Wenn Pflegekräfte töten - aus Mitleid oder was?

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

Moderator: WernerSchell

Kölner Krankenpfleger unter Tötungsverdacht

Beitrag von » 07.02.2006, 08:42

Kölner Krankenpfleger unter Tötungsverdacht

Montag, 6. Februar 2006
Köln - Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen einen Krankenpfleger wegen des Verdachts der Tötung schwerstkranker Patienten. Das Verfahren sei nach Hinweisen der Klinikleitung eingeleitet worden, teilte die Behörde am Montag (6.2.2006) mit. Es bestehe der Verdacht, dass der auf einer Isolierstation für Schwerstkranke arbeitende 29-Jährige Patienten mit

Kaliumchlorid zu Tode gespritzt habe. Um wie viele Fälle es sich handeln könne, stehe aber noch nicht fest. Der Krankenpfleger sei derzeit vom Dienst freigestellt.
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http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=23016

tagesschau-newsletter

"Todespfleger" von Sonthofen vor Gericht

Beitrag von tagesschau-newsletter » 07.02.2006, 09:32

"Todespfleger" von Sonthofen vor Gericht

Es war eine in Deutschland beispiellose Tötungsserie: Zwischen Januar 2003 und Juli 2004 starben in der Allgäuer Klinik in Sonthofen 29 Menschen, deren Tod der damalige Krankenpfleger Stephan L. durch Verabreichung von Medikamenten absichtlich herbeigeführt haben soll - aus Mitleid, wie der 26-Jährige behauptet. Ab heute befasst sich das Landgericht Kempten mit den Fällen.

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Quelle: tagesschau-newsletter vom 07.02.2006

Deutsche Hospiz Stiftung

Prozessauftakt Sonthofen: Tatort Altenpflege

Beitrag von Deutsche Hospiz Stiftung » 07.02.2006, 10:48

Deutsche Hospiz Stiftung zum Prozessauftakt Sonthofen: Tatort Altenpflege - Justizminister und Heimleitungen sind gefordert / Pflegekräfte stärken

Berlin/München. "Als Patient oder Angehöriger hat man keine Chance, ein Pflegeheim oder Krankenhaus als möglichen Tatort zu entlarven", erklärt der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. Solche Einrichtungen, das zeigt der heute beginnende Prozess um den so genannten Todespfleger von Sonthofen, galten bislang als gewaltfreie, als Schutz bietende Räume für Hilfebedürftige. "Nur wer sich als Verantwortlicher von Pflegeheimen offen und sensibel dem Thema stellt; nur, wer die Möglichkeit in Betracht zieht, dass Tötungsdelikte auch im eigenen Haus stattfinden könnten, der hat eine Chance, solchen Taten vorzubeugen", mahnt Brysch.

Justizminister müssen Leichenschauen bundesweit einheitlich regeln

Gerade in Pflegeheimen und Krankenhäusern haben es Serientäter bislang einfach. Zu wenig Supervision, zu geringe Kontrollen des Medikamentengebrauchs und - daraus resultierend - fehlende Verdachtsmomente lassen es zu, dass sich Serientäter in einer für die Patienten fatalen Sicherheit wiegen können. "Ziel muss also sein, das Pflegepersonal zu stärken - das kann etwa durch vermehrte und intensivere Teamgespräche auf allen Ebenen oder auch durch Gruppen- und Einzelsupervision erfolgen", betont Brysch. Denn nur das Team der Pflegekräfte - das hat die Praxis gezeigt - ist in der Lage, Konflikte nicht in der Katastrophe des Tötens enden zu lassen. Zur besseren Aufklärung solcher Tötungen sind aber auch die
Länder gefordert: Eine bundesweit einheitliche Regelung, die die Pflicht amtsärztlicher Leichenschauen für Verstorbene in Pflegeheimen und Kindern unter vier Jahren verbindlich festschreibt, muss jetzt kommen. Die Justizminister müssen auf ihrer Frühjahrskonferenz im Juni in Erlangen den Wildwuchs auf Länderebene beseitigen.

