vier bis acht Prozent. Die Wartezeiten sind deshalb häufig sehr lang, das birgt Konfliktpotenzial: „Zu warten, scheinbar nicht beachtet zu werden und anderen schwerkranke Patienten leiden zu sehen – das schürt Angst und macht manchen aggressiv“, erklärt er gegenüber der „kma“.

Florian Demetz, der die Notfallaufnahme am Klinikum Ingolstadt leitet, bemerkt zudem, dass immer mehr Patienten das Krankenhaus mit dem Anspruch betreten, sofort behandelt zu werden. Da das nicht gewährleistet werden kann, kommt es zu Konflikten mit dem Personal. Andere Verantwortliche sprechen über „Gewaltexzesse“, die sie mit dem Konsum von synthetischen Rauschmitteln, wie Crystal Meth, in Zusammenhang bringen. Zudem scheint insgesamt die Hemmschwelle gegenüber Personen „mit ordnender Funktion“ zu sinken, wie Kirsten Gaede in ihrem Beitrag schreibt. So klagen zum Beispiel auch immer mehr Beschäftigte der Polizei, des Rettungsdienstes und auch der Deutschen Bahn über körperliche Übergriffe.

Krankenhäuser reagieren unterschiedlich auf die Vorfälle. Während einige Einrichtungen einen Wachschutz engagieren und dafür tief in die Tasche greifen, setzen andere auf Deeskalationstraining für ihre Mitarbeiter. Ein bis zweimal im Jahr finden Veranstaltungen statt, in denen sie auf unangenehme Situationen vorbereitet werden und lernen, darauf besonnen zu reagieren. Die Anwesenheit ist Pflicht. Andere Häuser statten ihre Mitarbeiter mit Geräten aus, mit denen sie einen Notruf absetzen können, um Kollegen oder Sicherheitskräfte zur Hilfe zu rufen. Zudem etablieren manche Kliniken ein Meldesystem für das Klinikpersonal. Hier werden Art und Zusammenhang der Übergriffe aufgenommen. Das hilft der Geschäftsführung dabei, die Lage in ihrem Haus einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. In manchen Fällen bestärkt die Klinikleitung das Personal auch darin, Anzeige zu erstatten, und bietet den Betroffenen Rechtshilfe an.

Wie und in welchem Umfang Kliniken Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, obliegt der Leitung. Fest steht, dass kaum jemand das Thema noch ignorieren kann, konstatiert Kirsten Gaede in der „kma“. Vielen mangele es jedoch an einer systematischen Gefährdungsbeurteilung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen, wie Heike Schambortski von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) beklagt. Eine solche diene nicht nur der Sicherheit der Mitarbeiter, sondern sei auch für die rechtliche Absicherung Geschäftsführung notwendig. So überprüfe die Staatsanwaltschaft bei schweren Vorfällen durchaus auch, ob eine geeignete Gefährdungsbeurteilung vorliegt.

K. Gaede:
Mitarbeitersicherheit: Was tun?
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2016; 21 (10); S.30–35

K. Gaede:
Sicherheitskonzept: Kliniken sind keine Flughäfen…
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 2016; 21 (10); S.32–35

Quelle: Pressemitteilung vom 21.10.2016
Thieme Kommunikation
in der Thieme Verlagsgruppe

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Gewalt und Misshandlung gegen ältere Menschen

Beitrag von WernerSchell » 01.11.2016, 08:02

Am 01.11.2016 bei Facebook gepostet:
Gewalt und Misshandlung gegen ältere Menschen in der häuslichen Pflege ist kein Einzelfall. Besserer Schutz älterer Menschen ist ein Thema, das aus vielfältiger Sicht relevant ist. Mehrere Beiträge eines interdisziplinären Werkstattgespräches informieren (Info des MBJV vom 20.10.2016). > viewtopic.php?f=4&t=20758&p=94710#p94710 In einer Buchveröffentlichung "100 Fragen zum Umgang mit Mängeln in Pflegeeinrichtungen" habe ich bereits (2011) ausgeführt, dass die häusliche Gewalt ausgeprägter ist als die Gewalt, die meistens allein den stationären Pflegeeinrichtungen zugeschrieben wird. Leider wurden die diesbezüglichen Hinweise von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk vielfach ausgeblendet. > viewtopic.php?t=15822 - Werner Schell
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Gewalt in der Notaufnahme: Wenn Patienten pöbeln ...

