Patientenrechtegesetz - in der Kritik

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

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Patientenrechtegesetz - in der Kritik

Beitrag von WernerSchell » 17.06.2015, 12:20

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Patientenrechtegesetz - in der Kritik

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Zum Thema gibt es in diesem Forum bereits zahlreiche Beiträge, u.a.:
Patientenrechtegesetz verabschiedet
viewtopic.php?f=2&t=18179
Aufklärungsgespräch - Angaben des Arztes bedeutsam
viewtopic.php?f=2&t=20283
Aufklärungspflicht & Einwilligung
viewtopic.php?f=2&t=992
Das neue Patientenrechtegesetz - Buchtipp
viewtopic.php?f=2&t=18179
Ihr gutes Recht als Patient - Buchtipp
viewtopic.php?f=2&t=18843
Behandlungsfehler - Trend zu mehr Vorwürfen hält an
viewtopic.php?f=2&t=21066

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Umfrage: Ärzte zweifeln am Patientenrechtegesetz >> *)

Berlin - Aus Ärztesicht erreicht das Patientenrechtegesetz seine Ziele nicht. 51 Prozent der Mediziner glauben, dass das seit dem Jahr 2013 geltende Gesetz für sie nicht zu mehr Transparenz und Rechtssicherheit führe. Es helfe nicht, Patientenrechte besser durchzusetzen. Stattdessen sehen sich 71 Prozent der Ärzte durch das Gesetz stärker belastet, vor allem durch mehr Dokumentationspflichten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Gesundheitsmonitors von BARMER GEK und Bertelsmann Stiftung, für die rund 800 Ärzte in Klinik und Praxis repräsentativ befragt wurden. „Das Patientenrechtegesetz ist gut, gerade weil es mehr Transparenz schaffen kann. Aber wir müssen mehr dafür werben, Patientenrechte aktiv wahrzunehmen“, sagte BARMER GEK Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Straub.

Die Befragung zeigt, dass Patientenrechte zwischen Arzt und Patient wenig thematisiert werden. Nur etwa jeder zehnte Arzt ist mehrfach von Patienten auf deren Rechte angesprochen worden. Wenn die Patienten darauf zu sprechen kommen, geht es ihnen vor allem um die Einsicht in ihre Krankenunterlagen. Das gaben 77 Prozent der Ärzte an. Zudem wollen 40 Prozent der Patienten über Behandlungsalternativen aufgeklärt werden. 62 Prozent der Ärzte sind allerdings noch nie von Patienten auf Patientenrechte angesprochen worden. „Das könne ein Hinweis darauf sein, dass Patienten entweder ihre Rechte nur sehr zurückhaltend einfordern oder sie gar nicht kennen. Deshalb ist die jetzt geplante Überprüfung des Gesetzes und seiner Wirkung durch den Patientenbeauftragten der Bundesregierung gut“, schlussfolgerte Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Drei Viertel der Ärzte sind trotz aller Zweifel überzeugt, die Rechte der Patienten seien durch das Patientenrechtegesetz gestärkt worden. Die durch das Gesetz erreichte Rechtssicherheit wird für Patienten als hoch, für Ärzte dagegen als niedrig eingeschätzt. „Da das Gesetz lediglich den Status quo der Rechtsprechung festhält und keine Neuerungen zugunsten von Patienten enthält, ist diese Bewertung kaum plausibel“, so Prof. Dr. Dieter Hart von der Universität Bremen, einer der Autoren der Studie.