Bei Fragen:
Andrea Breddermann Telefon: 030 / 2 84 44 84 - 2

Quelle: Pressemitteilung 09-06 07. Februar 2006

BR-online

Krankenpfleger legt Geständnis ab

Beitrag von BR-online » 08.02.2006, 08:09

Krankenpfleger legt Geständnis ab

Vor dem Landgericht Kempten hat am Dienstagvormittag (7.2.2006) der Mordprozess um die größte Tötungsserie der deutschen Nachkriegsgeschichte begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Krankenpfleger aus Sonthofen vor, 29 Patienten mit einer Medikamenten-Mischung zu Tode gespritzt zu haben.

Zum Prozessauftakt hat der Krankenpfleger ein Geständnis abgelegt und die Familien der Opfer um Verzeihung gebeten. Seine Taten seien durch nichts zu rechtfertigen, sagte er in einer Erklärung vor dem Gericht. Er habe den Patienten kurz vor ihrem natürlichen Tod ein "künstliches Ende" gesetzt. Der Mann betonte aber, er sei nicht sicher, ob er für sämtliche ihm zur Last gelegten 29 Todesfälle verantwortlich sei.
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WernerSchell
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„Die Todesengel“ – TV-Tipp für den 9.2.2006!

Beitrag von WernerSchell » 09.02.2006, 09:48

„Die Todesengel“ – TV-Tipp für den 9.2.2006!

Sehr geehrte Damen und Herren,

die ARD bringt heute, 9.2.2006, 23.45 – 0.30 Uhr, eine Dokumentation von Matthias Franck mit dem Titel „Die Todesengel – Wenn Pfleger morden“.

Immer wieder ist die Öffentlichkeit erschüttert, wenn sich Krankenhaus- und Heim-Mitarbeiter zu Todesengeln aufschwingen. Hier spricht zum ersten Mal im Fernsehen ein verurteilter Ex-Pfleger über seine Taten und Motive (Quelle: GONG).

Näheres zum Thema

--- Patienten getötet – aus Mitleid
http://www.kmvw.net/forum/viewtopic.php?t=2190
--- Arzt- und Patientenrecht
http://www.kmvw.net/forum/viewforum.php?f=2

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell
http://www.wernerschell.de (Infos zum Pflegerecht und Gesundheitswesen)
http://www.pflege-shv.de (Initiative für menschenwürdige Pflege)
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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NDR

Die Todesengel - Wenn Pfleger morden

Beitrag von NDR » 09.02.2006, 11:20

Reportage / Dokumentation am 9.2.2006, 23.45 Uhr, im Ersten
Die Todesengel - Wenn Pfleger morden


Wiederholung am 20.02.2006, 23.00 Uhr im NDR Fernsehen

Was dem Krankenpfleger Stephan L. vorgeworfen wird, ist ungeheuerlich: die Tötung von 29 Patienten des Krankenhauses Sonthofen. Und doch kein Einzelfall: Immer wieder wird die Öffentlichkeit davon erschüttert, dass sich Krankenschwestern und Pfleger im scheinbar geschützten Raum von Kliniken zu Todesengeln aufschwingen.

Keinerlei Kontrolle im Krankenhaus Sonthofen
Niemand vermutet die Täter dort, wo es um ärztliche Versorgung, Pflege und Heilung geht. Weil man es für undenkbar hält, konnten Pfleger immer wieder über einen langen Zeitraum morden. Frühe Warnhinweise wurden nahezu in allen Fällen ignoriert. Stephan L. im Krankenhaus Sonthofen konnte unbemerkt seine tödlichen thingy mixen, weil es keinerlei Kontrolle gab, weil die verantwortlichen Ärzte es nicht für nötig hielten, im Zweifelsfall eine Überprüfung oder Obduktion anzuordnen. Stets wurde routinemäßig ein natürlicher Tod bescheinigt. Zum ersten Mal spricht im Fernsehen ein verurteilter Ex-Pfleger über seine Motive.

Täter meist unsichere Menschen
Die Dokumentation zeigt, dass die Täter meist selbst unsichere Menschen sind, die besonders um die Anerkennung anderer kämpfen. Sie pflegen zwar hilflose Menschen, sind aber nicht in der Lage mitzuempfinden. Bei ihnen verwischt sich die Grenze zwischen eigenem und fremden Elend. Oft verteidigen sich die "Todesengel" damit, schwerkranke Patienten von ihrem Leid erlösen zu wollen. Aber mit jeder Tat sinkt die Hemmschwelle ihnen anvertraute Menschen sogar dann noch zu töten, wenn sie schon auf dem Wege der Besserung sind.