Beitrag von WernerSchell » 07.11.2016, 07:14

Ärzte Zeitung vom 07.11.2016:
Gewalt in der Notaufnahme: Wenn Patienten pöbeln und prügeln
Sie beschimpfen, bespucken und schlagen jene, die ihnen helfen wollen: Immer häufiger eskaliert die Gewalt in deutschen Notaufnahmen.
Großstadt-Kliniken zeichnen ein düsteres Bild. mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=922 ... ama&n=5358
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Notaufnahmen: BÄK fordert mehr Sicherheitspersonal

Beitrag von WernerSchell » 07.11.2016, 13:05

Ärzte Zeitung vom 07.11.2016:
Notaufnahmen: BÄK fordert mehr Sicherheitspersonal
Um Übergriffe in Notaufnahmen einzudämmen, setzt BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery auf Portalpraxen.
Diese könnten die "absolute Überlastung" und damit die Ursache für Pöbeleien entschärfen.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=923 ... tik&n=5360
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Gewalt gegen Beschäftigte in Betreuungsberufen

Beitrag von WernerSchell » 12.03.2017, 07:54

Gewalt gegen Beschäftigte in Betreuungsberufen

(Quelle: BGW) Nach einem Beinbruch im Dienst ist die Hilfe für Beschäftigte selbstverständlich. Warum sieht das oft anders aus, wenn Beschäftigte mit Gewalt durch betreute Personen konfrontiert werden? Das fragten sich die rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 3. Symposiums „Gewalt und Aggression am Arbeitsplatz“ der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Sie erörterten, wie Beschäftigte besser geschützt und unterstützt werden können. Dazu dürfe vor allem nicht länger eine hohe Leidensbereitschaft in sozialen Berufen vorausgesetzt werden, bekräftigten die Beteiligten aus Pflege, Medizin, Beratung, Betreuung sowie Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.
Auf dem Symposium wurde herausgestellt, worauf es ankommt: kritische Situationen und Übergriffe auch als strukturelle Herausforderung für die Einrichtungen zu sehen anstatt nur als individuelles Problem von Beschäftigten. BGW-Psychologin Sabine Gregersen verdeutlichte das am Beispiel von Führungskräften: „Ihre Haltung beeinflusst maßgeblich, ob ein offenes, vertrauensvolles Klima entsteht, das es erlaubt, Vorfälle systematisch zu bearbeiten und zu vermeiden.“ Sie erklärte weiter: „Wer sagt, Beschäftigte müssten generell mit herausforderndem Verhalten umgehen können, reduziert Vorfälle auf die Frage professioneller Kompetenz. Das führt zu einseitigen Schuldzuweisungen und bagatellisiert Gewaltsituationen.“ Da Studien zudem belegen, dass Führungskräfte mit ihrer Haltung die Gesundheit der Beschäftigten beeinflussen, sei es umso wichtiger, dass Vorgesetzte Rückendeckung böten – und zwar je nach individuellem Bedarf der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters.
Gregersen erläuterte, dass im Vorfeld genauso wie in Akutsituationen und nach Übergriffen ein aktives, einfühlsames Vorgehen von Führungskräften gefragt sei. Rollenklarheit und Vorhersehbarkeit seien dabei wichtige Faktoren: „Welche Erwartungen werden an die Beschäftigten gestellt? Was ist in welcher Situation zu tun? Welche Haltung zu Gewalt und Aggression nehmen Leitung und Führungskräfte ein? Welche Hilfe wird Betroffenen geboten?“ Solche Fragen sollten eindeutig beantwortet werden, so Gregersen.
Klarheit zu schaffen, wie die Einrichtung insgesamt zum Thema Umgang mit Gewalt steht, kristallisierte sich in Diskussionen als wesentlicher Erfolgsfaktor für den Schutz der Beschäftigten heraus. Die Klammer dafür bilde die Präventionskultur im Unternehmen, betonte Dr. Heike Schambortski. Die Leiterin der BGW-Präventionskoordination sagte dazu: „Es geht darum, auf allen Ebenen deutlich zu machen ‚Bei uns geht die Sicherheit vor. Gewalt gegen Beschäftigte dulden wir nicht.‘“ Der Weg dorthin sei Schritt für Schritt zu gehen – von einer sorgfältigen Risikoanalyse über eine Null-Toleranz-Politik und die Verankerung von Notfallplänen bis hin zur gelebten Fehlerkultur, bei der jeder Vorfall untersucht wird. „Um die Gewaltspirale wirklich zu durchbrechen, müssen unbedingt die Beschäftigten einbezogen werden“, unterstrich Schambortski.
Wie Einrichtungen vorgehen und Führungskräfte sowie Beschäftigte „fit“ gemacht werden können, zeigt ein neuer Ratgeber der BGW: Die Broschüre „Gewalt und Aggression gegen Beschäftigte in Betreuungsberufen“ wurde auf dem Symposium vorgestellt. Sie bietet unter anderem Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung und erläutert anhand vieler Beispiele, welche betrieblichen Maßnahmen ergriffen werden können. Eingegangen wird auch auf die Unterstützungsangebote der BGW sowohl für die Einrichtungen als auch für betroffene Beschäftigte. Die Broschüre kann unter www.bgw-online.de, Suchbegriff „TP-PUGA“ bestellt werden. Weitere Informationen zum Thema bietet darüber hinaus eine umfangreiche Rubrik auf der Website der BGW: www.bgw-online.de/gewalt.