Mehr zur Befragung: http://www.barmer-gek.de/545785, http://www.gesundheitsmonitor.de

Rückfragen an:
Athanasios Drougias, BARMER GEK
Telefon: 0800 332060 991421
E-Mail: athanasios.drougias@barmer-gek.de
Dr. Jan Böcken, Bertelsmann Stiftung Gütersloh
Telefon: 0 52 41 / 81 81 462
E-Mail: jan.boecken@bertelsmann-stiftung.de

Quelle: Pressemitteilung der BARMER GEK vom 17.06.2015
______________________________________________
Presseabteilung der BARMERGEK
Athanasios Drougias (Leitung), Telefon: 0800 33 20 60 99 1421
Sunna Gieseke, Telefon: 0800 33 20 60 44-30 20
E-Mail: presse@barmer-gek.de

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*) Die Ärzte sind mit dem Patientenrechtegesetz mehr als gut weggekommen. Es wurden doch im Wesentlichen nur die relevanten Gerichtsentscheidungen in Gesetzesform festgeschrieben. Viele aus Patientensicht notwendige Regelungen fehlen.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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WernerSchell
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Patientenrechtegesetz - in der Kritik

Beitrag von WernerSchell » 18.06.2015, 06:36

Ärzte Zeitung vom 17.06.2015:
Ärzte-Umfrage: Patientenrechtegesetz hat nicht zu mehr Transparenz geführt
Das seit 2013 geltende Patientenrechtegesetz hat nach Ansicht von Ärzten nicht zu mehr Transparenz und Rechtssicherheit geführt.
Das berichtet die Barmer GEK - und verweist auf die Ergebnisse einer Ärzte-Umfrage.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=888 ... ent&n=4292

Ärzte Zeitung vom 18.06.2015:
Ärzte-Umfrage zeigt: Patientenrechtegesetz war überflüssig
Was hat das Patientenrechtegesetz von 2013 gebracht? Es war wohl eher überflüssig. Das zeigen zumindest Ergebnisse des
Gesundheitsmonitors der Bertelsmann-Stiftung und der Barmer GEK, für den 800 Ärzte befragt wurden.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=888 ... sen&n=4293
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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WernerSchell
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Patienten­rechte­gesetz erhöht Dokumentations­aufwand

Beitrag von WernerSchell » 20.06.2015, 07:17

Deutsches Ärzteblatt:
Patienten­rechte­gesetz
erhöht Dokumentations­aufwand für Ärzte

Zwei Jahre nach seiner Einführung zweifeln viele Ärzte am Nutzen des Patientenrechtegesetzes.
Das zeigt eine Umfrage der Barmer Gek zusammen mit der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des
sogenannten Gesundheitsmonitors. ... »
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... uer-Aerzte

Patientenaufklärung: Aufklärungspflicht als Abwehrrecht
http://www.aerzteblatt.de/archiv/160785 ... bwehrrecht
Patientenrechtegesetz: Grüne unzufrieden mit Auswirkung auf Gerichtsverfahren
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... sverfahren
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Re: Patientenrechtegesetz - in der Kritik

Beitrag von WernerSchell » 30.06.2015, 06:09

Heute, 30.06.2015, wurde bei Facebook folgender Text gepostet:

Patientenrechtegesetz - in der Kritik.
Aus Ärztesicht erreicht das Patientenrechtegesetz seine Ziele nicht.
Dazu eine Anmerkung von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk:
Die Ärzte sind mit dem Patientenrechtegesetz mehr als gut weggekommen.
Es wurden doch im Wesentlichen nur die relevanten Gerichtsentscheidungen
in Gesetzesform festgeschrieben. Viele aus Patientensicht notwendige Regelungen fehlen.

> viewtopic.php?f=2&t=21111
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Ärzte sehen informierte Patienten kritisch

Beitrag von WernerSchell » 30.06.2016, 12:59

13.06.2016, Umfrage der Bertelsmann-Stiftung / BARMER GEK:

Ärzte sehen informierte Patienten kritisch

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Patienten informieren sich immer häufiger selbst über Krankheiten, Behandlungsmöglichkeiten oder Kassenleistungen. Bei niedergelassenen Ärzten ist dieses Verhalten umstritten, oft raten sie Patienten von einer eigenen Recherche ab. Gleichzeitig haben jedoch viele Ärzte selbst Probleme, seriöse Quellen im Internet als solche zu erkennen.
Mehr als die Hälfte der niedergelassenen Ärzte findet informierte Patienten mindestens problematisch. 45 Prozent der Ärzte stimmen außerdem der Aussage zu, die Selbstinformation der Patienten erzeuge vielfach unangemessene Erwartungen und Ansprüche, die die Arbeit der Ärzte belaste. Dies geht aus einer Online-Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der BARMER GEK hervor. Fast ein Drittel der Ärzte ist der Ansicht, dass die Selbstinformation die Patienten meist verwirre und das Vertrauen zum Arzt beeinträchtige. Fast jeder vierte Arzt rät Patienten sogar aktiv von der eigenständigen Suche nach Informationen ab.

"Es ist eine unumkehrbare Entwicklung, dass immer mehr Patienten ihre Krankheitssymptome und die dazugehörigen Therapiemöglichkeiten im Internet recherchieren."
Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung


Daher sollten Ärzte die Selbstinformation ihrer Patienten als Chance betrachten und fördern. "Auch was das Thema Gesundheit angeht, sind die Menschen heutzutage viel anspruchsvoller und selbstbewusster. Ein gut informierter Patient, der auf Augenhöhe mit dem Arzt über Krankheit und Behandlungsoptionen diskutiert, sollte das Ziel aller an der Versorgung Beteiligten sein", so Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK.

Sind die Studienergebnisse kritisch zu bewerten?
Unser Gesundheitsexperte und Senior Project Manager Jan Böcken beantwortet die Frage, wie kritisch es zu sehen ist, dass viele Ärzte den informierten Patienten immer noch als problematisch betrachten. Außerdem geht er darauf ein, ob dadurch nicht Potenziale für einen besseren Genesungsverlauf verschenkt werden. weiterlesen > https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... -bewerten/

Ärzte wenig selbstkritisch

Fast alle niedergelassenen Ärzte geben der Umfrage zufolge an, dass sich der Trend zur Selbstrecherche medizinischer Fragen in den vergangenen fünf Jahren verstärkt hat. Das wachsende Interesse von Laien an gesundheitsbezogenen Themen ist in der Ärzteschaft jedoch umstritten. Gut vier von zehn Ärzten freuen sich über das Interesse der Patienten. Knapp jeder Zehnte ärgert sich allerdings, dass der Patient sich mit seiner Frage nicht zuerst an ihn gewandt hat. Die Frage, ob es auch an ihnen selbst liegen könne, dass Patienten sich auf eigene Faust informieren und nicht direkt auf sie zukommen, stellen sich lediglich elf Prozent der Ärzte. Nur etwa zehn Prozent von ihnen fragen sich, ob der Patient sich zuvor mehr Beratung gewünscht hätte.

Ärzte kennen seriöse Informationen im Internet nicht

Nur etwas mehr als die Hälfte der Ärzte hat nach eigenen Angaben weiterführende und vertrauenswürdige Informationsmaterialien für Laien in ihrer Praxis ausliegen und gibt diese ihren Patienten mit. Knapp jeder zweite Arzt weist Patienten auf gute Informationsquellen hin und ebenfalls knapp 50 Prozent der Ärzte suchen selbst nach geeigneten Informationen für ihre Patienten. Nur 15 Prozent kennen sich nach eigenen Angaben eher nicht so gut oder überhaupt nicht gut mit den für Patienten verfügbaren Informationsangeboten aus. Trotzdem kennt gerade einmal jeder fünfte Arzt die Internetseite patienten-information.de des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ), das immerhin das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung ist. Nur ein Drittel dieser Ärzte hält die Patienteninformationen dieser Internetseite für vertrauenswürdig, während das Vertrauen in Wikipedia mehr als doppelt so groß ist.

Quelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/ ... -kritisch/

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Siehe auch unter > viewtopic.php?f=2&t=21676
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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