Milliardenbetrug bei Pflegediensten? - BKA ermittelt

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

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So schwer ist die Pflegemafia zu fassen

Beitrag von WernerSchell » 21.12.2017, 07:15

Ärzte Zeitung vom 21.12.2017:
Organisierte Kriminalität
So schwer ist die Pflegemafia zu fassen

Ist das Pflegestärkungsgesetz III nur ein Papiertiger im Kampf gegen den Abrechnungsbetrug? Ja, zumindest, wenn es um die Pflegemafia geht, so der MDS. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr
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Hohe Freiheitsstrafen wegen betrügerischer Abrechnung von Pflegedienstleistungen

Beitrag von WernerSchell » 06.02.2018, 07:46

Landgericht Düsseldorf
-Pressesprecherin

Hohe Freiheitsstrafen gegen neun Angeklagte wegen betrügerischer Abrechnung von Pflegedienstleistungen

Mit Urteil vom 5. Februar 2018 (18 KLs 2/17) hat die 18. große Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf neun Angeklagte wegen gewerbsmäßigen
Bandenbetruges bzw. gewerbsmäßiger Geldwäsche zu Gesamtfreiheitsstrafen zwischen 7 Jahren und 2 Jahren verurteilt.
Aufgrund des Ergebnisses der an 32 Tagen durchgeführten Hauptverhandlung mit umfangreicher Beweisaufnahme ist das Gericht davon überzeugt, dass mehrere Angeklagte im Jahr 2007 die Idee hatten, tatsächlich nicht erbrachte Pflegeleistungen betrügerisch abzurechnen. In den folgenden Jahren ab 2008 bis zu den Festnahmen am 20.09.2016 haben die Angeklagten als Bande, über fünf verschiedene Gesellschaften, tatsächlich nicht erbrachte Pflegedienstleistungen gegenüber Krankenkassen und dem Amt für soziale Sicherung der Städte Düsseldorf und Neuss abgerechnet.
Die Beweisaufnahme hat nach der Überzeugung der Kammer ergeben, dass die Angeklagten als Bande Leistungsnachweise in großem Umfang
betrügerisch erstellt bzw. angepasst haben. Nur ein Bruchteil der Patienten wurde so gepflegt, wie die Ärzte es verschrieben hatten und wie es gegenüber den Krankenkassen und Kommunen abgerechnet wurde. Statt der verschriebenen Pflegeleistungen erhielten die Patienten Geldleistungen und sog. Kompensationsleistungen wie etwa Fahrten zum Arzt, Putzen der Wohnung, Maniküre oder Pediküre.
Aus dem so erzielten Gewinn zahlten die Angeklagten an Pflegekräfte Schwarzgeld und an Ärzte Bestechungsgelder. Darüber hinaus haben die
Angeklagten sich selbst in erheblichem Maße bereichert, wobei die Art und Weise und das Ausmaß der Bereicherung sich bei jedem Angeklagten
unterschied.
Die 18. große Strafkammer hat in ihrem Urteil einen durch die betrügerische Abrechnung von Pflegedienstleistungen entstandenen Gesamtschaden von mindestens 4,7 Mio Euro festgestellt. Im Einzelnen hat das Gericht die Angeklagten wie folgt verurteilt:
Die Kammer hat den Hauptangeklagten G wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges in 5 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 7 Jahren
verurteilt und die Einziehung von Wertersatz der Taterträge in Höhe von 491.160,- Euro angeordnet. Der Angeklagte Berg. ist wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges in 3 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten verurteilt worden. Angeklagte R. ist wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges in 2 Fällen zu Seite 2 von 2 einer Gesamtfreiheitsstrafe von 4 Jahren verurteilt worden. Die Kammer hat die Angeklagte C. wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges in 1 Fall zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt und die Einziehung von Wertersatz der Taterträge in Höhe von 145.320,96 Euro angeordnet. Die Angeklagte K, die erhebliche Aufklärungshilfe geleistet hat, ist wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges in 2 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 2 Jahren und 11 Monaten verurteilt worden; die Einziehung von Wertersatz der Taterträge beträgt 81.600,- Euro. Der Angeklagte Berk. ist wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges in 1 Fall zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 2 Jahren und 10 Monaten verurteilt worden. Die Kammer hat den Angeklagten Ba. wegen gewerbsmäßiger Geldwäsche in 16 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 2 Jahren und 8 Monaten verurteilt. Dabei hat das Gericht die Auslieferungshaft in Russland 1:2 angerechnet. Die Kammer hat die Einziehung des Wertersatzes des Tatobjekts in Höhe von 165.259,99 Euro angeordnet. Die Angeklagte M. ist wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges in 2 Fällen und der Angeklagte S wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges in 1 Fall zu je einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren verurteilt worden, wobei die Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt worden ist. Zusätzlich hat die Strafkammer die Einziehung von Wertersatz bei der Medicon Gesellschaft in Höhe von 879.500,50 Euro angeordnet.
Im Rahmen der Strafzumessung hat die Kammer zu Gunsten der Angeklagten berücksichtigt, dass sie alle nicht vorbestraft sind. Die Begehung der Taten wurde den Angeklagten erleichtert, weil die Pflegeleistungen nicht ausreichend kontrolliert wurden. Die Angeklagten sind den Schadenersatz- und Erstattungsansprüchen der Krankenkassen und Kommunen ausgesetzt. Strafmildernd hat das Gericht auch berücksichtigt, dass fünf der neun Angeklagten Geständnisse abgelegt haben. Strafschärfend hat die Strafkammer die hohe kriminelle Energie der Angeklagten gewertet, die in ihrer professionellen Vorgehensweise über einen relativ langen Tatzeitraum zum Ausdruck kam und zu dem hohen Schaden
geführt hat.
Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft und die Angeklagten können gegen das Urteil Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.

