Neuregelung der Organspende

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

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Neue tierexperimentelle Studie hat keine Aussagekraft im Hinblick auf den Hirntod beim Menschen

Beitrag von WernerSchell » 18.04.2019, 08:48

Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Neue tierexperimentelle Studie hat keine Aussagekraft im Hinblick auf den Hirntod beim Menschen


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Quelle: DGN - © iStock/sudok1

18.04.2019 – Gestern Abend hat das renommierte Journal „Nature“ eine tierexperimentelle Studie [1] veröffentlicht, die zeigt, dass Schweinehirne vier Stunden nach dem (plötzlichen) Schlachttod des Tieres die Blutzirkulation wiederaufnehmen können und auch begrenzt neuronale Aktivität zeigten. Die Studie ist von großer wissenschaftlicher Bedeutung, weil sie einen ersten experimentellen Ansatz dafür liefert, wie ein Gehirn in einer Phase der Nulldurchblutung und des Sauerstoffmangels, wie sie z. B. häufig bei Herzinfarkt oder Schlaganfall eintritt, vor dem Untergang bewahrt werden könnte. Rückschlüsse auf den Hirntod lässt die Studie hingegen nicht zu.

Die Studie [1] zeigte, dass im Tierexperiment bei einem Schweinehirn vier Stunden nach dem Tod des Tieres die Blutzirkulation wieder etabliert werden konnte. Es wurde eine spontane synaptische Aktivität der Neuronen beobachtet, aber keine Zeichen einer globalen elektrischen Aktivität des Gehirns. Es handelt sich aus Sicht der DGN um ein Experiment mit einem sehr komplexen Aufbau und einem bedeutsamen Ergebnis: Die Tiere wurden getötet, anschließend geköpft, dann wurde der Kopf blutentleert und eine spezielle (20° kalte) Nährlösung wurde infundiert. Die Köpfe wurden anschließend auf Eis präpariert. Vier Stunden später wurden die Gehirne dann sechs Stunden lang mit einer speziellen, blutähnlichen und zellschützenden Nährlösung „durchflutet“. Danach führten die Wissenschaftler verschiedene Tests zur Überprüfung der Nervenzellfunktionen durch.

„Das Experiment ist von so hoher wissenschaftlicher Bedeutung, weil es einen ersten Hinweis darauf liefert, dass ein bis dahin intaktes Gehirn nach einem plötzlichen Ereignis, das zu Atemstillstand und Sauerstoffmangel führt, wie z.B. einem schweren Herzinfarkt oder Schlaganfall, vor dem endgültigen Untergang bewahrt werden könnte“, erklärt Prof. Dr. med. Georg Gahn, Karlsruhe, Vorsitzender der Kommission Neurologische Intensivmedizin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Das ist aus wissenschaftlicher Sicht eine bahnbrechende Erkenntnis.

Die Studie hat nach Ansicht des Neurologen hingegen nichts mit der Hirntoddiagnostik zu tun und sollte nicht zu falschen Rückschlüssen verleiten. „Der Hirntod ist eine völlig andere Situation. Beim Hirntod liegt bereits eine irreversible Hirnschädigung vor, obwohl die Blutzirkulation künstlich aufrechterhalten wird und kein Sauerstoffmangel besteht. Der Sterbeprozess ist bereits weit fortgeschritten und unumkehrbar. Die vorliegende Studie untersuchte hingegen, ob und wie ein gesundes, bis dahin ungeschädigtes Hirn eine längere Phase des Durchblutungsstillstands überwinden kann, ohne unterzugehen. Das ist eine völlig andere Fragestellung. Die Studie darf keinesfalls so interpretiert werden, als sei es möglich, ein sterbendes oder bereits verstorbenes Gehirn zum Leben zu erwecken.“

Die Hirntoddiagnostik ist in Deutschland sehr streng geregelt und wird nach definierten Kriterien sorgfältig durchgeführt. Die Prüfung der Unumkehrbarkeit des Sterbeprozesses erfolgt nach 12, 24 oder 72 Stunden (je nach Hirnschädigung und Alter des Sterbenden).

Literatur
[1] Vrselja Z, Daniele SG Silbereis J et al. Restoration of brain circulation and cellular functions hours post-mortem. Nature 2019. 17 Apr.

