DBfK fordert andere Prioritäten in der Pflegepersonalpolitik

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

Moderator: WernerSchell

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DBfK fordert andere Prioritäten in der Pflegepersonalpolitik

Beitrag von Presse » 17.10.2009, 07:33

DBfK fordert andere Prioritäten in der Pflegepersonalpolitik

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sieht sich durch die Ergebnisse der gestern veröffentlichten Repräsentativbefragung des Allensbach Instituts „Pflege in Deutschland“ klar bestätigt. „Die befragten Bürgerinnen und Bürger, immerhin künftige Kunden, haben den bisherigen Strategien von Politik und Trägern eine deutliche Absage erteilt. Den Pflegepersonalbedarf einerseits durch Absenkung des Eingangsbildungsniveaus zur Pflegeausbildung, andererseits durch immer mehr nicht oder niedrig Qualifizierte zu decken ist nicht das, was pflegebedürftige Menschen wollen und brauchen“ stellt Johanna Knüppel, Referentin des DBfK, fest. „Im Gegenteil, dies gefährdet die Sicherheit der Bewohner und erhöht die Arbeitslast für Pflegefachkräfte immens. Durch kontinuierlich schlechte Arbeitsbedingungen hat man inzwischen erreicht, dass immer weniger geeignete junge Menschen den Beruf wählen. Pflegefachkräfte tolerieren die miserablen Arbeitsbedingungen nicht mehr und steigen aus. Die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft immer weiter auseinander, hier müssen andere Prioritäten gesetzt werden!“

Die Umfrage hat u.a. ergeben, dass in den Vorstellungen der Bevölkerung, was ein gutes Pflegeheim ausmacht, die Ausstattung mit genügend und gut qualifiziertem Pflegepersonal in der Rangliste ganz oben steht. Zeit für Zuwendung, respektvolle Behandlung, Freundlichkeit und ein großes Maß an Kontinuität des Fachpersonals folgen unmittelbar danach. Seit Jahren warnt der DBfK vor den Folgen von Personalabbau und niedrigen Fachkraftquoten in der Pflege. Geänderte Versorgungsbedarfe, auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Anteils dementiell erkrankter Bewohner, sind mit der in vielen Heimen stark ausgedünnten Personaldecke längst nicht angemessen zu befriedigen. Die Defizite erleben Pflegebedürftige wie Pflegende tagtäglich. Wir brauchen mehr und mehr gut qualifiziertes Personal in den Heimen, um den berechtigten Ansprüchen pflegebedürftiger Menschen gerecht zu werden und ihnen ein würdevolles Alter zu ermöglichen.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V.
Salzufer 6, 10587 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
http://www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke können Sie auf der Homepage http://www.dbfk.de nachlesen. Falls Sie Interviewwünsche haben oder noch mehr Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Mit freundlichen Grüßen
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
http://www.dbfk.de | Salzufer 6 | 10587 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77 | Umsatzsteuer Id.Nr. DE 114235140

Quelle: Pressemitteilung vom 16.10.2009

Hinweise zur Allensbuch-Studie und weitere Beiträge in diesem Forum unter
viewtopic.php?t=13009

PflegeCologne
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Re: DBfK fordert andere Prioritäten in der Pflegepersonalpol

Beitrag von PflegeCologne » 17.10.2009, 08:07

Presse hat geschrieben: ... Die Umfrage hat u.a. ergeben, dass in den Vorstellungen der Bevölkerung, was ein gutes Pflegeheim ausmacht, die Ausstattung mit genügend und gut qualifiziertem Pflegepersonal in der Rangliste ganz oben steht. Zeit für Zuwendung, respektvolle Behandlung, Freundlichkeit und ein großes Maß an Kontinuität des Fachpersonals folgen unmittelbar danach. Seit Jahren warnt der DBfK vor den Folgen von Personalabbau und niedrigen Fachkraftquoten in der Pflege. ....
Guten Morgen Forum!