Qulle: Pressemitteilung vom 05.02.2018
Dr. Elisabeth Stöve
Vors. Richterin am Landgericht
Pressesprecherin
Telefon 0211 8306 - 51680
Telefax 0211 87565 1260
pressestelle@lg-duesseldorf.nrw.de
Dienstgebäude und
Lieferanschrift:
Werdener Straße 1
40227 Düsseldorf
Telefon 0211 8306 - 0
Telefax 0211 87565 1260
verwaltung@lg-duesseldorf.nrw.de
www.lg-duesseldorf.nrw.de
http://www.lg-duesseldorf.nrw.de/behoer ... /01-18.pdf

+++
Die Medien berichten u.a. wie folgt:

Focus-Online:
Prozess gegen Pflegedienste7 Jahre Haft für Köpfe der russischen Pflegemafia:
"Sie stopften sich die Taschen voll"

Jahrelang betrog eine russisch-ukrainische Bande mit falschen Leistungsabrechnungen Krankenkassen, Kommunen und den Fiskus um Millionen Euro. Nun verhängte das Gericht teils hohe Haftstrafen. Der spektakuläre Fall zeigt, wie einfach das hiesige Gesundheitssystem ausgetrickst wird.
... (weiter lesen unter) ... https://www.focus.de/finanzen/versicher ... 20319.html

Rheinische Post:
Prozess um Pflegebetrug in Düsseldorf
"Alle haben sich so gut es ging die Taschen vollgestopft"

Düsseldorf. Ein Schaden in Millionenhöhe, Ärzte und Patienten, die mitgespielt haben: Im Skandal um den systematischen Betrug einer "Pflegemafia" sieht das Gericht in Düsseldorf die Vorwürfe weitgehend bestätigt und hat Gefängnisstrafen verhängt.
... (weiter lesen unter) ... http://www.rp-online.de/nrw/staedte/due ... -1.7370119
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Krankenkassen - Zehn-Punkte-Plan gegen Pflegebetrug

Beitrag von WernerSchell » 12.03.2018, 07:27

Ärzte Zeitung vom 12.03.2018:
Krankenkassen
Zehn-Punkte-Plan gegen Pflegebetrug

Die Arbeitsgemeinschaft der Kranken- und Pflegekassenverbände in Bayern stellt einen Zehn-Punkte-Plan gegen Abrechnungsbetrug in der Pflege vor. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=95 ... efpuryykqr
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„Oberste Maxime muss der Schutz der Patienten sein“

Beitrag von WernerSchell » 27.03.2018, 09:04

„Oberste Maxime muss der Schutz der Patienten sein“
DBfK verurteilt Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen / Pflegekammer in Bayern zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger


München/Nürnberg, 27. März 2018 – „Bewusst falsch abzurechnen ist Betrug und muss bestraft werden“, sagt Dr. Marliese Biederbeck, Geschäftsführerin des DBfK Südost e.V. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe als Interessensvertreter der professionell Pflegenden unterstützt das konsequente Vorgehen gegen Abrechnungsbetrug und damit die Strafverfolgungsbehörden bei der Recherche krimineller Pflegedienste. Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen steht heute im Fokus der Bayerischen Innen- und Justizminister, die über verstärkte Maßnahmen gegen Betrug im Gesundheitswesen informieren. Ambulante Intensivpflegedienste sind außerdem das Thema bei Report München. Abrechnungsbetrug und kriminelle Machenschaften einzelner müssen schonungslos offen gelegt werden. Der DBfK wiederholt in diesem Zusammenhang seine Forderung nach einer Pflegekammer für Bayern zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger.

