EGMR: Künstliche Ernährung kann beendet werden

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

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EGMR: Künstliche Ernährung kann beendet werden

Beitrag von WernerSchell » 06.06.2015, 06:48

Aus Forum: viewtopic.php?f=2&t=17902&hilit=Frankreich

Der Europäische Gerichthof für Menschenrechte (EGMR) hat am 05.06.2015 eine richtungsweisende Entscheidung gefällt:
Sterbehilfe für querschnittsgelähmten Franzosen wurde gebilligt

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Vincent Lambert liegt seit einem Motorradunfall 2008 im Wachkoma.
Foto: dpa bildfunk


Nach Auffassung des EGMR ist die Entscheidung des obersten französischen Verwaltungsgerichts, die künstliche Ernährung des Wachkoma-Patienten Lambert zu beenden, kein Verstoß gegen das Recht auf Leben der Europäischen Menschenrechtskonvention. Nun können die Ärzte mit Zustimmung der Ehefrau Lamberts und mehrerer Geschwister die Magensonde des früheren Krankenpflegers entfernen und ihn sterben lassen. Die Eltern und zwei Geschwister des 38 Jahre alten ehemaligen Krankenpflegers wollten ihn mit künstlicher Ernährung weiter am Leben halten. Lambert liegt nach einem Verkehrsunfall vor sieben Jahren im Wachkoma. - Das Urteil des EGMR ist endgültig, eine Berufung dagegen nicht möglich (Quelle dpa und Ärzte Zeitung vom 05.06.2015 http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirt ... 05-_-Recht ).

Weitere Beiträge zum Thema unter:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/s ... 37296.html
http://www.sueddeutsche.de/panorama/eur ... -1.2507230
http://www.rtl.de/cms/wachkoma-patient- ... 35446.html
http://www.lto.de/recht/hintergruende/h ... -wachkoma/

+++ Anmerkung der Moderation: +++
Es bleibt abzuwarten, ob und ggf. inwieweit die getroffene Entscheidung des EGMR die bundesdeutsche Debatte um ein Sterbehilfegesetz beeinflussen wird. Ein solches Gesetz ist für den Herbst 2015 angekündigt worden. Zahlreiche Beiträge sind zu diesem Thema in diesem Forum u.a. unter folgender Adresse nachlesbar: viewtopic.php?f=2&t=20065&p=77779#p77779
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http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Urteil: Europarichter billigen passive Sterbehilfe

Beitrag von WernerSchell » 08.06.2015, 06:38

Deutsches Ärzteblatt:
Menschenrechts­gerichtshof billigt passive Sterbehilfe
Die künstliche Ernährung des französischen Koma-Patienten Vincent Lambert darf abgebrochen werden.
Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof bestätigte damit am Freitag in Straßburg die Entscheidung der französischen ... »
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... terbehilfe

Hospiz- und Palliativversorgung: Kabinett verabschiedet Gesetz
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... ativgesetz
Frankreich billigt Änderung des Sterbehilfegesetzes
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... fegesetzes


Ärzte Zeitung vom 08.06.2015:
Urteil: Europarichter billigen passive Sterbehilfe
Passive Sterbehilfe verstößt nicht gegen die Menschenwürde und das Recht auf Leben.
Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Fall des querschnittsgelähmten
Vincent Lambert aus Frankreich entschieden.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=887 ... cht&n=4268
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Krankenhaus beruft „Familienrat” zu Koma-Patient Lambert ein

Beitrag von WernerSchell » 14.07.2015, 14:04

Deutsches Ärzteblatt:
Krankenhaus beruft „Familienrat” zu Koma-Patient Lambert ein
Vincent Lambert zieht sich bei einem Motorradunfall am 29. September 2008 schwere Kopfverletzungen zu.
Er fällt ins Koma - ein Zustand, aus dem er seither nicht zurückgekehrt ist. Zwar bewegt er manchmal die Augen. Ob er allerdings ... »
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... ambert-ein

Menschenrechtsgerichtshof billigt passive Sterbehilfe
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... terbehilfe
Frankreich: Neues Gutachten bei Sterbehilfe-Fall gefordert
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/5 ... -gefordert
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Koma-Patient Vincent Lambert wird vorerst weiter ernährt