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk und andere haben es hier schon oft bekundet: wir haben einen eklatanten Personalmangel in der Pflege - in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. An dieser Erkenntnis geht kein Weg vorbei.
Wer eine gute / angemessene Pflege haben will, muss an dieser "Stellschraube" drehen. Sie allein wird uns eine bessere Pflege und damit ein Zurückdrängen der Pflegemissstände bieten können. Pflege-TÜV und ähnliche Projekte kosten viel Geld, bringen aber kein Pflegeproblem vom Tisch, erhöhen lediglich den Druck und machen eigentlich alles noch schwieriger. So gesehen stufe ich den Pflege-TÜV und ähnliche Bestrebungen nur als Alibiveranstaltungen ein.
Ich setze darauf, dass alsbald konkrete Forderungen bezüglich einer erneuerten Pflegepolitik auf den Weg kommen. Ich freue mich schon jetzt, auf den Neusser Pflegetreff (Anfgang 2010), der dieses Thema aufgreift:

Welche Pflege wollen wir (uns leisten)?
viewtopic.php?t=12279
Die aktuell befragten BürgerInnen habe eine klare Vorstellung: Sie wollen mehr Pflegefachkräfte!

In diesem Sinne grüßt
Pflege Cologne
Alzheimer - eine Krankheit, die mehr Aufmerksamkeit erfordert! - Pflegesystem muss dem angepasst werden, auch, wenn es teurer wird! - Ich bin dabei:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

thorstein
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Beitrag von thorstein » 17.10.2009, 11:32

Auch der DBfK setzt die Diskussion um die Personalschlüssel in gewohnt diffuser Weise fort. Wenn es sich hier um eine Interessenvertretung handeln würde, darf doch zumindest eine konkrete Forderung zu einem bundesweitem Minimalschlüssel erwartet werden. Davon aber kein Wort. Ich gehe davon aus, dass in diesem Berufsverband nicht ein einziger Funktionär sitzt, der zu diesem Thema eine kompetente Auskunft geben könnte.

Hildegard Kaiser
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Pflegepersonalbemessungssysteme müssen her

Beitrag von Hildegard Kaiser » 18.10.2009, 07:00

thorstein hat geschrieben:Auch der DBfK setzt die Diskussion um die Personalschlüssel in gewohnt diffuser Weise fort. Wenn es sich hier um eine Interessenvertretung handeln würde, darf doch zumindest eine konkrete Forderung zu einem bundesweitem Minimalschlüssel erwartet werden. Davon aber kein Wort. Ich gehe davon aus, dass in diesem Berufsverband nicht ein einziger Funktionär sitzt, der zu diesem Thema eine kompetente Auskunft geben könnte.
Hallo thorstein,
der DBfK muss in der Tat gegenüber der Politik deutlicher werden und konkrete Handlungskonzepte vorlegen. Die Vertreter des DBfK müssen sich auch als Reformmotor für Veränderungen in den Pflegesystemen verstehen. Dabei müssen sie zwangsläufig für konkrete Bemessungssysteme zur Ermittlung von Pflegepersonalbedarf eintreten. Die Pflege-Personal-Regelung ist seinerzeit abgeschafft wurde, weil es den Verantwortlichen zu deutlich wurde, wie hoch der wirkliche Bedarf an Pflegekräften war und ist. Leider hat man sich allzu schnell mit der Beseitigung dieses Personalbemessungssystems abgefunden, auch seitens der Berufsverbände.
Jetzt gehört das Thema neu auf den Tisch - und der DBfK ist herausgefordert. Es müssen klare Worte her!
Lb. Grüße
Hilde
Mehr Pflegekräfte = bessere Pflege!

