Behandlungsfehler - Trend zu mehr Vorwürfen hält an

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Behandlungsfehler - Trend zu mehr Vorwürfen hält an

Beitrag von WernerSchell » 20.05.2015, 18:32

Behandlungsfehler-Begutachtung der Medizinischen Dienste: Trend zu mehr Vorwürfen hält an

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14.663 Behandlungsfehlervorwürfe haben die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) 2014 begutachtet. In jedem vierten Fall bestätigten die Gutachter den Verdacht der Patienten. Das geht aus der Jahresstatistik der Behandlungsfehler-Begutachtung hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Der Medizinische Dienst fordert einen offenen Umgang mit Fehlern und eine neue Sicherheitskultur.

„Die Zahl der begutachteten Behandlungsfehlervorwürfe ist anhaltend hoch – insoweit können wir als Medizinischer Dienst keine Entwarnung geben“, sagt Dr. Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des MDS. Im Jahr 2014 gingen die MDK-Gutachter in 14.663 Fällen einem Behandlungsfehlervorwurf nach. Das ist knapp mehr als im Jahr zuvor mit 14.585 Fällen. Ebenso stieg die Zahl der bestätigten Fehler mit 3.796 Fällen leicht an (2013: 3.687.) „Auch bei größter Sorgfalt passieren Fehler im Krankenhaus, in der Arztpraxis und in der Pflege. Uns geht es um einen offenen Umgang mit Fehlern, damit die Patienten entschädigt werden. Zudem müssen die Fehler systematisch analysiert werden, damit sie in Zukunft vermieden werden können. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Umstände zum Fehler geführt haben.“

Knapp zwei Drittel der Behandlungsfehlervorwürfe betrafen Behandlungen in Krankenhäusern. Ein Drittel bezog sich auf Vorwürfe gegen einen niedergelassenen Arzt. Die meisten Behandlungsfehlervorwürfe bezogen sich jedoch auf chirurgische Eingriffe. 7.845 Fälle stehen in direktem Zusammenhang mit Operationen. „Dies hat nach unserer Erfahrung damit zu tun, dass bei einem postoperativen Behandlungsverlauf, der nicht den Erwartungen entspricht, der Verdacht auf einen Behandlungsfehler nahe liegt, während Fehler bei der Medikation von Patienten oft nicht wahrgenommen werden“, erläutert Prof. Dr. Astrid Zobel, Leitende Ärztin des MDK Bayern.

In der aktuellen Statistik der MDK-Gemeinschaft standen 7.845 Fälle in direktem Zusammenhang mit einem operativen Eingriff. Ein Behandlungsfehler wurde in 24,3 % der Fälle gutachterlich festgestellt.

Die höchste Quote an bestätigten Behandlungsfehlern findet sich jedoch nicht in der Chirurgie. Am häufigsten wurde ein Fehlervorwurf in der Pflege bestätigt (57,8 % von 590 Fällen), gefolgt von der Zahnmedizin mit 39,2 % von 1.419 Fällen, der Allgemeinchirurgie mit 27,5 % von 1.642 Fällen sowie der Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit 27,0 % von 1.144 Fällen. „Die Zahlen der MDK-Gemeinschaft spiegeln jedoch nicht die Behandlungsqualität wider, da sie nicht die Gesamtzahl der Behandlungen und Behandlungsfehler repräsentieren. Zudem ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, weil Fehler zum einen nicht immer als solche zu Tage treten und somit weder für Patienten noch für Behandler erkennbar sind. Zum anderen sind Patienten vermutlich oft nicht in der Lage oder können sich nicht entschließen, einem Fehlerverdacht nachzugehen“, macht Zobel deutlich.

Der Medizinische Dienst weist ausdrücklich auf vielfältige Möglichkeiten der Fehlervermeidung hin. Dies verdeutlichte auch der Leiter Patientensicherheit beim MDS, PD Dr. Max Skorning, am Beispiel der „Never Events“. Dies sind Ereignisse, die einerseits folgenschwer und andererseits sehr gut vermeidbar sind. „Wenn zum Beispiel bei Operationen immer eine standardisierte OP-Checkliste genutzt wird, dann kann einfach verhindert werden, dass offensichtliche Probleme und bekannte Risiken im Einzelfall übersehen werden. Besteht eine solche Routine nicht, dann liegt es nahe, dass doch folgenschwere Fehler aufgrund von Verwechslungen oder Missverständnissen geschehen können. Daher ist die Auswertung der „Never Events“ ein sehr wertvoller Ansatz zur Prävention“, erläutert Skorning. 2014 stellten die MDK-Gutachter bundesweit 209 „Never Events“ fest. Um besser aus Fehlern lernen zu können, sollten Beispiele aus dem Ausland aufgegriffen und alle erkannten Behandlungsfehler auch in Deutschland registriert werden.