Quelle: Mitteilung vom 12.03.2017
Verband Kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rheinland-Westfalen-Lippe
Beratgerstraße 36
44149 Dortmund
Tel.: 0231/ 579743
Fax: 0231/ 579754
E-Mail: info@vkm-rwl.de
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Mehr Schutz für Polizisten und Retter

Beitrag von WernerSchell » 20.03.2017, 16:43

Mehr Schutz für Polizisten und Retter
Recht und Verbraucherschutz/Gesetzentwurf

Berlin: (hib/PST) Durch schärfere Strafen sollen Polizisten sowie Rettungskräfte wie Sanitäter und Feuerwehrleute besser vor tätlichen Angriffen geschützt werden. Das sieht ein Gesetzentwurf (18/11547 http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/115/1811547.pdf ) der Bundesregierung vor, der jetzt im Bundestag eingebracht wurde. Kern ist die Einfügung eines neuen Straftatbestands im Strafgesetzbuch mit verschärftem Strafrahmen gegenüber der bestehenden Regelung. Ein wortgleicher Gesetzentwurf (18/11161 http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/111/1811161.pdf ) ist zur Verfahrensbeschleunigung bereits von den Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD eingebracht und am 17. Februar in erster Lesung beraten worden. Der Regierungsentwurf war unterdessen zunächst an den Bundesrat gegangen, der ihn am 10. März beraten und keine Einwendungen erhoben hat.

Quelle: Mitteilung vom 20.03.2017
Deutscher Bundestag
Parlamentsnachrichten, PuK 2
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Tel.: +49 30 227-35642, Fax +49 30 227-36001
E-Mail: vorzimmer.puk2@bundestag.de
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Zunehmende Gewalt - Man darf besorgt sein!

Beitrag von WernerSchell » 25.03.2017, 08:20

Zunehmende Gewalt - Man darf besorgt sein!

Dass es Pflegemängel und Gewalt gibt, ist sattsam bekannt und beschrieben. Wer sich mit den vielfach beklagten unzureichenden Pflege-Rahmenbedingungen befasst, kennt eine wesentliche Ursache für die Situation. Siehe dazu u.a. das hiesige Statement zur Auflösung des Pflegenotstandes > http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... se2014.pdf
Die häusliche Gewalt im Zusammenhang mit Pflegesituationen darf dabei nicht übersehen werden. Belastungssituationen sind insoweit ein wesentlicher Grund. > viewtopic.php?f=4&t=20758
Unabhängig davon ist Gewalt ein Phänomen der gesamten Gesellschaft. Sogar das Rettungspersonal, Feuerwehrkräfte, Pflegekräfte und Polizisten sind zunehmend tätlichen Angriffen ausgesetzt.
Offensichtlich trägt übermäßiger Medienkonsum auch dazu bei, dass Aggressivität und Gewalt schon in Kindergärten und Schulen Einzug hält (siehe > viewtopic.php?f=6&t=8901&p=95239#p95239 ).


+++
In der Buchveröffentlichung
Schell, Werner:
"100 Fragen zum Umgang mit Mängeln in Pflegeeinrichtungen"
> viewtopic.php?t=15822 (siehe auch Pflegemängel – schnelle Hilfe für den Notfall -> viewtopic.php?t=15828 )
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wurde bereits ausgeführt, dass die häusliche Gewalt ausgeprägter ist als die Gewalt, die meistens allein den stationären Pflegeeinrichtungen zugeschrieben wird.
Leider wurden die diesbezüglichen Hinweise von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk vielfach ausgeblendet.
Werner Schell
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Belästigung und Aggression am Arbeitsplatz Pflege