Quelle: Pressemitteilung vom 18.04.2019
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sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 9500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

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Pressemitteilung zum Download > https://www.dgn.org/images/red_pressemi ... riment.pdf
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Die Wahrheit über Organentnahme nach Hirntod – Schweizer Ärzte fordern gesetzliches Verbot

Beitrag von WernerSchell » 21.04.2019, 07:31

Die Wahrheit über Organentnahme nach Hirntod – Schweizer Ärzte fordern gesetzliches Verbot
Epoch Times20. April 2019 Aktualisiert: 21. April 2019 1:22
Der Traum, den die Transplantationslobby webt, ist „leider nur ein schöner Traum“, sagt der Schweizer Verein ÄPOL. Denn der Unterschied zwischen einer Leiche und einem Hirntoten ist gravierend: "Hirntote Organspender sterben statt im Kreise ihrer Angehörigen im Operationssaal inmitten aufwendigster Technik durch die Organentnahme".
... (weiter lesen unter) ... https://www.epochtimes.de/gesundheit/me ... uLdReVxGOw
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Hausärzte sollen Schlüsselrolle bei Organspende einnehmen

Beitrag von WernerSchell » 07.05.2019, 06:06

Ärzte Zeitung vom 07.05.2019:
Contra Widerspruchslösung
Hausärzte sollen Schlüsselrolle bei Organspende einnehmen

Gesetzentwurf Nummer zwei zur Reform der Organspende liegt vor. Anders als die Widerspruchslösung von Gesundheitsminister Spahn setzt der Alternativentwurf auf die aktive Entscheidung des Einzelnen.
... (weiter lesen unter) ... http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
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Organspende - Hermann Gröhe kämpft gegen Pläne von Jens Spahn

Beitrag von WernerSchell » 11.05.2019, 09:31

Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 11.05.2019:

Organspende:
Hermann Gröhe kämpft gegen Pläne von Jens Spahn


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Pro und Contra Widerspruchslösung: Jens Spahn und sein Amtsvorgänger Hermann Gröhen vertreten in der Organspende gegensätzliche Positionen. Die Bundes-CDU stellt ihre Argumente jetzt gegenüber – für ein ungewöhnliches Modell parteiinterner Meinungsbildung. Foto: CDU

Neuss Ex-Gesundheitsminister Hermann Gröhe stellt sich beim Thema Organspende auf die Seite derer, die die Pläne seines Nachfolgers Jens Spahn verhindern wollen. Die CDU macht beide zu Sprechern einer innerparteilichen Debatte.
Von Christoph Kleinau
Die Amtsführung von Gesundheitsminister Jens Spahn kommentiert der Neusser Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe nie. Als ehemaliger Gesundheitsminister und Vorgänger im Amt verbietet er sich das. Im Ringen um die beste Regelung beim Thema Organspende aber vertritt er offensiv die Gegenposition zu Spahns Plänen einer doppelten Widerspruchslösung. Denn das Thema ist für Gröhe von moralischer Bedeutung.
… (weiter lesen unter) … https://rp-online.de/nrw/staedte/neuss/ ... d-38595443


+++
Anlässlich der o.a. Berichterstattung hat Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk der NGZ - z.Hd. von Frank Kirschstein, Chefredakeur, mitgeteilt:

Sehr geehrter Herr Kirschstein,

ich befasse mich im Rahmen meines Engagements zum Patientenrecht, Pflegerecht … seit vielen Jahren auch mit dem Thema Organspende. Daher habe ich bereits am 04.09.2018 zu den Absichten von Jens Spahn Stellung genommen (siehe Anhang). Es ist ganz eindeutig so, dass die Absichten, eine Widerspruchslösung einzuführen, verfassungswidrig ist. Vollmundige Begründungserklärungen von Jens Spahn helfen dabei auch nicht weiter. Eine solche Regelung ist im Übrigen unnötig, weil die wirklichen Probleme nicht im Bereich der Spendeerklärung liegen, sondern im System, Organentnahme und Einpflanzung. Es gibt nicht genügend interessierte Teams und keine lohnende Vergütung. Eine aktuelle Studie hat das kürzlich bestätigt und damit noch einmal verdeutlichen können, dass wir, selbst wenn sie zulässig wäre, keine Widerspruchslösung brauchen. Auch der Verweis auf andere Länder hilft nicht weiter. Zum Glück haben ein Grundgesetz, dass die Patienten-Selbstbestimmung mit höchstem Rang ausgestattet hat (siehe insoweit mein Hinweistext zu "70 Jahre Grundgesetz" > http://www.wernerschell.de/forum/neu/vi ... =5&t=23181 ). Sollte es trotz aller Hinweise zu einer rechtswidrigen Widerspruchslösung kommen, wird per Verfassungsbeschwerde zu korrigieren sein.
Ich begrüße nach all dem sehr, dass Herr Gröhe auch seine Ablehnung der Widerspruchslösung öffentlich gemacht hat (siehe meinen Hinweistext unter > http://www.wernerschell.de/forum/neu/vi ... &start=105 ).
Ich hätte es aber auch nicht für verkehrt gehalten, wenn Sie auf die Ablehnung durch Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk - sozusagen ergänzend - hingewiesen hätten (Presseinfo von hier habe ich seinerzeit übermittelt). Immerhin befasse ich mich seit den 1980er Jahren mit dem Patientenrecht und habe seinerzeit mit klaren verfassunsrechtlich abgesicherten Hinweisen den ersten Patientenratgeber in Deutschland vorgelegt (siehe > http://www.wernerschell.de/html/arztpflichten.php nicht mehr aktualisiert).
Ich werde am 21.05.2019, 15.00 Uhr, im Bürgerhaus Neuss-Erfttal, zur Patientenautonomie am Lebensende einen Vortrag halten (siehe > http://www.wernerschell.de/forum/neu/vi ... =7&t=23103 ). Darüber habe ich die NGZ informiert und eine Ankündigung erbeten. Es bestünde nun Gelegenheit, meine Sicht zur Organspende dieser Ankündigung anzufügen. - Für weitere Informationen stehe ich gerne zur Verfügung.