Ina Böhmer
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Pflegepersonalbemessungssysteme müssen her

Beitrag von Ina Böhmer » 19.10.2009, 06:55

Statement unter:
viewtopic.php?t=13020
Hildegard Kaiser hat geschrieben: ..... der DBfK muss in der Tat gegenüber der Politik deutlicher werden und konkrete Handlungskonzepte vorlegen. Die Vertreter des DBfK müssen sich auch als Reformmotor für Veränderungen in den Pflegesystemen verstehen. Dabei müssen sie zwangsläufig für konkrete Bemessungssysteme zur Ermittlung von Pflegepersonalbedarf eintreten. Die Pflege-Personal-Regelung ist seinerzeit abgeschafft wurde, weil es den Verantwortlichen zu deutlich wurde, wie hoch der wirkliche Bedarf an Pflegekräften war und ist. Leider hat man sich allzu schnell mit der Beseitigung dieses Personalbemessungssystems abgefunden, auch seitens der Berufsverbände.
Jetzt gehört das Thema neu auf den Tisch - und der DBfK ist herausgefordert. Es müssen klare Worte her! ....
Guten Morgen Forum!

Ich denke, dass vor allem der DBfK - als anerkannter Berufsverband der Pflegekräfte - gefordert ist, jetzt klar Position zu beziehen. Dieser Verband muss sich Gehör verschaffen und die entsprechenden Fakten benennen bzw. Handlungsnotwendigkeiten aufzeigen: Wir brauchen eine Politik, die in die Zukunft führt - die demografische Entwicklung lässt grüßen. Dabei ist es unabdingbar, für mehr und gut bezahltes Pflegepersonal einzutreten. Wer sich in dieser Weise jetzt nicht stark macht, ebnet den Weg in die Rund-um-Billigpflege. Diese Billigpflege wollen die Menschen ausdrücklich nicht. Sie wollen ausreichend und gut qualifiziertes Personal. Nur so ist zuwendungsoriente gute Pflege in Deutschland sicherzustellen.

MfG Ina
Der Pflegeberuf verdient mehr Anerkennung!

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Pflege-TÜV verstärkt Fachkräftemangel

Beitrag von Presse » 29.10.2009, 08:13

Pflege-TÜV verstärkt Fachkräftemangel

Laut einem Bericht des ARD-Magazins „Plusminus“ verstärkt der seit Juli 2009 laufende Pflege-TÜV den Fachkräftemangel in deutschen Pflegeheimen. Für die Überprüfungen der Pflegeheime benötigen die mit der Durchführung beauftragten Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) mehr sachverständige Mitarbeiter als bislang. Wie eine MDK-Sprecherin vor der Kamera bestätigte, werden darum auch Pflegefachkräfte aus Pflegeheimen abgeworben. Laut dem Magazin hat dies katastrophale Folgen für die ohnehin schon unter Fachkräftemangel leidenden Heime. Ein Heimdirektor, der allerdings anonym verbleiben wollte, sagte, in seinem Heim gebe es zurzeit kein qualifiziertes Personal.
„Abwerbungen finden möglicherweise in Einzelfällen statt“, sagt Johanna Knüppel, Referentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), „dies ist aber eher ein regionales und kein flächendeckendes Problem.“ Ein möglicher Grund sei, dass sich der eine oder andere MDK nicht rechtzeitig auf die geplanten Prüfungen vorbereitet und entsprechend Prüfer eingestellt habe. „Und dass diese nun versuchen, hinter verschlossenen Türen Fachkräfte abzuwerben, ist möglich“, räumt Johanna Knüppel gegenüber Bibliomed ein.
Das Hauptproblem der Heime sei vielmehr, dass diesen grundsätzlich Fachkräfte fehlen. „Der Fachkräftemangel ist gravierend. Mittlerweile melden sich Heimleiter schon beim DBfK und fragen, wie und wo sie kurzfristig Fachkräfte akquirieren können“, berichtet Johanna Knüppel. „Viele sind in Sorge, die Fachkraftquote nicht mehr erfüllen zu können, die je nach Bundesland im Durchschnitt knapp über 50 Prozent liegt.“ Ursachen des Fachkräftemangels seien die schlechten Arbeitsbedingungen, die geringe Anerkennung sowie die schlechte Entlohnung. Die Berufsverweildauer liege zudem sehr niedrig und es mangele an Nachwuchs. „Da gelten Gesetze des Marktes, gute Fachkräfte gehen zu den attraktiveren Arbeitgebern“, sagt die Referentin des DBfK.