Beitrag von WernerSchell » 02.04.2017, 06:21

Belästigung und Aggression am Arbeitsplatz Pflege: Tabus aufbrechen

(Quelle: BGW) Beschimpfungen, Drohungen, körperliche Gewalt: Viele Pflegekräfte erleben bei ihrer Arbeit Aggressionen von betreuten Menschen, ebenso sexuelle Belästigungen. Das sind nicht immer traumatische Einzelereignisse, sondern häufig unangenehme Alltagserfahrungen, die sich summieren. Nach Einschätzung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) werden diese psychischen Belastungen oft immer noch tabuisiert. Sie rät ihren Mitgliedsbetrieben und Versicherten, das zu ändern.
„In Pflege- wie in Betreuungsberufen wird häufig eine hohe Leidensbereitschaft vorausgesetzt“, erklärt Claudia Vaupel, Psychologin bei der BGW und Referentin auf dem Deutschen Pflegetag. Einrichtungsleitungen, Führungskräfte und auch Beschäftigte selbst neigen teilweise dazu, Aggressionen und Belästigungen in diesem Berufsfeld bis zu einem gewissen Grad als „normal“ hinzunehmen. Wer dort arbeite, müsse eben damit zurechtkommen. „Das greift zu kurz“, so Vaupel. „Der Umgang mit aggressivem oder belästigendem Verhalten gegenüber Pflegekräften oder anderen Beschäftigten ist eine Aufgabe für den betrieblichen Arbeitsschutz. Es gilt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Übergriffen und zu hoher Beanspruchung zu schützen.“
Aus Sicht der BGW sollten Pflege- und Betreuungseinrichtungen zunächst auf allen Hierarchieebenen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es sich beim Umgang mit Gewalt, Aggressionen und Belästigungen um ein ureigenes Präventionsthema für den Betrieb handelt – und nicht um ein persönliches Problem einzelner Beschäftigter. Ferner braucht es eine Vertrauenskultur, in der die Beschäftigten Ängste, Schuld- und Schamgefühle ablegen können und sich ernst genommen fühlen.
„Es muss erkannt und akzeptiert werden, dass verschiedene Menschen ein und dieselbe Situation unterschiedlich erleben können“, betont Vaupel. Was für den einen bedrohlich erscheint, nehmen andere vielleicht als harmlos wahr. Was die eine als beleidigend empfindet, berührt andere möglicherweise nicht persönlich. „Maßgeblich ist immer das individuelle Empfinden der betroffenen Person“, so die Psychologin. „Daran haben weder Vorgesetzte noch Kolleginnen oder Kollegen zu deuteln.“
Eine zentrale Rolle beim innerbetrieblichen Umgang mit dem Thema Gewalt und Belästigungen spielen die Führungskräfte. Sie prägen die Kommunikationskultur entscheidend mit, können Betroffenen Rückhalt geben, die Aufarbeitung von negativen Erlebnissen anregen und steuern.
In Pflege- und Betreuungseinrichtungen gibt es vielfältige Handlungsfelder, um Beschäftigte vor Aggressionen und Belästigungen zu schützen. Dazu gehören beispielsweise Anpassungen der Arbeitsorganisation sowie Deeskalationstrainings für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die BGW unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe bei der Prävention. Sie bietet unter anderem Informationen, Beratung und Seminare an und fördert die Ausbildung innerbetrieblicher Deeskalationstrainer und -trainerinnen. Ebenso hilft sie, wenn Versicherte im Zusammenhang mit der Arbeit einen Übergriff erlitten haben.
Weitere Informationen zum Thema gibt die Berufsgenossenschaft unter www.bgw-online.de/gewalt. Dort findet sich unter anderem ihr Ratgeber „Gewalt und Aggression gegen Beschäftigte in Betreuungsberufen“. Die Broschüre mit Tipps für den Arbeitsschutz zum Thema kann als PDF heruntergeladen und von Mitgliedsbetrieben der BGW auch kostenfrei als gedrucktes Heft bestellt werden.

Quelle: Mitteilung vom 02.04.2017
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Drei neue ICN-Positionspapiere in deutscher Übersetzung

Beitrag von WernerSchell » 28.07.2017, 16:56

Drei neue ICN-Positionspapiere in deutscher Übersetzung

Der Weltverband der Pflegeberufe ICN (International Council of Nurses) hat in diesem Frühjahr drei für die Gesundheitssysteme und die Pflegeberufe besonders wichtige Themen aufgegriffen und jeweils in einem berufspolitischen Positionspapier umfassend erörtert. Neben der Darstellung der Hintergründe werden die berufspolitische Position von ICN mit Forderungen an Regierungen sowie Appelle an nationale Berufsorganisationen, Arbeitgeber und Pflegefachpersonen formuliert. Alle drei Papiere wurden jetzt ins Deutsche übersetzt und sind als Downloads unter http://www.dbfk.de/de/veroeffentlichung ... onales.php aufzurufen.