Fundstelle: http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,,O ... 88,00.html
Link: http://www.br-online.de/bayern-heute/ar ... /index.xml

KDA

Tötungsdelikte in der Pflege - wie gehen wir damit um?

Beitrag von KDA » 09.02.2006, 17:02

Einladung zur Pressekonferenz des Kuratoriums Deutsche Altershilfe:

Tötungsdelikte in der Pflege - wie gehen wir damit um?

Sehr geehrte Damen und Herren,

09. Februar 2006: die in der letzten Zeit gehäufte Presseberichterstattung über Tötungsdelikte in der Pflege bzw. über die Prozesse der angeklagten Personen verunsichern die Pflegebedürftigen, deren Angehörige sowie die beruflich Pflegenden gleichermaßen. Müssen Menschen, die sich in eine pflegerische Versorgung begeben, um ihr Leben fürchten? Müssen sich Angehörige um den Schutz der ihnen nahe stehenden Personen sorgen oder gar im Todesfall die Todesursache hinterfragen? Müssen Pflegekräfte in einem Klima von Misstrauen und Resignation ihre Arbeit verrichten? Ist also die Pflegesituation so angespannt, dass die Arbeit der ganzen Branche in Frage gestellt werden muss?

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) greift auf seiner Pressekonferenz zur Fachmesse

"Altenpflege+ProPflege" in Hannover
am 15. Februar 2006
um 11 Uhr
im Saal Moskau (Galerie, Halle 2)

aus aktuellem Anlass das Thema "Tötungsdelikte in der Pflege" auf und möchte Ihnen erläutern, warum die derzeit diskutierten Delikte und ihre Hintergründe nicht ein Abbild der Pflegequalität in Deutschland darstellen. Zudem wollen wir Ihnen auch darlegen, wie die Pflegeverantwortlichen auf diese Situation reagieren sollten und was Sie tun können, damit sich solche Fälle nicht wiederholen. Antworten auf Ihre Fragen geben Ihnen:

Dr. Hartmut Dietrich, Vorstandsvorsitzender KDA
Klaus Großjohann, Geschäftsführer KDA
Katrin Markus, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin der BIVA (Bundesinteressensvertretung und Selbsthilfeverband der Bewohnerinnen und Bewohner von Altenwohn- und Pflegeeinrichtungen e.V.)
Prof. Dr. Ruth Schwerdt, Professorin für Pflegewissenschaft an der Fachhochschule Frankfurt am Main und KDA-Kuratorin
Christine Sowinski, Psychologin und Fachbereichskoordinatorin für Soziales und Pflege, KDA
Bitte geben Sie uns per E-Mail Bescheid, ob wir mit Ihrer Teilnahme rechnen können!

Wir freuen uns auf Sie und verbleiben mit den besten Grüßen

Harald Raabe und Ines Jonas
Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: publicrelations@kda.de
Fon: 0221/ 931847-39 oder 19

P.S.: Das KDA ist auch mit einem Bücher- und Informationsstand auf der Messe vertreten. Sie finden uns in Halle 3, Stand C 55.

http://www.kda.de/

Bettina Mockenhaupt

Gerichtsmedizin ist gefordert!

Beitrag von Bettina Mockenhaupt » 10.02.2006, 11:06

Hallo Forum !

Patiententötungen, aus welchen Erwägungen auch immer, können nicht einfach weg-diskutiert werden. Das Maß ist voll.

Ich denke, dass in der Pflege ausreichend Personal her muss. Daher unterstütze ich den Pflege-Selbsthilfeverband e.V. uneingeschränkt!

Belastungssituationen müssen bei jedweder Pflegetätigkeit auf jeden Fall vermieden werden.

Patiententötungen zu vermeiden ist auch eine Aufgabe der Gerichtsmedizin. Daher müssen die Ärzte sorgfältiger die Leichenschau durchführen und bei geringsten Zweifeln am natürlichen Tod müssen gerichtliche Leichenschauen / Öffnungen stattfinden. Nur so ist das Problem anzugehen!

