Fachkräftebedarf und –angebot im deutschen Gesundheitswesen

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

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Fachkräftebedarf und –angebot im deutschen Gesundheitswesen

Beitrag von Presse » 20.10.2010, 17:07

DBfK fordert Sofortmaßnahmen gegen miserable Arbeitsbedingungen

Anlässlich der heute in Berlin veröffentlichten „Studie zu Fachkräftebedarf und –angebot im deutschen Gesundheitswesen“ (PricewaterhouseCoopers pwc) fordert der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) die Arbeitgeber auf, umgehend für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege zu sorgen. „Der Fachkräftemangel in der Pflege hat besorgniserregende Ausmaße angenommen“, sagt DBfK-Referentin Johanna Knüppel. „Wer den Stellenmarkt der Wochenendzeitungen beobachtet wird feststellen, dass dort neben übertariflichen Angeboten bereits Abwerbeprämien in Höhe von mehreren tausend Euro gezahlt werden. Der ‚war for talents‘ um Pflegefachkräfte ist voll entbrannt. Umso unverständlicher, dass viele Einrichtungen noch immer die verbliebenen Mitarbeiter nach Kräften ausbeuten und auf diese Weise selbst für arbeitsbedingte Gesundheitsschäden und vorzeitigen Berufsausstieg sorgen. Wer immer mehr Arbeit auf immer weniger Schultern verteilt, Arbeitsdruck und Arbeitstempo kontinuierlich steigert, trägt die Verantwortung dafür, dass immer weniger Pflegekräfte bereit bzw. in der Lage sind so zu arbeiten“, so Knüppel weiter.

Die pwc-Studie hat lediglich Fachpflegeangebot und -bedarf in den Kliniken untersucht, und prognostiziert dort ab 2020 bereits eine Personallücke von mindestens 140 000 Fachkräften. Grundlage dieser Prognose ist allerdings die durch drastischen Personalabbau seit 1995 stark ausgedünnte und nicht dem Versorgungsbedarf entsprechende Pflegepersonaldecke in den Krankenhäusern. Dabei ist der Personalbedarf in der ambulanten und Altenpflege noch nicht berücksichtigt. In ihrem Bericht „Der Arbeitsmarkt in Deutschland – Gesundheits- und Pflegeberufe“ (Juli 2010) meldet die Bundesagentur für Arbeit für den Gesundheits- und Pflegebereich: „Im Jahr 2009 waren der Bundesagentur für Arbeit durchschnittlich 36.000 Arbeitsstellen gemeldet“.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Salzufer 6, 10587 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
http://www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke können Sie auf der Homepage http://www.dbfk.de nachlesen. Falls Sie Interviewwünsche haben oder weitere Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 20.10.2010
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
http://www.dbfk.de | Salzufer 6 | 10587 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77

Siehe Forum:
Gesundheitssystem vor dem Kollaps – 2030 fehlen eine Million Fachkräfte
PwC-Studie: Ohne Reformen bleiben vier von zehn Arztstellen unbesetzt / Pflegenotstand lässt sich nur durch Zuwanderung aus dem Ausland abwenden / Parallele ambulante und stationäre Versorgung ist nicht zukunftsfähig
...
viewtopic.php?p=55432#55432

Bettina Olbing
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Pflegefachkräfte in Deutschland qualifizieren

Beitrag von Bettina Olbing » 22.10.2010, 07:24

Siehe Forum:
viewtopic.php?p=55467#55467

Es gibt im Moment zahlreiche Pressemitteilungen, die über Fachkräftemangel informieren. Es soll in den nächsten Jahrzehnten dramatisch werden. Solche Erkenntnisse sind nun wahrscheinlich nicht neu.
Falls mit solchen Berichten bewirkt werden soll, mehr ausländische Kräfte in die Pflege zu bringen, sehe ich einen Irrweg. Denn wir vernachlässigen seit Jahren die bundesdeutschen Ausbildungs- und Einstellungsmöglichkeiten im Pflegebereich. Es werden sogar ständig entsprechende Mittel eingekürzt.
Daher liegen die Verantwortlichkeiten eigentlich klar auf der Hand. Die politischen Entscheidungsträger sind gefordert, die bundesdeutschen Möglichkeiten zur Verbesserung der Pflege auszuschöpfen. Pflege muss auch durch höhere Vergütungen attraktiver gestaltet werden. Diskussionen um einen Pflegemindestlohn waren und sind wenig hilfreich.