Antimikrobielle Resistenz: Das Problem der zunehmenden Antibiotikaresistenzen ist nicht nur Themenschwerpunkt der WHO, sondern stand auch kürzlich bei der Europäischen Kommission und beim G20-Gipfeltreffen auf der Agenda. Nach WHO-Schätzungen sterben pro Jahr 700.000 Menschen durch Antibiotika-Resistenzen, davon sind längst nicht nur Entwicklungsländer betroffen. Nach Schätzungen der EU-Kommission fordern multiresistente Keime EU-weit jährlich 25.000 Todesopfer und kosten die Gesundheitssysteme zusätzlich 1,5 Milliarden Euro. ICN weist darauf hin, dass an vielen Stellschrauben gedreht werden muss, um gegen antimikrobielle Resistenz anzukommen. „Pflegefachpersonen und andere Mitarbeiter/innen im Gesundheitswesen müssen eine entscheidende Rolle übernehmen für das Bewahren der Leistungsfähigkeit der Antibiotika.“

Prävention von und Umgang mit Gewalt am Arbeitsplatz: Gewalt am Arbeitsplatz ist ein weit verbreitetes Problem in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung und hat multifaktorielle Ursachen, die auch Faktoren jenseits von Täter oder Opfer beinhalten. Es handelt sich um Ereignisse, bei denen Beschäftigte im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit misshandelt, bedroht oder beleidigt werden. Auch in deutschen Einrichtungen nimmt Gewalt gegen Pflegende zu, die Hemmschwellen sinken und die Übergriffe haben gravierende Folgen. Häufig betroffen sind z.B. die Psychiatrie, Notfallaufnahmen, Bereitschaftsdienste, Nachtschichten sowie Einzelarbeitsplätze. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hat 2012 untersucht, wie häufig Beschäftigte in Betreuungsberufen verbale und physische Gewalt erleben. Befragt wurden ca 1.900 Mitarbeiter/innen aus 39 Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Wohlfahrtspflege. Auch die seelischen Auswirkungen der Übergriffe wurden erfragt. Danach hatten mehr als 50% der Befragten körperliche und ca. 80% verbale Aggression am Arbeitsplatz erlebt. Die Gefahr hat seit 2012 noch erheblich zugenommen. ICN fordert ein hohes Engagement aller Verantwortlichen für Sicherheit und Gewaltfreiheit am Arbeitsplatz und eine bedingungslose Null-Toleranz-Strategie.

Betriebliche Gesundheit und Sicherheit: Das Arbeitsumfeld professionell Pflegender ist gefährlich, das Risiko, sich bei der Arbeit zu verletzen, zu infizieren oder in anderer Weise berufsbedingt zu erkranken, ist hoch. ICN weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass alles Mögliche getan werden muss, um Pflegefachpersonen zu schützen. „Jede Pflegefachperson hat das Recht, in einer gesunden und sicheren Umgebung zu arbeiten – ohne berufsbedingtes Risiko einer Verletzung oder Erkrankung.“ In die Pflicht genommen werden hierfür vor allem nationale Gesetzgeber sowie Unternehmen und Vorgesetzte.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
http://www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage http://www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 28.07.2017
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
http://www.dbfk.de | Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77 | Umsatzsteuer Id.Nr. DE 114235140
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Aggression gegen Pflege- und Betreuungskräfte

Beitrag von WernerSchell » 04.10.2017, 10:37

Aggression gegen Pflege- und Betreuungskräfte: Deeskalation trainieren
+ + + Presseinformation + + +