Hintergrund
Spezielle Gutachterteams prüfen in den MDK Vorwürfe von Behandlungsfehlern. Die Gutachter gehen dabei der Frage nach, ob die Behandlung nach dem anerkannten medizinischen Standard abgelaufen ist. Liegt ein Behandlungsfehler vor, wird außerdem geprüft, ob der Schaden, den der Patient erlitten hat, durch den Fehler verursacht worden ist. Nur dann sind Schadensersatzforderungen aussichtsreich. Auf der Basis des MDK-Gutachtens kann der Patient entscheiden, welche weiteren Schritte er unternimmt. Die MDK-Begutachtung umfasst neben der Beurteilung von Fehlern in der Medizin auch Fehler in der Zahnmedizin und Pflege. Gesetzlich Versicherten entstehen durch die Begutachtung keine zusätzlichen Kosten. Beauftragt werden die MDK durch die Krankenkassen.

Der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) berät den GKV-Spitzenverband in medizinischen und pflegerischen Fragen. Er koordiniert und fördert die Durchführung der Aufgaben und die Zusammenarbeit der MDK.
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist der sozialmedizinische Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und der Pflegeversicherung. Er ist auf Landesebene als eigenständige Arbeitsgemeinschaft organisiert.

Zur kompletten Pressemappe: http://www.mds-ev.de/4569.htm

Quelle: Pressemitteilung vom 20.05.2015
Michaela Gehms
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Pressesprecherin | Teamleiterin Öffentlichkeitsarbeit Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) Theodor-Althoff-Straße 47
45133 Essen
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Re: Behandlungsfehler - Trend zu mehr Vorwürfen hält an

Beitrag von WernerSchell » 20.05.2015, 18:35

Ärzte Zeitung vom 20.05.2015
MDS: Neue Statistik zu Behandlungsfehlern
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDS) stellt heute seine Jahresstatistik zu ärztlichen Behandlungsfehlern vor.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=886 ... sen&n=4235
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Schutz der Patienten vor Behandlungsfehlern

Beitrag von WernerSchell » 20.05.2015, 18:37

Schutz der Patienten vor Behandlungsfehlern weiter ungenügend

„Das Patientenrechtegesetz, das noch aus schwarz-gelber Regierungszeit stammt, erweist sich wie befürchtet als nicht patientenfreundlich. So kommen die meisten Behandlungsfehler weiterhin nicht ans Licht und geschädigte Patienten erhalten kein Recht. Die wahre Zahl der Behandlungsfehler liegt leider bedeutend höher als das, was Ärzte zugeben und Krankenkassen offiziell erheben.“ erklärt Kathrin Vogler, Sprecherin der Fraktion DIE LINKE für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte, anlässlich der Bekanntgabe neuer Zahlen des MDK zu Behandlungsfehlern. Vogler weiter:

„Nur eine Beweislastumkehr wird den Patientinnen und Patienten wirklich helfen können. Zudem muss endlich ein Register zur Erfassung der Behandlungsfehler aufgebaut und eine neue Kultur im Umgang mit Fehlern geschaffen werden.

Außerdem brauchen Beschäftigte, die auf Missstände in Praxen, Kliniken oder Heimen hinweisen, dringend einen Schutz vor Anfeindungen im Betrieb oder gar vor einer Entlassung. Doch erst heute wurde ein Antrag der LINKEN, einen umfassenden Schutz für Whistleblower aufzubauen, in den Bundestagsausschüssen durch CDU/CSU und SPD abgelehnt.“

Quelle: Pressemitteilung vom 20.05.2015
F.d.R. Hendrik Thalheim
Pressesprecher
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Telefon +4930/227-52800
Telefax +4930/227-56801
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Arztfehler: Zumeist falsche Verdächtigungen

Beitrag von WernerSchell » 21.05.2015, 06:34

Ärzte Zeitung vom 21.05.2015:
Arztfehler: Zumeist falsche Verdächtigungen
Jeder vierte Verdacht entpuppt sich auch als Behandlungsfehler, zeigt die neue Auswertung der Krankenkassen.
Am häufigsten angeprangert wurden 2014 Orthopäden und Unfallchirurgen.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=886 ... ung&n=4236