Quelle: Pressemitteilung vom 28.10.2009
Bibliomed - Medizinische Verlagsgesellschaft mbH
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E-Mail: info@bibliomed.de

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Fachkräftemangel

Beitrag von thorstein » 29.10.2009, 20:16

Die Argumentation bei Plusminus ist natürlich Quatsch. Quantitativ fällt der Fachkräftebedarf beim Mdk nicht ins Gewicht. Und es ist wichtig, dass man erfahrene Pflegekräfte aus der Altenpflege anstellt, die die Probleme auch kennen und einordnen können.
Ärgerlich ist wiederum die Stellungnahme des DBfK. Ursache des fachkräftmangels ist selbstverständlich auch die miserable Ausbildung selbst, bei der die Auszubildenden regelmäßig als billige Arbeitskräfte verheizt werden. Bei den 50% PflegehelferInnen gibt es durchaus auch interessierte Kräfte, die aber von einem AZUBI-Gehalt nicht leben könnten. Hier müßte es entsprechende staatliche Unterstützung geben.
Außerdem brauchen wir jetzt nicht schon wieder eine Diskussion um Personalbemessungssysteme, sondern wir brauchen einen besseren Personalschlüssel: Jetzt. Ansonsten werden wir wieder und wieder der gleiche politische Verdummungsstrategie verfallen: Und wenn ich nicht mehr weiter weiss, dann bilde ich einen Arbeitskreis.

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Höchste Priorität für Reform der Pflegeausbildung

Beitrag von Presse » 05.11.2009, 17:58

DBfK fordert höchste Priorität für Reform der Pflegeausbildung

Mit großer Freude hat der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) e.V. im Koalitionsvertrag die Absicht für eine Zusammenführung der Pflegeausbildungen in einem Berufsgesetz registriert. ‚Das ist eine wichtige Botschaft, denn die Reform hat angesichts der aktuellen Probleme höchste Priorität’, so Franz Wagner, Bundesgeschäftsführer des DBfK. Mit der Aussage zur Regelung der Reform als Berufsgesetz habe die Koalition auch eine Festlegung getroffen, im Gesetz Aufgaben des neuen Pflegeberufes zu definieren, so Wagner weiter. Dies sei ein Quantensprung, der die Chance beinhalte, den Pflegeberuf attraktiver zu machen.

Angesichts des demographischen Wandels brauchen wir mehr Pflegefachkräfte denn je, aber wegen der miserablen Rahmenbedingungen in denen Pflegende arbeiten ist eine Ausbildung in der Pflege so unattraktiv wie nie. Politik und Arbeitgeber müssen einsehen, dass mit schönen Worten und Broschüren niemand für den Beruf gewonnen oder im Beruf gehalten werden kann. Der Beruf als solches muss attraktiver werden. Dazu trägt neben den Rahmenbedingungen vor allem die Ausbildung bei. Bisher hat die Politik auf Personalmangel meist mit Absenkung der Zugangsvoraussetzungen und Kompensation durch Assistenzpersonal reagiert. Wir brauchen aber im Gegenteil mehr Menschen mit höheren Qualifikationen und deshalb eine andere Ausbildung.

Eine Ausbildungsreform muss beinhalten:

· Die Zusammenführung der drei Pflegefachberufe zu einem neuen Beruf mit einer Berufsbezeichnung und Freizügigkeit innerhalb der EU im Sinne der EU-Richtlinie 36/2005 als Kern der Reform. Dabei sind unterhalb dieser Gemeinsamkeit Schwerpunktbildungen unterschiedlichster Art vorstellbar.

· Die regelhafte Möglichkeit, die Ausbildung auch an Hochschulen durchführen zu können. Dass der Bedarf da ist, belegen mehr als 15 Modell-Studiengänge für die Erstausbildung an Hochschulen und die Gründung des Gesundheits-Campus in NRW.