„Oberste Maxime ist der Patientenschutz. Betrügereien auf dem Rücken der Patienten müssen schonungslos verfolgt und bestraft werden“, so Dr. Biederbeck. Besonders fatal: Dem Vernehmen nach setzen kriminelle Pflegedienste Hilfspfleger ein, abgerechnet wird aber Geld für qualifiziertes Personal. „Besonders in einem sensiblen Bereich wie der ambulanten Intensivpflege ist das nicht hinnehmbar. Wir verurteilen dies aufs Schärfste, denn es geht hier um Menschenleben und die Gefährdung besonders bedürftiger Patienten“, sagt Dr. Marliese Biederbeck.

An einer Pflegekammer für Bayern führt deshalb kein Weg vorbei, weil sie eine fachgerechte, professionelle Pflege zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger sicherstellt: Alle professionell Pflegenden, die in einem Bundesland tätig sind, werden registriert und müssen sich regelmäßig fortbilden. „Wir fordern seit Jahren die Pflegekammer in Bayern zu etablieren und damit eine Berufsaufsicht für die Pflege“, so Biederbeck.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe steht für hohe Qualität in der Pflege. „Wir setzen uns für die Umsetzung der Qualitätsstandards ein und machen uns dafür stark, die Situation der Pflegefachpersonen zu verbessern“, so Dr. Biederbeck. Mit dem Kodex für Pflegeunternehmer/innen im DBfK haben sich die Leistungserbringer verpflichtet, vertragskonform zu handeln: „Korrekte und transparente Abrechnungen unserer Leistungen sind für uns eine Selbstverständlichkeit“. Der DBfK begleitet und berät Betreiber ambulanter Dienste bei allen Fragen rund um ihren Pflegedienst. Neben dem Beratungsservice hält der DBfK außerdem ein umfassendes Fortbildungsangebot bereit.

Quelle: Pressemitteilung vom 2703.2018
Sabine Karg
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe
DBfK Südost, Bayern-Mitteldeutschland e.V.
Edelsbergstraße 6
80686 München
Telefon: 089-17 99 70-23
Fax: 089-17 85 647
E-Mail: s.karg@dbfk.de
Internet: www.dbfk.de
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Pflegebetrugs-Verdachtsfälle häufen sich

Beitrag von WernerSchell » 28.03.2018, 06:12

Ärzte Zeitung vom 28.03.2018:
Bayern
Pflegebetrugs-Verdachtsfälle häufen sich

MÜNCHEN. Nach Angaben des investigativen Reporterteams des Bayerischen Rundfunks ("BR Recherche") sind bei den bayerischen Staatsanwaltschaften derzeit 180 Ermittlungsverfahren rund um die ambulante Pflege anhängig. Allein in München habe sich deren Anzahl im Laufe des vorigen Jahres verdoppelt, heißt es.
--- > https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=96 ... efpuryykqr
--- > https://www.br.de/nachrichten/patienten ... r-100.html
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Ambulante Intensivpflege - ein krankes Geschäft

Beitrag von WernerSchell » 05.04.2018, 07:35

Aus Forum:
viewtopic.php?f=3&t=22585&p=102973#p102973

BR - Fernsehen

Die Kontrovers-Story vom 04.04.2018

Ambulante Intensivpflege - ein krankes Geschäft

Bild
Schild "Pflegedienst" auf einem Auto | Bild: picture-alliance/dpa, Montage: BR

Sendung weiterhin anschaubar bis 04.04.2023 > https://www.br.de/mediathek/video/die-k ... 0018bb30be

Die Krankenkassen geben gut vier Milliarden Euro im Jahr für ambulante Intensivpflege aus – können aber schwer überprüfen, ob die abgerechneten Leistungen wirklich erbracht werden. Dubiose Pflegedienste machen sich das zu Nutze. Ein Milliardengeschäft auf Kosten von Schwerkranken ...