Ich grüßte herzlich
Ihre Bettina Mockenhaupt
Altenpflegerin

Pat.Verf. Newsletter

Patiententötungen - Um Mitleid geht es nicht

Beitrag von Pat.Verf. Newsletter » 14.02.2006, 08:52

Um Mitleid geht es nicht

Aus Badische Zeitung (BZ)vom 9.2.2006:
BZ-INTERVIEW mit dem Psychiatrieprofessor Karl H. Beine zum Thema Patiententötungen

<< FREIBURG. Es ist die größte Tötungsserie in der deutschen Nachkriegszeit. Der “Todespfleger von Sonthofen”, der derzeit vor Gericht steht, soll 29 Menschen umgebracht haben. Täter wie er rechtfertigen sich oft mit Mitleid. Es sind eher egoistische Motive am Werk, sagt Karl H. Beine, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Privaten Universität Witten/Herdecke. Er hat 20 Tötungsserien in mehreren Ländern untersucht. Mit Beine, der auch Chefarzt des St.-Marien-Hospitals in Hamm ist, sprach Michael Heilemann. ...
...
BZ:
Was können Sie zu den Motiven der Täter sagen? Viele behaupten, sie handelten aus Mitleid.

Beine:
Richtig, aber einer kritischen Überprüfung hält das nicht stand. Denn die Täter verwenden zum Teil brutale Tötungsmethoden. Und sie kennen ihre Opfer oft gar nicht oder erst ganz kurze Zeit. Die Täter wissen folglich nichts über die Prognose für diese Patienten. Außerdem fragen sie ihre Opfer auch gar nicht, ob sie mit dem einverstanden sind, was sie zu tun gedenken. Mit Mitleid oder Tötung auf Verlangen hat das also nichts zu tun.

BZ:
Was treibt die Täter dann?

Beine:
Das Täterprofil sieht so aus, dass diese Menschen mehr als andere im Gesundheitswesen selbstunsicher sind und ihren Beruf ergreifen, um sich besser zu fühlen, um Bestätigung zu bekommen. Sie wollen Sätze hören wie: Das ist ja toll, was du da machst, das könnte ich ja gar nicht...
... dann bleibt diese Wertschätzung aus und die Täter beginnen, an diesen Verhältnissen zu leiden. Und, das ist entscheidend, sie können irgendwann nicht mehr trennscharf unterscheiden zwischen dem eigenen Leiden und dem Leiden der Patienten. Dann wächst die Bereitschaft, solche Taten zu begehen.

BZ:
Weil die Täter ihren Frust auf den Patienten abladen? Und dann, mit diesem, auch ihr eigenes Leiden aus der Welt zu schaffen glauben?

Beine:
Das funktioniert natürlich unbewusst, aber vereinfacht kann man das so sagen. Dieser Mechanismus der Vermischung des eigenen mit dem fremden Leiden nennt sich projektive Identifikation. Er zeigt sich darin, dass diese Täter sagen: Ja, es ist wahr, dass man sein eigenes Leiden erleichtert, wenn man das des anderen erleichtert. Ganz verkürzt: Patiententötungen haben mehr mit dem Befinden des Täters zu tun als mit allem andern...>>

Komplett unter: http://www.badische-zeitung.de/nachrich ... 55357.html

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In eigener Sache: Da wir längst nicht mehr jede Meldung hier bringen können, auch um unsere Abonnenten nicht zu überfrachten, bitten wir besonders Interessierte, ab und zu unsere Infodatenbank zu besuchen:

http://www.patientenverfuegung.de/pv/archiv.htm

Dort finden Sie z.B. die aktuelle Auseinandersetzung um das in Österreich vorgesehene Gesetz zur Patientenverfügung.

Quelle: PATIENTENVERFUEGUNG NEWSLETTER vom 14.2.2006

KDA

Tötungsdelikte in der Pflege ...

