MDK-Behandlungsfehler-Begutachtung: Anstrengungen für Patientensicherheit verstärken

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

Moderator: WernerSchell

Gesperrt
WernerSchell
Administrator
Beiträge: 21827
Registriert: 18.05.2003, 23:13

MDK-Behandlungsfehler-Begutachtung: Anstrengungen für Patientensicherheit verstärken

Beitrag von WernerSchell » 16.05.2019, 16:21

Bild

MDK-Behandlungsfehler-Begutachtung: Anstrengungen für Patientensicherheit verstärken

Bild

14.133 fachärztliche Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern hat der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) 2018 erstellt. In jedem vierten Fall wurde ein Fehler bestätigt. Das geht aus der Begutachtungsstatistik hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Sicherheitsmaßnahmen müssen konsequent umgesetzt werden. Notwendig sind Patientensicherheitsbeauftragte und eine nationale Strategie zur Fehlervermeidung.

Bild

Die Anzahl der Gutachten ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. In knapp jedem vierten Fall (3.497) bestätigten die MDK-Gutachterinnen und Gutachter den Verdacht der Versicherten. In jedem fünften Fall (2.799) stellte der MDK fest, dass der Fehler den erlittenen Schaden auch verursacht hat. „Unsere Begutachtungsstatistik zeigt jedoch nur einen kleinen Ausschnitt. Daher lassen sich keine generellen Aussagen zum Gefährdungsrisiko ableiten. Wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass auf jeden festgestellten Behandlungsfehler etwa 30 unentdeckte Fälle kommen. Die Dunkelziffer ist hoch“, sagt Dr. Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des MDS. Das Wichtigste sei, über schwerwiegende und sicher vermeidbare Schadensereignisse wie Seiten- und Medikamentenverwechslungen oder im Körper verbliebene Fremdkörper nach Operationen – so genannte Never Events − zu berichten, um diese künftig systematisch zu vermeiden. Gronemeyer regt die Schaffung einer nationalen Never-Event-Liste und den Einsatz von Patientensicherheitsbeauftragten an, um die Sicherheitskultur in Deutschland voranzubringen. Denn, so Gronemeyer: „Sicherheitskultur ist auch Berichtskultur“.

Bild

Fehler in vielen Fachgebieten und bei unterschiedlichsten Eingriffen

In der aktuellen MDK-Begutachtungsstatistik betrafen zwei Drittel der Vorwürfe Behandlungen in der stationären Versorgung, zumeist in Krankenhäusern (9.433 Fälle); ein Drittel bezog sich auf Arztpraxen (4.649 Fälle). „Hintergrund dieser Verteilung ist, dass sich die meisten Behandlungsfehlervorwürfe auf operative Eingriffe beziehen und diese erfolgen zumeist in der stationären Versorgung“, sagt Prof. Dr. Astrid Zobel, Leitende Ärztin des MDK Bayern.

31 Prozent aller Vorwürfe (4.349 Fälle) betrafen die Orthopädie und Unfallchirurgie, 13 Prozent die Innere Medizin und Allgemeinmedizin (1.792 Fälle), 9 Prozent die Allgemein- und Viszeralchirurgie (1.315 Fälle), ebenfalls 9 Prozent (1.231 Fälle) die Frauenheilkunde und Geburtshilfe, 8 Prozent die Zahnmedizin (1.109 Fälle) und 5 Prozent die Pflege (794 Fälle). „In Fachgebieten, in denen häufig Behandlungsfehler vorgeworfen werden, werden anteilmäßig nicht die meisten Fehler bestätigt. Eine Häufung von Vorwürfen sagt nichts über die Fehlerquote oder die Sicherheit in dem jeweiligen Fachbereich aus“, erläutert Zobel. Häufungen würden viel mehr darüber etwas aussagen, wie Patientinnen und Patienten Behandlungen erlebten. Fehler seien für Betroffene bei chirurgischen Eingriffen meist leichter erkennbar als zum Beispiel Medikationsfehler auf der Intensivstation.

Die festgestellten Fehler betreffen die unterschiedlichsten Erkrankungen und die verschiedensten Behandlungen. Sie reichen von Hüftgelenksimplantationen über Zahnentfernungen bis hin zu Kaiserschnittentbindungen und Blinddarmoperationen. Die Zahlen sind nur repräsentativ für die vom MDK begutachteten Fälle, aber nicht für alle Behandlungsfehler in Deutschland. Daher lassen die Daten auch keine generellen Rückschlüsse auf die Patientensicherheit insgesamt zu.