Viele Grüße
Werner Schell


+++

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Interessenvertretung
für hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland
Harffer Straße 59 - 41469 Neuss


04.09.2018

Transplantation: Millionen Euro für mehr Organe! - Widerspruchslösung: Nein danke!

Eine Verbesserung der Organentnahme in den Krankenhäusern ist zu begrüßen. Sie wurde in der Vergangenheit mehrfach eingefordert. Die von Jens Spahn geplante Widerspruchslösung muss aber - auch bei einer Interessenabwägung - aus verfassungsrechtlichen Gründen außer Betracht bleiben. Das Selbstbestimmungsrecht muss klar Vorrang haben. Dies ist auch deshalb zwingend, weil im Zusammenhang mit einer Organentnahme wichtige Fragestellungen, v.a. im Zusammenhang mit der Hirntodfeststellung, zu beurteilen sind. Solche Erwägungen dürfen nicht ausgeblendet werden. Daher muss eine Widerspruchslösung ausscheiden. Im Übrigen ist es so: Wenn die auf freiwilliger Basis möglichen Organspenden durch verbesserte Entnahmebedingungen in den Krankenhäusern erleichtert und finanziert werden, sind weitere Maßnahmen ohnehin entbehrlich. >
http://www.wernerschell.de/forum/neu/vi ... 97#p105297

...
Werner Schell
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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AWMF-Arbeitskreis diskutiert über Widerspruchslösung bei Organspenden

Beitrag von WernerSchell » 16.05.2019, 09:29

AWMF-Arbeitskreis diskutiert über Widerspruchslösung bei Organspenden:
Kulturwandel pro Organspende gefordert


Berlin – Die einen sehen den Grund für die seit Jahren rückläufigen Transplantationen in der geringen Zahl aktiver Organspender, andere halten organisatorische Probleme in den Kliniken für entscheidend: Ob man eine doppelte Widerspruchslösung braucht, wie jetzt von Bundesgesundheitsminister Spahn und einigen Abgeordneten gefordert, darüber diskutierten Ärzte und Juristen des gleichnamigen Arbeitskreises der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e. V.. Bei ihrem Treffen Mitte April brachten Befürworter wie Gegner wichtige Argumente vor.

115.000 Transplantation werden jedes Jahr weltweit durchgeführt, 4000 davon in Deutschland. Das ist deutlich weniger als in anderen vergleichbaren Ländern. Hierzulande versterben jeden Tag drei Menschen auf der Warteliste für ein Organ. „Man hat in Deutschland deutlich schlechtere Überlebenschancen, wenn man ein Organ braucht“, kritisiert Professor Dr. med. Bernhard Banas, Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft. Bislang muss jeder ausdrücklich einer Organspende zustimmen. Diese Zustimmungslösung, die seit 2012 als erweiterte Entscheidungs-lösung geführt wird, soll nach Ansicht zahlreicher Politiker, Ärzte und Juristen in der Hoffnung auf mehr Spenderorgane nun in eine Widerspruchslösung umgekehrt werden: Jeder, der seine Organe nicht spenden möchte, muss dann aktiv widersprechen, oder die Angehörigen müssen dies für ihn tun.