Beitrag von KDA » 15.02.2006, 12:03

Tötungsdelikte in der Pflege: Gerät die ganze Berufsgruppe in Misskredit?
KDA spricht sich für eine bessere Mitarbeiterführung aus


Hannover (KDA) - 15.02.2006 - "Tötungsdelikte in der Pflege stellen nach Auffassung des Kuratoriums Deutsche Altershilfe bezogen auf die rund 1,2 Millionen Beschäftigten in der Pflege zwar schreckliche Einzelfälle dar, aber sie erschüttern nachhaltig das Vertrauen in das Gesundheits- und Pflegesystem", betonte Dr. Hartmut Dietrich, Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) auf der Pressekonferenz des KDA im Rahmen der Fachmesse "Altenpflege+ProPflege 2006" in Hannover. "Wir müssen uns fragen, ob wir alle Möglichkeiten genutzt haben, ihnen vorzubeugen."

Häufig wird durch die Art und Weise der Presseberichterstattung nahegelegt, dass diese Delikte aufgrund systematischer Fehler ermöglicht werden. Die Pflegebranche reagiert zunehmend verunsichert auf den Druck von allen Seiten, ohne deutlich zu machen, wie sie ähnliche Delikte verhindern kann und will. "Große Verunsicherung herrscht auch bei den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen", bestätigte Katrin Markus, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin der BIVA (Bundesinteressenvertretung und Selbsthilfeverband der Bewohnerinnen und Bewohner von Altenwohn- und Pflegeeinrichtungen e.V.). "Uns erreichen zunehmend viele Anrufe von Angehörigen, die sich große Sorgen machen, ob es verantwortet werden kann, dass ihre Mutter oder ihr Vater in einem Heim lebt", berichtete Markus. Die steigenden Kosten der Pflege, verbunden mit den negativen Meldungen in den Medien, ließen in den Köpfen der Verbraucher ein immer schlechteres Bild von der Qualität der Pflege entstehen, dem man stärker entgegentreten müsse, denn die meisten Pflegeeinrichtungen leisteten eine überwiegend gute Pflege. "Man hilft keinem", so Markus weiter, "weder den Pflegenden noch den Pflegebedürftigen, wenn Heime in der öffentlichen Meinung verteufelt werden." Es gelte vielmehr, die guten Beispiele hervorzuheben und allen Beteiligten Mut zu machen, Pflege im Heim als eine echte Alternative zur häuslichen Pflege zu verstehen.

"Natürlich registrieren die Verbraucher im Pflegealltag auch Situationen, in denen Pflegekräfte überfordert sind, doch das allein sowie die gerne zitierten schlechten Rahmenbedingungen in der Pflege lassen Pflegekräfte nicht zu Mördern werden", erklärte die Psychologin und KDA-Pflegeexpertin Christine Sowinski weiter. "Die Analysen der Gutachten bisheriger Tötungsdelikte haben gezeigt, dass Überforderung, aber auch Mitleid in der Regel keine Rolle spielten, als die Personen straftätig wurden. Ihre Motive bleiben meist rätselhaft oder liegen eher in einer gestörten Persönlichkeit begründet, verbunden mit dem Drang, Macht ausüben zu wollen", so die Psychologin. Das KDA kennt die teilweise schwierigen Rahmenbedingungen in der Pflege sehr genau, doch wehrt es sich dagegen, dass durch eine zum Teil unzureichende Darstellung der Zusammenhänge im Pflegegeschehen eine ganze Berufsgruppe pauschal in der Öffentlichkeit in Misskredit gerät. Aber auch die Pflegebranche ist zwingend dazu aufgefordert, viel offener und umfassender über ihre Arbeit zu informieren und nicht nur - wie so häufig - allein Finanzierungsfragen in den Vordergrund zu stellen. Auch unter den derzeitigen Rahmenbedingungen leisten viele Pflegeeinrichtungen eine qualitätsvolle Arbeit. Dies müsse sich auch in einem guten Image ihrer Arbeit widerspiegeln.

