Das sieht aber gar nicht gut aus - Buchtipp

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

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Das sieht aber gar nicht gut aus - Buchtipp

Beitrag von WernerSchell » 04.08.2015, 06:26

Buchtipp!

Werner Bartens:

Das sieht aber gar nicht gut aus
Was wir von Ärzten nie wieder hören wollen

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Originalausgabe
Paperback, Klappenbroschur, 160 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-55232-2
€ 12,99 [D] | € 13,40 [A] | CHF 18,90* (* empf. VK-Preis)
Verlag: Pantheon

Zum Buch:
Wenn der Arzt uns krank macht
Für den Arzt ist der Umgang mit Kranken Alltag, Routine. Für Patienten ist es hingegen immer ein Ausnahmezustand, wenn sie zum Doktor oder in die Klinik müssen. Patienten sind beim Arzt hoch konzentriert und achten auf jede Geste und jede Äußerung. Ein Stirnrunzeln, eine gehobene Augenbraue, eine unachtsame Bemerkung können eine Welt zusammenbrechen lassen und die Chance auf Heilung oder Genesung zum Teil dramatisch mindern. Der Arzt bekommt davon meist gar nichts mit. Der Patient bleibt mit seinen Ängsten und Irritationen allein zurück.
»Das sieht aber gar nicht gut aus« – »Sie sind ein Risikopatient« – »Wir können im Augenblick nichts mehr für Sie tun« oder auch an Schwangere adressiert »Oh, der Kopf ist ein bisschen groß« oder »Ich kann den Magen nicht finden«. Wenn Ärzte solche Sätze sagen, ist das wie ein K.o.-Schlag. Der Patient ist am Boden zerstört, sieht sich am Ende oder zumindest für den Rest seines Lebens dahinsiechen oder das ungeborene Leben in höchster Gefahr. Die wenigsten Ärzte sind bösartig, aber manche doch ziemlich gedankenlos in ihren Äußerungen. Sie ahnen nicht, wie sich ein nebenbei dahingesagter Satz auf Patienten auswirken kann.
Denn ungeheurer Schaden entsteht, wenn Ärzte ihre Patienten entmutigen und ihnen die Hoffnung nehmen. Die Nocebo-Forschung, aber auch Untersuchungen zur Arzt-Patienten-Kommunikation haben gezeigt, dass sich die Heilung verzögert und die Prognose verschlechtert, wenn Ärzte sich ungeschickt verhalten und Patienten im Gespräch vor den Kopf stoßen. Manche verzweifeln so sehr, dass sie immer kränker werden und sterben.
Dieses Buch versammelt, thematisch sortiert, 99 Sätze, die wir aus Patientensicht von Ärzten nie mehr hören wollen. Werner Bartens zeigt, was der Arzt eigentlich meint und was der Patient stattdessen hört. »Das sieht aber gar nicht gut aus« ist ein Plädoyer für eine richtige Wahrnehmung der Kranken durch die behandelnden Ärzte und für eine bessere Kommunikation zwischen Doktor und Patient.

Quelle und weitere Informationen:
http://www.randomhouse.de/Paperback/Das ... 443468.rhd

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Anmerkung der Moderation:

Ökonomie im Gesundheits- und Pflegesystem - Patienten stehen nicht mehr im Mittelpunkt

Statement: Werner Schell
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Die BRD hat sich bereits in ihren Anfängen zur Marktwirtschaft bekannt. Im Gefolge dieser marktwirtschaftlichen Ausrichtung ist auch das Gesundheits- und Pflegesystem ökonomisch ausgerichtet worden. Diese ökonomische Ausrichtung ist wohl grundsätzlich richtig, darf aber nicht zum Selbstzweck werden. Vielfältige soziale Aspekte müssen Berücksichtigung finden (-> Art. 1, 2 und 20 Grundgesetz).

Leider sind aber die einschlägigen Lobbyisten seit vielen Jahren dabei, allein der ökonomischen Ausrichtung des Gesundheits- und Pflegesystems stets mehr Raum zu geben. Die Interessen der Patienten und pflegebedürftigen Menschen kommen dabei immer weniger zur Geltung. Es gelingt z.B. seit Jahren nicht einmal, die "Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Personen" in subjektiv-öffentliche Rechte umzuwandeln und damit einen verbindlichen Rahmen zu geben.