· Die Ausbildung in das staatliche Bildungssystem (Hochschulen oder Höhere Berufsfachschule nach Landesrecht) zu integrieren. Das bedeutet vor allem die Lösung der Ausbildung(-sstätten) von den Krankenhäusern.

· Horizontale und vertikale Durchlässigkeit der Bildungsangebote, d.h. mit jedem Abschluss wird u.a. der Zugang zur nächsten Bildungsebene eröffnet.

Der DBfK wird sich bei der Entwicklung der Gesetzesreform stark dafür einsetzen, dass (Aus)bildungsstandards nicht wieder den Interessen der Einrichtungsträger geopfert werden. Nur ein Gesamtpaket von anspruchs- und qualitätsvoller Ausbildung und Attraktivität der Berufstätigkeit kann eine ausreichende Zahl von Pflegefachkräften sichern. Mehr und bessere Ausbildung wirkt erst mittelfristig. Angesichts des akuten Pflegefachkraftmangels müssen vor allem die Tausenden Pflegenden zurück gewonnen werden, die unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht mehr in der Pflege arbeiten wollen oder dies lieber im Ausland tun.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V.
Salzufer 6, 10587 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
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Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke können Sie auf der Homepage www.dbfk.de nachlesen. Falls Sie Interviewwünsche haben oder noch mehr Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 5.11.2009

Mit freundlichen Grüßen
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
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Pflegenotstand - Politik muss handeln

Beitrag von ProPflege » 06.11.2009, 07:52

„Die neue Bundesregierung muss rasch nachhaltige Initiativen zur
Behebung der Notlage der Pflegenden und des dadurch ausgelösten
Pflegepersonalmangels ergreifen"


Andreas Westfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR),
in „PflegePositionen – Newsletter des DPR 11/2009
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/

KPHNeuss
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Unterfinanzierung der Pflegesysteme

Beitrag von KPHNeuss » 28.11.2009, 09:53

thorstein hat geschrieben:Auch der DBfK setzt die Diskussion um die Personalschlüssel in gewohnt diffuser Weise fort. Wenn es sich hier um eine Interessenvertretung handeln würde, darf doch zumindest eine konkrete Forderung zu einem bundesweitem Minimalschlüssel erwartet werden. Davon aber kein Wort. Ich gehe davon aus, dass in diesem Berufsverband nicht ein einziger Funktionär sitzt, der zu diesem Thema eine kompetente Auskunft geben könnte.
Hallo,
ich fürchte, dass diese Aussage nicht ganz unberechtigt ist. In der Tat müssen der DBfK und andere Verbände deutlichere Worte finden und vor allem konkrete Forderungen auf den Tisch legen. Die vielfach beschriebenen und erlebten Unzulänglichkeiten in der Pflege haben überwiegend mit der völlig desolaten Personalausstattung zu tun. Daran muss sich vorrangig etwas ändern, sonst gibt es keine Verbesserungen für die pflegebedürftigen Menschen. Selbst Karl Lauterbach, aktueller gesundheitspolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, erklärte in den letzten Tagen laut Medienberichte, dass das Pflegesystem unterfinanziert sei. Damit kann er nur die fehlenden Finanzmittel für eine auskömmliche Personalausstattung gemeint haben. Wie recht er damit hat!
MfG KPH Neuss
Für eine uneingeschränkt gute Pflege müssen wir alle eintreten - die Verfassung enthält die entscheidenden Wertegrundsätze: Die Menschenwürde ist unantastbar!

Sabrina Merck
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Pflege in den Krankenhäusern komplett ohne Lobby

Beitrag von Sabrina Merck » 19.12.2009, 08:35

Hallo Forum,

nach meinen Einschätzungen ist es so, dass die Krankenhäuser ursprünglich nur Geld von der Bundesregierung wollten. Damit hätten sie freie Hand gehabt, was sie mit diesen Mitteln finanzieren finanzieren. Vielleicht noch mehr Arztstellen? Nun sollen Gelder ausschließlich für die Pflege fließen. Insoweit gibt es offensichtlich vielerorts Widerstand. In den Krankenhäusern gibt es anscheinend Interessen, die einer vernünftigen personellen Ausstattung der Pflege zuwider laufen. Man kann es sich kaum erklären, aber so scheint es zu sein.