Das meint am frühen Morgen
Bettina Olbing
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Pflegebedürftigkeit und Altersarmut

Beitrag von G. Fröhlich- Rockmann » 23.10.2010, 10:06

Dramatisch ist in Deutschland die Tatsache, dass immer öfter der Eintritt von Pflegebedürftigkeit gleich zu setzen ist mit dem Zeitpunkt von Abhängigkeit von Sozialhilfe!!

Es nützt Niemanden in unserem Lande etwas, wenn notwendige Pflege schlichtweg nicht mehr bezahlt werden kann!

Die Ausweitung von Altersarmut und die Förderung von Armut durch Pflege in diesem Lande gehört dringend gestoppt!

Sinkende Einkommen in Deutschland trotz rasanter Konjunktur tragen zur Verschärfung der Lage bei und das Ziel der Absenkung der Risikien von Pflege durch die Pflegekasse ist eindeutig verfehlt.

Unter diesen Rahmenbedingungen droht bei weiter sinkender Pflegebereitschaft in den Familien (dem größten Pflegedienst Deutschlands) der Zusammenbruch des Pflegesystems Deutschlands!

Das ist aber auch alles nicht neu !

In Anlehnung an den Bundespräsidenten möchte ich zu bedenken geben, das der Islam auch zur Pflege gehört und wer gegen den Einsatz von ausländischen Kräften in der Pflege wettert verkennt die demografische Entwicklung und wird zunehmend fehlende Fachkräfte auch in der Pflege nicht aus dem Backofen holen können.

Mit freundlichen Grüßen
G. Fröhlich-Rockmann
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johannes
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Philip Rösler will weg von der Minutenpflege

Beitrag von johannes » 24.10.2010, 13:18

Zuerst werden die von den Kostenträgern genehmigten Pflegezeiten in jeder Pflegestufe, für die auch Personalkosten genehmigt wurden aufgeführt

Pflegestufe 0 = 25 min./Tag = 0,117 Planstellen
Pflegestufe 1 = 56 min./Tag = 0,32 Planstellen
Pflegestufe 2 = 119 min./Tag = 0,45 Planstellen
Pflegestufe 3 = 156 min./Tag = 0,61 Planstellen


Auf Grund der Aufzeichnungen real erbrachter Pflegeleistungen mit Anfangs- und Abschlußuhrzeit jeder Pflegemaßnahme ergibt sich eine durchschnittliche Pflegezeit ( aus ca. 60.000 Einzelnachweisen im Jahr 2008 ) pro Bewohner von

Pflegestufe 0 = 107,4 min./Tag 0,503 Planstellen
Pflegestufe 1 = 89,4 min./Tag = 0,511 Planstellen
Pflegestufe 2 = 237,6 min./Tag = 0,898 Planstellen
Pflegestufe 3 = 239,4 min./Tag= 0,936 Planstellen.

Hierbei ist natürlich der pflegerische Aufwand auch für dementiell Erkrankte berücksichtigt.

Gehen wir der Einfachheit halber von einem Haus mit 100 Pflegeplätzen aus, in dem

10 % Pflegebedürftige in Stufe 0
40 % Pflegebedürftige in Stufe 1
40 % Pflegebedürftige in Stufe 2
10 % Pflegebedürftige in Stufe 3

eingestuft wurden ergibt das eine Gesamtpersonalausstattung von (in Klammern bisher genehmigte Planstellen)

0 Planstellen 5,03 (1,17)
1 Planstellen 20,44 (12,8 )
2 Planstellen 35,92 (18 )
3 Planstellen 9,36 (6,10)

Die gesamten Planstellen würden somit 70,75 reale Planstellen gegenüber 38,07 genehmigten Planstellen ergeben.

Unter diesen Bedingungen dürften auch Pflegekräfte bis zum Renteneintrittsalter arbeiten können. Aber ich kann mir nicht vorstellen, daß Minister Rösler das wirklich will!
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G. Fröhlich- Rockmann
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Re: Philip Rösler will weg von der Minutenpflege

Beitrag von G. Fröhlich- Rockmann » 24.10.2010, 15:42

johannes hat geschrieben:...
Hierbei ist natürlich der pflegerische Aufwand auch für dementiell Erkrankte berücksichtigt.
Was ist denn bitte nach geltendem Pflegerecht
"PFLEGERISCHER AUFWAND für dementiell Erkrankte?"