Kommentar zur Behandlungsfehler-Statistik: Spektakuläre Fälle, aber nüchterne Zahlenreihen
Das Thema Behandlungsfehler ist immer für Schlagzeilen gut. Das gilt besonders dann, wenn es um spektakuläre Einzelfälle geht.
So war es auch am Dienstag wieder im Talkshow-Format "Menschen bei Maischberger" zum Thema "Der verunsicherte Patient:
Warum misstrauen wir Ärzten?". mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=886 ... ung&n=4236
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Behandlungsfehler: Minimaler Anstieg

Beitrag von WernerSchell » 21.05.2015, 06:42

Deutsches Ärzteblatt:
Behandlungsfehler: Minimaler Anstieg – Kassen sehen trotzdem keinen Grund zur Entwarnung
„Die Zahl der begutachteten Behandlungsfehlervorwürfe ist anhaltend hoch – insoweit können wir als Medizinischer Dienst keine Entwarnung geben.“
Mit diesen Worten hat heute Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt ... »
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... Entwarnung
Zahl ärztlicher Behandlungsfehler bleibt im Promillebereich
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/6 ... llebereich
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MDK-Bericht: Ärztefehler nehmen zu

Beitrag von WernerSchell » 22.05.2015, 06:28

MDK-Bericht: Ärztefehler nehmen zu
Im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Beschwerden über Behandlungsfehler von Ärzten leicht gestiegen.
Auch die Quote der nachweisbaren Zusammenhänge zwischen medizinischen Folgen und Ärzte-Fehlern ist gewachsen.
Quelle: Berliner Zeitung
http://www.berliner-zeitung.de/wirtscha ... 45182.html
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Behandlungsfehler-Statistik: Fallzahl steigt

Beitrag von WernerSchell » 26.05.2015, 06:44

Ärzte Zeitung vom 22.05.2015
BÄK kommentiert Behandlungsfehler-Statistik: Fallzahl steigt, Arbeit verdichtet sich
Die Bundesärztekammer (BÄK) nimmt den am Mittwoch dieser Woche vorgestellten Behandlungsfehler-Bericht 2014
des Medizinischen Dienstes der GKV zum Anlass, auf die hohe Arbeitsintensität in der ambulanten und stationären
Versorgung hinzuweisen.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=886 ... ung&n=4239
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Behandlungsfehler-Statistik der BÄK: Fallzahl steigt

Beitrag von WernerSchell » 16.06.2015, 07:51

Siehe auch unter:
Behandlungsfehler-Statistik der BÄK: Fallzahl steigt
viewtopic.php?f=2&t=21104
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http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Ärztepfusch: Warum die Zahl der Behandlungsfehler steigt

Beitrag von WernerSchell » 23.06.2015, 09:34

Ärztepfusch: Warum die Zahl der Behandlungsfehler steigt
Zwei Millionen Behandlungsfehler geschehen jährlich in deutschen Kliniken, Praxen und Heimen, von der falschen Diagnose
bis zum vergessenen Tupfer. Krankenkassen und Patienten erhöhen den Druck.
Quelle: Die Welt
http://www.welt.de/gesundheit/article14 ... teigt.html
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Patientenrechtegesetz - in der Kritik

Beitrag von WernerSchell » 30.06.2015, 06:11

Heute, 30.06.2015, wurde bei Facebook folgender Text gepostet:

Patientenrechtegesetz - in der Kritik.
Aus Ärztesicht erreicht das Patientenrechtegesetz seine Ziele nicht.
Dazu eine Anmerkung von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk:
Die Ärzte sind mit dem Patientenrechtegesetz mehr als gut weggekommen.
Es wurden doch im Wesentlichen nur die relevanten Gerichtsentscheidungen
in Gesetzesform festgeschrieben. Viele aus Patientensicht notwendige Regelungen fehlen.

> viewtopic.php?f=2&t=21111
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Behandlungsfehler - Trend zu mehr Vorwürfen hält an

Beitrag von WernerSchell » 09.03.2018, 07:29

Am 09.03.2017 bei Facebook gepostet:
Behandlungs- und Pflegefehler passieren jeden Tag. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt eine Zahl von 40.000 - 170.000 Behandlungsfehlern pro Jahr, das Aktionsbündnis Patientensicherheit geht sogar von deutlich höheren Zahlen aus. Der Ratgeber "Ihr Recht bei Ärztepfusch" zeigt auf, wie man erfolgreich bei Behandlungs- und Pflegefehlern vorgehen kann. >>> viewtopic.php?f=2&t=22366&p=101548#p101548
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