Hamburg – Ob im Krankenhaus oder Pflegeheim, in der Jugendhilfe oder anderen sozialen Einrichtungen: Wer Menschen pflegt, betreut oder berät, wird häufig mit Aggressionen konfrontiert. Sehr wichtig ist dann gezielte Deeskalation, informiert die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Sie empfiehlt, den professionellen Umgang mit kritischen Situationen zu trainieren und die Abläufe und Regeln in der jeweiligen Einrichtung auf Deeskalationspotenziale zu checken. Für ihre Mitgliedsbetriebe hat sie jetzt die Fördermöglichkeiten der Ausbildung innerbetrieblicher Deeskalationstrainerinnen und -trainer erweitert.
Kritische Situationen nicht auszuschließen
„Aus Studien ist bekannt, dass Gewalt und Aggression gerade gegen Beschäftigte im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege häufig auftritt“, berichtet Claudia Vaupel, Psychologin bei der BGW. Die Gründe sind vielfältig. Unter anderem können manche Krankheiten aggressives Verhalten verursachen. Hinzu kommt, dass gepflegte oder betreute Menschen auf die Hilfe anderer angewiesen sind. „Auch daraus können sich Konflikte ergeben, die womöglich durch strukturelle Umstände noch verstärkt werden“, erläutert Vaupel, „beispielsweise, weil der Pflegeplan eingehalten werden muss oder die Betreuungszeit abläuft.“
Deeskalation sinnvoll
Vaupel rät, kritische Situationen als ersten Schritt sorgfältig und unvoreingenommen zu betrachten: Wie geht es der betreffenden Person gerade? Was bewegt sie? Wie kommt es zu diesem Verhalten? „Wichtig ist auch, das Verhalten des Gegenübers nicht auf sich zu beziehen, sondern es in den Kontext der Situation zu stellen“, fügt die Psychologin hinzu. Weiter empfiehlt sie, in einer angespannten Lage möglichst nichts zu erzwingen: „Zum Beispiel lieber mal in der Pflege aufs Waschen verzichten, falls jemand partout nicht möchte.“
Schulung unverzichtbar
Kritische Situationen samt auslösenden Faktoren frühzeitig zu erkennen und selbst angemessen zu agieren, kann man lernen. Deshalb gehört zur Gewaltprävention auch die Ausbildung der Beschäftigten in deeskalierendem Verhalten. Dies umfasst weit mehr als das Vermitteln körperlicher Interventionstechniken. „In solchen Deeskalationstrainings geht es gleichermaßen um die Eigenreflexion“, berichtet Vaupel: „Wie reagiere ich selbst in Konfliktsituationen? Wie wirkt sich meine Haltung aus?“ Weiter werden die Wahrnehmung für das Verhalten anderer geschult und verbale wie nonverbale Techniken vermittelt, mit denen sich Situationen entspannen lassen.
Förderprogramm erweitert
Die BGW fördert in ihren Mitgliedsunternehmen die Ausbildung innerbetrieblicher Deeskalationstrainerinnen und -trainer. Diese haben dann die Aufgabe, im eigenen Betrieb am Aufbau eines professionellen Deeskalationsmanagements mitzuwirken. Insbesondere sollen sie Beschäftigte im Umgang mit herausfordernden oder aggressiven Verhaltensweisen trainieren. Darüber hinaus gehört zum Deeskalationsmanagement, etwaige Abläufe und Regeln in der Einrichtung, die zum Entstehen kritischer Situationen beitragen können, aufzuspüren und zu verändern. Weitere Informationen zu ihrem jüngst erweiterten Förderprogramm zum Thema gibt die Berufsgenossenschaft unter http://www.bgw-online.de/goto/deeskalation.

Diese Pressemitteilung finden Sie auch im BGW-Pressezentrum unter https://www.bgw-online.de/DE/Presse/Pre ... ieren.html .

Quelle: Pressemitteilung vom 04.10.2017
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Torsten Beckel und Sandra Bieler, Kommunikation
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Jeder achte Retter Opfer körperlicher Gewalt

Beitrag von WernerSchell » 19.10.2017, 06:29

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Studie
Jeder achte Retter Opfer körperlicher Gewalt


Körperliche und verbale Gewalt sind für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungsdienst an der Tagesordnung.

Die ersten Ergebnisse der Studie "Gewalt gegen Einsatzkräfte" liegen vor: 810 Personen haben sich im Mai und Juni 2017 an einer Umfrage beteiligt, die das Team des Lehrstuhls Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum (RUB) unter Einsatzkräften der Feuerwehren und Rettungsdienste in Nordrhein-Westfalen zu ihren Gewalterfahrungen im Einsatz durchgeführt hat. 13 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Opfer von körperlicher Gewalt im Einsatz geworden waren. Noch häufiger kommt es zu verbaler Gewalt. 60 Prozent der Befragten hatten entsprechende Erfahrungen gemacht.

"Es ist wichtig, zwischen verbaler und körperlicher Gewalt zu unterscheiden. Viele Studien tun das nicht, und dann werden Häufigkeiten genannt, die für die Bürger erschreckend sind", betont der Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Thomas Feltes, der für die Studie verantwortlich war. Er begrüßt die Aussage des NRW-Innenministers Herbert Reul, dass die Studie dabei helfe, in Zukunft die richtigen Maßnahmen zu treffen, um verschiedenen Formen von Gewalt im Rettungsdienst zu begegnen.

Am stärksten von Gewalt betroffen sind mit rund 85 Prozent die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungseinsatz. Nach der konkreten Situation befragt gab die Mehrheit der Helfer an, dass die Übergriffe während der Diagnosestellung oder der Therapie erfolgten. "Es trifft die Einsatzkräfte auch persönlich, wenn sie in einem Notfall alles tun, um Kranken und Verletzten zu helfen, und dabei dann Gewalt erleben", sagt der Jurist Marvin Weigert, der die Studie durchgeführt hat. So gaben 39 Prozent derjenigen, die körperliche Gewalt erlebt hatten, an, dass sie körperliche Schäden davongetragen haben. Bei 21 Prozent waren es psychische Beeinträchtigungen.