Weshalb geht das denn in der von Ihnen bisher beschriebenen Form so und weshalb sollte sich jetzt plötzlich etwas ändern?

Warum ist eigentlich das Pflegeheim von dem Sie sprechen noch offen???

Gegenrechnung:

täglicher Pflegeaufwand Pflegestufe 3 = 156 min/Tag
keine Anrechnung "demenziell bedingter Zeitaufwendungen" da dies durch geltendes Recht schon seit über 15 Jahren nicht vorgesehen ist

Planstellen = 1 pflegender Angehöriger

Bei jetzt 6 Jahren Pflegezeit ergibt sich:

6 * 365 Tage * 156 Minuten = 341 640 Pflegeminuten für die nicht einmal das Gehalt einer Pflegehilfskraft bezahlt wird![/b]

Hinzu kommt:
6* 365 Tage * (1440 Minuten - 156 Minuten) = 2 811 960 Minuten ununterbrochene Rufbereitschaft Bezahlung : 0,00 €

Rechnung der "Solidargemainschaft":

Einsparungen durch familäre Pflege in 6 Jahren ca 60.000 Euro

Die Kosten einer Kur für den pflegenden Angehörigen werden nicht übernommen

Den Eigenanteil in Höhe von 1.000 € trägt der Pflegende Angehörige selbst!!

Anzahl der Urlaubstage, freien Wochenenden oder Feiertagen in den letzten Jahren: 0 ( = NULL)

Das Ganze müste dann noch auf mindestens 670.000 Angehörige in Deutschland hoch gerechnet werden.

Und zum Schluss die Frage:
Wer würde denn tatsächlich noch ins Heim gehen wenn er die Pflegesachleistung stationärer Pflege zur Verfügung hätte um sich seine Pflege zu Hause selbst zu organisieren?? Unklar bleibt weshalb beim Prinzip ambulant v o r stationär genau falsch rum gefördert wird.
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Beitrag von johannes » 24.10.2010, 19:29

@ G. Fröhlich-Rockmann

Solange Sie die Realitäten nicht akzeptieren, werden Sie wohl Schwierigkeiten mit dem Verstehen haben. Wir führten bereits einen Disput.

1. Pflege in der Familie ist Bestandteil eines normalen Lebens. Das normale familiäre Leben wie eine Berufstätigkeit mit einer Vergütung zu verknüpfen widerspricht jeglicher Lebenserfahrung. Wollte eine Gesellschaft dies umsetzen, würde sie bestenfalls für einige Tage überleben, da sich hieraus ein Schmarotzertum entwickeln würde, bei dem sämtliche solidarischen Mittel vernichtet würden. Mit etwas Nachdenken werden auch Sie dies erkennen.

2. Unterstützende häusliche Pflege durch ambulante Dienste greift immer erst, wenn die Selbsthilfemöglichkeiten innerhalb der Familie ausgeschöpft sind. Da die Mitarbeiter der ambulanten Dienste keine Familienangehörigen sind, also für Fremde tätig werden, handelt es sich um eine Berufstätigkeit. Berufstätigkeit ist regelmäßig mit der Vergütung der eingebrachten Arbeitsleistung verbunden, die eben in der Familie selbt nicht anfällt.

3. Stationäre Pflege greift in aller Regel immer erst, wenn die Familie im Rahmen der Selbsthilfe auch mit Unterstützung der ambulanten Dienste nicht mehr in der Lage sind, eine ausreichende Versorgung sicher zu stellen. Da die Mitarbeiter der stationären Pflege keine Familienangehörigen sind, also für Fremde tätig werden, handelt es sich um eine Berufstätigkeit. Berufstätigkeit ist regelmäßig mit der Vergütung der eingebrachten Arbeitsleistung verbunden, die eben in der Familie selbt nicht anfällt.

4. Ihr Vorschlag in die Praxis umgesetzt berührt eine Fülle von Gesetzen im negativen Sinne, vor allem die arbeitsrechtlichen und die sozialrechtlichen Bereiche.

Arbeitsrechtlich ist es unzulässig, täglich über 24 Stunden zu arbeiten - selbst bei der von Ihnen angesprochenen Bereitschaftszeiten, 365 Tage ohne Unterbrechung zu arbeiten.