MfG Sabrina

Vgl. viewtopic.php?t=13393
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

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Mehr qualifiziertes Personal muss her

Beitrag von Rita Reinartz » 30.12.2009, 08:15

Aus:
viewtopic.php?p=49125#49125
Gaby Modig hat geschrieben: .... Ursache dafür kann eine enge Personaldecke sein, insbesondere dann, wenn das real verfügbare Personal aufgrund von krankheits- oder anderweitig bedingten Fehlzeiten geringer ist als die „theoretische“ Personalbemessung. Eine weitere Ursache können („zeitfressende“) Mängel in der Arbeitsorganisation sowohl innerhalb des Pflegebereichs als auch in der übergreifenden Zusammenarbeit z.B. mit der Hauswirtschaft oder dem ärztlichen Personal sein. ....
Die Ursachen sind sicherlich sehr unterschiedlich. Aber eine Ursache steht überall obenan: der Personalmangel. Darüber lässt sich nicht ernstlich streiten. Die Personalbemessung ist - wohl vorrangig aus Kostengründen - völlig unzureichend und muss dringlichst verbessert werden. Ohne eine solche Verbesserung sind alle anderen Anstrengungen nur Stückwerk und letztlich nicht geeignet, den vielfach beklagten Zeitdruck zu beseitigen.

RR.
Menschenwürdegarantie bedarf bei der Umsetzung entsprechender Rahmenbedingungen. Insoweit gibt es aber Optimierungsbedarf!

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Position des DBfK zum aktuellen Pflegepersonalmangel

Beitrag von Presse » 03.02.2010, 15:31

Position des DBfK zum aktuellen Pflegepersonalmangel

In allen Versorgungsbereichen zeichnet sich immer deutlicher der Personalmangel ab. Zunehmend wird es schwerer oder unmöglich, freie Stellen mit qualifizierten Pflegefachkräften zu besetzen. Der ‚War for Talents’ hat in der Pflege bereits begonnen.

In den deutschen Krankenhäusern wurden innerhalb von zehn Jahren 50.000 Stellen in der Pflege abgebaut. Nach Berechnungen von Simon (2008) fehlen 70.000 Stellen in den Krankenhäusern. Im Bereich der stationären Altenhilfe wurden zwar deutlich Stellen geschaffen, dies hält aber nicht mit den steigenden Bedarfen Schritt. Wegen der hohen Arbeitsbelastung, unattraktiven Rahmenbedingungen und den fehlenden Perspektiven im Beruf entscheiden sich immer mehr Pflegefachkräfte für den Ausstieg – häufig schon unmittelbar nach Ausbildungsende. Was notwendig wäre, um dem entgegenzusteuern, ist vom DBfK und Anderen vielfach beschrieben. Es fehlt bisher an politischer Einsicht und Entscheidungskraft und bei den Trägern an unternehmerischer Weitsicht, diese Schritte zu tun. Mittel- und langfristig wirksame Strategien sind aber keine Lösungen für Probleme von heute.

Der DBfK hat seit Jahren vor der jetzt eingetretenen Situation gewarnt. Diese war absehbar, die ursächlichen Weichenstellungen politisch und organisatorisch gewollt. Entscheidungsträger in Politik, bei Kostenträgern und auf Ebenen der Träger und Geschäftsführungen von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen haben bewusst Strukturen gestaltet und Prioritäten gesetzt, die durch massiven Stellenabbau bzw. kontinuierlich steigende Arbeitsbelastung zur Überlastung von Pflegefachkräften und letztlich dem Pflegepersonalmangel geführt haben.