Die Kontrovers-Story: Ambulante Intensivpflege - ein krankes Geschäft

Etwa 20.000 Intensivpatienten werden in Deutschland nicht stationär, sondern zu Hause gepflegt. Sie sind auf eine qualifizierte 24-Stunden-Betreuung angewiesen. Ohne diese könnten sie nicht überleben. Doch BR-Recherche und Kontrovers sind auf viele Mängel im System gestoßen.
Bea und Inge A. aus Fürth erleben seit sechs Jahren, was ambulante Intensivpflege bedeutet. Inge A. ist nach mehreren Schlaganfällen von den Schultern abwärts gelähmt. Sie hat eine Trachealkanüle im Hals, ein Röhrchen, das direkt in die Luftröhre führt. Inge A. kann nicht einmal husten, Pfleger müssen ihre Lunge absaugen, erklärt Bea A. Oft können sie es nicht, Bea A. bringt es ihnen bei.

"Bei jeder Firma, die kommt, habe ich das Gefühl, die bauen eher ab. Die haben immer Stress, die haben nicht genug Personal, die nehmen zu viele Patienten auf. Die Leute haben keine gute Ausbildung, die sind nicht qualifiziert. Die bringen Leute her, die kein Deutsch können. Nur dass jemand da sitzt, neben dem Patient."
Bea A., Angehörige


Mehr Intensivpatienten - zu wenige Fachkräfte
Die Zahl der Intensivpatienten steigt. Der Fachkräftemangel ist gravierend. Laut dem Deutschen Institut für angewandte Pflegewissenschaften fehlen schon jetzt rund 21.000 qualifizierte Kräfte. Das hat zur Folge, dass viel Personal aus dem Ausland kommt. In den vergangenen Jahren verstärkt aus den Ländern des Westbalkans. Die einen sind zwar ausgebildet, aber hier nicht anerkannt und sprechen kaum Deutsch. Andere kommen etwa als Haushaltshilfe nach Deutschland, werden aber trotzdem in der Intensivpflege eingesetzt.
So wie Dana (Anm. der Redaktion: Name geändert) aus Serbien. Sie hatte Monate durchgearbeitet und dafür kaum Geld bekommen, nur etwa zwei Euro brutto die Stunde, erzählt sie. Es hat lange gedauert, ehe sie sich entschloss, ihre Geschichte öffentlich zu erzählen. Noch immer hat sie Angst vor ihrem Ex-Chef und will daher anonym bleiben:

"Pflegekräfte wurden herangeschafft, nur damit der Arbeitgeber Geld verdient. Es hat niemanden interessiert, welche Ausbildung sie hatten oder woher sie kamen. (…) Es waren auch ausgebildete Pflegekräfte dabei. Aber ich hatte auch Kolleginnen, die überhaupt keinen Bezug zu einem Pflegeberuf hatten."
Dana, Pflegehelferin aus Serbien


Ihr ehemaliger Arbeitgeber schreibt auf Anfrage, dass alle ausländischen Mitarbeiter bezüglich Qualifikation und Sprachkenntnissen im Herkunftsland geprüft seien. Ohne diese Überprüfung sei eine Arbeitsaufnahme in Deutschland überhaupt nicht möglich.

Lebensgefahr durch schlechte Pflege - Staatsanwaltschaft ermittelt

Hilfskräfte wie Dana können im Notfall nicht einmal einen Arzt rufen, sie machen Fehler. BR Recherche und Kontrovers liegen Belege für zum Teil lebensgefährliche Situationen vor: Eine Patientin bekam eine gefährliche Überdosis eines starken, krampflösenden Mittels.
Der Pflegedienst räumt dies ein und schreibt, eine "besondere Beeinträchtigung der Gesundheit des Patienten wurde glücklicherweise nicht festgestellt". In einem Fall schalteten Hilfskräfte versehentlich Beatmungsgeräte ab. Der Pflegedienst erklärt, dass alle Mitarbeiter über die notwendigen Ausbildungen und Qualifikationen verfügen würden. In einem weiteren Fall starb ein Intensivpatient, nachdem eine Pflegehelferin die Trachealkanüle gewechselt hatte. Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft Hof wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Der Pflegedienst bedauert das Ableben des Patienten und bestreitet, Pflegehelfer bei Intensivpatienten einzusetzen.