Sozialrechtlich greifen soziale Sicherungssysteme immer nur dann, wenn die Selbsthilfemöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Warum das in der von mir beschriebenen Form geht? Weil in professionellen Systemen eine Person für mehrere Bedürftige zur Verfügung steht.
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Beitrag von G. Fröhlich- Rockmann » 24.10.2010, 20:10

Was die Pflegindustrie in Deutschland und deren Lobbyisten als Realität bezeichnet muss noch lange nicht Realität sein, auch wenn man es noch so lange versucht den Menschen als solche einzureden.

"Ihre" Realität nimmt die bereits bestehende Praxis und äußerst erfolgreiche Budgetausreichung (die im übrigen auch von führenden Wirtschaftsinstituten auf die ich keinerlei Einfluss habe empfohlen werden) an Betroffene nicht zur Kenntnis und setzt die Entmündigung freier und selbstbetsimmter Bürger allein durch den Eintritt einer unzureichend und am tatsächlichen Leben vorbei gehenden Definition einer "Pflegebedürftigkeit" fort.

Die von Ihnen vorgestellte Berechnung zeigt nichts anderes als den Bruch genau der gesetzlichen Vorschriften auf die Sie mich hier verweisen wollen und demonstriert beispielhaft staatlich verordnete gefährliche Pflege, die seltsamerweise erst dann moniert wird wenn die Marktchancen deutlich steigen.

Selbst Ihre Argumentation wann welche Hilfe einzugreifen hätte entspricht weder der tatsächlichen Gesetzlage, noch der ausreichernd wissenschaftlich belegten Pflegerealität- und praxis noch den tatsächlichen Erfordernissen künftiger Pflege in Deutschland. Selbstbestimmte pflegebedürftige Menschen scheinen für Sie vollkommen unbekannt zu sein.

Gerade deshalb ist es dringend notwendig ein ineffizentes, total überteuertes Pflegesystem eben durch gesetzliche Änderungen zu reformieren.

Selbst wenn man ihrer interessengefärbten Argumentation folgen wollte erklärt diese nicht weshalb dann ambulante Pflegeleistungen und stationäre Pflege (in beiden arbeiten Fremdkräfte) unterschiedliche Leistungen die noch dazu vom Leistungspflichtigen selbst bestimmt werden können überproportional gefördert werden.

Wo sind denn Ihre "normalen Familen" in unserem Single- Deutschland und vor allem in den demografischen Bevölkerungsstrukturen tatsächlich und real zu finden, denen Sie die Pflege weiterhin aufschultern wollen?

Vermutlich in den "normalen Familien" die keine Kinder haben die als Pflegefachkraft nun so händeringend im Wachstumsmarkt "Pflege" benötigt werden, oder?

Realitäten scheinen anders auszusehen als das was Sie als Realitäten komnstruieren wollen. Auch scheinen diese gewissen Änderungen und Wandlungen unterworfen zu sein denn Voraussetzungen und Andorderungen an Pflege sehen heute etwas anders aus als vielleicht 1875.
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Marlene Böttinger
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ambulant vor stationär - Finanzierung verbessern

Beitrag von Marlene Böttinger » 25.10.2010, 06:43

Hi,

ich sehe ein Problem darin, dass die Forderung des Gesetzgebers "ambulant vor stationär" nicht wirklich umgesetzt worden ist. Die finanziellen Möglichkeiten, ambulant eine gute Pflege zu organisieren, sind sehr eingeschränkt. Für eine auskömmliche Versorgung durch Pflegedienste reichen die Sachleistungen nicht. Die selbst organisierte Pflege durch Angehörige etc. wird überhaupt nicht honoriert. Es bleibt dem Pflegebedürftigen überlassen, ob er das geringe Pflegegeld seinen Helfern überlässt.
Ich denke, dass insoweit nachgedacht werden muss in dem Sinne, dass die Entgeltbeträge für die häusliche Pflege deutlich angehoben werden müssen. Denn angesichts der wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen müssen wir die häusliche Versorgung stärken. Das alles schließt nicht aus, dass auch die stationäre Versorgung verbesserte Strukturen braucht. Es wird für die Versicherten teurer!

Grüße Marlene
Pflege braucht Zuwendungszeit!

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Familiäre Pflege stärken

Beitrag von G. Fröhlich- Rockmann » 25.10.2010, 11:58

Hi Marlene,

genauso sehe ich das auch. Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen, wenn wir familiäre Pflege nicht so ausstatten das Familen (und hier meine ich auch die zunehmende Anzhal von Freunden, Bekannten und Nachbarn) weiterhin pflegen wird unser Pflegesystem den Bach runter gehen und in sich zusammen brechen.