Nachts in Großstädten ist es am gefährlichsten für Retter

Mehr als die Hälfte der Vorfälle ereigneten sich in den Abend- und Nachtstunden - ein Hinweis darauf, dass Alkohol und Drogen oft eine Rolle spielen. In 55 Prozent der Fälle körperlicher Gewalt berichteten die Befragten von erkannter Alkoholintoxikation. Die Autoren der Studie betonen, dass dies wahrscheinlich auf deutlich mehr Fälle zutrifft, aber nicht immer erkannt wird. So schätzen Autoren anderer Studien, dass bis zu 95 Prozent der Täter unter Alkohol- und Drogeneinfluss stehen.

Gewaltsame Übergriffe finden der Studie zufolge besonders häufig in Großstädten mit über 500.000 Einwohnern statt. Die Täter sind in rund 90 Prozent der Fälle männlich und zwischen 20 und 39 Jahre alt.

Gewalttätige Übergriffe sind selten vorhersehbar: 80 Prozent der körperlichen Übergriffe kamen ohne Vorwarnung und plötzlich. Feltes betont, dass die Einsatzkräfte daher noch stärker als bisher auf diese Situationen vorbereitet werden müssten. Zudem sollte die Einsatzleitstelle in die Lage versetzt werden, möglichst viele Informationen zu den Bedingungen des Einsatzes zusammenzustellen. "Auch eine intensive Kooperation mit der Polizei kann weiterhelfen", so Feltes.

Mehr Fortbildung gewünscht

In 73 Prozent der Fälle ging die körperliche Gewalt von den Patienten selbst aus. "Auch hier müssen Fortbildungsmaßnahmen ansetzen, damit die Rettungskräfte die notwenigen Maßnahmen noch intensiver erklären und so Widerstände abbauen können", sagt Feltes, der schon vor einigen Jahren eine vergleichbare Studie mit ähnlichen Ergebnissen geleitet hat. Dem entspricht auch, dass etwa 70 Prozent der Befragten sich mehr Fortbildungsmaßnahmen im Bereich Deeskalationstraining und Selbstverteidigung wünschen.

"Wenn die Politik diese Studie zum Anlass nimmt, geeignete Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, dann kann man dies nur begrüßen", so Feltes. Zusätzlich solle aber auch sichergestellt werden, dass vor allem die Fälle von körperlicher Gewalt gemeldet und entsprechend ausgewertet werden. Der Studie zufolge wird nur etwa die Hälfte der Fälle körperlicher Gewalt der Einsatzleitstelle gemeldet oder im Einsatzbericht vermerkt - wohl auch, weil fast die Hälfte der Betroffenen angab, den genauen Meldeweg nicht zu kennen. "Die Analyse solcher Fälle ist aber wichtig, um zukünftige Übergriffe zu verhindern", so der Wissenschaftler.

Die komplette Auswertung der Studie wird im Januar 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Förderung
Die Studie wurde unterstützt vom Ministerium des Innern sowie vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, der Unfallkasse NRW und der Komba-Gewerkschaft NRW.

Pressekontakt
Prof. Dr. Thomas Feltes
Lehrstuhl Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft Juristische Fakultät Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0173 3170807
E-Mail: thomas.feltes@rub.de

***
Quelle: Pressemitteilung vom 18.10.2017
Meike Drießen, M.A.
Ruhr-Universität Bochum
Dezernat Hochschulkommunikation
Abteilung Wissenschaftskommunikation
Tel.: +49 (0)234/32-26952
Fax: +49 (0)234/32-14136
E-Mail: meike.driessen@uv.rub.de
Raum UV 0/030
Universitätsstr. 150
44801 Bochum
http://www.rub.de/dezernat8
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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WernerSchell
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Neuss - Arzt alarmiert: Zahl der Gewaltopfer steigt

Beitrag von WernerSchell » 02.01.2018, 08:14

Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 02.01.2018:

Neuss
Arzt alarmiert: Zahl der Gewaltopfer steigt

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Die Gewaltbereitschaft nimmt offenbar zu; auch in Neuss. Ein Arzt setzt Notruf ab. FOTO: pixabay.com