Immer weniger Pflegende sind bereit, unter diesen Bedingungen zu arbeiten. In Deutschland gibt es also keinen absoluten Mangel an Pflegefachkräften, sondern einen Mangel an Pflegefachkräften, die bereit sind unter den gegenwärtigen Bedingungen zu arbeiten. Die Faktoren, die belasten und die Pflegeberufe unattraktiv machen, sind vielfach dokumentiert. Bei den Entscheidern hat dies aber zu keiner Konsequenz geführt, die Folgen werden billigend in Kauf genommen.

Diese Situation ist der Öffentlichkeit nicht verborgen geblieben. Deshalb ist eine Berufsentscheidung für einen Pflegeberuf zunehmend unattraktiv geworden, obwohl es immer noch einen signifikanten Anteil junger – und auch lebenserfahrener - Menschen mit guten Bildungsabschlüssen gibt, die sich für einen Pflegeberuf begeistern könnten.

Die Patienten-/Bewohnersicherheit ist gegenwärtig gefährdet. Angesichts des Personalmangels erleben die Pflegefachkräfte tagtäglich ein moralisches Dilemma, weil sie den Mangel organisieren und sich zwischen ihrem eigenen professionellen Qualitätsanspruch und einer Versorgung, die lebensbedrohliche Vernachlässigung der Klienten bedeutet, entscheiden müssen. Sie sind gezwungen, mit unzureichenden Mitteln eine Minimalversorgung aufrecht zu erhalten. Pflegende sind durch ihr Verantwortungsgefühl für Patienten/Bewohner erpressbar; einzelne Arbeitgeber beuten sie dadurch aus.

„Die Pflegende ist persönlich verantwortlich und rechenschaftspflichtig für die Ausübung der Pflege.“
(Auszug aus ICN-Ethikkodex, 2005)
http://www.dbfk.de/download/download/IC ... g-2005.pdf

Der DBfK unterstreicht die individuelle ethische Verantwortlichkeit jeder einzelnen Pflegefachkraft für ihr Handeln und Unterlassen. Zu einer professionellen Haltung in der Pflege gehört auch, auf strukturelle und organisatorische Ursachen von Minder- oder Fehlversorgung zu reagieren und diese adäquat und an zuständiger Stelle deutlich zu machen. Ein Instrument hierzu ist die Überlastungsanzeige. Der DBfK stellt dazu eine Mustervorlage zur Verfügung. Bleibt diese ohne Erfolg, ist die nächst höhere Hierarchieebene zu informieren (‚Dienstweg’) bis hin zum Träger. Der DBfK berät seine Mitglieder insbesondere bzgl. arbeitsrechtlicher Fragen.

Die pflegerischen Leitungspersonen auf allen Ebenen, insbesondere aber auf der Ebene der Geschäftsführung, erleben dieses Dilemma in ähnlicher Weise. Aber auch für sie gilt der Ethikkodex ihrer Profession! Es ist auch dort die Aufgabe, die eigenen professionellen Standards und das darauf begründete Vertrauen von Klienten nicht zu enttäuschen. Die zur Verfügung stehenden Mittel angesichts des akuten Personalmangels sind Sperrung von Betten, OP-Sälen, Stationen.

Trotz des allgemeinen Pflegefachkräftemangels haben einige Träger keine oder geringere Probleme, qualifiziertes Personal zu halten bzw. zu finden. Auch in schwieriger Finanzlage investieren sie in Pflegefachkräfte und strukturieren die Versorgung im Sinne von Vorrangtätigkeiten der verschiedenen Berufsgruppen um. Von diesen kann im Sinne von Best-practice gelernt werden.

Die Lehrer/-innen an den pflegeberufsbildenden Schulen tragen die Verantwortung, die Schüler/-innen im theoretischen Teil des Unterrichts auf die Situation vor Ort vorzubereiten und ihnen Instrumente an die Hand zu geben, in dieser Situation adäquat zu reagieren. Schüler/-innen sind keine Lückenfüller für die ausgedünnte Personaldecke auf den Stationen! Im Rahmen der Gesamtverantwortung der Schule für die Ausbildung sind die Lehrer/-innen verpflichtet, den Schüler/-innen auch im praktischen Teil des Unterrichts und der Ausbildung zur Seite zu stehen und sie vor Überforderung zu schützen. Die praktische Ausbildung ist sicherzustellen.