Ambulante Intensivpflege - ein Milliardengeschäft

Die ambulante Intensivpflege ist ein Riesengeschäft. Allein die gesetzlichen Krankenkassen zahlen dafür vier Milliarden Euro im Jahr. Das hat das Deutsche Institut für angewandte Pflegewissenschaften in Köln berechnet. Daran wollen viele verdienen. Nach Informationen von BR Recherche setzen Pflegedienste häufig unqualifiziertes Personal ein, rechnen aber Intensivfachkräfte ab, für die sie von den Kassen viel mehr Geld erhalten. Der Beauftragte zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen der AOK Bayern, Dominik Schirmer, hat alle der rund 130 Intensivpflegedienste im Freistaat im Blick:

"Wir müssen feststellen, dass gegen 23 dieser Dienste zur Zeit Ermittlungsverfahren bei den Staatsanwaltschaften angesiedelt sind. Das finde ich schon eine erschreckend hohe Zahl, weil wir im Bereich der ambulanten Intensivpflege wirklich mit Fallkonstellationen konfrontiert sind, wo es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod geht."
Dominik Schirmer, Beauftragter zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen der AOK Bayern


Lückenhafte Kontrollen

Für die Kontrolle der Intensivpflegedienste ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen zuständig. Aber der MDK meldet sich in der Regel 24 Stunden vorher an. Das nutzen Dienste, um Papiere zu schönen oder Hilfskräfte gegen Fachkräfte auszutauschen. Markus Fischer vom MDK Bayern kann nicht überprüfen, ob vorgelegte Patientenlisten korrekt sind:

"Wir haben keine Zugriffsmöglichkeiten wie eine Staatsanwaltschaft oder eine Ermittlungsbehörde und wir können nur auf die Zusammenarbeit und die Mitwirkungspflicht des Pflegedienstes hoffen und auch daran anknüpfen; nur das was uns vorgelegt wird, das können wir einsehen."
Markus Fischer, MDK Bayern


Systematische Täuschung

Intensivpfleger berichten, dass einige Dienste den MDK systematisch täuschen. Kontrovers liegen Belege vor, wonach Pflegedienste mehrere Dienstpläne führten. Einen für den MDK, einen für die Gewerbeaufsicht, die die Arbeitszeit kontrolliert, und dann noch den tatsächlichen Dienstplan.
Selbst wenn der MDK Missstände aufdeckt, kann er darüber nur informieren. Aktiv werden müssen die Kassen. Und geschlossen werden kann ein Intensivpflegedienst erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung.

Autoren: Claudia Gürkov, Lisa Wreschniok, Verena Nierle, Ingo Lierheimer

Quelle: https://www.br.de/br-fernsehen/sendunge ... index.html

+++
Siehe auch unter:
Milliardenbetrug bei Pflegediensten?
>>> viewtopic.php?f=2&t=21604
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Abrechnungsmanipulation – Ambulante Pflegedienste im Fokus

Beitrag von WernerSchell » 17.04.2018, 11:02

Ersatzkassen in NRW erhalten eine Million Euro wegen Abrechnungsmanipulation zurück – Ambulante Pflegedienste im Fokus

Düsseldorf, 16. April 2018. Die Ersatzkassen in Nordrhein-Westfalen haben für das Jahr 2017 rund eine Million Euro von Pflegediensten, Ärzten sowie Heil- und Hilfsmittelerbringern wegen falscher Abrechnungen und anderer Manipulationen zurück erhalten. Das sind rund 300.000 Euro mehr als 2016.

Im vergangenen Jahr wurden 73 Fälle in NRW abgeschlossen. In 47 Untersuchungen bestätigte sich der Verdacht der Manipulation, davon wurde in 32 Fällen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. „Die Schadenssumme und die Fälle zeigen, wie weit die Manipulationen zu Lasten der Versicherten gehen“, sagte Dirk Ruiss, Leiter der vdek-Landesvertretung in NRW. Er verwies aber auch darauf, dass der Großteil der Vertragspartner seine Leistungen korrekt abrechnet und es sich in einigen Versorgungsbereichen um Einzelfälle handelt.