So hat sich auch in den Krankenhäusern das Prinzip breit gemacht, dass Umsätze mittels Fallpauschalen (DRG) höchste Priorität haben (siehe z.B. die große Zahl unnötiger Operationen). Folglich bleiben auch die Interessen der Pflegekräfte auf der Strecke nach dem Motto: "Ärzte bringen Geld, Pflegekräfte kosten Geld." - Das ist eine Entwicklung, hier nur in Kürze skizziert, der in einer Gesundheits- und Pflegereform entschieden entgegen getreten werden muss.

Und dazu der Klartext für den Pflegebereich:

Pflegenotstand der BRD in Zahlen ... Auf 100 zu pflegende Personen ....
... über 80 Jahre kommen nach OECD-Berechnungen in der Langzeitpflege in Schweden 33,2 Vollzeitstellen, in Norwegen 22, in den Niederlanden 19, in der Schweiz 16,5 und in Deutschland lediglich 11,2.
Quelle: Zeitschrift „change“, Das Magazin der Bertelsmann Stiftung, 3/2013 (Seite 46). Titel der Ausgabe "Pflege - Ganz nah bei den Menschen - Große Herausforderungen und neue Wege in der Pflege".

Damit ist eindrucksvoll bestätigt, warum wir in Deutschland von einem Pflegenotstand sprechen müssen.
Wir haben einen Mangel dergestalt, dass für die stationären Pflegeeinrichtungen keine auskömmlichen Stellenschlüssel vorgesehen sind. Folglich fehlt für die gehörige Zuwendung Personal vorne und hinten. Würde man die dadurch eintretende Arbeitsverdichtungen u.a. durch bessere Stellenschlüssel auflösen und ergänzend angemessene Vergütungen vereinbaren, könnten wir uns auch mit Blick auf die Zukunft Diskussionen um einen Fachkräftemangel in der Pflege sparen (zumindest vorerst). Das Thema Pflegenotstand wird am 13.05.2014 Gegenstand eines großen Pflegetreffs in Neuss-Erfttal sein. Siehe dazu die ersten Hinweise unter:
viewtopic.php?t=19125
Zum Pflegenotstand finden Sie u.a. Beiträge unter:
viewtopic.php?t=18558
viewtopic.php?t=18285
Weiterhin richtig: „Mehr Personal, bessere Pflege"
-> http://www.ngz-online.de/neuss/nachrich ... e-1.316561
Quelle: viewtopic.php?t=19668

Ergänzend eine Krankenhausärztin:

"In dem ständig steigenden Arbeitsdruck geht langsam, aber stetig etwas verloren, was wesentlich wäre für eine patientenorientierte Medizin: genug Zeit für Zuwendung, Zuhören, Trost. Man muss es deutlicher sagen: Der Patient steht nicht mehr im Mittelpunkt medizinischer Bemühungen, sondern er, besonders sein kranker Körper, wird zum Störfaktor. Die ökonomisierte Medizin gleicht diese Probleme, die der Patient macht, mit Technik aus, die deutlich weniger Zeit und Personal erfordert:
- Kann ein Patient im Krankenhais nicht mehr genügend trinken und das heißt: nicht mehr genügend schnell, bekommt, bekommt er einen Tropf gelegt. …
- Isst ein Patient zu wenig oder zu langsam, wird ihm eine Magensonde gelegt. …
- Nässt ein Patient immer wieder ein, wird ihm ein Dauerkatheter gelegt. …
- Verhält sich ein Patient unruhig, werden Bettgestelle oder Fixierungen angebracht. …
… Rettet die Medizin vor der Ökonomie …"

Quelle: Werner Bartens "Das sieht aber gar nicht gut aus - War wir von Ärzten nie hören wollen"; Pantheon Verlag, München Oktober 2013 (Seite 82 ff.)
viewtopic.php?t=19688

Werner Schell - Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk - http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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