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BeitragVerfasst: 07.11.2016, 07:22 
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Buchtipp - Sehr empfehlenswerte Veröffentlichung !

Matthias Thöns:
Patient ohne Verfügung
Das Geschäft mit dem Lebensende

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Piper, München 2016
320 Seiten
ISBN 978-3-492-05776-0
€ 22,00 inkl. MwSt.

Palliativmedizin und Hospizversorgung in Deutschland
In deutschen Kliniken wird operiert, katheterisiert, bestrahlt und beatmet, was die Gebührenordnung hergibt – bei 1.600 Euro Tagespauschale für stationäre Beatmung ein durchaus rentables Geschäft. Dr. Matthias Thöns berichtet aus seiner jahrelangen Erfahrung von zahlreichen Fällen, in denen alte, schwer Kranke mit den Mitteln der Apparatemedizin behandelt werden, obwohl kein Therapieerfolg mehr zu erwarten ist. Nicht Linderung von Leid und Schmerz, sondern finanzieller Profit steht im Fokus des Interesses vieler Ärzte und Kliniken, die honoriert werden, wenn sie möglichst viele und aufwendige Eingriffe durchführen. Thöns' Appell lautet deshalb: Wir müssen in den Ausbau der Palliativmedizin investieren, anstatt das Leiden alter Menschen durch Übertherapie qualvoll zu verlängern.

Quelle und weitere Informationen:
https://www.piper.de/buecher/patient-oh ... 92-05776-9

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Pressemitteilung Ruhr-Universität Bochum, Meike Drießen, 29.08.2016

Das Geschäft mit dem Sterben
Wenn Sterbende kurz vor ihrem Tod noch Chemotherapie, Bestrahlung und Operationen über sich ergehen lassen müssen, vergrößert das ihr Leid und verhindert einen würdevollen Abschied. Weil die Vergütung im Gesundheitssystem diese Überbehandlung belohnt, sind immer mehr Schwerkranke betroffen. In seinem Buch „Patient ohne Verfügung“, das am 1. September im Piper-Verlag erscheint, gibt Dr. Matthias Thöns, Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität (Prof. Dr. Herbert Rusche) Anregungen für Veränderungen.
Jeder dritte Sterbenskranke erhält in den letzten Lebenswochen Chemotherapie, Apparatemedizin oder gar Wiederbelebung, jeder zweite Deutsche stirbt in der Klinik. Matthias Thöns berichtet aus seinem Alltag als ambulant tätiger Palliativmediziner. Er beschreibt selbst erlebte Schicksale und erläutert die Hintergründe laienverständlich.
Vergütungssystem verschärft das Problem
So wird das Problem der überflüssigen Apparatemedizin am Lebensende durch das 2004 eingeführte Vergütungssystem im deutschen Gesundheitswesen
gespeist: Viele Eingriffe bei schlimmen Diagnosen werden von den Krankenkassen besonders hoch bezahlt, und die Ärzte an diesen Gewinnen durch „Bonusverträge“ beteiligt.
Obwohl der Politik das Problem bekannt ist, fanden sich im Jahr 2015 solche Klauseln noch in 97 Prozent der Chefarztverträge an deutschen Kliniken. „Längst warnen auch Fachverbände, die Bundesärztekammer, der Deutsche Ethikrat und die Bertelsmann Stiftung vor der Problematik“, unterstreicht Matthias Thöns.
Immense Kosten und großes Leid
Neben dem zusätzlichen Leid der Sterbenskranken verursacht die Übertherapie auch immense Kosten: Bis zu 25 Prozent der Gesamtausgaben der Krankenkassen fließen hinein. Fast jeder zweite Euro ambulanter Pflegeleistungen wird für zumeist ungewollte „Apparatemedizin zuhause“ ausgegeben.
Hausärzte haben es in der Hand
Hausärzte besäßen eine Schlüsselposition, diese Missstände zu verändern, legt Thöns dar: So werden durch die hausarztzentrierte Versorgung weniger Patienten sinnlos in Kliniken eingewiesen und unnötige Eingriffe vermieden. „Hausärzte sollten sich als neutrale Zweitmeinungsberater engagieren“, sagt Matthias Thöns. „Zweitmeinung vermeidet Studien zufolge bis zu 60 Prozent der unnötigen Eingriffe.“

Originalpublikation
Matthias Thöns: Patient ohne Verfügung. Das Geschäft mit dem Lebensende.
Piper, München 2016, 320 Seiten, ISBN 978-3-492-05776-0

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Foto: Dr. med. Matthias Thöns - Quelle: http://www.der-schlafdoktor.de/thoens.htm

Pressekontakt
Dr. Matthias Thöns
Abteilung für Allgemeinmedizin
Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Tel. 02302/57093
E-Mail: thoens@mobileanaesthesie.de

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Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk informiert regelmäßig in Vorträgen, u.a. in der Volkshochschule Neuss, über die Patientenautonomie am Lebensende und macht dabei stets auf das Selbstbestimmungsrecht der Patienten und die gebotene Zuwendung aufmerksam. Es wird auch immer wieder angemahnt, die sprechende Medizin anstelle der Apparatemedizin zu fördern und besser zu honorieren!


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Geschäfte mit Todkranken: Der boomende Markt der Intensiv-Pflege
Monitor | 08.09.2016 | 10:35 Min. | Das Erste
Intensivpflege am Lebensende: Was für Betroffene und Angehörige eine extreme Belastung darstellt, ist für Pflegeeinrichtungen – auch – ein Milliardengeschäft. Immer mehr Menschen werden dabei in so genannten Pflege-WGs betreut: Diese unterscheiden sich oft kaum von stationären Einrichtungen, werden als ambulante Einrichtungen aber viel besser vergütet. Ein massiver Fehlanreiz, sagen Experten und Politiker, der auch dazu führt, dass Patientenwohl und Patientenwille nicht immer an erster Stelle stehen.
... (Bericht vorübergehend anschaubar unter) ... http://www1.wdr.de/daserste/monitor/vid ... e-100.html

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Anmerkung der Moderation am 09.10.2016:
Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 06.07.2016 - XII ZB 61/16 - die Anforderungen an Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung im Zusammenhang mit dem Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen präzisiert. Danach sollen entsprechende Verfügungen millionenfach ungültig sein. Dazu passend mein Vortrag in der Volkshochschule (VHS) Neuss am 10.10.2016, 17.30 - 19,30 Uhr. Eintritt ist frei! - Die NGZ hat bis einschließlich 08.10.2016 keine Ankündigung zur Veranstaltung gebracht. Dies, obwohl die Redaktion zeitgerecht von der Stadt Neuss - VHS - informiert wurde. … Andere, offensichtlich interessengeleitete Berichte wurde in den letzten Tagen Vorrang eingeräumt. Das Nachsehen haben die LeserInnen, die sich aktuell zur Patientenautonomie am Lebensende objektiv informieren wollen.
Siehe unter > viewtopic.php?f=7&t=21736


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Ärzte Zeitung vom 10.02.2017:
Palliativmediziner veröffentlicht Buch: "Hausärzte sind ein Schutzwall"
In seinem Buch "Patient ohne Verfügung" kritisiert Palliativmediziner Dr. Matthias Thöns die Fehlanreize des Vergütungssystems.
Sterbende, so sein Fazit, werden häufig übertherapiert. mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=929 ... ung&n=5558

_________________
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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