Die Folgen sind drastisch steigenede Beiträge, die wir heute schon hätten würde nicht in den Familien gepflegt werden.

Natürlich gehört es auch dazu ausreichend Pflegekräfte zur Verfügung zu stellen, allerdings sehe ich das Problem hier das bei dem zunehmenden demografisch bedingten Fachkräftemangel nicht die vorhandenen Fachkräfte nun ausgerechnet noch in den schlechtbezahlten Sektor Pflege strömen werden.

Schon jetzt findet unser Pflegedienst keine Fachkraft für eine ausgeschiedene Kollegin.

Ich gehe deshalb auch davon aus das sich zunehmend Arbeitgeber viel stärker als bisher mit diesem Thema auseinandersetzen werden müssen wenn sie denn ausreichend Fachkräfte haben wollen. Was aus meiner Sicht eine recht positive Entwicklung ist.

Die Vorschläge zur Verlängerung der Pflegezeit sind m.E. Indiz dafür das man die Probleme schon erkannt hat. Sinnvolle Lösungen sehe ich jedoch noch keine.

Mit freundlichen Grüßen
Gerd Fröhlich-Rockmann
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thorstein
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Pflege - Wo ist politisches Handeln gefragt?

Beitrag von thorstein » 25.10.2010, 14:11

Pflege - Wo ist politisches Handeln gefragt?

Unter folgendem Link findet sich eine umfangreiche Dokumentation der Veranstaltung:
http://veranstaltungen.cducsu.de/verans ... agt/detail

Ich möcht besonders auf den Beitrag von Herrn Zylajew hinweisen. Im Grunde genommen fordert er, sich die Situation schön zu reden, offensichtlich nach dem Motto: das nicht sein kann, was nicht sein darf.
Negatives zur Situation der Pflege wird als Jammern deklariert und damit als kontraproduktiv. Offensichtlich sind wir meilenweit davon entfernt, dass die Probleme bei der politischen Klasse auch nur am Rande begriffen werden.

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Vergleich ohne jede Grundlage

Beitrag von G. Fröhlich- Rockmann » 25.10.2010, 15:09

Herr Zylaew scheint tatsächlich von einem anderen Stern zu kommen.
Selbst wenn er dort betont, dass das Pflegegeld dem Gehalt einer Pflegekraft entspricht und es dort keine Änderungen geben werde verschweigt er vorsätzlich das "Pflegegeldempfänger" das leisten, was mindestens 3 Pflegekräfte im Schichtsystem leisten. Insofern ist sein Vergleich ohne jede Grundlage.
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Pflege-Rahmenbedingungen schön geredet ?!

Beitrag von ProPflege » 25.10.2010, 16:20

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“


Neuss, den 25.10.2010

An die Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich frage an, ob die Ergebnisse der Fachtagung am 04.10.2010 (Reden abhörbar: http://veranstaltungen.cducsu.de/verans ... agt/detail ) auch in Form einer Niederschrift vorliegen. Wenn ja, wäre ich Ihnen für die Übersendung - vielleicht auch als Datei - sehr dankbar.

Mit zahlreichen Einschätzungen kann niemand, der sich ernsthaft Gedanken über die Fortentwicklung / Reform der Pflegesysteme macht, einverstanden sein. Es wurden Festlegungen bezüglich der anstehenden Veränderungen angekündigt, denen deutlich widersprochen werden muss. Mit Rücksicht auf unseren Pflegetreff am 16.11.2010 in Neuss scheint es geboten, einige Ergebnisse der Fachtagung anzusprechen. Es kann auch nicht gesehen werden, dass die Fraktion die Pflege-Selbsthilfe in die Tagung eingebunden hätte. Hier ist jedenfalls keine Einladung zur Teilnahme an der Tagung feststellbar.