Bild

Never Events von großer Bedeutung für Sicherheitskultur

Fehler, die sicher zu verhindern wären und gleichzeitig große Schäden verursachen können – wie zum Beispiel Verwechslungen des Patienten, der Seite, des beabsichtigten Eingriffs oder eines Medikaments – sind für das Erkennen, Umsetzen und Bewerten von Sicherheitsmaßnahmen von großer Bedeutung. „Wenn ein Never Event geschieht, dann bedeutet das nicht, dass Einzelne in der Medizin oder in der Pflege einen besonders verwerflichen Fehler gemacht haben. Es zeigt vielmehr, dass Sicherheitsvorkehrungen unzureichend umgesetzt wurden und Risiken im konkreten Versorgungsprozess bestehen“, erklärt PD Dr. med. Max Skorning, Bereichsleiter Qualität und Patientensicherheit beim MDS. Für die systematische Fehlervermeidung seien die gezielte Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen und das Messen der Schadensereignisse entscheidend. Denn nur dann kann man feststellen, ob die Maßnahmen zu weniger Fehlern und zu weniger Schäden führen. „Erfolge, die nicht klar gemessen werden, sind nicht von Dauer“, sagt Skorning.

Hintergrund
Spezielle Gutachterteams des MDK prüfen Vorwürfe von Behandlungsfehlern im Auftrag der gesetzlichen Krankenkassen. Die Gutachterinnen und Gutachter gehen dabei der Frage nach, ob die Behandlung nach dem anerkannten medizinischen Standard und in aller Sorgfalt abgelaufen ist. Liegt ein Behandlungsfehler vor, wird außerdem geprüft, ob der Schaden, den Versicherte erlitten haben, durch den Fehler verursacht worden ist. Nur dann sind Schadenersatzforderungen aussichtsreich. Auf der Basis des MDK-Gutachtens können die Betroffenen entscheiden, welche weiteren Schritte sie unternehmen wollen. Versicherten entstehen durch die MDK-Begutachtung keine zusätzlichen Kosten.

Quelle: Pressemitteilung vom 16.05.2019
Pressekontakt:
MDS, Pressestelle
Michaela Gehms
Mobil: +49 172 3678007
m.gehms@mds-ev.de
> https://www.mds-ev.de/presse/pressemitt ... 05-16.html

Der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) berät den GKV-Spitzenverband in medizinischen und pflegerischen Fragen. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der MDK.
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und der Pflegeversicherung. Er ist auf Landesebene als eigenständige Arbeitsgemeinschaft organisiert.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 21827
Registriert: 18.05.2003, 23:13

DKG ZUR BEHANDLUNGSFEHLERSTATISTIK DES MDK - Patientensicherheit ist Leitschnur der Krankenhäuser

Beitrag von WernerSchell » 16.05.2019, 16:27

Bild

DKG ZUR BEHANDLUNGSFEHLERSTATISTIK DES MDK
Patientensicherheit ist Leitschnur der Krankenhäuser


Zu den heute vorgelegten Zahlen des MDK zu Behandlungsfehlern erklärt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum:
„Fehlervermeidung ist zentrales Ziel der Krankenhäuser, denn die Sicherheit der Patienten ist Leitschnur jeglichen ärztlichen und pflegerischen Handelns. Mit immer ausgefeilteren Checklisten, Fehlermeldesystemen und Qualitätssicherungsmaßnahmen unternehmen die Kliniken alles, um die höchstmögliche Patientensicherheit zu gewährleisten. Das verdeutlichen auch die Zahlen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Bei mehr als 40 Millionen ambulanten und stationären Fällen in Krankenhäusern lag schlussendlich nach Prüfung in rund 2500 Fällen ein Fehler in den Krankenhäusern vor. Auch von den vermuteten Fehlern stellten sich nur 25 Prozent als tatsächliche Fehler heraus. Und darunter fallen auch Dokumentationsfehler und ähnliches. In noch weniger Fällen ist dem Patienten ursächlich durch einen Fehler ein Schaden entstanden. Jeder Fehler ist einer zu viel. Aber es muss auch festgehalten werden, dass die Kliniken alles tun, um sich noch weiter zu verbessern und erreichen schon heute ein extrem hohes und international anerkanntes Behandlungsniveau.
Die Krankenhäuser haben in den letzten Jahren verstärkt Fehlervermeidungs- und Risikominimierungsstrategien entwickelt, um in systematischer Form Fehler oder Risiken der Patientenversorgung zu verhindern. Ziel dabei ist es, Fehler durch strukturierte und kontrollierte Abläufe so weit wie möglich auszuschließen. Komponenten sind dabei die Vermeidung von OP-Verwechslungen, die Nutzung von OP-Checklisten, Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen (M&M-Konferenzen) oder die Kennzeichnung von Kommunikationsbarrieren. Zentrale Bestandteile sind die verpflichtenden Maßnahmen für das Risikomanagement und die Fehlermeldesysteme. Die Mitarbeiter können über das Fehlermeldesystem anonym und sanktionsfrei Fehler melden. Diese werden transparent gemacht, um daraus zu lernen. Die niedrigen Fehlerzahlen zeigen die Erfolge dieser Maßnahmen.“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) ist der Dachverband der Krankenhausträger in Deutschland. Sie vertritt die Interessen der 28 Mitglieder - 16 Landesverbände und 12 Spitzenverbände - in der Bundes- und EU-Politik und nimmt ihr gesetzlich übertragene Aufgaben wahr. Die 1.951 Krankenhäuser versorgen jährlich 19,5 Millionen stationäre Patienten und rund 20 Millionen ambulante Behandlungsfälle mit 1,2 Millionen Mitarbeitern. Bei 97 Milliarden Euro Jahresumsatz in deutschen Krankenhäusern handelt die DKG für einen maßgeblichen Wirtschaftsfaktor im Gesundheitswesen.