Die Aufgabe des DBfK ist es, weiterhin politisch darauf hinzuwirken, dass Mindeststandards in der Versorgung eingehalten und somit die Klienten vor Schaden und die Pflegefachkräfte vor Ausbeutung geschützt werden. Für die Zukunft ist es bedeutsam Grundlagen zu schaffen, die eine angemessene, dem Stand der pflegerischen und medizinischen Wissenschaft und Kunst entsprechende Versorgung und Betreuung gewährleisten. Mittel dazu sind:

* Personalbemessungsinstrumente und eine angemessene Personalausstattung,
* Ablösung der Ausbildung von Trägerinteressen,
* Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufes durch
• mehr Autonomie
• Karrierechancen
• Abrechenbarkeit pflegerischer Leistungen,
* mittelfristige Personalbedarfsplanung auf lokaler, regionaler und Bundesebene.

Download pdf, 53 KB
http://www.dbfk.de/download/download/po ... er_web.pdf

Berlin, im Januar 2010
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e. V., Salzufer 6, 10587 Berlin
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Beitrag von thorstein » 03.02.2010, 18:51

An diesem Positionspapier fällt sofort auf, das tatsächlich kaum ein Gedanke an die vorrangigen Opfer des Pfegenotstandes verschwendet wird, nämlich die Patienten und BewohnerInnen.
Merkwürdig mutet auch an, dass ein Berufsverband zwar seit Jahren vor der jetzt eingetretenen Situation gewarnt haben will, aber tragfähige Konzepte zur Lösung des Problems offensichtlich nicht vorliegen.
Das fachliche Versagen belegt die ständig wiederholte Forderung nach Personalbemessungsverfahren, wodurch die Probleme weiterhin in die Zukunft verstetigt werden, ohne einen Mindest-Personalschlüssel für hier und heute zu formulieren.
Wie eine angemessen Pflege aussehen müßte, wissen wir z.B. durch Tausende von praktischen Prüfungen durch die Fachlehrer an den Berufsschulen. An unzureichendem Datenmaterial kann es daher wohl nicht liegen.
Brauchen wir tatsächlich Berufsverbände, die politisch darauf hinwirken wollen, dass Mindeststandards eingehalten werden. Geht es noch eine Nummer kleiner? Im Zeugnis würde ich vermerken: Hat sich stets bemüht!

Sabrina Merck
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Personalnotstand mit Konzepten überwinden helfen - jetzt

Beitrag von Sabrina Merck » 06.02.2010, 11:34

thorstein hat geschrieben: .... Das fachliche Versagen belegt die ständig wiederholte Forderung nach Personalbemessungsverfahren, wodurch die Probleme weiterhin in die Zukunft verstetigt werden, ohne einen Mindest-Personalschlüssel für hier und heute zu formulieren. ....
![/b]
Hallo,

ich sehe vor allem den DBfK in der Pflicht, Konzepte / Gesetzentwürfe zu entwickeln, die wirklich weiter helfen können, den Pflegenostand in allen Bereichen zu überwinden. Der DBfK darf nicht auf die Ministerien und Parlamente warten. Er muss als Berufsvertretung argumenativ Veränderungen einfordern. Ggf. muss er auch dafür eine öffentliche Bewegung / Demo ... organisatieren, um das alles durchzusetzen.

Vielleicht sollte der DBfK auch darum bitten, Pflegewissenschaftler in die einschlägigen Ministerien senden zu dürfen, damit diese dort berufspolitisch richtige Texte entwickeln. Bei der Pharmaindustrie war und ist das möglich, warum nicht auch bei der Pflege ???

MfG Sabrina
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
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