Beitrag von WernerSchell » 24.07.2015, 06:53

Deutsches Ärzteblatt, 23.07.2015:
Koma-Patient Vincent Lambert wird vorerst weiter ernährt
Der Koma-Patient Vincent Lambert bleibt vorerst am Leben. Die behandelnde Ärztin Daniela Simon habe sich dazu entschlossen,
einen gesetzlichen Vertreter für Lambert einzufordern, berichtet der französische Fernsehsender ... »
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... r-ernaehrt

Koma-Patient Lambert: Krankenhaus versucht zu vermitteln
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... ambert-ein
Menschenrechtsgerichtshof billigt passive Sterbehilfe
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... terbehilfe
Menschenrechtsgericht will Sterbehilfe für Franzosen vorerst stoppen
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/5 ... st-stoppen
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Künstliche Ernährung am Lebensende

Beitrag von WernerSchell » 04.10.2016, 06:29

Ärzte Zeitung vom 04.10.2016:
Sinnvoll oder nicht?: Künstliche Ernährung am Lebensende
Viele Ärzte fühlen sich unsicher, wenn sie in der letzten Lebensphase eines Patienten entscheiden müssen: Künstliche Ernährung - Ja oder Nein?
Eine Leitlinie empfiehlt eine PEG auch in der Terminalphase sterbender oder demenzkranker Patienten - ein Palliativmediziner sieht das kritisch.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=920 ... enz&n=5263
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Künstliche Ernährung: Patientenverfügung schützt

Beitrag von WernerSchell » 20.02.2017, 09:26

Ärzte Zeitung vom 15.02.2017:
Künstliche Ernährung: Patientenverfügung schützt vor qualvoller Übertherapie am Lebensende
Weil niemand den Mut hat, die Magensonde zu entfernen, verbringt ein schwerstkranker Demenzpatient seine letzten Jahre in qualvoller Regungslosigkeit.
Der Fall macht deutlich, welches Leid eine Patientenverfügung ersparen kann. mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=929 ... hik&n=5564
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"Sterbehilfegesetz" verunsichert Ärzte und Pflegepersonal

Beitrag von WernerSchell » 08.04.2017, 06:40

Aus Forum:
viewtopic.php?f=2&t=20596&p=97409#p97409

„Sterbehilfegesetz“ verunsichert Ärzte und Pflegepersonal
fzm, Stuttgart, April 2017 – Das im November 2015 verabschiedete Gesetz, das die geschäftsmäßige Hilfe zum Suizid unter Strafe stellt, wird von Ärzten und Pflegepersonal in der Palliativmedizin als zwiespältig empfunden. In einer jetzt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2017) veröffentlichten Umfrage kritisieren beide Berufsgruppen die unpräzise Formulierung des Gesetzes und die daraus resultierende unzureichende Rechtssicherheit. Rund 40 Prozent der befragten Ärzte und etwa 43 Prozent der Pflegekräfte halten das Gesetz in seiner jetzigen Form nicht für sinnvoll.
Pressemitteilung angefügt.
Quelle: Mitteilung vom 07.04.2017
Thieme Kommunikation in der Thieme Verlagsgruppe
http://www.thieme.de/presse | http://www.facebook.com/georgthiemeverlag | http://www.twitter.com/ThiemeMed
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Haben Sie noch Fragen? Dann wenden Sie sich an uns: Catrin Hölbling E-Mail: presse@thieme.de
Alexandra Hofmann Tel: 0711 8931-318 - Fax: 0711 8931-167 - E-Mail: alexandra.hofmann@thieme.de

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Unpräzise Formulierung des Gesetzes und daraus resultierende unzureichende Rechtssicherheit!
So urteilen Ärzte und Pflegekräfte über den Paragraf 217 StGB, der die geschäftsmäßige Hilfe zum
Suizid unter Strafe stellt. © virtua73 – Fotolia.com


„Sterbehilfegesetz“ verunsichert Ärzte und Pflegepersonal

fzm, Stuttgart, April 2017 – Das im November 2015 verabschiedete Gesetz, das die geschäftsmäßige Hilfe zum Suizid unter Strafe stellt, wird von Ärzten und Pflegepersonal in der Palliativmedizin als zwiespältig empfunden. In einer jetzt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2017) veröffentlichten Umfrage kritisieren beide Berufsgruppen die unpräzise Formulierung des Gesetzes und die daraus resultierende unzureichende Rechtssicherheit. Rund 40 Prozent der befragten Ärzte und etwa 43 Prozent der Pflegekräfte halten das Gesetz in seiner jetzigen Form nicht für sinnvoll.