Juristisch berührt die Widerspruchslösung insbesondere das Selbstbestimmungsrecht von Menschen. Dieses Recht würde mit der Widerspruchslösung tatsächlich eingeschränkt, doch deutlich weniger – so die Befürworter – als bei einer obligatorischen Entscheidungslösung. Bei fehlendem Organspendeausweis müssen nach derzeitiger Rechtslage die Angehörigen über den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen befinden. Doch obwohl laut einer Studie der Charité 58 Prozent aller Bundesbürger Organspender sein wollen, stimmen dann nur 22 Prozent der Angehörigen zu. „Wir können davon ausgehen, dass viele Angehörige nicht im Sinne des Verstorbenen handeln“, betont Professor Dr. iur. Henning Rosenau, Direktor des Interdisziplinären Wissenschaftlichen Zentrums Medizin – Ethik – Recht der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Außerdem würde die Widerspruchslösung die Angehörigen von einer schweren Entscheidung in der Phase der Trauer entlasten“, so Rosenau. Er ist sich ebenso wie Professor Banas sicher, dass durch eine neue Regelung die Zahl der Organspenden um 20 bis 30 Prozent ansteigen würde, was Meta-Studien belegen und die Entwicklung in den USA zeigt, die zur Widerspruchslösung übergegangen sind. Sie plädieren daher für einen „Kulturwandel“ pro Organspende: „Wir brauchen eine gesellschaftliche Übereinkunft, dass man mit Organspende Leben retten kann.“

Die Kritiker der Widerspruchslösung halten dagegen, dass in den letzten Jahren die Zahl der Organspender um 16 Prozent zugenommen, die Zahl der Organ-Transplantationen aber um 30 Prozent abgenommen habe. „Auch in den Ländern mit einer Widerspruchslösung sind die Organspenden nicht automatisch hoch gegangen“, betont der Theologe Professor Dr. theol. Eberhard Schockenhoff von der Universität Freiburg. Er hält es nicht zuletzt deswegen für problematisch, so schwerwiegende Eingriffe in das Selbstbestimmungsrecht von Menschen vorzunehmen. „Es gibt keine moralische Verpflichtung zur Organspende“, sagt er. „Wir brauchen eine rechtliche Regelung, die die Interessen der Organempfänger berücksichtigt, aber auch die Freiwilligkeit des Spenders sicherstellt.“ Man könne nicht davon ausgehen, dass jeder, der nicht widerspricht, Organspender sein möchte.

Auch würde die Patientenautonomie am Lebensende durch die Widerspruchslösung beeinträchtigt. „Viele Menschen erklären in einer Patientenverfügung, dass sie keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünschen. Diese sind aber notwendig, wenn die Organe eines Sterbenden für eine spätere Organspende genutzt werden sollen“, warnt der Theologe. Das könnte zu einem Zielkonflikt zwischen Patientenverfügung und Organspende führen. Schockenhoff plädiert daher für eine obligatorische Entscheidungslösung, bei der sich jeder aktiv mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und dann zu Lebzeiten zwingend eine Entscheidung festhalten muss. Auch glaubt er, dass durch das am 1. April in Kraft getretene Gesetz zur Verbesserung der Zusammen-arbeit und der Strukturen bei der Organspende (GZSO), das Transplantationsbeauftragte und Entnahmekliniken stärkt, die Zahl der Transplantationen steigen wird.

Einig waren sich Ärzte und Juristen darin, dass man die Bundesbürger bestmöglich über die Organspende und die Chancen von Transplantationen aufklären sollte, damit sie in der Lage sind, eine aktive Entscheidung dafür oder dagegen treffen zu können – sei es im Rahmen der erweiterten Widerspruchslösung oder einer obligatorischen Entscheidungslösung. Denn eines ist allen Beteiligten klar: Die Zahl der lebensrettenden Organtransplantationen muss gesteigert werden.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) bündelt die Interessen der medizinischen Wissenschaft und trägt sie verstärkt nach außen. Sie handelt dabei im Auftrag ihrer 179 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Gegründet 1962 mit dem Ziel, gemeinsame Interessen stärker gegenüber dem Staat und der ärztlichen Selbstverwaltung zu positionieren, erarbeitet die AWMF seitdem Empfehlungen und Resolutionen und vertritt diese im wissenschaftlichen und politischen Raum. Die AWMF ist Ansprechpartner für gesundheitspolitische Entscheidungsträger, wie den Gemeinsamen Bundesausschuss, und koordiniert die Entwicklung und Aktualisierung medizinisch wissenschaftlicher Leitlinien in Deutschland. Jede gemeinnützige Fachgesellschaft in Deutschland kann Mitglied werden, sofern sie sich wissenschaftlichen Fragen der Medizin widmet. Die AWMF finanziert sich vorwiegend durch die Beiträge ihrer Mitgliedsgesellschaften und Spenden.

Qulle: Pressemitteilung vom 16.05.2019
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