Für Ihre Bemühungen vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell, Harffer Str. 59, 41469 Neuss
http://www.wernerschell.de
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Minutenpflege abschaffen - nur mit mehr Personal

Beitrag von Rauel Kombüchen » 26.10.2010, 06:59

johannes hat geschrieben: .... Die gesamten Planstellen würden somit 70,75 reale Planstellen gegenüber 38,07 genehmigten Planstellen ergeben. ....!
Hallo Johannes,
wenn man die aufgelisteten Bedarf an Personal und die tatsächlich bewilligten Stellen gegenüber stellt, erübrigt sich jede weitere Diskussion hinsichtlich der viel beklagten sog. Pflegemängel. Anhand der Darstellung geht es in Wahrheit nicht um Pflegemängel, sondern um Mängel im System. Dafür sind nicht Pflegekräfte, sondern Politiker verantwortlich.
Gibt es zu Deinem Berechnungsmodell auch noch weitere Texte, die zur Begründung hilfreich sein können?
MfG
Rauel
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Fachkraftmangel in der Pflege: Handeln statt Aussitzen

Beitrag von Presse » 26.10.2010, 14:18

Fachkraftmangel in der Pflege: Handeln statt Aussitzen

Anlässlich der veröffentlichten Daten zum Fachkraftmangel in der Pflege erklärt Elisabeth Scharfenberg, alten- und pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen:

Die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte wird den Personalmangel in der Pflege allein nicht aufhalten. Denn Deutschland ist für sie schlicht und einfach nicht attraktiv. Andere europäische Länder bieten neben einem höheren Mindestlohn sowie der leichteren Anerkennung von Berufsabschlüssen auch bessere Arbeitsbedingungen.

Wir brauchen daher sofort eine Strategie um den Fachkräftemangel in der Pflege abzuwenden. Deutschland muss wieder interessant werden – für inländische und ausländische Pflegekräfte.

Wir müssen die Gesundheitsvorsorge stärken, damit Pflegebedürftigkeit verhindert und durch gezielte Rehabilitation gemildert wird. Wir müssen die Arbeitsbedingungen in der Pflege attraktiver gestalten. Und dazu gehört nicht nur die Bezahlung sondern auch die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wir müssen in die Ausbildung investieren statt zu kürzen. Die Umschulungsfinanzierung für die Pflege muss auch im dritten Ausbildungsjahr durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert sein. Dafür setzen wir Grüne uns ein.

All diese Stellschrauben haben wir Grüne in unserem Fachgespräch zum Fachkraftmangel in der Pflege am 25.10.2010 in Berlin mit Fachleuten herausgearbeitet. Dabei darf man es nicht bei der Umsetzung von nur einer Maßnahme bewenden belassen – das wäre wirkungslos. Diese Herausforderung kann nur gemeinsam angegangen werden. Das Thema braucht mehr als je zuvor unsere Aufmerksamkeit.

Quelle: Pressemitteilung vom 26.10.2010
Elisabeth Scharfenberg, MdB
Bündnis 90/DIE GRÜNEN
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Tel: 030 227 74 531
Fax: 030 227 76 655
elisabeth.scharfenberg@bundestag.de
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Web: http://www.elisabeth-scharfenberg.de

Cicero
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Pflege-Rahmenbedingungen schön geredet ?!

Beitrag von Cicero » 26.10.2010, 15:07

ProPflege hat geschrieben: ..... An die Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag .... Mit zahlreichen Einschätzungen kann niemand, der sich ernsthaft Gedanken über die Fortentwicklung / Reform der Pflegesysteme macht, einverstanden sein. Es wurden Festlegungen bezüglich der anstehenden Veränderungen angekündigt, denen deutlich widersprochen werden muss. Mit Rücksicht auf unseren Pflegetreff am 16.11.2010 in Neuss scheint es geboten, einige Ergebnisse der Fachtagung anzusprechen. Es kann auch nicht gesehen werden, dass die Fraktion die Pflege-Selbsthilfe in die Tagung eingebunden hätte. Hier ist jedenfalls keine Einladung zur Teilnahme an der Tagung feststellbar. ....
Die Aussagen auf der Fachtagung lassen befürchten, dass es mit einer grundlegenden Pflegereform wieder nichts wird. Bereits die Novellierung des SGB XI zum 01.07.2008 war allenfalls ein Reförmchen. Und nun geht es der Union im Wesentlichen um die kapitalgedeckte Finanzierung, ein Punkt aus dem Koalitionsvertrag. Inhaltlich soll, von der überfälligen Neugestaltung des Pflebedürftigkeitsbegriffes abgesehen, offensichtlich nichts geschehen.
Das ist aber so nicht hinnehmbar. Dass muss der Union noch verdeutlicht werden.

Siehe auch im Forum unter
viewtopic.php?p=55565#55565

Cicero
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Im Gleichklang: Frieden - Ausgleich - Demokratie - und: "Die Menschenwürde ist unantastbar"!

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