Neuss. Bernhard J. Lamers vom Lukaskrankenhaus muss immer öfter Menschen mit Schuss- und Stichverletzungen operieren. Von Ludger Baten
Bernhard J. Lamers (55) wohnt nahe der Kardinal-Frings-Brücke. Wird er bei einem Notfall alarmiert, steht er in wenigen Minuten im Operationssaal im Neusser "Lukas". Das ist sein Beruf und seine Berufung. Dabei muss er sich immer öfter um Menschen kümmern, die nach gewalttätigen Übergriffen eingeliefert wurden.
Schuss- und Stichverletzungen sind ebenso operativ zu versorgen wie Notfallopfer, die brutal geschlagen oder getreten wurden. "Die Tendenz ist steigend", sagt der Leitende Arzt der Chirurgie I am städtischen Lukaskrankenhaus. Zwar gebe es keine wissenschaftlich belastbare Statistik, "aber mein Gefühl täuscht mich sicherlich nicht, auch wenn mein Weckruf auf subjektiven Erfahrungen beruht."

Der Arzt wünscht sich, dass Polizei, Justiz und Politik die Straftaten auch klar Benennen: "Wir Ärzte können Hilfe leisten, wenn etwas passiert ist. Was im sozialen und im präventiven Bereich getan werden muss, dass muss die Politik auf den Weg bringen." Die Gewaltübergriffe zu bagatellisieren, sei in seinen Augen aber der falsche Weg. "Downsizing" nennt Lamers das, was so viel wie "Verringerung" bedeutet.
… (weiter lesen unter) … http://www.rp-online.de/nrw/staedte/neu ... -1.7295080
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Zunehmende Gewalt in Deutschland - Bagatellisierung ist der falsche Weg!

Beitrag von WernerSchell » 02.01.2018, 14:02

Aus Forum:
viewtopic.php?f=5&t=22439

Zunehmende Gewalt in Deutschland - Bagatellisierung ist der falsche Weg!

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"Arzt alarmiert: Zahl der Gewaltopfer steigt". So ein Bericht der Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) vom 02.01.2018. Bernhard J. Lamers, Leitender Arzt der Chirurgie I am Neusser Lukaskrankenhaus, muss sich immer öfter um Menschen kümmern, die nach gewalttätigen Übergriffen eingeliefert wurden. Schuss- und Stichverletzungen sind ebenso operativ zu versorgen wie Notfallopfer, die brutal geschlagen oder getreten wurden. "Die Tendenz ist steigend", sagte Lamers der NGZ. Der Arzt wünscht sich, dass Polizei, Justiz und Politik die Straftaten auch klar benennen: "Wir Ärzte können Hilfe leisten, wenn etwas passiert ist. Was im sozialen und im präventiven Bereich getan werden muss, dass muss die Politik auf den Weg bringen." Die Gewaltübergriffe zu bagatellisieren, sei in seinen Augen aber der falsche Weg (Quelle: > http://www.rp-online.de/nrw/staedte/neu ... -1.7295080 ).

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Gewalt ist offensichtlich ein Phänomen der gesamten Gesellschaft geworden. Sogar das Rettungspersonal, Feuerwehrkräfte, Pflegekräfte und Polizisten sind zunehmend tätlichen Angriffen ausgesetzt. Silvester 2017 hat es erneut viele Angriffe auf Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute gegeben (Quelle: > viewtopic.php?f=4&t=22438 ). Anscheinend trägt übermäßiger Medienkonsum auch dazu bei, dass Aggressivität und Gewalt schon in Kindergärten und Schulen Einzug hält (Quelle: viewtopic.php?f=3&t=18265 ).

Der tausendfache Einsatz von Polizeibeamten und Ordnungskräften bei öffentlichen Veranstaltungen, Weihnachtsmärkten, Neujahrsfeiern usw. darf nicht zum Standard erhoben werden. Das kriminelle Verhalten unterschiedlicher Tätergruppen hat inzwischen den Charakter von Veranstaltungen und Festen verändert. Wer, so wird immer häufiger gefragt, feiert schon gerne hinter Absperrgittern?

Massiver Schutz durch Polizeibeamte und Ordnungskräfte, verbunden mit Absperrungen und intensiven Personenkontrollen, darf im gesellschaftlichen Miteinander nicht zum Standard werden! Verniedlichungen des Geschehens oder bloße Empörungen (mit standardisierten Sprechblasen) sind auch nicht wirklich hilfreich. Die verantwortlichen Politiker müssen endlich die immensen Fehlentwicklungen in dieser Gesellschaft aufgreifen und konsequent Folgerungen ziehen ("Ursache und Wirkung"). Der Rechtsstaat muss deutlich "klare Kante" zeigen; ggf. müssen auch die gesetzlichen Handlungsgrundlagen verschärft werden.


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>>> viewtopic.php?f=5&t=22202

Werner Schell
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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