Paragraph 217 des Strafgesetzbuchs (StGB) droht Personen, die „in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewähren, verschaffen oder vermitteln“ eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe an. Schon bevor der Bundestag das Gesetz verabschiedete, äußerten Juristen und Mediziner Bedenken. Rechtsexperten kritisierten es als „moralistisch und paternalistisch“, Ärzte befürchteten, dass sie sich bereits durch einen einmaligen Hinweis auf eine Suizidbeihilfe im Ausland strafbar machen würden.

Die Medizinstudentin Julia Zenz von der Ruhr-Universität Bochum, die ehemalige Vorsitzende Richterin am Bundesgerichtshof Ruth Rissing-van Saan und der Schmerztherapeut Professor Michael Zenz, Emeritus der Ruhr-Universität Bochum haben die Einstellung betroffener Ärzte und Pflegekräfte hierzu untersucht. Dazu befragten sie im März 2016 auf einer Fachtagung für Palliativmedizin beide Berufsgruppen nach ihrer Einschätzung. Den verteilten Fragebogen beantworteten insgesamt 138 Mediziner sowie 318 Pflegekräfte. Die meisten stießen sich an der unklaren Formulierung des Gesetzes. So gaben rund 54 Prozent an, dass aus dem Gesetz nicht genau hervorgehe, welche Form der Suizidbeihilfe erlaubt sei und welche nicht. Etwa 42 Prozent erklärten, dass das Gesetz die Selbstbestimmung der Patienten einschränke. Nur 32,5 Prozent waren der Meinung, das Gesetz stärke ihre Rechtssicherheit.

Gleichzeitig sahen rund 68 Prozent der Ärzte ihre Gewissensfreiheit durch das Gesetz nicht eingeschränkt. Auch hinsichtlich ihrer Therapiefreiheit fühlte sich die Mehrheit mit 77,5 Prozent nicht beschnitten. Dennoch hielten insgesamt nahezu 43 Prozent der Ärzte und fast 41 Prozent des Pflegepersonals das Gesetz nicht für sinnvoll.

Für die Autoren geben die Ergebnisse Anlass zum Nachdenken: Positiv sei zwar, dass der Begriff der „Sterbehilfe“ im Gesetz nicht verwendet werde. Dieser ist nach Ansicht der Experten missverständlich, da sowohl die zulässige Schmerztherapie mit starken Schmerzmitteln als auch eine strafrechtlich verbotene Tötung auf Verlangen darunter verstanden werden kann. Dennoch gäbe es viele Unklarheiten in den Begrifflichkeiten. Die Tatsache, dass über 50 Prozent der Befragten angeben, nicht zu wissen, welche Handlungen zukünftig erlaubt seien, zeige, dass das Gesetz Ärzten und Pflegekräften keinen sicheren Rahmen und den betroffenen Patienten nicht den vom Gesetzgeber gewünschten Schutz biete.

Darüber hinaus kritisieren die Autoren die Formulierung des Gesetzes in Absatz 2, der Angehörigen des Sterbewilligen sowie ihm nahestehende Personen von einer Strafverfolgung ausnimmt. Inwieweit Ärzte und Pflegende dem Patienten nahestehen, formuliert das Gesetz nicht. Sie werden mit keinem Wort erwähnt. Hier wäre mehr Klarheit wünschenswert. Für die Experten ist es deshalb nicht verwunderlich, dass Ärzte und Pflegekräfte in der Palliativmedizin verunsichert sind. Diese Unsicherheit behindere eine gute Behandlung schwer kranker Menschen und eine offene Kommunikation über ihre Ängste und einen damit verbundenen möglichen Sterbewunsch.

J. Zenz, R. Rissing-van Saan, M. Zenz:
Ärztlich assistierter Suizid – Umfrage zu § 217 StGB
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2017; 142 (5); e28–e33


Quelle: https://www.thieme.de/de/presse/sterbeh ... 113389.htm
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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