Im Mittelpunkt der Überprüfungen standen 2017 ambulante Pflegedienste in NRW. Weit über 100 neue Verdachtsfälle wurden den Ersatzkassen gemeldet, davon bestätigten sich bislang 18 Fälle. In weiteren rund 40 Verdachtsfällen sind die Überprüfungen noch nicht abgeschlossen. Insgesamt machten die Ersatzkassen bei ambulanten Pflegediensten Rückforderungen von gut einer halben Million Euro geltend. Davon entfielen fast 80 Prozent auf zwei Pflegedienste in Westfalen-Lippe. In einem Fall hatte ein Pflegedienst die gesetzlichen Krankenkassen über falsche Abrechnungen informiert. In einem anderen Fall wurde nicht ausreichend qualifiziertes Personal eingesetzt, aber Leistungen von Fachkräften abgezeichnet.
Nicht einbezogen sind die Rückforderungen, die sich aus den Betrugsverfahren gegen russischsprachige Pflegedienste ergeben. Inzwischen hat das Landgericht Düsseldorf neun Angeklagte zu Haftstrafen von bis zu sieben Jahren verurteilt. Das Gericht hatte den Schaden für die gesetzlichen Krankenkassen und für die Sozialhilfeträger auf 8,5 Millionen Euro beziffert. In diesem Jahr werden die gesetzlichen Krankenkassen in NRW ihre Rückforderungen aus diesen Straftaten geltend machen.
Elf Verdachtsfälle richteten sich im vergangenen Jahr gegen Ärzte und Zahnärzte. Ein Fall ragte dabei heraus. Ein Zahnarzt hatte erzielte Preisvorteile aus Laborleistungen nicht an die Ersatzkassen weitergeben. Er musste gut 90.000 Euro zurückzahlen. Insgesamt betrug die Rückforderung bei Ärzten und Zahnärzten rund 170.000 Euro.
12 weitere Überprüfungen betrafen Leistungserbringer im Heil- und Hilfsmittelbereich. Von den gesamten Rückforderungen von gut 70.000 Euro entfielen 50.000 Euro auf einen einzigen Heilmittelerbringer. Er hatte Luftrechnungen verbucht und zu Unrecht Hausbesuchspauschalen abgerechnet.

Hintergrund:
Die Krankenkassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, Abrechnungsmanipulationen nachzugehen. Dazu zählen überhöhte Abrechnungen oder die Abrechnung von nicht erbrachten Leistungen. Zur Prüfung solcher Fälle hat der Verband der Ersatzkassen (vdek) in Nordrhein-Westfalen einen Arbeitsausschuss eingerichtet. Werden Verstöße festgestellt, fordern die Kassen Schadenersatz oder schließen einen Vergleich. Bei schweren Verdachtsfällen müssen sie die Staatsanwaltschaft einschalten.

Weitere Infos unter: http://www.vdek.com/vertragspartner/Man ... bwehr.html

Quelle: Pressemitteilung vom 17.04.2018
Sigrid Averesch-Tietz
Verband der Ersatzkassen e.V (vdek)
Landesvertretung Nordrhein-Westfalen
Referatsleiterin Grundsatzfragen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ludwig-Erhard-Allee 9
40227 Düsseldorf
Tel.: 0211-38410-15
Fax: 0211-38410-20
Mobil: 0173/7180056
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Kriminalität in Deutschland: "Jeder zwölfte Verdächtige 2017 war Zuwanderer"

Beitrag von WernerSchell » 30.04.2018, 06:47

Kriminalität in Deutschland:
"Jeder zwölfte Verdächtige 2017 war Zuwanderer"
Quelle: Rheinische Post vom 30.04.2018
Christian Pfeiffer, Hannover, sollte endlich aufhören, die Situation schön zu reden!
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Pflege-Betrug - Waren Berliner Ärzte Teil des Betrugsnetzwerkes?

Beitrag von WernerSchell » 08.10.2018, 06:10

Ärzte Zeitung vom 08.10.2018:
Pflege-Betrug
Waren Berliner Ärzte Teil des Betrugsnetzwerks?

Beim Abrechnungsbetrug in der Pflege sollen nach Angaben der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung auch Ärzte beteiligt gewesen sein. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=97 ... efpuryykqr
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Falsche Rechnungen: Ärzte und Patienten betrügen gemeinsam Krankenkassen

Beitrag von WernerSchell » 30.11.2018, 09:11

Falsche Rechnungen: Ärzte und Patienten betrügen gemeinsam Krankenkassen
Eine Ärztin und ein Masseur haben gemeinsam mit ihren Patienten zwanzig Jahre lang falsche Rechnungen an eine private Krankenversicherung geschickt. Die Zahl solcher Fälle nimmt rapide zu.
Quelle: Süddeutsche Zeitung > https://rdir.inxmail.com/vzbv/d/d.42322 ... 0nsqbrffm6
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