Einen Ansatz zur Verminderung der Risiken für gewalttätige oder sogar tödliche Zwischenfälle erläuterte die KDA-Kuratorin Ruth Schwerdt: "Das sensible Verhältnis zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen birgt immer Gefahren in sich, auch die der Gewalt", so die Professorin für Pflegewissenschaft. "Deshalb müssen die Einrichtungen viel mehr Wert auf ihre Dialogkultur legen, ihre handlungsorientierenden Werte nach innen und außen vertreten und dies auch auf die Mitarbeiterführung übertragen", forderte Ruth Schwerdt. Schon bei der Einstellung neuer Pflegekräfte müsse darauf geachtet werden, dass diese sich beispielsweise durch persönliche Reife auszeichneten und in der Lage seien, für die Rechte pflegebedürftiger Menschen, aber auch für die eigenen Anliegen einzutreten und Probleme zu thematisieren. U. a. seien die ständige Begleitung der Mitarbeiter im Pflegeprozess und das Führen von Zielvereinbarungsgesprächen geeignete Mittel hierzu. Weiterhin müsse auch etwaigem Fehlverhalten beruflich Pflegender mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden: "Zynismus in der Sprache und abschätziges Verhalten sind eindeutige Botschaften und stellen Warnsignale dar, auf die Verantwortliche sofort reagieren müssen. Führen eine direkte Ansprache sowie eine aufmerksame und konsequente Begleitung dieser Personen zu keiner Verhaltensänderung, müsse diesen Personen in letzter Konsequenz gekündigt werden, damit es nicht zu gewalttätigen oder tödlichen Zwischenfällen kommt", so die Pflegewissenschaftlerin.

Ansprechpartner:
Kuratorium Deutsche Altershilfe
Ines Jonas und Harald Raabe
An der Pauluskirche 3
50677 Köln
Fon: 0221/ 93 18 47 -0
E-Mail: publicrelations@kda.de

Das KDA ist auch mit einem Bücher- und Informationsstand auf der Messe vertreten. Sie finden uns in Halle 3, Stand C55.
http://www.kda.de/

Quelle: KDA Pressemitteilung vom 15. Februar 2006

Deutsche Hospiz Stiftung

Dienstleistungshaftung für Pflegeheime & Krankenhäuser

Beitrag von Deutsche Hospiz Stiftung » 21.02.2006, 16:07

Prozess-Ende Wachtberg: Deutsche Hospiz Stiftung fordert Dienstleistungshaftung für Pflegeheime und Krankenhäuser

Berlin/Bonn. "Unabhängig vom Urteil, das am 22. Februar 2006 im Prozess gegen die Altenpflegeassistentin Michaela G. am Bonner Landgericht gesprochen werden soll, dürfen wir nicht die eigentlichen Probleme in unseren Pflegeheimen und Krankenhäusern aus dem Fokus verlieren", mahnt der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. Der Blick auf den Einzelfall - das verdeutlichen alle zurzeit in den Medien als "Todespfleger" bekannten Fälle - versperren den analytischen Blick für den Gesamtzusammenhang. "Auf der Suche nach den Ursachen dürfen wir uns nicht allein auf die Angeklagten konzentrieren", erklärt Brysch.

Träger muss finanziell haftbar gemacht werden

Selbst Ärzte, wie der Stationsarzt im Prozess gegen den Pfleger aus Sonthofen, verweisen immer wieder auf Mängel im Versorgungsalltag: etwa auf einen nur grob nach Plausibilität überprüften Medikamentengebrauch oder auf keinerlei Kontrollmöglichkeiten, die ein Arzt habe, wenn Pflegepersonal ohne Anweisung ein Narkotikum verabreiche. Zudem separiere sich die Pflege immer mehr von den Ärzten - eine Tendenz, die uns aufhorchen lassen müsste. "Stattdessen haben wir in unseren Pflegeheimen und Krankenhäusern eine Kultur des Wegschauens und brauchen, um solchen Fällen vorzubeugen, eine Kultur des Hinschauens und Umdenkens", fordert Brysch. Nicht allein der Täter muss zur Verantwortung gezogen werden. Auch die Träger müssen im Interesse des Opfer- und Verbraucherschutzes für ihre Dienstleistungen haftbar gemacht werden. "Denn was haben die Pflegeheime und Krankenhäuser derzeit schon zu befürchten? Um es drastisch auszudrücken: nicht mehr als einen Imageschaden, der nach dem Urteilsspruch bald wieder vergessen ist", gibt Brysch zu bedenken.