Quelle: Pressemitteilung vom 16.05.2019
Kontakt:
Joachim Odenbach (Leitung)
Holger Mages
Dr. Jörn Wegner
Rike Stähler
Tel. (030) 3 98 01 - 1020 / - 1022 / - 1024
Sekretariat
Stephanie Gervers
Tel. (030) 3 98 01 -1021
Fax (030) 3 98 01 -3021
e-mail: pressestelle@dkgev.de
web: www.dkgev.de
> https://www.dkgev.de/dkg/presse/details ... enhaeuser/

Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)
Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Wegelystraße 3
10623 Berlin
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 21827
Registriert: 18.05.2003, 23:13

RMDS-Statistik - Leichter Anstieg bei Behandlungsfehlern

Beitrag von WernerSchell » 16.05.2019, 16:30

Ärzte Zeitung vom 16.05.2019:
MDS-Statistik
Leichter Anstieg bei Behandlungsfehlern

Rund jeder vierte Verdachtsfall auf einen Behandlungsfehler konnte 2018 von Kassen-Gutachtern bestätigt werden. Die Zahl der Fälle ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/red ... C46BAC258D
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 21827
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Behandlungsfehler-Begutachtung: Patientenrechte müssen dringend verbessert werden!

Beitrag von WernerSchell » 16.05.2019, 16:43

Angefügt ein Zitat von Harald Weinberg, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, zu den heute vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen veröffentlichten Zahlen über Behandlungsfehler.
Christian Posselt

Harald Weinberg: „Die Zahlen zeigen erneut, dass die Patientenrechte dringend verbessert werden müssen und dass ein besseres Fehlermanagement sowie anonyme Fehlermeldesysteme notwendig sind. Für Geschädigte gleicht die Auseinandersetzung mit dem Arzt oder Krankenhaus noch immer dem Kampf von David gegen Goliath. Die wenigsten wagen bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler die Auseinandersetzung vor Schlichtungsstellen oder Gerichten. Die Geschädigten müssen obendrein meist den Nachweis über den Behandlungsfehler selbst erbringen - wir brauchen hier eine Beweislastumkehr. In den Verhandlungen muss endlich Chancengleichheit gewährleistet werden. Um Behandlungsfehler zu vermeiden, sind darüber hinaus ein offener Umgang und eine Entstigmatisierung nötig. Für besonders schwierige Fälle sollte ein Entschädigungsfonds eingerichtet werden.“

-----------------------------------------------------------------------------------------
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Pressesprecher: Michael Schlick, Tel. 030/227-50016, Mobil 0172/373 13 55 Stellv. Pressesprecher: Jan-Philipp Vatthauer Tel. 030/227-52801, Mobil 0151/282 02 708 Stellv. Pressesprecherin: Caroline Heptner Tel. 030/227-52810, Mobil 0151/576 92 455 Telefax 030/227-56801, pressesprecher@linksfraktion.de, www.linksfraktion.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 21827
Registriert: 18.05.2003, 23:13

So häufig sind Behandlungsfehler in der Medizin

Beitrag von WernerSchell » 16.05.2019, 17:06

So häufig sind Behandlungsfehler in der Medizin
Die Gutachter der gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr knapp 3.500 Fehler bei der Behandlung von Patienten festgestellt. Klingt nicht viel – bei Millionen von medizinischen Behandlungen in Deutschland. Aber: begutachtet wurden nur Fälle, die Patienten mitbekommen und an die Krankenkassen gemeldet haben – das ist rund 14.000 mal geschehen. Und die Dunkelziffer ist hoch – Studien lassen vermuten, dass auf einen entdeckten Behandlungsfehler 30 unentdeckte kommen. Viele dieser Fehler könnten verhindert werden – bei einer entsprechenden Fehlerkultur. Das heißt Fehler sollten nicht vertuscht, sondern berichtet werden. Damit alle daraus lernen können und damit entsprechende Sicherungen eingebaut werden können. Quarks-Reporterin Christina Sartori mit Details und Möglichkeiten für die Patienten | audio > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... n-100.html

Mehr: "Überdosis Medizin" eine Quarks-Sendung vom 27.10.2015 | video > https://www1.wdr.de/mediathek/video/sen ... n-100.html

Quelle: Mitteilung vom 16.05.2019
Quarks-Team
quarks@wdr.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

Gesperrt