Bei Fragen:
Andrea Breddermann Telefon: 030 / 2 84 44 84 - 2

Quelle: Pressemitteilung 11-06 21. Februar 2006

Deutsche Hospiz Stiftung

Dienstleistungshaftung für Pflegeheime und Krankenhäuser

Beitrag von Deutsche Hospiz Stiftung » 22.02.2006, 12:54

Prozess-Ende Wachtberg: Deutsche Hospiz Stiftung fordert Dienstleistungshaftung für Pflegeheime und Krankenhäuser

Berlin/Bonn. "Unabhängig vom Urteil, das am 22. Februar im Prozess gegen die Altenpflegeassistentin Michaela G. am Bonner Landgericht gesprochen werden soll, dürfen wir nicht die eigentlichen Probleme in unseren Pflegeheimen und Krankenhäusern aus dem Fokus verlieren", mahnt der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. Der Blick auf den Einzelfall - das verdeutlichen alle zurzeit in den Medien als "Todespfleger" bekannten Fälle - versperren den analytischen Blick für den Gesamtzusammenhang. "Auf der Suche nach den Ursachen dürfen wir uns nicht allein auf die Angeklagten konzentrieren", erklärt Brysch.

Träger muss finanziell haftbar gemacht werden

Selbst Ärzte, wie der Stationsarzt im Prozess gegen den Pfleger aus Sonthofen, verweisen immer wieder auf Mängel im Versorgungsalltag: etwa auf einen nur grob nach Plausibilität überprüften Medikamentengebrauch oder auf keinerlei Kontrollmöglichkeiten, die ein Arzt habe, wenn Pflegepersonal ohne Anweisung ein Narkotikum verabreiche. Zudem separiere sich die Pflege immer mehr von den Ärzten - eine Tendenz, die uns aufhorchen lassen müsste. "Stattdessen haben wir in unseren Pflegeheimen und Krankenhäusern eine Kultur des Wegschauens und brauchen, um solchen Fällen vorzubeugen, eine Kultur des Hinschauens und Umdenkens", fordert Brysch. Nicht allein der Täter muss zur Verantwortung gezogen werden. Auch die Träger müssen im Interesse des Opfer- und Verbraucherschutzes für ihre Dienstleistungen haftbar gemacht werden. "Denn was haben die Pflegeheime und Krankenhäuser derzeit schon zu befürchten? Um es drastisch auszudrücken: nicht mehr als einen Imageschaden, der nach dem Urteilsspruch bald wieder vergessen ist", gibt Brysch zu bedenken.

Bei Fragen:
Andrea Breddermann Telefon: 030 / 2 84 44 84 - 2

Quelle: Pressemitteilung 11-06 21. Februar 2006

H.P.

Lebenslang für Alten-Pflegerin - Tötungen geahndet!

Beitrag von H.P. » 22.02.2006, 13:20

Die angeklägte Alten-Pflegerin des Heims in Bonn-Wachtberg wurde nach ersten Pressemitteilung heute, 22.2.2006, zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

H.P.

SPIEGEL ONLINE

Patienten-Mord: Lebenslänglich für Bonner Altenpflegerin

Beitrag von SPIEGEL ONLINE » 23.02.2006, 07:19

SPIEGEL ONLINE, 22.02.2006
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Patienten-Mord: Lebenslänglich für Bonner Altenpflegerin
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Im Bonner Prozess gegen eine frühere Pflegeassistentin ist die 27-jährige Angeklagte wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Nach Ansicht des Gerichts war sie verantwortlich für den Tod von neun Patientinnen eines Altenheims.

Den vollständigen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,402433,00.html

WDR

Lebenslang für Altenpflegerin

Beitrag von WDR » 23.02.2006, 08:17

Lebenslang für Altenpflegerin
Richter stellen besondere Schwere der Schuld fest


Wegen Mordes und Tötung von insgesamt neun alten Frauen muss eine 27-jährige Altenpflegerin lebenslang hinter Gitter. Dieses Urteil hat das Bonner Landgericht am Mittwoch (22.02.06) verkündet. Das Schwurgericht folgte damit der Anklage. Beobachter rechnen damit, dass die Verteidigung in Berufung geht.

...
Weiter unter
http://www.wdr.de/themen/panorama/krimi ... 0222.jhtml

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